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Wal de Mar: High auf „WDMA“ // Album

Nach zwei kleineren SoundCloud-Hits 2016, ein paar von Yung Hurn geteilten Videos und einer Story auf rap.de war der Mini-Hype um Rapper Wal de Mar auch schon wieder vorbei. Sein Album „Amanda“ fand 2017 kaum Beachtung, die darauffolgenden Singles und EPs ebenso. Mit seinem neuen Album „WDM“ beweist er der Rapwelt seine potenzielle Relevanz und findet einen Weg, etwas Eigenes zu kreieren. Denn der Musiker rappt jetzt nicht mehr nur, sondern hat auch sechs der zehn Tracks selbst produziert. Bei einem weiteren sowie beim Mastering stand ihm das Produzententeam 101 zur Seite. Eine neue Herangehensweise, um seinen eigenen Stil zu finden.

VÖ: 01.05.2020

„WDM“ ist nicht nur ein Versuch der eigenen Produktion und eine tiefergehende Suche nach authentischem Sound, sondern bietet teilweise auch sehr persönliche Texte. Im Mittelpunkt des Albums stehen Beziehungen: Egal ob Liebeskummer, Ausziehaktionen oder Beziehungsprobleme mit sich selbst. Stilistisch bewegt sich Wal de Mar irgendwo zwischen poplastigem Cro-Sound, gelallten „Ich brauch dich“s im Wiener Slang – Yung Hurn lässt grüßen – und Autotune, der teilweise so hoch ist wie LGoonys Adlips. Diese Mischung spiegelt sich am besten auf dem Song „Platzsparen“ wider, auf der sich charmantes Liebesgelalle und funkige Vibes vermischen. Hier ist auch der einzige Featurepartner der Platte vertreten: der Berliner Rapper Ich, der wohl den am schwierigsten zu googelnden Alias im Deutschrapkosmos verwendet. Insgesamt ist die Stimmung des Albums heiter-melancholisch auf meist poppigen, elektronischen Beats.

Das Gegenstück zu „Platzsparen“ ist der Track „10 Jahren“, auf dem sich Melancholie und Trennungsschmerz breitmachen. Auf dem Album spiegelt Wal de Mar neben persönlichem Ballast auch das Auf und Abs seiner bisherigen Laufbahn wider. Am besten zeigt sich diese Stimmung auf der Vorab-Single „Karriere“, bei der er auf einem träumerischen Beat mit der Rapwelt und seiner eigenen Innenwelt abrechnet. Das eindrucksvolle Video dazu wurde von Montie Films produziert.

Eine weitere Singleauskopplung und der erste Vorbote auf das Album war „Leben ohne dich“, das soundmäßig auf der heiteren Seite von „WDM“ steht. In diese Stimmungskategorie passt neben „Exit“ und „Pop-Tarts“ auch Wal de Mars elektronisches Trap-Cover des bekannten Songs „Denkmal“ von Wir Sind Helden. HipHop-Journalist und Podcast-Moderator Falk Schacht hat diesen kurzerhand zu seinem Sommertrack 2019 auserkoren.

Der Titeltrack „WDMA“ hält, was der Name verspricht: Der Einfluss von gängiger Clubmusik ist nicht zu überhören und leicht unverständliche Textfetzen mischen sich über eine Melodie, die uns ein kleines Endorphin-High beschert. Kein textliches Meisterwerk, aber doch passend, um sich im Song auf eine gute Art und Weise bisschen zu verlieren. Am Abschlusssong „Slow“ kommt epische Melancholie mit einem dramatischen Touch zur Geltung.

Das Highlight des Albums ist wohl der Track „Vertrauen“. Wal de Mar redet von Vertrauensbrüchen, Unsicherheiten und seinen Fehlern. Der persönlichste Track des Albums bietet am Meisten Wortkunst. Melodie, Text und Beat fügen sich zu einem runden und ehrlichen Song zusammen. Insgesamt wirkt es so, als hätte der Rapper bei „WDM“ mehr Wert auf den Sound als auf die Texte gelegt – vielleicht auch weil er kürzlich das Produzieren für sich entdeckt hat. Die ganze Platte wirkt professionell ausproduziert und durchdacht. Bleibt nur noch zu hoffen, dass sich Wal de Mar mit dem neuen Album nicht nur selbst gefunden hat, sondern ihn fortan auch andere finden werden. „WDM“ ist ein letztes Gebet an die Götter des Algorithmus. Hoffen wir, dass sie es erhören.

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