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Die heilende Kraft der Musik

In den Werken antiker Schriftsteller gibt es zahlreiche Hinweise auf die wundersame Wirkung von Musik auf den psychoemotionalen Zustand eines Menschen. So wird zum Beispiel in der Sagendichtung über Wotan eine interessante Tatsache beschrieben, wie Wotans Wunde aufhörte zu bluten, als er Musik hörte. Der berühmte Orpheus wiederum milderte mit Hilfe des Singens gleichermaßen erfolgreich den Charakter von Menschen und stellte wilde Tiere und Vögel ruhig. Lycurgus, König von Sparta, bekannt für seine harte Gesinnung, komponierte selbst Musik für seine Krieger. Er erlaubte sich nie, in eine Schlacht zu ziehen, ohne seine Armee mit den Klängen von Trompeten und Trommeln in Kampfbereitschaft zu bringen. Der herausragende griechische Philosoph Demokrit riet den Menschen oft, bei verschiedenen Infektionskrankheiten Musik zu hören. Und als Platon seinen Patienten Medizin gab, ließ er sie die sogenannten magischen Lieder hören und versicherte, dass die Medizin sonst nicht wirken würde.

Bereits in unserer Zeit wenden sich viele Ärzte zunehmend den wundersamen Eigenschaften der Musik zu.  Außerdem kann man sich kaum ein Abendessen im Restaurant oder ein Spiel im NetBet Österreich ohne Musikbegleitung vorstellen. Es gibt viele Hinweise darauf, dass Musik kranken Menschen Kraft gibt.

Die Heilkraft der Musik wird besonders im Herbst verstärkt, wenn sich der Körper auf lange Kälte einstellen muss. Ein Mensch bringt seinem Körper einen noch größeren Nutzen, wenn er nicht nur Musik hört, sondern auch singt oder mitsingt. In diesem Fall verbessert sich das allgemeine Wohlbefinden einer Person erheblich, und manchmal wird sogar der Körper für die Krankheit unverwundbar. Dies liegt daran, dass beim Singen die Energie der Geräusche, die eine Person betreffen, durch die aktive Arbeit der inneren Organe verstärkt wird, die durch die Bewegung der Brust, des Zwerchfells und der Bauchmuskeln verursacht wird.

Wissenschaftler haben viele Studien durchgeführt, deren Ergebnisse lassen sich wie folgt darstellen:

1) das Hören der Musik von Tschaikowsky, Schubert, Schumann und Chopin helfen, Stress abzubauen;

2) Musik im Stil von Blues, Soul und auch Jazz trägt zu einer Steigerung der Stimmung und der Arbeitsfähigkeit bei.

Musik beeinflusst diejenigen Teile des Gehirns, die für die Entwicklung der Intuition sowie die Interaktion mit der Außenwelt verantwortlich sind. Man betrachtet die Musiktherapie als eine wirksamere Methode zur Behandlung von Patienten als herkömmliche Medikamente, die bei vielen Allergien auslösen. Musik beeinflusst eine Person als Ganzes und nicht nur jedes einzelne Organ. 

Das Timbre der Instrumente, das eine andere therapeutische Wirkung hat, ist sehr wichtig. Um die Erregbarkeit zu verringern und das Nervensystem in Ordnung zu bringen, müssen Sie Klavier hören. Klarinette trägt zur Verbesserung der Durchblutung, zur Normalisierung des Herz-Kreislauf-Systems und zur Beseitigung von Depressionen bei. Die Flöte überwacht die ordnungsgemäße Funktion der Leber und des Bronchopulmonalsystems. Die Klänge der Geige helfen sehr gut, sich zu entspannen. 

Es ist auch wichtig, nicht nur das Timbre, sondern auch den Klang der Instrumente zu beachten. Blasinstrumente wie Flöte, Klarinette, Oboe usw. entzünden das Feuer des Herzens. Da sie mit dem Atem gespielt werden, der das Leben selbst ist, vermitteln sie die Herzqualitäten besonders lebendig. Solche Instrumente wie eine Trommel werden Schlaginstrumente genannt. Sie wirken revitalisierend und stimulierend auf den Menschen. Beim Spielen von Instrumenten mit Drahtsaiten entsteht ein Erregungseffekt.

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Beatshizzle (März 2020) // Beats & Instrumentals

In dieser Reihe widmen wir uns monatlich den neuen Releases der Beat- und Instrumental-Szene. Das Meer an großartigen Beats wird von Tag zu Tag größer und nur die wenigsten Produzenten erhalten gerechtfertigte Credits. Darüber hinaus gibt es regelmäßige Instrumentalreihen – viele der Projekte gehen allerdings in der Flut an Releases einfach unter und werden nicht mit eigenen Artikeln gewürdigt. Dennoch sind sie relevant genug, um ihnen eine Plattform zu bieten.

Bereits gesondert oder als Teil des wöchentlichen Austro Round-ups haben wir über die kürzlich erschienenen Beat-EPs von B.Visible, Marco Kleebauer, ricefries (osive & MazeOne) und Disconnected (Testa, Spinelly, Mo Cess & Pirmin) berichtet.

Text: Simon Huber & Simon Nowak

Knxwledge – 1988

Kaum ein Monat vergeht, ohne dass mindestens ein neues Release von Knxwledge auf dessen Bandcamp-Seite aufpoppt. Der in Los Angeles lebende Produzent erweitert laufend seine Beat-/Remix-Reihen „Hexual Sealings“ und „Wraptaypes“, die von seinem Gespür für extrem smoothe, eingängige Loops, verspielte Drums und interessante Vocal-Samples leben. Ein einfaches, aber effektives Rezept, das seine längst auf über 100 Werke gewachsene Diskografie prägt. Mit „Hud Dreems“ stand dabei lange nur ein vollwertiges Album zu Buche, das 2015 via Stones Throw erschienen ist.

Benannt nach seinem Geburtsjahr, lieferte Knxwledge im März mit „1988“ einen Nachfolger und weckte damit hohe Erwartungen. Die 22 neuen Tracks tragen eindeutig die Handschrift von Knxwledge, bieten seinen charakteristischen Sound. Einerseits unterstreicht er damit ein weiteres Mal, dass er zu den begabtesten Produzenten zählt, andererseits fallen bei den Beats und Remixes – bis auf die insgesamt längere Laufzeit und die kurze Reunion mit NxWorries-Partner Anderson .Paak – keine großen Unterschiede zu seinen laufenden Releases auf. Kein Beinbruch, zumal sich Knxwledge durchwegs feine Tracks rausgepickt hat und nach längerer Zeit wieder mal Knxwledge-Beats auf Vinyl rauskommen.  

DJ Krush – Trickster

Auch mit knapp 60 Jahren ist DJ Krush aktiv wie eh und je, spielt fast jährlich Welttourneen und arbeitet an Releases. Als Nachfolger des 2018 erschienenen Albums „Cosmic Yard“ präsentierte der japanische Produzent und DJ kürzlich „Trickster“. „A trickster that causes confusion and destruction and creates a new order again“, schreibt er zur nach Trickbetrügern benannten LP. Diese basiert auf seinen monatlich veröffentlichten Beats aus dem Jahr 2019, die nun zusammen mit zwei Neuzugängen ein Album bilden. Der Sound fällt düster und rau aus, durch treibende, teils abstrakt angehauchte Sequenzen entsteht typisches Krush-Feeling und viel Live-Potenzial.

Brous One – Juslikedat

Mit den Worten „Juslikedat and now chill“ wird das neue Werk von Brous One eingeleitet und recht viel mehr bleibt einem auch nicht übrig, wenn man die smoothen Beats der Platte hört. Seit jeher für seine Jazz-inspirierten Beats bekannt, passt er perfekt in den Roster von Beat Jazz International, das noch relativ junge Berliner HHV-Sublabel, das bisher mit allen fünf Releases überzeugen konnte. Features kommen von Retrogott, Hulk Hodn und Greco Murillo.

Iamnobodi – Memory Of Enchantment

Im September nach einigen Jahren Pause mit zwei neuen Beattapes auf die Bildfläche zurückgekehrt, veröffentlichte Iamnobodi im März ein weiteres Projekt. In Los Angeles, Martinique und seiner Heimatstadt Berlin entstanden, springen in der Tracklist einige prominente Featuregäste ins Auge. Auf „Here“ unterstützt mit Yussef Dayes einer der begabtesten Jazz-Schlagzeuger, an den Aufnahmen von „Grow“ waren etwa der Saxofonist Masego und – wenn auch nur im Hintergrund – Sänger SiR beteiligt. Die neun Tracks sind überwiegend instrumental, fallen meist ruhig, reduziert und atmosphärisch aus, bieten dabei eine soulig-warme Note. Schönes Mini-Album, vorerst leider nur digital erhältlich.         

20syl – 36 (Beats & Types)

Als Teil der Crews Hocus Pocus und C2C tritt 20syl bereits seit gut 20 Jahren als Produzent, DJ und Rapper in Erscheinung. In den vergangenen Jahren verlagerte sich der Fokus des Franzosen ein wenig weg von den alten Teams. Neben zwei Solo-EPs war er als Produzent des Duos AllttA – einem Projekt mit dem US-Rapper Mr. J. Medeiros – aktiv. Nach 2017 wurde es still um ihn. Kürzlich kehrte 20Syl mit einem umfangreichen Projekt zurück. Gestartet am 02. März, veröffentlichte er 36 Tage lang je einen rund einminütigen Beat inklusive Visualisierung, zu sehen auf seinem Instagram-Profil. Zum Abschluss steht nun das Album „36 (Beats & Types)“. Der Sound fällt verspielt aus, ist mit munteren Synths ausgestaltet und lässt sich irgendwo zwischen bassbetontem HipHop und Electronic verorten.

Marc Mac – The Invisible Soldiers

Im Rahmen seiner Reihe „Beats and Knowledge“ verknüpft Marc Mac seit einigen Jahren soulige Boombap-Klänge mit Vocal-Samples, die den thematischen Fokus jeweils auf eine Episode der afroamerikanischen Geschichte lenken. Mit „The Invisible Soldiers“ veröffentlichte der britische Produzent kürzlich die bereits sechste Ausgabe. Nachdem der Anfang 2019 erschienene Vorgänger „All Power To The People“ der Black-Panther-Bewegung gewidmet war, geht es diesmal primär um die rund 100.000 schwarzen US-Soldaten, die im 2. Weltkrieg gekämpft haben – und ihre teils vergessenen Geschichten. „By deploying troops abroad as warriors for and emissaries of American democracy, the military literally exported the African-American freedom struggle“, zitiert Marc Mac im Beitext die deutsche Historikerin Maria Höhn. Produktionstechnisch mag „The Invisible Soldiers“ keine großen Neuerungen bieten, interessant aufbereitet ist aber auch diese Ausgabe.

FatGyver – Small Songs That My Samplers Sing

Um seinen 40. Geburtstag gebührend zu feiern, hat FatGyver mit „Small Songs That My Samplers Sing“ ein neues Werk ins Netz gestellt. Auch unter dem Namen Fanu als Drum-and-Bass-Produzent aktiv, ist es das sechste Release unter seinem HipHop-Alias. Der Mix aus alten und neuen Tracks bietet wuchtigen Sound mit viel Vintage-Flavour. Der Finne sorgt für meist entspannte Klänge mit reichlich Headnod-Potenzial, feinen Drums. Dem Titel zum Trotz sind auch zwei Tracks dabei, die ganz ohne Samples auskommen – um welche es sich dabei handelt, möchte der Produzent allerdings nicht verraten. Ein starkes Beat-Release, das als Tape sowie für eine freiwillige Spende digital erhältlich ist.

IAMPAUL – unnifty

„unnifty“, das neue Album von IAMPAUL über Daily Concept, verspricht, “ fernab vom 08/15-‚Beats-to-study-to“-Einheitsbrei“ zu sein. Auch wenn der ein oder andere Track wie „friday“ gefährlich nah daran vorbeischlittert, überwiegt definitiv der IAMPAUL-Trademark-Sound, der sich in Perlen wie „break down boarders“ oder „theori“ zeigt und ein stringent dopes und herausstechendes Gesamtwerk erzeugt.

Limido – Relikte eines Reisenden I-III

Limido ist einer der Hausproduzenten von „Freche Gesellschaft“ und hauptsächlich für seine Bretter für Capuze & Co bekannt. Abseits davon steppt auch des Öfteren selbst ans Mic. Über Dezi-Belle erschien nun nach einigen Rap-EPs und einem Album sein erstes reines Solo-Instrumentalprojekt. „Relikte eines Reisenden“ ist dabei in drei einzelne Alben geteilt, was es einerseits vielfältiger macht, andererseits leider einige coole Sachen untergehen lässt, wenn man nicht die Muße hat, sich alle drei Alben anzuhören. Aber „zu viele gute Beats“ zu haben, ist jetzt auch nicht der tragischste Vorwurf.

Arms and Sleepers – Leviathan (In Times of) & Eastern Promises

Erst im Jänner haben Arms and Sleepers mit „Safe Area Earth“ einen Longplayer veröffentlicht, doch das war nur der Start einer Releasewelle. So haben Mirza Ramzic und Max Lewis damals angekündigt, für 2020 noch zwei weitere LPs sowie drei EPs geplant zu haben. Mit „Leviathan (In Times Of)“ und „Eastern Promises“ sind mittlerweile zwei EPs erschienen. Wie vom US-Duo gewohnt, dominiert über weite Strecken ein melancholischer Charakter. Bei „Leviathan“ fällt der Sound sehr ruhig aus, die Tracks haben viel Ambient-Charakter. „Eastern Promises“, das sechs catchige Instrumentals bietet, orientiert sich weitaus mehr an den gewohnten Downtempo-Klängen, wirkt im Vergleich fast fröhlich. Die EP ist als Hommage an Osteuropa konzipiert, wo Mirza Ramic bis zum Ausbruch der Coronakrise auf Arms-and-Sleepers-Tour war.

Eto Paranoia & RAW Mentalitee – Survival Skillz

Neben den mittlerweile obligatorischen neuen „PPT-DS“-Beiträgen – im März von MaxOne und Thelonious Coltrane – erschien im März auch wieder ein vollwertiges Album über POSTPARTUM. von Eto Paranoia & RAW Mentalitee. Wer die Szene in den vergangenen Monaten verfolgt hat, sollte die Namen auf dem Schirm haben, stehen sie doch für relativ brachialen BoomBap-Sound und sind das beste beispiel dafür, wie manche Stile einfach immer wieder neu aufgelegt werden können, ohne langweilig zu werden. „Survival Skillz“ bestätigt das erneut und zeigt, wie unschlagbar die beiden im Tagteam sind.

Mr. Backside – Galaxy Dreams

Amajin ist schon lange eines meiner Lieblingslabels, leider immer noch sehr underrated. Mr. Backside, eines der Zugpferde des Labels., veröffentlichte kürzlich mit „Galaxy Dreams“ sein mittlerweile zwölftes Soloalbum (neben zahlreichen weiteren EPs), das ohne Zweifel auch zu seinen bislang besten zählt. Die Zutaten bleiben die gleichen: Vintage-Ästhetik, Filmreferenzen, die Vorliebe für Retrotechnik, scheppernde Drums über mal entspannte, mal epische Samples. Kann man auf jeden Fall so machen.

