Regular Bars #1 // Battle-Rap

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Illustration: Florian Appelt

In der Parallelgesellschaft Battle-Rap tut sich einiges. Während sich das gegenseitige Duellieren mit Wörtern (dessen Wurzeln sich z. B. mit dem „Dozens„-Spiel tief in die afrikanische Kultur verfolgen lassen) im englischsprachigen Raum mit Ligen wie King of the Dot, Don’t Flop und natürlich URL weitgehend etabliert hat, steckt er im deutschsprachigen Raum noch in den Kinderschuhen. Aber DLTLLY (Don’t Let The Label Label You, Anm.) und Rap am Mittwoch erfreuen sich steigender Besucher- und Klickzahlen und auch in Wien existieren mit Dreistil und Battle To The Top Ligen, die diese Schiene fahren. Jeder Battle-Rap Fan wird bestätigen können, dass das ein sehr zeitaufwendiges Hobby ist, die Battles dauern selten kürzer als 20 Minuten. Und auch wenn viele Battles sich einen eigenen Eintrag verdient haben, kann es sehr praktisch sein, regelmäßig zu wissen, was sich so getan hat, welche Battles veröffentlicht wurden und welche noch anstehen. Dafür gibt es die neue Reihe Regular Bars!

In Wien ging gestern das zweite Dreistil-Battle in diesem Jahr über die Bühne. In der Heim-Location des Lofts erlebten die Zuschauer einen äußerst skurrilen Abend. Unfassbar bleibt, wie die Crowd noch immer Lines wie „An dir ist nichts positiv, außer dein Aids-Test“ (oder in welcher Abwandlung auch immer diese whacke Bar dargeboten wurde) feiern kann. Ganz abgesehen davon, wie oft man sie schon gehört hat. Tatsächlich gibt es aber auch wenig anderes zu feiern. Die einzigen positiven Überraschungen sind der Newcomer Toast und der Song von Alice D (die sich im Song-Battle gegen DerMog und Dänix & Shogun durchsetzt). Aushilfs-Moderator Uwe droppt bei der Presigeldübergabe die Punchline des Abends in Richtung Mog: „Ich hoffe, es ist okay für dich, von einer Frau geschlagen zu werden“. Bars! Apropos DerMog: Dieser setzt in seinem Acapella-Battle statt Vorbereitung auf … was zum Teufel war das eigentlich?? Mit Riesen-Bleistift und Notizblock  setzt er sich auf eine mitgebrachte Schmuse-Decke und notiert, was sein Gegner Leo ihm vorträgt (seine erste Runde lässt er überhaupt von ARL vorlesen). Dieser hat zwar die Aufgabe erledigt, einen Part zu schreiben, diesen auswendig zu lernen und ihn auch gescheit zu delivern, gute Punchlines hat er trotzdem nicht. Liegt wohl auch an den unsinnigen Angles, die er sich aussucht („DerMog = ein Nazi“ ??). DerMog war sich für die nötige Vorbereitung zu schade, zieht damit eine ganze Kunstform in den Dreck und enttäuscht nebenbei auch Publikum und Veranstalter. Denn solche Gimmicks sind zwar grundsätzlich „okay“, wenn aber die zwei restlichen Runden Dreck sind, dann sollte man einfach zuhause bleiben und Leute battlen lassen, die diese Art von Rap zu schätzen wissen. Somit hat Dreistil nach der Daylyt-Aktion von Meilner – seinen zweiten Fall von Arbeitsverweigerung. Wobei für mich Meilners Aktion (Meilner hatte sich im Dezember nach einer Runde – in der er hauptsächlich die Veranstalter disste – von seinen Freunden von der Bühne tragen lassen) weniger verwerflich ist als die von Mog, weil sie auf einer Abneigung gegen die Veranstaltung beruht. DerMog war einfach nur zu faul. Es werden wohl die Deutschen richten müssen. Von denen kommen nämlich ein paar zu den nächsten Dreistils. Wer genau das sein wird, muss noch angekündigt werden.

Bei Rap Am Mittwoch wurde  durch die Veranstaltungen in Bochum und Hamburg  wieder mal bewiesen, wie sehr Berlin gegenüber anderen deutschen Städten schwächelt. Die Liga kommt in der Haupstadt einfach nun seit Längerem nicht wirklich in die Gänge. Der Eindruck wird durch die etwas besseren Battles in anderen Städten nur verstärkt. Trotzdem bleibt die  Battlemania bis auf ganz seltene Ausnahmen unterdurchschnittlich bis unterirdisch. Skurillerweise bringen offenbar sogar MCs, die in Berlin rappen, bessere Leistungen, wenn sie in andere Städte fahren. Vyrus brachte in Hamburg seine erste „championwürdige“ Leistung: das Halbfinal-Battle gegen den ebenfalls ungewohnt starken Tisos ist sicher einer der besten Schlagabtäusche der letzten Saisonen. Trotzdem bleibt der Gesamteindruck nach dem Schauen einer „Rap Am Mittwoch“-Folge ein schlechter. Da hilft auch die versuchte Verjüngung der Moderation nichts: Gier übernimmt seit der letzten Ausgabe die präsentatorische Aufgabe von Ben Salomo. Und auch wenn Gier wohl die höchste Legitimation hat, diese Aufgabe zu übernehmen, würde es mehr Wille zum Wandel beweisen, wenn Ben Salomo ihm nicht ständig als Gremium-Mitglied reinreden würde. War dann vielleicht doch nicht so eine freiwillige Entscheidung. Auf jeden Fall merkt man, dass Ben Salomo es noch immer nicht ganz lassen kann und sich schwer von seiner Rolle als Bühnen-Papa trennen kann. Einzig und allein die BMCL-Matches können die Show noch aufwerten (das maßstabsetzende Bong Teggy vs. Ssynic soll hier keinesfalls vergessen werden), beim letzten Mal trafen MC Maik und Fresh Polakke aufeinander. Das Match aus Hamburg Duff vs. LeNerd kommt in den nächsten Tagen.

