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Alles glänzt neu und doch gewohnt stark // Goldroger live

Wer sich der Live-Session von „Harry Haller“ widmet, kann schon erahnen, wie Goldroger auf der Bühne agiert. Seine Songs, die als Fenster in seine Seele fungieren, wirken mit instrumentaler Begleitung des Produzentenduos Dienst&Schulter noch wuchtiger, emotionaler, melancholischer. Und von diesen nachdenklichen wie tiefgehenden Songs gibt es auf Goldrogers neuem Album „Diskman Antishock“ jede Menge.

Fotos: Matthias Schuch | www.matthiasschuch.com

Sein drittes Album soll eine Rückschau auf sein bisheriges Leben sein, es geht darum, dieses Revue passieren zu lassen und zu schauen, wo man seinen Prinzipien nicht ganz treu gewesen ist. „Es ist auch eine Rückbesinnung auf viele Sachen, die mich als Teenie glücklich gemacht haben. Das ist das was zählt, nicht das Geld„, sagt Goldroger darüber in einem Interview. Gleichzeitig greift dieses Konzept aber auch die Frage auf, welche Gewohnheiten er in seine 30er mitnehmen möchte – und welche zurücklassen, wie das Kiffen beispielsweise.

Passend zu diesem privaten Einblick sind auch die Locations klein gehalten, der Tourstopp in Wien ist im B72, in das nur etwa 200 Leute passen. Das Positive: Diese familiäre Atmosphäre macht das Konzert gleich von der ersten gerappten Zeile an zu etwas Persönlichem, die Performance wirkt authentisch, distanzlos und dennoch energiegeladen. Diese Verbundenheit wird auch davon unterstützt, dass Goldroger nicht als Soloact auftritt, sondern als Band. Die drei Musiker auf der Bühne wirken wie eine Gemeinschaft.

Von Nebel eingehüllt, spielt sich das Trio durch das neue Album. Bei „Speedball Drive“ tänzelt Goldroger mit seinen schwarzen Chucks über die Bühne, seine Kappe fliegt dabei schon mal zu Boden. Bei der Videoauskopplung „Lavalampe Lazer“ schweift sein Blick auch zu den Leuten, die die Show vom Geländer im ersten Stock aus verfolgen und bindet so auch das Publikum dort ein. „Den nächsten Song habe ich für ein wunderschönes Mädchen geschrieben„, sagt Goldroger. Zwischenapplaus. „Wie leicht“ handelt davon, dass die Wunden des Liebeskummers nicht verheilen sollen, um nicht wahrhaben zu müssen, dass die Trennung einen Schlussstrich darstellt. Ein so autobiografischer Song, dass der Rapper vor Veröffentlichung die Frau, von der der Text handelt, um ihre Zustimmung gefragt hat. „Ich denk an dich, denkst du an mich„, singen die Leute im Publikum mit.

Ich fühle mich so unsicher vor Shows, dabei gibt es keinen Grund, unsicher zu sein„, gibt Goldroger zu. Das Wiener Publikum saugt die Musik und auch die Energie, die von den Künstlern auf der Bühne ausgeht, auf und gibt sie in doppelter Form zurück. Goldroger gibt so viel und ist dabei dennoch so bei sich, dass er bei den letzten Songs fast das Gleichgewicht verliert. Er schreit ganze Textzeilen und wird dann wieder ganz leise, um der Zerbrechlichkeit in seinen Liedern Nachdruck zu verleihen. Nach der Zugabe „Perwoll“ tauchen die Zuhörer den Veranstaltungsort in ein minutenlanges Getöse aus Applaus und Jubelrufen und zeigen Goldroger so, genauso wie Dienst&Schulter, wie dankbar sie für diese emotional geladene Show sind.

Fazit: Goldrogers Konzerte sind jedes Mal aufs Neue ein Garant für eine mitreißende Performance und intellektuelle, emotionale Texte, die dank instrumentaler Unterstützung noch eindringlicher sind. Dafür muss man nicht mal Rapfan sein, um Goldrogers Konzert zu fühlen.

Übrigens: 2020 kommt mit der zweite Teil der „Diskman Antischock“-LP über Irrsinn Tonträger, die dazugehörige „Diskman Legends“-Tour führt Goldroger am 29. Oktober 2020 ins Wiener Flex Café und tags darauf in die Grazer PPC Bar.

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Nicht alleine im Mittelpunkt // Dennis Lloyd live

Zwei Damen kleben sich noch schnell ein paar Abziehtattoos aufs Dekolleté, der junge Mann vor mir in der Einlassschlange hat einen Gucci-Pullover über seine Schultern geworfen. „Made in Italy“ steht auf dem Etikett. In der Konzertlocation, der Simm City auf der Simmeringer Hauptstraße, versprühen Fischgrätparkett und Wandvertäfelungen eher Ballsaal-Atmosphäre denn Clubambiente mit abgestandener Luft. Nein, ein Konzert, wie man es von HipHop-Veranstaltungen gewohnt ist, wird es hier heute Abend nicht geben. Aber Dennis Lloyd bezeichnet sich auch nicht als Rapper. Seine Liveshows sind geprägt von einer Mischung aus HipHop, Jazz, Soul, Electronica und vielen Instrumentensoli.

© Matthias Schuch | www.matthiasschuch.com

Im Publikum vor der Bühne schließlich ein Wirrwarr aus Sprachen: Ungarisch, Slowakisch, Tschechisch – auch aus den Nachbarländern scheinen viele angereist zu sein, um Dennis Lloyd auf seiner Europatour live zu sehen. Das Konzert ist seit Monaten ausverkauft, eine Hochverlegung kam für das Management des Künstlers dennoch nicht infrage – die intime Atmosphäre in der Simm City scheint gewünscht zu sein. Und sie ist eine Steigerung. „Vor eineinhalb Jahren habe ich in Wien noch vor 200 Menschen gespielt. Es ist schon verrückt, wie sich Dinge verändern“, sagt Lloyd über seine damalige Show im Flex Café. Dabei schaffte es seine Single „Nevermind“ bereits 2018 zu Platin in Österreich – auf Spotify hat der Song mittlerweile eine halbe Milliarde Plays.

Seinen Spotify-Erfolg hat der aus Tel Aviv stammende Produzent und Songwriter erst gar nicht wirklich mitbekommen, da der Musikstreamingdienst in Israel nicht allzu populär war. Er fokussierte sich weiterhin aufs Songsschreiben, Trompetespielen, Komponieren. Beim Durchhören seiner EPs zeigt sich diese Musikalität und Leidenschaft in Form von eingängigen Melodien und Hooks – die jetzt die Massen auch fernab von Israel begeistern.

Und seine Begabung für Musik zieht sich wie ein roter Faden in Form von Soli durch das Konzert. Wenn Dennis Lloyd nicht selbst zu Trompete oder E-Gitarre greift, feuert er Drummer und Saxofonisten an, mit denen er sich die Bühne teilt. Das Trio wirkt viel mehr als Band, Lloyd nimmt sich bewusst zurück, während der Saxofonist mit der Loop-Station werkt und eine Jazz-Einlage zwischen den Songs auf virtuose Weise von sich gibt. Bis sich Lloyd selbst die Trompete schnappt und bei „Demons“ zu einem Duett der Bläser anstimmt. Nach dem Song umarmt er seinen Duett-Partner, bevor er sich die E-Gitarre greift und ein weiteres Solo hinlegt.

Viel von sich gibt Dennis Lloyd abseites der Standard-Phrasen wie „Hey Vienna“ und „Wie geht es euch?“ nicht. Eine Anekdote scheint ihm dennoch am Herzen zu liegen, hat er diese auch bereits vorab im Interview mit einem österreichischen Radiosender erzählt: Während einer einsamen Phase vor zwei Jahren ging er ins Tierheim und hat sich für den Hund entschieden, der genauso traurig wie er auf einem Polster gelegen ist. Seine mittlerweile zwei Hunde Bono und Luna präsentiert er seitdem als Tattoo auf seinen Oberarmen und auf einem eigenen Instagram-Account. #adoptdontshop ist dort zu lesen. Und den Song „Leftovers“ hat der 26-Jährige auch seinen beiden Haustieren gewidmet, da er sie auf Tour sehr vermisse. Ein minimalistischer Beat und eine Akustik-Gitarre sollen diese Melancholie unterstreichen.

Seine zerbrechliche Seite gibt Dennis Lloyd dann noch ein zweites Mal preis, als er davon erzählt, als 16-Jähriger in der Highschool als seltsam beschrieben worden zu sein. Die Leute hätten gesagt, er soll das mit dem Singen sein lassen, aber doch sei er heute hier auf dieser Bühne. „Wenn du anders bist, bist du etwas Besonderes“, sagt er. Das dazugehörige Motto: Hör nicht auf die anderen. So enstanden auch weniger nett gemeinte Songs wie „GFY“, das Lloyd seiner Exfreundin gewidmet hat. Beide Mittelfinger in die Menge gestreckt performt er den Song. „You’re fuckin amazing!“, schreit er ins Publikum, das es ihm mittelfingertechnisch gleichgetan hat, und stimmt als letzten Song „Snow White“ an.

Besonders amüsant, wenngleich kurios: Vor der Zugabe schwenkt Dennis Lloyd die Österreich-Fahne über die Bühne, legt sie aufs Drumset und singt eine Akustik-Version von Britney Spears „Baby one more time“ – wohl eine seiner Lieblingscoversongs.

Fazit: Dennis Lloyd, der laut eigener Aussage von Deep House über Rock bis HipHop sämtliche Musikrichtungen mag, setzt auch seinem Kosmos als Musikschaffender keine Genregrenzen. Daraus entsteht eine Live-Show zwischen Clubsound, Jazz-Rhythmen, Rap und Singer-Songwriter-Melodien. Genau das ist es auch, was sich geneigter Hörer von dem israelischen Künstler erwarten konnte.

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Pop & Politik bei Yasmo & die Klangkantine // Videopremiere

Auf den Singlecovers will die Band interessante Frauen sichtbar machen. Hier: Schauspielerin Kira Lorenza Althaler

Was einen guten Popsong ausmacht? Yasmo überlegt kurz und zählt schließlich auf: nicht nur ein Loop, Eingängigkeit schön und gut, aber ein Aha-Moment sollte auch vorhanden sein. „Und die Qualität muss stimmen. Man merkt schnell, ob sich Musikschaffende etwas dabei denken, oder ob es dieselben drei Akkorde sind, sagt die Musikerin hinsichtlich der neuen Videoauskopplung, die „Popsong“ heißt. Sie ist schon die zweite nach „Mach mach mach“ aus dem neuen und zweiten Album „Prekarkiat & Karat“ von Yasmo & die Klangkantine, das am 1. März über Ink Music erscheint. Bandmitglied und Komponist der Single, Ralph Mothwurf, fügt hinzu: Ein guter Popsong soll den Hörer oder die Hörerin einladen hinzuhören, mitzufühlen und hängenzubleiben.“ Das Einzige, das wirklich gegeben sein müsse, sei, dass man sich der Gesamtheit des Songs kaum entziehen könne.

Neben der Frage nach dem perfekten Popsong gilt es auch herauszufinden, was die Rapperin über den aktuellen Pop denkt, wobei sie die Schere zwischen „artsy“ und plumem Pop immer größer werden sieht. „Damit meine ich eben nicht nur 16el-HiHat, Autotune und ein bisschen Neonfarben, sondern ein ästhetisches, musikalisches und inhaltliches Konzept dahinter. Aber ich will gar nicht so popkritisch klingen, ich liebe Popmusik, aber wie bei jeder Musikrichtung soll es halt auch gut gemacht sein, sagt sie.

Aber die neue Single hat entgegen vieler anderer popkultureller Nummern auch einen gesellschaftskritischen Charakter. „Ich forder Solidarität“ rappt Yasmo und meint damit, dass Menschen sich mit Gruppen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt und ausgebeutet werden, solidarisieren sollten. „Selbst wenn ich nicht in der Position bin und mir meines Privilegs bewusst bin, habe ich trotzdem die Verantwortung, eine der größten Superkräfte der Menschheit, nämlich die Empathie, zu nutzen und mich mit anderen Leuten zu solidarisieren.“ Wenn sie beobachtet, wie Machtgefälle und Strukturen ausgenützt werden, um anhand von Unterdrückung für sich selbst zu schöpfen, dann wolle sie die Unterdrückung bekämpfen. „Und das tu ich, indem ich mich auf die Seite der Unterdrückten stelle, sagt Yasmo. Die Grundaussage des Songs liegt für sie deshalb vor allem darin, dass die Bevölkerung trotz zunehmender Politikverdrossenheit nicht die Scheuklappen aufsetzt, sondern Verantwortung übernimmt und Gegenzeichen setzt, wie beispielsweise bei den wöchentlichen Donnerstagsdemonstrationen.

Für die Umsetzung des „Popsong“-Videos waren Yasmo & die Klangkantine im ZOOM Kindermuseum, um sich im dortigen Trickfilmstudio kreativ auszuüben. „Die Idee kam von Jakob Can, der auch unser letztes Video produziert hat, und sich erinnern konnte, dass er als Kind mal in dem Trickfilmstudio war und extrem viel Spaß hatte“, erzählt Yasmo, die heuer auch gemeinsam mit Mira Lu Kovacs von Schmieds Puls das Popfest kuratieren wird.

Yasmo & die Klangkantine live

Fr, 08.03.2019 » Salzburg » ARGEkultur

Mi, 13.03.2019 » Innsbruck » Treibhaus

Do, 14.03.2019 » Dornbirn » Spielboden

Fr, 15.03.2019 » München (DE) » Club Milla

Sa, 16.03.2019 » Linz » Posthof – Zeitkultur am Hafen

Di, 26.03.2019 » Wien » Porgy & Bess Jazz & Musicclub

Mi, 27.03.2019 » Graz » p.p.c.

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Österreichische Rapper und Produzenten über 2018 // Jahresrückblick

Immer wenn sich das Jahr zu Ende neigt, beginnt der große Rückblicke-Marathon: In Zeitungen, Magazinen, TV-Shows und natürlich auch auf vielen Online-Plattformen lassen Journalisten das Jahr Revue passieren, zeigen noch einmal auf, was vielleicht ob der vielen Ereignisse bereits vergessen wurde. Weil wir es aber eher langweilig finden, wenn immer nur aus Journalisten-Sicht berichtet wird, haben wir ein paar österreichische Rapper und Produzenten gebeten, uns ihre musikalischen Highlights aus 2018 zu verraten. Diese erzählen uns, wer sie heuer besonders beeindruckt hat, welche Songs auf Dauerschleife gehört wurden  sowie auf welche Newcomer wir 2019 besonderes Augenmerk legen sollten. Zudem erfahrt ihr, was von den Künstlern und ihren Labels im kommenden Jahr zu erwarten ist.