Misho Urushadze – დუღილი

Als Compilation aus diversen Sessions mit internationalen Musikern brachte Misho Urushadze Anfang März das Minialbum „დუღილი“, die georgische Bezeichnung für „Brodeln“, heraus. Die sechs unter der Leitung des in Tiflis lebenden Produzenten und DJs kuratierten Tracks bieten satten Instrumentalsound mit viel Funk-Charakter. Gleichzeitig zieht sich auch ein starker Jazz-Einschlag durch die Tracks – wenig verwunderlich, zumal die meisten Gastmusiker aus diesem Bereich kommen. Feiner Sound jedenfalls, den das unaussprechliche Album da bietet.

Maniac – Beattape (2020)

Der OG Maniac hat mittlerweile nicht nur eine eigene CBD-Sorte bei Moe’s Hemp, sondern seit Kurzem auch einen eigenen Plattenladen in Regensburg. Der Start wurde durch die aktuelle Corona-Situation zwar etwas verzögert, der Onlineversand läuft jedoch bereits auf Hochtouren. Und auch musikalisch geht es rund bei Maniac. Neben Produktionen für seine Leute bayern- und deutschlandweit und einem Projekt mit den Tribez. veröffentlichte er auch wieder ein Instrumentalalbum mit dem simplen Namen „Beattape (2020)“, das in Ästhetik, Namensgebung und Sound wie immer herzlichen zum gepflegten Entspannen einlädt. Nur mit CBD, versteht sich.

Julian Convex – Lowrider

Regelmäßig veranstaltet DIGGINSACK Beatbattles via Facebook. Der Gewinner des von HHV unterstützten letzten Championship, Julian Convex, bekam nun die Gelegenheit, sein erstes Album „Lowrider“ digital und auf Tape zu veröffentlichen. Und das hält, was der Name verspricht. Auf 19 Tracks huldigt er der G-Funk- und Westcoast-Ära, durchwegs gut produzierte beats, die so auch im GTA-Soundtrack vorkommen könnten.

Typol – Chimp Tape | Moka Pot Tape 2

Mit seinen beiden jüngsten Releases bleibt Typol seiner Linie der eher unkonventionellen Titelgebungen treu. Waren Vorgängertapes unter anderem nach Haferbrei und Honigbienen benannt, knüpfte er kürzlich mit dem „Chimp Tape“ und dem „Moka Tape“ an. Auf beiden hat sich der Pole bei eher reduzierten Produktionen der Kombination aus Dub- und HipHop-Einflüssen verschrieben. Eine durchaus stimmige Angelegenheit.

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„Punchcount = ∞“ // Regular Bars #9

Illustration: I Linh Nguyen

Im Battle-Rap tut sich einiges. Während sich das gegenseitige Duellieren mit Wörtern (dessen Wurzeln sich zum Beispiel mit dem “Dozens“-Spiel tief in die afrikanische Kultur verfolgen lassen) im englischsprachigen Raum mit Ligen wie King of the Dot, Don’t Flop und natürlich URL weitgehend etabliert hat, steckt er im deutschsprachigen Raum noch in den Kinderschuhen. Aber DLTLLY (Don’t Let The Label Label You, Anm.) und Rap am Mittwoch erfreuen sich steigender Besucher- und Klickzahlen und auch in Wien existieren mit Dreistil und Rap im Beisl Ligen, die diese Schiene fahren. Jeder Battle-Rap Fan wird bestätigen können, dass das ein sehr zeitaufwendiges Hobby ist, die Battles dauern selten kürzer als 20 Minuten. Und auch wenn sich viele Battles einen eigenen Eintrag verdient haben, kann es sehr praktisch sein, regelmäßig zu wissen, was sich so getan hat, welche Battles veröffentlicht wurden und welche noch anstehen. Dafür gibt es die Reihe Regular Bars!

Disclaimer: Achtung! Dieser Artikel kann Spoiler und Spuren von Meinung enthalten!

Bei Dreistil stand traditionell für die Frühjahrs-Saison hoher Besuch an: Ssynic war wieder da. Und dieser hatte neben seinem A capella vs. Flowbird auch Hunger auf den Freestyle-Bewerb. Gehostet von Cihan bekam das ganze Event einen kleinen RAM-Touch, bei dem selbst der große Ssynic gegen Gegner wie EinfachSo (im Halbfinale) oder Toast4Me (im Finale) stellenweise ins Wanken kam (im Finale bin ich sogar der Meinung, dass Toasts Punchcount höher lag). Im A capella wurde der Unterschied etwas klarer, Flowbirds Angles zündeten gegen einen routinierten, aber im Sparmodus auftretenden Ssynic leider kaum. Der Schmäh war aber jedenfalls auf seiner Seite und seine dritte Runde war für mich ein richtiges Highlight. Was das Battle auch zeigte: Dreistil ist nun Medien wie hiphop.de kein Fremdbegriff mehr. Auch wenn das Battle natürlich nur wegen Ssynics Namen geteilt wurde, kann man davon ausgehen, dass zukünftig herausragende Battles auch einen Platz in der Berichterstattung finden könnten. Also step your game up, ihr Maden.

Weitere Fotos von RAM in Wien am Ende dieses Artikels.

Der Besuch von Ssynic und Cihan in Wien war nicht das einzige Erscheinen von RAM in Wien: Wie letztes Mal schon erwähnt, veranstalteten sie auch eine ganz offizielle Cypher in der Grellen Forelle. Mittlerweile kann man sich auch endlich online ein Bild davon machen. Videos zeigen eine verhältnismäßig gute Battlemania, aber vor allem eine richtig gut aufgelegte Wiener Crowd, die bis zum Ende viel Stimmung macht. Jetzt könnte man diskutieren, ob die Wiener Crowd einfach genügsamer ist oder einfacher zufriedenzustellen? Der Anspruch ist wohl tatsächlich nicht besonders hoch, aber solange die Stimmung gut ist, ist es eigentlich egal. Solche Details können frühestens dann diskutiert werden, wenn das Niveau der MCs auch hier stimmt. Wermutstropfen ist, dass Toast schon in der Vorrunde den Stärksten im Feld bekommt und sein Konter- und Freestylegame nicht länger unter Beweis stellen konnte (außerdem war ich auf seine Textrunde gespannt).

Im BMCL traten sich Tobi Nice und Krom gegenüber. Während Tobi Nice offenbar nun endgültig die „Conscious“-Schiene gewählt hat (und damit die Wiener Crowd sehr gut unter Kontrolle hat), schlägt sich Krom für sein erstes BMCL-Match eigentlich ganz gut. Er hat paar treffende Punkte, ihm fehlen nur die Punchlines.

Bei DLTLLY war natürlich wieder ordentlich was los (und mit all den Battles, die schon gemacht oder angekündigt wurden, wäre das auch bei einem kompletten Ausfall des gesamten Teams noch zwei bis drei Monate gewährleistet). Die größte Aufmerksamkeit wurde aber durch eine Diskussion hervorgerufen, die bisher nur battlerapintern für Gesprächsstoff sorgte. Das Battle zwischen Pilz vs. Nedal Nib rief diesmal aber leider auch Ahnungslose auf den Plan, um ihre Meinung zu Grenzen im Battle-Rap (eine Kunstform, die sie offensichtlich nicht verstehen und nicht verstehen wollen) zu äußern. Das ging von Privatpersonen über Künstler wie Soufian und diverse HipHop-Medien, die durch aus dem Zusammenhang gerissene Ausschnitte aus dem Battle ihre Reichweite steigern wollten. Alles #ehrenmänner (und -frauen). Selbst die taz mischte mit. Yay … Es ist schon viel zu viel darüber gesagt und argumentiert worden, deshalb lasse ich das hier. S/o an jeden mit gesundem Menschenverstand, der die absolute Unnötigkeit dieser Debatte checkt. Und an den Rest: Lasst diese Kunstform in Ruhe und lebt eure Minderwertigkeit woanders aus.

Neben diesem Internet-Kreuzzug (pun aber sowas von intended!) gab es natürlich einen Haufen Battles zu bestaunen. Eben das Battle zwischen Nedal Nib und Pilz, das nicht nur von der Diskussion, sondern auch von einem nicht-mehrheitsfähigem Judging überschattet wurde. Abgesehen davon ist das Battle auf jeden Fall ein Meilenstein, da die zwei Geschlechter sich im deutschsprachigen Raum noch nie so hochqualitativ in einem Written-Battle beschimpft haben. Der Champ macht vieles richtig, ist mit seinen Angles deutlich kreativer als seine Kontrahentin und trotzt einer Crowd, die auf keinen Fall auf seiner Seite ist. Aber gut, Judgings sind eh wurscht.

Und dann gibt’s noch sooo viel anderes, was erwähnenswert wäre, aber begrenzen wir uns mal auf die Battles, die schon draußen sind. Das sind hauptsächlich Matches aus der NRW-Session, die alle sehenswert sind und einige Highlights beinhalten. Deshalb hier als Liste:

Fabiga vs. Four Seven: Die Judges sprechen mir aus der Seele, auch wenn ich finde, dass Four Seven schon teilweise deutlich treffender war als Fabiga. Aber wie schon gesagt, ist da auch viel Müll dabei, umso überraschter bin ich immer, wenn dann eine richtig gute Line von ihm kommt. Fabiga ist wie immer on Point, die Intensität flacht aber manchmal etwas ab.

Barracuda vs. Mavgic ist ein klarer Body-Bag: Mavgic extrem sympathisch, extrem witzig und noch wichtiger: treffend. Wie Barracuda ihm ins Messer läuft, ist tragisch und fatal. Da hilft ihm leider auch nicht seine Delivery, die ich in seinem ersten DLTLLY-Match richtig geil fand, nun aber auch mit Inhalt gefüttert werden muss. Die Einzigartigkeit des Styles von Mavgic ist ein eigener Punkt: sehr erfrischend, bitte mehr!

Tobi Nice vs. Notyzze: Aufeinandertreffen von zwei Flow-Monstern und zwei der wenigen richtigen MCs im Battle-Rap. Notyzze ist leider etwas unsicher, aber hat wieder ordentlich Bars am Start (und leider wieder bisschen corny Zeug). Conscious-Tobi spielt wieder Unconscious-Tobi (oder spielt Unconscious-Tobi immer nur den Conscious-Tobi?!) und bringt neben einigen guten Angles auch Freundinnen-Lines (obwohl er sagt ja, dass er sie nicht bringt. Sind die dann außer Kraft gesetzt, wenn er das sagt?). In der dritten Runde wird sein Angle so persönlich, dass sein Gegenüber so enttäuscht, dass er das nicht einmal zu verstecken versucht. So richtig menschliche Enttäuschung. Habe ich lang nicht mehr in einem Battle gesehen. Nett.

VT vs. Vyrus: In diesem Battle beweist für mich VT, dass er das beste Pen-Game der Liga bzw. des deutschsprachigen Raums hat. Das heißt bei weitem nicht, dass er der beste Battle-Rapper ist, sondern einfach nur, dass er unglaublich gut schreiben kann. Diese Fähigkeit ist jedoch Segen und Fluch zugleich: An den richtigen Stellen und in gewissen Dosen ist so ein Stift ein tödliches Instrument. Wenn man es damit aber übertreibt, kann es schnell seine Kraft verlieren und corny werden. VT beherrscht das gut, aber meiner Meinung noch nicht perfekt. Seine erste Runde ist gespickt mit Lines zum Rewinden und Rewinden und Rewinden! Fast schon zu viel.

Während wir im deutschsprachigen Raum gerade erst angefangen haben, über Titel im Battle-Rap zu sprechen (auch der RAM-Titelträger wird am 7. Juni zwischen Mighty Mo und Ssynic ausgemacht) und Wörter wie Title-Match, -Shot, -Contender, etc… durch den Raum zu kreischen, machen das die Amis, Kanadier und Briten schon seit geraumer Zeit. Bei den beiden Ligen KOTD und Don’t Flop standen vor Kurzem die  jeweiligen Title-Matches an.

Bei KOTD wurde schon allein die Begegnung zwischen Head I.C.E. und Rone heiß diskutiert und auch das Ergebnis ist für viele unverständlich bis skandalös. Das Match an sich wird jedenfalls nicht als besonderer Classic in die Geschichte eingehen, geben sollte man es sich trotzdem.

Bei Don’t Flop gab es gleich zwei Titel zu vergeben: Wie beim vorigen Mal schon erwähnt, kamen Shuffle-T & Marlo nach längerer 2on2-Abstinenz zurück, um ihren Double-Title zu verteidigen. Herausforderer waren P Solja & Matter. Für jeden Kenner eine ziemlich klare Angelegenheit. Und eine sehr witzige.

Der weitaus wichtigere Titel ist natürlich der des einzelnen Don’t-Flop-Champions, den Soul nun schon seit einiger Zeit trägt und dreimal erfolgreich verteidigt hat. Sein wohl stärkser Contender bis hierher ist nun Shox The Rebel. Das Video ist vorerst nur im PPV erhältlich, wird aber bald auf YouTube erscheinen. Eines vorweg: Punchcount = ∞.

Bei all dem Titel-Gelabber ist noch einzubringen, dass bei DLTLLY ebenfalls die nächste Phase eingeleitet wird: Robscure und Lyrico werden sich im ersten offiziellen Title-Contender-Match darum battlen, wer als Nächstes gegen Nedal Nib um den Titel kämpfen wird. Das Ganze steigt im Berliner Lido, am 13. Mai.

Fotos von Rap am Mittwoch in der Grellen Forelle von Daniel Shaked:

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Das erste Title-Match Deutschlands // Battle-Rap

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KOTD sucht sein Battle des Jahres // Battle-Rap

Welches Match ist das Battle des Jahres?
Welches Match ist das Battle des Jahres?

I know some rasta-mans: two’s dumping/
I’ll have them dreads slide on ICE: cool runnings!

Bars wie diese von Bigg K gab es vergangenes Jahr reichlich – und wenn „King of the Dot“ sein „Battle des Jahres“ sucht, kann man getrost behaupten, dass dieses auch das allgemeine „Battle des Jahres“ ist. Denn die kanadische Liga ist zurzeit wohl unbestritten das Höchstmaß im Battle-Kosmos. Vor allem 2016 veranstaltete das Team um Organik ein Mega-Event nach dem anderen. Jetzt will man mittels Voting eruieren, welches ihrer Matches den Titel des „Battle of the Year“ verdient. Selbstverständlich fehlen einige wichtige Performances, jedoch können Body-Bags natürlich nicht um den „Battle of the Year“-Status mitkonkurrieren, da in einem guten Battle beide Parteien ihre beste Performance abliefern müssen. Auch der Titel für den besten Battlerapper des Jahres wird vergeben. Voten kann man HIER bis 18. Jänner, sollte man die Battles nicht kennen: Unbedingt geben und genießen!

 

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Regular Bars #6 // Battle-Rap

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In der Parallelgesellschaft Battle-Rap tut sich einiges. Während sich das gegenseitige Duellieren mit Wörtern (dessen Wurzeln sich beispielsweise mit dem “Dozens“-Spiel tief in die afrikanische Kultur verfolgen lassen) im englischsprachigen Raum mit Ligen wie King of the Dot, Don’t Flop und natürlich URL weitgehend etabliert hat, steckt er im deutschsprachigen Raum noch in den Kinderschuhen. Aber DLTLLY (Don’t Let The Label Label You, Anm.) und Rap am Mittwoch erfreuen sich steigender Besucher- und Klickzahlen und auch in Wien existieren mit Dreistil und Rap im Beisl Ligen, die diese Schiene fahren. Jeder Battle-Rap Fan wird bestätigen können, dass das ein sehr zeitaufwendiges Hobby ist, die Battles dauern selten kürzer als 20 Minuten. Und auch wenn viele Matches sich einen eigenen Eintrag verdient haben, kann es sehr praktisch sein, regelmäßig zu wissen, was sich so getan hat, welche Battles veröffentlicht wurden und welche noch anstehen. Dafür gibt es die Reihe Regular Bars!

