Regular Bars #2 // Battle-Rap

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Illustration: Florian Appelt

In der Parallelgesellschaft Battle-Rap tut sich einiges. Während sich das gegenseitige Duellieren mit Wörtern (dessen Wurzeln sich z. B. mit dem “Dozens“-Spiel tief in die afrikanische Kultur verfolgen lassen) im englischsprachigen Raum mit Ligen wie King of the Dot, Don’t Flop und natürlich URL weitgehend etabliert hat, steckt er im deutschsprachigen Raum noch in den Kinderschuhen. Aber DLTLLY (Don’t Let The Label Label You, Anm.) und Rap am Mittwoch erfreuen sich steigender Besucher- und Klickzahlen und auch in Wien existieren mit Dreistil und Battle To The Top Ligen, die diese Schiene fahren. Jeder Battle-Rap Fan wird bestätigen können, dass das ein sehr zeitaufwendiges Hobby ist, die Battles dauern selten kürzer als 20 Minuten. Und auch wenn viele Battles sich einen eigenen Eintrag verdient haben, kann es sehr praktisch sein, regelmäßig zu wissen, was sich so getan hat, welche Battles veröffentlicht wurden und welche noch anstehen. Dafür gibt es die neue Reihe Regular Bars!

Disclaimer: Achtung! Dieser Artikel kann Spoiler und Spuren von Meinung enthalten!

Nach dem „leicht desaströsen“ Dreistil vom letzten Mal kann man sich bei der nächsten Ausgabe der Veranstaltung auf deutlich spannendere Battles freuen. Am 24. März treffen im Loft nämlich sowohl Mighty P gegen MCL als auch Fate (nicht zu verwechseln mit dem Grazer Fate One) gegen Barbee aufeinander. Bei Mighty P (bekannt als „hartnäckiger“, aber sich steigender MC bei Rap Am Mittwoch) und MCL kann man davon ausgehen, dass die Kontrahenten gut vorbereitet und mit ordentlich Power an die Sache herangehen werden. Bei beiden liegt das letzte Battle schon einige Zeit zurück und vor allem bei Mighty P wird der Blick auf sein erstes Battle im Ausland (und in einer anderen Liga als RAM) hoffentlich für ordentlich Motivation sorgen. Beim zweiten A capella des Abends bildet wohl die Vorgeschichte den größten Hoffnungsträger für ein intensives Match. Schon seit paar Monaten zanken sich Barbee und der Innsbrucker Fate auf den Pinnwänden der Dreistil-Veranstaltungen. Nun bereinigen sie ihren Streit endlich im Ring. Fates Provokation betrachtend, sollte man seinerseits jedoch nicht auf  lyrische Höhenflüge wetten. Aber vielleicht wird’s ohne Beat ja besser.

Bei DLTLLY kamen diesen Monat weniger hochkarätige Battles raus, das Highlight bildete aber sowieso ein Match zwischen zwei Underdogs: Yarambo vs. Indoor Stan. Sicher eines der assozialsten und „tiafsten“ Battles im deutschprachigen Battle-Rap, gleichzeitig auch eines der unterhaltsamsten. Vor allem Yarambo überrascht hier jeden, der ihn von seinen eher mittelmäßigen Auftritten bei Rap Am Mittwoch kannte (inkl. mich selbst). Auch Indoor Stan liefert richtig witzige Bars ab, die zweite Runde von Yarambo macht aber so ziemlich alles klar und kommt von der „Grindigkeit“ fast schon an Mighty Mos legendäre erste Runde gegen Fresh Polakke ran („Warum? hast du keine Vase?“).

Sonst gab es bei DLTLLY hauptsächlich Newcomer (u. a. mit einem alten bekannten von Dreistil, MFGen) und Compliments-Battles (zum einen das sehr amüsante und sympathische Lyrico vs. Proton, zum anderen das etwas verstörendere Johnny Rakete vs. Kex Kuhl) zu begutachten. Beim Posten des zweiten Battles wurde aber darauf hingewiesen, dass Compliments-Battles und „Bad Bars“ nicht zur Regel werden sollten, denn sie können zwar stellenweise witzig sein, aber irgendwann sind sie nur noch ausgelutscht und kaum originell. Freuen kann man sich in nächster Zeit auf jeden Fall auf das Match zwischen Bong Teggy und Nedal Nib. Für alle Ungeduldigen gibt’s das Battle schon im Pay-Per-View (was übrigens ein Teil des Erlösmodells des modernen Battle-Rap-Geschäfts darstellt).

