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„Wir fahren mit dem neongrünen Schiff Richtung Riff“ // Damion Davis Interview

Manche wünschen sich Kinder von ihren Idolen, von ihm hätte man gerne Bücher. Damion Davis zählt zu den besten Liveacts, die Deutschrap zu bieten hat – und dazu serviert er uns noch gesellschaftskritische und gut durchdachte Texte, die er sogar schon im Rahmen des G8-Gipfels vorgetragen hat. In Wien war der Rapper in den letzten Wochen gleich zweimal, um seine energetische Show zu performen. Vor dem Konzert im B72 trafen wir den sympathischen und äußerst eloquenten Berliner zum Gespräch. Und obwohl dieses leider abrupt durch Zeitmangel beendet werden musste, hatte der Musiker wahnsinnig viel zu sagen. Im Interview spricht er über die Gentrifizierungsdebatte in Berlin, vergleicht unsere jetzige Situation mit der bald auf Grund laufenden Titanic und erklärt, warum die Writer die Deutsche Bahn bereits 5:0 besiegt haben.

Interview: Julia Gschmeidler
Mitarbeit: Thomas Kiebl
Transkript: Alexander Gotter

TM: 2009 hast du gesagt, dass du dir eine Tour wünschen würdest und nicht nur einzelne Gigs. Wie fühlt sich die Tour jetzt an?
Damion Davis: Die richtige Tour, die ich gemacht habe, war 2010 mit einem Varieté-Theater. Das Geile daran war, dass andere Künstler dabei waren: Jongleure, Tänzer, Graffiti-Artists. Das war ne Gruppe von 18 Künstlern von jedem Kontinent, wir waren mit nem Tourbus unterwegs und haben 40 Gigs gespielt. Das war super geil, wir haben eine Woche davor geprobt, es wurden drei Sprachen gesprochen, ne bessere Tour kann man sich nicht wünschen. Jede einzelne Musiktour kann das nicht toppen. Aber als Rapper hab ich noch nie eine richtige Tour gespielt. Auch diese Tour ist gestückelt und es sind eher kleine Gigs. Am Ende des Jahres machen wir noch mal ne Tour, da werden bestimmt doppelt so viele Leute da sein, weil wir da mit anderen Leuten auf Tour gehen. Das ist jetzt erstmals die Comeback-Tour für die Fans. Aber der Wunsch komplett live zu spielen ist immer da. Ich bin auf keinen Fall so ein guter Studiomusiker, in erster Linie ist mein Metier das live Spielen.

Du schreibst ein Tourtagebuch, welches gespickt mit Wortspielen ist…
Ich schreib schon ziemlich lange Tagebuch, aber die ganzen persönlichen Sachen muss ich hier natürlich rauslassen. Ich mag das Schreiben und würde gern mal ein Buch schreiben. Ich denke es wäre mal ganz cool, den Leuten einen Einblick von der Vision des Künstlers zu geben. Es ist ja auch ein anderes Schreiben, es geht nicht um Reime und deswegen geht einem das auch einfacher von der Hand. Mal schauen, ob ich eventuell einen Blog mache und auch noch über andere Themen schreibe, denn das Tourleben gleicht sich auch irgendwie, es ist immer derselbe Ablauf. Vielleicht werde ich im Alter irgendwann Buchautor. Diese Einträge sind die ersten Gehversuche.

Die Resonanz bisher ist ja ziemlich positiv.
Der beste Spruch war: „Damion, ich will ein Buch von dir!“ Von einem Mädchen, voll süß.

