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20 Jahre HipHop in Österreich

 

Urbs 'n Chaoz

In der vierten Episode der Dokumentationsreihe „20 Jahre HipHop in Österreich“ suchten wir das Gespräch mit Urbs und Chaoz und trafen uns dafür beim Teuchtler, einem der ältesten Plattenläden Wiens. Als Urbs’n Chaoz waren sie erstmals auf dem Austrian Flavor 2 (1996 „You know da flava“), quasi dem Nachfolger der Austrian Flavors 1  zu hören. Die beiden versprachen mit ihren Hintergründen und Werdegängen für diese Reihe neue und spannende Perspektiven. Denn ein Jahr später, also 1997, erschien dann „Da Beauty and Da Beatz“ über Uptight. Neben dem Track vom Austrian Flavor 2 war darauf übrigens noch der Banger „Closer to God“ zu finden, der nicht nur bei FM4 heftig rotierte und international reüssierte. Das von Werner Geier und Rodney Hunter gegründete Musiklabel, und eben auch das damalige Label von U’nC, präsentierte 1993, also genau vor 20 Jahren, seinen ersten Tonträger der Öffentlichkeit: Willie One Blood „Empire State“. Obwohl Uptight nicht als klassisches HipHop-Label angelegt war und verstanden werden kann, waren doch sowohl die meisten Musiker als auch die Labelbetreiber im HipHop verwurzelt. Neben des gemeinsamen Kapitels bei Uptight gab es allerdings noch weitere triftige Gründe, um Urbs und Chaoz anlässlich unserer Reihe  „20 Jahre HipHop in Österreich“ vor die Kamera zu laden.

Text: Stefan Anwander
Fotos: Daniel Shaked

Wer den „Teuchtler“, eigentlich eine urwienerische „Institution“, noch nicht kennen sollte, dem wird ein zeitnaher Abstecher dort hin nahegelegt. Für passionierte Crate Digger und HipHop-Afficionados seit vielen Jahren ein Fixpunkt, findet man hier doch neben einigen Rap-Schmankerln von klassischen Soul- und Funk- Platten bis hin zu obskureren Sounds eigentlich alles auf Vinyl und sonstigen Tonträgern, was das Herz und Ohr eines Musikliebhabers begehrt. Neben ihren Eltern haben vor allem die beiden Söhne Philipp und Christoph dafür gesorgt, dass sich viele jüngere Wiener Musik- und HipHop-Produzenten wie die Waxos, DJ Cutex, Trishes u.v.m. in die Seitenkämmerchen verirrten und dort oft über mehrere Stunden verschwanden. Urbs war ebenfalls lange Zeit ein Dauergast bei den Teuchtler’s und dort oft auf der (erfolgreichen) Suche nach den schönsten Samples, wie z.B. auch jene für „Urbs’n Chaoz“ – Tracks wie „Closer to god“ oder  „You know da flava“, aber wohl auch für seine eigenen Produktionen wurde er dort fündig.

In einer dieser Räumlichkeiten fand auch das Gespräch im Rahmen der Dokumentationsreihe „20 Jahre HipHop in Österreich“ mit Urbs und Chaoz statt, hinter ihnen befindet sich übrigens die auscheckenswerte „HipHop“ – Abteilung des Teuchtlers. Nach ihrer Zusammenarbeit bei Uptight als „Urbs’n Chaoz“ ging das DJ/Produzenten-Duo dann ab Ende der 1990er Jahre wieder getrennte Wege, vielmehr entwickelte sich jeder in eine andere Richtung. Häufige und regelmäßige Treffen wie noch zu Zeiten ihrer Kollaboration gehörten dann eher zur Ausnahme und damit auch Gelegenheiten, sich über Musik und HipHop auszutauschen. Umso freudig-überraschter waren die beiden dann auch, als sie von unserer Idee hörten, sie noch mal im Rahmen unseres mehrjährigen Projektes zusammenbringen zu wollen, um „20 Jahre HipHop in Österreich“ Revue passieren zu lassen und anekdotenreich zu umreißen.