Disclaimer: Achtung! Dieser Artikel kann Spoiler und Spuren von Meinung enthalten!

Diese Folge ist dem großen Iron Basic gewidmet, der vergangene Woche mit seinem Tod eine tiefe Lücke im deutschen Battle-Rap hinterlassen hat. Unseren Nachruf findet ihr an dieser Stelle. Aber wie DLTLLY schon auf Facebook schrieb: „the show must go on„.

Dreistil bot in seiner vorletzten Ausgabe eine der unterhaltsamsten Editionen der Veranstaltung. Neben dem verhältnismäßig guten und spannenden Freestyle-Finale zwischen EinfachSo und Toast, bot auch das A-capella-Battle zwischen SeboKill und ErroR ordentlich Gesprächsstoff. Denn es war – milde ausgedrückt – recht kontrovers (zur Abwechslung passt das Wort tatsächlich). Mit ErroR stand nämlich ein waschechter rechter Recken einem sympathischen Typen gegenüber. SeboKill gelingt es dabei recht schnell, die politische Ausrichtung seines Gegners zu präsentieren und sie gekonnt ins Lächerliche zu ziehen, ErroR besticht eher durch Chokes, hat aber (wenn man neutral und ohne Achtung auf guten Geschmack und politische Korrektheit bewertet) ein paar gute Zeilen dabei. Hätte er durchgespittet, hätte man ihm bis auf die letzten Zeilen kaum etwas vorwerfen können (außer fehlende Kreativität und einen Hang zur Nekrophilie?)

Das Battle ist jedoch eine gute Möglichkeit, die immerwährende Frage der Grenzen im Battle-Rap zu diskutieren (wie schon mit Ben Salomo und Tierstar im Interview) bzw. auch die Frage, ob man Menschen mit einer derartigen politischen Einstellung überhaupt eine Plattform geben will. Während die politischen Ansichten von ErroR im „echten“ Leben indiskutabel sind, so bieten sie im Battle die Hauptangriffsfläche für SeboKill, um seinen Gegnern zu dissen. Damit besiegt er ihn auch.

Der erwartete Shitstorm ist zwar nicht wirklich eingetreten (auch weil die Plattform noch keine ausreichende Reichweite dafür hat) trotzdem stellte sich mir in dem Moment des Battles die Frage: Was kann Dreistil jetzt überhaupt noch richtig machen? Lädt man das Battle hoch, wird man mit dem Vorwurf konfrontiert, einer in unserem Land illegalen Einstellung eine Bühne zu geben. Lädt man es nicht hoch, verwehrt man SeboKill seinen Erfolg und muss sich vielleicht sogar den Vorwurf der Zensur gefallen lassen. Da ErroR sich im Battle selbst genug bloßstellt und sogar vom Publikum ausgebuht wird, finde ich persönlich es legitim, es hochzuladen. Wäre er für seine Einstellung gefeiert worden, würden wir uns in einer eindeutig verzwickteren Situation befinden. Unabhängig davon: Props für die „HC Strache“- und die „Van der Bellen“-Zeile, die fand ich witzig.

Vergangene Woche präsentierte Dreistil dann das allererste „Written-Only“-Event, die Acapella-Mania. Dort gab es mit Tobi Nice (vs. JerMc) und Seva (vs. Flowbird) Besuch aus Deutschland. Doch auch Österreicher durften sich gegeneinander messen: EinfachSo trat gegen ARL an und JustEasy gegen DemRaa an. Spoilern will ich an dieser Stelle nicht, die Videos kommen noch und werden hier dann natürlich noch ausführlich erläutert.

Bei Rap am Mittwoch möchte ich ab jetzt die Battlemania unerwähnt lassen, da ich mich in dieser Rubrik hauptsächlich mit Written- und nicht Freestyle-Battles auseinandersetzen will. Entspricht wohl einer Win-win-Situation, da die letzten Battlemanias wohl eher unerwähnt bleiben sollten (für den Fall, dass irgendwann mal wieder eine brauchbare kommt, wird diese natürlich wieder thematisiert). Das BMCL ist umso erwähnenswerter, da es RAM gelungen ist, ein richtig gutes Match zu hosten. Zwei Debütanten, die richtig Bock auf ihr Battle hatten und ordentlich Unterhaltungswert in sich bündeln, trafen in der Münchner Ausgabe des Battles aufeinander: Ji-Zi vs. JeyJey Glünderling aka sympathischer Mutterficker vs. energiegeladenen Poetry-Slammer. Endlich wieder ein Match, das mit den letzten DLTLLY-Battles mithalten kann.

Und das ist dieser Tage wohl schwieriger denn je: bei DLTLLY erscheint nämlich ein Knaller-Match nach dem anderen. Und das wird wohl in nächster Zeit auch noch so bleiben, denn mit der Ankündigung des kommenden „DISSember“-Events in Berlin präsentiert die Liga das wohl vielversprechendste deutsche Battle-Rap-Line-up der jüngsten Vergangenheit. Neben dem spannenden allerersten Titel-Match, das zwischen Brian Damage und Nedal Nib ausgetragen wird, messen sich dort auch Papi Schlauch und Lyrico sowie die Briten Raptor und Unanymous (bei denen man sowohl hoffen muss, dass die Crowd sie versteht, als auch, dass die beiden das Battle ernst nehmen … Raptor hat ja erst vor Kurzem beim achten Geburtstag von Don’t Flop gegen Gjonaj gebattlet) in einem englischsprachigen Battle. Im Team-Battle treffen Robscure & Karma auf Henrey & Ali Affront. Und auch ein Österreicher ist unter den Teilnehmern: JerMc darf sich gegen T-Way zum ersten Mal auf der großen Battle-Bühne beweisen = Österreich vs. Luxemburg auf neutralem Boden.

Wie schwer der Luxemburger es ihm machen wird, hat er im Main-Event in Paderborn bewiesen. Dort traf er nämlich auf Hansen und bot mit ihm ein sehr gutes Battle auf Augenhöhe.

Beim selbigen Event traf Joe-L auf Schalle. Und während Joe-L für seine Performance im Netz wohl schon genug Hate abbekommen hat, kann ich es mir nicht verkneifen, anzumerken, dass sein Vorstoß in der zweiten Runde sich wohl den ersten Platz in der Rangliste der „Worst Backfires“ in Deutschland verdient hat (vor Lyricos „Chloroform-Line“). Und dem Gegner vorwerfen, zu choken und dann selber choken, ist einfach … ohne Worte. Pun intended (ich hatte ja bis zum Ende gedacht, dass es ein Fake-Choke ist, weil es zu absurd war, um wahr zu sein). Ab 10:08 nimmt das Unglück seinen Lauf.

Ebenfalls erwähnens- und sehenswert ist das Battle zwischen Cris Kotzen und MC Maik. Letzteren kennt man ja schon aus vielen Battles, Cris Kotzen ist dagegen ein eher neueres Exemplar und ein ganz neuer „Character“ im deutschen Battle-Rap. Seine pointiert, doch gelangweilt/angepisst vorgetragenen Lines erinnern etwas an den schwedischen Battle-Rapper Nils M/ Skils. Eine krasse Opposition zu Technik-Besessenen, deren Lines ausschließlich durch die Anzahl der reimenden Silben glänzen können und erfrischender Kontrast zum Otto Normalperformer.

In München feierte DLTLLY seinen dritten Geburtstag und beschenkte sich mit ordentlich Battle-Action. Während die Idee zum Bruder-Duell zwischen Tobi High und Max Stoned zwar ganz nett ist, können die beiden raptechnisch nicht mit den restlichen Teilnehmern mithalten. Jack Dragon setzt seine Hochform weiter fort und liefert sich mit Henrey einen erbitterten Kampf. Main-Event-Charakter (wie alle noch ausständigen Battles vom München-Event) hat dabei Mars B vs. Davie Jones. Déjà-vu-Impressionen kommen auf, wenn man die Jury-Entscheidung bedenkt. Sie zeigt aber einfach, wie sehr die Meinungen in puncto Davie Jones auseinandergehen, wenn man seine Leistung live und auf Video unterscheidet. Wobei ich meine, dass die Jury-Entscheidung in Betracht auf die unheimlich starke dritte Runde von Davie weitaus nachvollziehbarer ist, als die Entscheidung in Wien (vs. Robscure).

Und noch ein Battle aus München sollte ob seiner Neuartigkeit nicht unerwähnt bleiben. Im Team-Battle zwischen Robscure, Karma, Harry Crotch & Brian Damage versuchten die Protagonisten eine noch nie dagewesene Variante des Team-Battles. In den Kommentaren merkt man, wie die Meinungen dazu auseinandergehen, da natürlich der Konkurrenz-Gedanke etwas verlorengeht. Da aber trotz verringerten Wettbewerb-Eindrucks und der offensichtlichen privaten Sympathien füreinander nicht mit tiefgehendem Real-Talk gespart wurde, sollte man das Ganze nicht einfach nur als Gimmick-Battle abtun. Aber lasst euch überraschen.

Don’t Flop musste diesmal weitgehend unerwähnt bleiben, da die richtig guten Battles vom achten Geburtstag erst kommen (darunter z.B. Soul vs. Quill). Zur Orientierung kann man sich aber wie immer die Top5-Punchlines geben. Daraus ist auch ersichtlich, welches Battle das beste der vergangenen Wochen war: Geminis Runde gegen Take Note Tox ist gestopft voll mit Punches. Einer der vielversprechendsten Charaktere bei den Briten!

Main-Event der neuen Auflage der „Battles of the Bunker“ (die KOTD Film-Crew um Avocado hat eine einzigartige Location erstellt, maßgeschneidert für Battle-Rap) war ein lange als unsicher erscheinendes Battle zwischen Dizaster und O’fficial. Wie bei Charron vs. Bonnie Godiva ist auch hier Vorsicht geboten, wenn nicht zwischen realem Sexismus und „gespieltem“ Sexismus in einem Battle-Kontext (der dazu dient, die Gegnerin/den Gegner zu erniedrigen, was übrigens das allgemeine Ziel eines Battles ist) unterscheiden kann. Und wer meint, dass Dizaster sicher genauso denkt und hundertprozentig hinter dem steht, was er im Battle-Kontext sagt, sollte sich das Battle bis zum Schluss ansehen: Ab dem Zeitpunkt, wo er seine dritte Runde abgeschlossen und damit seine Leistung abgeliefert hat, wird er lockerer, nickt anerkennend bei guten Bars und eine Umarmung gibt es zum Schluss auch noch. Also immer im Hinterkopf behalten: alles nur Show (meistens zumindest).

In der Thanksgiving-Woche beschenkte KOTD die Fans gleich mit zwei weiteren Battles aus dem „Bunker“. Zu allererst das Match zweier Veteranen, zwischen B Magic und E Ness (der Mitglied von „Da Band“ war – eine Gruppe, die in P.Diddys Version von Sidos „Blockstars“ auf MTV gegründet und z. B. von Dave Chappelle in Perfektion parodiert wurde). Viel Gun-Talk, viele richtig gute Bars und sogar der „Damn-Guy“ von Grizzlemania2 (eines der legendärsten Grimetime-Now-Battles, das 2010 in L. A. stattfand) war da, was auf die Dauer aber recht nervig werden kann. Ebenfalls mit Spannung erwartet wurde das Battle zwischen QP und Fresco. Die beiden sind Garanten für richtig gute Zeilen (Fresco hat mit seiner dritten Runde vs. TheSaurus wohl eine der besten des vergangenen Jahres gebracht) und kommen auch noch aus derselben Crew.

Schoolyard fly! What that mean? If I don’t like the shit you say
I’m putting knuckles to your chin like picture day!

Inmitten dieser Hammer-Uploads startete KOTD in Toronto ein neues Format: bei Ganik vs. Gully (stehend für die zwei Main-Hosts von KOTD: Organik und Gully TK) battleten bereits etablierte Battle-Rapper gegen etwas weniger bekannte, doch trotzdem hochkarätige MCs. Dabei wählten sowohl Organik und Gully jeweils die Representer ihres respektiven Teams. Ein Event, das Schwung in das oft festgefahrene Spannungsverhältnis zwischen Top- und Middle-Tier bringen soll. Hungrige Newcomer treffen auf Veteranen, die ihren Platz legitimieren müssen und eindeutig mehr zu verlieren haben. Glaubt man dem Twitter-Feed von Samstagabend, war es ein höchst unterhaltsamer Abend mit einigen Überraschungen. Das erste Battle der Veranstaltung kommt am 12. Dezember auf YouTube: Gjonaj vs. Daylyt.

Daylyt hat bei der letzten Smack/URL-Veranstaltung (N.O.M.E. 6) wieder mal einen Stunt gebracht, wie nur er ihn durchziehen könnte. Er hätte dort DNA battlen sollen, kündigte im Vorfeld die drei „besten Runden, die Battle-Rap Fans je gesehen haben“ an und tauchte dann einfach nicht auf (obwohl er in New York war, wo das Event stattfand). Begründung: aus Protest gegen die Tatsache, dass DNA der Battle-Rapper mit den meisten YouTube-Aufrufen ist, will er das nicht auch noch unterstützen, indem er ihm ein weiteres Battle ermöglicht. Der ultimative Diss also: Er löscht DNA einfach vom Line-up. Zusätzlich veröffentlichte er am nächsten Tag den Track „No Show„. Um über diese abstruse Geschichte und weitere Geschehnisse im Battle-Rap Bescheid zu wissen, sollte man sich wöchentlich den „Weekly Battle Feed“ von Laugh’n’Stalk reinziehen. Nicht besonders objektiv, dafür aber (manchmal) ziemlich witzig.

Dank Laugh’n’Stalks „Weekly Battle Feed“ habe ich noch ein Battle, das nicht besonders viel Aufmerksamkeit bekommen hat, ich euch aber ans Herz legen möchte: Esem vs Alias The @ikt! Vor allem Esem ist ein Charakter, dem man in dieser Szene wohl noch einiges zutrauen kann.

Und ja ich weiß, der Artikel hat schon wieder Überlänge, aber ein weiteres Battle, das man sich eventuell noch reinziehen kann/sollte, ist das Battle zwischen Illipsis und Lu Cipher in Vancouver. Während Lu Ciper (der sich zu einem meiner Lieblinge mausert) in den ersten zwei Runden recht desinteressiert wirkt (und trotzdem gut rappt), packt er in der dritten den Hammer aus und trägt seinen Teil zu einem richtig guten Match bei. Denn Illipsis ist auch mehr als ordentlich vorbereitet.