Man konnte in deinem Tourtagebuch lesen, dass du Erinnerungen an ein Attac Camp hast. Hast du daran teilgenommen?
Ja, ich hab da gespielt und teilgenommen. Das war in Heiligendamm beim G8 Gipfel, da gab es ein großes Konzert wo Tom Morello von Rage Against the Machine gespielt hat. Danach gab es Konzerte im Attac Camp, da haben wir am Lagerfeuer politische Tracks gekickt. Ich hab auch viel Konzerte für die Antifa gegeben und immer, wenn was Politisches ist, hab ich echt Bock da zu spielen. Lustigerweise hab ich erst einmal am 1. Mai gespielt und das auch eher spontan, obwohl ich viele politische Tracks habe. Das macht mir auch am meisten Spaß, da sind dann Leute, die die Lyrics vollkommen verstehen. Da ist dann auch mehr Inhalt, den man ins Leben trägt, als wenn man Rap über Rap macht. Wenn meine Songs auf einer Demo laufen, macht mich das richtig stolz, mehr als wenn sie im Radio laufen. Denn auf einer Demo haben sie mehr Bedeutung für die Leute und sagen wirklich was aus. Also wenn da draußen Leute zuhören, die politische Veranstaltungen machen, immer Bescheid sagen. (Anm: Kurz nach dem Interview ist Damion Davis bei der Langen Nächte der Menschenrechte im EGA Wien aufgetreten.)

Bei Raputation wurden die politischsten Nachwuchrapper Deutschlands gesucht. Hast du das Format verfolgt?
Ein bisschen. Das Konzept an sich finde ich sehr lobenswert. Ein Kumpel von mir, Drob Dynamic, hat das Ding gewonnen. Sehr guter Junge! Er hat mir davon erzählt, aber selbst habe ich nicht so viel davon mitbekommen. Aber insgesamt super: Rap wird so groß, es gibt so viele Sparten, wo Leute verschiedener Genres sich mit Rap beschäftigen. Ich hoffe der Hype hält an, damit es weitergeht. Drop Dynamic hat das super gemacht. Er ist das Beispiel dafür, dass ein Typ batteln kann, musikalisch cool ist und auch politische Sachen macht, mein absoluter Geheimtipp. Für viele andere ist es ja Karate Andi aus Berlin, der auch sehr, sehr gut ist, aber meiner ist Drop Dynamic. Weil er ein richtig ambitionierter Rapper ist, sehr nicer Mensch, ein hungriger Typ, der sich sehr viel Mühe gibt. Er hat einfach bei mir angerufen und meinte: „Kann ich auch auf deinem Konzert spielen?“ Und ich antwortet: „Auf jeden Fall!“

Drop Dynamic hat bei Raputation mit einem Gentrifizierung-Song mitgemacht. Wie stark macht sich die Gentrifizierung in Berlin bemerkbar?
Ich hab den Ansatz, dass man sich von der Gentrifizierung nicht verrückt machen lassen sollte. Obwohl es natürlich lobenswert ist, dagegen zu demonstrieren und dagegen zu kämpfen. Aber für mich ist nicht der Ort, sondern was man aus sich selber macht wichtig. In den Bezirken, in denn ich rappen gelernt habe und mich künstlerisch am meisten aufgehalten habe, Prenzlauer Berg und Pankow, sind die Mieten sehr hoch geworden, und klar hat mich das eine Zeit lang genervt. Darüber habe ich mich auch mit Hiob unterhalten, der davon krass genervt war. Man muss dann halt seinen Weg finden und sich sagen: „Scheiß drauf, dann nehm ich mir halt woanders eine Wohnung.“ Ich will mir nichts zu schwer machen, das Thema ist jedenfalls brisant und man kann dazu was sagen. Andererseits bin ich nicht dagegen, dass irgendwelche Leute nach Berlin kommen. Ich probiere diesem Gentrifizierungs-Thema aus dem Weg zu gehen. Sollen sie in die Viertel gehen, wo sie hingehen. Wir sind kompromissfreudig, mobil und agil genug, um uns eine neue Nische aufzumachen. Sich darüber ewig aufzuregen ist manchmal nicht so gut für die Gesundheit. Von daher hoffe ich eher, dass es eine Selbsteinsicht geben wird und dass die Leute von sich aus sagen werden „Wohnraum für alle“ und „Die Mieten müssen für alle erschwinglich sein“. Denn es ist Wahnsinn, wie aus unserem Wohnraum ein Geschäft gemacht wird.

