Wien bleibt high // Ufo361 live

Untypisch für das Rapper-Image startet Ufo361 seine Show am Freitagabend in der ausverkauften Arena überpünktlich, genauer gesagt zehn Minuten früher als am Timetable angekündigt. Auch wenn die Halle gut gefüllt ist, hält sich anfangs die Euphorie des Publikums in Grenzen. Auch Ufo, der im Rahmen der „Stay High“-Tour zuvor in Stuttgart gastiert hatte, bemerkt dies. „Stuttgart war dreimal so laut wie ihr“, stellt er bei „Ich bin ein Berliner“ fest  einem Track, bei dem er sich scheinbar erwartet hatte, dass alle textsicher sind und laut mitsingen können. Alle Altersklassen sind im Publikum vertreten von 15-Jährigen im passenden „Stay High“-Pullover, die extra für ihren Lieblingsrapper angereist sind, bis zu 40-jährigen Paare, die das Konzert eher weiter hinten in Ruhe beobachten wollen.

s/o Handykamera

Auch wenn derzeit Playback im Deutschrap häufig Kritik erntet, setzt Ufo dies um und beweist, dass es bei seinen Fans funktioniert. Nicht nur Featureparts wie jener von GZUZ in „Für die Gang“ oder RAF Camoras Part in „Paradies“ werden über die Boxen abgespielt, sondern auch einige Hooks von Ufo  denn scheinbar geht es hier nicht um reine Rapskills, sondern viel mehr um die Party, den Lifestyle, die Fanlove. Genau jene nimmt bei Ufo einen hohen Stellenwert ein und das merkt man definitiv: Nicht nur, dass er die Bühne verlässt um mit den Fans in der ersten Reihe Fotos zu machen, nein, wer Ufo kennt, der kennt auch seine Liebe zu Sour Patch Kids, einer Süßigkeit. Nachdem sich Ufo zuvor bei seinen Fans noch beschwert hatte, dass scheinbar niemand für einen Vorrat an Sour Patch Kids gesorgt hatte, zeigt sich Ufo schließlich großzügig und verteilt während des passenden Tracks jene besagten Süßigkeiten in der Crowd.

„Ihr wisst nicht, was auf euch zukommt!“

Während in den hinteren Reihen nur vereinzelt die Hände oben sind, scheint weiter vorne eine Party gefeiert zu werden. „Ich hab keine Stimme mehr“, sagt ein junger Fan, der gerade aus der Crowd kommt. Und egal wo man sich umhört, alle sind sich einig: „Es ist geil. Es geht hart ab. Aber nicht so krass wie bei Rin.“ An dieser Stelle soll kurz die Arena als großartiger Veranstaltungsort gelobt werden, denn auch wenn hier die Fans Ufos Lifestyle nachgehen und immer und überall irgendwo ein Joint im Umlauf zu sehen ist, die Halle voll ist und die Leute abgehen, ist die Luft-Temperatur-Situation ausgesprochen angenehm.

„Seitdem ich bisschen Erfolg hab, seitdem Leute zu meinen Konzerten kommen, seitdem ich Chains und Balenciaga habe, ist das Einzige, was sich verändert hat mein Kontostand.“

Ufo bewies in der Vergangenheit eine umermüdete Arbeitsweise: seinen Fans lieferte er sechs Releases in nur zwei Jahren. Nachdem er ein Karriere-Aus verkündet hatte, handelt es sich wahrscheinlich bei seiner aktuellen Tour um die vorerst letzte. Und irgendwie bekommt man das auch in der Menge zu spüren. Die Fans zeigen sich dankbar und loyal wenn Ufo dazu auffordert, die Handys wegzupacken und die Show zu genießen, dann wird das auch so umgesetzt. Und auch Ufo selbst scheint seine Präsenz wertzuschätzen, anstatt den Refrain seines Klassikers „Der Parte“ zu spielen, ertönt die Hook von Whitney Houstons Hit „I will always love you“. Währenddessen verkörpert er den von seinen Fans zelebrierten Lifestyle: Diamanten, bekannte High-End-Modemarken, Stay High nicht nur wortwörtlich, sondern auch die Liebe zu dem gleichnamigen Label. Genauso sagt es Ufo361 auf „VVS“ selbst: „Ihr wisst Bescheid, stay high bis zum Tod. Danke an alle Fans, danke, dass ihr das Album gekauft habt. Ihr wisst Bescheid Liebe an die Familie“. Was aber auch die Crowd zu spüren bekommt ist, dass er dabei keineswegs abgehoben wirkt. Auch wenn sich Ufo ein bisschen Star-Arroganz verdient hätte, lässt er sich seinen Ruhm nicht anmerken, bleibt am Boden und liefert auf hohem Niveau ab. Dass er dabei aber auf Playback zurückgreift, ist mehr Stilmittel als Schwäche und funktioniert dennoch.

Fazit: Ufo361 hat über die letzten Jahre, unter Anbetracht seines enormen Outputs, nicht nur einen eigenen Sound kreiert, sondern auch einen gesamten Lifestyle geformt und geprägt. Ohne dabei abgehoben zu wirken, weiß er definitiv, was man als Künstler heutzutage live bieten muss. Hits im Repertoire, ein paar langsamere Tracks wie „Alpträume“, um der Menge eine kleine Party-Pause zu gönnen, ein passendes Bühnenbild, das zwischen dem bekannten Stay High Dreieck und dem 808-Schriftzug wechselt, genügend Nebel, die Fans zum Springen auffordern und natürlich sich für das Ganze hier zu bedanken: „Danke Wien, ich lieb euch alle!“ Und Wien scheint Ufo auch zu lieben.

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