The Crispies gefangen in der Matrix // The Message Videopremiere

(c) Seayou Records

Vor zwei Jahren überraschten The Crispies zuerst mit der Single „Bad Blood“ und dann mit ihrem Debütalbum „Death Row Kids“ die österreichische Musiklandschaft. Schnell wurden die verzerrten Gitarren und blechernen Gesänge der Band zum Aushängeschild der „härteren“ Indie-Fraktion in der FM4-Musikredaktion. Medien sahen in ihnen die Retter des Rock’n’Roll. Es folgte sogar eine Nominierung für den Amadeus.

2018 steht die Band wieder in den Startlöchern. Im März erscheint das neue Album „Fake Leather“. Wie mit dem Debütalbum schafft es die Band zu überraschen: Neuer Bassist, neue Frisur, neuer Sound. War die erste Single „Easy“ noch eindeutig der Gitarrenmusik zuzuordnen, lebt der zweite Streich „Lost My Phone“ von elektronischen Melodien, Dudelsack-Samples und einem schleppenden 80-BPM-Beat. Mit der dritten Single „New Blood“ bricht die Band noch weiter mit allen Erwartungen und ist endgültig in der Gegenwart angekommen; mit Blick über den großen Teich, wo Rapper wie Travis Scott, Skimask the Slump God und Killy mit jeder neuen Soundcloudsingle ohne Vorwarnung Genregrenzen zerbrechen.

Für die Crispies ist die Großstadt Wien ein kleines graues Dorf. Gegen die Langeweile und Durchschnittlichkeit muss angekämpft werden. Im Video zu „New Blood“ manifestiert sich die urbane Tristesse auf einem verlassenen Parkhausdach. Crispies-Sänger Tino und Begleitung hängen herum, spielen am Smartphone und rauchen – bis die Hyperaktivität überhandnimmt. Tino zappelt mit gehetzten Schritten über den Beton und skandiert aufgebracht seine Botschaften in die Welt. Als hätten seine Worte die Matrix enttarnt, verschwinden Teile der Umgebung im weißen Rauschen.

You’re on that new blood, blue blood, old stuff makes you throw up/
Fashion sense top shelf but your new project didn’t blow up/
You’ll never grow up, you’ll never grow up/
White nose, coca cola, hot head, blow up

Mit einer seltsamen Mischung aus Tatendrang und Zynismus schaut Tino auf die Welt. In Gedanken ist er schon drei Schritte in der Zukunft. Wien aber bleibt ein graues klebriges Etwas und bremst automatisch jeglichen Fortschritt. Am Ende des Videos weicht die Hysterie der Ausgangssituation. Die Protagonisten hängen wieder herum, alles ist doch wieder alltäglich.

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