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Momente, die unendlich lang währen // Tua live

Fotos: Daniel Shaked

Der Abschiedsschmerz war von kurzer Dauer. Nur wenige Wochen nach dem umjubelten Orsons-Konzert in der „Grellen Forelle“ findet Tua Ende November wieder seinen Weg nach Wien. Diesmal geigt er als Main-Act auf, der Gig im „Das Werk“ findet im Rahmen seiner „.WAV-Tour“ statt. In die kuschelige Location hat er Lui Hill und Fabian Kalker mitgebracht.

Beide assistieren ihm später auf der Bühne, zunächst sorgen sie für das Vorprogramm. Das rapfrei abläuft: Sänger Lui Hill, der vergangenes Jahr sein gleichnamiges Debütalbum veröffentlichte, gleitet in seiner Musik elegant die Kurve zwischen Electro-Pop und Alternative entlang, Assoziationen an Bon Iver werden geweckt. Dank einer überzeugenden Bühnen-Darbietung fliegen ihm die Sympathien des Publikums schnell zu. Lui Hill punktet mit viel Herzblut, das jeden seiner Töne umschmeichelt.

Der Profession geschuldet zeigt sich DJ Fabian Kalker, gekleidet im auffälligen orangenen Adidas-Tracksuit, distanzierter. Als Support-Act präsentiert der Berliner, der Jazzgitarre und Komposition studierte und als Theatermusiker in den renommiertesten Häusern im deutschsprachigen Raum arbeitet, ein hypnotisches Minimal-Tech-Set. Dafür erntet er ebenfalls wohlwollende Reaktionen. Beide Support-Acts übererfüllen ihre Aufgaben, sind zugleich aber Indikator für ein außergewöhnliches, genreübergreifendes Rap-Konzert.

Nach seinem Set verweilt Fabian Kalker am MacBook, Lui Hill nimmt an den Drums Platz – und Tua platziert sich am Keyboard, eingehüllt vom Erzeugnis der Nebelmaschine. Die ersten Nummern verbringt er in dieser Position. Wenn er nicht am Keyboard spielt, versucht Tua, jeden Zentimeter der Bühne auszunützen. Eine Bühne mit Tücken: Nicht nur, weil im Vorfeld der Aufbau des Equipments eine Herausforderung darstellte, sondern Tua immer wieder Gefahr läuft, sich an den Lichtern den Kopf zu stoßen. Seine Laune trübt das nicht.

Tua spielt diverse Songs aus seinem im Frühjahr 2019 erschienenen, selbstbetitelten Album, darunter „FFWD“, „Bruder II“, „Liebe liebt“ oder „Gloria“, baut in seinem Set aber auch ältere Songs wie „MDMA“ aus „Grau“ (2009), „Moment“ aus der „Raus EP“ (2012) oder das Doubletime-Fest „Wenn man zur Sonne geht“ aus der „Inzwischen EP“ (2008) ein. Für den Song „Werbemädchen“ aus der „Stevia EP“ (2014) erzählt Tua vom Wien-Bezug, fand er seine Inspirationen für den Song in der Donau-Metropole. Mit „Feuer & Öl“ gibt es ein bisschen Orsons-Feeling, dem Publikum kommt die Rolle des Kaas zu.

Tua singt, Tua rappt, Tua spielt am Keyboard, Tua springt. Playback dröhnt keines aus den Boxen, alles ist echt und mit gespenstischer Perfektion. Einen kleinen Texthänger bei „MDMA“ überspielt Tua mit viel Sympathie und noch mehr Improvisationstalent. Das zeichnet einen Musiker schließlich auch aus.

Ein Sonderlob verdient sich das Wiener Publikum. Solchen Enthusiasmus wie an diesem Abend sieht man bei einem Rap-Konzert selten. Auffallend ist der Mangel an leuchtenden Handybildschirmen: Das Konzert geht weitgehend handyfrei über die Bühne, im Jahr 2019 durchaus eine Besonderheit und positive Überraschung. Die sich das Trio auf der Bühne des „Schuhkartons“, wie Tua das „Werk“ liebevoll nennt, mehr als verdient hat.

Die drei Musiker können sich gar nicht vom textsicheren Publikum trennen: Immer wieder kommen Tua, Fabian Kalker und Lui Hill zurück, um eine weitere Zugabe zu spielen. Als Bonus-Tracks werden unter anderem „Vorstadt“ und „Wem mach ich was vor“ performt. Wien ist entzückt – und Tua und Kollegen ist ebenfalls anzumerken, dass sie diese Momente voll genießen. Momente, die unendlich lang währen.

Fazit: Das Wiener Publikum ist als kritisch bekannt. Manche attestieren ihm eine gewisse Laschheit. Bei Tua war das alles nicht der Fall, im Gegenteil. Das Publikum war von Minute eins da. Das haben sich Tua und Band mit ihrem mitreißenden Showprogramm verdient. Bestimmt eine der besten Rap-Shows des Jahres. Vielleicht, weil alles, was Rap-Shows so anstrengend macht, bei Tua nicht vorhanden war.

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