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„Zwei Drittel von uns wollten Rapstars werden“ // TTR Allstars Interview

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Fotos: Matthias Schuch

Das 20-Jahre-Jubiläum von Tontraeger Records ist am 01. Mai nachhaltig in den Hintergrund gerückt, als mit Huckey nicht nur ein Teil der TTR Allstars, sondern auch einer der wichtigsten Wegbereiter und Vertreter der heimischen HipHop-Szene verstorben ist. Die Linzer, mitten in ihrer Tour zum neuen Posse-Album „Chefpartie“, entschlossen sich dennoch dazu, das nur wenige Tage darauf stattfindende „Heimspiel“ im Posthof planmäßig abzuhalten. Es sollte zu einem hochemotionalen Abend zu Ehren ihres Freundes und Kollegen werden. Wenige Wochen zuvor haben die TTR Allstars zum Tourstart im Wiener WUK gespielt. Wir haben dort mit einem Großteil der Crew unter anderem über Hürden beim Gemeinschaftsprojekt, ausgeartete Ego-Geschichten der „alten“ Allstars, konterkarierte HipHop-Werte und den FC Blau Weiß Linz gesprochen.

The Message: Ihr habt bei Tribe Vibes das 20-Jahre-Jubiläum von Tontraeger Records als wichtigen Motor für die Reunion der TTR Allstars und der Arbeit am Album „Chefpartie“ genannt. Warum hat es diesen Anstoß überhaupt erst gebraucht?
Sam:
Die Überlegung ist schon davor mehrmals im Raum gestanden. Zwar haben alle dazwischen immer wieder miteinander gearbeitet, aber das große Projekt des gemeinsamen Albums hat sich vorher nicht ergeben. Wir haben uns gefragt, was wir noch mit Tontraeger machen können und aus vielen Ideen ist dann das gemeinsame Projekt entstanden.
Average: Ich kann mich erinnern, dass es seitens Hinterland schon ewig die Idee gab, ein Hillbilly-Soldiers-Album zu machen. Dann gab es die „Tuesday Classics“ und andere gemeinsame Sachen, aber bei so einem Monsterprojekt braucht es einfach, bis die Zeit reif ist.

Nach dem ersten TTR-Allstars-Album kam es zu gröberen Reibereien und zum Bruch einiger Mitglieder. Hat ein bisschen die Angst mitgespielt, dass ein Nachfolger ähnliche Konsequenzen haben könnte?
Antrue: Sicher haben wir intern diskutiert, ob wir uns vielleicht auch zerfleischen werden. Wir haben doch unterschiedliche Ansätze, obwohl wir im Großen und Ganzen denselben Film fahren. Jeder hat eigene Ideen und Vorstellungen, wie man so ein Projekt aufzieht, aber wir sind jetzt nicht so verkrampft, dass wir uns am Ende zerstreiten würden. Es ist recht locker von der Hand gegangen.
Roleee Solo: Bei mir hat keine Angst mitgespielt. Ich habe es eher cool gefunden, dass wir es uns zutrauen, das mit so vielen Leuten aufzuziehen. Es war spannend zu sehen, dass jeder versucht hat, gewisse Aufgaben zu übernehmen. Wir haben das gut aufgeteilt, das war nicht nur aufs Schreiben und Rappen der Parts beschränkt. Sei es Social Media, das Organisieren von Auftritten oder, dass die Beats auf Vordermann gebracht werden. Jeder hat in seine Aufgabe hineingefunden und den anderen das Vertrauen geschenkt, dass alles cool wird.

