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Austro Round-up (KW 16/20)

Bereits mit einigen Singles angekündigt, brachte Polifame am 17. April seine neue EP „Tukan“ heraus und damit das hunderdste Release von Duzz Down San. Zum Artikel geht es hier. Bei Monobrother jährte sich das Release des Albums „Solodarität“ vergangene Woche zum ersten Mal. Zu diesem Anlass ist kürzlich ein sehenswert umgesetztes Video zu „Ehe“ erschienen.

Am 20. April ist das ein oder andere „Hiadlliadl“, etwa von MDK & Def Ill oder K.S.Kopfsache, im Netz gelandet. Für die „Sektion Munchies“ haben Gigolo D & JerMcSpinatstrudel“ aus ihrem Ende 2019 erschienenen Album „eher tiaf, aber eh ganz deep“ visualisiert. Und damit eine interessante Kombination aus Musikvideo und Kochrezept mit tänzelnden Mini-JerMcs. Auch abseits davon gibt es wieder jede Menge zu berichten.

Simon Sonido – Learn Together

Mit „Learn Together“ veröffentlichte Simon Sonido am 20. April sein erstes offizielles Beattape. Ein Newcomer? Weit gefehlt, denn der in Wien-Hetzendorf stationierte Rapper und Produzent ist schon lange aktiv – worauf uns Splanksta von WNMRDMNP aufmerksam machte. Bereits 2001 nahm Sonido als Jungspund am großen „Mixery Raw Deluxe“-Freestyle-Battle im Wiener WUK Teil, als Teil der Phönix Foundation war er zudem am ersten „Hip-Hop Connection“-Tape vertreten. Mit den Crews Philly Kidz und Meidlickz bewegte er sich in weiterer Folge eher im Wiener Untergrund, produzierte zudem Tracks für Weisssgold und war Featuregast am 2017 erschienenen Soloalbum von Struggle Gold. Nach einer längeren Pause lieferte Sonido nun zum „4/20“-Thementag acht feine Boombap-Kopfnicker.

Def Ill – Outro

In der gestern erschienenen Ausgabe der „The Message Cypher“ vertreten und ohnehin einer der produktivsten Rapper des Landes, geht es bei Def Ill munter weiter. Um auf sein in Bälde über Duzz Down San erscheinendes Album „Lobotomie“ – den Nachfolger der Solo-LP „Reefa Mawdness“ – einzustimmen, liefert er den ersten, selbst produzierten Vorboten. Beim „Outro“ handelt es sich eigentlich ums Intro zum Album, an dem der Linzer lange gefeilt hat. Erwartungsgemäß kommt darauf sein hoher lyrischer Anspruch zur Geltung. „Hätt i drei Wünsche, war’s nur ana – a Wöd, in der ma kan Wunsch braucht“ ist nur eine von vielen zitierwüdigen Lines aus dem sechsminütigen Clip. Was es mit den titelgebenden Lobotomien auf sich hat, veranschaulicht auch das Video – der brachiale neurochirurgische Eingriff, um psychische Erkrankungen zu behandeln, scheint unmittelbar bevorzustehen.

Slav – Renne Locka

Mit „Renne Locka“ liefert Slav wieder einmal neuen Sound. Dass der Rapper sehr wandlungsfähig ist, hat er bereits mit seiner jüngsten EP „Cons u me“ gezeigt, die einem Kunstprojekt von Silva Flandez nachempfunden wurde. Die neue Single bewegt sich musikalisch zwischem britischem Grime, amerikanischen Drill und französischem Trap. Nur, dass der Pole aus Wien diese Genremischung nutzt, um seinen ganz eigenen Sound zu finden. „2020 New Era“ ist nicht nur eine gute Zeile, um dieses Jahr zu beschreiben, sondern auch seine musikalische Entwicklung. Nur der erwähnte „Dreistreifenjogger“ erinnert an Altes wie „Tristrip“ und ist schon fast zu einem Markenzeichen des Rappers geworden. Das Musikvideo zu „Renne Locka“ ist Polen entstanden. Zwischen Blocks und Asphalt schüttet Slav Wodka auf den Boden, trägt Streifen über Checks und liefert einen Song, zu dem nach der Coronakrise einige Partygäste abgehen dürften. „Renne Locka“ hat den Rapper aufs Cover der „Deutschrap Untergrund“-Spotify-Playlist katapultiert und auch in der „Deutschrap Brandneu“-Playlist findet er sich wieder. Doch vor allem in der Wichtigsten ist er vertreten natürlich jener vom Austro Round-up.

