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Alles Schutt und Asche: Nicolas Jaar mit „Cenizas“ // Review

Cover zu "Cenizas" von Nicolas Jaar
(Other People/VÖ: 27.03.2020)

Für die Produktion seines dritten Solo-Albums „Cenizas“ (spanisch für „Asche“) wählte der chilenische Tonkünstler Nicolas Jaar nicht nur den Weg in die Isolation. Er gab sich auch der Askese hin. Kein Alkohol, keine Zigaretten, kein Koffein, kein Fleisch, so lautete die Vorgabe. Dieser innere Reinigungsprozess, verbunden mit einem Freimachen von negativen Gefühlen, sollte sich in „Cenizas“ musikalisch ausdrücken. Ein positiv klingendes Album ist „Cenizas“ aber nicht. Es ist ein düsteres Album. Jedoch mit lichten, hoffnungsvollen Momenten: Als wolle Jaar zeigen, dass es selbst in der finstersten Stunde Hoffnung auf Besserung gibt. Damit nährt Jaar ein globales Bedürfnis. Hoffnung ist angesichts der momentanen unsicheren Weltlage schließlich gefragt.

Wenngleich Nicolas Jaar die Ruhe schätzt: Um seine Person kehrte in den Jahren nach seinem 2016 erschienenen Album „Sirens“ keine ein. Sein Aktionsradius war in den vergangenen Jahren groß. In den Niederlanden und den Vereinigten Arabischen Emiraten engagierte sich Nicolas Jaar mit teils spektakulären Sound-Installationen im Bereich der Performance-Kunst. Zugleich arbeitete Jaar an diversen Pop-Alben mit, darunter an FKA twigs’ musikalischer R’n’B-Offenbarung „MAGDALENE“ (wenngleich er hier sein Zutun aus Bescheidenheit verschleiern wollte). Und trotz all dieser zeitverschlingenden Tätigkeiten fand Nicolas Jaar Gelegenheit, unter dem geheimnisvollen Moniker Against All Logic mit „2012–2017“ und „2017–2019“ zwei musikalisch höchst unterschiedliche Club-Projekte zu veröffentlichen.

Diese Vielseitigkeit ist seit dem Debütalbum „Space Is Only Noise“ (2011) ein wesentliches Karriere-Merkmal des Nicolas Jaar. „Cenizas“ bleibt dieser Linie treu, begibt sich Jaar diesmal in Ambient-Gefilde. Es wummert, es knarzt, es klirrt. Doch „Cenizas“ ist mehr als ein Ambient-Album. Nicolas Jaar kreiert mit dem Einsatz diverser Instrumente und seiner Stimme einen spirituellen, esoterischen Trip auf Albumlänge.

Auf gänzlich neuem Terrain begibt sich Jaar damit aber nicht. Der Zugang erinnert dezent an seinem Quasi-Soundtrack „Pomegranates“ (2015), den er für das Meisterwerk des armenischen Filmemachers Sergej Parajanov, „The Color of Pomegranates“ (1969) geschmiedet hat. Dieser Soundtrack enthält ebenfalls wenige Songs im eigentlichen Sinn, sondern ist vielmehr eine Bündelung von Sound-Collagen. Das gilt auch für „Cenizas“.

Meisterhaftes Spiel mit Kontrasten

Wie gewohnt spielt Nicolas Jaar auch auf „Cenizas“ mit Kontrasten. Er vermischt spielerisch laut und leise, Harmonie mit Dissonanzen. Das führt zu seiner Meisterdisziplin, dem Schaffen von atmosphärischen Musikstücken. Exemplarisch dafür steht der gotisch anmutende, mit dezenter Bassline versehene und mit seinem brüchigen Falsett verfeinerte Opener „Vanish“. Ein anderes Beispiel ist der nebulöse, langsam wie ein Prozessionszug vorangehende Titeltrack. Egal, in welche Richtung Jaar seine Sounds führt: Es passiert nie etwas zufällig oder chaotisch. Jedes Element greift ineinander. Diese Akribie ist bei Jaar keine Neuheit. Doch selten klang sein Verweben von Live-Instrumenten und digitalen Sounds so beeindruckend wie auf „Cenizas“.

Stellenweise verwendet er, wie in „Gocce“ (italienisch für „Tropfen“), selbstgebaute Instrumente. Mit diesen Klängen verwirrt er den Hörenden, lässt ihn angesichts der extraterrestrischen Atmosphäre im Unklaren. Dieses Gefühl erwecken aber auch ein Dudelsack in „Xerox“ oder ein Saxofon, das bei den Free-Jazz beeinflussten Tracks „Agosto“ und „Rubble“ zum Einsatz kommt. Die Free-Jazz-Elemente sind überdies eine Verbeugung vor dem Jazz-Virtuosen John Coltrane, dessen Album „Crescent“ (1964) Nicolas Jaar als eine Inspirationsquelle für „Cenizas“ nannte.

„Besser lässt sich das Jahr 2020 musikalisch nicht darstellen“

Trotz der instrumentellen Vielfalt ist Nicolas Jaars bevorzugtes Instrument auch auf „Cenizas“ das Piano. Bisweilen setzt er dieses ganz minimalistisch ein, wie beim von einem Piano-Loop getragenen „Garden“; ein Track, der an „Divorce“ aus „Pomegranates“ erinnert.

Wie ein Instrument handhabt Nicolas Jaar auf „Cenizas“ auch seine Stimme. Die erweist sich als durchaus wandelbar, egal ob im Falsett oder Bariton. Seine Stimme nimmt auf dem Album aber nie eine dominante, sondern stets eine komplementäre Rolle ein und passt sich den mystischen Sounds an. Auch die Lyrics fallen in dieses Muster. Wie auf „Sirens“ gehen die spanischen und englischen Texte in eine politisch-philosophische Richtung. War „Sirens“ eine Aufarbeitung der Pinochet-Ära in Chile, sind die Texte auf „Cenizas“ allgemeiner gehalten und auf verschiedene Weise interpretierbar. Eine Zeile wie „A drunk man’s on the lead/Skies and all bleed“ aus dem psychedelischen „Mud“ oder „A win is a win but a loss is the death of a twin“ aus dem soften, fast schon beschwingten „Sunder“ ist vieldeutig.

Den zugänglichsten Song des Albums packte Nicolas Jaar an das Ende des Albums. „Faith Made of Silk“ hat ein hypnotisches Drum-Pattern, seine Vocals sind klar und verständlich. Der Clou liegt im Spannungsaufbau des Songs. In der Climax bricht Nicolas Jaar die Erwartung einbrechender Breakbeats mit einem der extremsten Elemente, die Musik bieten kann: mit Stille. Besser lässt sich das Jahr 2020 musikalisch nicht darstellen.

Fazit: Wer Vanitas-Gedichte kennt, weiß: Vom Menschen bleibt einzig Asche über. Nicolas Jaar weiß das auch. Auf „Cenizas“ schwingt stets der Gedanke an Vergänglichkeit mit. Das Gemisch aus Ambient, Neo-Klassik, Noise, Psychedelica, Electronica, Drone und Free-Jazz klingt meditativ, spirituell, esoterisch. „Cenizas“ enthält kaum clubfähiges Material und ist sicherlich das am wenigsten zugängliche Album Nicolas Jaars. Aber eines, mit dem er sein großes musikalisches Potenzial fast zur Gänze ausschöpfen kann.

4 von 5 Ananas

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Zufluchtsort für düstere Köpfe: Sugar High mit „Love Addict“ // Album

Cover zu "Love Addict" von Sugar High
Cover-Ausschnitt aus „Love Addict“ // (c) DERO Arcade

Singer-Songwriterin und Produzentin Kristina Esfandiari widersetzt sich musikalischen Grenzen. Bewegt sich ihre Hauptband King Woman in den Sphären des düsteren Doom-Metals, tobt sich die Kalifornierin in ihren Neben-Projekten auf anderen Pfaden aus. Als Miserable produziert sie etwa träumerischen Shoegaze, als NGHTCRWLR bedient sie die Gothic- und Industrial-Schiene. Dalmatian ist hingegen ein Rap-Projekt, an dem Esfandiari gemeinsam mit dem Produzenten und Rapper Elkk arbeitet.

Irgendwo zwischen all diesen Welten gliedert sich ihr neues Projekt Sugar High ein. Hinter diesem Namen verbirgt sich eine Gemeinschaftsarbeit mit dem in Berlin lebenden australischen Produzenten und Vokalisten Darcy Baylis. Baylis ist im HipHop kein Unbekannter: Neben der Komposition vielschichtiger elektronischer Musik (exemplarisch dafür die LP „A House Breaking“, 2019) produziert er auch für Künstler*innen wie Wicca Phase Springs Eternal; für die Gothic-Trap-Größe baute er beispielsweise im Vorjahr den Beat zur Video-Single „HARDCORE“.

Auf dem Album „Love Addict“ bündelt das transatlantische Sugar-High-Duo erstmals seine Kräfte. Sieben Tracks umfasst die stilistisch zwischen Shoegaze und Dark-R’n’B mit HipHop-Einflüssen umherpendelte LP. Das Soundbild mit reichlich Reverb ist durchgängig melancholisch, 808-Drums bilden in Kombination mit Shoegaze-Gitarren eine musikalische Hülle für die düsteren Texte.