Eins der deutschsprachigen Highlights der letzten Wochen war das Battle Notyzze vs. Buddi. Notyzzes Bars sind dabei leider so „durchdacht“, dass sie fast schon wieder corny sind (schmaler Grat halt) und in vielen Fällen auch ihren Zweck verfehlen, denn Notyzze scheint sich mehr auf Spits und Gleichklänge in den Lines zu konzentrieren als darauf, dass sie auch treffen. Zu viel Ami-Einfluss tut wohl eher doch nicht gut. Buddi gestaltet seine Runden mit simpleren und oft auch trefferenden Lines. Wer entscheidet das Battle für sich? Punchlines over Bars? Seht selbst.

Neben diesem und zahlreichen anderen Battles in den letzten Wochen (mittlerweile vergeht kein Sonntag ohne neues Battle auf YouTube) hat DLTLLY nun beschlossen, sich auch mit den Hintergründen des Battle-Raps auseinanderzusetzen. In der ersten Folge ihrer Diskussionsrunde „Germany goes Battlerap“ (kurz GGB) wird in Harry Crotchs Wohnung mit Gästen wie Bong Teggy, Harry Crotch selbst, Mars B. und Nedal Nib über Chokes gesprochen. Sehr unterhaltsam, witzig und sehenswert.

Bei King of the Dot hat man scheinbar die Zeit bis zum nächsten Event mit einer Wiederveröffentlichung des Battles Canibus vs. Dizaster überbrücken wollen. Jetzt darf man sich also diesen „Bodybag“ in 4K und ungeschnitten vor Augen führen und wieder mal Zeuge davon werden, wie ein schon damals nicht mehr sehr relevanter MC wie Canibus von Dizaster absolut zerrissen wird. Canibus macht das Battle aus allen falschen Gründen legendär, indem er während des Battles auch noch sein Textblatt zückt. Absolutes No-Go, was auch in der oberen Diskussion angesprochen wird.

Es wurden bei der kanadischen Liga in letzter Zeit also keine neuen Battles veröffentlicht, aber die Paarungen für „BlackOut 6ix“ angekündigt. Main-Event ist Dizaster (der nach dem Vorfall mit Math Hoffa knapp eineinhalb Jahre Sperre bei der Liga absitzen musste) vs. Iron Solomon. Somit treffen zwei absolute Battle-Rap-Legenden aufeinander, die beide beim letzten „World Domination“ (Dizaster gegen Dumbfoundead und Iron Solomon gegen Daylyt) eindrucksvoll bewiesen, dass sie nach wie vor relevant sind. Spannend wird sicher auch das Title-Match zwischen dem amtierenden Champion Illmaculate und Rone.

Im Gegensatz zu King of the Dot bewies Don’t Flop, wie viel man verpassen kann, wenn man mal paar Wochen keine Zeit für Battle-Rap findet. Ein starkes Battle nach dem anderen hauptsächlich vom 7BW-Event (die Liga feierte ihr siebenjähriges Jubiläum) ballerten die Briten auf ihren YouTube-Kanal hinaus. Nachdem Battles wie Charlie Clips vs. Shotty Horroh und Fresco vs. Cruger unter den Erwartungen lagen, sind die anderen Battles des Abends durchaus sehenswert. Höchst interessant und brisant ist auch das Battle zwischen Caustic und Soul aufgrund seiner Vorgeschichte: Nachdem Caustic 2012 im Battle gegen Jefferson Price aufdeckte, dass dieser seine Frau betrogen hatte (einer der schockierendsten Momente in der Battle-Rap-Geschichte), schlug ihm Soul Off-Camera ins Gesicht. Man konnte sich also ein heikles und Real-Talk-lastiges Battle erwarten (Jefferson Price hat seit diesem Battle übrigens nie wieder an einem Battle teilgenommen). Eurgh bringt es in der Moderation ironisch auf den Punkt: „It’s going to be the most intense Compliments-Battle of all-time“.

Weitere Schmankerl, die bereits hochgeladen wurden, sind die Battles zwischen Dialect und Gemin1 und das witzige Deffinition vs. DNA. Die Liga hat aber noch einige gute Matches in petto, die in nächster Zeit kontinuierlich hochgeladen werden. Wer sich aber nicht durch die Stunden an Material schlagen will, für den fasst Don’t Flop jeden Monat die besten Runden und die besten Punchlines in ihrer Top 5 zusammen. Für Jänner ist jedoch die Selection vergleichsmäßig schwach ausgefallen: Was an Raptors „Mic-Check“-Line so toll ist, kommt mir nicht in den Sinn.

 

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