Lent – Moonrocks

Eigentlich hatte Lent ein „krasses Musikvideo“ geplant. Nur leider hat Covid-19 dem Rapper wie so vielen anderen Künstlern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Trotzdem hat sein neuer Song „Moonrocks“ eine visuelle Untermalung bekommen, denn Fans und Kollegen sind zur Hilfe geeilt und haben Lent private Videos geschickt. Darunter zum Beispiel auch KeKe. Der Song liefert typischen Lent-Sound. Leicht unverständlicher Mumble-Rap mischt sich mit hohen, spacigen Autottune-Melodien. Der Beat kommt wie gewohnt von Damian Beats.

Julian – 17

„17“ ist die erste Solo-Single von Julian, der zuvor bereits zwei Songs mit dem 19-jährigen Enzo veröffentlichte. Julian selbst ist offenbar nochmal um zwei Jahre jünger, wie neben dem Titel auch eine Zeile verrät. Viel zu sagen und vor allem aufzuarbeiten scheint er trotzdem schon zu haben. „Mein Kopf war ein Film und deshalb bin ich heute ein Rapper“, heißt es auf dem schnell gerappten Track, der sich zwischen persönlichem Storytelling und selbstbewusst-arrogantem Representen ansiedelt. Inhaltlich geht es dabei um seine private, durchaus intime Story, den Rausch und die Girls. Der Beat kommt von 7even, Mix und Master von PMC Eastblok.

Wal de Mar – Slow

Während Wal de Mar im Video zu „Slow“ durch karge Steinwüsten und dürftige Flora vor dem Nichts flieht, macht sich im Track seine Sehnsucht breit nach Liebe und Freiheit und Nähe inmitten von Einsamkeit. Ein vom produzierter, reduzierter Downtempo-Beat mit Synthesizer-Elementen schafft im Song einen guten Ausgleich zum mitschwingenden Schwermut, könnte Wal de Mar zu einem runden Gesamtwerk verhelfen. Oftmals liefert Auotune in ähnlichen Konzepten eine gute Metapher, hier raubt der extensive Einsatz dem Track leider ein wenig die Tiefe und Bedeutung.

Pippa – Alles egal (feat. Nora Mazu)

Ganz so egal scheint Pippa doch nicht alles zu sein, widmet sie ihrer vermeintlichen Gleichgültigkeit immerhin einen eigenen Track. Im dazugehörigen Video zeigt sie sich antriebslos am Hometrainer, wo sie an einer Flasche Piccolo nippt, unbeeindruckt Tarotkarten anzündet und sich durch den ewigen Instagram-Loop eines immer wiederkehrenden Postings scrollt. Zusammen mit Nora Mazu, die in ihrem Rap-Feature auf die zwischenmenschliche Komponente eingeht, entpuppt sich das Video unter einem eingängigen Pop-Sound zu einer bis ins kleinste Detail durchdachten Gesamtkonzeption aus Glitzer und Pastell. Nicht egal ist übrigens auch die Coronakrise für Pippas anstehendes Release die Veröffentlichung der LP „Idiotenparadies“ wurde auf 28. August verschoben.

Samt – #Ned mit uns!

Erst kürzlich mit „Phönix“ eine EP veröffentlicht, hat Samt vergangene Woche mit einem neuen Track nachgelegt, um ein Anliegen loszuwerden. Den titelgebenden Hashtag „#Nedmituns“ bezieht der Vorarlberger Rapper auf seine Wut und sein Unverständnis gegenüber unnötiger Polizeigewalt. Konkreter Auslöser des Tracks war ein Polizeieinsatz in Nenzing, der bei der Verfolgung von mutmaßlichen Übertretern der Corona-Verhaltensregeln mit Schüssen – und fadenscheinigen Argumenten seitens der Beamten endete. In Vorarlberg schlug der Fall hohe Wellen, wie das Video verdeutlicht. So ist Samts Appell an die Menschlichkeit, den er als offenen Rap-Brief an die Polizei richtet, visuell mit einigen Zusendungen mit dem Hashtag „#Nedmituns“ ausgeschmückt.