Thematisch handelt „Love Addict“ von toxischen Beziehungen („Love Addict“), Isolation („Alone“), zwischenmenschlichen Enttäuschungen („Asleep“) oder gebrochenen Herzen („Losing“). Die Video-Single und das Kernstück der LP, „Ugly“, handelt von Selbstzweifeln: Im Interview mit dem amerikanischen Musikmagazin Revolvermag rückte Baylis den Song gar in die Nähe einer Metal-Version des Christina-Aguilera-Hits „Beautiful“ (2002). „Ugly“ lebt nicht zuletzt von seiner atmosphärische Dichte, die das ganze Projekt auszeichnet.

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„Tony Hawk’s Pro Skater 1 + 2“-Remaster erscheint // Trailer

Screenshot aus Tony Hawk Proskater 1 + 2
Quelle: Activision

Videospiel-Publisher Activision veröffentlicht ein Remaster der ersten beiden Teile seiner „Tony Hawk’s“-Reihe: Am 4. September 2020 erscheint „Tony Hawk’s Pro Skater 1 + 2“ für die Playstation 4, Xbox One und den PC. Die Optik wurde an den gegenwärtigen Spiele-Standard angepasst. Ansonsten steht das Spiel ganz im Zeichen der Nostalgie.

So werden die Original-Schauplätze, Original-Skater und die bekannten Aufgaben im neuen Spiel vorhanden sein. Wurden die ersten beiden Teile von der 2014 aufgelösten Spielentwicklungsfirma Neversoft kreiert, übernahm Vicarious Vision die Aufgabe des Remasters. Das Studio konnte bisher unter anderem mit seinem „Crash Bandicoot“-Remaster „Crash Bandicoot N. Sane Trilogy“ überzeugen.

Erfolgsgeheimnis Soundtrack

Ein wesentlicher Grund für den Erfolg vieler Teile der „Tony Hawk’s“-Reihe war der jeweilige Soundtrack. Der bot stets eine bunte Ansammlung von Songs aus verschiedenen Genres wie Punk, Backpack-Rap, Funk-Rock, Drum’n’Bass oder Thrash Metal auf. Viele der Songs der ersten beiden Teile sind auch im Remaster vorhanden. Aus HipHop-Perspektive handelt es sich dabei um „Pin the Tail on the Donkey“ von Naughty by Nature sowie „Subculture – Dieslboy + Kaos VIP“ von Styles of Beyond & Dieselboy + Kaos VIP.

Allerdings ist nicht jeder Song aus dem ursprünglichen Soundtrack in der Neuauflage vertreten. Neben „B-Boy Document ’99“ von The High & Mighty, Mos Def und Mad Skillz fehlt etwa auch der Klassiker „Bring the Noise“ von Anthrax und Public Enemy.

Zurück zu alten Stärken?

Der erste Teil der „Tony Hawk’s“-Reihe wurde 1999 veröffentlicht. Der Titel überzeugte durch sein intuitives, Arcade-ähnliches Gameplay, eine beeindruckende Grafik und abwechslungsreiches Leveldesign. „Tony Hawk’s Pro Skater“ wurde ein großer kommerzieller Erfolg. Ein Jahr später folgte der zweite Teil. Die Fachpresse reagierte erneut begeistert. Die Spiele wurden in der Folge immer komplexer, die Spielwelten immer umfangreicher. Unter der Neversoft-Ägide blieb das Niveau aber konstant hoch.

Auch aus der HipHop-Welt gab es exzellentes Feedback. Etwa von Aesop Rock, der in einem Interview mit The Message 2016 die Reihe in höchsten Tönen lobte: „The ‚Tony Hawk‘ series was gigantic for me. I couldn’t believe it when it came out.  Having music in a couple of them was fantastic. But I would’ve played them regardless, constantly.  I pretty much did every achievement in most of those games – up until maybe the one with the skateboard controller.

Erst als das Studio Robomodo die Entwicklung übernahm, ging die Qualität schnurstracks nach unten. „Ride“ (2009), das Spiel mit dem gescheiterten Steuerungs-Experiment in Form eines Plastik-Skateboards, war ein ebenso großer Flop wie das fehlerhafte „Pro Skater HD“ (2012) und das noch stärker verbuggte „Pro Skater 5“ (2015). Dem Trailer und den ersten Ausschnitten nach zu schließen, scheint mit Vicarious Vision die Reihe wieder zu alten Stärken zurückzukehren.

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Aesop Rock macht Videospiel-Musik: „Music From The Game Freedom Finger“ // EP

Foto-Quelle: Rhymesayers

Wortakrobat Aesop Rock präsentiert mit „Music From The Game Freedom Finger“ eine neue EP. Die ist gleichzeitig der Soundtrack des Videospiels „Freedom Finger“, einem von Travis Millard und Jim Dirschberger kreierten Space-Shooter. Die knapp 23 Minuten umfassende EP besteht mit „Play Dead“, „KOWP“ und „Drums On The Wheel“ aus drei vollen Songs, hinzukommen die dazugehörigen drei Instrumentals und vier kurze Sound-Schnipsel.

Zunächst arbeitete Aesop Rock an den Instrumentals, die an verschiedenen Stellen des Spiels zu hören sind. Inspiriert vom Spiel, ließ Aesop Rock noch drei volle Songs folgen. „As the game was being rolled out, the idea arose to have me do 3 more tracks – this time fully fleshed out songs with lyrics mostly inspired by Freedom Finger’s gameplay. These tracks would accompany some brand new levels that would be made available as downloadable content for the game“, so Aesop Rock in einem Presse-Statement.

Zu dem Song „Drums On The Wheel“ drehte Jim Dirschberger auch ein Video. Inhaltlich schlüpft Aesop Rock in dem Song in die Rolle des „Freedom Finger“-Helden Major Cigar, der im Weltall herumirrt. Das Intro des Songs spricht der Schauspieler und Synchronsprecher Nolan North, der im Videospiel Major Cigar auch seine Stimme leiht.

Im Januar 2020 veröffentlichte Aesop Rock mit „Rogue Wave“ eine Video-Single. Vergangenes Jahr erschien sein Kollabo-Projekt mit TOBACCO, „Malibu Ken“. Sein bis dato letztes Solo-Album stammt mit „The Impossible Kid“ aus dem Jahr 2016.

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Ein Song, zwei Welten: Haftbefehl und Shirin David mit „Conan x Xenia“ // Video

Haftbefehl im Jahr 2013
Foto: Siniša Puktalović

Für seine neue Video-Single aus dem kommenden Album „DWA“ hat Haftbefehl auf dem „Jahrmarkt der Aufmerksamkeiten“ richtig zugeschlagen. Als Feature für „Conan x Xenia“ engagierte er YouTube-Star Shirin David, die seit einiger Zeit mehrgleisig fährt: Schminkvideos waren gestern, heute versucht sich die Hamburgerin vornehmlich als freche Musikerin, als deutsche Version von Cardi B und Nicki Minaj.

Musikalisch ist das Ergebnis ihrer bisherigen Anstrengungen eine eher lauwarme Angelegenheit. Kommerziell ist Shirin David allerdings höchst erfolgreich, hinsichtlich YouTube-Klicks macht ihr in Deutschland so schnell keiner etwas vor. Das war wohl auch ein Grund, warum sich Haftbefehl für eine Zusammenarbeit mit Shirin David entschieden hat. Weil der Gallus-Poet zwar in der Feuilleton-Bubble eine Größe ist, beim herkömmlichen Deutschrap-Teenie aber eine eher untergeordnete Rolle spielt. Da kann ein Shirin-David-Boost nicht schaden.

Kommerziell betrachtet macht die Zusammenarbeit also Sinn. Einen Wirbelsturm an Kritik gab es in der Haftbefehl-Fanbase trotzdem. Etwas fadenscheinig. Shirin Davids Musik ist sicherlich keine Offenbarung, aber auch nicht schlimmer als die übliche Deutschrap-Menagerie des Schreckens, die jeden Freitag auf YouTube niederhagelt. Zudem hat Haftbefehl in der Vergangenheit auch Künstler gefeaturet (und gesignt), deren Potenzial weit unter dem einer Shirin David liegt. Von einem Shirin-David-Feature geht die Azzlackz-Welt bestimmt nicht unter.

In der Praxis funktioniert auch vieles auf „Conan x Xenia“. Zwar beginnt Haftbefehl mit einem schwachen ersten Part, steigert sich aber im Verlauf des Songs. Die Hook und der Bazzazian-Beat haben das übliche Niveau einer Haftbefehl-Nummer. Auch das EASYdoesit-Video ist, Berlin-Mitte-Humor zum Trotz, gelungen. Es wäre eine Genugtuung gewesen, wenn Shirin David dann noch den ganzen Zweiflern Lügen gestraft hätte.

Leider wird sie diese aber eher bestätigen, wirkt sie doch wie ein Fremdkörper auf der Nummer. Dass sie in ihrem Part kein einziges Mal die titelgebende „Xenia“ erwähnt, passt perfekt ins Bild. Obendrein wurden gegen Shirin David „Biting“-Vorwürfe laut: Die kosovo-albanische Rapperin Tayna (1,4 Millionen Abonnenten auf Instagram) bezichtigte sie, den knurrigen „Argh!“-Laut von ihr kopiert zu haben. Falls dem wirklich so ist, kann man nur sagen: Gratulation Shirin David, damit bist du endgültig im Deutschrap angekommen. „DWA“ erscheint am 5. Juni 2020.