Dizaster gefällt es offenbar. Und der kommt zurzeit überhaupt recht viel rum: in den vergangenen Wochen und Monaten sah man ihn im Libanon (in der ersten offiziellen arabischen Liga), in Neuseeland und Australien battlen (Russland will er auch bald, wie er auf Twitter verlauten ließ, wahrscheinlich gegen Oxxxymiron). Bei der australischen Liga „Real Talk“ traf er nicht nur auf Dwizofoz, sondern durfte aufgrund einer Absage wieder in einen neuen Charakter schlüpfen. Nachdem er bei World Domination 5 als Dizasteurgh auftrat (statt Eurgh, dem Gründer von Don’t Flop, der sein Battle dort kurzfristig absagte und mit Dizaster und den KOTD-Organisatoren Beef hatte) wurde er gegen E.Farrell zu DizAUSter und freestylte sich durch zwei Runden.

 

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Rest in Peace Iron Basic // Battle-Rap

Iron Basic hat die Battle-Kultur maßgeblich beeinflusst!
Iron Basic hat die Battle-Kultur maßgeblich beeinflusst.

Vor Kurzem hatte er mit dem BigChief noch eine eigene Battle-Liga gestartet, in der sie jungen Talenten die Chance geben wollten, sich in einem Battle gegen andere Newcomer zu beweisen. Gestern, an dem Tag, an dem die dritte Session der Liga „Du & deine Lines“ stattfinden hätte sollen, starb Iron Basic völlig überraschend. In den sozialen Netzwerken überhäufen sich seitdem die virtuellen Kondolenzschreiben, von Rappern wie Kool Savas, Liquit Walker, den Battle-Rap-Ligen und vielen mehr. Wir wollen hier nochmal retrospektiv an die Karriere von Basic erinnern und seinen Einfluss auf Battle-Rap, wie wir ihn heute kennen, verdeutlichen.

Den Grundstein für seine Bekanntheit und seine außerordentliche Rolle in der deutschen Battle-Rap-Kultur legte Iron Basic wohl mit dem Battle gegen seinen damaligen Erzfeind Gregpipe. Bei Feuer Über Deutschland 1 battleten die zwei noch recht spontan. Bei der zweiten Edition der Veranstaltung gab es dann dieses legendäre Re-Match. Einer der ersten Classics der deutschen Written-Battle-Geschichte.

Auch in der „modernen“ Battle-Rap-Welt wurde Basic aufgrund seiner einzigartigen Delivery zum Publikumsliebling und durch sein Fachwissen und seine Expertise ein gern gesehener Gast und oft eingesetztes Jury-Mitglied, sowohl bei Rap Am Mittwoch als auch bei Don’t Let The Label Label You. Sein einziges Battle bei RAM bestritt das Berliner Urgestein gegen P-Zak, bei dem er sich mit seinem eigenwilligen Auftreten auch ins Gedächtnis der aktuellen Battle-Fans rappte.


Differenzen mit der Liga sorgten dafür, dass sich Iron Basic immer mehr bei DLTLLY einbrachte und dort für viele Battles den Judge oder den Co-Host mimte. So kam es dann wohl auch zur Zusammenarbeit mit dem Chief. Mit fortschreitender Zeit wurde selbst der erbitterte Konkurrent Gregipe zum Freund und im allerletzen Battle von Iron Basic sogar zum Teampartner: gegen Battleboi Basti & Besser vereinten die Legenden ihre Kräfte und sind mitverantwortlich für eines der meistgesehensten Battles von DLTLLY.

Ja ich bin vielleicht alt. Doch so Gangster/
Ich war öfter im Gericht als Salz oder Pfeffer!

Die deutsche Battle-Rap-Community nimmt somit Abschied von einem seiner Pioniere und einem Charakter, der stetig danach strebte, die Kultur zu bereichern und weiterzuentwickeln. Das Ableben einer derartig einzigartigen Persönlichkeit hinterlässt eine tiefe Lücke im ständig wachsenden Battle-Kosmos, dessen Wachstum auch Menschen wie ihm zu verdanken ist. Rest in Peace.

 

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Regular Bars #5 // Battle-Rap

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Illustration: Florian Appelt

In der Parallelgesellschaft Battle-Rap tut sich einiges. Während sich das gegenseitige Duellieren mit Wörtern (dessen Wurzeln sich beispielsweise mit dem “Dozens“-Spiel tief in die afrikanische Kultur verfolgen lassen) im englischsprachigen Raum mit Ligen wie King of the Dot, Don’t Flop und natürlich URL weitgehend etabliert hat, steckt er im deutschsprachigen Raum noch in den Kinderschuhen. Aber DLTLLY (Don’t Let The Label Label You, Anm.) und Rap am Mittwoch erfreuen sich steigender Besucher- und Klickzahlen und auch in Wien existieren mit Dreistil und „Battle To The Top“-Ligen, die diese Schiene fahren. Jeder Battle-Rap Fan wird bestätigen können, dass das ein sehr zeitaufwendiges Hobby ist, die Battles dauern selten kürzer als 20 Minuten. Und auch wenn viele Battles sich einen eigenen Eintrag verdient haben, kann es sehr praktisch sein, regelmäßig zu wissen, was sich so getan hat, welche Battles veröffentlicht wurden und welche noch anstehen. Dafür gibt es die Reihe Regular Bars!

Disclaimer: Achtung! Dieser Artikel kann Spoiler und Spuren von Meinung enthalten!

Was für ein fabelhafter Sommer für Battle-Rap-Fans! Vor allem deutschsprachige Heads konnten sich daran erfreuen, dass sowohl Don’t let the label label you (wie in den zwei vergangenen Jahren) als auch Rap Am Mittwoch auf Festivals vertreten waren. Auch Dreistil verzichtete zugunsten des Knock-out-Battles beim HipHop Open Austria auf eine Sommerpause. Und dass die englischsprachigen Ligen bei all der Aufmerksamkeit, die sie bekommen, nicht einfach auf Urlaub fahren können, ist sowieso klar!

Das Knock-out-Battle am HipHop Open lief gut, die deutschen Gäste Tobi Nice, Vyrus, Ji-Zi und Muro machten zusammen mit den bekannten österreichischen Battle-MCs ein höchst interessantes Teilnehmerfeld aus. Wie leider so oft nahm die Spannung im Laufe des Bewerbs ab, was aber vor allem der Tatsache geschuldet war, dass wir uns auf einem Festival befanden, wo Verschleißerscheinungen sich recht schnell bemerkbar machen. Trotzdem gab es ein paar gute Battles zu bestaunen wie Fuchs MC vs. Noah und das besonders starke Böser Wolf vs. Ji-Zi (ab 21:09).

Zurück im Loft in Wien gab es bei Dreistils Saison-Eröffnung ein recht vielversprechendes A-capella-Match-up zwischen zwei hungrigen Freestyle-Stammgästen: Einfach So vs. Babu. Wobei auch einige Zweifel ob der Vorbereitung und Ernsthaftigkeit, mit denen dieses Battle bestritten werden würde, aufkamen. Beim Event entpuppten sich diese Zweifel sowohl als berechtigt als auch unberechtigt. Während Babu eigentlich mehr chokte als rappte, bot Einfach So für seinen ersten A-capella-Auftritt eine gute Leistung, die zumindest live (auf Video ist das mit der Atmosphäre und der Erwartungshaltung wieder leicht was anderes) richtig unterhielt und sogar mit einigen durchdachten Schemes überraschte. Das Video – qualitätsmäßig sind die Dreistil-Videos wieder um ein Level hochgegangen, Props dafür! – gibt es auch schon am Dreistil-Kanal zu sehen.

Das A-capalla-Battle für das nächste Dreistil ist auch schon angekündigt: SeboKILL wird auf ErroR treffen. Könnte interessant werden. Oder durchaus skurril, auf jeden Fall unterhaltsam! Am 21. Oktober steigt das Ganze wie immer im Loft. Für alle, denen Dreistil noch nicht genug Battle-Rap Action nach Wien bringt, gibt es nun eine neue Event-Reihe, gestartet vom Wiener Kollektiv. Bei „Rap im Beisl“ stehen jedoch Freestyle-Battles im Vordergrund, dafür aber mit einem unterhaltsamen und kreativen Konzept.

In Deutschland ist Battle-technisch auch einiges vorangegangen. Jedoch blieben – wenn man sich ehrlich ist – sowohl  die Battles von Rap Am Mittwoch am Frauenfeld, wie auch die DLTLLY-Battles am Splash unter den Erwartungen. Während bei DLTLLY eigentlich nur Brian Damage und Bong Teggy (im Team vs. Gregpipe & Mars B) so richtig amtlich ablieferten, sorgte vor allem Buy Some gegen Ssynic für eine große Überraschung. Buy Some – größtenteils von der Szene ob seines „unauthentischen“ Boastings belächelt – bietet hier Ssynic wagemutig die Stirn und trägt seinen Teil zu einem richtig guten Battle bei. Da hat Ssynic richtig Glück, dass das Battle unjudgt ist, das hätte seine erste Niederlage werden können. Die restlichen Battles sind eher enttäuschend, vor allem Fresh Polakke vs. Notyzze ist kaum zum Anschauen. Daran ist natürlich die Crowd nicht ganz unbeteiligt, aber wir sind nun mal eben bei einem Festival.

Unter dieser Festivalstimmung (und den absurd bzw. immens hohen Erwartungen) litten jedoch so gut wie alle Battles des Sommers: vor allem das Re-Match zwischen Atzenkalle und Main Moe. Gleichzeitig stellt das Match jedoch den Beweis dafür dar, dass sich das Battle-Game in den verganenen Jahren maßgeblich verändert (und weiterentwickelt?) hat und die losen, hingerotzten Punchlines von Atzenkalle nicht mehr den gleichen Effekt haben wie noch vor ein paar Jahren. Für Nostalgiker und Menschen, die die Insider-Anmerkungen verstehen, ist das Battle – vong Bedeutung her – trotzdem eine Art Meilenstein. Aufgrund der Entspanntheit (oder Langatmigkeit, wie man’s sieht) ist das Battle jedoch trotzdem eher „zach“ zum Anschauen. Auch das Battle zwischen Lyrico und Mighty Mo, was man fast schon als Title-Match zwischen RAM und DLTLLY sehen könnte, bleibt unter den Erwartungen. Vor allem weil beide – und vor allem Mighty – kaum etwas Überraschendes bieten und die Punchline-Dichte begrenzt bleibt (+ der Faktor „miese Crowdreaction“, der sich wie ein roter Faden durch die Battles des Sommers zieht).

Von Ruhepause kann aber am Beginn dieser Saison nicht die Rede sein. DLTLLY veranstaltete mittlerweile schon wieder drei Events, eines davon in Kooperation mit dem splash-mag in Berlin, in einem – milde ausgedrückt – recht unpassenden Umfeld. Nämlich bei „The Base“, einem von Adidas gesponserten Konzert bei dem u. a. Haftbefehl und Celo & Abdi auftraten. Dementsprechend war auch das Publikum nur bedingt Battle-Rap-empfänglich, die Aufmerksamkeitsspanne und der leicht deplazierte Jubel zeugen davon. Leider werden dadurch zwei gute Matches verdorben, die unter andern Umständen wohl ziemlich fett geworden wären. Jedenfalls Props an die Battle-Rapper (Besser, N’Antinein, Davie Jones und Doktor Dave) dafür, dass sie trotzdem von Anfang bis Ende durchziehen.

Weitaus typischer waren die Events in Paderborn und vor allem das Birthday-Event in München. In Paderborn markieren die Highlights vor allem zwei 2on2, nämlich das heiß ersehnte zweite Match von Falk & Khacoby (vs. O.G. Ohne Gummi & Eric Ventura) und das überraschend gute Team bestehend aus Tobi Nice & VT vs. dem Brüderpaar EKhead & CPE.

Der siebente Saisonstart hat bei RAM einige maßgebliche Veränderungen mit sich gebracht: Rap Am Mittwoch wird nun nicht mehr regelmäßig jeden 1. und 3. Mittwoch im Monat stattfinden und auch nicht mehr überwiegend in Berlin über die Bühne gehen. Stattdessen wird in Zukunft auf Qualität und nicht auf Quantität gesetzt, womit wohl auf die teils sehr, sehr, (sehr) schwachen Battlemanias in der vorigen Saison reagiert wird. Konkret wird Rap Am Mittwoch nur noch einmal im Monat (den 3. Mittwoch des Monats), eine andere Stadt besuchen (am 15. März auch in Wien, in der Grellen Forelle!). In Berlin werden ab jetzt nur noch Saison-Eröffnung und Saison-Abschluss veranstaltet.

Die Saison-Eröffnung, betitelt als „Battlemania Fullclip“ – ohne BMCL, dafür mit 16 Teilnehmern – war dann aber eher ein Flop. Zu viele Teilnehmer und zu schlechte Battles im 1/8-Finale sorgten für einen misslungenen Saison-Start, auch wenn es ab dem Halbfinale besser wurde. In Leipzig galt es somit den Erfolg des neuen Konzepts auf die Probe zu stellen. Moderiert von Gier fruchtete es in der Battlemania nur zur Hälfte. Rasputin vs. Krom war wohl das vorgezogenen Finale. In der BMCL durfte man die fleischgeworden Asozialität in Form von Finch und Yarambo betrachten. Aber Achtung: Das Battle ist nichts für zarte Gemüter, neben den Kinderficker-Lines wirken selbst die Mutter-Lines recht harmlos. Die parteiische Crowd macht jedoch ein faires Ergebnis unmöglich.

Und als ob es für mich nicht schon genug Arbeit geben würde, ist diese Woche auch noch eine neue Battle-Liga ins Leben gerufen worden: Der ehrwürdige Iron Basic und der DLTLLY-Host Big Chief (ja, der der immer so schreit) starten „Du & Deine Lines“ (kurz D&DL), eine Liga, die Newcomern eine Plattform geben soll, um sich beweisen zu können. Genaueres erklären Big Chief und Iron Basic in diesem Interview. Das erste Battle ist vergangenen Montag rausgekommen und bietet mit dem ersten Auftritt von Siszyphos eine ziemliche Offenbarung: coole Delivery, gute Bars und sympathischer Kerl.

Bei KOTD gab es wieder zu viel, um alles zu sehen, große Highlights haben sich dennoch herauskristallisiert. Beispielsweise das Re-Match des legendären Battles zwischen DNA und Dizaster. Das erste Aufeinandertreffen der beiden ist ein Meilenstein im Battle-Rap: sowohl was die generierte Aufmerksamkeit und Reichweite, als auch die Qualität und Intensität des Battles betrifft (Dizasters „Time-Limit“-Konter, alter… zeitlos. No Pun intended).  Das Re-Match konnte dem natürlich nicht gerecht werden, auch weil Dizaster im Vorfeld gar nicht wusste, wen er battlen wird. Trotzdem sehenswert!

Weitaus sehenswerter sind jedoch die bisher hochgeladenen Battles von „World Domination 6“, bei denen unter anderem auch wieder ein Title-Match ausgetragen wurde. Rone musste zur erstmaligen Titelverteidigung antreten und zwar gegen Caustic, der schon lange auf seinen Title-Shot wartet und ihn wohl auch verdient hat. Das Battle ist zwar intensiv und unterhaltsam, aber nicht auf Titel-Niveau. Caustic beweist, dass er zwar gut austeilen (siehe seine dritte Runde vs. Bigg K), aber nicht einstecken kann (getting salty Caustic?) und Rone muss weiterhin auf sein erstes Champ-würdiges Match warten. Deutlich fetter (und wieder: no pun intended) ging es bei Iron Solomon vs. Charlie Clips zu. Bum! Da bleibt nicht viel zu sagen, außer: Anschauen und genießen! So so so so viele Qutoables (vor allem auf Seiten von Iron), Highlights (wobei das ganze Battle ein einziges Highlight ist) sind Clips‘ zweite Runde (auch wenn Solomon die gesamte Runde mit einem Rebuttal entkräftet), alle Runden von Iron Solomon und ganz besonders Head ICEs Reaktionen!