Yasmo

Foto: Kidizinsane

Yasmin Hafedh steht seit ihrer Jugend auf Bühnen, ist fixer Bestandteil der deutschsprachigen Poetry-Slam-Szene und zählt als  Yasmo zu den bekanntesten deutschsprachigen Rapperinnen. Mit ihrem Alter Ego Miss Lead hat die Wienerin auch schon Ausflüge in englischsprachigen Rap gewagt als Hommage an Mike Skinner. Seit gut vier Jahren umgibt sie sich dazu mit einer neunköpfigen Jazzband und verbindet das alles zu Yasmo & die Klangkantine. Die Empowerment-Hymne „Mach, mach, mach“ ist die erste Videoauskopplung aus dem 2019 erscheinenden, zweiten Album der Band namens „Prekariat & Karat“. Zudem ist Yasmo gemeinsam mit Schmids-Puls-Sängerin Mira Lu Kovacs Kuratorin des Popfest 2019. Selbst live zu sehen ist sie mit der Klangkantine im März, wo sie eine Tour von Salzburg über Innsbruck und Dornbin nach München, Linz und zurück nach Wien führt.

Lylit – Mit „Blocks“ hat die Königin was Neues releast und it’s amazing! Bei Lylit weiß man halt auch einfach, wenn man sie einmal live gehört hat, oder durch ihre 2015 erschienene EP „Unknown“ durchhört, dass da ein Ausnahmetalent am Werk ist. „Blocks“ läuft (nicht nur bei mir!) auf Dauerrotation und auf alles, was noch kommt, freu ich mich schon, weil da kommt was!

Dendemann – JUHU! Mehr kann ich dazu nicht sagen. Oder doch. Er ist zurück, ich freu mich wie ein kleines Kind und bin so Fangirl, dass ich nix kritisieren kann. Außer vielleicht, dass das Flex-Konzert ins Gasometer hochverlegt wurde. Ob er was dafür kann, sei dahingestellt. Als Wienerin geh ich trotzdem hin, aber nicht ohne eine gewaltige Portion Gejammere von mir zu geben, weil Gasometer?! Come on!

Childish Gambino – „This is America“  Okay, ich kenn mich nicht mehr aus, ob er jetzt doch wieder was als Childish Gambino machen will, oder doch nicht? Oder als Donald Glover? Es ist mir im Grunde auch egal, alles was er macht, mag ich. Bitte also wieder was releasen 2019, danke!

SWANKSTER – haben mit ihrem New Yorker MC Al Richman ein extrem fettes Album rausgebracht, zu dem man gratulieren muss! Flows, die so facettenreich und einfach geil sind, Beats die vollgesteckt mit Ohrwürmern und fett produziert sind – was will man mehr? Ich durfte auch als Feature aufs Album hoppen (neben J. Hoard und Lylit) und bin extrem begeistert von dem, was die Jungs machen. Live sind sie übrigens auch mega! Bitte mehr davon!

Ebow – „Schmeck mein Blut“ heißt die neue Single von Ebow und läuft auch laut durch meine Wohnung! Ebow macht schon lange sehr gute Sachen und ich freu mich auf das, was 2019 kommt, sie geht auf Tour, ich geh hin!

Cardi B – „Invasion of Privacy“ ist so fett produziert und ich feier diese Frau! Mir ist auch egal, ob sie so ist, oder alles ein Act ist. Neben Run The Jewels mein neuer Lieblingssoundtrack beim Buchhaltungmachen. Ich freu mich, sie am Primavera zu sehen!

Esrap – „Kabadayi (Die Tage werden besser)“ Esra und Enes präsentieren sich im Video zu ihrer neuen Single professioneller denn je – damit will ich sagen: 2019 unbedingt Augen und Ohren offen halten für das Album von Esrap!

The Carters – „Everything is love“ – EH! Warum sag ich seit Jahren 1000 Liebe? Weil ich mit Zahlen über 1000 nicht umgehen kann. Die beiden schon. Hier auch wieder: Ich bin unfähig, Kritik zu äußern, weil ich alles von Beyoncé embrace. Das Konzert von OTR II hab ich mir in Nizza gegeben, Elton John saß ein paar Reihen hinter uns – was soll ich sagen? 1000 LIEBE!

Zu sagen bleibt vielleicht noch: Huckey, du fehlst! Mac Miller, du fehlst! Schön, dass ihr da wart!

Kinetical

P.tah (l.) & Kinetical (r.). Foto: Ryno

Seit über einem Jahrzehnt zeigt sich Kinetical als umtriebiger MC, der hauptsächlich Dancehall-, Reggae- und UK-Bass-Gefilde bedient. Zudem steuerte er schon bei einigen heimischen HipHop-Tracks die englischsprachige Hook bei – zuletzt etwa auf „Zeichen der Zeit“ von Dynamic Drift. Nach seinem kurzen Berlin-Intermezzo stand das Jahr 2018 für den Linzer aber vor allem im Zeichen der im November auf Duzz Down San erschienenen „Ghost-EP, die er gemeinsam mit P.tah aufgenommen hat und kürzlich im Zuge von Releaseshows in einigen Städten präsentierte. Für das Frühjahr 2019 kündigt Kinetical den zweiten Teil seiner Mixtape-Reihe „My Own Thing“ an, für die er wieder einige überschüssige Texte auf grimigen Beats verarbeiten dürfte. Was sonst noch bei Duzz Down San ansteht? Eine gemeinsame EP von Testa & the unused Word, eine weitere von Joja, ein neues Album von Scheibsta & die Buben sowie ein Instrumentalalbum von Mosch.

Releases

D Double E – Jackuum
Ich habe lange auf sein erstes Soloalbum gewartet und es hat mich sofort gepackt. Wenn man einen Artist schon lange verfolgt, aber immer nur mit einzelnen Singles oder Features abgespeist wird, ist die Erwartung mindestens so hoch wie die Spannung darauf. Die Beats sind zwar modern-trappy und nicht so oldschool-grimey, wie man es von einem Newham General gewohnt ist, aber die Produktionen von u. a. Rudekid, Footsie & Sir Spyro klingen sehr rund und stimmig, genau mein Vibe im Moment. Lyricswise ist der Lieblingsrapper meiner Lieblingsrapper wie immer on top und zeichnet mit seinen Bars die für ihn typischen comicartigen Bilder vom Hustle in den Endz. Auf dem Album sind so einige Zeilen zu finden, die mich im Bus oder in der Arbeit zum Lachen bringen. Blukku Blukku! Auch das Cover ist so genial, dass ich es am liebsten eingerahmt im Wohnzimmer hängen hätte.

Ocean Wisdom – Wizville
Tatsächlich habe ich Wiz erst so richtig am Schirm, seit mich P.tah im Frühjahr eingeladen hat, mit ihm die zwei Österreich-Stops seiner „Wizville Tour“ zu supporten. Def Ill hatte mir schon ein Jahr vorher den ein oder anderen Tune gezeigt, vom Album habe ich bis dahin aber nichts mitbekommen. Ich kaufte also die LP im Wissen, für den Typen in wenigen Wochen in Wien und Linz zu „warmuppen“ und war erstmal richtig geflasht. Er ist flowtechnisch so was von Boss für mich, da kann echt keiner ran. Einzigartige lyrische Akrobatik, ein Meisterwerk. Auch seine Show war das Beste, was ich live in den vergangenen Jahren gehört habe – live wie auf Platte on fleek. Auch sein Hype-Backupper, der allen anderen am Arsch ging, hat mich sehr geflasht.

Aplot & alllone – Still Broke
Ich bin auf die Jungs von alllone erst durch P.tah gekommen, nachdem wir den Tune „Blud“ auf einem ihrer Beats gemacht hatten. Ich war dann sehr gespannt auf die EP mit Aplot, die erst vor ein paar Wochen kam. Wir hatten die Ehre, auf ihrer Releaseparty in Graz zu performen, wo mich alllone mit ihrem Set richtig geflasht haben, mein Award für bestes DJ-Set heuer geht an sie. Ganz sicker Sound – ich dachte nicht, dass das in Österreich jemand so hochkarätig produziert. Ich lege diese EP jedem ans Herz, der auf Beats und Bässe steht.

Stefflon Don – Secure
Obwohl ihr Mixtape vor zwei Jahren noch etwas realer war, muss dieses Album auf die Liste. Es ist sehr cheesy und poppy, aber Steff weiß genau, was sie tut und hat es verdient, mit dem Ding groß rauszukommen. Ihre vielseitige Stimme und der ständige Wechsel von Ragga-Flow zu R’n’B-Singsang halten die Spannung, ebenso wie die vielen Featuregäste. Sie stellt nicht nur ihre UK-Konkurrenz in den Schatten, sondern lockt mit der Unterstützung von Lil Kim und DJ Khalid auch US-Größen wie Nicky Minaj und Cardi B aus der Reserve.

Songs

Skepta ft. Wizkid – Bad Energy (Stay Far Away)
Definitiv mein tune of the year. Skep und Wiz erschaffen einen einzigartigen Vibe auf diesem Beat von Sarz, auch das Video dazu ist Hammer. Ich bin ja irgendwie doch eher der Banger-Typ, wenn’s um Beats geht, aber das Ding ist soo easy und diese Pfeifmelodie am Anfang lässt mich sofort alles liegen und stehen, um einfach nur dem Song zuzulauschen und durchzuatmen.

Wretch 32 – His & Hers (Perspectives)
Ich kenne Wretch nur flüchtig von paar Features aus der UK-Szene, aber diese Nummer hat mir heuer durch so manche Beziehungskrise geholfen. Ich habe einige Zeilen so gefühlt: „Everytime I ring you, your phone was in your bag / but everytime I’m with you, your Phone is in your hand.“

Eminem ft. Joyner Lucas – Lucky You
Anfangs wehrte ich mich, das „Kamikaze“-Album zu hören, da ich echt kein großer Eminem-Fan bin und das letzte Album halt für’n Arsch war. Aber Def Ill zwang mich fast dazu, die LP auf mein iPhone zu laden und ihm eine Chance zu geben. Gott sei Dank! Hat mich sehr geflasht – nicht so, dass ich es in die Top-Album-Liste nehme –, aber „Lucky You“ ist ein Banger. Kürzlich kam auch noch ein geniales Video dazu.

Modeselektor ft. Flohio – Wealth
Das war einer der Momente, wo ich den Abwasch machte, auf dem kleinen Radio am Kühlschrank FM4 hörte und plötzlich kam ein Tune rein, bei dem du gleich dreimal so laut machen musst und mit der Pfanne in der Hand zum Dancen anfängst. Mit Spannung wartete ich auf die Abmoderation: „Das war die neue Nummer von Modeselektor“ – aber es wurde kein Feature-Artist oder Vokalist genannt. Da war ich schon am Googeln, denn ihre Stimme und Flows hatten mich derb geflasht.

Newcomer

Yael (Fifty Fifty)
Richtig viel versprechender Female-Deutschrap. Die Anfang des Jahres erschienene „Real_Fantasy“-EP hat mich schon sehr überzeugt, aber das vor etwa einem Monat releaste „KDDL, produziert von Asadjohn, mit Video von Urban Tree Media ist richtig on a level. Wenn eine Rapperin Gefühl für jegliche Art von Musik hat, dann auch noch Gitarre spielen und Hammer Singen kann, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Paan
Der Linzer hat mich mit seiner Debüt-EP „Syndrom“ sehr überrascht. Instrumental-Beats höre ich ja eher selten, aber diese vier Tracks kann ich mir easy hintereinander reinziehen, ohne dass mir dabei was fehlt. Trotzdem hoffe ich, bald mal einen seiner Beats mit Vocals drauf zu hören, würde mich interessieren. Aber vor allem endlich mal wieder frischer Wind aus meiner Heimatstadt, abseits vom lahmen alten Boombap. Reinhören!

Misses U

Misses U

Für Misses U geht ein intensives und erfolgreiches Jahr zu Ende. Während die in Wien lebende Sängerin laufend als Arrangeurin und Songwriterin der Pop-/Soul-A-capella-Formation Beat Poetry Club sowie als Featurepartnerin der Linzer Rapper K.S.Kopfsache und Def Ill in Erscheinung tritt und 2017 mit der „Just Mandkind-EP ihr Solodebüt veröffentlicht hat, widmete sie sich im zweiten Halbjahr 2018 in erster Linie ihrem Soloschaffen. So stehen neben dem gelungenen, teils selbst produzierten Debütalbum „I Am Me„, auf dem Misses U auch erstmals rappt, auch einige Ausgaben der im Sommer gestarteten Live-Mash-up-Reihe „psychedeLIVEsessions“ zu Buche. Konkrete Pläne für 2019 gibt es zwar noch nicht, doch es dürfte munter weitergehen, wie Misses U verrät: „Ich bin gerade viel am Produzieren und Auschecken, mal sehen. Ein, zwei Tunes sind in Arbeit, die man schon als Single raushauen könnte. Was aber definitiv im Jänner kommt, ist eine Kollabo mit einigen österreichischen Rapperinnen und damit mein erster Part auf Mundart – BIG, BIG FEMALE POWER – stay tuned!“

Jordan Rakei
Jordan Rakei ist für mich derzeit definitiv einer der inspirierendsten Artists – und er wird’s vermutlich auch noch die nächsten Jahre bleiben. Mein Lieblingsalbum von ihm kam eigentlich
schon 2016 raus: „Cloak“. Ich habe den gebürtigen Neuseeländer und seine LP aber erst Anfang dieses Jahres entdeckt und er hat mich das ganze Jahr über musikalisch begleitet, deshalb schafft er es TROTZDEM in meinen Jahresrückblick (Was für ein Glückspilz! Haha). Das Ganze liegt irgendwo zwischen Neo-Soul, Jazz und komplexer gestaltetem Trip-Hop – love it!

Ocean Wisdom – Wizville
„The only thing you need to do right here is…nod your f***in head“ – thanks for that line, Busta Rhymes! Sie passt auch perfekt zu diesem Release. Ocean Wisdoms „Wizville“ – MEISTERWERK! Mit seinem UK-Accent hat er mich sowieso sofort für sich gewonnen.