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Kapitalismus adé: Run The Jewels mit „Ooh LA LA“ // Video

Cover zu "Oh LA LA" von Run The Jewels
Ausschnitt aus dem Cover zu „Ooh LA LA“

Das Run-The-Jewels-Duo Killer Mike und EL-P präsentiert mit „Ooh LA LA“ die erste Video-Single aus ihrem kommenden Projekt „Run The Jewels 4“. Inhaltlich zeigen sich die beiden auf einer klassischen BoomBap-Produktion gewohnt humorvoll. Trotz dieser bekannten Umstände betreten Run The Jewels mit „Ooh LA LA“ aber auch Neuland.

So gibt es zum ersten Mal ein Sample in einem Run-The-Jewels-Track zu hören: Für die Hook wurde auf die Gang-Starr-Nummer „DWCYK“ (1992) zurückgegriffen, gesampelt wurde eine Zeile aus dem Part des darauf vertretenen Featuregastes Greg Nice. „I’m going to be very honest with you Zane, this is the first one we could afford“, so EL-P in einem Interview bei Zane Lowes Radio-Show „Beats 1“ über das Sample. Greg Nice ist daher auch als Feature angegeben. Ein weiteres Feature ist DJ Premier, der Scratches beisteuerte. EL-P, Wilder Zoby und Little Shalimar produzierten gemeinsam den Song.

Das dazugehörige Video wurde in der Prä-Corona-Zeit in New York von Brian und Vanessa Beletic gedreht. Die Visuals zeichnen die Vision einer geldlosen Gesellschaft: „This video is a fantasy of waking up on a day that there is no monetary system, no dividing line, no false construct to tell our fellow man that they are less or more than anyone else. Not that people are without but that the whole meaning of money has vanished“, schildern Killer Mike und EL-P den Hintergedanken zum Video in einer Presseaussendung.

Einen Cameo-Auftritt im Video hat Rage-Against-The-Machine-Frontmann Zack de la Rocha. Mit Rage Against The Machine hätten Run The Jewels dieses Jahr auch auf ausgedehnte Tour gehen sollen. Corona-bedingt mussten die 2020-Termine abgesagt werden. Die Tour wird 2021 nachgeholt.

„Ooh LA LA“ ist der zweite Vorab-Track aus „Run The Jewels 4“: Im März 2020 veröffentlichten Run The Jewels den Track „The Yankee And The Brave (ep.4)“. Für „Run The Jewels 4“ steht noch kein Releasedate fest. Ursprünglich sollte das Album im April, vor dem „Coachella“-Festival, erscheinen. Das Festival musste aufgrund der Corona-Pandemie jedoch auf Oktober verschoben werden. „Run The Jewels 4“, das in Rick Rubins Studio „Shangri-La“ in Los Angeles und in den New Yorker „Electric Lady Studios“ aufgenommen wurde, soll dennoch zeitnah erscheinen. Das Album wird auch diesmal als Gratis-Download angeboten.

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Fremd im eigenen Land // R.I.P. Manu Dibango (1933–2020)

Manu Dibango ist tot. Der Multi-Instrumentalist und Sänger ist am 24. März 2020 nach einer Coronavirus-Infektion in Paris gestorben. Er wurde 86 Jahre alt. Mit Dibango ging ein musikalischer Freigeist, der Pop-Geschichte schrieb – und trotzdem in seiner Heimat Kamerun nie den verdienten Respekt bekam. Ein Nachruf.

Quelle: London Records

Im dicken Geschichtsbuch des Pop befinden sich einige Sätze, die ein Eigenleben entwickelten und sich von ihren Urhebern abkapselten. „Mama-se, Mama-sa, Ma-Ma-ko-ssa“ gehört dazu. Michael Jackson verwendete 1982 den Satz für seinen Song „Wanna Be Startin‘ Somethin'“. Der „King of Pop“ macht das Mantra damit weltbekannt. Jahrzehnte später fragte die moderne Pop-Prinzessin Rihanna bei Michael Jackson an, als sie „Mama-se, Mama-sa, Ma-Ma-ko-ssa“ für „Don’t Stop the Music“ (2007) sampeln wollte.

Michael Jackson gab seine Zustimmung. Rücksprache mit Manu Dibango aka „Papa Groove“, Größe des African Soul & Jazz und Schöpfer des „Soul Makossa“, hielt er nicht. Das wäre angebracht gewesen, bediente sich Jackson doch einst bei Dibango. Mit Michael Jackson fochte Dibango einen juristischen Streit aus, die Einigung erfolgte außergerichtlich. Auch im Falle Rihannas wollte Manu Dibango vor Gericht ziehen, die Klage wurde jedoch abgewiesen. Der Fall „Ma-Ma-ko-ssa“ beschäftigte aber nicht nur die Gerichte, sondern auch die Wissenschaft: So beschreibt der amerikanische Literaturwissenschaftler John Trimbur in „Call to Write“ (2008) „Soul Makossa“ aufgrund dieser popkulturellen Mutationsgeschichte als Beispiel für den „Finance Capital Pop“. Ein Sample als Politikum.

Michael Jackson und Rihanna sind nicht die einzigen Künstler von Weltrang, die sich bei Manu Dibango bedienten. Gerade im HipHop hinterließ er seine Spuren: Dort, wo die funkig-jazzigen Rhythmen oder die „Ma-Ma-ko-ssa“-Beschwörungsformel des begnadeten Saxofonisten als Sample bei unter anderem A Tribe Called Quest, Kanye West, Jay-Z, Geto Boys, Slick Rick, The Fugees, DMX oder Childish Gambino zu hören sind. Manu Dibango war ein Visionär. Sein Schicksal war aber, immer im Schatten jener gestanden zu sein, die sich bei ihm bedienten.

Drei Kilogramm Kaffee

Geboren wurde Manu Dibango als Emmanuel N’Djoke Dibango 1933 in der kamerunischen Stadt Douala, damals noch Teil des französischen Kolonialreiches. Der Vater, ein Staatsbediensteter, war Angehöriger der Yabassi, die Mutter, eine Musiklehrerin und Designerin, Angehörige der Douala; eine familiäre Konstellation mit Konfliktpotenzial. In seiner Autobiografie „Trois kilos de café“ (1990), die er gemeinsam mit der französischen Journalistin Danielle Rouard verfasste, beschreibt sich Dibango daher als „divided man“, als „broken bridge between two worlds“; ein Sentiment, das später weit über das Familiäre hinausging und die generelle Gefühlslage eines Mannes zwischen Afrika und Europa benannte.

Musik spielte in Manu Dibangos Leben früh eine wichtige Rolle: Seine Mutter leitete den Chor in einer protestantischen Kirche, Manu Dibango durfte sich dort musikalisch betätigen. 1949 schickten die Eltern den 15-jährigen Manu Dibango zur Schulbildung nach Frankreich, ins verschlafene Dorf Saint-Calais (dort kam er mit drei Kilogramm Kaffee an, woher der Titel seiner Autobiografie rührt). Seine Eltern ermöglichten ihm die versprochenen Musikstunden, Dibango lernte vier Jahre lang das Spiel des klassischen Klaviers. Seine Liebe gehörte aber schnell dem Jazz. In Frankreich vertiefte er sich in den Werken Louis Armstrongs, Duke Ellingtons, Count Basies oder Sidney Bechets.

Durch Zufall kam er 1953 bei einem Urlaub zum Saxofon, das zu seinem präferierten Instrument wurde. Mit dem kamerunischen Poeten Francis Bebey gründete Dibango seine erste Jazzband. Nach erfolgreichen Runden in französischen Jazz-Klubs führten die Wege Dibangos nach Brüssel.

In Belgiens Hauptstadt arbeitete er als Bandleader im Nachtclub „Ange Noir“, musikalisch erweiterte er sein Repertoire um das Schlaginstrument Vibrafon. In Brüssel traf er nicht nur seine künftige Ehefrau Marie-Josee, sondern auch den späteren ersten Premierminister des unabhängigen Kongos, Patrice Lumumba, der für Unabhängigkeitsverhandlungen in Belgien weilte. In seinem Schlepptau hatte Lumumba die Band African Jazz rund um Bandleader Joseph Kabasele. Kabasele war angetan von den musikalischen Fähigkeiten Dibangos. Da African Jazz gerade einen Saxofonisten benötigten, lud Kabasele Dibango nach Léopoldville (heute Kinshasa) ein.

 „Soul Makossa

Joseph Kabasele war zu dieser Zeit federführend bei der Etablierung des Souskous, einer pulsierenden Mischung aus kongolesischer Folklore und kubanischen Rhythmen. Zudem war er einer der ersten afrikanischen Musiker mit einem eigenen Label. Ideale Bedingungen für die Zusammenarbeit zwischen Dibango und Kabasele, die sich als äußerst fruchtbar erwies: An über 100 Aufnahmen von African Jazz mischte Manu Dibango mit, unter anderem beim „Indépendence Cha Cha“, der Hymne zur Entkolonalisierung.

Nach zwei Jahren in Belgisch-Kongo, in denen Dibango zur Popularität des Souskous beitrug und mit „Tam Tam“ einen eigenen Nachtclub führte, nahm er eine neue Aufgabe in der Elfenbeinküste an. Mit dem Segen des ivorischen Präsidenten Felix Houphouët-Boigny ausgestattet, übernahm er die Leitung des „Ivorian National Broadcast Orchestra“. Anfang der 60er-Jahre kehrte Dibango nach Kamerun zurück. Eine wenig befriedigende Rückkehr: In seiner Autobiografie bescheinigt er dem Land zu dieser Zeit eine „harmful atmosphere“. „I really wanted to rejoin the society from which I had come. But I had lived in another society, with other rules. It’s hard to go back to your country after being away for so long“, sagte Dibango daher 1991 in einem Interview mit dem UNESCO-Magazin Courier.