Head ICEs Funktion bei WD6 begrenzt sich glücklicherweise nicht auf seine Statistenrolle (obwohl er offenbar bei so gut wie jedem Battle in der ersten Reihe stand und als einer der Wenigen in der Crowd Reaktion zeigte: „That was fiiiire!!“): Gegen Big T zeigt er wieder warum er zurzeit einer der besten und gefragtesten Battle-Rapper ist (+ Head ICE findet mit Arsonal als Crowdrocker einen wunderbaren Vertreter: „Ohh, I just got it!“). Big T ist zwar eher stockend unterwegs, rettet aber mit seiner unfassbar guten dritten Runde sein gesamtes Battle! Crazy Runde!

Einen habe ich aber noch: Charron vs. Bonnie Godiva. Charron kam schon öfter in dieser Serie vor, ist einer der besten Battlerapper zurzeit und liefert immer Top-Performances. Bonnie Godiva ist eine der wenigen Frauen im Top-Tier Bereich von Battle-Rap und kommt eher aus der URL (merkt man schnell an ihrer Art zu rappen und den zahlreichen Gun-Bars). Offenbar wollte Charron sie unbedingt battlen, was das Match-up erklärt (sonst hätte sie nie die Chance gehabt, einen derart hochkarätigen MC als Gegner auf einer Mainstage zu bekommen). Außerdem scheint ein ordentlicher Batzen Geld im Spiel gewesen zu sein. Ein gutes Battle, bei dem wieder betont werden muss: Wer Battle-Rap nicht versteht und der Meinung ist, dass das „Frau-Sein“ keine Angriffsfläche ist, sollte sich das Battle nicht geben. Oder überlegen, warum es im Umkehrschluss nicht auch verwerflich ist, dass Bonnie Charron vorwirft, unmänlich zu sein, weil er K-Shine nicht zurückgeschlagen hat (+ zugeben, dass ihr „Dick-Check“-Move ganz zum Schluss ihrer dritten Runde umgekehrt absolut inakzeptabel gewesen wäre). Also lieber einfach ansehen und die Lines für sich sehen, dann ist das Battle mehr als feierbar.

„You post thirsty picks and fans are praising you/
There’s a reason you’ve been cheated on by every guy who’s dated you/
I think you’re pretty, I actually rated you/
But when I said you’re a 9 it’s on a scale of „how much your father is ashamed of you!“

ODER

Caitlyn Jenner won Women of the Year/
I ain’t saying one of us feeble, I got love for your people/
But that means men are better at being women than women/
so how the fuck are we equal?“

Bei Don’t Flop war Shuffle-T die alles überragende Gestalt. Das beweist auch die Top5-Runden-Compilation vom vergangenen Monat. Shuffle-T besetzt dort drei Plätze von fünf. Was soll man da noch sagen? Der Typ spielt einfach in einer anderen Liga, seine Konzeptrunden sind an Kreativität kaum zu überbieten. Das beweist auch sein Battle gegen Raptor, unfickbar!

Zwar waren in den vergangenen Wochen nicht viele Highlights bei Don’t Flop dabei (Pedro vs. Tali wäre eins), dafür warten die Briten zu ihrem achten Geburtstag mit Hammer-Battles auf: Raptor vs. Gjonaj (!!) und Tony D vs. Pat Stay (!!!). Und es werden noch weitere Ankündigungen folgen. Und wo wir schon bei Hammer-Ankündigungen für zukünftige Events sind: DLTLLY wird am 3. Dezember wieder in Berlin am Start sein und dort das allererste Title-Match abhalten. Das einzige Match-up, das bis jetzt jedoch angekündigt wurde, ist ein mehr als hochkarätiges internationales Battle zwischen Raptor und Unanymous. Geplant sind für das Event „Dissember“ noch ein europäisches Battle, zwei deutsche Battles UND das allererste Title-Match! Das heißt, es wird auch in den nächsten Wochen wieder viel zu berichten geben – und Regular Bars hält euch auf dem Laufenden!

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Regular Bars #4 // Battle-Rap

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Illustration: Florian Appelt

In der Parallelgesellschaft Battle-Rap tut sich einiges. Während sich das gegenseitige Duellieren mit Wörtern (dessen Wurzeln sich beispielsweise mit dem “Dozens“-Spiel tief in die afrikanische Kultur verfolgen lassen) im englischsprachigen Raum mit Ligen wie King of the Dot, Don’t Flop und natürlich URL weitgehend etabliert hat, steckt er im deutschsprachigen Raum noch in den Kinderschuhen. Aber DLTLLY (Don’t Let The Label Label You, Anm.) und Rap am Mittwoch erfreuen sich steigender Besucher- und Klickzahlen und auch in Wien existieren mit Dreistil und Battle To The Top Ligen, die diese Schiene fahren. Jeder Battle-Rap Fan wird bestätigen können, dass das ein sehr zeitaufwendiges Hobby ist, die Battles dauern selten kürzer als 20 Minuten. Und auch wenn viele Battles sich einen eigenen Eintrag verdient haben, kann es sehr praktisch sein, regelmäßig zu wissen, was sich so getan hat, welche Battles veröffentlicht wurden und welche noch anstehen. Dafür gibt es die Reihe Regular Bars!

Disclaimer: Achtung! Dieser Artikel kann Spoiler und Spuren von Meinung enthalten!

Weil die Prüfungszeit und der Pre-Sommer-Stress auch Battle-Rap Fans wie mich nicht kalt lassen, gibt es an dieser Stelle wieder sehr viel zu berichten. Sehr, sehr viel sogar. Maßgeblichstes Highlight für Wiener Battle-Rap-Fans war die Premieren-Session von Don’t let the label label you in Wien (kleine Review des Abends HIER). Fünf Battles fanden im Wiener Loft mit der Unterstützung von Dreistil statt, die nicht nur wahnsinnig unterhaltsam fürs Publikum waren, sondern auch die Veranstalter überraschten und beeindruckten. Während die Battles schon seit einigen Wochen im PPV erhältlich sind, hat DLTLLY vor zwei Wochen mit den YouTube-Uploads der Session begonnen. So ist nun das erste DLTLLY-Match aus Österreich jemals, das 2on2-Battle zwischen den Teams Barbee’n’Flowbird und Spello & Al Pone auf YouTube zu sehen. In der Hitze des Gefechts bzw. nach dem Battle verkündete der Chief, dass es eines der besten Team-Battles jemals bei DLTLLY gewesen sei. Und was live ein absolut legendäres Battle war, ist auch im Video – in etwas abgeschwächter Form – ein richtig innovatives und unterhaltsames Battle geworden.

Außerdem wurden das ebenfalls sehr gute Eröffnungs-Battle des Abends zwischen Fellowsoph und Ekhead (auf beiden Seiten gute Bars und witzige Wortspiele) sowie JerMc vs. Jack Dragon hochgeladen. Die weiteren Battles werden in den nächsten Wochen gezeigt. Gespannt kann man vor allem auf das Battle zwischen Davie Jones und Robscure sein, welches – egal ob man es gut findet oder nicht – durch die besondere Dramatik und den hohen Real-Talk-Anteil maßstabsetzend im deutschen Battle-Rap ist.

Aber neben dieser legendären Session in Wien spielten sich noch andere Sachen in der Battle-Welt ab. Zwei Dreistils sind seit der letzten Folge über die Bühne gegangen, beide mit MFGen im A capella, beide mit deutschen Gästen. In der April-Ausgabe beehrte MC Maik die Stadt und durfte gegen MFGen mit einer stabilen Leistung den Sieg holen. Dass die Deutschen bei uns im Freestyle auch ungestört abräumen dürfen, verhinderte der gut gelaunte Einfach So, der sich im Finale jedoch dem überragenden Toast geschlagen geben musste. Im darauffolgenden Monat feierte Dreistil sein zweijähriges Bestehen. Und wie auch beim letztjährigen Jubiläum kam Ssynic als Gast. Dass sein Gegner im A capella  schon wieder MFGen heißt, ist gleichzeitig beeindruckend (eine Woche darauf hat er dann beim King of Season auch noch Spello gebattlet), andererseits aber nicht wirklich förderlich für ein gutes Battle: Nach einem sehr (sehr sehr) starken Anfang kommen dem Innsbrucker leider Chokes in die Quere und auch die gelegentlichen „Nicht-Ankommer“ werfen ihn aus der Bahn. Ssynic dagegen ist gewohnt stark, gut vorbereitet und schafft schnell eine Connection mit der Wiener Crowd. Im Freestyle-Battle zeigt er etwas weniger Konstanz und muss sich dem späteren Sieger ARL geschlagen geben.

Dies war für diese Saison das letzte Dreistil im Loft, jedoch haben die Burschen neben dem Co-Hosting vom DLTLLY in Wien noch einige Eisen im Feuer: Beim sogenannten „HipHop Picknick“ vor etwa einem Monat folgten zahlreiche Heads dem Aufruf, in den Donaupark zu kommen und dort untertags ihrer Lieblingsmusikrichtung zu lauschen. Der Picknick-Korb wurde mit Auftritten von Huhnmensch & der böse Wolf und einer Freestyle-Session vom Club der Menschen gefüllt. Eine gute Möglichkeit, um heimischen HipHop-Interessierten auch österreichischen Rap zu präsentieren; aus den gegenwärtigen Medien werden sie ihn wohl kaum kennen gelernt haben. Obendrein wurde dem Publikum auch ein Freestyle-Battle geboten, in dem sich Toast die Wildcard für das Knock-Out-Battle gegen alte und neue Gesichter errappte. Auch wenn das Ambiente im Grünen nicht gerade als typischer Battleground wirkte, bekamen die Zuseher – mit großem Sicherheitsabstand zur Open-Air-Bühne – ein interessantes Battle zu sehen. Dreistil hat nun nur eine theoretische Sommerpause: Im Loft wird zwar pausiert, Dreistil wird aber beim HipHop Open das Knock-Out-Battle veranstalten und hat sich dafür hochkarätige Gäste geholt. Schon bestätigt auf der Teilnehmerliste sind heimische MCs wie Fellowsoph, ARL, Fuchs MC, Böser Wolf, Kschirrspüla, Einfach So und Vyrus, Tobi Nice, Ji-Zi und Muro aus Deutschland.

Ebendort hat sich auch einiges getan. Rap am Mittwoch hat sein sechsjähriges Bestehen mit einer Battlemania der besonderen Art gefeiert. Unter dem Titel „Battlemania Allstars“ fanden sich mehr oder wenige gute MCs zusammen, um den Berliner Publikum mal wieder eine gebührende Battlemania zu präsentieren. Zwei der eigentlichen Allstars – Gier und Ssynic – saßen zwar leider nur in der Jury, die anderen Allstars lieferten jedoch ein sehr starkes Battle ab. Erwähnt werden muss auch das Cypher-Battle zwischen Gier und Bong Teggy, in dem sich die beiden einen heftigen und sehr starken Freestyle-Schlagabtausch liefern – das Battle ging live sogar noch länger als es im Video zu sehen ist und war auch in der längeren Version sehr unterhaltsam. Selbst Ssynic, der zu diesem Zeitpunkt noch als Zuseher auf die Bühne blickte, konnte seinem Lieblingsfeind diese gute Leistung nicht absprechen. Und auch im tatsächlichen Battle präsentierte sich Bong Teggy in Höchstform. Das geplante BMCL zwischen Fresh Polakke und 4Tune musste leider abgesagt werden – man munkelt, dass Fresh Polakke nicht ganz fertig schreiben konnte und deshalb spontan die Battlemania-Allstars noch zusammengetrommelt wurden. Eine gute Lösung, wie man sieht. Wir waren sogar live dabei und konnten bei der Gelegenheit auch mit Ben Salomo und Tierstar tratschen. Das Interview gibt es HIER zu lesen.

Dass Ji-Zi seinen Platz bei den Allstars durchaus verdient, hat er zwei Wochen darauf in Heidelberg eindrucksvoll bewiesen. Neben einem sehr persönlichen Part in der Textrunde bringt er im A capella clevere und witzige Bars, die man ihm ehrlich gesagt so gar nicht zutrauen würde. Und auch der Saisonabschluss bei Rap Am Mittwoch schloss an das Hoch der vergangenen Episoden an. Mit hochkarätigen Teilnehmern wie Cashisclay konnte eine sehr unterhaltsame Battlemania geboten werden, in der BMCL lockte man mit einem brisanten Battle zwischen den ewigen Rivalen Gugo und Finch. Während Finch dabei seine Persona des Assi-Ostdeutschen immer weiter vorantreibt und gekonnt auf die Geschichte der beiden Kontrahenten eingeht, beeindruckt Gugo höchstens seine zwei bis drei Freunde hinter ihm. Obwohl ich es ja auch beeindruckend finde, wie beschränkt und unkreativ man an ein Battle herantreten kann … Wie Dreistil hat auch Rap Am Mittwoch nur eine relative Sommerpause: RAM ist nun auch ins Festival-Game eingestiegen und hat am Frauenfeld Open-Air vier hochkarätige Battles (unter aanderem Mighty Mos Comeback gegen Lyrico und Ssynic vs. Buy Some) gehostet, die wohl in den nächsten Wochen auch für jeden auf YouTube einsehbar gemacht werden.

Und während RAM zum ersten Mal die Festival-Bühne stürmte, gastierte DLTLLY dieses Jahr zum bereits dritten Mal am Splash. Und das ebenfalls mit Battles der Extraklasse wie Bong Teggy & Brian Damage vs. Gregpipe und Mars B sowie das legendäre Rematch und Comeback der zwei RAM-Legenden Main Moe vs. Atzenkalle. Dank Arte Concert konnten besonders aufmerksame Nutzer die insgesamt vier Battles im Live-Stream mitverfolgen. Etwas, das nicht unbedingt im Interesse der DLTLLY-Organisatoren stehen konnte, da diese ja hauptsächlich über PPV ihre Kosten decken. Außerdem machte der Einblick nicht unbedingt Lust auf ein abermaliges Ansehen der Battles: Außer Bong Teggy & Brian Damage blieben wohl alle anderen MCs unter den hohen Erwartungen – wobei man sagen muss, dass der Eindruck über Live-Stream auch trügerisch sein kann. Nähere Reflexion wird es dann beim Upload der Matches geben. Neben diesen Battles und der fetten Session in Wien veranstaltete DLTLLY vor einigen Wochen das „Mayhem“-Event in Berlin. Auch hier gab es extrem gute Battles, die erst jetzt (abwechselnd mit den Wien-Battles) auf YouTube freigeschaltet werden. Als Main-Match fungierte dabei das überfällige Team-Battle zwischen Bong Teggy & Papi Schlauch und Onkel Oktomusch & Die Zwetschge. Und während der Großteil der Szene das Battle in den Himmel lobte, fand ich die Darbietung der beiden Teams etwas enttäuschender (aber gut, die Erwartungen waren auch sehr hoch). Ohne Frage: das Battle ist überdurchschnittlich gut, aber vor allem Onkel Oktomusch & Die Zwetschge hatten schon bessere Tage (beispielsweiweise gegen Battleboi Basti & DeeHo).