Wie schwer ist es den einzelnen speziell auf textlicher Ebene gefallen, ihre Themen und Ideen durchzubringen?
Laima: Das haben immer die Leute gemacht, die im Studio waren oder eine Nummer angefangen haben. Und das ist recht locker gewesen. Ich habe mal zu einer Nummer einen Text geschrieben, der gar nicht gepasst hat. Ich war nicht böse, dass er es am Ende nicht raufgeschafft hat, weil dann zwei viel ernstere Parts dazugekommen sind. Man muss halt im Team arbeiten und das hat gut funktioniert.
Sam: Es war schnell klar, dass nicht alle auf allen 16 Nummern oben sein werden. Du hast Themen, die dir weniger zugesagt haben, leicht auslassen können.
Freistil: Vor allem auch, was die Beats betrifft. Da mehrere Produzenten mit verschiedenen Styles vertreten sind, hat jeder entscheiden müssen, wo die Motivation, etwas darauf zu machen, am größten ist. Aufgrund der Lebenssituationen und weil ein paar in Wien wohnen, ist viel Kommunikation über Whatsapp gelaufen. Wir haben uns eh regelmäßig im Studio getroffen, aber man hat schauen müssen, dass man mit den Themen, die man am Tisch hat, durchkommt. Das war eine große Schwierigkeit – aber es ist der einzige Weg, wenn man so ein Projekt in einer gewissen Zeit durchbringen will.
Roleee Solo: Ich muss ein großes Dankeschön an Flip aussprechen, der das koordiniert hat. Es war ja nicht so, dass im Studio einer nach dem anderen seinen Part aufgenommen hat und alles so gelassen wurde. Flip hat sich viele Gedanken darüber gemacht, damit die Nummern homogen werden. Meiner Meinung nach hat es in Österreich noch kein Album gegeben, das mit so vielen MCs und Charakteren so fett geworden ist. Bei dem du dir denkst, das ist eine Crew und nicht nur ein Label, wo sich einzelne Leute treffen und halt eine Compilation machen.
Flip: Mir würde das Unsichtbaren-Album einfallen, das war konzeptuell auch so ein Crew-Album.

Auf dem Album sind vereinzelt autotunelastige Sequenzen vertreten – etwa bei der Laima-Hook auf „Die Wöd Is A Dorf“. Haben das sofort alle positiv aufgenommen?
Laima: Das war bei der Hook nur ein Ton, den hab‘ ich nicht ganz dasungen. Die Ur-Funktion von Autotune war für mich immer – so habe ich das damals auch das erste Mal bei „Believe“ von Cher gehört – dass man sich damit einen hohen Ton, den man nicht mehr trifft, holt. Bei mir ist das nur beim Wort Anonym, sonst ist das nur meine schöne Stimme (lacht).
Flip: Der hauseigene Autotune. Es ist aber noch eine leichte Spur drunter und die macht einen leichten Phasing-Effekt, weswegen man vielleicht das Gefühl hat, dass mehr da ist. Es sind echt nur zwei kleine Stellen – eine Pitch-Korrektur. Da ist es weniger um den Effekt selbst gegangen.
Laima: Ich habe dem Flip gesagt: ‚Ich will diesen Cher-Effekt haben!‘ Und genau so klingt es.

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Inwieweit seid ihr im Vergleich zu den damaligen TTR Allstars die homogenere Crew mit den verträglicheren Charakteren?
Flip: Ja, definitiv!
Laima: Das wird sich erst herausstellen, wenn wir die Tour fertig gespielt haben. Damals waren es vielleicht fünf Konzerte, da haben wir uns schon komplett zerstritten. Und wenn wir jetzt die 14 Konzerte ohne Streit über die Bühne bringen…
Flip: Die Unsichtbaren-Gigs davor darf man auch nicht vergessen. Es war ja historisch: 2006 ist das Unsichtbaren-Album herausgekommen und im Jahr darauf das erste der TTR-Allstars. Wir waren von Ende 2005 bis Frühling 2007 quasi immer im Studio und haben an diesen zwei Projekten gearbeitet. Das war too much. Jetzt haben wir alle Jobs und keiner ist wirklich davon abhängig, mit dem Projekt Geld zu verdienen. Das war damals ganz anders. Ein paar hatten die Idee, vom Rappen zu leben, viel intensiver als in der jetzigen Partie. Und wenn du dann noch die Beute auf 15 Hanseln verteilen musst, wird’s eng.
Roleee Solo: Naja, wir sind jetzt einfach viel gechillter. Aber nicht unbedingt aufgrund der Jobsituation.
Flip: Aber es war stark der Impetus vorhanden, damit Geld zu verdienen.