Nach 16 Monaten verließ Dibango Kamerun wieder Richtung Frankreich. Trotz der Frustration über die Bedingungen in Kamerun riss die Verbindung zu seinem Heimatland nicht ab: 1972 beauftragte ihn das Sportministerium, die Hymne zur Fußball-Afrikameisterschaft in Kamerun zu schreiben. „Soul Makossa“, Douala für „Ich will tanzen“, sollte Dibangos größter Hit werden. Die Mischung aus dem Makossa der Douala, Jazz und Soul wurde zunächst als B-Seite zur „Hymne de la 8e Coupe d’Afrique des Nations“ veröffentlicht. Nach dem enttäuschenden Abschneiden des kamerunischen Fußballteams (ein Aus im Halbfinale gegen VR Kongo) verlor der Titel in Kamerun aber an Popularität. Das traurige Los von Songs, die mit Großveranstaltungen in Verbindung stehen.

Einen wesentlichen Anteil an dem internationalen Erfolg von „Soul Makossa“ hatte dann der amerikanische DJ David Mancuso. Dieser entdeckte die 7-Inch-Platte in einem westindischen Plattenladen in Brooklyn. Fasziniert von dem Song, legte er den „Soul Makossa“ im New Yorker Club „The Loft“ auf. Das Publikum im „Loft“ reagierte begeistert. Darunter auch Frankie Crocker vom Radiosender WBLS, der die Nummer wenig später auf „Heavy Rotation“ nahm. „Soul Makossa“ wurde so zu einem Hit, Mitglieder der Disco-Funk-Veteranen Kool & the Gang bezeichneten „Soul Makossa“ gar als Initialzündung für ihre Singles „Funky Stuff“ und „Jungle Boogie“ (1973).

Manu Dibango gelang es mit „Soul Makossa“ als ersten Afrikaner, in die Top 40 der amerikanischen Billboard-Charts einzusteigen (Platz 35). Bei den Grammy Awards 1973 wurde der Song in der Kategorie „Best Instrumental Composition“ nominiert. Dabei sind die Lyrics des Songs, die vom kamerunischen Poeten Samuel-Martin Eno Beling verfasst wurden, bis auf wenige englische Ausnahmen im Douala gehalten. Doch das „Mama-se, Mama-sa, Ma-Ma-ko-ssa“ ist universell verständlich. Der funky Song zielt zudem auf jene Körperregion ab, die Manu Dibango am wichtigsten bei seiner Musik war: auf die Füße, die er in Bewegung bringen wollte.

Ein Meister aller Klassen

Das schaffte er auch mit seinem 1972 veröffentlichten Solo-Album „O Boso“, das eine elektrisierende Mischung aus Afro-Folk („Lily“), Afro-Beat, Funk und Jazz-Fusion („Hibiscus“) aufbietet. „O Boso“ zeigt Dibangos Stilvielfalt, die sich wie ein roter Faden durch seine Diskografie zieht.

In den 70er-Jahren begann er mit dem Produzieren von Filmmusik, etwa für „Ceddo“ (1977) des großen senegalischen Regisseurs Ousmane Sembène. Diese Zusammenarbeiten verliefen nicht immer reibungsfrei, vor allem mit Sembène kollidierten die künstlerischen Visionen. Musikalisch entwickelte sich Dibango durch diese Erfahrungen weiter. Das beweist sein 1976 erschienenes Album „Afrovision“, das mit „Baobab Sun“ auch eine Vibrafon-Nummer enthält.

Ende der 70er Jahre richtete Dibango seinen Blick gen Jamaika. Für das Album „Gone Clear“ arbeitete er mit jamaikanischen Größen wie Robbie Shakespeare und Geoffrey Chung zusammen, der „Soul Makossa“ wurde zum „Reggae Makossa“. Veröffentlicht wurde das Album über Chris Blackwells prominentem Label Island Records.

In den 80er-Jahren schlug Dibango erneut neue stilistische Wege ein. Das 1985 erschienene Album „Electric Africa“ steht im Zeichen des von Dibango entworfenen Konzepts des „Afro-European“. Dieses beschreibt die Identität eines Menschen als Afrikaner und Europäer zur selben Zeit. „Electric Africa“ überrascht aber auch durch seinen futuristischen Sound. Dafür war maßgeblich der New Yorker Produzent Bill Laswell verantwortlich. Als Feature ist auf dem Album Meisterpianist Herbie Hancock vertreten, mit „Abele Dance“ gelang Dibango ein weiterer Chart-Hit. „Electric Africa“ war nicht die einzige Zusammenarbeit mit Laswell, der auch das nachfolgende, wieder traditioneller klingende Album „Afrijazzy“ (1986) produzierte.

Die 90er-Jahre begannen für Manu Dibango mit einer eigenen, wöchentlichen Primetime-Sendung im französischen Fernsehen („Salut Manu“ auf France 3) und dem HipHop-lastigen Album „Polysonik“ (1990). 1994 veröffentlichte er schließlich mit „Wakafrika“ eines seiner ambitioniertesten Projekte, aufgenommen in Paris, London, Los Angeles and New York. Gemeinsam mit renommierten Kollaborateuren wie Youssou N’Dour („Soul Makossa”), Salif Keita („Emma”), King Sunny Adé („Jingo”), Papa Wemba („Ami Oh!“) sowie Peter Gabriel und Sinéad O’Connor („Biko“) interpretierte Dibango afrikanische Klassiker neu.

Aufsehenerregend ist neben der Vielfalt an musikalischen Stilen, die auf „Wakafrika“ zusammenfinden, das Cover: Manu Dibango drehte für die Aufnahme seinen Körper auf eine Weise zur Kamera hin, mit der er die Umrisse des afrikanischen Kontinents abbildet. Für Madagaskar musste ein Schuh herhalten. Ein ikonisches Motiv.

Nach „Wakafrika“ veröffentliche Dibango unter anderem ein Album mit Gospel-Anleihen („Lamastabastani“, 1995) sowie mit „Cubafrica“ (1998) eine Melange aus afrikanischen und lateinamerikanischen Rhythmen. Bis zuletzt war der Musiker mit der charakteristischen Hornbrille und der Vorliebe für bunte Hemden aktiv. Bei Live-Auftritten begeisterte er auch im fortgeschrittenen Alter mit ungebremster Energie weltweit das Publikum. „When you are gone, it is finished, it is not up to me to say, ‚I want this.‘“, meinte Manu Dibango 2013 in einem Interview mit der BBC auf die Frage, wie er in Erinnerung bleiben wolle. Es war auch diese Art der Bescheidenheit, die den Menschen Manu Dibango stets auszeichnete.

Musikalische Diplomatie

In Erinnerung wird er nicht nur durch seine musikalischen Taten bleiben, sondern auch durch sein zivilgesellschaftliches Engagement. Schockiert von der Hungerkatastrophe in der Sahel-Zone in den 70er- und 80er-Jahren, setzte Manu Dibango eine Vielzahl von Hilfsaktionen in Gang, darunter den Song „Tam Tam Pour L’Ethiopie“. Bei der 1985 als afrikanische Antwort auf Bob Geldofs „Band Aid“ veröffentlichten und von Dibango produzierten Charity-Single beteiligten sich dutzende afrikanische Künstler. Die Einnahmen der Single brachte Dibango selbst in die äthiopischen Flüchtlingscamps, um sicherzugehen, dass diese auch tatsächlich vor Ort ankommen. 2004 zeichnete ihn die UNESCO als „Peace Artist of the Year“ aus, später war Dibango als Botschafter für UNICEF unterwegs.

Gerade in seinem Heimatland versuchte sich Dibango an einer Förderung junger Künstler, scheiterte aber immer wieder an dem Unwillen der politischen Eliten des Landes. Seine Musik blieb trotz dieser Frustration mit wenigen Ausnahmen wie „Ah! Freak Sans Fric“ (1979) oder „Pour une poignée de CFA“ (1982) frei von dezidiert politischen Tönen. Anders als etwa bei seinem nigerianischen Kompagnon Fela Kuti, was Manu Dibango auch Kritik in Kamerun einbrachte. Dabei wird oft übersehen, dass Dibangos Mission schlichtweg eine andere war: Er betrachtete seine Musik als Mittel zum Eskapismus vom harten Leben, von den Enttäuschungen in einem von Korruption, Armut und ethnischen Spannungen geplagten Land. So fröhlich und positiv sollte sie daher auch klingen.

Seinen Unmut über die Politiker in seinem Heimatland äußerte er aber in „Trois kilos de café“ sowie bei öffentlichen Auftritten: Etwa 1988, als er angesichts der Verleihung des Titel eines „Knight of Order and of Valour“ das kunstfeindliche Verhalten der Autoritäten Kameruns kritisierte. Die Enttäuschung darüber, dass er in Kamerun nicht den Respekt bekam, den er im Ausland verspürte, konnte er nie verbergen; noch mehr hat ihn aber geschmerzt, dass viele talentierte Künstler in Kamerun ihre Profession nicht ausleben konnten.

Sein schwieriges Verhältnis zur Politik hatte dabei eine größere Dimension und ist Ausdruck ethnischer Spannungen im zentralafrikanischen Land. Nachdem das amtierende Staatsoberhaupt Paul Biya 1982 Präsident wurde, förderte dieser die Musik seiner eigenen Ethnie, den Bikutsi der Beti. Das Gegenstück, der Makossa der Douala, wurde hingegen marginalisiert, was somit auch die Musik Dibangos betraf.