Außerdem sehr unterhaltsam ist das kürzlich erschienene Battle zwischen Battleboi Basti und Doktor Dave, in dem ein Basti im Sparmodus einige Lacher hervorrufen kann und leider nur stellenweise seine Klasse aufblitzen lässt. Doktor Dave bleibt seinem Style treu. Dieser hält zwar die Wahrscheinlichkeit auf einen Sieg sehr niedrig, ermöglicht ihm jedoch eine seiner besten Runden überhaupt zu bringen (seine zweite Runde ist fast so gut wie seine legendäre zweite Runde gegen Nedal Nib). Weitere Must-See-Battles bei DLTLLY in den vergangenen Wochen:

Im englischsprachigen Raum sorgten nicht nur zahlreiche Battles für Aufsehen. Auch eine Ankündigung von Nick Cannon (Comedian/TV-Host/“Rapper“), er wolle einen Battle-Rapper finden, der seine Herausforderung von 100.000 US-Dollar annehmen könne, um ihn bei den BET Awards zu battlen. Prompt meldeten sich einige Rapper, darunter auch Charron, der mit einem Bankauszug und einem schnellen Diss-Part seine Motivation zeigte. Er setzte noch eins drauf und forderte einen Einsatz von 500.000 US-Dollar und dass Nick Cannon ihn bei einer Niederlage als fixes Mitglied in seine TV-Show „Wild’N’Out“ (wo in jeder Folge ein Battle zwischen zwei Teams – oft auch mit prominenten Battle-Rappern wie Conceited, Hitman Holla oder Charlie Clips) holt. Jedoch machte Cannon diese Ansage nur lächerlich und antwortete mit einem laschen „Freestyle“ auf die Herausforderung des jungen Kanadiers. Am Ende forderte er sogar Eminem heraus, doch mittlerweile hat sich die Geschichte verfahren und ein Battle von Nick Cannon hat bei den BET Awards auch niemand gesehen …

Also widmen wir uns lieber den tatsächlich stattgefundenen Battles. Zum Beispiel denen, die in der neuen KOTD Battle-Arena, „The Bunker“, stattgefunden haben. Dort trafen zum Beispiel Daylyt und TheSaurus aufeinander. Generationstechnisch lässt sich das Battle mit Iron Solomon vs. Dizaster vergleichen. Daylyt kommt diesmal ohne „Antics“ (Daylyt ist berühmt dafür, viele grenzwertige Show-Elemente aka Gimmicks einzubauen, die oft auch an die Grenze des guten Geschmacks bzw. des Sportgeists gehen), er entschuldigt sich sogar dafür – in gewohnter Daylyt-Manier … Auch Caustic vs. TRex ist ein richtig sehenswertes Battle (diese Line oida …) zumal es ja T-Rex‘ letztes Battle sein soll (das fünfte letzte oder so …) und Caustic eine richtige Zerlegung daraus macht (der kann übrigens auch Stand-up-Comedy). Main-Event des Abends war aber definitiv der Clash of Styles zwischen Head ICE und Carter Deems: der weirde Katzentyp gegen den absolut angsteinflößenden OG.

Parallel zu den „Bunker“-Battles wurden auch die Battles vom „Mass2“-Event in Boston veröffentlicht. Und während andere aufs Wahlergebnis warteten, saß ich die f5-Taste drückend vor dem KOTD YouTube-Account, um schnellstmöglich Pat Stay vs. Hollow Da Don sehen zu können. Als „Battle of the Century“ angepriesenes Match hielt es weitgehend das, was es versprach (und wir dementsprechend bald die „1 Mio-Klick-Marke“ erreichen). Das Battle hat so gut wie alles, was ein gutes Battle ausmacht: Bars, Jokes, Personals und zwei hochkarätige Protagonisten, die sich einwandfrei vorbereitet nichts schenken. Pat Stay rundet das Ganze mit einem Gänsehaut-Scheme über Hollow Da Dons Battle gegen Joe Budden (im Rahmen des „Total Slaughter“) ab, die das Parallel-Dasein (wie es auch im deutschsprachigen Raum ist) von Battle-Rap gegenüber der Plattenindustrie darstellt. Bis er das Ganze gekonnt umdreht. Die Kommentare unter dem Video zeigen, wie eng das Ganze ist, für mich ein Unentschieden, mit leichter Tendenz in Richtung Hollow.

Was bei diesem Event auffällt, ist, dass für KOTD-Verhältnisse sehr viel Gun-Talk dabei ist, jedoch versteht man ihn hier besser als bei den URL-Battles. So auch beim Battle zwischen Iron Solomon und B Magic und ganz besonders beim Battle zwischen Head ICE und Bigg K: Bars, Bars, BARS! Head ICE kann seinen beeindruckenden Lauf gegen Bigg K zwar nicht weiterführen, bringt aber gute Lines … und was soll’s: Bigg K hat alleine schon in seiner ersten Runde genug Bars für zwei! Abnormale Punchline-Dichte.

„I know some rasta mans, two’s dumping/
I’ll have them dreads slide on ice … cool runnings!“

Wenn man über abnormale Punchline-Dichte spricht, dann darf man das Title-Match bei Don’t Flop zwischen Raptor und dem amtierenden Champion Soul nicht vergessen. Soul verteidigt mit seiner zweiten Runde seinen Thron und stellt die Venue in Sheffield auf den Kopf!

Sonst hat Don’t Flop neben dem alltäglichen ständigen Output auch etwas Stress mit einem „ehemaligen Mitarbeiter“ gehabt, der falsche Copyright-Anzeigen bei YouTube gemacht hat. Es hat sich herausgestellt, dass es sich dabei um den Rapper Chronikill handelt, der es mit seiner Aktion dennoch geschafft hat, den YouTube-Kanal von Don’t Flop sperren zu lassen (die Erklärung gibt’s HIER). Aber mittlerweile ist er wieder online und wartet auch schon mit einem interessanten Battle aus dem amerikanischen Ableger der Liga: der oben schon erwähnte Carter Deems gegen ShuffleT (der sich offenbar darauf spezialisieren will, in seinen Battles einfach Geschichten zu erzählen).

Sonstige Highlights bei Don’t Flop:

Für die Faulen gibt es wieder mal eine Top Punchlines/Top Runden Compilations.

Zum Schluss würde ich gerne einen Blick in die Mainstream-Medien werfen. Während in den deutschen Medien natürlich noch keine Rede von Battle-Rap ist (außer man zählt neuerdings „Was los“ von Rooz in die Mainstream-Medien) ist Battle-Rap im englischsprachigen Raum anerkannter. Das merkt man an Formaten wie Wild’n’Out, wo regelmäßig gebattlet wird, oder „Road to Total Slaughter“, eine etwas ältere Reality-TV-Serie über acht Battle-Rapper in einem Haus (ja ihr habt richtig gehört, eine Reality-TV-Serie über Battle-Rap). Neuerdings ist wohl auch der in den USA äußerst beliebte Brite James Corden auf den Geschmack gekommen und fordert seine Gäste in der Rubrik „Drop the Mic“ des Öfteren zum Rap Battle auf. Wie hier zum Beispiel mit Anne Hathaway. Achtung, nicht empfehlenswert für Silbenzähler.

Auch die BBC hat sich nun dem Thema angenommen und zusammen mit Words First und Don’t Flop vier Battles zwischen Battle-Rappern und Poetry-Slammern (von denen einige auch schon bei Don’t Flop gebattlet haben) organisiert. Und auch wenn das Format nicht zur Gänze überzeugt, ist es doch recht unterhaltsam und bietet außerdem wieder mal einen seltenen Auftritt von Shuffle-T & Marlo als Team.

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Battle-Rapper und Stanley-Messer // Battle-Rap bei DLTLLY

DLTLLY in Wien
DLTLLY war am 3. Juni in Wien zu Gast

Der legendäre „Eeeeeyoooo Wieeeen!!!“-Ruf vom Big Chief hat nun endlich auch österreichische Ohren nahe an den Tinitus gebracht: Die deutsche Battle-Rap-Liga Don’t Let The Label Label You stattete der Hauptstadt vergangene Woche ihren allerersten Besuch ab. Auch wenn Juse Ju nicht anwesend war, fand im Kellerabteil des Lofts ein „fulminanter“ Battle-Rap-Abend statt. Keines der fünf Battles vermochte zu enttäuschen und alle MCs lieferten mehr oder wenige konstante Leistungen ab. Die Ergebnisse der „Österreich vs. Deutschland“-Battles zwischen den Wienern Fellowsoph und Ekhead sowieso JerMc vs. Jack Dragon fielen nach der Jury-Entscheidung zwar klar aus, sagten aber wenig über die tatsächliche Knappheit der Battles aus. Nach dem ebenfalls starken deutschen Match zwischen Seby Tone und Karma wurde das Wiener Publikum Zeuge eines sehr besonderen Battles: Ein 2on2 zwischen den Wienern BarbeenFlowbird und den Grazern Al Pone & Spello (aus dem Umfeld von siebzig prozent). Schon im Vorfeld des Battles gab es über soziale Medien freundschaftliche bis skurrile Sticheleien zwischen den Teams und auch im Gruppenchat für das Event wurde deutlich, dass man sich auf alles gefasst machen sollte. Doch die Erwartungen wurden von beiden Teams nicht nur erfüllt, sondern weit übertroffen. Sowohl raptechnisch als auch Skurrilität bzw. Kreativität betreffend. Auch das Main-Event übertraf, was es versprochen hatte: Robscure und Davie Jones lieferten sich ein fast schon amerikanisches Battle, das vor Dramaturgie und Emotionen nur so strotzte. Der hohe Real-Talk-Anteil und der enge Kreis um die MCs machte aus dem Loft einen regelrechten Hexenkessel, in dem auch die Gemüter stellenweise hochgingen, was eine — bei deutschen Battles — selten dagewesene Aggressivität hervorrief. Die Türsteher entschärften eine heikle Situation — ein nicht komplett Unbeteiligter hatte scheinbar ein Stanley-Messer dabei — bei der aber in keinster Weise jemand zu Schaden kam. So muss das halt manchmal.

Bei aller Intensität stellt sich bei Battles jedoch oft die Frage, ob das Aufgenommene auch mit dem Live-Erlebten mithalten kann: Ob das bei der Wien-Session der Fall war, kann man sich nun im Pay-Per-View oder sukzessive auf YouTube eine Meinung bilden. Die allgemeine Atmosphäre und die genauen YouTube-Release-Daten der einzelnen Battles kann man im offiziellen  Highlight-Video abtasten. Eines kann aber sicher gesagt werden: Österreich hat sich auf der Battle-Rap-Landkarte eingezeichnet und wird hoffentlich noch öfter solche Abende erleben dürfen.

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Regular Bars #3 // Battle-Rap

regularbars
Illustration: Florian Appelt

In der Parallelgesellschaft Battle-Rap tut sich einiges. Während sich das gegenseitige Duellieren mit Wörtern (dessen Wurzeln sich z. B. mit dem “Dozens“-Spiel tief in die afrikanische Kultur verfolgen lassen) im englischsprachigen Raum mit Ligen wie King of the Dot, Don’t Flop und natürlich URL weitgehend etabliert hat, steckt er im deutschsprachigen Raum noch in den Kinderschuhen. Aber DLTLLY (Don’t Let The Label Label You, Anm.) und Rap am Mittwoch erfreuen sich steigender Besucher- und Klickzahlen und auch in Wien existieren mit Dreistil und Battle To The Top Ligen, die diese Schiene fahren. Jeder Battle-Rap Fan wird bestätigen können, dass das ein sehr zeitaufwendiges Hobby ist, die Battles dauern selten kürzer als 20 Minuten. Und auch wenn viele Battles sich einen eigenen Eintrag verdient hätten, kann es sehr praktisch sein, regelmäßig zu wissen, was sich so getan hat, welche Battles veröffentlicht wurden und welche noch anstehen. Dafür gibt es die Reihe Regular Bars!

Disclaimer: Achtung! Dieser Artikel kann Spoiler und Spuren von Meinung enthalten!

Vorab muss gesagt werden, dass sich die vergangenen zwei Monate so viel wie selten getan hat: DLTLLY haute ein dopes Battle nach dem anderen raus, Rap Am Mittwoch kam aus der Flautephase wieder heraus und bot sowohl in München, als auch in Berlin unterhaltsame Battlemanias, URL kam auf den Geschmack von 2on2s, King of the Dot hielt sein Back to Basics 4 ab und kündigte weitere hochkarätige Battles an und bei Don’t Flop wurde wie gewohnt ununterbrochen gehackelt, hochgeladen und angekündigt. Kurz: Es ist kaum möglich, hier alle Battles zu erwähnen, die in den vergangenen Wochen stattgefunden haben, sollten wir also ein wichtiges vergessen haben, könnt ihr uns gerne darauf hinweisen!

Wie schon in der letzten Ausgabe berichtet, bot das März-Event von Dreistil zwei interessante A-capella-Battles. Rückblickend kann man sagen, dass die Erwartungen nicht unbedingt übertroffen wurden, unterhaltsam war es allemal. Eines der Battles, nämlich das überfällige Barbee vs. Fate, ist mit einem Wort zu beschreiben, welches im Battle-Rap für vernichtende Niederlagen/Siege — 3:0 in Runden — benutzt wird: Bodybag. Während Fate nur knapp eineinhalb Runden spittete, zerlegte Barbee den Innsbrucker in seine Einzelteile. Videotechnisch drehen die Räder bei Dreistil mittlerweile auch etwas schneller und so kann man seit ein paar Wochen die A capellas auf deren YouTube-Kanal nachsehen.

Auch das zweite A capella des Abends gibt es schon als Video. Dort haben sich Mighty P aus Berlin und MCL gemessen. Das Battle war zwar unterhaltsam, jedoch könnte sich MCL — vor allem bei seinem Talent — etwas weniger auf Tote, Nazis, P-Zak und etwas mehr auf treffende Punchlines konzentrieren (ist ja nicht so, als ob Mighty P keine Angriffsfläche bieten würde). So wird das Battle eher zu einem Messen der Schicksalsschläge als ein Messen auf lyrischer Ebene. Das Tratschen des Publikums bei den A capellas muss aber in Zukunft wirklich unter Kontrolle gebracht werden. Es kann nicht sein, dass Leute zu den Battles kommen, um dann ganz gemütlich zu plaudern, oder noch schlimmer: die Rapper auszubuhen. Sollte sich das unter den deutschen Kollegen rumsprechen, werden Gastauftritte wie dieser wohl zur Seltenheit werden. Neben dem A-capella-Battle holte sich Mighty P übrigens auch den Sieg im Freestyle-Bewerb. Im Finale wies er den wieder sehr unterhaltsamen Toast in die Schranken, der von Anfang an darauf gehofft hatte, gegen Mighty P im Finale anzutreten (anscheinend war es sogar Toast, der Mighty P überhaupt eingeschrieben hat #Gossip). Die nächsten Dreistil-Veranstaltungen sind geprägt von mehr oder weniger hohem Besuch aus Berlin: Am 28. April trifft MC Maik auf MFGen, der sich als richtiger Workaholic entpuppt. Vor ein paar Wochen bei DLTLLY gebattlet, jetzt MC Maik und in einem Monat (am 20. Mai) trifft er bei der 2-Jahres-Feier von Dreistil auf Ssynic!

