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Doppelgangaz

Dope Raps, launige Show // The Doppelgangaz live

Doppelgangaz
Fotos: Lena Bischoffshausen

Bevor The Doppelgangaz in der Nacht auf Samstag im letztlich gut gefüllten Fluc loslegen, sorgt Soulcat E-Phife für eine würdige Einstimmung. Die in Wien wohnende Steirerin mit dominikanischen Wurzeln startet mit etwas Verspätung ihren engagierten Auftritt, bei dem sofort ihre bemerkenswerte Stimme heraussticht. Mit Unterstützung des Fear le Funk-Residents Ra-B Groovebuz an den Decks switcht sie stetig zwischen in sauberem Englisch vorgetragenen Tracks und deutschen Ansprachen. Die Performance unterstreicht ihre stilistische Vielseitigkeit – von Synth-Funk-Sound wie bei „Do it Ruthless“ über mit Band entstandene, jazzige Tracks bis hin zu smoothem Boombap wie bei der von Mono:Massive produzierten Nummer „Never Show Love“. Soulcat liefert eine routinierte Bühnen-Performance, sofern man über vereinzelte Blicke auf einen Spickzettel und kleine textliche Ausrutscher hinwegsieht. Als Special Guests übergibt sie zwischenzeitlich ihren jungen Kolleginnen Alice D und Samira Dezaki das Zepter. Das Publikum zeigt sich noch nicht richtig aufgewärmt zu haben – „Wien ist eingeschlafen“, so ein treffender Zwischenruf eines Besuchers. Immerhin gelingt es Soulcat noch, einem Besucher eine „Never Show Love“-Platte inklusive Wohnzimmerkonzert für 100€ schmackhaft zu machen.

Soulcat

Gegen ein Uhr starten schließlich The Doppelgangaz ihr launiges Set. Das DJ-Pult bleibt fortan leer, den Job übernimmt EP über sein Tablet. Nach kleinen technischen Problemen und einer wirkungsvollen Motivationsansprache – „We took showers, come closer!“ – komplettiert Matter Ov Fact das „Ghastly Duo“ aus der New Yorker Peripherie. Von Beginn an zeigen sich die Mantelträger (ihre „Black Cloaks“ legen sie jedoch schweißbedingt bald ab) humorvoll und sympathisch. Die Interaktion mit dem Publikum geht dabei weit über das gemeinsame Singen und Grölen der einprägsamen Hooks hinaus. Mehrmals spitten The Doppelgangaz aus der Crowd heraus, über weite Strecken darf ein textsicherer Fan Backup-Rapper spielen. Immer wieder sorgen die MCs zwischen den Tracks für Schmunzler und Lacher, in erster Linie durch Situationskomik und das gezielte Necken von Gästen. So geben sie Props an die grimmige Security-Frau, die – trotz Intervenierens der Rapper – eiskalt mit Tschick im Mund einen unerbetenen Bühnengast wegzerrt. Daneben flirten sie, stellen unter anderem eine lockige Besucherin ins Spotlight und heben „The voice of an angel“ unserer Fotografin hervor, die zwischenzeitlich ihr Gesangstalent unter Beweis stellen darf.

Doppelgangaz

Die ausgeprägte Nähe zur Crowd wirkt, obwohl der Ablauf bei allen Shows ähnlich sein dürfte, in keinem Moment aufgesetzt. Man kauft den Doppelgangaz die hohe Wertschätzung der Besucher sowie ihre „This feels like home“-Bekundungen ab, die beiden sind sichtbar in ihrem Element. Das Wichtigste dabei: Sie übertreiben es nie mit dem Rahmenprogramm, widmen sich stets in einem adäquaten Ausmaß ihrer Hauptaufgabe. So gibt es an der Performance ihrer von Hedonismus geprägten Tracks kaum etwas auszusetzen. Matter Ov Fact und EP rappen mit viel Engagement, durchwegs pointiert – und verständlich, soweit ihr gar nicht so dezenter Slang und das elaborierte Vokabular eben zulassen. Da die Boxen erwartungsgemäß dem charakteristisch druckvollen Doppelgangaz-Sound nicht ganz gerecht werden, entfalten die Beats im Fluc leider nicht ihre volle Wirkung.

Trotz der Bezeichnung als „Dopp Hopp Europe Tour“ spielt das namensgebende, 2017 veröffentlichte Album beim Auftritt keine übergeordnete Rolle. Kein großes Problem, schließlich dröhnen stattdessen zahlreiche „Gangaz-Classics“ aus den Boxen – mit „Sick To My Stomach“ und „La La La“ haben es sogar zwei Tracks des Debütalbums „2012: The New Beginning“ ins Set geschafft. Besonders positiv in Erinnerung bleiben aber die performten Banger „Holla x2“ und „KnowntchooTahLie“, die D(opp)-Funk-Hymne „Roll Flee“ und „Fajita Effect, ein Vorbote auf das demnächst erscheinende Studioalbum „AAAAGGGHH“.

Fazit: Trotz der kleinen Anlaufschwierigkeiten zu Beginn wurden die Besucher im Fluc letztlich mit einer großartigen Konzertnacht belohnt. The Doppelgangaz haben voll abgeliefert – eine starke Performance, garniert durch ihre aufgekratzte Art und eine starke Nähe zur Crowd. Mit einer Dauer von eineinhalb Stunden ist die Show überdurchschnittlich lang, gleichzeitig aber ziemlich kurzweilig ausgefallen. Ein großes Danke geht auch an Fear le Funk fürs feine Booking und an Soulcat E-Phife fürs engagierte Aufwärmen!

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