Jorja Smith – Lost & Found
Die Dame ist 21 und schreibt Textzeilen wie: „You will never hear me say/Come hold me, console me/When really I’m lonely/Even if I feel this way/I don’t wanna feel this way/When I need someone/I don’t wanna need no one/I’m not tryna let you in (…)“ I WANNA HUG HER! Ich habe selten MusikerInnen gehört, die schon so jung so deepe Texte schreiben. Die Stimme ist sowieso der Wahnsinn!

Lady Leshurr ft. Mr Eazi – Black Madonna
Black Madonna lief bei mir dieses Jahr eine Zeit lang in Dauerschleife! Coolste Frau on earth – da kann man sich einiges abschauen!

5K HD
Eine Band, die Österreich meiner Meinung nach musikalisch einige Levels nach oben verfrachtet. „And to in A“ ist schon 2017 erschienen, ich höre die Platte aber seitdem immer wieder. Mira Lus
unverkennbare, klare Stimme, spannendes Songwriting und geniales Sound-Design in „HD“ macht’s so einzigartig. In einem Ö1-Artikel wird ihr Genre mit „Popjazzavantgardefunkdubstepprog“ betitelt. Es ist alles das und noch viel mehr, aber auf jeden Fall hörenswert – und das mehrere Male! Und vor allem ZUMINDEST EINMAL live!

Makz Stanley aka food for thought

HipHop Joshy, Makz Stanley, Tudas (v.l.n.r.)

Der gebürtige Luxemburger war lange Techno-DJ, bevor er seine Leidenschaft für die langsameren bpm-Zahlen entdeckt hat. „Der Umstieg war sehr komisch. Vorher habe ich mit Synthesizer und Drumcomputer elektronische Sounds gemacht und dann kommst du zu HipHop und das alles bringt dir irgendwie gar nichts mehr“, sagt er. Die jetzigen Beats seien viel organischer, komplettiert durch akustische Samples. Heute ist Makz Stanley, der auch den Produzentennamen food for thought hat, Teil der Heiße-Luft-Crew und Mitglied von 3€. Nebenbei veranstaltet er auch regelmäßige Events namens „Each One Teach One“ im Elektro Gönner. Was bei Heiße Luft 2019 ansteht, verrät Makz auch schon: „HipHop Joshys Mixtape kommt endlich am 4. Jänner 2019. Außerdem erscheinen noch ein Album von JerMc & Gigolo D, ein Werk von WSDG & Melonoid, die Impetus VOl.3&4 Tapes sowie was von Tudas & Devaloop und EPs von Pascal und Fellowsoph.“ Neben den Produktionen für Heiße Luft arbeitet Makz Stanley auch an Tracks mit Heinrich Himalaya, Böser Wolf aka Young Telefon, „also hier und da a bissi, Dinge konkretisieren sich erst„, sagt er.

OG Keemo & Funkvater Frank – Skalp
Ich bin vor einem Jahr auf die beiden aufmerksam geworden durch 1 bis 2 Tracks, die noch unter dem Namen „Daimajin“ auf Zonkeymobbs Soundcloud herumschwirrten. Spätestens mit dem 2017 erscheinenden Release „Neptun“ war ich dann komplett von dem Sound eingenommen. Vor dem „Skalp“-Release lagen die Erwartungen also extrem hoch, man kann aber gleich sagen: Sie wurden wieder übertroffen. Frankis unendlich runtergepitchten Samples auf den dicksten 808-Basslines sind der perfekte Klangboden für Keemos Lyrics. Genau mein Ding.

Kojey Radical – „If only they knew / Water“
Bei dem Split-Video gefällt mir neben der extrem ausgereiften Produktion einfach die Stimme von Kojey, seine gänsehauthervorrufenden Lyrics und die Perfomance der Tänzerinnen. Gekoppelt mit der Aktualität des Themas und dem Kontrast zwischen dem ersten und dem zweiten – ruhigeren – Teil mit Mahalia und Swindle, ist das einfach nur ein Hingucker von Anfang bis Ende.

J.I.D. – DiCaprio 2
J.I.D.s drittes Album erscheint auf J.Coles Label Dreamville, heißt DiCaprio 2 (Ja, wegen Leonardo DiCaprio, J.I.D. ist nach eigenen Angaben großer Fan des Schauspielers) und die Bangerdichte könnte nicht größer sein. Mit der Beatauswahl on point und den ungewöhnlich vielen Flowchanges in den nicht grad von „Money, Bitches & Fame“ durchwachsenen Lyrics trifft das Album meinen Geschmack. Mit Rappern wie A$AP Ferg, Method Man, Joey Bada$$ und dem Labelboss J.Cole persönlich ist auch was Features angeht, nicht gespart worden und die Tracks klingen richtig dope.

Serious Klein – You Should’ve Known
Serious Klein hab ich auf dem Colors-Youtube-Kanal entdeckt. Die Single „91 Flex“ ging sofort ins Ohr und so war es auch kein Wunder, dass sein Album „You should’ve known“ einschlägt wie eine Bombe. Der Berliner spittet in perfektem Englisch über Gott und soziopolitische Missstände in der Gesellschaft, nicht zu Unrecht deshalb auch der wiederholte Vergleich mit Kendrick Lamar. Mit seinen einzigartigen Flows und den top notch Produktionen hat er für mich dieses Jahr richtig abgeliefert. Bin gespannt, was in Zukunft da noch kommen wird.

Earthgang – Up
Als Mitgründer des Musikkollektivs „Spillage Village“, zu dem u. a. J.I.D. und 6LACK gehören, releasen die zwei Rapper aus Atlanta paar Mixtapes und EPs. Mit ihrem Debüt-Album „Strays With Rabbies“ machen sie endgültig auf sich aufmerksam und unterschreiben 2017 bei J.Coles Label Dreamville Records. Drei EPs hauen sie über das Label raus, mit Bangern wie „Meditate“ überzeugen auch diese
Veröffentlichungen mit durchdachten Lyrics und zeitgemäßen Produktionen. Doch mit dem Track „Up“, der mit Liveperformance auf dem Berliner „Colors“ Youtubekanal hochgeladen wurde, stürmen die Erwartungen bei mir rasant in die Luft. Das mit dem Song angeteaste Album „Mirrorland“ kommt angeblich im Februar 2019 und ich kann’s kaum erwarten, der Track war für mich der Track des Jahres.

Jonas Herz-Kawall – Tr.i.p.: The Rappeur Rip
Aus eigenem Hause zwar, aber erwähnenswert, weil sehr dope: die EP „Tr.i.p.: The Rappeur Rip“ von Jonas Herz-Kawall. Im September wurde die EP als free download („name your price“) auf der „Heiße Luft“-Bandcamp-Seite hochgeladen. Die fünf Tracks wurden alle von verschiedenen Beatmakern produziert, einen davon hat Jonas selbst gebastelt. Die Thematik reicht von Kaffee, Weed, durchzechten Partynächten und schönen Menschen, i.e. Freunde. Also alles, was einen gut süchtig machen kann im Leben, erzählt mit den schönsten Wortspielen (der Hawara writet nämlich auch für seinen real job), macht das zum sehr heißen Release von 2018.

Dacid Go8lin

Foto: Matea Acimovic

Dacid Go8lin, die Gründerin des Labels und Kollektivs Femme DMC, releaste als Vorgeschmack auf eine für 2019 geplante EP die „Qart“-EP. Auf sieben Tracks möchte die Wienerin mit kosovarischen Wurzeln eine persönliche Emanzipationsgeschichte erzählen, bezieht sich dabei stark auf ihre Erfahrungen in Österreich. Die albanischen Texte widmen sich Themen wie Migration, Queerness, Feminismus und Identität. Als Veranstalterin und Rapperin ist es ihr wichtig, die Menschen zusammenzubrigen. „Wenn wir gemeinsam auf einer Tanzfläche stehen, lassen wir das alles los. Wir machen uns keine Sorgen über das, was gestern passiert ist oder was morgen passieren wird, wir sind für einen kurzen Moment nur beieinander. Und das ist die Kraft der Musik„, sagt sie. Für den Jahresrückblick hat sie nur Künstlerinnen ausgewählt, „weil ich will, dass Frauen in der Szene wegen ihrem Talent und ihrer Kunst wahrgenommen werden, und nicht nur weil sie sich als Sexobjekt im Hintergrund von Musikvideos gut machen. Außerdem denke ich, dass es unabdingbar für die Zukunft ist, dass wir uns unter Frauen vernetzen und gegenseitig unterstützen.“ Sie habe schon so oft ein überzogenes Konkurrenzdenken unter Frauen erlebt, was den künstlerischen Fortschritt viel mehr lähme als dass es jemanden voranbringe. „Ich strebe danach, eine Gemeinschaft aufzubauen, in der wir gegenseitig dafür sorgen, dass wir wachsen und gemeinsam erreichen, dass wir irgendwann nicht mehr über Geschlechter reden müssen, weil jeder Künstler und jede Künstlerin dieselben Chancen hat“, sagt Dacid Go8lin. Femme DMC startet gleich am 1. Februar mit UK-Rapperin Paigey Cakey als Headlinerin, am 7. und 8. März findet das Symposium „Female Hip Hop is the future“ in Wien statt.

SEINABO SEY I Owe You Nothing
In „ I Owe You Nothing“ fordert Seinabo Sey Selbstbestimmung. Sie spricht aus, dass jeder Schritt, den eine Frau tut, im Moment oft noch von Männerdominanz definiert ist, dass Bewegungen und Worte aus Gewohnheit so gewählt werden, dass sie dem männlichen Bild von Weiblichkeit entsprechen. Dadurch erfahren viele Frauen nicht, wie es ist, sich selbst auszudrücken, ohne dabei in ein bestimmtes Bild passen zu wollen: „I don’t have to walk for you. I don’t have to talk to you. See, I’m not on display. Never was, never will be for you.

Bella Diablo Endlich Lebendig
Ich kenne Bella Diablo mittlerweile seit zehn Jahren. Wenn ich eins weiß, dann das, dass sie immer ihrer Zeit voraus ist. Ihre neuen Doubletime-Bars, welche viel über ihre Geschichte erzählen, geben dem Ganzen eine Portion Schärfe und Provokation. Mit dem neuen Producer bzw. dem legendären Def Ill, der einfach alles killt mit den Beats, ist es genau das, was deutscher Rap braucht.

Janelle Monae  Django Jane
Female Power vom Allerfeinsten. Mit Django Jane startet sie einen Pussy Riot, welcher über sechs Millionen Aufrufe bringt. „We gave you life, we gave you birth We gave you God, we gave you Earth, We fem the future, don’t make it worse, You want the world? Well, what’s it worth?“

Koffee Toast
Koffee bringt endlich Female Power in die jüngste Reggae-Generation. Mit „Toast“ hat sie als Debüt gleich einen Ohrwurm geschaffen.

O7O Shake  Accusations
Die indigene Rapperin aus den Staaten erobert seit Jahren Herzen aus aller Welt, in dem Song „Accusations“ spricht sie über ihre lesbische Liebe.

 Kid Pex

Foto: Michael Kendlbacher

Erst kürzlich haben Kid Pex und Kroko Jack mit der gemeinsamen Nummer „So viel Polizei“ für Aufregung gesorgt. Dabei fügt sich der Song in eine lange Liste gesellschaftskritscher Songs von Kid Pex. ein. Der Wiener Rapper mit kroatischen Wurzeln verfügt über einen ausgeprägten Hang zur Thematisierung gesellschaftspolitischer Umstände, ohne sich dabei ein Blatt vor dem Mund zu nehmen. Trotz des erwarteten und eingetroffenen politischen Gegenwindes büßten die Texte von Kid Pex nicht an Radikalität ein, wie die Tracks „Norbert Hofer“ und „Antifašista“ bezeugen. Im Gegenteil: Linke Ideale und antifaschistische Kampfrhetorik werden von Kid Pex weiterhin mit Inbrunst vertreten. Auch für 2019 kündigt Kid Pex weitere Statements an: „Es wird noch mehr sogenannte ,Skandale‘ geben, noch mehr Lieder, die noch mehr für Aufregung sorgen und noch mehr Leute verärgern und aus ihren Verstecken herauslocken werden  Szene mit eingerechnet. Vielleicht fühle ich mich reif für eine deutschsprachige EP. Mal schauen, auf jeden Fall heißt es wieder: Keep it Jugo, do it Švabo in Wien oida, Beč oida.“

Def Ill No-Notstand-Notes EP
Einer der ärgsten Rapper überhaupt neben Kroko Jack in Österreich. Zu real für den Mainstream, zu gut für Rap selbst, weil die meisten, logischerweise egofokussierten Rapper Komplexe beim Hören kriegen. Die Nummer „Spoilealarm“ ist eine der besten Anti-Suizid-Nummern, die ich je gehört habe und wirkt ähnlich wie Sljivovica. Nur nicht aufgeben.

Capital Bra Berlin lebt
Ich hab‘ das Album auf Kur (Wirbelsäulen-Rehabilitation) sofort gefeiert und totgehört. Wortwitz, Härte, Straßen-Deepness und verdammt geile, eingängige, proletoide Hooks. Man hört diesen slawischen Hunger, aber gleichzeitig auch diesen spezifischen Humor, der ihn so sympathisch macht.

Kinetical & P.tah Ghost
Das Release klingt für mich, als würde es aus dem Vereinigtem Königreich kommen und nicht aus Wien. Finde das Album sehr gelungen. Zeigt auch, wie sie trotz der Trends und dem Faktum, dass Grime-Sound hierzulande keine nennswerte größere Fan-Community hat dran bleiben, dass machen´, worauf sie Lust haben. Im Prinzip leisten sie, auch trotz des Veteranen-Status, noch immer Pioniersarbeit.

Schwesta Ewa Aywa
Eines der besten Deutschrap-Alben des Jahres. Ich feier schon lange ihre musikalische Attitüde: die starke Puff-Mama in einer patriarchalen Branche, eine Rotlicht-Alfa-Feministin und gleichzeitig Ewa, die proletioide, aber immer mit ihrem Reimen ins Schwarze treffende Strassenphilosophin. Schwesta Ewa hat mit diesem Album soundttechnisch definitiv den Sprung in die Moderne geschafft. Hart und direkt, witzig und authentisch Schwesta, Schwesta!

Kreiml & Samurai Wuff Oink
Ein österreichischer Hip-Hop-Classic. Das kann man jetzt schon sagen. Meine Favourites: „Hoib zehn“ (fast mein liebstes Lied auf dem Album), „Gegensprechanlog“, „Ois hot a End“ und no na net, die Hymne aller Hymnen dieses Jahres Wiener“. Freue mich sehr und bin stolz auf die Burschen, mit denen wir vor elf Jahren noch im gleichen Kinderzimmer vom Ill Eagle gemeinsam aufgenommen haben.