Aus unserer Ernährung wird ein Geschäft gemacht, aus unserer Gesundheit wird ein Geschäft gemacht, aus unserem Wohnraum wird ein Geschäft gemacht und in Amerika wird aus Bildung ein Geschäft gemacht. All diese Werte, die für eine wirklich gute, gesunde und moderne Gesellschaft eigentlich umsonst sein sollten.

Und das ist eigentlich nur die Eisspitze des Kapitalismus, das ist wirklich sehr traurig. Ich probiere in meinem Umfeld Einfluss auf die Leute zu nehmen und zu sagen: „Wir machen unser eigenes Ding woanders, das Herz ist halt unbezahlbar.“ Es ist ein zweischneidiges Schwert: an schlechten Tagen rege ich mich darüber unglaublich auf und hate endlos krass darüber ab, genauso wie Liquit Walker und früher Hiob. An anderen Tagen sag ich mir dann: „Scheiß auf die Yuppies, mach dein Ding weiter und glaub an das Gute.“ Du kannst die wahrscheinlich eh nicht ändern, das wird denen irgendwann auf die Füße fallen. Deshalb hab ich auch probiert, den „Gentrifizierung“-Track so zu halten, dass es eher um den Baulärm geht, was mich persönlich voll genervt hat. Es geht um Gentrifizierung, aber auch um den Baulärm, also was Persönliches anstatt was Gesellschaftskritischem. Aber es ist ein schwieriges Thema, das wäre mal ein ganzes Interview wert. Im Endeffekt sollten in jedem Bezirk, das hab ich letztes Mal mit Dexter auf einem Konzert in Heidelberg besprochen, die Hauseigentümer per Gesetz verpflichtet werden, in jedem Haus eine arme Familie und eine Senioren[familie] für wenig Miete einzuquartieren. So dass keine gated Communities entstehen und alle Schichten untereinander Kontakt haben, denn das macht das Leben lebenswert. Dass die Reichen den Armen helfen. Es wäre cool, wenn es ein Gesetz geben würde, das verpflichtet, sich um alte und sozial schwache Leute im Haus kümmern zu müssen. Dass es z.B. jede Woche einen gibt, der für eine alte Frau einkaufen geht. Natürlich wäre es schöner, wenn es von sich aus ginge, ohne dass man dazu gezwungen wird. Aber es gibt immer noch gute Leute, auch in den reichen Bezirken. Auch im Prenzlauer Berg gibt’s noch verhältnismäßig gute Leute. Man muss optimistisch sein, wenn man zu verkrampft wird, macht man sich das Leben nur selbst kaputt. Sonst beschimpft man noch Zugezogene die’s gar nicht verdient haben und vielleicht genauso denken wie wir. Ganz schwieriges Thema!

Zur Segregation in Berlin gibt es sogar wissenschaftliche Bücher…
Ja klar. Das ist so ein Strukturwandel, den es in New York auch gegeben hat, wie in jeder großen Stadt. Berlin ist ein geteilte Stadt, die noch mal neu geboren worden ist nachdem die Mauer fiel. Von daher ist die Infrastruktur so chaotisch, dass es schwer wird, die Bezirke alle zu gaten. Aber wir sind noch besser dran als die Leute in London und Paris, da ist der Kampf schon verloren. Da gibt’s die abgeriegelten Banlieues und ganz London ist überwacht mit Kameras. In Berlin sind wir verhältnismäßig gut dran, wir haben Glück im Unglück. HIer ist es noch halbwegs erträglich, in New York zahlst du für ne 1-Zimmer Wohnung 1000 Dollar.

