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Wie Ice-T ´89: Juice Interview

Juice ist in Serbien nicht nur Rapper, sondern auch Popstar. Hierzulande wurde er dank einem Feature mit Kid Pex bekannt. Zum Anlass eines Wien Konzertes ließ er im Interview mit sehr kontroversen Aussagen zu Belgrad und dem Leben von Serben im Ausland aufhorchen. Außerdem verriet der Dreißigjährige seine Zukunftspläne in Bezug auf Österreich…

TM: Wie würdest du deine heutige Stellung in der ex-jugoslawischen Hip Hop Szene beschreiben?
Juice: Als ich letztes Jahr in einem Interview für FM4 bei Tribe Vibes diese Frage beantworten sollte, hatte ich schon Schwierigkeiten. Jetzt ist es noch komplizierter. Ich rappe seit 15 Jahren. Früher war es mehr Hardcore und Untergrund. Die Texte waren nur über die Straße und basierten auf Freestyles und Battles. Wenn du in das Cash Game kommst, ändern sich die Dinge. Wenn du als Rapper oder Businesman wächst, und dich in schicken Autos zeigst und wenn du dein eigenes Kleidungslabel hast, nennen sie dich einen Kommerz Rapper. Aber die meisten Kids haben die meisten meiner Lieder nicht gehört. Sie kennen nur die aktuellen Sachen und ziehen ihre Schlüsse daraus.

Wie bist du denn erstmals in Belgrad mit Hip Hop in Kontakt gekommen?
Ein Rapper in Serbien zu sein ist nicht das Selbe, wie irgendwo anders einer zu sein. Air Max, Traininghosen, ein Tyson Haarschnitt, das gehört alles dazu. Wie ein Puncher oder ein Hustler. Wir nennen es Dizel. Dieser Old School Style. So wie Ice T ´89. In Belgrad gab es ein Rap Battle, das erste war 1997. Das habe ich gewonnen, das zweite war 2000 und eine komplett unfaire Angelegenheit. Damals habe ich beschlossen mit Freestyle aufzuhören. 12 Jahre später wurde vorgestern wieder dieser große Contest veranstaltet. Ich wollte zwar mitmachen, wir waren aber gerade in der Schweiz. Damn it (lacht).

Du bist nie aus Belgrad emigriert?
Nein, wegen den ganzen Visen und mangelndem Startkapital. Ich denke, dass Serben egal in jedem Land wie Hunde behandelt werden. Und das obwohl wir in allen Genres die talentiertesten Leute haben.

Du denkst also, dass Serben im Ausland nicht wertgeschätzt werden?
Das hat sich letztens am Flughafen in Zürich gezeigt. Tausende Leute standen in der Schlange um Auszuchecken. Ich und mein Kollege waren aber die einzigen die kontrolliert wurden. Wir wurden auch gleich auf die Polizeiwache gebracht. Als ich dort auf der Bank gegessen bin, habe ich mich selbst gefragt: in 5 Tagen ist mein 30. Geburtstag und what the fuck? Was ist das für ein Leben als Serbe? Wir bemühen uns und werden dennoch immer zurückgestoßen. Das ist aber auch der Grund warum wir stärker als viele andere Leute sind. Es gibt uns Kraft.

In deinen Videos zeigst du dich mit schicken Autos. Entspricht das der Realität?
Ich habe einen guten BMW. Das ist ein großer Erfolg für mich. Ich bin stolz auf mich, weil ich mein ganzes Geld selbst gemacht habe. Ich habe Kleidungsgeschäfte in Serbien, Bosnien und Mazedonien.

Was ist der Name dieser Geschäfte?
FU Shops. Weil wir die 93 FU Kru sind. Unter diesem Namen haben wir auch unsere eigene Marke. Das ist die Definition des Punchers von dem ich gesprochen habe. Wir verkaufen Sonnenbrillen, Hoodies etc. Die Marke ist sogar in Deutschland unter Balkan Leuten sehr populär.

Verkaufst du mittlerweile mehr Kleidung als Musikeinheiten?
Seitdem ich meine Shops habe verkaufe ich auch ein Vielfaches von meiner Musik. Es läuft viel besser als noch davor über das Label.

httpv://www.youtube.com/watch?v=rSQqzKeVOjs&feature=related

Du hast bei zwei serbischen Reality Shows mitgemacht und diese auch gewonnen. Was war deine Motivation dahinter daran teilzunehmen?
Ich habe die ganze Rap Szene auf meinen Rücken gegeben um jedem zu zeigen was der Hip Hop Lifestyle ist. Denn alle anderen denken hier, dass Rapper  nur herum schimpfen, Weed rauchen, Banken ausrauben und den ganzen Tag Akohol trinken. Ich habe ihnen gezeigt, dass es gar nicht so ist und dass wir auch etwas in unseren Köpfen haben.