War die zu große Verbissenheit einiger Akteure der Auslöser der damaligen Streitereien?
Laima: Es war sicher so, dass zwei Drittel von uns Rapstars werden wollten – und zwar im nächsten Jahr. Da war eine Karriere in Österreich oben in den Charts und Geld verdienen der erste Fokus. Sie waren sehr enttäuscht, dass es nicht so gekommen ist und haben sich gegenseitig die Schuld dafür gegeben. Die Antwort hat dann etwas rausgebracht und sie waren sauer, dass es kurz darauf ein Release von Sodom & Gomorrah gab. Sie haben gemeint, dass man sich gegenseitig Leute wegnimmt – so blöde Streitereien halt. Kleine Ego-Sachen, die eigentlich leicht zum Lösen wären. Sie haben fast angefangen, sich bei Konzerten zu schlägern.
Flip: Haben sie dann auch! GC und Kroko Jack sind einmal Backstage aufeinander losgegangen und haben sich gefetzt. Das war in der Phase zwischen 2004 und 2007, der ersten Mundart-Rap-Ära. Alle haben nach Linz geschaut – Markante Handlungen, Die Antwort, BumBumKunst, Kayo und so weiter – wir haben Mundart-Rap definiert und überhaupt auf die Landkarte gebracht. Man hat sich an Beispiele geklammert: ‚Das wird funktionieren wie in der Schweiz – wir kreieren unser österreichisches Ding und das wird voll losgehen!‘ Ist es eh, aber erst zwei Jahre später mit den Vamummtn und „Kabinenparty“. Das haben mit den Vamus Leute abgestaubt, die erst auf dieser Welle mitgeritten sind und dann das Slangsta-Movement gegründet haben. Dadurch, dass wir es nicht gekriegt haben, haben andere profitiert – aber am wenigsten Marquee, Die Antwort, Kayo und Co, die wirklich voll viel dafür getan haben. Das vergisst man heute gerne, aber es war ein Mitgrund für diese Ego-Geschichten.

Oft ist es um den Studioplatz gegangen. BumBumKunst ist die ganze Zeit bei mir im Studio gesessen und hat Sachen für Sodom & Gomorrah aufgenommen. Ich habe ihm dann gesagt: ‚Ganz ehrlich, i bin jetzt da und würd gern das Paroli-Album fertig machen. Tut mir leid, das ist mein Studio.‘ Er hat mich gefragt, ob ich sein Album mischen kann – ja, ich mische euer Album im Juli. Kunsti darauf: ‚Na, so lang könn ma ned warten!‘ Am nächsten Tag hat er ein Mic bestellt und war dann nie wieder im Kerkerstudio. „Lollipop“ von Lil Wayne und solche Geschichten haben’s dann gecovert. Aus unserem Ethos heraus, für Mundart-Lyricism zu stehen, war das Thema: ‚Was macht’s ihr zwa da eigentlich? Ihr konterkariert ja alles, wofür Tontraeger stehen soll!‘ Wir haben es eh lustig gefunden, aber es war eine zusätzliche Friktion. Das gibt es heute nicht mehr, da ist jeder gesettelt genug. Die Erwartungshaltung ist viel realistischer und dadurch war auch die Ausgangslage eine ganz andere.