Urbs 'n Chaoz

Im Gegensatz zu Chaoz, der die HipHop-Musik vor allem aus zeitlichen Gründen aufgegeben hat und kaum aktuelle Entwicklungen verfolgt, ist Urbs weiterhin umtriebig und steht kurz vor der Veröffentlichung seines lang erwarteten Albums über das renommierte Label G-Stone. 2005 erschien dort auch sein erster Solo-Release „Toujours le meme film“. Zwischen diesem Release und seinem neuesten Oeuvre streute er unter anderem Produktionen für Skero und Remixes für JSBL wie 5/8erl in Ehr’n. Auch auf dem anstehenden Longplayer wird er seinen Wurzeln treu bleiben, zählt Urbs doch neben seinem „Mentor“ DJ DSL und Cutex zu den Speerspitzen des „Dope Beats“ – Genres in Österreich. Mit Letzterem veröffentlichte er zwei Alben – „Breaks of Dawn“ (2001) und „Peace Talks!“ (2003) – auf denen instrumentaler HipHop-Sound in der „Dope Beats“ – Traditon zelebriert wurde. Urbs verdingte sich Mitte der 1990er unter seinem bürgerlichen Namen Paul Nawrata auch als Musikjournalist, der ein gewisses Faible für die ersten zarten Knospen einer österreichischen HipHop-Szene entwickelte. Lesenswert und überaus informativ sein „Falter“ – Artikel aus dem Jahr 1995 zu Duck Squad („Die Entenhausen-Connection“), wie auch die Ausführungen dazu im Video. Urbs war aber auch danach noch schreibenderweise anzutreffen, unter anderem auch für das „The Message“ Magazin.

Chaoz war DJ und Produzent der „Untergrund Poeten“, die weiteren Mitglieder der Crew die beiden Rapper U-Gene und Ottakringer MC. Anfang der 1990er Jahre war das Trio nicht nur einer der ersten HipHop-Acts in Österreich überhaupt. Vielmehr stießen sie – so Jan Braula in „The Message“ vom Winter 2009/10 – „eine bis dahin noch verschlossene Tür auf: Gangstarap auf Österreichisch“. Und Umstritten wie noch nie war der Urknall in diesem Genre.“ (Nachlese). Genau diese Veröffentlichung der Untergrund Poeten von 1994 über das erste österreichische HipHop-Label „Duck Squad“ wird nächstes Jahr – analog zu unserer „Zeitrechnung“ – mehr Aufmerksamkeit im Rahmen dieser Reihe geschenkt. Aber schon im Video gibt es einen ersten, kurzen Ausblick auf die ersten österreichischen Gangster-Rapper sowie das Label „Duck Squad“.

Urbs 'n Chaoz

Auf Tonträger gebannt wurden Urbs’n Chaoz in dieser Konstellation wie schon zuvor angesprochen erstmalig 1996 auf der Compilation Austrian Flavor Volume 2, der sozusagen die Nachfolge des Austrian Flavors Volume 1 antrat. Der zweite Teil stand ganz im Zeichen des „Dope Beats“, Raps sucht man auf der Platte vergeblich. Die folgende Aufzählung der darauf vertretenen Künstler illustriert, dass sich für damalige Verhältnisse so ziemlich alles auf „Austrian Flavor Vol. 2“ versammelte, was für die damalige HipHop-Szene in Österreich vor allem an Produzenten und DJs relevant war: DJ Cutex, Flip (Texta), Demon Flowers (Werner Geier), Operator Böastab (Schönheitsfehler), DJ Bizzy Booster, CRB, DJ DSL, Sugar B, DJ Functionist, Master DBH (Total Chaos) – und last but not least eben Urbs’n Chaoz.

Nicht nur deshalb soll dieser Release hier hervorgehoben werden, sondern auch weil er für diese Dokumentationsreihe eine ganz besondere Bedeutung hat. Da wir „20 Jahre HipHop in Österreich“ als Zyklus angekündigt und angelegt haben, bietet sich es sich mit „Austrian Flavor Volume 2“ geradezu an, damit eine logische und nachvollziehbare Brücke zu „Austrian Flavors Volume 1“ zu schlagen. In einem Zeitraum von 2012 bis 2016 wollen wir hier also die Anfänge, Geschichten und Entwicklungen von HipHop in Österreich skizzieren und filmdokumentarisch nachzeichnen. Im 4. Teil der Dokumentationsreihe schließen sich dabei schon die ersten konzentrischen Kreise, führen auch die ersten (roten) Fäden zwischen den bisher erschienenen Teilen zusammen. Inhalte und Themen der nächsten Episoden werden angeschnitten, aber hier nicht weiter ausgeführt… So stay tuned.

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