Eine große Ankündigung für Wiener Battle-Rap Fans machte auch DLTLLY dieser Tage: Die Liga kommt am 3. Juni nach Wien ins Loft! „Mit der Unterstützung der Kollegen von Dreistil präsentieren wir euch ab 17 Uhr 5-6 Acapella-Written-Battles @ The Loft“, heißt es in der Facebook-Veranstaltung. Man darf gespannt sein, wen DLTLLY da mitnimmt, spannende „Österreich vs. Deutschland“-Battles wird es sicher geben. Sonst hat man bei DLTLLY — bis auf das medial ungewohnt groß aufbereitete Main-Event Bong Teggy vs. Nedal Nib — in letzter Zeit kaum auf große Namen gesetzt. Aber wer braucht schon große Namen, wenn es im „Nachwuchs“ Leute wie Robscure (vs. Indoor Stan), Marc Zufall (vs. Muro) oder den Newcomer Schalle (vs. Aladin) gibt. Drei richtig gute Battles mit ordentlich Bars und äußerst kreativen und erfrischenden Herangehensweisen. Dank ihrer ebenfalls mehr oder weniger guten Gegner konnte man in letzter Zeit durchwegs gute Battles bei DLTLLY bestaunen. Auch der Newcomer Cleptomanik überraschte viele bei seinem Debüt: In seinem allerersten Battle seine allererste Runde SO zu delivern, fordert schon ordentlich Cojones. Überhaupt läuft bei DLTLLY gerade scheinbar alles so rund, dass sogar Chokes richtig unterhaltsam werden, wie HIER (warten bis 11:15) bei Dirtysanchez‘ zweiter Runde („es geht um Hitler…“). Lachkick! Und weil Robscure nicht nur einer der Besten von den „Neuen“ ist, sondern offenbar auch recht produktiv, ist vor Kurzem sein Battle gegen BX (der dem lokalen Dreistil schon einen Besuch abgestattet hat vs. ARL) veröffentlicht worden. Ein durchaus ansehnliches Match, in dem beide Kontrahenten durchgehend gut abliefern und BX in seinen Filler-Lines schon mehr gute Wie-Vergleiche als andere in ganzen Battles haben.

Indes hat Rap Am Mittwoch wieder die erhoffte (und erwartete) Kurve gekriegt! Sowohl in Münster als auch in Berlin waren die Battlemanias wieder unterhaltsam. In Münster traf Ben Salomo bei seinem Comeback als Moderator den Nagel auf den Kopf: „Echt gute Jungs hier, Alter!“ Und was für Jungs: Mit der Entdeckung von Barracuda gab es eine regelrechte Offenbarung. Top-Bars wie „Bitte geh jetzt von der Stage hier und bauspar mal lieber/ Du bist Offbeat. Timing ist nicht die Hautpstadt von China“ Zucker!) bescheren dem Publikum eines der besten Battlemania-Finalen überhaupt. Und auch Ji-Zin liefert extrem gute Konter und haut amtliche Lines raus! Da ist es kein Wunder, dass Barracuda schnell sein erstes BMCL-Angebot bekommt: Am 18. Mai trifft er in Heidelberg auf Yarambo. Ein sehr interessantes Match-up!

In Berlin bot Finch seine beste Leistung bisher, doch musste er dem Titelverteidiger (verdient, wenn man vom entscheidenden Schlagabtausch ausgeht) in einem spannendenen Finale schlussendlich den Sieg einräumen. Auch die BMCL-Matches wurden den Erwartungen gerecht, vor allem das Match zwischen dem sympathischen Lyrico und Tobi Nice. Gutes Match-up zwischen zwei Battle-Rappern, die das Ganze ernst nehmen und auch etwas davon verstehen. Vielleicht etwas zu anspruchsvoll für die Crowd von Rap Am Mittwoch an diesem Abend, aber durchaus unterhaltsam. Aber auch das (logische) BMCL-Debüt von Vyrus gegen Ali Affront ist durchaus sehenswert.

Ebenfalls sehr interessant ist eine angekündigte Doku zum Thema Battle-Rap in Deutschland. „Battleground Germany“ heißt der Film, der mit den wichtigsten Akteuren aus den beiden Ligen spricht und Größen der Szene wie Damion Davis, Tierstar, Fresh Polakke und viele mehr interviewt. Der Regisseur Julian Schöneich zeichnet den Ablauf von Veranstaltungen nach und führt (dem Trailer nach zu urteilen) mit den Interviewten Grundsatzdiskussionen des Battle-Rap: Wo ist die Grenze, was darf man, wie nützlich sind Images? Auf jeden Fall sehr interessant und erfreulich, dass sich jemand die Mühe gibt und sich mit der Materie in dieser Form auseinandersetzt.

Bei King of the Dot will man in Zukunft auf Qualität statt auf Quantität setzen. So wird es kaum mehr Events geben, bei denen mehr als vier bis fünf Battles stattfinden. Die erste Umsetzung dieses Konzepts konnte bei „Back to Basics 4 at the Bunker“ beobachtet werden. Die Videos davon kommen bald, aber freuen kann man sich auf jeden Fall schon auf den Clash of Styles zwischen Carter Deems und Head I.C.E. (durchgedrehter Katzentyp gegen O.G.). Beide battleten auch beim vorigen Event „Blackout 6ix“: Carter Deems gegen Chedda Cheese in einem höchst amüsanten Nerd-Battle und Head I.C.E. gegen Arsonal im ultimativen Showdown zwischen zwei der authentischten „Gangster“ der Battle-Szene. Blackout 6ix bot auch ein sehr spannendes Battle zwischen den beiden wohl stärksten Newcomern im amerikanischen Raum: Gjonaj und Psycoses. Die beiden machten dem Slogan von King of the Dot alle Ehre („Put your money were your mouth is“), indem sie 2000 US-Dollar jeweils auf ihren Sieg in den Pot warfen.

Als ob das alles nicht genug wäre, wurden auch die Battles für „Massacre 2“ angekündigt. King of the Dot postete dazu: „5 battles that could main event on their own!!” (absolut abnormale Match-ups). Wie gesagt: Qualität statt Quantität.

Diesen Spruch hat sich Don’t Flop eher weniger auf die Fahne geschrieben. Konstant kommen neue mehr oder wenige gute Battles raus, es werden neue angekündigt und auch begleitende Videos und Diskussionsrunden gedroppt. Die freshesten Battles der letzten Wochen waren sicher O’Shea vs. MyVerse (die gleich zweimal an dem Abend battlete), Cojay gegen Unanymous und das sehr einseitige Freestyle-Battle zwischen DNA und Pedro, in dem DNA seine absurd-guten Improvisations-Skills wieder mal aufblitzen lässt (und ja Pedro ist einfach nur … Pedro). Besonders witzig (und für mich eines der amüsantesten Battles in letzter Zeit): Shuffle T vs. Heretic, die zwei Sarkasmus-Kanonen der britischen Liga. Während Shuffle T ein etablierter Battle-Rapper ist (meistens im Team mit seinem „partner in crime“ Marlo), den seine Reimketten und schauspielerischen Talente auch schon auf die Bühne von King of the Dot brachten, ist Heretic das „next big thing“ (so wird es zumindest postuliert) im britischen Battle-Rap. Interessant macht das Battle die ähnliche Delivery der beiden und natürlich auch die Tatsache, dass Heretic vorgeworfen wird, Shuffle Ts Style zu kopieren. Absolutes Highlight ist für mich die zweite Runde von Shuffle T (wobei er im Interview selbst sagt, dass er sehr unsicher war, ob sie ankommen würde), in der er Storytelling als  Stilmittel auf eine ganz neue Ebene bringt: Köstlich, unbedingt auschecken! (Zusatz: Ich habe mir die zweite Runde gerade nochmal angesehen: definitiv eine der kreativsten und witzigsten Battle-Rap-Runden überhaupt!)

Eine Liga, die ich bis jetzt weitgehend unerwähnt gelassen habe, ist URL, die Ultimate Rap League. Dabei ist sie eine der Pionier-Ligen und existierte bereits vor GrindTime. Damals wurden die Battles auf DVDs releast. Die Selbstbetitelung als „The Worlds Most Respected“ wird jedoch von der Konkurrenz milde belächelt: Zwar ist die Aufmerksamkeit, was die URL-Battles betrifft, wohl größer als bei den anderen Ligen (auch P.Diddy, Busta Rhymes oder auch Cassidy sind regelmäßig Gäste der Veranstaltungen), doch in anderen Ligen wird der URL oft vorgeworfen, dass es dort nur um sogenannte Gun-Bars (also Lines und Wortspiele mit Waffenbezug) gehe. Und damit wären wir auch beim Grund, warum die Liga hier eher selten vorkommt: Die Gun-Bars sind vielleicht einfach Geschmackssache und auch ganz unterhaltsam, der generelle Slang macht es jedoch für „Nicht-Involvierte“ kaum möglich, den Battles richtig zu folgen bzw. zu verstehen (und da kann man noch so gute Englischkenntnisse haben, manche Sachen versteht man einfach nur als „native speaker“). Des Weiteren spielt meiner Erfahrung nach amerikanische Pop-Kultur in der URL auch eine große Rolle und auch das sind Sachen, die man als Europäer nicht unbedingt nachvollziehen kann. Weitere Vorwürfe, mit denen sich die Liga konfrontiert sieht, sind das kommerzialisiert-wirkende Erscheinungsbild der Liga, die oft überbenutzten Gimmicks à la „Slow-it-Down“, Pseudo-Bars, und das Publikum, welches oft unruhig ist und es somit sehr anstrengend macht, den Battles zu folgen.

Man kann die Situation lustigerweise ganz gut mit Deutschland vergleichen, wo es auch Rap Am Mittwoch als professionelles, gut vermarktetes Produkt gibt und DLTLLY, das etwas „independent“ und alternativer rüberkommt. Auch die Selbstbezeichnung als „realste Cypher Deutschlands“ ist ein Berührungspunkt mit URL. Das soll nicht mal negativ gemeint sein, es sind einfach zwei andere Herangehensweisen. Nicht abzustreiten ist jedenfalls, dass URL zahlreiche Classics rausgebracht und die gesamte Battle-Rap-Geschichte mitgeprägt haben. Dieser Tage fühlten sich Fans auch an die frühere Hochzeit erinnert, nämlich dank der Battles zwischen Rum Nitty und Ave und zwischen Mike P und Tink tha Demon. Bars, Bars, Bars! Weiteres Highlight war das 2on2 (URL hostete vor Kurzem ihre Veranstaltung „Double Impact“, bei der es ausschließlich 2on2 Matches gab) zwischen Tsu Surf/Tay Roc und DNA/K-Shine. Dabei kann man auch die oben genannten Kritikpunkte deutlich erkennen. Ich muss zugeben, dass ich mir schwergetan habe, überhaupt das ganze Battle anzusehen.

Regular Classic:

Und weil wir gerade so viel über URL geredet haben, gibt’s hier zum Abschluss noch eine absolutes Must-See-Battle, das alle Kritikpunkte der Liga vereint und zeigt, wie diese auch positiv gesehen werden können: Charlie Clips vs. T-Rex. Ein Bodybag in selten erreichtem Ausmaß, Charlie Clips zerreißt T-Rex einfach in der Luft und es ist ein Genuss, ihm dabei zuzusehen. Die Stimmung, die Reaktionen der gegnerischen Crews, die BARS machen dieses Battle irgendwie zu etwas ganz Besonderem. Eines der wenigen Battles, die ich mir mehr als zweimal gegeben habe.

Drei Highlights und Gründe für den Klassiker-Status:

    • Charlie Clips‘ Rebuttal in der dritten Runde (zum Verständnis sollte man auch das Ende von T-Rex‘ dritter Runde ansehen)
    • Cassidy’s Reaktionen (vor allem während der dritten Runde) = priceless!
    • die Kommentare unter dem Video (mein Favorit: „Bout that time of the month again came to pay my respect to the last t-rex that got killed“)
    • und viertens natürlch: B O D Y B A G!!!

 

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DLTLLY und die Frage: Bars over Jokes? // Battle-Rap

teggy nedal

Wieder mal ein Clash of Styles und wieder mal die Frage: Bars over Jokes oder Jokes over Bars? Nedal Nib vs. Bong Teggy, das war das Main-Event des letzten DLTLLY in Berlin. Die Unterschiede zwischen den Styles dieser beiden Kontrahenten könnten kaum größer sein. Auf der einen Seite Bong Teggy, der humorvolle Sunny-Boy, der scheinbar immer verliert, aber trotzdem immer derartig abliefert, dass er unbestreitbar einer der besten Battle-Rapper Deutschlands ist. Auf der anderen Seite Nedal Nib, der nach seinem ersten Match (im Team mit Mighty Mo) nicht nur belächelt, sondern regelrecht ausgelacht wurde, sich aber nach zahlreichen Battles (seine stärksten vs. Der Fischer und vs. Doctor Dave) ebenfalls zu einem der besten Battle-Rapper Deutschlands entwickelt hat. Todernste Aggro-Attitüde trifft auf entwaffnenden Humor. Am Ende kann man auf ein richtig gutes Match zurückblicken, mit einer Jury-Entscheidung, die zwar nicht nach einem knappen Match klingt, jedoch „gerechtfertigt“ bzw. nachvollziehbar ist: Wenn fünf Leute das Battle 2-1 judgen, dann geht es zwar 5-0 aus, ändert aber nichts an der Tatsache, dass es für jeden der Judges extrem knapp war.

Highlights:
– Bong Teggy vs. Nedal Nibs Crew
– Nedals zweite Runde
– Bong Teggys dritte Runde

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Hinter den Kulissen des ersten „Battle of the Bay“ // Battle-Rap

Avocado (Regisseur bei King of the Dot und Kameramann bei diversen anderen Battle-Events) hat für seinen „Ruin Your Day“-Kanal etwas auf seiner Festplatte rumgestöbert und ein interessantes Battle-Artefakt ausgegraben: extra-Footage vom ersten „Battle of the Bay“. Organisiert von Lush One war die Veranstaltung die erste der eigens kreierten „Grindtime West Division“, die auch den MCs an der Westküste der USA die Chance geben sollte, sich in einem Acapella-Battle zu beweisen. In einem untypischen Ambiente – das Battle fand in einem historischen Ballsaal in Oakland statt – trafen dort einige der heute (und vereinzelt damals) ganz großen des Battle-Raps auf wie The Saurus vs. Madness, Dirtbag Dan oder Pass. Lustig zu sehen, wie alle noch so jung und unbeholfen aussehen und wie sich das Ganze seither verändert hat: Es gibt kaum mehr Acapella-Battles, die nicht vorgeschrieben sind, den Künstlern wurde nichts bis wenig bezahlt und die Battles sind jetzt viel länger. Gleichzeitig fällt aber auch auf, wie schnell die Zeit vergeht: 2008 ist doch gar nicht so lange her, oder?