Anlässlich des Albums habt ihr die „Linz brennt“-Metapher ausgegraben, Tontraeger Records soll wieder vermehrt als Label gepusht werden, nachdem es in den vergangenen Jahren trotz einiger Releases keine große Rolle gespielt hat…
Antrue: Die Labelarbeit an sich ist mehr in den Hintergrund gerückt, weil sich keiner mehr richtig reingehängt hat – wir haben es nicht richtig gepusht. Es war eher auf die einzelnen Crews fixiert. Uns war es auch immer ein bissl ein Dorn im Auge, das Label so in den Vordergrund zu stellen. Dass wir privat eh Freunde sind, steht außer Frage.
Average: Es hat wohl auch mit der Zeit zu tun. Dass der Name Tontraeger immer und immer wieder gefallen ist, war in der Zeit von Markante Handlungen. Da war ja noch keine Rede von Duzz Down San, Honigdachs, Hanuschplatzflow und so weiter. Damals hat es fast nur dieses eine Label gegeben und darum ist der Name immer wieder gefallen – RoofTopClique würde mir noch einfallen, falls das auch ein Label war.
Roleee Solo: Und Goalgetter.
Average: Stimmt. Aber TTR war trotzdem das Label mit den orgen Mundart-Künstlern, bei dem viel passiert ist. Das war eine Zeit, in der jeder sein Label gepusht hat, jeder heiß darauf war, auf Tontraeger zu sein. Nachher kann ich die Aussage von Antrue unterschreiben – es gab zwar weiterhin Releases und jeder hat gewusst, dass es die Basis ist, aber es ist nicht mehr im Vordergrund gestanden. Das Logo war halt noch irgendwo hinten drauf.
Antrue: Es war wahrscheinlich eine Understatement-Phase.
Laima: Es war auch die Zeit dafür. Der Ruf war ja irgendwo schon weg…

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Ihr seid alle schon viele Jahre bei TTR aktiv, wirkt wie eine eingeschworene Gruppe. Ist in Zukunft geplant, dass auch wieder neue Acts dazustoßen?
Laima: Es gibt vieles in Linz, das nicht so zu uns passen würden. Und viele Sachen deckt eh Def Ill ab, K.S.Kopfsache zum Beispiel. Dann gibt’s jemanden, mir fällt der Name gerade nicht ein, der macht ziemlich stark von Texta und Tontraeger beeinflusste Sachen, obwohl er auch Trap einbaut. Da ist alles drinnen.
Kayo: Im Endeffekt sind das immer natürliche Prozesse, man wächst rein. Da Staummtisch war damals zum Beispiel auf der TTR-Compilation gefeaturt, bei Average war es ähnlich.
Antrue: Dem stimme ich zu. Ich würde keinen Act dazunehmen, der zwar megadope ist, aber von der menschlichen Seite her nicht reinpasst.

Ist es auch auch eine Generationsfrage? Die meisten Vertreter der vierten und fünften Linzer Rap-Generation scheinen stilistisch weit entfernt von euch zu sein.
Flip: Die 4. und 5. Generation ist generell relativ unauffällig. Außerdem ist das Knüpfen persönlicher Kontakte heute nicht mehr so notwendig wie vor vielen Jahren, um präsent zu werden. Jemand kann neben dir im Haus wohnen und du siehst ihn jeden Tag vorbeimarschieren, aber er wird dich nicht anreden, weil er nicht muss. Übers Internet hat er eh alles, Produktionsmittel sind demokratisiert, jedes Video kannst du selbst schießen. Die Struktur? Spotify, iTunes, Bandcamp, SoundCloud, wie auch immer. Du kannst leicht releasen, das ist der Unterschied zu früher. Früher war es viel essenzieller, ein Release, eine CD zu haben. Das ist den Kids ja komplett wurscht. Ich bin zum Beispiel auf ein Video von einem gestoßen, der auf Englisch rappt, etwas mumbleartig, vom Sound her bisschen wie Kendrick Lamar – voll okay. Auch mit Aufnahmen vor der KAPU. Ich habe den noch nie gesehen und weiß nicht, ob der jemals schon auf einem HipHop-Konzert war. Oder eine andere Linzer Crew, die sich Aggressive Kunst nennt und linkslastigen Rap macht. Pixel fällt mir auch noch ein, der ist noch sehr jung, der Sohn vom Chef des AEC. Es kommen schon ein paar nach, aber die sind noch nicht ganz auf dem Level.
Roleee Solo: Ich halt’s für wichtig, dass sich die jungen Leute trauen, live zu spielen. Oder versuchen, dass sie live spielen können. Wir haben damals auch mit schwindligen Gigs am Arsch der Welt angefangen, es war für uns eine Erfahrung. In der heutigen Zeit geht alles mit Laptop und USB-Mikrofon, dann hast du deine 200 Tracks auf der Festplatte und deinen zwei dichten Freunden taugt es eh voll. Aber wenn du das vor einem Publikum präsentierst, deine Stimme auf dem Lautsprecher hörst, die Reaktionen aus der Crowd mitkriegst, brauchst du einen gewissen MC-Charakter. Alle leben in ihrer Blase und holen sich irgendwo Likes oder Clicks, aber an richtigem Feedback sind sie kaum interessiert.