Liquit Walker hat in einem Interview gesagt: „Berlin nur für Berliner, sonst gibt es Pariser Verhältnisse mit brennenden Autos“.
Er emotionalisiertes das voll krass und ist anders geprägt. Liquit Walker is halt ne richtige Berliner Schnauze, er verkörpert den Berliner. Ich weiß, was er meint und er ist auch nen netter Typ, aber er sagt halt einfach seine Meinung frei Schauze. Muss ja auch nicht jeder so ein Diplomat sein wie ich. Liquit hat halt die Eier es so zu sagen, wie er es sieht. Er ist ein total witziger Kerl. Im Interview kommt er vielleicht ein bisschen hart rüber, aber er ist halt ne richtige Berliner Schnauze. So sind die halt: die geben dir auf der Straße nen harten Spruch, aber eigentlich sind sie liebe Menschen. Ich akzeptiere das so, weil ich weiß, dass Liquit auf unserer Schiene spielt und einer von uns ist. Es ist ja nicht so, dass ich sage: „Oh Liquit, das ist aber böse was du da sagst!“ Soll er’s doch sagen, das ist sein Recht. Wenn er sich loyal zu seinen Freunden verhält und auf der Straße keine Leute umklatscht, kann er sagen was er will, vollkommen in Ordnung. Er ist halt nen richtiger Berliner Patriot, was auch nichts Schlimmes ist. Im normalen Leben ist er sicherlich hilfsbereit und tolerant, egal ob da jetzt ein Schwabe, ein Afrikaner, ein Asiate oder ein Berliner vor ihm steht. Wenn’s hart auf hart kommt wird er für alle gleich einstehen.

 

 

 

 

 

 

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Du hast erzählt, dass wenn ihr auf der Autobahn von der Polizei kontrolliert werdet, du immer sagst Free Jazz zu machen. Hat HipHop so ein negativ behaftetes Image?
Ja genau, ab und zu mal. Das ist ein bisschen psychologische Kriegsführung, um die Polizisten auf einen anderen Weg zu führen. Wenn’s um Rap geht, würde wahrscheinlich das ganze Auto auseinander genommen werden. Obwohl es auch Polizisten gibt, die, wenn man sagt, dass man als Damion Davis Rap macht, sagen: „Ich hab Wholetrain gesehen.“

In deinem Song „Erschossen“ sprichst du von Korruption und Polizeigewalt. Auch sagst du, dass „Loose Change“ für dich einen gewissen Wahrheitsgehalt hat. Wohin werden uns die Machtspiele der Politiker noch bringen?
Es wird auf jeden Fall noch einen ganz großen finanziellen Supergau geben. Es wird alles noch niet- und nagelfest gemacht, aber das ganze Finanzsystem ist am Bröckeln. Es gibt ja jetzt schon Kapitalkriege wo ganze Länder in den Ruin gestürzt werden und Banken zumachen. Es gibt mehrere Interessenskonflikte, die aber nicht mehr Mann gegen Mann ausgetragen werden, sondern auf anderen Ebenen, z.B. mit politischer Kriegsführung. Es ist ein anderer Krieg geworden, den wir gar nicht mehr so mitkriegen. Es fließt immer noch viel Blut, aber wir wissen nicht mehr, wer die wirklichen Täter und Drahtzieher sind. Es ist alles total infiltriert. Wir leben zwar in einem Informationszeitalter, trotzdem ist es schwierig den Überblick zu behalten. Weil jeder der von Bilderbergern, Lobbyisten oder Interessengemeinschaften, die global Sachen bewegen, redet, sofort als Verschwörungstheoretiker abgestempelt wird. Da heißt es dann gleich: „Du glaubst an Ufos und daran, dass die Nazis hinter dem Mond wohnen.“ Es gibt eine Flut an Informationen und eine ganz große politische Brisanz, die den Jugendlichen, also unserer Generation, überhaupt nicht bewusst ist. In Berlin zum Beispiel gibt es dieses Feierding, dieses Trailerpark, [MC] Fitti, K.I.Z.-Ding. Wo alle sagen:

„Wir sind auf einem sinkenden Schiff, also lass uns richtig durchdrehen und voll besaufen, weil es eh keine Hoffnung gibt.“ So ist dieser State of Mind, Escapeism, alles in Neonfarben sehen, auf Technopartys wegfliegen, ohne Message. Wir sind so eine Generation geworden ohne Message, nur die Party zählt.