Selbst der Tod Manu Dibangos konnte das schwierige Verhältnis nicht kitten, Paul Biya äußerte sich auf Twitter nur mit einem Standard-Text zum Ableben des Musikers. Eine enttäuschend Reaktion, war Manu Dibango doch ein Musiker, der Kamerun einen Eintrag im dicken Buch des Pop bescherte. Doch zur Charakteristik seiner Person gehört ebenfalls dazu, dass er sich in seinem Heimatland immer fremd fühlte.

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Evidence in seiner natürlichen Umgebung: „Unlearning“ // Video

Ausschnitt aus dem Cover zu „Unlearning“ // (c) Rhymesayers

Der momentanen Corona-Krise entsprechend verlagerte Evidence den Dreh zu seiner neuen Video-Single „Unlearning“ in seine eigenen vier Wände. Dort legt er zwischen Platten, persönlichen Fotos und kleinen Rauchwölkchen auf gewohnt entspannte Weise seine Zeilen auf den Beat.

Inhaltlich gibt er in der Single Einblicke in seinen gegenwärtigen Geisteszustand. Dabei baut er auch Referenzen zum Track „Throw It All Away“ (2018) oder zu Brothers Alis 2019er-Album „Secrets & Escapes“ ein, das der Kalifornier komplett produzierte. Der Beat zu „Unlearning“ kommt von Graymatter, der unter anderem auch schon mit Conway zusammenarbeitete. Für die Video-Aufnahmen war Stephen Vanasco zuständig, der beispielsweise auch das Video zu Evidences DJ-Premier-Kollabo „10,000 Hours“ drehte.

Sein bis dato letztes Solo-Album veröffentlichte Evidence 2018 mit „Weather or Not“. Im Oktober 2019 veröffentlichte er mit „Burnt Tree“ eine neue Single mit The Alchemist als Step Brothers, im November 2019 folgte das Instrumental-Tape „Squirrel Tape Instrumentals Vol. 1“.

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International News

Baba Material: Haftbefehl mit „RADW“ // Video

Sechs Jahre nach seinem vierten Solo-Album „Russisch Roulette“, fünf Jahre nach dem Mixtape „Unzensiert“ und vier Jahre nach dem Kollabo-Album „Der Holland Job“ mit XATAR veröffentlicht Haftbefehl mit „DWA“ am 24. April 2020 einen neuen Longplayer. Die Abkürzung steht für „Das weiße Album“, womit der Offenbacher Assoziationen an die Beatles weckt: Schließlich ist das selbstbetitelte neunte Album (1968) der Liverpooler Band aufgrund des weißen Artworks auch als „The White Album“ bekannt. Ein Albumtitel als eindeutiger Beleg, dass es Haftbefehl nicht an Selbstvertrauen mangelt.

Für dieses Selbstvertrauen gibt es gute Gründe, hat das Azzlackz-Oberhaupt auch nach dem Rückzug ins Familiäre nichts verlernt. Das bewies bereits die erste Video-Single „Bolon“, die Anfang März veröffentlicht wurde. Zwei Wochen später folgt mit „RADW“ die nächste Auskoppelung, die erneut die Erwartungen erfüllt. „RADW“ steht für „Rücken an der Wand“ und wurde ein weiteres Mal von Bazzazian mit gewohnt mächtigen Drums produziert. Da Haftbefehl weiß, wie er mit solch einer Beat-Unterlage hantieren muss, ist das Ergebnis energiegeladener Skimasken-Rap, der auf diese Weise einzigartig in Deutschland ist.

Für das dazugehörige Video war das Berliner Kollektiv EASYdoesit zuständig. Im Intro sind Schwarz-Weiß-Porträts der Opfer des rassistisch motivierten Anschlags von Hanau vom 19. Februar 2020 zu sehen. Anschließend taucht das Video in unterkühlte Farben ab, Haftbefehl wird in einem Parkhaus und unter anderem beim Lenken eines Polizeiautos gezeigt. Außerdem bauten EASYdoesit eine Monitor-Referenz an Chris Cunninghams Video zu „Come to Daddy“ von Aphex Twin ein (1997).

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Das Röcheln des „Amadeus“ // Kommentar

Der deutsche Musikpreis „Echo“ ist seit zwei Jahren tot, das österreichische Pendant „Amadeus“ lebt. Noch, kämpft der Preis händeringend um Relevanz in einem veränderten Musikgeschäft. Völlig zu Recht, wie die HipHop-Nominierungen für den Preis 2020 zeigen.

3 Männer vor einer Graffitiwand
Keine „Amadeus“-Nominierung für Svaba Ortak // Foto: Daniel Shaked

Im Leben vermisst man oft etwas erst, wenn man es nicht mehr hat. Vielleicht hoffte der ein oder andere, dass es beim deutschen Musikpreis „Echo“ auch so sein wird. 2018 wurde dieser ins Nirvana geschickt, nachdem die Verantwortlichen in der Causa Farid Bang und Kollegah eine bemitleidenswerte Figur abgaben. Eine Vermisstenanzeige hat seither aber keiner gestellt, der „Echo“ ist einfach verschwunden. Ein deutlicheres Zeichen für Irrelevanz ist kaum vorstellbar.

In Österreich gibt es noch einen „großen“ Musik-Preis. Er nennt sich „Amadeus Austrian Music Awards“ und geht 2020 zum 20. Mal über die Bühne. Dabei hat er gegenüber dem „Echo“ theoretisch einen Vorteil: Verkaufszahlen sind nicht der einzige Faktor, der über eine Nominierung entscheidet. Eine Experten-Jury kommt ebenfalls zum Einsatz, quasi als Gegengewicht zu den teils irren Launen der Verkaufs-Charts. Unvorteilhaft nur, dass es irre Launen auch bei der Jury gibt. Das zeigt sich traditionell nirgends so gut wie in der Kategorie „HipHop/Urban”.

Obwohl HipHop längst zum Motor der Musikindustrie wurde, behandelt der „Amadeus“ diese Kategorie weiterhin stiefmütterlich, mit einem Hang zur Monokultur im Feld der Preis-Anwärter. Wenig überraschend ist RAF Camora auch 2020 ein Fixstarter und wird mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit den Preis gewinnen, da das Publikum mitvoten darf – mit Millionen Followern in den sozialen Medien wäre alles andere als ein weiterer RAF-Triumph eine Sensation. Neben RAF Camora wurde auch Dame ein weiteres Mal nominiert: Bei der hohen Chart-Platzierung für sein Album „Zeus“ (Platz 3 in Österreich) ist das ebenfalls keine große Überraschung, ausverkaufte Konzerte bekräftigen nur diese Entscheidung.

Sexismus gegen Rap

Weitaus kontroverser ist hingegen Yung Hurns erneute Nominierung. Die stößt angesichts des höchst fragwürdigen Frauenbildes, das der Donaustädter auf seinem letzten Album „Y“ zeigt, sogar regelrecht bitter auf. Fast scheint es so, als hätte die „Amadeus“-Jury die aufgekommene Sexismus-Debatte in der Deutschrap-Szene schlichtweg ignoriert. Ziemlich schwach für eine „Bubble“, die sich betont „woke“ zeigt.

Komplettiert wird das Feld mit den Neulingen KeKe und Hunney Pimp. Rein künstlerisch finden sich für beide einige Gründe, die eine Nominierung rechtfertigen. Hunney Pimp hat mit „Chicago Baby” ein beachtliches Album hinlegt, KeKe gilt mit ihrer EP und ihren Features auf dem letzten Trettmann– sowie Kummer-Release nicht nur in Österreich als Geheimtipp. In den Charts waren beide nicht vertreten, ihre kommerzielle Bedeutung ist bislang noch überschaubar.

Die Nominierung der beiden wäre trotzdem nachvollziehbar, wenn man im Gegenzug nicht Svaba Ortak ignoriert hätte. Svaba Ortak veröffentlichte im vergangenen Jahr mit „Eva & Adam” nicht nur eines der interessantesten Straßenrap-Alben im deutschsprachigen Raum, sondern landete mit Platz 4 auch weit vorne in den österreichischen Charts. Alles gute Gründe, um seine Leistungen mit einer Nominierung zu würdigen. Aber anscheinend hat Straßenrap beim „Amadeus“ weiterhin einen schweren Stand, kommerzielle Relevanz hin oder her.

Auch abseits der „HipHop/Urban“-Kategorie glänzen die Nominierungen des „Amadeus“ durch Vorhersehbarkeit. Verwunderlich, da das österreichische Musikgeschäft in den vergangenen Monaten kein Ruhepol war und durch Vielfalt glänzte. Nicht nur musikalisch: Einen Kid Pex hätte man beispielsweise mit einem „Special Award“ für sein soziales Engagement auszeichnen können. Schließlich hat er bewiesen, dass man als österreichischer Musiker gesellschaftspolitisch etwas bewirken kann. Aber hier zeigte sich der „Amadeus“ blind. Andreas Gabalier nicht zu nominieren muss als politisches Statement reichen, so lautete wohl der Gedankengang.

Daher wird von der 20. Ausgabe wohl wieder nur die Afterparty in Erinnerung bleiben. Die spielt beim „Amadeus“ die heimliche Hauptrolle. Einen besseren Indikator dafür, dass man sich das Spektakel getrost sparen kann, gibt es eigentlich nicht.

Die „Amadeus Austrian Music Awards“ werden am 23. April 2020 verliehen.