Hinterkopf

Hinterkopf

Neben seiner Tätigkeit als Pianist hinterlässt Hinterkopf zunehmend auch im HipHop-Bereich seine Spuren. 2018 bezeichnet Hinterkopf als besonders arbeitsintensiv – Produktionen für Vearz, Ali Capone, Adem Delon, Matthew und Hunney Pimp unterstreichen, dass der Musiker bestens vernetzt ist. Nachdem er heuer mit Tracks wie „Tick Tack“ erstmals auch als Rapper in Erscheinung getreten ist, arbeitet der Wiener mit albanischen Wurzeln derzeit mit Hochdruck an seiner EP „Weltverkehrt“, die er fürs Frühjahr 2019 ankündigt. Mit seinem ersten Release möchte er sich klar von der Masse abheben: „Mir ist deutscher Rap etwas zu sehr zur Kopie einer Kopie geworden und irgendwie klingt schon wieder fast alles gleich.“ Um dieses Ziel zu erfüllen, hat sich Hinterkopf die vergangenen drei Monate etwas zurückgezogen und „wie im Wahn geschrieben.“ Auf die EP soll neben einer kleinen Tour mit Vearz auch ein mehr im Pop-Bereich angesiedeltes Projekt mit der Sängerin Leesa. folgen.

RON21
Unter vielen guten und kreativen Newcomern hat mir Ronny besonders gut gefallen. Mit seinen starken Skills erinnert er einen an die 90er-Jahre, gleichzeitig wirkt aber alles leicht und fresh mit Elementen von heute. Raptechnisch ist der Typ krank und flowt, als wär er Biggies Onkel – komplette Abwechslung zu so vielem, was zurzeit abgeht.

Matthew
Ich hatte schon das Vergnügen, in Maths neues Album “Märchenland Business“ reinhören zu dürfen. Er ist meiner Meinung nach ein Geheimtipp für 2019. Mit seinem unverkennbaren Stil zeigt er eindeutig den Weg in Richtung Zukunft. Die Platte wurde, wie schon sein Anfang 2018 erschienenes Werk „Schatten der Gesellschaft“ gemeinsam mit MathThaMaze produziert. Lieblingssong: „Regen“.

Edwin
Edwin ist für mich ein Matrix-Architekt. Er erweitert die HipHop-Kultur mit Freshness und versteht es wie kein anderer, Swag und echt starke Zeilen zu kombinieren – einfach genial. Der Dude ist fresher und unterhaltsamer als 90 Prozent aller Musiker, die ich 2018 gehört habe. Lieblingssong: „Alice“.

Lukas Antos
Lukas Antos erinnert mich an gute alte Musik. Zurzeit haben den Jungen noch nicht viele am Radar, aber in Sachen Austropop beziehungsweise Wiener Pop wird der Stadlauer in Zukunft wohl das Maß aller Dinge. Unbedingt im Auge behalten! Lieblingssong: „Fernweh“.

Rapterror
Aus zuverlässigen Quellen weiß ich, dass Rapterror wieder zurück im Studio sind und gerade ganz org aufdrehen. Sie haben ein gewaltiges Potenzial, sind top-fokussiert und ich denke, sie sind noch stärker und erfahrener als je zuvor. Ich prognostiziere das stärkste Stonepark-Produkt seit Langem. Lieblingssong: „Liebe bleibt uns fremd“.

B.Visible

Foto: diva shu

Im Dunstkreis der Honigdachs-Crew bewegt sich der Wiener DJ und Produzent B.Visible mit musikalischer Gewandtheit zwischen Glitch, Funk, House und HipHop, hat Tracks für Kreiml & Samurai oder Crack Ignaz produziert und ist als Live-DJ mit Monobrother unterwegs. Übrigens haben beide, B.Visible und Monobrother, Alben für 2019 angekündigt.

Vaudou Game – Otodi
Grandioses Afrofunk-Album. Unüberhörbar sind die Einflüsse von James Brown und Fela Kuti, die aber keinesfalls der Individualität der LP im Wege stehen.

Kamaal Williams – The Return
Liebe die verspielten Drumpatterns, schönen Akkordfolgen und die warme analoge Klangästhetik.

Nu Guinea – Nuova Napoli
70er- und 80er-Jahre inspirierter Disco mit sehr eingängigen Synth-Lines und italienischen Vocals. War definitiv mein Sommer-Soundtrack und hat somit auch in keinem DJ-Set gefehlt.

Young Krillin & Crack Ignaz – Bullies in Pullis 2
Perfekte Symbiose der Hector Marcello und HPF Gang.

siebzig prozent – Brettljausn
Wolfi F. und Tommi Z. lehren auf ihrem Debütalbum einen gesunden und abstinenten Lebensstil. Meditations-Musik, um die Zeit zwischen Yogastunde und veganem Kochkurs effizient zu überbrücken.

Konzept & Text: Julia Gschmeidler & Simon Nowak
Collage: Niko Havranek

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„Das wird ur yummie, oida“ // Ingredients mit 3€

Wien-Panorama im Vorzimmer. Fotos: Niko Havranek

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass vor allem HipHop Joshy – so sein neuer Künstlername – eine gewisse Affinität zum Kochen wie Speisen hat. Im Regal der Wohngemeinschaft in Wien-Fünfhaus steht das Kochbuch vom rappenden Koch Action Bronson, seine Texte strotzen vor Munchies-Referenzen und auch eine eigene Kochshow wollte Joshy schon auf die Beine stellen. „Heißer Dampf“ hätte diese heißen sollen und wohl eine Reminiszenz an das Label Heiße Luft darstellen, bei dem die Jungs von 3dabei sind. Dieser äußerst gut googlebare Name steht für den Zusammenschluss von HipHop Joshy und Tudas (auch Kollege bei Emzetka) und Produzenten food for thought aka Makz Stanley.

Tudas, Joshy und Makz (v.l.n.r.)

Das Trio hat Anfang des Jahres sein erstes gemeinsames Album namens „Zwei99“ releast und bei Tracknamen wie „Preiselbeeren im Brieweckerl“ und „Schinkenmelonenkruste“ war klar, dass wir uns für eine Folge Ingredients von den Jungs bekochen lassen müssen. „Ich find’s langweilig, wenn die Leute ihre Tracks nach der Hook benennen. Du sollst dich vor dem Hören noch fragen, was das für ein scheiß behinderter Name ist“, erklärt Joshy lächelnd seine Affinität für skurille Tracknamen. Auch die Texte an sich erzählen aberwitzige und überspitzte Abenteuer zwischen Josefstädter Straße und Floridsdorfer Brücke. Beim Hören merkt man den starken Wienbezug der beiden Rapper, der Anspruch der Texte sei laut Joshy einfach, dass sie lustig sind. „Die Leute sollen was hören und sich deppat lachen. Ich find‘ das ekelhaft, wenn Rapper den Teacher raushängen lassen. Wem soll ich was teachen?“, stellt er sich die Frage.

Während Tudas noch auf sich warten lässt die Anreise von Transdanubien ist weit , beginnen HipHop Joshy, Makz und Mitbewohner Jonas Kawall (ebenso ein Emzetka-Kollege) mit der Zubereitung der beiden Curry-Gerichte – einmal mit Hühnerbrust, einmal mit Tofu – nach Freestylemanier. Die Tofustücke bekommen einen Brathuhngewürzmantel, der Reis kommt ins kochende Wasser und ein altes Böhse-Onkelz-T-Shirt dient als Geschirrtuch. „Magst du grobes Salz oder Ischlergang-Salz?“, fragt Jonas seinen WG-Kollegen Joshy, der hier im gemeinsamen Haushalt wohl die Kochanweisungen gibt. Dieser schwärmt jedoch gerade wieder mal von Action Bronson, dem coolsten Typen, den es gebe. „Ich habe mir überlegt, ob ich meine Solo-Ep ,So wie Action Bronson‘ nennen soll, wegen dem Lifestyle. Kiffen, essen und Mucke machen“, sagt er. Aus dessen Kochbuch, das im Regal steht, hat er dennoch noch nichts nachgekocht, das traue er sich noch nicht zu. Dafür haben die 3€-Jungs vor Kurzem Gyozas, asiatische Teigtaschen, gekocht, aufgesschnitten, aus der Füllung Bolognese gemacht und den Teig in Linguini geschnitten. „Das war ur geil“, schwärmt Joshy.

Wo ist mein Biertschi?“, fragt Tudas und öffnet den Kühlschrank, auf dem ein RAF-Camora-Sticker klebt. „Er ist der Pate von 1150“, wirft Jonas ein, während er weiter den Tofu brät. Wie ist Makz Stanley als Produzent eigentlich zu den beiden alten Freunden Joshy und Tudas gestoßen? Der gebürtige Luxemburger war lange Techno-DJ und musste sich erst auf die langsamere bpm-Zahl gewöhnen. „Der Umstieg war sehr komisch. Vorher habe ich mit Synthesizer und Drumcomputer elektronische Sounds gemacht und dann kommst du zu HipHop und das alles bringt dir irgendwie gar nichts mehr“, sagt er. Die jetzigen Beats seien viel organischer, komplettiert durch akustische Samples.

Für Techno habe ich fünf bis sechs Jahre gebraucht, um es ein bisschen zu verstehen und jetzt wieder der Umstieg. Das ist geil, wie eine Challenge, aber es gibt noch viel Spielraum bei den Beats.“ Für den Sommer hat er eine Instrumental-EP unter seinem Künstlernamen food for thought angekündigt, die noch mal eine andere Richtung als die Beats bei der 3€-Platte zeigen wird ganz gemütlich mit chilligen Beats, auf die niemand rappen konnte. Nebenbei veranstaltet er auch regelmäßige Events namens „Each One Teach One“ im Elektro Gönner zuletzt mit HipHop Joshy, der sein kommendes Solo-Mixtape „Wenn ich ein Auto wär, wär ich ein kaputtes Auto“ live präsentiert hat.

Zu 3€ ist Makz gekommen, als er die beiden Rapper bei einem Auftritt gesehen hat. „Ich habe sie angesprochen, dass ich seit ’nem Jahr auch HipHop-Beats mach und die an sie verschicken würde, weil ich ihre Musik dope finde. Fanboystyle“, sagt Makz retrospektiv. In Luxemburg habe es nur ein paar wenige Rapper gegeben und bei der Sprache sei es schwierig, dass Rap geil klinge. Nach Wien generell ist er gekommen, um Soziologie zu studieren, ist aber nach eigener Aussage sehr langsam unterwegs. Die „Babys“ Joshy und Tudas, wie er sie nennt, beide Anfang 20, sind schon im Berufsleben unterwegs. Joshy im Einzelhandel, Tudas im Sozialbereich.

„Diese Mandelsplits!“, ruft Joshy, der diese beim Anrichten genüsslich über das fertige Curry träufelt. „Ich mach’s jetzt ganz org, wie bei einem Tasty-Video. Oder Chef’s Table“, sagt er vergnügt und nimmt im Anschluss einen Schluck von seiner Weißwein-Sprite-Mischung. „Ur super geschärft, top“, streut Tudas beiläufig bei, während die Runde sich am fertigen Essen erfreut. Der Floridsdorfer erzählt von seinem Fluchtpunkt von der Stadt, zu dem man nachts nur per Taxi gelangt, und sein Unverständnis für „ganz orge Antifaschisten“ bei Demos wie der gegen den WKR-Ball. „Ich bin jetzt keiner, der Flaschen wirft, weil das find ich genauso schlimm wie die ganz orgen Linken, die alles meier machen“, sagt Tudas und schwenkt zu seinem TV-Serien-Konsum. Breaking Bad, Black Mirror, viele Dokus und Bonez‚ Instagram-Storys stehen da so am Programm. „Breaking Bad war mir zu viel Drama. Es kann ja nicht sein, dass die ganze Zeit Scheiße passiert. Ich hätte lieber gesehen, wie sie die ganze Zeit Meth rauchen“, bringt sich Joshy ins Gespräch ein.

Er schaut lieber YouTube-Kochsendungen. Seine neue Entdeckung ist der Kanal von zwei Naturburschen von „Almazan Kitchen“, die wie „Fritz Phantom oder Banksy“ durch den serbischen Wald schreiten und mit leeren Pfannen gegen Bäume schlagen, bevor sie ihr Essen über dem Lagerfeuer kochen. Am liebsten schaue er aber YouTube-Videos von der japanischen Wettesserin Yuka Kinoshita, die ihren Magen auf das Achtfache ausdehnen kann und somit bis zu 23.000 Kalorien auf einmal verputzen kann. Sogar einen Song hat Joshy schon für sie geschrieben. „Gsund!“, wirft Tudas ein und gibt eine Runde Chai-Latte zum Nachtisch aus.

Rezept für Curry à la 3€

Zutaten:
1 Bund Jungzwiebel
2 Paprika
1 Zwiebel
Currypaste
2 Dosen Kokosmilch
Currypulver
Bissl Chiliflocken
Tofu
Diverse Kräuter
Zubereitung:
Hühnerbrust und
Gemüse kleinschneiden und anschwitzen in Öl, dann Currypaste und Kokosmilch dazu, köcheln lassen und mit Currypulver und Kräutern würzen.

Tofu und/oder Hühnerbrust nebenbei anbraten und bissl mit verschiedenem Zeug (keine Erinnerung mehr leider) würzen

Reis nebenbei kochen
Mit Cashewkernen und Kokosflocken anrichten

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Austria

Bibizas Liebe zu Mariahilf // Video

Für MA21 war es Floridsdorf, der Böse Wolf und Huhnmensch schwören hingegen auf die Landstraße. Und viel früher noch zeigten Aqil und Mevlut Khan, was in ihrem Bezirk Ottakring so passiert. Der Hang und die Zuneigung zum Lokalkolorit beschränkt sich nicht auf Wien, sondern noch kleinteiliger auf Bezirke und manchmal sogar auf Grätzeln. Die selbst ernannten Kellerkinder aus Mariahilf greifen diese Tradition auf und bringen mit einer Hymne an den sechsten Wiener Gemeindebezirk die erste Single aus BIBIZAs „Copypaste“-EP, die heuer erscheinen wird und somit ein Nachfolger zur Single „Weiter“ darstellt.  „Gemeinsam mit KEINPLAN, bestehend aus HANZ97 und MULTI versuche ich, mit modernen Hihats und einer Vinyl-Baseline den Trap-Vibe mit dem alten Oldschool-Sound zu fusionieren“, sagt Bibiza selbst zu der Nummer.