Ähnlich wie in den goldenen 20er Jahren, wo die Leute alles hatten und allen ging es voll gut und dann kam das böse Erwachen. Und genau so sehe ich das jetzt auch. Wir sind jetzt im Jahr 2013, lass noch zehn Jahre vergehen, dann sind wir auch in diesen goldenen 20ern, alle 100 Jahre, dann wird’s auf jeden Fall knallen, arg knallen. Das System bröckelt schon an allen Ecken und Enden, die Leute wahren noch den Schein, Angela Merkel sagt dem ja und zu dem ja. Aber der Schein trügt, es ist die Ruhe vor dem Sturm. Uns in Deutschland geht es noch gut, aber eigentlich ist alles am Brennen, wir tun noch so als hätten wir ein Brandschutzpalast um uns herum, aber das wird uns auf die Füße fallen. Global wird es halt echt derb knallen, große Inflation geben, es wird ein Krieg um Ressourcen geben, einen Finanzkrieg, ökologische Katastrophen. Das ist uns allen ja mehr oder minder bewusst, aber so ne richtige Sensibilisierung, dass wir die Sachen anpacken, sehe ich in der neuen Generation nicht. Das ist alles ganz schön abgedriftet und wir fahren mit dem neongrünen Schiff Richtung Riff. Wir haben die große Titanic gebaut und der Eisberg reißt uns langsam den Rumpf auf, während die Leute auf dem Maskenball zu toller Musik tanzen und Lachsfilet essen. Ich weiß, dass es so ist und das gibt mir ein gutes Gefühl. Denn das schlimmste Gefühl ist, aus einem schönen Leben plötzlich aufzuwachen und zu denken: „Oh Gott, was hab ich bloß gemacht?“. Aber mir ist das bewusst und das beruhigt mich. Besser als in diesem Neonleben zu leben und irgendwann aufzuwachen und zu sagen: „Scheiße, was hab ich die letzten Jahre gemacht, ich habe alles völlig vergeudet.“ Und Politik fängt immer bei deinen fünf engsten Menschen an: bei deiner besten Freundin, bei deinem Partner, bei deiner Familie, bei deinen Kinder, bei den Leuten, die du direkt beeinflussen kannst. Man sollte erst mal bei sich selber und seinem Umfeld anfangen. Check erst mal, ob du dein Umfeld fair behandelst und dann kann man den nächsten Schritt gehen und sagen: „Ok, die Machthabenden machen es falsch.“ Ich glaube auch, dass viele Leute, die nach außen politisch korrekt sein wollen, auch Dreck am Stecken haben. Daran sollte man erst mal arbeiten: selber ein guter Mensch zu werden. Dann erreicht man fünf Leute und die fünf Leute tragen das wieder weiter. Dann kann man diese Katastrophe vielleicht auffangen oder damit gut leben. Aber sei dir sicher, dass die Katastrophe kommen wird. Deine Großeltern konnten auch nicht glauben, dass der Krieg kommen wird, aber glaub mir, wir werden da auch hinkommen, zu einem anderen Krieg. Der wird auf jeden Fall kommen! Lies die Zeichen, guck dir die Nachrichten an, bis auf Sport sind es doch nur negative Nachrichten. Oder gibt es eine Nachrichtensendung mit positiven Nachrichten? Die Leute lernen nicht daraus und die Nachrichten reflektieren das, das sind alles gefilterte und zensierte Nachrichten. Die große Medienmaschinerie streut immer Konfetti, obwohl es gerade ziemlich scheiße aussieht. Deshalb: Genieße die Tage in Freiheit! Ich genieße jeden Tag, wenn ich z.B. hier herkommen kann, wir machen ein Interview, man trifft nette Leute, man kann was gutes Essen. Wer weiß in wie vielen Jahren man davon träumt, wie man ein Schnitzel gegessen hat. Deshalb freue ich mich daran, wie schön die kleinen Dinge des Lebens sind.