Syc Tyson – Mein Mood

Die eingeschränkten Möglichkeiten aufgrund der aktuell geltenden Ausgangsbeschränkungen scheinen Syc Tyson nicht daran gehindert haben zu können, einen neuen Song zu veröffentlichen. Per Skype ließ sich schlussendlich der gesamte Release-Prozess arrangieren, wie der Wiener auf Instagram erzählte. In gewohnt lässiger Manier rappt er melodisch und punktgenau auf den von Vrich City produzierten Beat. „Mein Mood“ ist dabei der Beginn einer kleinen Releaseserie, denn im Drei-Wochen-Takt soll es weitergehen.

Weiteres

Edwin veröffentlichte mit „Lass sie reden“ den dritten Vorboten auf sein kommendes Album, diesmal mit Unterstützung von Hunney Pimp. Auch Seha Eks & Rice Master Yen lieferten mit „Neurosenstrauss“ einen weiteren Teaser auf ihre neue EP. Gewohnt schnell rappt Dr. Docs auf „Whip„, dem zweiten Vorboten auf sein kommendes „NoName“-Tape.

Palavra ist auf dem Track „Merveille“ auf französisch zu hören. Bruno & Pascal schielen nach einigen Quarantäne-Nummern mit „On The Radio“ auf Airplay, der Traurige Gärtner nutzt auf „Feuer“ den technoiden Sound zum Philosophieren über Süchte. Auf einer größeren Rap-Bildfläche präsentierten Chakuza mit „Schwarz Weiss„, Jonny5 & Pislik mit „Freddy Krüger“ und Money Boy mit „Yummy“ neue Singles mit Videos.

Weiters zeigten sich einige Produzenten aktiv. Mit „Sit Back and Listen“ gibt es den ersten Vorboten auf Flips Instrumentalalbum „Experiences“, das Anfang Juni über Beat Art Department erscheint. Kürzlich bereits mit „Dawn At The Souk“ angeteast, lieferte Mr. Käfer mit „Runaway“ eine entspannte Auskopplung des Projekts „Orientation„, das am 8. Mai via Melting Pot Music erscheint. Im Verbund mit dem US-Rapper Boogie Bang unter dem Namen Redeyeblue aktiv, produzierte der St. Pöltner e.kwality für den Track „hustle.“ einen feinen Kopfnicker DJ SPS unterstützt mit Scratches.

Ein interessantes „2 on 2“-Match hatten kürzlich die Grazer DNA & Ringelnatz gegen Falk & Khacoby, das es nun am YouTube-Kanal von DLTLLY nachzusehen gibt.

Text: Simon Nowak, Chiara Sergi, Francesca Herr & Mira Schneidereit

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Interviews

Corona-Krise: 6 Fragen an OG Keemo, SLAV & Jugo Ürdens

Jugo Ürdens, OG Keemo , Funkvater Frank & SLAV (v.l.n.r.)

Covid-19 ist in aller Munde, betroffen sind alle – Arbeitnehmer, Arbeitgeber, große Unternehmen, kleine Unternehmen, und nicht zuletzt Künstlern. Vor zwei Wochen werden in Österreich Großveranstaltungen über 100 Personen verboten, prompt eine Woche später müssen Clubs für unbestimmte Zeit komplett schließen, und damit auch die Konzertmöglichkeiten für Künstlerinnen und Künstler.

Die Musiklandschaft wird gehörig durchgerüttelt – Kunstschaffende müssen ihre Touren absagen, Konzerte werden auf teils noch unbekannte Daten verschoben, Videodrehs werden abgesagt, und Jobs gehen flöten.
Deutschrap ist also wie jeder andere Bereich der Gesellschaft von der Covid-19 Krise betroffen. Doch anstatt zu resignieren, entstehen eigens geschaffene ‘Coroni’-Songs, die mit Zeilen wie ‘Bleib in Quarantäne, ja ich lebe wie auf Hartz. Du tötest alte Menschen, du benimmst dich wie ein Arsch’ wie hier von Longus Mongus / BHZ glänzen. (Siehe auch unseren Sound of the Quarantine) Errdeka widmet sich der Thematik auf eine sehr sozialkritische Art, und erinnert uns nebenbei gleich daran, dass Fleischessen scheiße ist.