Im Video geht es dafür zum Nam Nam Deli, dem Secondhand-Laden Polyklamott, Apollo-Kino-Kiosk und auf einen Sprung zu Side Kebap – das streng genommen eigentlich schon im Fünften liegt, aber dafür fast 24/7 geöffnet hat und somit ein fixer Bestandteil der Kellerkinder-Crew geworden ist. „1060 ist eine Hommage an das Leben zwischen Hilfer und der Wienzeile. Egal ob hier aufgewachsen oder zur Schule gegangen: der Sechste war schon immer unser Hotspot“, so BIBIZA.

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Interviews

„Ich bin ein 100-prozentiger Soundcloudrapper“ // Lazy$wan & fface128

Fotos: Niko Havranek

Hier, im charmant-ranzigen Ottakringer Café Weidinger, das heuer sein 90-jähriges Bestehen feiert, sind schon Größen wie Helmut Zilk und Ernst Happel eingekehrt. Aber auch jüngere Phänomene wie Stefanie Sargnagel und Voodoo Jürgens bestellen hier gerne ein alkoholhaltiges Kaltgetränk. Neben zwei kleinen kläffenden Hunden und einem Pärchen, das wohl gerade ein Tinderdate hat, sitzen wir mit Lazy$wan und fface128 vom team128. Das vor Kurzem gegründete Label besteht aus zwei Produzenten und sechs Rappern – manche davon kommen aus der Emo- und Punkszene, andere aus der Rapecke. „Die Mischung macht den eher speziellen Sound aus, wir würden ihn als Trap-Newschool-Sound bezeichnen“, sagt fface128. Das sei auch die Musik, die sie am besten verkörpere. Prinzipiell gehe es schon um HipHop, aber das Lebensgefühl komme aus einer anderen Ecke, hakt Lazy$wan ein. Kaum ist eine Zigarette fertig geraucht, zündet er sich auch schon die nächste an. Fetzigere Beats, punkigere Texte und Screamparts. „Trap-Künstler sind die New-Wave-Punker“, sagt er.

Der 19-Jährige ist ob seiner jungen Jahre schon sehr lange musikalisch aktiv. Auf seinem Soundcloud-Profil tummeln sich über 60 Tracks, viele davon findet er gut, manche lösen aber auch „Cringe-Momente“ in ihm aus, wie er selbst sagt. „Die Tracks hätte ich nicht veröffentlichen dürfen, aber die gibt es jetzt nun mal und man kann sehen, wie ich mich gesteigert habe“, sagt Lazy$wan. Mit 13 Jahren hat er zu rappen begonnen, damals noch im Karaokemodus mit Songs von Sido und Cro. Mit einem Redemikro zum Zocken und Audacity („ein absolutes Scheißprogramm“) sind die ersten Nummern entstanden – und selbst das war nur Zufall, erst nach einem Jahr hat er es überhaupt ausgehalten, seine eigene Stimme zu hören. „Ich wusste nicht, dass ich das kann,“ erzählt er retrospektiv. Heute denkt er viel über seine Texte nach, macht neben den Boombap-Songs auch viel Trap, vor allem mit den team128-Leuten.

Das Label hätten sie nicht aus „Business-Gründen“ gegründet, sondern weil sie Bock drauf hätten, Musik zu machen. „Es ist aber schon der Plan, dass wir an die Decke gehen“, sagt Lazy$wan lächelnd. Vergleichen können und wollen sie sich mit niemandem in Österreich, international noch am ehesten mit den Suicideboys, Lil Peep oder die deutsche Cosmo Gang. Lil Peep ist sowieso das große Vorbild für den 18-jährigen fface128, hat er sich auch ein Hufeisen als Reminiszenz an die Schläfe tätowieren lassen. „Was ich feier, das mach ich auch. Ich kann Trap, wo mehr Vibe übermittelt wird, und wirklich gute Texte schreiben“, sagt Lazy$wan. Dabei hat er selbst auch noch einen ganz anderen musikalischen Einfluss genossen. „Mein Papa ist der größte Bob-Dylan-Fan der Welt“, erzählt er stolz. Dieser hätte alle Platten von Dylan, sei fast schon ein Fanatiker und habe ihm so die Brücke zu Country und Rock gelegt. Johnny Cash sei auch noch gut, aber dann gäbe es außer HipHop nicht mehr viel andere Musik für ihn.

Und weil HipHop eben so eine große Rolle in beider Leben spielt, sind sie auch in die Mittwochsveranstaltungen der 808Factory im Camera Club involviert, besonders fface128. Sie fänden es schade, dass man nirgends unter der Woche HipHop hören und „chillen“ kann, ohne Tanzzwang. Deswegen engagiert 808Factory jeden Mittwoch Wiener DJs, ergänzt von Wochenendveranstaltungen mit Lex Lugner, Asadjohn oder kürzlich das Konzert der US-Rapperin Chynna. Lokale Veranstaltungen kennt fface128 aber nicht nur aus Veranstalterseite, sondern auch als Teilnehmer, hat er doch vor zwei Jahren beim Dreistil-Battle – noch unter anderem Namen – mitgemacht. „Da habe ich begonnen, ein bisschen zu rappen und erst rausgefunden, was es für Möglichkeiten gibt, mich dann in die amerikanische Szene reinversetzt, da bin ich auch geblieben“, sagt er. „Wenn man da mitgeht, kann man Trends setzen“, fügt Lazy$wan hinzu und spannt so einen Bogen zu ihrem sehr zeitgeistigen Sound.

Kontrastprogramm dazu seine Oldschool-Schiene: „Euer scheiß Trap-Sound wird langweilig“ rappt Lazy$wan auf „Destiny“. Auf einem Boombap-Beat regt er sich über deutschsprachigen HipHop auf, die Rapper, die nicht mit Herz dabei sind und nur Fanboxes verkaufen wollen. „HipHop geht ein bisschen zugrunde. Was mir fehlt, ist die Lyrik, auch in Trap kann man mehr Gedanken reinstecken, ohne dass es flach ist“, sagt er. Worüber sich Lazy$wan abseits der Musik aufregen kann, ist das sogenannte Gutmenschentum. Er war früher selbst auf Demos, hat sich die Sturmmaske aufgesetzt und Tomaten geschmissen, was er auch als Revolutionsphase gebraucht hätte. Heute bereut er das ein wenig und bezeichnet genau diese Linksradikalen als „Pussys“, weil sie sich im Schutz der Maske alles erlauben würden, vom Steineschmeißen bis Polizistenbeleidigen. Statt sich vor die FPÖ-Zentrale zu stellen, damit niemand mehr durch kann, schreibt er heute lieber einen Song darüber, da erreiche er mehr Menschen. Mit diesem Ansatz haben die Mitglieder des jungen Labels team128 noch einiges vor sich, modellieren aber schon mit ihrem ersten Album die heimische Trap-Szene neu – vor allem bei Live-Auftritten, wo sie schon mal den ganzen Club in Ekstase versetzen. Live zu sehen ist das team128 am 14. April bei Rap im Beisl im Flex Café sowie am 19. Mai bei der Gürtelsquad. Ihre erste Videoauskopplung aus dem soeben erschienenen Album „Barbed Wire“ präsentieren sie über The Message:

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Austria News

T-Ser macht das alles für sein Team // Video

Einem äußerst erfolgreichen Rap-Song einen neuen Anstrich zu verpassen hat T-Ser schon einmal sehr viel Medienpräsenz beschert. Als er 2016 „Kokaina“ von Miami Yacine in „Marijuana“ umgewandelt hat, wurde vor allem die deutsche Szene aufmerksam auf den Wahlwiener – über eine Million Klicks konnte T-Ser mit seiner Version auf YouTube generieren.

Vor allem in letzter Zeit war es etwas ruhiger um ihn, nach „Warum machst du so mit mir“ vor einem halben Jahr kam nicht mehr viel. Vielleicht auch, weil T-Ser mit seinem Bruder in Nigeria, der Heimat ihres Vaters, unterwegs war, wie er auf seinen Social-Media-Kanälen zeigt. Mit dem Remix zu BlocBoy JBs Featuretrack mit Drake versucht T-Ser nun, an sein Erfolgskonzept von „Marijuana“ anzuknüpfen. Ähnlich wie im Original, hängt auch er mit seiner Squad ab – nur nicht in der Turnhalle, sondern im Wiener WUK.

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Austria News

Spilif hat eine Liebe für HipHop // Video

Foto: Tobias Scheichl

Die HipHop-Plattform Open Minded aus Salzburg legt ihren Fokus auf das Veranstalten von Jams und da Präsentieren von monatlichen Cyphers, über die wir auch schon des Öfteren berichtet haben. Daneben nutzen sie ihren YouTube-Kanal aber auch, um die heimische Szene noch mehr zu pushen – wie derzeit die Innsbrucker Rapperin Spilif und den Münchner Produzenten Rudi Montaire. Das Duo reagiert in „Let’s fall in Love“ auf die aktuelle Entwicklung in der deutschsprachigen HipHop-Szene und bringt „ein wenig Oldschool Rap“ zurück, wie die beiden selbst sagen. Auf einem Sample von Ella Fitzgerald berichtet Spilif über das Älterwerden, ihre Liebe zur Musik und die prägenden Ereignisse in ihrem Leben. Eigentlich viel zu inflationär gebraucht, aber hier sehr passend: Wir sind gespannt, was da noch kommt!

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International News

I Salute testen HipHops Grenzen aus // Videos

Sören Geißenhöner und Magnus Wichmann, die das Duo I Salute bilden, haben sich wieder einmal neu erfunden. Auf ihrer aktuellen dritten EP „How You Like Me Now“ präsentieren die beiden ein differenziertes musikalisches Bild als vor vier Jahren, als wir das erste Mal über sie berichtet haben. Egal, in welche Richtung sich der Stil auch wendet, jedes Mal werden die Grenzen von HipHop weit überschritten – und gerade das macht das Duo so spannend. Neben Trap-Einflüssen sticht vor allem der angegilbte 80er-Jahre Sound heraus sowie das Aufheulen der Post-Punk-Gitarren.

Wir haben direkt auf irgendwas Bock, das vielleicht jetzt irgendwie weird oder andersartig erscheint. Das ist nicht bewusst, dass wir versuchen, uns in eine Lücke reinzuquetschen, sondern es ist total intuitiv“, erklärt Sören deren Herangehensweise in einem Interview.

„Malice“, der Titel der aktuellen Videoauskopplung, ist eine Metapher, welche die Freundschaft der beiden künstlerisch darstellt, eine Freundschaft die ins Ohr geht und bei der es wie im Spiel nach jedem Tief wieder einen Neustart gibt. Der Einstieg erinnert an „September“ von Earth, Wind & Fire, ein Meisterwerk, zu dem immer getanzt werden kann.


Text: Madeleine Binder

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Interviews

„Es war nie mein Wunsch, Ö3-Musik zu machen“ // Crack Ignaz & Young Krillin Interview

Fotos: Daniel Shaked

Beruhigt euch mal!“, ruft Fid Mella in den angrenzenden Raum, bevor das Interview losgehen kann. Hier in einer kleinen Galerie im 7. Wiener Gemeindebezirk fand soeben eine Listening Session für „Bullies in Pullis II“ statt, das Nachfolgewerk eines sechs Jahre alten Mixtapes der beiden langjährigen Salzburger Freunde Crack Ignaz und Young Krillin (damals noch als Jazzy Dick). Auf einer gekonnt überspannten, samplebasierten Soundunterlage der Hector-Macello-Masterminds Clefco und Fid Mella haben die Hanuschplatzflow-Veteranen ein launiges Hörspiel kreiert, das einen klaren Kontrast zu ihrem bisherigen Schaffen darstellt. Zwischen all den geladenen Gästen, die sich bei jeder Menge Fonzies, einem italienischem Maissnack, amüsieren, ist es schwierig, eine Gesprächsbasis aufzubauen. Noch dazu, weil Young Krillin den letzten Zug gen Salzburg erwischen muss. Dennoch erzählen die beiden dann doch noch über ihr gemeinsames Projekt, das „absolute Freiheit“ bedeute, ihre Faszination für Kroko Jack, eine drohende Schließung von FM4 und warum Alexander Van der Bellen kein klassischer Bundespräsident sei.

Clefco hat vor einem Jahr erzählt, dass nur er und Young Krillin eine gemeinsame Platte geplant haben. Wie ist die Vierer-Kombo dann zustande gekommen?
Crack Ignaz:
Mella und ich haben gesehen, dass es noch was braucht. Wir haben gedacht: Lass sie und uns dieses Werk perfektionieren.
Young Krillin: Ich will eine ernsthafte Antwort geben. Clefco und ich haben einen Track gemacht, dem Mella und Ignaz gezeigt und der meinte gleich, dass er drauf rappen will, aber der Track sei zu leicht, machen wir was Traurigeres. So ist der erste gemeinsame Song entstanden.

Wie seid ihr auf die Idee mit dem Hörspiel gekommen?
Ignaz:
Es ist schwer zu erklären, woher Ideen kommen. Das Feeling war da und wir dachten uns: Lass uns mehr machen als nur ein Album, lass uns dem Album ein ganz anderes Level geben.
Krillin: So was Hybridmäßiges.
Ignaz: Es hat sich gut angefühlt, zu schauen, wie weit wir gehen können.

Und herausgekommen sind „die Geschichten aus der Unterwelt“?
Ignaz:
Das sind die Geschichten aus unserer aller Realitäten. Es sind Geschichten eingeflossen von Mella, Clefco, Krillin und mir und wir haben unsere Straßenerlebnisse zu hörerfreundlichen Erfahrungen ummodelliert.
Krillin: Amalgam oder ein Hybrid aus Straßengeschichten und Rich-Kid-Storys.
Ignaz: Es gibt nur Moneymakers, so wie uns.

Krillin, du hast vor Kurzem ein Statement gepostet, dass HipHop Freiheit brauche und nicht ausproduziert sein soll, es könne rough sein. Wie passt das jetzt zu dieser doch sehr professionellen Produktionsweise bei „Bullies in Pullis II“?
Ignaz:
Ausproduziert zu sein und Freiheit sind kein Widerspruch. Clefco und Mella sind in ihren Produktionen bis zu dem Punkt gegangen, zu dem sie gehen wollten. Es ist ausproduziert, aber nicht weil es eine Doktrin war, sondern weil es deren Standard ist.
Krillin: Gut gebrüllt, Tiger.
Ignaz: Das Projekt ist absolute Freiheit. Aber es ist sehr schmeichelnd, wenn du sagst es ist fuckin ausproduziert, yo, es ist fuckin lit.