TTRKönntet ihr jüngeren Rappern eher hinsichtlich Live-Performances unter die Arme greifen als im Studio beziehungsweise mit Labelarbeit?
Flip: Absolut! Zu davor noch: TizudemJay fällt mir noch ein, der klingt sehr Deutsch, rappt tight und hat gut produzierte, trappige Beats. Ich habe den Kerl noch nie in der Stadt gesehen und weiß nicht, wo der herumstylt (alle lachen). Du siehst die Leute nicht mehr.
Average: Weil ihr nie im Süden unterwegs seid!
Flip: Der ist ja nicht einmal aus dem Süden.
Average: Ihr traut euch ja nicht einmal über die Kleinmünchen-Grenze, da bin ich aufgewachsen!
Roleee Solo: Ich glaube, dass man sich mit 15 oder 16 nichts beibringen lassen will. Bei uns war’s immer so, dass wir nicht unbedingt wegen den Konzerten nach Linz gefahren sind, zumindest bei mir ist es mehr ums Freestylen vor der KAPU gegangen. Der Competition-Gedanke, der Jam-Charakter und der Austausch waren mehr im Mittelpunkt. Das ist ja längst nicht mehr so. Schau‘ dir die ganzen Leute an, die jetzt auf ein Konzert gehen. Die schießen sich ja vorher schon so weg, damit sie die Musik spüren können.
Flip: Turn-Up!
Rolee Solo: Bei uns war es mehr die Competition als das Teachen.
Freistil: Und das mit Leuten, die in diesem Bereich eine Kompetenz haben. Jetzt hat sich das übers Netz total gedreht. Bevor ich mir jemanden hinstelle, der ebenbürtig ist, kann ich mir genau so die Props bei allen holen, alle erreichen und dabei werden immer ein paar Krümerl für mich abfallen, die mein Ego aufbauen.
Laima: Es ist halt viel wichtiger geworden, wie etwas ausschaut, als wie es klingt.

Average, du bist in dieser Runde der einzige, der sonst ausschließlich auf Hochdeutsch rappt – am Album bist du erstmals auch auf Mundart zu hören. Ist das ein Startschuss oder bleibt das eine einmalige Sache?
Average: Eine Sprachreise! Außer bei Kollabos oder falls sich wieder einmal so eine Konstellation ergibt, da bin ich offen für alles. Ich muss sagen, dass ich Gefallen daran gefunden habe. Es stimmt, was alle sagen, denn es ist wirklich einfacher zum Schreiben – weil du ja Tag und Nacht in der Sprache redest. Aber ganz losreißen kann ich mich wohl nicht vom Hochdeutsch. Es kickt mich trotzdem mehr und steht dafür, was ich in den vergangenen zehn Jahren gemacht habe. Es passt schon so, meine Solo-Geschichten werden weiterhin auf Hochdeutsch sein.

Einige von euch sind Fans von Blau-Weiß Linz. Auf Instagram habe ich kürzlich ein Foto aus dem Linzer Stadion gesehen, bei dem das TTR-Logo auf der Brust des Goalies zu sehen ist. Wie hat sich das ergeben?
Sam: Die Idee, dass man etwas mit Blau-Weiß macht, ist über einen Freund von mir gekommen. Sie waren relativ offen und haben gesagt, dass die Leute, die auf unsere Konzerte gehen, auch zu den Blau-Weiß-Spielen kommen sollen. Aktuell sind unsere Konzerte wohl beser besucht, also eigentlich profitieren sie mehr von uns (Gelächter). Wir haben darüber geredet und sind schnell aufs Thema Social Media gekommen, wo wir uns gegenseitig verlinkt haben. Sie haben uns dann angeboten, dass der Tormann ein Dress mit dem Logo kriegt. Das hat er mittlerweile auch bei Spielen getragen.

