Tempting your Girlfriend // Gizzle live

Vergangenes Jahr tauchte ein Video von Puff Daddy auf, das wie aus der Zeit gefallen schien. Sean John Combs und Ty Dolla $igns R’n’B-Sommerhymne ließ an damals erinnern, als Biggie noch lebte und mehr Geld noch für mehr Probleme sorgte. Abgesehen davon, dass sich das Schönheitsideal geändert hat (in der Penthouse-Suite räkelten sich 2016 nun skinny Models), hörte man die rauchige Stimme einer Rapperin, die elegant mit kreisrunder Chanel-Sonnenbrille darüber erzählt, wie sie gerade Girls verführt. Gizzle betrat als queere Rapperin die Bildfläche der kommerziellen und hypermaskulinen HipHop-Welt, ohne sich über Männerfantasien zu vermarkten. Nachdem sie Teil von Puff Daddys „Bad Boy Family Reunion“-Tour in den USA war, ist sie nun auch in Europa unterwegs. Ein ziemliches Glück für Wien.

Das queer-feministische SiSTERS-Kollektiv hostete den gestrigen Abend (voll mit anderen starken DJ-Sets), dessen Stimmung mehr als ausgelassen und der Jubelgeräuschpegel ohrenbetäubend war. Aufgeheizt vom Set von BAEWANDÁ & eenyonam (Bad&Boujee, bitte öfter booken!), die Gizzles Tour-DJ ziemlich in den Schatten stellten, eröffnet diese das Konzert mit dem ersten Track „Black Tie“ von ihrer im Januar erschienen EP „7 Days in Atlanta“.

Gizzle selbst stellt sich an diesem Abend selbstbewusst als Rapperin und Songwriterin vor: Seit 2008 pflegt sie bereits eine enge künstlerische Beziehung mit Ty Dolla $ign und hat für Größen wie Travis Scott, Kid Ink oder Snoop Dogg geschrieben. Etwas komisch fühlt sich das kurze Anspielen der Songs dieser Künstler an, souveräner wäre es eventuell doch gewesen, diese einfach während des Konzerts als Stimmungsanheizer einfließen zu lassen und somit die Autorschaft zu markieren, statt sie so nacheinander zu reihen. Nach Kanyes „Real Friends“ wird aber wieder auf Gizzle-Mode geswitcht. Sie hat sich nach eigenen Angaben grad von ihrer Freundin getrennt, aber stellt fest: „Why should I be sad? I’m in Vienna!

Tracks wie „Almighty Dollar“ lassen das Fluc beben und natürlich kommt auch „You Could Be My Lover“ für etwas Slow-Jam-Atmosphäre. Die Girl-Fanclique in den ersten Reihen, mit bunten Fächern gegen die Hitze bewaffnet, versuchen Gizzle etwas Luft zukommen zu lassen. Es herrscht ein schon (leider) fast ungewohntes Freiheitsgefühl: Girls feiern mit Girls, Macho-Moves sind zwecklos, so viel Selbstbewusstsein zu sehen macht Spaß und steckt an. Ein zweites Mal ertönt Gizzles „Single & Poppin’“, nach neuem Song-Material, als Zugabe und ein Peacezeichenmeer für G20 entsteht nach Gizzles Aufruf im Publikum. Danach läuft My Neck, My Back von Khia. Es könnte kaum ein passender Track nach diesem Konzert laufen.

Fazit: Glück hatte auch Gizzle mit Wien und dieser Crowd. Danke, bitte mehr von solchen Partys!

Text: Lewon Hotline.bling // Fotos: Marlene Rosenthal

 

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