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Rap Reviews

Der Lou Reed der Generation Z: Mac Miller mit „Circles“ // Review

(Warner Records/VÖ: 17.01.2019/Fotoquelle: Label)

Leider erlebte der Rock-Poet Lou Reed seine Aufnahme in die prestigeträchtige „Rock’n’Roll Hall of Fame“ nicht mehr mit. 2015 wurde ihm diese Ehre als Solo-Künstler zuteil, knapp 20 Jahre, nachdem ihm das mit seiner Band The Velvet Underground gelang. Wie 1996 hielt 2015 die Punk-Ikone und Reeds Vertraute Patti Smith eine Einführungsrede. Diese stand ganz im Zeichen der menschlichen und künstlerischen Fähigkeiten Reeds, die Smith auf bewegende Weise benannte. So hob sie Reeds großes Talent hervor, Schmerz und Schönheit gleichermaßen verstanden zu haben. Zudem sei er ein Poet gewesen, dem es gelang, seine Poesie in der direktesten und rührendsten Form auszudrücken. Es sind diese Charakterisierungen, die frappant an jemanden erinnern, den man vor wenigen Jahren noch ganz, ganz weit von einer Größe der Marke Lou Reed entfernt verortete: an Mac Miller.

Unter tragischen Umständen verstarb Mac Miller viel zu früh im Jahr 2018. Lediglich 26 Jahre wurde der Rapper aus Pittsburgh alt. Neben der menschlichen Tragödie ein außerordentlicher musikalischer Verlust, konnte sich Mac Miller innerhalb von zehn Jahren vom belanglosen Weed-und-Sneaker-Rapper zu einem der spannendsten Künstler im HipHop-Bereich entwickeln – zu jemandem, der sich musikalisch mit Soul, Folk und Jazz auseinandersetzte und in den letzten Jahren seiner Karriere keine Scheu hatte, über tabuisierte Themen zu rappen.

Den Höhepunkt seines musikalischen Schaffens veröffentlichte Mac Miller wenige Wochen vor seinem Tod mit seinem fünften Album „Swimming“. „Swimming“ besticht durch ungeschminkte Einsichten in die seelischen Wirbelstürme, die Mac Millers Leben so erschwerten. Keine leichte Kost. Doch gleichzeitig verfügt „Swimming“ über schöne Seiten, Zerstörung und Neugeburt gehen auf dem Album Hand in Hand, Mac Miller deckt beide Pole ab. Wie auf „Swimming“ kann nur einer texten, der Schönheit und Schmerz gleichermaßen versteht.

Trotz aller Qualitäten fühlt sich „Swimming“ als Schlussstrich unter der Karriere Mac Millers nicht richtig an. Ein „wirklicher“ Abschluss fehlte seiner Diskografie noch. Diese Lücke soll das erste posthume Album „Circles“ schließen. An dem „Swimming“-Epilog arbeitete Mac Miller gemeinsam mit Superproduzenten Jon Brion, der sich schon Kalibern wie Frank Ocean, Kanye West oder Fiona Apple annahm. Gemeinsam konnten sie das Werk nicht mehr abschließen. Dieser Part kam dann Brion zu.

Eine durchaus herausfordernde Aufgabe, sind posthume Alben schwierige Veröffentlichungen. Auch „Circles“ kann sich nicht davor verwahren, unter dem Eindruck des frühen Todes Mac Millers zu stehen. Die dunklen Texte schlagen so noch brutaler auf, emotionalisieren noch stärker als ohnehin schon.

Ein ständig wiederkehrendes Motiv in den Lyrics des Albums sind Depressionen, wenngleich die musikalische Umsetzung anderes vermuten lässt. „Circles“ besteht aus träumerischen, luftigen Sound-Collagen, die nur dünne, ausgefranste Fäden zum HipHop-Sound, dafür einige Stränge Richtung Folk, Indie und Jazz aufweisen. Gesang hat auf „Circles“ eindeutig den Vorrang gegenüber Rap: Mit „Hands“ befindet sich gar nur ein einziger klassischer Rap-Track auf dem Album, der mit einem gepitchten Vocal-Snippet an Millers „Faces“-Zeit (2014) erinnert. Zu großen Teilen spielten Mac Miller und Jon Brion die Songs mit Live-Instrumenten selbst ein. Wo nötig, holten sie sich namhafte instrumentelle Verstärkung, unter anderem von der Bassistin und Prince-Kollaborateurin Wendy Ann Melvoin oder vom Ex-Pearl-Jam-Drummer Matt Chamberlain.

Es spricht für Brion und Miller, dass musikalisch und textlich vieles auf „Circles“ an die Großwerke Lou Reeds erinnert. Der Titeltrack mit zitterndem Vibrafon, sanften Cymbals und träumerischer Akustik-Gitarre weckt etwa Reminiszenzen an Reeds „Walk on the Wild Side“ (1972). Inhaltlich geht der Song in die Richtung von Reeds „Vicious Circle“ (1976): Statt „You’re caught in a vicious circle/And it looks like it will just never end“ heißt es bei Miller „I just end up right at the start of the line/Drawin‘ circles“. Es ist aber dieselbe Form der Melancholie, die Reed wie Miller mit ihren Texten erzeugen.

Diese Melancholie prägt auch den bittersüßen 80ies-Beziehungssong „I Can See“, der stark an „Sunday Morning“ (1967) von The Velvet Underground erinnert. Beide Songs fangen schließlich der Moment des Abschiednehmens nachfühlbar ein. Eine Zeile wie „Life is a fantasy until you wake up in shock“ ist zudem Millers Beleg, dass er wie Reed seine Poesie auf direktem und rührendem Weg ausdrücken konnte.

Auch das unter Mithilfe des deutschen Produzenten-Duos David x Eli entstandene Herzschmerz-Drama „Woods“ kann in dieser Disziplin überzeugen. Hier schwebt Lou Reeds großer Geist ein weiteres Mal über eine „Circles“-Komposition: Für „Woods“ gibt „Pale Blue Eyes“ (1969) den seelenverwandten Song, auf Reeds „Thought of you as everything/I’ve had, but couldn’t keep“ antwortet Miller mit „It’s been my fault, I keep it safe, it’s in the vault/Blindfolded, keep it going ‘til we hit a wall“.

Für die emotionale Tiefe sorgt nicht zuletzt Mac Millers kratziges Organ. In der Vergangenheit kam er bei Gesangspart immer wieder ins Schleudern, hohe Register gestalteten sich oft problematisch. Auf „Circles“ klingt seine Stimme jedoch viel reifer und vielseitiger. Trotzdem hört man, dass Mac Miller kein gelernter Sänger ist. Doch auch das verbindet ihn mit Lou Reed. Legendenstatus hin oder her, aber Reeds Stimme war weit von der Perfektion entfernt. „Sweet Jane“ (1970) ist dafür das beste Beispiel. Doch nur Lou Reeds Stimme gab seinen Texten ihre besondere Wirkung. Das gilt auch für Mac Miller.

Ein Track wie „Hand Me Downs“ kann sich daher nur entfalten, wenn Mac Miller mit seiner kummervollen Stimme über das melancholische Spätsommer-Instrumental singt. Oder auf „Good News“ nach positiven Nachrichten fleht. Es ist seine Stimme, die dafür sorgt, dass das soulige „Complicated“ mit der zentralen Zeile „Some people say they want to live forever“ oder das von Brion in Gemeinschaftsarbeit mit Guy Lawrence vom britischen EDM-Duo Disclosure produzierte „Blue World“ so ergreifend klingt. Dabei geht Mac Miller mit einer außerordentlichen Leichtigkeit an die Instrumentals heran, egal, ob es sich um Gitarren-Riffs, Synthie-Sounds oder einem geflippten Sample des The-Four-Freshmen-Tracks „It’s a Blue World“ (1950), das in „Blue World“ zum Einsatz kommt, handelt. Diese Vielseitigkeit als Musiker zeichnet Mac Miller auf „Circles“ aus.

Doch „Circles“ beschwört nicht nur den Geist Lou Reeds hervor. Auch jener der Beatles zeigt sich auf dem Album. „Everybody“, eine nachdenkliche Interpretation der beschwingten Arthur-Lee-Nummer „Everybody’s Gotta Live“ (1972), klingt so, als hätte sich Paul McCartney den Song einverleibt und seinen Kollegen Ringo Starr für die Drums verpflichtet. Ein anderer Beatles-Moment ist „Surf“, das aus der Feder eines John Lennon hätte stammen können. Oder eines Jack Johnson: Der versteht es schließlich ebenfalls, sich auf sonnenbeladenen Feel-Good-Instrumentals der Introspektion hinzugeben. Mac Miller fällt hier im Vergleich kaum ab.

Für den Abschluss darf es wieder Lou Reed sein. „Once a Day“ endet nämlich ähnlich fulminant, wie es 1973 Lou Reed mit „Sad Song“ auf „Berlin“ vollbrachte. Doch wie das Leben von Mac Miller endet „Once a Day“ abrupt, ohne Abspann. Das schmerzt. Ein passenderes Ende hätte Brion aber nicht wählen können, um zu verdeutlichen: Hier ist einer gegangen, der noch viel zu sagen gehabt hätte.

Fazit: Nicht nur aufgrund der posthumen Veröffentlichung hat „Circles“ eine Sonderstellung in Mac Millers Diskografie. Auf seinem sechsten Album unterstreicht er seinen künstlerischen Entwicklungsprozess, der noch lange nicht abgeschlossen war. Das ausgezeichnet mit Live-Instrumenten arrangierte „Circles“ bewegt sich oft vom Rap weg. Das Album ist damit ein Vorausblick, wohin sich Mac Miller zukünftig orientiert hätte. Schon „Circles“ unterstreicht, dass aus ihm ein kluger Songwriter geworden ist. Ein vielschichtiger Musiker, der wie kaum jemand anderer seiner Generation die beiden Pole Schmerz und Schönheit verstanden hat. Mac Miller war einfach der Lou Reed der Generation Z. Das beweist „Circles“.