Mir geht’s nicht um mich, mir gehts um Opas und auch Omas. Wir rennen in die Läden stapeln Nudeln, Suppen, Klopapier – nur weil wir uns weiter ernähren müssen von totem Tier. In den Supermärkten Schlangen voller Egoisten“

Errdeka auf Instagram

Auch Podcasts entstheen, wie von SSIO & Xatar. Sie solidarisieren sich, rufen Rapper und deren Fans dazu auf, empathisch zu sein, zusammenzuhalten, nicht zu hamstern, und vor allem zu Hause zu bleiben. Die Alles-egal-Einstellung, die oftmals das Tageslicht erblickt, rückt dabei weit in den Hintergrund. So wie bei Eko Fresh, der auf die Bitte des Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration in Nordrhein Westfalen zu den Jugendlichen durchdringen soll, und dies mit folgenden Worten tat:

„Ich bin ungern der Überbringer von schlechten Neuigkeiten, aber diesmal muss es sein. Freunde, was soll das, sich trotzdem zu treffen, gerade in dieser Zeit? Was sollen Grillpartys? Corona Partys? Das ist doch nicht die richtige Einstellung!“

Eko Fresh via Twitter

Eine schon bestehende und eng vernetzte Community hält auf einmal noch mehr zusammen und zeigt sich als open-minded, aufgeklärt und verantwortungsbewusst gegenüber Risikogruppen.

Was passiert aber nun mit Künstlern, die noch nicht Millionen auf dem Konto liegen haben, die es sich nicht leisten können, einfach mal eine Pause von allem einzulegen?

Viele Künstler sind schwer getroffen, laufende Ausgaben stehen wenig bis keinen Einnahmen gegenüber. Rettungsschirme, wie der, der AKM (Gesellschaft der Autoren, Komponisten und Musikverleger) und austro mechana (Urheberrechtsverwertungsgesellschaft für mechanisch-musikalische Urheberrechte) sollen den besagten Künstlern helfen. Notfallfonds von 1 Millionen Euro sollen den Künstlern, die durch die Absagen nun am Existenzminimum leben müssen, zugute kommen.

Um die Situation, in der sich Künstler nun befinden, nachempfinden zu können, haben wir mit OG Keemo, SLAV & YUGO geredet, und ihnen sechs Fragen zu dem Covid-19 Virus und dessen Auswirkungen gestellt.

OG Keemo

The Message: Wie weit betrifft dich die Corona-Krise als Künstler?
OG Keemo: Ich habe das Gefühl, dass ich als Künstler noch privilegierter als Leute in anderen Berufszweigen bin, aber das nervt trotzdem.

Wie weit ist deine Arbeit davon betroffen?
Musik machen können wir immer noch, aber keine Videodrehs, Meetings und Auftritte mehr. Auch die Arbeitsmoral in so einem Klima ist nicht die geilste.

Wirkt sich die Situation auf deinen Jahresplan aus?
Schon ja, aber man kann noch alles anpassen.

Durch die gesetzten Maßnahmen fallen viele Events, Jobs und Drehs weg. Was bedeuten diese Verluste finanziell und in deiner Entwicklung für dich?
Bis jetzt noch nicht allzu schlimm, aber rechne schon damit und hab dementsprechend einkalkuliert, dass der halbe Festivalsommer flöten geht.

Aus der Sicht eines Künstlers: Hätte man mit der Situation anders umgehen sollen oder sind die eingeleiteten Maßnahmen richtig?
Ich glaube, man hätte das von Anfang an und viel früher mit mehr Ernsthaftigkeit und Aufklärung behandeln können.

Welche Initiativen bzw. Unterstützungen bräuchte es in Deutschland nach der Krise für Künstler?
Es gibt keine Versicherung für die verlorenen Festivals, das wär cool, wenn es da was gäbe!

SLAV

The Message: Wie weit betrifft dich die Corona-Krise als Künstler?
SLAV: Im jetzigen Augenblick, betrifft mich die Krise künstlerisch noch nicht. Klar, man macht sich viele Gedanken darüber, aber da ich sehr viel vorgearbeitet habe, habe ich genug Output auf der Seite. Es könnte sich sogar positiv auswirken, da man viel Zeit zu Hause verbringt, dadurch viel schreiben kann und so die wichtigen Dinge reflektiert.

Wie weit ist deine Arbeit davon betroffen?
Vollständig. Also von Konzerten bis zu Studio mit Homies oder Videodrehs.
Allgemein ist eigentlich von Managementseite alles auf Eis gelegt.