Hattest du von Beginn weg diese missionarische Vision?
Als ich jünger war, hatte ich vielleicht eine schlechte Attitüde. Die Zeit als wir den ganzen Tag Weed rauchten und ich mir keinerlei Gedanken machen musste. Heute habe ich gegenüber sehr vielen Kids Verantwortung. Momentan ist es in Serbien schlimmer, als beispielsweise 1993. Damals hattest du Kriminelle und arme Leute. Also Geld oder nicht Geld. Heute gibt es nicht mehr die Old School Kriminellen. Jetzt denkt jeder er wäre ein Krimineller. Sehr viele Waffen, Messer, Baseballschläger und Hooligan Gangs treiben ihr Unwesen. Ich würde sagen, dass es fünf mal schlimmer geworden ist. Früher wusstest du wer wer ist. Heute ist jeder jemand und gleichzeitig niemand. Wir gehen nachts nicht mehr raus. Nur bei Tageslicht. Kaffee trinken, herumcruisen und so.

Du würdest einem Österreichischer also nicht empfehlen Belgrad zu besuchen?
Heute kommen weit mehr Touristen und Belgrad hat ihnen viel zu bieten. Ich habe aber von etwas Anderem geredet: vom Straßenleben und den sozialen Problemen. Wir haben eine wunderschöne Stadt und eine imponierende Geschichte. Auch eine Menge an grünen Bäumen, nicht diese Bäume…(lacht). Jeder sollte nach Belgrad kommen. Andere Länder haben jedoch keine 3 Kriege in dieser kurzen Zeit durchgemacht. Wegen der Politik passieren viele schlechte Dinge. Aufgrund der schlechten Politik kommt es überhaupt zur Kriminalität.

Du bevorzugst dennoch die Zukunft in Belgrad und nicht in Westeuropa?
Nein ich würde lieber in Wien leben, oder…nein da gibt es kein oder. Es würde nur Wien zählen (lacht). Wien sieht so aus, wie Belgrad aussehen sollte. Und es ist nur 6 Stunden von meiner Stadt entfernt, mit dem Flugzeug eine halbe Stunde. Aber was sollte ich hier machen? Ich habe auch kein Arbeitsvisum und wen kenne ich hier schon? Es würde fünf bis zehn Jahre dauern seinen Platz im Dschungel zu finden.

In Serbien hast du deinen Platz gefunden?
Ja. Wobei mein Talent nicht für die Serben ist. Eine Menge Leute hört Rap Musik. Aber gibt keine echte Hip Hop Kultur. Es ist nicht so organisiert, wie es eigentlich sein sollte.

Kommen keine amerikanischen Gruppen?
Doch, es waren Das Efx, Busta Rhymes, Rza, Gza, Coolio, Killa Kella, DJ Vadim und auch andere hier. Aber das ist ihre Geschichte nicht unsere.

Hip Hop Jams gibt es nicht?
1995 bis 1998 hatten wir die größten Hip Hop Parties der Welt. Damals kamen zu jeder wöchentlich rund 1000 Leute. Aber das waren andere Zeiten. Es war populär weil es die neue Welle war. Rock ´n´ Roll und die Folk Musik waren bereits abgestanden.

Wie bist du in Kontakt mit Kid Pex gekommen?
Auf die Old School Tour: über MySpace (lacht). Ich denke ich war und bin noch immer der Einzige mit einem MySpace Profil in Serbien. Am Anfang kannte ich seine Arbeit nicht. Gut er sieht zwar aus wie Patrick Swayze, aber er ist ein talentierter und aggressiver Rapper. Als ich nach Wien gekommen bin, habe ich gesehen dass er auch ein sehr korrekter Kerl ist. Wir haben auch großen Erfolg auf YouTube gehabt. Wir hatten auch eine sehr gute Location. Ein altes Fabriksgelände, dass auch für einen ganzen Film gut als Schauplatz passen würde. Wir machen gerade ein zweites Video gemeinsam mit Kid Pex. Die Nummer ist schon recordet und gemastert.

Hast du gesehen, dass eine andere Rap Crew nur kurz darauf die selbe Location für ein Video genutzt hat.
Juice
: Nein, wie sieht dieses Video aus?
Kid Pex (beim Interview anwesend)
: Unseres ist besser. Ich zeige es dir dann später.

Mit welchen Erwartungen gehst du in das Konzert am Samstag im Horrstadion?
Ich kann nicht leugnen, dass ich schon sehr aufgeregt bin. Es wird eine echte Hip Hop Jump Jump Party.


Interview: Jan Braula
Foto: Daniel Shaked

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