Ihr bezeichnet Krillin als Erfinder des Cloudrap. Würdet ihr das Album auch noch in dieses Genre einordnen oder wie würdet ihr es definieren?
Krillin:
Also ich nicht.
Ignaz: Absolut nicht, nein. What the fuck. Wenn das auch schon Cloudrap ist, was ist dann nicht Cloudrap? Was ist dann Real Rap, was ist fuckin Rock? Ist Jazz Cloud-Klassik, oida?
Krillin: Wenn das schon Real Rap ist, ist dann nicht schon alles Real Rap?
Clefco: Es ist eh alles Real Rap. Weil ich geh mal davon aus, dass jeder Rapper real ist. Glaube ich.

Ignaz, du meintest sowieso einmal, dass dir der Ausdruck Cloudrap nicht taugt, dir vollkommen wurscht sei und du das anders bezeichnen würdest. Aber wie hast du nicht erwähnt.
Ignaz:
Ich würd’s gar nicht bezeichnen. Den Ausdruck Cloud find ich irrelevant, ich find ihn nicht gut. Ich kann aber damit leben, wenn Leute das so bezeichnen wollen.
Krillin: Wir waren die ersten Rapper, die in der Cloud stattgefunden haben.

Weil ihr euch nicht persönlich gekannt und dennoch schon gemeinsam Musik gemacht habt?
Krillin:
Weil die Files nicht auf der Festplatte sind, sondern hochgeladen zum Streamen.
Ignaz: Es braucht keine Definition von Musik. Es gibt vielleicht Leute, die sich übers Telefon zusammengeredet haben und du sagst nicht Telefon Rap dazu.

Du meintest auch mal, du möchtest mit der Musik, die du machst, kein Geld verdienen sondern ausdrücken, was dich beschäftigt. Aber inwiefern ist das überhaupt noch möglich, kein Geld damit zu machen?
Krillin:
Es ist auf jeden Fall möglich. Ich könnte meine Channels nicht monetarisieren. Ich mach es aber. Das ist jetzt das erste Album, bei dem ich überhaupt Geld machen werde.
Ignaz: Werde. Jetzt hör mal auf zum Hochstapeln, oida.
Krillin: Ja vielleicht. Inshallah, werd ich Geld machen damit.
Ignaz: Du wirst noch abgezogen, oida.

Aber ist es nicht auch dieser Freiheitsbonus, den wir in Österreich haben, dass es weder finanziellen noch kommerziellen Druck gibt?
Krillin:
Nein, oida. Da muss ich vehement widersprechen. Die Hector-Macello-Leute geben uns jede Freiheit, die wir wollen. Wir können uns künstlerisch voll verwirklichen und sie setzen uns keine Schranken.

Davon bin ich ausgegangen. Aber wir wissen alle, dass der kommerzielle Output in einem österreichischen Biotop der Kleinstsorte überschaubar ist. Lässt das wiederum nicht auch einen größeren kreativen Freiraum, wenn es keinen kommerziellen Druck im Hintergrund gibt?
Krillin:
Ich glaube nicht. Wenn du als Österreicher kommerziell werden würdest, findest du eh in Deutschland statt und nicht hier.
Ignaz: Ich find die Schlussfolgerung von Grund auf falsch, weil es gibt in Österreich nicht so einen kommerziellen Druck, weil es viel schwerer ist, hier einen Zugang zu Kommerzialität zu finden. Der Druck ist viel größer. Weil du musst jemanden erreichen.
Krillin: Meine Intention beim Musikmachen ist auf jeden Fall Leute zu erreichen, aber ich will mich dafür nicht verbiegen. Und es ist immer dieser Spagat, den man machen muss. Also ich kann keine echte Antwort darauf geben. Natürlich bist du zuerst Underground und sagst, dass du das gerne bist und dich nicht kommerziell verbiegst, weil du echt sein willst. Aber wenn du dann die Gelegenheit bekommst, Leute zu erreichen, dann nützt du das auch. Aber das Resultat werde ich erst sehen, wenn das Album rauskommt. Es ist mein erstes Release, wo wir ein bisschen außerhalb von Underground sind.

Gerade wenn die Szene so klein ist, ist es aber auch einfacher, die Crowd zu erreichen.
Krillin:
Es gibt keine spezifische österreichische Crowd, die österreichische Sachen extrem feiert. Aber die Crowd in Österreich ist auch dieselbe Crowd, die die Sachen in Deutschland feiert. Oder sehe ich das falsch? Die Sachen, die in Deutschland voll populär sind, sind ja bei uns auch voll populär.

Aber die Sachen, die in Österreich passieren, sind meiner Meinung nach freier von Zwängen.
Krillin: Ja eh, aber es bewegt sich trotzdem auf einem Underground-Level.
Ignaz: Aber sie tun sich schwer, weiter zu existieren. Es gibt auch keine Form der Kunst, die sich nicht irgendwo mit ihrer Zielgruppe auseinandersetzt. Vielleicht einer von tausend Leuten macht Kunst, die zufälligerweise perfekt vermarktbar ist und dazu führt, dass es sich erhält. Aber meistens ist Kunst was, das überhaupt keinen Kanal zum Konsumieren hat. So wie ich Kunst kenne, ist sie nicht etwas, was beinhaltet, dass man davon profitieren kann. Es ist einfach ein Output, den du hast. Davon zu leben ist wieder ganz eine andere Disziplin.
Krillin: Überhaupt so etwas wie Kunst in der Gesellschaft zu haben ist schon der ärgste Luxus. Weil Österreich so klein ist, kennt man sich gegenseitig und ist befreundet, da pusht man sich auch mehr.
Ignaz: Warum gibt es dann so wenig in Österreich, wenn all diese Faktoren eigentlich dafür sprechen?
Krillin: Prozentuell gesehen gibt es in Österreich nicht viel, aber mit Deutschland ist es wieder ärger geworden.
Ignaz: Ja, mit uns.

Ein österreichischer Künstler, den du, Ignaz, sehr feierst, ist Kroko Jack?
Ignaz: Was er mit Mundart macht, ist mehr als Mundart. Es ist für mich Musik einfach. Er nimmt eine Sprache und macht aus dieser Musik. Ist auf jeden Fall jemand, der meine Wege geleitet und eine Liebe zum Mundart-Rap gezeigt hat.

Wie passt da Scheibsta dazu? Da meintest du ja auch mal, dass er einer deiner Vorbilder ist.
Ignaz: Den kenn ich persönlich. Scheibsta ist auch aus Salzburg und ein richtiger Macher. Er hat seine eigene Kunstform entwickelt. Wenn du dich damals in Salzburg mit HipHop beschäftigt hast, war Scheibsta einer der Namen, wo du gewusst hast, der macht was, was ihm keiner nachmachen kann.
Krillin: Scheibsta war überhaupt mein erstes deutschsprachiges Release.

Ich habe mal gelesen, dass diese Postswag-Avantgarde gar nicht politisch sein kann. Würdet ihr das auch so sehen?
Ignaz: Wie lange ist das her? Willst du echt über Postswag-Avantgarde reden?
Krillin: Ich will nicht sagen, was ich damals gedacht habe. Heutzutage ist auf jeden Fall sehr politisch.

Würdet ihr euch denn als politische Menschen bezeichnen?
Ignaz: Auf jeden Fall.

Wie macht sich das bemerkbar?
Fid Mella: Dafür muss man nicht unbedingt auf eine Demo gehen. Es reicht, als Mensch ein politisches Bewusstsein zu haben.

Wirst du, Ignaz, in Deutschland jetzt eigentlich öfter auf die türkis-blaue Regierung angesprochen?
Ignaz: Es hat sich nicht geändert, die Leute sind jetzt nicht überrascht davon, dass wir in Österreich eine „leichte“ Toleranz gegenüber dem Nationalsozialismus haben.
Krillin: Wir haben international eine Toleranz dafür aufgebaut, dass wir so sind.
Ignaz: Das hat sich nicht verändert. In Deutschland ist man nicht überrascht, was bei uns passiert ist.

Krillin, du sprichst manchmal davon, dass du das Multikulturelle in deinem Salzburger Heimatstadtteil Lehen sehr magst. Bei der Bundespräsidentenstichwahl war es so, dass genau dort Hofer vor Van der Bellen geführt hat. Wie kannst du dir das erklären?
Ignaz: Ja, kann ich voll verstehen.
Krillin: Da, wo viele Ausländer sind, sind auch viele FPÖ-Wähler.

Normalerweise ist es aber auch so, dass dort, wo keine Ausländer sind, die Rechten am stärksten sind, weil auch die Berührungspunkte fehlen.
Ignaz: Da geht’s voll um die Erwartungen gegenüber einem Bundespräsidenten. Und Van der Bellen ist meiner Meinung nach politisch eindeutig vertretbarer als ein Hofer. Wenn du dir Van der Bellen ansiehst, ist er aber niemand, wo du sagst, das ist ein klassischer Bundespräsident – wenn ich mich in andere Leute hineinversetze, die sich damit nicht so beschäftigen. Die sehen nur Van der Bellen und denken sich: Wer ist das? Dann sehen sie Hofer, irrsinnig clean und denken sich: Ich will einen sauberen Typen, der fürs Land ist. Was bei den Leuten greift, hat im Großteil nichts mit Politik zu tun. In die Leute versuche ich mich hineinzuversetzen. Die sind großteils nicht an politischen Positionen, sondern an ihren eigenen Vorstellungen interessiert.

In einem alten Interview sagst du, dass du noch immer vor Ö3 sitzt und darauf wartest, dass sie deine Musik spielen …
Ignaz: Von wann ist das bitte? Ich glaube, das war nicht so ernst gemeint. (lacht) Mit Ö3 kann ich mich nicht mehr identifizieren. Eigentlich noch nie. Damals war der Punkt, dass es krass unrealistisch gewesen wäre, wenn ich auf Ö3 gespielt worden wäre. Heute kann ich mir schon eher vorstellen, dass ich Musik mache, die dort funktioniert, aber es war nie ein Wunsch von mir, Ö3-Musik zu machen.

Und was ist mit Ö1? Den Sender findest du ja super …
Ignaz:
Ö1 ist lit! Ich hab’s jetzt lang nicht mehr gehört, aber immer wieder.
Fid Mella: Ö1 spielt zu viel Klassik, das ist ein Problem.
Ignaz: Ich liebe Klassik.
Fid Mella: Mehr Jazz als Klassik von mir aus.
Ignaz: Ö1, Rotwein und Schach. Das spiele ich aber nur gegen Leute, die schlecht Schach spielen.

Vor einigen Wochen kam die Diskussion auf, dass FM4 von der neuen Bundesregierung dichtgemacht werden könnte. Welche Auswirkungen hätte das eurer Meinung nach auf die österreichische Musiklandschaft?
Ignaz: Ich kann es mir gar nicht vorstellen, dass man ernsthaft FM4 schließt. Sorry, aber es gibt außer FM4 nichts meiner Meinung nach.
Krillin: Wir haben eh schon nichts, wollt ihr uns das auch noch wegnehmen?
Ignaz: Wir haben eh versucht, FM4 mit Bullies in Pullis zu retten …
Krillin: … aber es ist an Trishes gescheitert. (grinst)
Fid Mella: Er ist einer, der FM4 noch retten kann, damit wir noch ein paar Exclusives rausballern bei Tribe Vibes, das wird FM4 auf jeden Fall helfen.

Aber es ist ja auch ein Nischensender mit einem Marktanteil von gerade einmal fünf Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen.
Ignaz: Ich find nicht. FM4 ist der einzige Sender, wo irgendwo Musik präsentiert wird, die nicht ein Mordskapital hat oder du Mordsconnections benötigst, um gespielt zu werden. Genau so muss Musik funktionieren. Ich hab keine Ahnung, welche Musik man machen muss, um in Ö3 reinzukommen. Es gibt außer FM4 niemanden, der an der heimischen Musikszene dran ist. Wenn ich mich frag, welche Musik in Österreich gerade geht, dann schalt ich nicht Ö3 oder Welle 1 ein, sondern FM4.
Fid Mella: Egal, wie viel unnötigen Scheiß FM4 aber auch pusht, muss man sagen. Nicht alles ist geil, was sie spielen, aber FM4 ist essenziell.
Ignaz: Ich finde FM4 macht das, was andere Radiosender auch machen müssen, aber nicht tun.

Was beschäftigt euch abseits davon noch gerade im Leben?
Ignaz: Clefcos Haare. Oida, ich hab selten was Schöneres gesehen.

Sonst nichts?
Ignaz:
Sonst nichts, man muss sich aufs Schöne im Leben konzentrieren. Schau dir mal bitte diese Welle an. Hast du das schon mal gesehen? Das ist wie Meer aus schwarzem Sand.
Krillin: Internationalität. Wir müssen das so machen, dass in jedem Land wo du bist, du die gleichen Streamingseiten anschauen kannst.
Clefco: Der letzte Satz: Shout-out an Message und wie in jedem Interview: never stop bullying.
Young Krillin: Freddo nel cuore (Kalt im Herzen, Anm.) Das ist italienisch und heißt Arrivederci.

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Just for the Record 68: H∆NN∆

by Lukas Maul / Perspektiven Attersee

Mit Fingerspitzengefühl an den Turntables für Beats, Bass und Artverwandtes überzeugt die Wienerin H∆NN∆ mit vielfältigen Mixes, ansteckender Energie und Euphorie. Der Stil ihrer Sets – ob alleine oder gemeinsam mit ihrem DJ Partner Dizzy Dee – lässt sich am besten als HipHop, gepaart mit Future-Beats, Eklektizismus und Exotik beschreiben. 2014 gewann H∆NN∆ den „Canyoudigit Sound Clash“-DJ-Battle, gemeinsam mit ihrem DJ-Partner Dizzy Dee das Jahr darauf das Team-Battle. H∆NN∆ ist auch abseits der Turntables aktiv: Seit 2016 ist sie im Kuratorinnen-Team der ImPulsTanz soçial-Reihe und 2017 hat sie gemeinsam mit A++ (Sweet Heat) und Dizzy Dee die Eventreihe 0 800 ins Leben gerufen. Das nächste 0 800 findet am 3. März im celeste mit einem internationalen Gast statt. Außerdem ist sie am Freitag im Mon Ami bei Son au Citron zu hören.
Just for the Record mit H∆NN∆:

Aktuelle Lieblingsalben:
Dexter Haare nice, Socken fly
Trettmann #DYI
Bicep Bicep
Kendrick Lamar Damn
King Krule The OOZ

Aktuelle Lieblingssongs:
G.O.M.D.“ von J. Cole
Focus“ von Dimeh
Rolling Stone“ von ScHoolboy Q feat. Black Hippy
raindrop, droptop“ von monte booker
Hunker Down“ von Corbin
PRBLMS“ von 6LACK
My Crew“ von Cadence Weapon
Lovely Is Today“ von Eddie Harris
Guala“ von Carnage x G-Eazy
Red bone“ von Childish Gambino (Vandalized Edit)

Alltime Favorites:
Batida Bazuka
Sophie Bipp
Gill Scott Heron & Jamie XX I am new here
Burial & Four Tet Moth
21 Savage ft. Future „X“ (suicideyear rmx)
Johnny Rain „Mulholland Drive“ (Ozzie Rmx.)
Clams Casino I’m God
Anderson .Paak ft. Tokimonsta Realla
Sango Vem Vem
Aquarius Heaven Universe

Lieblingsproduzenten: Exile, Cid Rim, Dorian Concept, Nicolas Jaar, Clap! Clap!, Kaytranada, Four Tet, B.Visible, Jamie XX, Monophobe, Photay
Lieblings DJs: Lefto, Blockhead, DJ Shadow, Jarreau Vandal, Mischgeschick, Chrisfader, Testa
Lieblingsrapper: Vince Staples, Kendrick Lamar, Ocean Wisdom, Chance The Rapper, Oddisee, Anderson .Paak, Wisdom/Worst Messiah

Lieblingssongzeile: Helmut Qualtingers (bzw. Gerhard Bronners) „Der Papa wird’ scho richten“ in seiner ganzen Länge und satirischen Schärfe.