Sind unter euch auch LASK-Fans?
Flip: Na, aber ich hab als Bua mal beim LASK gespielt.
Average: Ich bin neutral.
Antrue: Ein Linzer Junge!
Average: Ein Blau-Schwarz-Weißer, aber beim Derby würde ich zum LASK halten.
Flip: Wirklich?
Average: Ja sicher!
Sam: Blau-Weiß Linz steht definitiv für die alternative Szene und Verbindungen zur Kultur, der LASK steht dagegen für keine Ahnung, Wels?
Flip: Pasching.
Laima: Und mit dem neuen Stadion bald Pichling. Aber auf jeden Fall nicht mehr LASK, sondern PASK.
Sam: Also ich glaube nicht, dass man mit der Aktion jemanden verschreckt. Das KAPU-Umfeld, aus dem wir alle kommen, deckt sich schon ziemlich mit dem Blau-Weiß-Umfeld.
Flip: Wenn eine WM oder EM ist, findet vor der KAPU immer ein Screening statt. Dort sitzen zig Blau-Weiße, aber es findet sich kaum ein LASKler ein.
Antrue: Aber es gibt natürlich einige LASK-Fans, die gerne TTR-Sachen hören.

Apropos KAPU: Der oberösterreichischen Landesregierung schwebt eine drastische Senkung des Kulturbudgets vor. Als Reaktion hat die Kulturplattform Oberösterreich Ende 2017 die Initiative „Rettet das Kulturland“ ins Leben gerufen und 17.000 Unterschriften gesammelt. Aktuell ist es wieder recht ruhig um das Thema – was wäre in Folge einer Kürzung zu befürchten?
Laima: Die Folgen sieht man nicht sofort – in 10 bis 15 Jahren aber umso massiver, wenn bei Bildung und Kultur eingespart wird. Die Menschen haben sich traditionell immer zerfetzt, wenn es keine Spiele, keine Kultur gegeben hat. Genau so ist es bei der Bildung. Es sind Dinge, bei denen man niemals sparen sollte.
Flip: Der Landeshauptmann gönnt sich eine sündteure, flächendeckende Plakatserie und stutzt im selben Zug das Kulturbudget um mindestens zehn Prozent zusammen. Es geht ja nicht nur der freien Szene so, das betrifft jede Landeskultur. Vom Landesarchiv über Landesbibliotheken, Theater, Museen. Meine Nachbarin ist Direktorin der Landesbibliothek. Ihr hat man mitgeteilt: ‚So, nächstes Jahr beträgt dein Budget nicht mehr bei 1,1 Millionen Euro, sondern 900.000.‘ Von heute auf morgen. Nicht dass jemand kommt und sagt: ‚Wir haben uns das angeschaut und sehen da und dort Einsparungspotenzial, deshalb müsste es mit der Summe auch funktionieren.‘ Es wird immer ökonomisch argumentiert, aber es hat für mich überhaupt keine Ökonomie. Als würde jemand schauen, wo es Doppelgleisigkeiten und Strukturen gibt, die man wirklich abschlanken kann. Wenn so etwas nicht passiert, ist es reine Symbolpolitik – und wenn das Symbol des neuen Landeshauptmanns ist, dass man im Kultur- und Sozialbereich sparen kann und muss, heißt das ja viel. Wir werden sehen, was das in paar Jahren bringt. Momentan probieren alle, zu strampeln.
Average: Oberösterreich ist das Vorbild für den Bund. Ich bin mir sicher, dass sich das überall in eine ähnliche Richtung entwickelt.
Laima: Wien wird sich traditionell am längsten wehren.

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