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Zwischen Cypher und Akustikkonzert // Fatoni live

Es grüßt aus dem heimischen Bett: Euer Juse Ju.“ Schon vor Veranstaltungsbeginn ist klar: Support Act Juse Ju lässt Fatoni krankheitsbedingt an diesem Abend die Gravitationswellen alleine erforschen. Ebow, Münchner Rapperin mit Wohnsitz Wien, springt spontan ein, nimmt Soulcat E-Phife als DJ mit und poltert gegen Luxusprobleme und Oriental Dollar. Alles ein wenig holprig und nicht ganz im Takt – das Publikum, darunter viele heimische Rapper, applaudiert dennoch.

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Mit schwarzem Hut und einer Boombox betritt Fatoni die Bühne, begleitet wird er von seinem DJ V.Raeter. „Ich hab ein Tape gemacht„, sagt Fatoni grinsend und zeigt auf den Radiorekorder. Die Moderatorinnenstimme, die durch den Abend geleitet, kündigt den Maestro, die Stimme einer ganzen Generation, den Sohn einer räudigen Bergziege an. Oh, da steckt schon so viel drinnen, was Fatoni ausmacht: einen vom Humor getriebenen Entertainer, der aufgrund seiner langjährigen Bühnenerfahrung ein Meister seines Genres ist. Unterstrichen wird das mit der ersten Nummer, „Benjamin Button„, auf der Fatoni seinen bisherigen Karriereverlauf retrospektiv betrachtet und mit dem titelgebenden Protagonist der Fitzgerald-Kurzgeschichte beziehungsweise der wahrscheinlich bekannteren Verfilmung von David Fincher vergleicht. Eine treffende Analyse, auch was die Liveperformance betrifft – wenngleich Fatonis Qualitäten schon zu Creme-Fresh-Zeiten nicht zu verleugnen waren. Die langjährige Bühnenerfahrung merkt man dem gelernten Schauspieler an. Authenti… entschuldige: „Authitenzität“ ist das Stichwort. Neben den wuchtigen Beats von Dexter brilliert Fatonis Freestyle-Talent. Freestylen, das sei etwas Antiquiertes aus den 90ern, mit dem sich Rapper vor YouTube und Fitnessprogrammen beschäftigt haben. Zu vom Publikum in die Höhe gestreckten Gegenständen fällt dem Münchner einfach immer was ein, er verpackt die Reime in humorvolle Geschichten und denkt dabei auch sogar noch an seinen Tonmann. Ein Raunen geht durchs Publikum, als am Ende in einem klassischen Call-and-Response einige Gäste dem „Heil H….“-Sager folgen. Fraglich bleibt, was man davon im Zuge der neulichen Wahlergebnisse halten soll. Darauf geht Fatoni nach dem NMZS–Cut auf „Semmelweisreflex“ nochmal ein und leitet so das politische „Tränen oder Pisse“ ein – aus der Spielzeugwaffe sprüht Konfettiregen. „Entweder ihr hört gar nicht zu oder ganz genau – Politik ist ein schwieriges Thema„, kündigt Fatoni noch vor dem Track an.

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Oida, macht’s amal an Kreis! Ich bin Bayer, ich darf oida sagen!“ Fatoni fordert einen Cypher-Kreis, um einige Parts aus Kollabos mit Edgar Wasser zu performen – die perfekte Kulisse für die bretternden, treibenden Beats und Beweis seiner langjährigen HipHop-Sozialisation. Auf den ersten Blick konträr dazu greift er sich danach die Gitarre, um darauf „herumzuschrammeln“. Entgegen der Publikumswünsche performt Fatoni allerdings weder „Wonderwall“ noch „Lemon Tree“, sondern ein Konglomerat verschiedener Parts in Akustikversion. Lassen Sie ihn Künstler, er ist durch! „Dicke Hipster“ funktioniert mit Gitarrenbegleitung fast besser als im Original. Und die politische Botschaft darf auch hier nicht fehlen: „In jeder Cypher rede ich von Torch, aber meine wahren Feinde sind HC Strache und Beatrix von Storch!„, tobt Fatoni zur Gitarren-Lagerfeuer-Musik.

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Nach dieser eher ruhigen Phase kommt das motivierte Publikum dennoch voll auf seine Kosten: Es folgen einige sprungpraktikable Tracks, um dann wieder zu „Kein Tag“ im Bademantel vor sich hinzuvegetieren. Auch Ebow kommt noch einmal auf die Bühne und präsentiert einen unveröffentlichten Part zu „Übertreib nicht deine Rolle„, was dafür leider ohne Juse Ju und Edgar Wasser auskommen muss. Auch andere Features mit Juse Ju, die an dieser Stelle geplant gewesen wären, hätten sicher gut Stimmung gemacht, so jedoch muss sich Fatoni alleine mit „Vorurteilen“ und „Gravitationswellen“ beschäftigen – was aber hervorragend funktioniert. Das Publikum ist sichtlich begeistert und belohnt Fatoni mit einem einwandfreien Stagedive. Beendet wir das Konzert mit dem melancholischen „Schlafentzug“ und obligatorischem Feuerzeug- und Handyblitzschwenken.

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Fazit: Fatoni ist ein Entertainer, immer ein Garant für eine gute Show. Des Weiteren zeigt er sich unglaublich vielseitig, sowohl was die Songs im Allgemeinen, aber auch deren Umsetzung betrifft. Er hätte nichts besser machen können. Ebow ist zwar bemüht, Juse Ju zu ersetzen, das gelingt allerdings nicht immer. Trotzdem muss man ihr zugute halten, so spontan an Fatonis Seite die Tour zumindest vorübergehend fortzusetzen. Insgesamt war es ein sehr gelungener Abend, das Publikum wirkte nach dem Konzert zwar müde, aber definitiv zufrieden. Und sobald es The Message wieder gedruckt gibt, kommt Fatoni aufs Cover, versprochen!

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Text: Simon Huber & Julia Gschmeidler
Fotos: Lichtreflex

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