Mittlerweile gab es schon sieben Editionen des „Battle of the Bay“, seit der sechsten Edition wird es von King of the Dot veranstaltet. Das hier ist übrigens der Flyer vom ersten „Battle of the Bay“.

botb 1 flyer

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King of the Dot lässt die Legenden ringen // Battle-Rap

diziron

Mit Dizaster und Iron Solomon treffen im Main-Event von „Blackout 6ix“ zwei absolute Legenden aufeinander. Iron Solomon ist einer der Pioniere des Battle-Raps, hatte u. a. ein legendäres Battle gegen E-Ness, doch verschwand vor ein paar Jahren von der Bildfläche. Beim letzten „World Domination“ feierte er gegen Daylyt ein sehenswertes Comeback. Auch Dizaster „musste“ im letzten Jahr nach einer Sperre ein Comeback geben (vs. Gjonaj). Eineinhalb Jahre durfte er wegen des Faustschlags gegen Math Hoffa bei King of the Dot nicht antreten. Die Pause nutzte er für diverse Auftritte im Ausland: von den Philippinen (dort ist Battle-Rap eindeutig größer als man denkt) über den Libanon (auf Arabisch) bis zu einem Ausflug zu Rap Am Mittwoch nach Berlin vs. Tierstar.

Was man außerdem noch wissen muss, bevor man sich das Battle reinzieht: Iron Solomon ist Jude und Dizaster kommt aus dem Libanon. Dizaster ist bekannt dafür, auf solche Stereotypen einzugehen und dabei keine Grenzen zu kennen. Wer also sensibel auf „politische Unkorrektheit“ reagiert, sollte sich das Battle (bzw. Battle-Rap) eher nicht ansehen. Aber Diz hat natürlich nicht nur Antisemitismus und Verschwörungstheorien am Start: Er liefert hier eines seiner besten Battles, hat Bars ohne Ende und mit Iron Solomon einen ebenbürtigen Gegner, der seinen Teil zu diesem Instant-Classic beiträgt!

„Look at his face now, you look like you got caught in a stupid lie
You have a better chance of getting Sasha Cohen dressed up as Borat in his suit & tie
Because that’s the only way this crowd will be able to see another Arab get played by a jewish guy“
Dizaster (1. Runde)

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Regular Bars #2 // Battle-Rap

regularbars
Illustration: Florian Appelt

In der Parallelgesellschaft Battle-Rap tut sich einiges. Während sich das gegenseitige Duellieren mit Wörtern (dessen Wurzeln sich z. B. mit dem “Dozens“-Spiel tief in die afrikanische Kultur verfolgen lassen) im englischsprachigen Raum mit Ligen wie King of the Dot, Don’t Flop und natürlich URL weitgehend etabliert hat, steckt er im deutschsprachigen Raum noch in den Kinderschuhen. Aber DLTLLY (Don’t Let The Label Label You, Anm.) und Rap am Mittwoch erfreuen sich steigender Besucher- und Klickzahlen und auch in Wien existieren mit Dreistil und Battle To The Top Ligen, die diese Schiene fahren. Jeder Battle-Rap Fan wird bestätigen können, dass das ein sehr zeitaufwendiges Hobby ist, die Battles dauern selten kürzer als 20 Minuten. Und auch wenn viele Battles sich einen eigenen Eintrag verdient haben, kann es sehr praktisch sein, regelmäßig zu wissen, was sich so getan hat, welche Battles veröffentlicht wurden und welche noch anstehen. Dafür gibt es die neue Reihe Regular Bars!

Disclaimer: Achtung! Dieser Artikel kann Spoiler und Spuren von Meinung enthalten!

Nach dem „leicht desaströsen“ Dreistil vom letzten Mal kann man sich bei der nächsten Ausgabe der Veranstaltung auf deutlich spannendere Battles freuen. Am 24. März treffen im Loft nämlich sowohl Mighty P gegen MCL als auch Fate (nicht zu verwechseln mit dem Grazer Fate One) gegen Barbee aufeinander. Bei Mighty P (bekannt als „hartnäckiger“, aber sich steigender MC bei Rap Am Mittwoch) und MCL kann man davon ausgehen, dass die Kontrahenten gut vorbereitet und mit ordentlich Power an die Sache herangehen werden. Bei beiden liegt das letzte Battle schon einige Zeit zurück und vor allem bei Mighty P wird der Blick auf sein erstes Battle im Ausland (und in einer anderen Liga als RAM) hoffentlich für ordentlich Motivation sorgen. Beim zweiten A capella des Abends bildet wohl die Vorgeschichte den größten Hoffnungsträger für ein intensives Match. Schon seit paar Monaten zanken sich Barbee und der Innsbrucker Fate auf den Pinnwänden der Dreistil-Veranstaltungen. Nun bereinigen sie ihren Streit endlich im Ring. Fates Provokation betrachtend, sollte man seinerseits jedoch nicht auf  lyrische Höhenflüge wetten. Aber vielleicht wird’s ohne Beat ja besser.

Bei DLTLLY kamen diesen Monat weniger hochkarätige Battles raus, das Highlight bildete aber sowieso ein Match zwischen zwei Underdogs: Yarambo vs. Indoor Stan. Sicher eines der assozialsten und „tiafsten“ Battles im deutschprachigen Battle-Rap, gleichzeitig auch eines der unterhaltsamsten. Vor allem Yarambo überrascht hier jeden, der ihn von seinen eher mittelmäßigen Auftritten bei Rap Am Mittwoch kannte (inkl. mich selbst). Auch Indoor Stan liefert richtig witzige Bars ab, die zweite Runde von Yarambo macht aber so ziemlich alles klar und kommt von der „Grindigkeit“ fast schon an Mighty Mos legendäre erste Runde gegen Fresh Polakke ran („Warum? hast du keine Vase?“).

Sonst gab es bei DLTLLY hauptsächlich Newcomer (u. a. mit einem alten bekannten von Dreistil, MFGen) und Compliments-Battles (zum einen das sehr amüsante und sympathische Lyrico vs. Proton, zum anderen das etwas verstörendere Johnny Rakete vs. Kex Kuhl) zu begutachten. Beim Posten des zweiten Battles wurde aber darauf hingewiesen, dass Compliments-Battles und „Bad Bars“ nicht zur Regel werden sollten, denn sie können zwar stellenweise witzig sein, aber irgendwann sind sie nur noch ausgelutscht und kaum originell. Freuen kann man sich in nächster Zeit auf jeden Fall auf das Match zwischen Bong Teggy und Nedal Nib. Für alle Ungeduldigen gibt’s das Battle schon im Pay-Per-View (was übrigens ein Teil des Erlösmodells des modernen Battle-Rap-Geschäfts darstellt).

Bei Rap Am Mittwoch wurde auf Komplimente verzichtet, stattdessen wurden wieder richtig plump Mütter ge*****. Genau: Es wurde wieder in Berlin gebattlt. Dabei überraschte wenig, außer vielleicht die Tatsache, dass man mittlerweile wirklich mit sehr, sehr großer Sicherheit davon ausgehen kann, dass die Battles in Berlin mittelmäßig werden. Trotzdem war nach der schwachen Vorrunde der Rest der Battlemania recht erträglich und fast schon gut. Meist ist ja die verschlafene Crowd in der Hauptstadt das Hauptproblem, wobei die MCs natürlich auch ihren Teil beitragen. Ein Teufelskreis … M-Power (offensichtlich ein Homie von Z) holte sich im Finale „verdient“ den Sieg, wobei er die vorigen Freestyle-Runden hauptsächlich mit Texten füllte. Das empört zwar die YouTube-Community, juckte aber während der Veranstaltung keinen. Das bisschen an unterhaltsamen Lines kann man der Crowd nicht auch noch nehmen. So hatte zumindest M-Power ein paar gute Punches am Start, Z war sichtlich stolz auf seinen Freund.

Das Leistungsgefälle bei RAM zeigte sich auch deutlich in der Battlemania-Champions-League. Nachdem das letzte Match zwischen Duff und LeNerd (hauptsächlich aufgrund von Textunsicherheiten) enttäuschte, war dieses Mal auf jeden Fall mehr Power drin. Yarambo (ja der gleiche der etwas weiter oben so gelobt wird), der meine Erwartungen in seinem Match gegen Indoor Stan natürlich sehr hoch geschraubt hat, kommt leider nur in der dritten Runde annähernd an seine Leistung bei DLTLLY ran, Reaktion von der Crowd kriegt er aber ungerecht wenig. Gugo ist zwar gewohnt aggressiv und sehr gut vorbereitet, gescheite Bars hat er aber kaum am Start, eher plumple Wortspiele und simple Reimketten.

Bei King Of The Dot (KOTD) war es endlich wieder mal Zeit für ein neues Battle und zwar das Title-Match zwischen Rone und Illmaculate. Zur Erklärung: Im Battle-Rap wird das mit den Titeln in etwa so gehandhabt wie beim Boxen: der Champion wird herausgefordert, es ist also nicht das Resultat eines richtigen Turniers. Bei KOTD war zum Beispiel der allererste Champion Kid Twist. Seitdem wurde die „Chain“ immer wieder von diversen Herausforderern erobert (darunter Arcane, The Saurus, Dizaster uvm.). Als Letzter – vor Illmaculate – verteidigte sie Pat Stay souverän gegen mehrere Anwärter. Zuerst gegen Dizaster, dann Daylyt und Charron. Schlussendlich knöpfte sie ihm Illmaculate letzten August im Titel-Match bei „World Domination 5“ ab – wobei gemunkelt wird, dass Pat Stay sich nicht die größte Mühe gegeben hat, weil er einfach keine Lust mehr hatte, den Titel verteidigen zu müssen. Nichtsdestotrotz lieferte Illmaculate ein richtig starkes Battle ab und holte sich verdient den Titel. Lange kann man sich bei KOTD aber nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen, mit Rone wartet der nächste ehrgeizige Gegner auf seinen „Title-Shot“. Damit treffen zwei Battle-Generationen aufeinander. Illmaculate ist ein Urgestein in der Battle-Szene und seit Anfang an dabei. Rone ist weitaus jünger, hat sich jedoch schon in vielen Battles bewiesen und wartet seit Längerem auf die Chance, sich die KOTD-Krone (eigentlich eine goldene Kette) aufzusetzen bzw. umzuhängen. Er hat das sogar schon in seinem Slogan eingebaut: „Rone aka Baby Roney the Prince, soon to be the King“. Hier duellieren sich aber nicht nur der aktuelle King und der „ewige“ Prinz, das Battle ist auch ein Style-Clash zwischen der humorvollen Herangehensweise von Rone und der etwas ernsteren von Illmaculate. Also gilt wie so oft die Frage: Bars over Jokes? Oder Jokes over Bars?

Spoiler (für die Faulen): Insgesamt ist das Battle eher schwach, richtig interessant wird es erst ab der dritten Runde. Auch die Entscheidung ist wie so oft „debattable“, KOTD hat einen neuen Champion: Rone!

Während der Upload-Schedule für die weiteren Battles des „Blackout 6ix“ schon bekannt gegeben wurde und in den nächsten Wochen abgebaut wird, haben die Kanadier schon das nächste Battle der Superlative in den Startlöchern: „Back to Basics 4 @ The Bunker“ wird am 16. April in L. A. über die Bühne gehen mit Battles zwischen Carter Deems und Head I.C.E., Daylyt vs. The Saurus (!!) und Caustic vs. T-Rex. Die Veranstaltung war wenige Tage nach Bekanntgabe der Battles restlos ausverkauft.

Die Workaholics von Don’t Flop waren in den letzten Wochen weiterhin mit den Uploads ihres „7BW“-Events beschäftigt. Dabei kam wohl eines der besten Battles der Veranstaltung raus: das Battle der Nerds, Charron vs. Juan. Zwei ähnliche Styles treffen hier aufeinander, wobei Charron mittlerweile schon ein Urgestein in der Battle-Rap-Szene ist (er hat sich vor allem durch seine abnormalen Freestyle-Skills und Rebuttals  das sind Konter, die man meist am Anfang seiner Runde bringt  einen Namen gemacht, zu sehen z. B. in diesem Battle) und Juan noch am Start seiner Karriere ist (Juan ist 17 Jahre alt!). Wer aber glaubt, dass die beiden hier nur auf Altbewährtes zurückgreifen, täuscht sich. Highlights: natürlich Charrons Rebuttals, Juans Rebuttal in der dritten Runde (!!) und Juans dritte Runde. Richtig starkes Battle.

Ein weiteres Battle von 7BW, welches legendär hätte werden können, war das geplante Team-Battle Shuffle-T & Marlo vs. DNA & K-Shine: das britische 2on2 Dream-Team gegen ihr amerikanisches Gegenstück. Doch K-Shine (der hat übrigens dem oben genannten Charron letztens eine mitgegeben, zu sehen HIER) hatte Probleme beim Zoll und so machte Shuffle-T das „Beste“ daraus. Ist zwar witzig, das eigentliche Battle muss aber irgendwann stattfinden.

Gute Battles wurden aber nicht nur auf der Hauptbühne in der „Ministry of Sound“ ausgetragen. Auch abseits des ganzen Trubels fanden ein paar MCs die Zeit, sich in traditioneller Manier in die Cypher zu stellen. Darunter natürlich die Freestyle-Monster Charlie Clips und DNA, die sich in kurzen One-Roundern jeweils Quill bzw. Cojay gegenüberstellten.

Wie auch diese beiden Matches wurde auch das Battle Shox the Rebel vs. Lu Cipher dem Leitmotiv des Abends gerecht: USA vs. UK bzw. Gun-Bars vs. Knife-Bars (oder so). Der überragende Lu Cipher verliert trotzdem nicht seinen Humor und stellt in seiner dritten Runde die Lachmuskeln der britischen Fans nochmal ordentlich auf die Probe.

I heard Don’t Flop likes jokes

Apropos Jokes: „Pure Jokes“ würde Eurgh zu dem spontanen 2on2 zwischen Caustic und Pass (beide USA) und O’Shea und Pedro (beide UK) wohl sagen. Hier trifft der englische Battle-Humor auf den amerikanischen, bis sich Caustic & Pass in der dritten Runde dazu entschließen, auf das vorbereitete Material zu verzichten und, wie ihre Gegner, auf ihre Improvisations-Künste zurückzugreifen. Hauptsächlich aus Freestyles bestehend ist das Ganze nicht unbedingt Bar-lastig, aber die absurden Bad Bars von O’Shea („It’s like we’re playing Jenga with cheese, the way we’re stacking cheddar!“) und das extrem witzige „Uncle Jimmy“-Scheme in der dritten Runde machen es äußerst unterhaltsam.


Der Kanal „Ruin Your Day er wird von King of The Dot Regisseur Avocado betrieben hat es sich in seiner „Daily Spice„-Rubrik zur Aufgabe gemacht, Perlen aus der Battle-Rap-Geschichte zu sammeln und zu veröffentlichen. Darunter findet man z. B. auch Frescos dritte Runde gegen TheSaurus, die jetzt schon legendär ist, aber auch Skurrilitäten wie äußerst betrunkene Judges oder nasenblutende MCs. Eine besonders interessante Rubrik auf dem Channel ist aber die „Now You Know“-Playlist mit Lush One. Dieser fällt zwar mittlerweile eher durch Drogenexzesse und komisches Verhalten bei Battle-Events auf, ist aber einer der Pioniere des A-capella-Battle-Raps und Gründer der maßstabsetzenden „GrindTime West“-Division. Über die Anfänge von Battle-Rap wie wir ihn heute kennen und seine Rolle in dieser ganzen Entwicklung erzählt er in einem langen Interview mit Avocado. Das hier ist die erste von insgesamt zehn Episoden: