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K.I.Z. – „Hurra die Welt geht unter“ // Review

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(Vertigo (Universal)/VÖ: 10.07.2015)

Egal ob Film, Musik oder Kino – die Popkultur hat einen Narren am Weltuntergang gefressen. Seit Jahrzehnten bekommen wir mit sicherer Regelmäßigkeit Geschichten vorgesetzt, die uns das „Ende aller Tage“ auf verschiedenste Weise näher bringen: Wenn nicht gerade Außerirdische oder Naturgewalten den Untergang der Welt heraufbeschwören, obliegt es dem Menschen selbst, für seine Verdammnis zu sorgen. Diese Szenarien bieten Stoff für unzählige Filme, Bücher oder Musikstücke, die menschliche Kreativität  kennt beim Thema Apokalypse keine Grenzen.

Für ihr neues Album „Hurra die Welt geht unter“ nehmen sich auch die „Kannibalen in Zivil“, kurz K.I.Z., diesem Sujet an und schlüpfen in die Rolle der apokalyptischen Reiter. Zumindest versprachen die ersten Videoauskopplungen „Boom Boom Boom“ und „Hurra die Welt geht unter“  Endzeitkino im Deutschrap-Format. Beim Hören des Albums stellt sich aber schnell heraus, dass der Apokalypse damit schon genug Rechnung getragen wurde – auf eine Fortführung des Konzeptes der Vorabsingles wurde verzichtet.

Nicht weiter schlimm, zeigen sich K.I.Z. auf „Hurra die Welt geht unter“ textlich von ihrer besten Seite: Ernster, politischer, aber nicht minder böse als auf den letzten Releases – und wieder etliche Zeilen, bei denen einem das Lachen im Hals stecken bleibt. Der Spagat zwischen Humor und bitterböser Sozialkritik gipfelt dabei im großartigen „Was würde Manny Marc tun?“, die längst überfällige Kollabo mit den Geistesverwandten Audio88 & Yassin, für deren Krönung aber die Hook vom Oberatzen Manny Marc sorgt. Die dichte Beschreibung der Horrorszenarien, in denen die Rapper ihre verzweifelnden Charaktere verorten, entgegnet Manny Marc mit einem „Ich nehm dich mit in die Rummelbums-Disko, null Problemo, alles vergessen“. Krasser kann der Kontrast nicht gezogen werden – und selten fühlte man sich nach der Hook eines K.I.Z.-Songs so übel. Ein ähnliches Schema weist auch „Ariane“ auf, Nicos Solotrack, der diesmal nicht im Berlinerischen „Der durch die Tür Geher“-Style vorgetragen wird. Die Darstellung des Antagonismus zwischen einem promiskuitiven, machtgeilen und dominanten „Wochenend-Ichs“, dem ein Chef-buckelndes Verhalten während der Woche gegenübersteht: Große Klasse.

(…) „Du drückst meine Hand weg, sagst du magst mich sehr gerne/
Ich leg dir noch ’ne Line, du ziehst und sagst du siehst Sterne/
So wie du dich anziehst bist du doch ’ne perverse Schlampe/
Die will das ich sie unterwerfe“(…)

„Und am Montag geht es wieder ins Büro/
Sie haben recht, ich Idiot, natürlich Chef/
Das mach ich gern in meiner Mittagspause/
Das haben sie morgen auf dem Tisch/
Da fehlt nur noch der letzte Schliff/
Bevor das nicht fertig ist, gehe ich nicht nach Hause“

(Nico K.I.Z., „Ariane“)

Erinnerungen an „Sexismus gegen Rechts“, dem dritten Album des Quartetts, werden durch die Tracks „AMG Mercedes“, einem ernsteren „So alt“, und „Superstars“ geweckt, welches textlich nichts mit „Ringelpiez mit Anscheißen“ auf sich hat, aber durch die schräg gesungene Hook Assoziationen zu diesem Track weckt. Musikalisch zeichnet sich  „Hurra die Welt geht unter“  zwar durch ein stimmiges und kohärentes, jedoch auch nicht übertrieben aufregendes, synthie-lastiges Soundbild  aus. Die Beats drängen sich nicht in den Vordergrund, sondern lassen Maxim, Nico und Tarek jenen Raum, den diese zur Erzählung ihrer Geschichten benötigen. Und mal ehrlich: Wer hört denn K.I.Z. primär wegen den Beats? Eben.

Im Endeffekt liegt mit „Hurra die Welt geht unter“ also wieder ein thematisch typisches K.I.Z.-Album vor – mit deutlich ernster vorgetragener Sozialkritik. K.I.Z. vergessen aber gleichzeitig nicht ihre Wurzeln und bringen mit „Hurra die Welt geht unter“ ihr stärkstes Release seit „Hahnenkampf“, das mittlerweile ja schon Klassikerstatus besitzt.  Boom Boom Boom, so darf die Welt untergehen.

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