Lieblingsplattenladen: discogs, Teuchtler, Flohmärkte

Erstes gekauftes Vinyl: Bobby McFerrin – Bobby McFerrin

Lieblingscover: Momentan gehören die inner sleeves von Thundercats „Drunk“ LP-Box zu den ganz großen Favoriten

H∆NN∆ auf Mixcloud

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BIBIZA sieht gold // Video

Bereits mit 13 Jahren hat BIBIZA begonnen, in seinem Zimmer Beats zu bauen und zu rappen. Weil die Eltern und Nachbarn irgendwann ein Problem mit dröhnenden Bässen hatten, ist der Rapper aus 1060 mit seinem Studio in den Keller gezogen. „Dort gibt es viel Platz, laute Boxen, eine Booth, einen Toaster und natürlich ein Mic. Alles, was man halt so braucht“, sagt Bibiza gegenüber The Message. Ebenda sind auch Beat, Text und Video zu den neuen Produktionen mit seinen Kollegen von KEINPLAN und NEFFE entstanden.

Derzeit ist der 18-Jährige als Zivildiener beim Samariterbund, die Freizeit gehört trotzdem der Musik. „Alles, was anliegt, wird vertextet und vertont“, sagt BIBIZA, „Style ist mir sehr wichtig, aber ich bin nicht der Rapper, der sich mit irgendwelchen obligaten HipHop-Marken, Mannerschnitten oder vielleicht Topfengolatschen von der Aida schmückt. Ich finde es zwar lustig und cool, wie andere das machen, will aber einfach Texte schreiben, die ich wirklich fühle und die für mich auch Sinn ergeben. Bisschen flexen geht aber immer.“ Für das Video zu „Weiter“ posieren die „Kellerkinder“, wie sie sich selbst bezeichnen,  vor goldenen und silbernen Rettungsdecken, die angeblich nicht alle vom Samartierband gefladert seien.  „Immer weiter nach vorne, nur nicht stehen bleiben“, lautet BIBIBZAs Devise im neuen Jahr. Als Nächstes ist eine EP namens „COPYPASTE“ geplant.

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Österreichische Rapper & Produzenten über 2017 // Teil 2

Eine kleine Werkschau unserer Arbeit 2017

Wir haben genug von den Jahresrückblicken von Musikredakteuren und lassen für uns die österreichischen Musiker sprechen. Sie erzählen uns in zwei Teilen, wer sie heuer besonders beeindruckt hat, welches Video verzaubert und auf welche Newcomer wir 2018 besonderes Augenmerk legen sollten. Und das hat nicht zu viel mit dem zu tun, was beispielsweise Spotify uns an Top-Künstlern 2017, etwa Kollegah, Kontra K und Gzuz, präsentiert. Zudem erfahrt ihr, was von den Künstlern und ihren Labels im kommenden Jahr zu erwarten ist. Hier geht’s zu Teil 1 mit Fid Mella, Melik, PMC, JerMC, Nasihat und EDWIN.

Def Ill

Foto: Daniel Shaked

Dass bei Def Ill gesellschaftspolitische Anliegen eine hohe Gewichtung haben, konnte er im Frühjahr eindrucksvoll mit seiner LP „R.A.F.“ unterstreichen – ein unmissverständliches Statement zur sogenannten Flüchtlingskrise. Anschließend ließ der Linzer in verstärkter Manier seine Battle-Rap-Ader aufleben, so folgte im Sommer ein umfangreicher Ansa-Diss sowie kürzlich mit „Def before Dishonor“ ein 61-Track-Mixtape. Letztgenanntes Projekt erachtet Def Ill trotz der enormen Quantität als unvollendet – da es die zuvor versprochenen drei Stunden Laufzeit nicht ganz erreicht hat, ist für 2018 ein „kleiner“ Nachtrag geplant. Zu „R.A.F.“ soll es ebenfalls eine Ergänzung geben.

Persönliche Highlights
Joyner Lucas – „508-507-2209“ (Album),  „Way to go“, „I am not racist“: „Keep it 100“ und die Freestyles „Mask off“ & „DNA“.
Sean Price: „Imperious Rex“, das war das allerbeste des Jahres.
Cambatta: Jeder verfickte Verse, most underrated & bester Lyricist on earth!
Nocandos Track „El Camino“: Verse of the year bezüglich „All Lifes Matter“
Der Comeback-Track von Ocean Wisdom: „Eye Contact“
Eminem – „Chloraseptic“, „Framed“, „Offended“, „Untouchable“

Grime-Hochblüte 2017
RoxXxan – „Crud“ & „Rumplestiltskin“: Einige der besten Tunes des Jahres!
Lady Leshurr – „Mode“-EP, „Queen Speech Ep. 6“ & Ep. 7, „UNLESHED 3“
Wiley – „Godfather“

Baddester Shit im Loop
Reks – „H.I.P.H.O.P.“
Joey Bada$$ & Schoolboy Q – „Rockabye Baby“
KRS One – „The World Is MIND“

Österreich
Raptechnisch gesehen DRK & Foz, Kardinal Kaos, Digga-Mindz-Comeback, Fate One, KS Kopfsache, Vienna Sausage. Graz als neue Rap-Hauptstadt: Noedge-Family, One Love an Spello & Al Pone, siebzig prozent und Co.
Abseits davon: Misses U – „Just Mankind“, Beat Poetry Club – „We Talked All Night“, 5K HD – „What If I“.

Wort zur „Revival“ von Eminem
Lasst die Welt auf dem Album rumhacken, ihr hört seine Alben falsch! Er ist DER Artist, den man nie auf Pop-Features reduzieren konnte. Das Beyoncé-Feature fand ich super, Ed Sheeran ging gerade noch – die furchtbaren Pop-Songs skippend, entdeckte ich jedoch einen neuen und doch alten Eminem auf den Solo-Tracks, auf denen er Rap definitiv zum x-ten Mal revolutioniert und ins unermessliche zerflext hat. Alles, was mir auf „MMLP2“ und „Recovery“ gefehlt hat, zieht er durch: Sechs Songs auf einem Album, alle auf dem Level von „Speedom“. Meines Erachtens unglaublich und noch nie dagewesen. Wie soll dieser Mensch das noch toppen? Warum hat man diese Erwartungen an wen, der wiederkehrend alles zerfickt hat? Da geht nix mehr… und dann kamen die besagten Tracks.

Milo (Schönheitsfehler)

Schönheitsfehler Schönheitsfehler im Porträt: Milo, Paul & Burstup (v.l.n.r.). Foto: Daniel Shaked

Nach einer zwölfjährigen Pause kam es Anfang Dezember zum großen Comeback von SchönheitsfehlerMilo, Paul und Burstup haben ein neues Album veröffentlicht und parallel dazu mit der Website gutesleben.solutions eine unabhängige Homebase für künftige Projekte geschaffen: „Dabei stand und steht alles unter dem Topic #gutesleben. Bewusstes DIY-Arbeiten (wie anno dazumal) und sich Zeit nehmen.“ Milo hatte aufgrund dieses Projektes allerdings wenig Luft, um andere HipHop-Produktionen zu hören. Dennoch haben es ein paar Alben auf seine Playlist geschafft.

Kroko Jack – Extra Ordinär
Battlerhymes sind nicht mein Ding. Natürlich habe ich Spaß an klugen, witzigen Lines, zum Beispiel wenn Black Thought von den Roots zehn Minuten Freestyle – mit Betonung auf Free UND Style – vom Stapel lässt. Aber grundsätzlich ist das für mich mittlerweile verlorene Zeit. Bei Kroko Jack musste ich eine Ausnahme machen. Ich verfolge seine Entwicklung seit unseren Ducksquad-Boombap-Compilations 3 & 4, das war so um 1999/2000 herum, damals noch mit Rückgrat und dann mit Markante Handlungen. Generell mag ich die „Stahlstadtkinder“ wegen ihrer Dickschädel und der ausgeprägten Working-Class-Attitude. Als dann „Kraunknstaund“, „Bledsinn“ und „Bankomat“ rauskamen (und jetzt die LP „Extra Ordinär“), habe ich es (bis auf Ausnahmen wie „Razzzur“) gefeiert, dass es endlich jemand geschafft hat, In-your-face-Battlerap-Attitude mit politischer Botschaft so stimmig auf den Punkt zu bringen. Ich freue mich ernsthaft, dass er mit seinem kompromisslosen (Mundart-)Style seiner Leidenschaft folgt und damit Erfolg hat. Echt „vadient“!

Kendrick Lamar – King K Dot
Wohltuend abgehoben, im positiven Sinn anstrengend, politisch und in your face. Ein Klassiker. Danke.

Princess Nokia – 1992 Deluxe
Eine der leiwandsten und mutigsten Rapperinnen zurzeit. Das Ganze klingt oft wie ihr Name – sehr nach 90er/Eastcoast, aber trotzdem fresh und eigen. Eine starke Frau mit Attitude. Klug und selbstbewusst. Mehr davon!

Jay Z – 4:44
Positiv überrascht hat mich Jay-Z. Ich habe mit ihm, bis auf ein paar Sachen wie z.B . „99 Problems“ bislang wenig anfangen können. Aber bei „4:44“ habe ich zum ersten Mal das Gefühl gehabt, da ist der wahre Jay Z – der, der er ist und der, der er sein will.

Logic – Everybody
Neben Kendrick Lamar und Jay-Z fand ich Logic dieses Jahr mit Abstand am interessantesten. Der Typ hat es geschafft, dass ich geglaubt habe, die moderne Reinkarnation von Eazy-E gemischt mit Public Enemy und dem positiven Vibe der Native-Tongues-Bewegung zu hören. Ein Mensch zwischen den Welten, der sich für die positive Seite entschieden hat. Da konnte ich mich persönlich sehr gut wiederfinden.

Auch noch für gute Momente gesorgt haben:
Trettmann – #DIY, Antilopengang – Anarchie & Alltag, 5Sterne – Flash, Cid Rim – Material, Dizzee Rascal – Raskit, Open Mike Eagle – Brick Body Kids Still Daydream, Macklemore – GEMINI, Rapsody – Laila’s Wisdom

Paul (Schönheitsfehler)

Sein Kollege Paul hat sich neben seinem Dasein als Rapper und Teilzeit-Beatbastler von SHF überwiegend mit Instrumentalmusik auseinandergesetzt. Die Favoriten des langjährigen DJs und „Tanzmusikselektors“ sollen sich für zu Hause, die Öffis, aber auch Clubs eignen.

Restless Leg Syndrome – Higher Than A Mountain
Sie haben nicht nur vor unserem Reunion-Konzert 2015 die Leute zum Tanzen gebracht, sondern heuer auch ein Album auf Duzz Down San veröffentlicht. Dieses beherbergt einen wunderbar funkigen Track mit einer dicken Disco-Bassline, großartig gesetzten, cleveren Vocal-Sample-Scratches und der Bläsersektion an den richtigen Stellen. Einer meiner Auflege-Favs.

Dr. Dundiff – Nobody Likes Beats
Neo-Soul mit selbstironischen Charme, wenn es im Intro der Nummer heißt: „Nobody cares about your stupid beats! Beats are the worst!“. Anfangs wirken die Pianoakkorde vielleicht etwas seltsam, mit Einsetzen der Rhythmusfraktion entsteht jedoch ein schwerer Groove, der durch soulige Chöre aufgepeppt wird. Eines meiner Highlights in diesem Spätherbst. Auf das kommende Album nächstes Jahr bin ich schwer gespannt.

PDF And The Acrobats – Levko
Ebenfalls auf Duzz Down San erschienen ist dieser rollende, deepe Stampfbeat mit locker hüpfendem Bass und eindringlichen Vocals von Sir Tralala, der diesem Track seine Stimme leiht. Mag ein wenig abseits des „Gängigem“ sein, ist aber ein schönes Stück Musik, wie auch der Rest des Albums. Lässt immer wieder meinen Kopf nicken und gegen Ende des Tracks denselben bereits schon wieder vermissen. Herz!

Vect & Fulgeance – Alliance
Ein anfangs recht unaufgeregter Funk-Track mit netten Akkorden, einer bouncenden Bassline und einem leicht gepitchten Dizzy-Rascal-Sample, das manchen bekannt sein könnte. Doch mit der Zeit verschwurbelt der Synth sämtliche Frisuren und fegt über den Track hinweg wie ein Wirbelwind.

 Mirac

Foto: Terisha Harris

Auf seiner im Juli erschienenen Beat-EP „Wavetable Manners“ widmete sich der Rapper und Produzent Mirac vor allem den elektronischen Klängen. So möchte er Trap, Grime und weiteren basslastigen Styles verknüpfen und somit die heimische Produzentenszene mit internationalem Flair übersäen – business as usual für Künstler aus dem Hause Duzz Down San. Auf dem Wiener Label wird 2018 übrigens so einiges passieren. Releases von Testa, The Unused Word, Joja, Tsi, P.Tah, Shamon Cassette und Karäil sowie Mirac selbst sind angekündigt. Außerdem feiert das Label sein zehnjähriges Bestehen, was im Rahmen einer Party und einer Compilation gefeiert wird.

