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Warum so lange weg? // SSIO live

Lange war es ruhig um SSIO. Eine halbe Ewigkeit ist seit seinem Platz-1-Album „0,9” vergangen. Fast vier Jahre dauerte es, bis der Bonner wieder musikalischen Output lieferte. Im Dezember vergangenen Jahres erschien sein neues Werk „Messios”. Für die Spitze hat es diesmal nicht gereicht. Das Werk reiht sich knapp unter das neue Weihnachtsalbum von Robbie Williams ein und erreicht somit den zweiten Platz. Wie gewohnt, kommt nach dem Album die dazugehörige Tour. Diese ist SSIO seiner Hörerschaft auch definitiv schuldig. Zweimal hat er seine Tour schon verschoben, da sein Album noch nicht fertig war. Wir waren gestern beim beinahe ausverkauften Konzert der „Diesmal findet die Tour 100% statt”-Tour im Gasometer Wien.

Fotos: Daniel Shaked

Die Menge fängt an zu kreischen, als die Lichter im Gasometer endlich ausgehen. Mit einer halben Stunde Verspätung. Aus den Lautsprechern ertönt lautstark „O fortuna“ aus der Carmina Burana. Obwohl das nicht ganz das Genre ist, das sich heute alle erwartet haben, jubelt die Menge. Aus dem Dunklen taucht auf der Bühne ein stehender, lebensgroßer Sarg auf. Die letzten Sopranstimmen und Streichinstrumente verstummen, der Sarg öffnet sich, das Publikum starrt gespannt darauf.

Doch hinter dem Deckel verbirgt sich nicht wie erwartet Halb Mensch Halb Nase, sondern ein Ziegenkopf. Ein Meckern hallt über die Köpfe der verwirrten Crowd. Plötzlich tauchen Glatze und Nase mitten in der Menge auf, begleitet von dem Neckbreaker-Beat von „Hash Hash“. SSIO fängt an zu springen, die Menge macht es ihm nach. Er ist genauso motiviert wie die Fans, die die Hook lautstark mitschreien.

Das neue Album „Messios“ wird am Anfang fast komplett durchgespielt, später mischen sich alte Songs mit den neuen und das Publikum bekommt zum Beispiel auch Tracks wie „SIM-Karte“ aus dem Album „0,9“ zu hören. Dazwischen findet SSIO viel Zeit, um Scherze zu machen. Ohne die wäre es kein SSIO-Konzert, denn der Rapper ist nicht nur für schnelle Lines auf brutalen Beats bekannt, sondern auch für seine Selbstironie und seinen Witz. So wirft er statt – wie viele Künstler oft ihr Handtuch – seinen „Sohn“ in die Menge. Zwischendurch verlässt er mal die Bühne, weil er meint, er habe alle verarscht und gehe jetzt mit dem abgezockten Geld ins Puff. Aber die Show geht natürlich trotzdem weiter.

Zu Songs wie „HULI“ rastet er zwischen zwei riesigen Plastikfäusten, „Fickfinger“ wie er sie nennt, aus. Dabei wird er nicht nur von der schreienden Crowd unterstützt, sondern auch von Rapper Pete Boateng. Außerdem mit dabei sind sein DJ Kevoe West, der kurzzeitig mit einem riesigen SSIO-Kopf über die Bühne hüpft, und Live-Schlagzeuger Steffen „Steddy“ Wilkim.

Weil der „Ottticker schießt auf Kopfnicker-Beats“, fordert der Messios die Crowd auch mehrmals dazu auf, die Arme runterzunehmen und einfach nur im Takt zu nicken. Auch mit der Line „Alle meine Fans sind maskuline Jungs“ hatte er recht, denn wie ein Schreitest zwischendurch zeigt, steht es etwa 90 Prozent männliche Fans zu 10 Prozent Frauen, die meisten Mitte 20. Zum Mädchenabschleppen sei sein Konzert eben doch nicht das beste Event, meint SSIO. Aber dafür gäbe es hier die Mädchen mit den besten Voraussetzungen, schließlich seien sie auf einem SSIO-Konzert. Nach etwa 90 Minuten Kopfnicken, Beine und Arme heben, sowie einem Moshpit kündigt SSIO das Ende des Konzerts an, mit den Worten:

„Ihr habt jetzt erwartet ich spiele euch alle vier Alben vor, rasier euch den Nacken und koch euch zu Hause Spaghetti Bolognese.“

Er tröstet das Publikum mit einem letzten Refrain und verschwindet dann mit einem abschließenden „Nuttööö“ in die Dunkelheit.

Fazit: SSIO lieferte nicht nur Banger-Beats und Punchlines, sondern auch eine humorvolle Bühnenshow zwischen den Tracks. Sein neues Album wird authentisch an das Publikum vermittelt, Songs für eingesessene Fans kommen auch nicht zu kurz.

Text: Mira Schneidereit & Sven Horvatić

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