Bei Rap Am Mittwoch wurde auf Komplimente verzichtet, stattdessen wurden wieder richtig plump Mütter ge*****. Genau: Es wurde wieder in Berlin gebattlt. Dabei überraschte wenig, außer vielleicht die Tatsache, dass man mittlerweile wirklich mit sehr, sehr großer Sicherheit davon ausgehen kann, dass die Battles in Berlin mittelmäßig werden. Trotzdem war nach der schwachen Vorrunde der Rest der Battlemania recht erträglich und fast schon gut. Meist ist ja die verschlafene Crowd in der Hauptstadt das Hauptproblem, wobei die MCs natürlich auch ihren Teil beitragen. Ein Teufelskreis … M-Power (offensichtlich ein Homie von Z) holte sich im Finale „verdient“ den Sieg, wobei er die vorigen Freestyle-Runden hauptsächlich mit Texten füllte. Das empört zwar die YouTube-Community, juckte aber während der Veranstaltung keinen. Das bisschen an unterhaltsamen Lines kann man der Crowd nicht auch noch nehmen. So hatte zumindest M-Power ein paar gute Punches am Start, Z war sichtlich stolz auf seinen Freund.

Das Leistungsgefälle bei RAM zeigte sich auch deutlich in der Battlemania-Champions-League. Nachdem das letzte Match zwischen Duff und LeNerd (hauptsächlich aufgrund von Textunsicherheiten) enttäuschte, war dieses Mal auf jeden Fall mehr Power drin. Yarambo (ja der gleiche der etwas weiter oben so gelobt wird), der meine Erwartungen in seinem Match gegen Indoor Stan natürlich sehr hoch geschraubt hat, kommt leider nur in der dritten Runde annähernd an seine Leistung bei DLTLLY ran, Reaktion von der Crowd kriegt er aber ungerecht wenig. Gugo ist zwar gewohnt aggressiv und sehr gut vorbereitet, gescheite Bars hat er aber kaum am Start, eher plumple Wortspiele und simple Reimketten.

Bei King Of The Dot (KOTD) war es endlich wieder mal Zeit für ein neues Battle und zwar das Title-Match zwischen Rone und Illmaculate. Zur Erklärung: Im Battle-Rap wird das mit den Titeln in etwa so gehandhabt wie beim Boxen: der Champion wird herausgefordert, es ist also nicht das Resultat eines richtigen Turniers. Bei KOTD war zum Beispiel der allererste Champion Kid Twist. Seitdem wurde die „Chain“ immer wieder von diversen Herausforderern erobert (darunter Arcane, The Saurus, Dizaster uvm.). Als Letzter – vor Illmaculate – verteidigte sie Pat Stay souverän gegen mehrere Anwärter. Zuerst gegen Dizaster, dann Daylyt und Charron. Schlussendlich knöpfte sie ihm Illmaculate letzten August im Titel-Match bei „World Domination 5“ ab – wobei gemunkelt wird, dass Pat Stay sich nicht die größte Mühe gegeben hat, weil er einfach keine Lust mehr hatte, den Titel verteidigen zu müssen. Nichtsdestotrotz lieferte Illmaculate ein richtig starkes Battle ab und holte sich verdient den Titel. Lange kann man sich bei KOTD aber nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen, mit Rone wartet der nächste ehrgeizige Gegner auf seinen „Title-Shot“. Damit treffen zwei Battle-Generationen aufeinander. Illmaculate ist ein Urgestein in der Battle-Szene und seit Anfang an dabei. Rone ist weitaus jünger, hat sich jedoch schon in vielen Battles bewiesen und wartet seit Längerem auf die Chance, sich die KOTD-Krone (eigentlich eine goldene Kette) aufzusetzen bzw. umzuhängen. Er hat das sogar schon in seinem Slogan eingebaut: „Rone aka Baby Roney the Prince, soon to be the King“. Hier duellieren sich aber nicht nur der aktuelle King und der „ewige“ Prinz, das Battle ist auch ein Style-Clash zwischen der humorvollen Herangehensweise von Rone und der etwas ernsteren von Illmaculate. Also gilt wie so oft die Frage: Bars over Jokes? Oder Jokes over Bars?

Spoiler (für die Faulen): Insgesamt ist das Battle eher schwach, richtig interessant wird es erst ab der dritten Runde. Auch die Entscheidung ist wie so oft „debattable“, KOTD hat einen neuen Champion: Rone!

Während der Upload-Schedule für die weiteren Battles des „Blackout 6ix“ schon bekannt gegeben wurde und in den nächsten Wochen abgebaut wird, haben die Kanadier schon das nächste Battle der Superlative in den Startlöchern: „Back to Basics 4 @ The Bunker“ wird am 16. April in L. A. über die Bühne gehen mit Battles zwischen Carter Deems und Head I.C.E., Daylyt vs. The Saurus (!!) und Caustic vs. T-Rex. Die Veranstaltung war wenige Tage nach Bekanntgabe der Battles restlos ausverkauft.