Du hast bei Wholetrain mitgespielt und warst in der Sprüherszene aktiv. Was denkst du darüber, dass die Deutsche Bahn jetzt Drohnen einsetzen will, um Züge vor Sprayern zu schützen?
Schaffen sie nicht, die Deutsche Bahn ist so verpeilt und so dämlich, die schaffen das sowieso nicht. Sie können’s gerne probieren, aber garantiert haben die Drohnen irgendeinen Computerfehler und stürzen ins Hauptgebäude oder dem Bahnchef auf den Kopf, als dass so ne Drohne nen Writer catcht. Auf keinen Fall! Die Writer finden ihren eigenen Weg, scheiß auf Drohnen. Wie oft siehst du ein Bombing am ICE? Interessiert doch keinen Arsch, der fährt so schnell, da kannste den Schriftzug eh nicht lesen. Die gehen lieber nen Güterzug oder ne U-Bahn bomben. Nene, über die Deutsche Bahn und die S-Bahn mach ich mir keine Sorgen, das sind für mich voll die Pfeifen. Die kriegen es ja nicht mal hin, dass die Züge pünktlich fahren. Bei der Deutschen Bahn kann man nicht mal ne Fahrkarte umtauschen, wenn es eine Flutkatastrophe gibt. Die kommen ja nicht mal mit ihrem Fahrplan klar, die sollten sich erst mal darüber Gedanken machen, wie sie ihren Fahrbetrieb aufrechterhalten, pünktlich kommen und dass die Kunden zufrieden sind, bevor sie über Drohnen reden. Den Krieg gegen die Deutsche Bahn haben die Graffitiwriter und -maler sowieso gewonnen, es steht 5:0 für uns. Klar werden Leute gebustet und das ist auch scheiße, aber überall in Berlin sind die Wände voll mit Graffiti. Das Ding haben die eh schon verloren, da können die einsetzen was sie wollen. Von der Deutschen Bahn und der BVG lass ich mich überhaupt nicht einschüchtern, die lach ich aus!

Hast du nicht mal Werbung für die Deutsche Bahn gemacht?
Ja, der Werbespot hieß „Zugestiegen“, kurz nachdem ich Wholetrain gedreht habe. Am Set von diesem Werbespot fragt mich der Typ von der Werbeagentur: „Sag mal, bist du wirklich ein Schauspieler?“ Ich so: „Ne, bin keen Schauspieler“, „Wirklich nicht??“ und ich sag dann so: „Ne, aber sind wir denn nicht irgendwie alle Schauspieler?“, da hat der wirklich komisch gekuckt. Die haben mir jedenfalls wirklich viel Geld gegeben, davon konnte ich ein Album machen und schön leben. Die wussten nicht, dass ich in Wholetrain mitgespielt hatte.

Dein neues Album Querfeldein ist etwas rockiger als die anderen. Kommt das noch aus den Zeiten von Circus Per Second? (ehmalige Nu-Metal-Band von Damion, Anm.)
Ich bin schon so ein Crossover-Kind aus den 90ern, Rage Against The Machine ist meine Lieblingsband. Eigentlich wollte ich schon ein ganzes Album mit einer Liveband machen, leider konnte ich die Liveband nicht bezahlen und habe es nicht organisiert bekommen, diese supergeilen Musiker auf den Punkt zu bringen. Daher musste ich die Musik so machen. Es war mein Kindheitstraum mal ein Livealbum zu machen, aber dazu braucht man eine ganze Liveband die das auch zusammen einspielt, das mit overdubbing zu machen ist wirklich heikel. Aber ja, ich bin voll der Rocker, das ist die Musik die mich emotional am meisten toucht. Alle Arten von Rockmusik, ob es jetzt Indie ist, oder wirklich richtiger Mathcore wie Animals As Leaders, Deftones, Helmet, meinetwegen auch Blockparty. Rockmusik ist Kanal zu meinem Herzen und HipHop-Musik ist für den Kopf.

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