4 von 5 Ananas
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International News

Rapsody rappt für Empathie und Respekt: „Afeni“ // Video

Am 10. Januar hätte Afeni Shakur ihren 73. Geburtstag gefeiert. Zu Ehren der 2016 gestorbenen Aktivistin und Mutter von Raplegende Tupac Shakur veröffentlichte Rapsody ihr Video zum Track „Afeni“. Der entstammt ihrem 2019 erschienenen Konzept-Album „Eve“, auf dem jeder Song einer weiblichen PoC-Persönlichkeit gewidmet ist: Neben Afeni Shakur befinden sich unter anderem Songs für Nina Simone, Michelle Obama, Oprah Winfrey oder Ibtihaj Muhammad auf der Tracklist der Platte.

Inhaltlich adressiert Rapsody in „Afeni“ die Männerwelt. Mit „It’s my version of talking to the men“ beschrieb die Rapperin aus North Carolina gegenüber NPR den Track. Dabei geht sie auf gewohnte intelligente Weise vor: Mit einfühlsamen Zeilen setzt sich Rapsody für ein gegenseitiges Verständnis ein und wirbt für Respekt und Empathie. Die Hook mit einem Sample aus einer A-capella-Version des Tupac-Shakur-Songs „Keep Ya Head up“ (1993) unterstreicht ihre Botschaft.

Produziert wurde „Afeni“ von Rapsodys Mentor 9th Wonder, der dafür die Soul-Nummer „Free“ (1977) von Deniece Williams sampelte. Als Feature tritt Sänger PJ Morton in Erscheinung, der für Gospel-Anleihen sorgt.

Visuell setzte Regisseur Cam Be den Song mit einem Video voller Beziehungsszenen um. „Afeni“ ist nicht seine erste Arbeit für Rapsody, war er bereits 2018 für ihre Kurzdokumentation „Where Flowers Bloom“ (2018) verantwortlich. In der Hauptrolle des Videos ist Schauspielerin Alyssa Rayomie Tibbs zu sehen. Für Tibbs war der Jahresanfang 2020 auch abseits des Videos aufregend: Am 15. Januar feierte jene Episode aus der 15. und letzten Staffel der CBS-Crime-Serie „Criminal Minds“ Premiere, in der sie eine Gastrolle übernahm.

Ende Januar performte Rapsody „Afeni“ auch live bei „The Tonight Show Starring Jimmy Fallon“ – inklusive Shoutouts an Afeni Shakur, Nipsey Hu$$le und Kobe Bryant.

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International News

Von wegen Zeiten ändern dich: Haze mit „Ich bin Hase“ // Video

Rapper Haze beim Rauchen
Foto: Lena Bischoffshausen

Aus zwei Gründen blieb Hazes zweites, 2018 veröffentlichtes Solo-Album „Die Zwielicht LP“ in Erinnerung: Einerseits setzte der Karlsruher Rapper mit charismatischen Ticker-Einsichten auf atmosphärischen BoomBap-Beats ein großes musikalisches Ausrufezeichen, andererseits hält er seit diesem Album aber auch die Krone für den absurdesten Inhalt, der jemals in einer Deluxe-Box landete – höchstens Katja Krasavices getragene Höschen können mit dem Fake-Urin, den Haze in seine Box packte, mithalten. Wenngleich es wohl kaum beabsichtigt war: Das Urin-Tütchen steht exemplarisch für den unsäglichen Boxenwahnsinn, der um 2018 wütete und dessen Ausläufer noch ins Jahr 2020 hineinragen.

Kommerziell war „Die Zwielicht LP“ ein verdienter Erfolg, Platz drei in den deutschen Albumcharts kann sich durchaus sehen lassen. Danach ging Haze ein wenig auf Tauchstation, für 2019 stehen lediglich Featureparts für Afrob (Stein auf Stein ) und Ulysse („Labyrinth“) in seiner Diskografie. Der Rückzug hatte aber einen gewichtigen Grund, arbeitete Haze an seinem nächsten Album.

Dieses erscheint am 13. März 2020 und trägt den Titel „Brot & Spiele“. Mit „Ich bin Hase“ servierte Haze bereits die erste Video-Single. Die mit einem düsterer BoomBap-Beat von Dannemann, Cuts mit Nostalgie-Faktor und Hazes aggressive Zeilen über den Kleinkriminellen-Alltag alle Erwartungen erfüllt. Das Video in typischer Hood-Ästhetik stammt von IMUN. Auf „Brot & Spiele“ steuerten unter anderem die Snowgoons und Cashmo Produktionen bei, wie Haze auf Facebook bekannt gab. Ob der Fake-Urin auch ein Comeback feiert, ist momentan noch nicht bekannt.

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Rap Reviews

Trollige Klassik: Danny Brown mit „uknowhatimsayin¿“ // Review

Cover zu "uknowwhatimsayin" von Danny Brown
(Warp Records/VÖ: 04.10.2019/Fotoquelle: Label)

Knapp vor seinem 40. Lebensjahr stehen die Zeichen bei Danny Brown auf Veränderung. Musikalisch, weil er sein neues Album „uknowhatimsayin¿“ als seine Version eines „Stand-up-Comedy“-Albums ankündigte. Für dieses Unterfangen engagierte er den A-Tribe-Called-Quest-Mastermind Q-Tip als Executive Producer. Eine Beteiligung, die einen Abgesang von der beklemmenden und an Bedrohlichkeit kaum zu übertreffenden Ästhetik des Vorgänger-Albums „Atrocity Exhibition“ (2016) verspricht: Coole Laid-Back-Tribe-Vibes sollten die für gewöhnlich so dunkle Welt des Danny Brown deutlich erhellen.

Der musikalische Kurswechsel des frisch gebackenen TV-Show-Hosts („Danny’s House“ läuft seit 2019 auf VICELAND) geht aber auch mit einer äußerlichen Metamorphose einher. In den drei Jahren des musikalischen Rückzugs ließ er mit dem abgebrochenen Frontzahn das bekannteste Feature seines einst so unorthodoxen Rapper-Erscheinungsbildes richten. Auch das andere, die Rockstar-Mähne, gehört mittlerweile der Vergangenheit an. Dem Äußerlichen nach zu urteilen, will Danny Brown nicht mehr länger wie ein Rockstar sterben, sondern ein wenig den spießigen Vorstadt-Dad mimen.

Seine Leidenschaft für kleine Späßchen hat er sich aber beibehalten. Denn „uknowhatimsayin¿“ hat in der Praxis nur wenige Berührungspunkte mit einem „Stand-up-Comedy“-Album, wie er im Interview beim YouTube-Format RapRadar verschmitzt zugab. Eigentlich falle nur die erste, von wilden Sex-Eskapaden handelnde Video-Auskoppelung „Dirty Laundry“ in dieses Schema. Er hätte mit der Ankündigung schlichtweg ein wenig getrollt.

„uknowhatimsayin¿“ ist dennoch ein kleiner Bruch in der Diskografie des Detroiters. Schließlich werden traditionelle Rap-Konventionen aufgegriffen, von denen er sich in den vergangenen Jahren mit EDM-Hymnen und Industrial-Rap zu großen Teilen verabschiedete. Stilistisch erinnert „uknowhatimsayin¿“ stellenweise an den 2010 im zarten Alter von 29 Jahren veröffentlichten Erstling „The Hybrid“. Auf dem prägt Quelle Chris mit knackigen BoomBap-Beats den Sound. Diese Richtung schlägt Danny Brown fast 10 Jahre später wieder ein, zieht den BoomBap-Faden aber auf „uknowhatimsayin¿“ weitaus konsequenter durch.

Das ist auch ein Verdienst des Executive Producers Q-Tip, der selbst drei Beats auf dem Album beisteuerte. Dabei handelt es sich um Premium-Rohstoff, den Danny Brown zu exzellenten Waren weiterverarbeitete. „Combat“ mit einem markanten Horn-Loop begibt sich am deutlichsten in A-Tribe-Called-Quest-Sphären und ist für Danny Brown eine perfekte Gelegenheit, um auf den eigenen Karriereweg zurückzublicken. „Came a long way from that dope house“, lautet dementsprechend eine Hookline des Songs. Die Suche nach der Quintessenz von „uknowhatimsayin¿“ endet daher bei „Combat“, das ursprünglich als erste Single angedacht war. Wäre sicherlich keine schlechte Wahl gewesen.

Die Wahl fiel stattdessen auf das ebenfalls von Q-Tip produzierte „Dirty Laundry“, ausgestattet mit einem psychedelischen Loop aus „Aurora Spinray“ (1971), einem Track der kanadischen Electro-Band Syrinx. Diese Notnagel-Version von „Dirty Laundry“ (das Sample der ersten Version konnte nicht geklärt werden) ist vollgepackt mit humoristischen und ausgeklügelten Referenzen an Schmutzwäsche und Sauberkeit, transportiert zudem aber eine Lockerheit, die die generelle Haltung Danny Browns auf dem Album kennzeichnet. Dafür steht auch „Best Life“ exemplarisch, das thematisch in eine ähnliche Richtung wie „Combat“ geht: Über einem dominanten Sample aus Tommy McGees Soul-Nummer „Make You Happy“ (1976) bilanziert Danny Brown zufrieden über sein Leben. Töne, die nach „Atrocity Exhibition“ nicht wirklich zu erwarten waren.