Wiley – Godfather
2017 war ein starkes Jahr für Grime. Viele neue Artists, aber auch die alten Kaliber Wiley sowie Dizzee Rascal legten äußerst solide Alben hin. Stormzy brach mit “Gang Signs & Prayers” sowieso alle Rekorde und holte sich einen Award nach dem anderen – verdient! Für mich persönlich bleibt Wiley der Godfather des Grime – straight from the heart can’t go wrong.

Cid Rim – Material
Das auf LuckyMe erschienene Album hat mich von Anfang an gefesselt. Der Wiener Produzent ist nicht nur ein unglaublich talentierter Schlagzeuger und Live-Performer, sondern kann auch auf Albumlänge überzeugen – gerade die Vocal Tracks laufen bei mir auf Repeat. Ihm gebührt der Erfolg!

P.Tah – Leng
Die Champions League des österreichischen Raps. Nicht enden wollende Reimketten in Doubletime über 140BPM – so soll das 2017 sein. Die musikalischen Unterlagen dafür lieferte der Wiener Jungspund Lost Tourist, könnten aber auch straight from the UK importiert worden sein.

Stranger Things Soundtrack by Michael Stein & Kyle Dixon
Tolle Serie, aber ohne dieser traumhaften Musik nur halb so gut. Der analoge Synthesizerorgasmus schlechthin! Mein Favourite: The Return – und natürlich die Introsequenz.

KRANE – Fallout

KRANE war für mich immer schon ein Ausnahmetalent. Er entwickelt sich mit jedem Release weiter und kann sich durch gute Kompositionen, tolles Sounddesign und einen brachialen Sound gut vom Trap-Einheitsbrei abheben. Straight for the club!
Sonstige Top-Releases: Ivy Lab – Peninsula, RayRay – Reincarnation, Von Seiten der Gemeinde – State of Gmeind, Kendrick Lamar – DAMN. (Hat mich dazu gebracht, Rihanna zu hören)

Lylit

Lylit, auch bekannt unter ihrem bürgerlichen Namen Eva Klampfer, hat ohne Diskussion wohl eine der besten und schönsten Soul-Stimmen des Landes und hat mit dem ehemaligen Motown-Chef und Erykah-Badu-Entdecker William „Kedar“ Massenburg einen Fan gefunden, der sie auf seinem US-Label signte. Mittlerweile steht sie dort jedoch nicht mehr unter Vertrag.  2018 wird für sie besonders aufregend, da sie im nächsten Jahr ihr Album rausbringen wird. „Die vergangenen 24 Monate habe ich vorwiegend im Studio verbracht und viele neue Songs für mich, aber auch für andere Künstler geschrieben. Nun ist es an der Zeit, das Produkt den Menschen da draußen zu zeigen. Der Step nach dem Laborieren sozusagen, sagt Lylit selbst dazu.

Tigran Hamasyan – An Ancient Observer
Ich kann mich von Tigrans Kompositionen nicht „satthören“. Wunderschöne Stücke mit viel Tiefgang und Raffinesse. Lieblingstrack: „The cave of rebirth

SK Invitational – Golden Crown
Stephan Kondert hat alle seine Lieblings-Features auf eine Platte gepackt und das hört man. Sein eigenständiger Sound ist immer überzeugend. Lieblingstrack: „More bang for your bucks

Sharon Jones & The Dap Kings – Soul Of A Woman
Wenn man Soulmusik liebt wie ich, kommt man an Sharon Jones nicht vorbei. Songs, Sängerin, Sound, Band – hier fügt sich alles perfekt zusammen. Leider ist die Künstlerin vor einem Jahr verstorben – ein schrecklicher Verlust für die Musikwelt. Lieblingstrack: „Matter of time

Grizzly Bear – Painted Ruins
Seit dem Album „Veckatimest“ bin ich dem Sound der Band verfallen. Die Arrangements, die Stimmen, die Texte – alles echt herausragend meiner Meinung nach. Lieblingstrack: „Aquarian

Björk – Utopia
Björk begleitet mich von Anfang an. Niemand hält dem Vergleich mit ihr stand. Björk ist eine Künstlerin, die immer auf der Suche nach Neuem ist. Sehr inspirierend für alle Menschen, die sich der Kunst verschrieben haben. Lieblingstrack: „Courtship

Samurai

Kreiml (li.) und Samurai im Solarium

Nachdem das Kampfschwein Samu aka Samurai bereits Anfang 2016 mit Wienzeile-Kollegen Kreiml das gemeinsame zweite Album „Die Rückkehr des Untiers“ releast hat, war es heuer etwas stiller um die beiden. Das liegt vielleicht auch daran, dass sie an ihrem neuen Album „Wuff Oink“, das am 12. Jänner erscheint, gearbeitet haben. Darauf werden sie sich „im eigenen Grind suhlen, oba die Pappen dabei weit aufreißen“. Einen ersten Einblick bietet da die Videoauskopplung „Wiener“, ein Feature mit Labelkollegen Monobrother. Weitere Gäste auf dem Album sind unter anderem Louie Austen, DRK und Siebzig Prozent, Beats kommen von Alligatorman, Kostantin Diggin, B.Visible, Digga Mindz und weiteren. Neben Kreiml & Samurais Release stehen bei Honigdachs im kommenden Jahr noch drei weitere Releasese an: von Siebzig Prozent, eine EP von Johnny Aitsch und noch ein gemeinsames Werk von DRK und Digga Mindz.

Trettmann – #DIY
Mit #DIY liefert Trettmann das interessanteste Album des Jahres. Soundästhetisch, sprachlich und sogar die Länge des Albums betreffend gilt hier: Weniger ist mehr. Da passt einfach in jeder Hinsicht alles zusammen. Chapeau!

Kroko Jack – Extra Ordinär
Bissig wie eh und je gelingt dem Krokodü das Comeback des Jahres. Dass er damit endlich die mediale Aufmerksamkeit, die er sich schon viel früher verdient hätte, bekommt, ist besonders erfreulich.

Kardinal Kaos – Da goidene Beash 
A ehrlicher Beasch mit am gfährlichen Vers. Einer der dopsten MCs Österreichs stellt hier auf beeindruckende Weise seine vielseitigen Skills zur Schau. Funkiest Album 2017.

Zugezogen Maskulin – Alle gegen Alle 
Soundtechnisch zwar nicht ganz mein Geschmack, aber dafür sind die Texte und Delivery umso überzeugender. In Anbetracht der derzeitigen gesellschaftspolitischen Entwicklungen ein absolut notwendiges Album.

Shacke One – Bossen & Bumsen
Nordberliner Battlerap direkt in die Fresse. Flowtechnisch ist Shacke einfach King aus Prinzip. Inhaltlich und musikalisch zwar recht eintönig, aber dennoch sehr unterhaltsam.

Top-5-Konzerte:
Ich war dieses Jahr mehr in Beisln als auf Konzerten unterwegs, beziehungsweise wenn ich einmal auf einem Konzert war, ist nicht allzu viel hängengeblieben. „Free Tree Open Air“ war aber jedenfalls eine sehr leiwande Gschicht!

Cid Rim

Foto: Daniel Shaked

Clemes Bacher schwirrt unter dem Künstlernamen Cid Rim schon lange durch die Welt der elektronischen Musik. Der studierte Schlagzeuger und Multiinstrumentalist hat über die Jahre einen unverkennbaren Stil zwischen Jazz, Clubmusik und HipHop kultiviert. Nach einigen EPs veröffentlicht der Wiener im Oktober seine erstes Album „Material“ auf dem schottischen Label LuckyMe Records, ist aber auch beim Wiener Label Affine Records verwurzelt.

Photay – Onism
Photay ist seit seinem Track „No Sass“ kein Unbekannter mehr. Mit seinem Album „Onism“ hat er jetzt definitiv einen Meilenstein in seiner Karriere gesetzt. Moondog 2017!

Wandl – Its All Good Tho
Ebenfalls seit Längerem kein Unbekannter mehr, ebenfalls ist sein letztes Werk das meiner Meinung nach bisher beste. Das Album geht prinzipiell gegen die heutige Zeit, aber fängt diese trotzdem immens gut ein.

Moses Sumney – Aromanticism
Bin sonst nicht so der Balladentyp, aber dieser Mann hats arg drauf. Thundercat ist auf ein paar Nummern involviert und die Streicher und Bläsersätze sind right down my alley. Hätte ich selber gern mitgeschrieben.

Los Pirañas ‎– La Diversión Que Hacía Falta En Mi País
Erst vor Kurzem auf der Dorian-Concept-Trio-Tour entdeckt, in einem Wald auf einer holländischen Insel. Dort waren wir dann so beeindruckt von den Sounds, die der Gitarrist imstande ist, aus seiner Gitarre rauszuwürgen, dass wir sie spontan nach Wien einladen wollten. Daraus wurde nichts, aber kann ja noch werden.

Mario Rom’s Interzone – Choose Your Vision
Seit ich auf der Releaseparty im Porgy war, habe ich keine andere CD mehr im Auto gehört. Die rennt durch. Dass diese Platte für mich im Speziellen auch wegen des Schlagzeugs interessant ist, macht Sinn sobald man weiß, dass dieses von Groovegott Herbert Pirker gespielt wird.

Hier geht’s zu Teil 1 mit Fid Mella, Melik, PMC, JerMC, Nasihat und EDWIN

Konzept und Text: Julia Gschmeidler
Collage: Niko Havranek
Mitarbeit Simon Nowak

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Just for The Record #67: Devaloop

Foto: Bexus Potatus

Der Salzburger Produzent Devaloop hat kurz nach den ersten Versuchen 2012 begonnen, seinen eigenen Stil zu entwickeln und gilt heute als einer der vielversprechendsten österreichischen Nachwuchsproduzenten. Seine Instrumentals haben meist einen Boombap-Einfluss, wobei er sich selbst keine musikalischen Einschränkungen auferlegen möchte. Gemeinsam mit JamalJabiby and Dunkler Führer ist er zudem Teil der Crew Silentists. Seine kürzlich erschienenen Werke sind Zusammenarbeiten mit unter anderem Philantrope („Cloudfiles“), der deutschen Crew Papier&Bleistift und dem Schweizer Rapper Zaïd („Hier & Jetzt„). Im November erschien außerdem Devaloops Debütalbum „From The Bits To The Cosmos“ über Radio Juicy mit 16 internationalen Featuregästen wie Teknical Development, Warpath oder Pete Flux. Am Ende des Artikels findet ihr die soeben erschienene Videoauskopplung daraus.

Aktuelle Lieblingsalben
Zaïd meets Parental – Linie 33: Improptu
Mz Boom Bap x Ryler Smith – Wakilisha
Lord Folter – Rouge
Negroman – Sequel Ep
Lamotta – Conscious Tree Alfa Mist – Antiphon
Anderson .Paak – Malibu
Aktuelle Lieblingssongs
Alltime Favorites
Pete Flux & Parental – Traveling Thought (EP)
Bonobo – Days To Come (Album)
Flying Lotus – 1983
Klaus Layer – Into a Sky

Das sind jetzt ein paar, die mir spontan eingefallen sind, die Liste würde auf jeden Fall noch lange weitergehen. Ich denke, das hängt auch stark von der Mood ab, die mich über eine Zeit lang begleitet. Also da finden sicher bestimmt immer ganz unterschiedliche Sachen darin Platz.

Lieblingsproduzenten

Mono:Massive, Philanthrope, Figub Brazlevič, Mr. Käfer, Tru Comers, B-Side, Digitalluc, Parental, J Dilla, Mndsgn, Flying Lotus, Damu The Fudgemunk, Klaus Layer, Buckwild, Lord Finesse, Grap Luva, Jazz Spastiks, Pete Rock, George Fields. Aber da ändert sich auch immer wieder was. Ist vor allem abhängig davon, was mich gerade so inspiriert.

Lieblings-DJ

Ich muss gestehen, da habe ich nicht wirklich einen.

Lieblingsrapper

JamalJabiby & Dunkler Führer (Shouts an meine Brudis) und sonst gibt es da zu viele, vor allem wechselt das bei mir grad bei Rappern sehr häufig.

Lieblingssongzeile

Muss ich passen, hab für mich nie „die eine“ Songzeile als meine Lieblingszeile auserkoren. Auch hier hängt das stark davon ab, was ich gerade so höre bzw. mit welchen Inhalten sich die Lyrics beschäftigen. Aber eine Zeile  bzw. eher ein ganzer Song fällt mir dann doch gerade ein. Und zwar ist das der Track „Kein Original“ von Retrogott. Fällt mir aber schwer, da eine bestimmte Zeile auszuwählen, da ich den gesamten Text richtig gut finde.

Lieblingssongzeile auf einem eigenen Beat

Will nichts werden, da ich doch schon bin“ – JamalJabiby

Lieblingsplattenladen

Minerva Records in Salzburg und Teuchtler in Wien

Erstes gekauftes Vinyl

Wenn ich mich nicht irre, müsste das irgendeine Platte mit Drumbreaks gewesen sein & „The Concert Legrand“ von Michel Legrand. Quasi das erste Material, um einen Beat auf Sample-Basis bauen zu können.

Lieblingsbeat

Puuuh, also das kann ich unmöglich so strikt beantworten, das wechselt schon sehr häufig. Aber einer, der mir jetzt spontan in den Sinn kommt, ist „Cosmos“ von Parental, welchen er für Melanin 9 produziert hat. Der Vibe trifft mich einfach immer wieder genau da, wo er soll.

Lieblingsbeat selbst produziert

Den gibt’s immer nur ganz kurz. Ich habe das öfter, nachdem ich einen neuen Beat gebaut habe und mir denk :„Wow, das ist auf jeden Fall mein bester/liebster Beat von mir selbst.“ Aber das vergeht dann meistens spätestens mit dem nächsten Beat, der mir gut reingeht.

Lieblingscover

Schwierig. Aber eines davon ist mit Sicherheit von Melanin 9 „Magna Carta“, aber auch von meinem Projekt, das ich mit Zaïd gemacht habe (an dieser Stelle Props an Manuel Tozzi, welcher uns das Cover designt hat)

Erstes Sample

Das dürfte wohl „Lets Stay Together“ von Al Green gewesen sein. Zumindest habe ich das als erstes Sample, aus dem ich wirklich einen Beat geschraubt habe, in Erinnerung.

Produziert mit

Bei mir entsteht grundsätzlich alles in Ableton. Ich trigger meine Sounds mit einem Midi-Keyboard oder einer Mpd, im Grunde also sehr Basic das Ganze. Manchmal kommen dann noch Kleinigkeiten mit einem Microkorg-Synth dazu.

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