Die Workaholics von Don’t Flop waren in den letzten Wochen weiterhin mit den Uploads ihres „7BW“-Events beschäftigt. Dabei kam wohl eines der besten Battles der Veranstaltung raus: das Battle der Nerds, Charron vs. Juan. Zwei ähnliche Styles treffen hier aufeinander, wobei Charron mittlerweile schon ein Urgestein in der Battle-Rap-Szene ist (er hat sich vor allem durch seine abnormalen Freestyle-Skills und Rebuttals  das sind Konter, die man meist am Anfang seiner Runde bringt  einen Namen gemacht, zu sehen z. B. in diesem Battle) und Juan noch am Start seiner Karriere ist (Juan ist 17 Jahre alt!). Wer aber glaubt, dass die beiden hier nur auf Altbewährtes zurückgreifen, täuscht sich. Highlights: natürlich Charrons Rebuttals, Juans Rebuttal in der dritten Runde (!!) und Juans dritte Runde. Richtig starkes Battle.

Ein weiteres Battle von 7BW, welches legendär hätte werden können, war das geplante Team-Battle Shuffle-T & Marlo vs. DNA & K-Shine: das britische 2on2 Dream-Team gegen ihr amerikanisches Gegenstück. Doch K-Shine (der hat übrigens dem oben genannten Charron letztens eine mitgegeben, zu sehen HIER) hatte Probleme beim Zoll und so machte Shuffle-T das „Beste“ daraus. Ist zwar witzig, das eigentliche Battle muss aber irgendwann stattfinden.

Gute Battles wurden aber nicht nur auf der Hauptbühne in der „Ministry of Sound“ ausgetragen. Auch abseits des ganzen Trubels fanden ein paar MCs die Zeit, sich in traditioneller Manier in die Cypher zu stellen. Darunter natürlich die Freestyle-Monster Charlie Clips und DNA, die sich in kurzen One-Roundern jeweils Quill bzw. Cojay gegenüberstellten.

Wie auch diese beiden Matches wurde auch das Battle Shox the Rebel vs. Lu Cipher dem Leitmotiv des Abends gerecht: USA vs. UK bzw. Gun-Bars vs. Knife-Bars (oder so). Der überragende Lu Cipher verliert trotzdem nicht seinen Humor und stellt in seiner dritten Runde die Lachmuskeln der britischen Fans nochmal ordentlich auf die Probe.

I heard Don’t Flop likes jokes

Apropos Jokes: „Pure Jokes“ würde Eurgh zu dem spontanen 2on2 zwischen Caustic und Pass (beide USA) und O’Shea und Pedro (beide UK) wohl sagen. Hier trifft der englische Battle-Humor auf den amerikanischen, bis sich Caustic & Pass in der dritten Runde dazu entschließen, auf das vorbereitete Material zu verzichten und, wie ihre Gegner, auf ihre Improvisations-Künste zurückzugreifen. Hauptsächlich aus Freestyles bestehend ist das Ganze nicht unbedingt Bar-lastig, aber die absurden Bad Bars von O’Shea („It’s like we’re playing Jenga with cheese, the way we’re stacking cheddar!“) und das extrem witzige „Uncle Jimmy“-Scheme in der dritten Runde machen es äußerst unterhaltsam.


Der Kanal „Ruin Your Day er wird von King of The Dot Regisseur Avocado betrieben hat es sich in seiner „Daily Spice„-Rubrik zur Aufgabe gemacht, Perlen aus der Battle-Rap-Geschichte zu sammeln und zu veröffentlichen. Darunter findet man z. B. auch Frescos dritte Runde gegen TheSaurus, die jetzt schon legendär ist, aber auch Skurrilitäten wie äußerst betrunkene Judges oder nasenblutende MCs. Eine besonders interessante Rubrik auf dem Channel ist aber die „Now You Know“-Playlist mit Lush One. Dieser fällt zwar mittlerweile eher durch Drogenexzesse und komisches Verhalten bei Battle-Events auf, ist aber einer der Pioniere des A-capella-Battle-Raps und Gründer der maßstabsetzenden „GrindTime West“-Division. Über die Anfänge von Battle-Rap wie wir ihn heute kennen und seine Rolle in dieser ganzen Entwicklung erzählt er in einem langen Interview mit Avocado. Das hier ist die erste von insgesamt zehn Episoden:

 

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