Paul White, Dirigent von „Atrocity Exhibition“, ist mit drei Solo-Produktionen und einer Gemeinschaftsproduktion mit der Experimental-Jazz-Gruppe Standing on the Corner auch auf „uknowhatimsayin¿“ vertreten. Produktionen, mit denen er seine Vielseitigkeit ein weiteres Mal beweisen kann: So spielte er für „Change up“ mit Ambient-Elementen und animierte Danny Brown zu einer Betrachtung seines Geisteszustandes – das resultiert in der 2019er-Version von „Grown up“. Der Titeltrack ist hingegen jazzig-warm, während „Shine“ und „Belly of the Beast“ sich in düstere Regionen bewegen und auch auf „Atrocity Exhibition“ gepasst hätten. Das gilt ebenfalls für Featuregast Obongjayar, der „uknowhatimsayin¿“ und „Belly of the Beast“ mit seiner Reibeisenstimme eine fast schon spirituelle Note verleiht.

Der nigerianisch-britische Sänger ist nicht einzige auffällige Featuregast. Für „3 Tearz“ holte sich Danny Brown Verstärkung vom Run-the-Jewels-Duo Killer Mike und EL-P. Die revanchierten sich somit für Danny Browns Featurepart zu „Hey Kids (Bumaye)“ auf dem letzten „Run the Jewels“-Album (2016). Über einem JPEGMAFIA-Beat findet das Trio Infernal zu einer Leistungsschau zusammen; wobei Killer Mike es nicht lassen kann, mit seinem politischen Part seinen Kollegen ein wenig die Show zu stehlen. Das ist nur konsequent, wenn man seinen Part mit den Fragen „I don’t give a fuck ’bout Trump, who got dump?/Who protesting collections at their garbage dump?“ beginnt.

JPEGMAFIA tritt auf dem Album noch ein weiteres Mal in Erscheinung. Im von Flying Lotus produzierten und mit wilder Bassline von Meister Thundercat ausgestatteten „Negro Spiritual“ assistiert er dem Detroiter bei der Hook und klingt dabei ein wenig wie Pharrell Williams. Ein weiterer hochkarätiger Feature-Gast ist Blood Orange: Der britische Sänger zeigt sich mit seiner Hook auf dem Track „Shine“ gewohnt virtuos und sorgt für den melodramatischen Höhepunkt des Songs.

Aber ganz unabhängig davon, ob Danny Brown alleine oder mit Gästen sich den Beats annimmt: Auf „uknowhatimsayin¿“ zeigt er sich oft nachdenklich, aber nie traurig oder gar verloren. Dafür sorgt auch sein schräger Humor, der sich durch das Album zieht und sogar dann auftritt, wenn er auf Zeiten blickt, in denen er vom „Best Life“ noch weit entfernt war. Ganz gewohnt erstaunt Danny Brown mit WTF-Zeilen wie „I ignore a whore like an email from LinkedIn“ aus „Savage Nomad“ oder dem gesamten aberwitzigen ersten Part von „Belly of the Beast“ (den er allerdings schon bei einem Tim-Westwood-Freestyle 2013 rappte). Derb? Ja. Unterhaltsam? Ebenfalls.

Will man bei diesem Album unbedingt etwas bemängeln, dann, dass „uknowhatimsayin¿“ zwar alle Kriterien eines guten Rapalbums erfüllt, gleichzeitig aber nicht jene Pionierlust enthält, die große Teile der Diskografie Danny Browns kennzeichnet. Das Ausloten von HipHop-Grenzen findet auf „uknowhatimsayin¿“ kaum statt. Schade, da die Ankündigung anderes vermuten ließ. Das ist aber ein ebenso verschmerzbarer Kritikpunkt wie das Fehlen einer Klammer, die aus den elf Tracks ein zusammenhängendes Album macht. Das versprochene „Stand-up-Comedy“-Album ist „uknowhatimsayin¿“ nun einmal nicht. Aber „uknowhatimsayin¿“ ist das unverkopfte und lockere Album, das man sich nach „Atrocity Exhibition“ nur wünschen konnte.

Fazit: Danny Brown gibt sich auf seinem fünften Solo-Album musikalisch ganz ungezwungen, inhaltlich verbindet er Selbstreflexion mit dem gewohnten Brachialhumor. „uknowhatimsayin¿“ ist ein lockeres, kurzes Album mit überwiegend klassischen Produktionen, starken Featuregästen und den ungebrochen unwiderstehlichen Rapfertigkeiten Danny Browns im Zentrum. Das Rad hat Danny Brown damit nicht neu erfunden, aber den idealen Nachfolger für den schwer verdaulichen Seelen-Striptease „Atrocity Exhibition“ geschaffen.

4 von 5 Ananas
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International News

Vier Fäuste für ein Halleluja: Loredana x Juju mit „Kein Wort“ // Video

Rapperin Juju auf der Bühne
Juju hat ein bewegtes 2019 hinter sich. Foto: Alexander Gotter

Für Loredana und Juju war 2019 ein aufregendes Jahr. Beide feierten kommerzielle Erfolge – und beide sorgten auch abseits der Musik für größere und kleinere Schlagzeilen. Die größeren lieferte ohne Zweifel Loredana. Gegen die Rapperin aus dem schweizerischen Luzern wurden im Mai Vorwürfe laut, sie habe gemeinsam mit einem älteren Bruder ein Ehepaar aus dem Kanton Wallis um 700.000 Franken (etwa 652.000 Euro) betrogen. Daraufhin wies Loredana auf einer Pressekonferenz alle Vorwürfe zurück. Das Geld sei ihr freiwillig gegeben worden, so die Rapperin. Gegenwärtig läuft jedoch noch ein Verfahren. „Also wenn der Staatsanwalt nett ist, dann beendet er das irgendwann im März“, meinte Loredana bei SRF Virus im November. Für Loredana gilt die Unschuldsvermutung.

Doch damit nicht genug der Aufregung: Im Oktober trennte sich Loredana von ihrem rappenden Ehemann Mozzik. Für weiteren Gossip war gesorgt. Zuvor veröffentlichte Loredana noch ihr Soloalbum „King Lori“. Das aus künstlerischer Sicht enttäuscht: Über ihren exzessiven Autotune-Gebrauch kann man noch hinwegsehen, die enorme Inhaltsleere und die überbordende Luxus-Marken-Geilheit macht aber sogar bei einem so kurzen Album wie „King Lori“ (Spielzeit von 33 Minuten) schläfrig.

Was kommerziellen Erfolg angeht, spielt die Luzernerin mit „King Lori“ allerdings vorne mit. Die Klickzahlen ihrer Videos (bis zu 63 Millionen auf YouTube) sind beeindruckend, und schlecht hat sich ihr Debüt in der DACH-Region nicht verkauft. Die Betrugs-Vorwürfe haben ihr augenscheinlich nicht geschadet. Das beweisen auch ihre Festival-Gigs im kommenden Sommer, etwa beim „Splash!“.

Mit Vorwürfen dieser Art musste sich Juju nicht herumschlagen. Herumschlagen musste sie sich aber mit Fler. Der Berliner Rapper missbrauchte eines ihrer Fotos für seinen Social-Media-Rosenkrieg mit Bushido und teilte unter anderem auf Instagram gegen ihre Person aus, Juju konterte auf Twitter. Abseits dieser kleinen, szenetypischen Auseinandersetzung galt Jujus voller Fokus der Musik. Im Juni veröffentlichte die ehemalige SXTN-Hälfte ihr Solo-Debüt „Bling Bling“, auf dem sie durchaus ihr Potenzial zeigen kann, jedoch die für ein rundes Album notwendige Konstanz vermissen lässt. Kommerziell wird sie das vergangene Jahr in bester Erinnerung haben: Mit ihrer „Verdammt ich lieb dich“-Version „Vermissen“, eine Kollabo mit Henning May, landete sie schließlich einen großen Hit und durfte sich im September zum ersten Mal über eine Platinauszeichnung in Deutschland freuen. Im November sicherte sie sich für den 2018er-Song „Melodien“ mit Capital Bra ein weiteres Mal Platin.

2020 bündeln Loredana und Juju zum ersten Mal ihre Kräfte. „Kein Wort“ ist der Titel ihrer ersten Gemeinschaftsarbeit. Über eine poppige, Playlisten-freundliche Produktion von Miksu (ehemals Joshimixu) und Macloud rechnen die beiden mit ihren ehemaligen Partnern ab. Ob das alles nur fiktiv ist, darüber wird zumindest im Falle Loredanas in den Kommentarspalten heftig spekuliert.

Ihre Parts eröffnen beide jeweils mit einer Referenz an einen Hit des Gegenübers: Loredana spielt auf „Vermissen“ an („Wie kann man jemanden so krass hassen wie ich dich“), Juju auf „Eiskalt“ („Yeah, sei dir sicher, ich bleib‘ eiskalt“). Die Hook hat durchaus Ohrwurm-Charakter, ansonsten bietet dieses Gipfeltreffen der Chartstürmerinnen wenig Erinnerungswertes – von den Parts bleibt einzig Loredanas gewitzte „Mach nicht auf cool, wir beide kenn’n den Chatverlauf, Baby“-Line im Gedächtnis. Das Video zum Song stammt von FATI.tv, die schon für „One Night Stand“ von Capital Bra oder „Was du Liebe nennst“ von Bausa verantwortlich waren.