Wirkt sich die Situation auf deinen Jahresplan aus?
Boah. Einmal eine 180-Grad-Wendung, die gerade passiert. Eigentlich ist es zurzeit nicht absehbar, was dieses Jahr noch passieren wird – oder nicht.

Durch die gesetzten Maßnahmen fallen viele Events, Jobs und Drehs weg. Was bedeuten diese Verluste finanziell und in deiner Entwicklung für dich?
Ja, halt mies. Finanziell ist es schon schlimm, da man nicht absehen kann, wie es mit Festivals aussieht und wie lange sich das ganze zieht. Zwei Konzerte von mir wurden schon abgesagt, was natürlich einen finanziellen Verlust darstellt. Schließlich habe ich ja schon seit Monaten auf das Geld gesetzt. Auch meine künstlerische Entwicklung ist davon betroffen, da ich Geld für Produktion etc. brauche, um mich entwickeln zu können.

Aus der Sicht eines Künstlers: Hätte man mit der Situation anders umgehen sollen oder sind die eingeleiteten Maßnahmen richtig?
Naja, in Österreich sind die Maßnahmen schon gut getroffen, um Schlimmeres zu verhindern. Es wäre schön, wenn sich mehr Menschen daran halten würden und es nicht als Ferien ansehen. Ich würde an die Menschen appellieren, jetzt die Local-Artists zu streamen, um sie dadurch zu unterstützen.

Welche Initiativen bzw. Unterstützungen bräuchte es in Österreich nach der Krise für Künstler?
Also die AKM hat mit ihrem Förderungsfond für Musiker den ersten Schritt in die richtige Richtung gesetzt. Ich würde es unterstützen, wenn andere Unternehmen da mitziehen.


Jugo Ürdens

The Message: Wie weit betrifft dich die Corona-Krise als Künstler?
Jugo Ürdens: Als Künstler bin ich relativ stark davon betroffen. Vor allem finanziell ist es eine mittelschwere Katastrophe.

Wie weit ist deine Arbeit davon betroffen?
Ich kann nicht mehr wirklich ins Studio fahren und Musik aufnehmen, keine Konzerte spielen. Bereits geplante und fixierte Termine und Kooperationen sind auf unbestimmte Zeit verschoben oder auf Eis gelegt.

Wirkt sich die Situation auf deinen Jahresplan aus?
Es wird alles stark nach hinten verschoben. Planen ist generell ein Ding der Unmöglichkeit.

Durch die gesetzten Maßnahmen fallen viele Events, Jobs und Drehs weg. Was bedeuten diese Verluste finanziell und in deiner Entwicklung für dich?
Vor allem finanziell ist es wie gesagt eine Katastrophe.

Aus der Sicht eines Künstlers: Hätte man mit der Situation anders umgehen sollen oder sind die eingeleiteten Maßnahmen richtig?
Ich erachte die Maßnahmen als sinnvoll und halte mich auch daran.
Ich glaube allerdings, dass wir Jahre mit den (wirtschaftlichen) Folgen zu kämpfen haben werden.

Welche Initiativen bzw. Unterstützungen bräuchte es in Österreich nach der Krise für Künstler?
Eine Art finanzielles Auffangkissen wäre sehr wichtig. Wie das aber genau auszusehen hat, übersteigt meine wirtschaftlichen Kompetenzen.


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Austria News

Austro Round-up (KW 04-05/20)

Def Ill sorgte kürzlich als Ruffian Rugged gemeinsam mit dem Briten G-Rhyme General für eine neue Ausgabe der „One Take Show“. In Linz ist zudem das neue Video zu „Sudden Death“ von Quelle Chris & Chris Keys entstanden produziert von Dominik Galleya and Clemens Niel. Auch abseits davon gab es in den vergangenen zwei Wochen eine Menge an neuen Releases und Videos, wie das neue Round-up zeigt.

Releases

Spitting Ibex – Love Hate Fear Fate

Mit stimmungsvollen Shows erspielten sich Spitting Ibex in den vergangenen Jahren einen Ruf als Live-Band. Das konnte das Wiener Quintett auch zuletzt bei der ausverkauften Releaseshow zu „Love Hate Fear Fate“ im Porgy & Bess unterstreichen. Wie bereits die Vorboten „Let It Go“ und „Mr. Operator“ andeuteten, setzt die Truppe rund um Frontfrau Aunty beim zweiten Album stark auf funkigen Sound mit viel 80er und 90er-Flavour – oft mit Synths, Bläsern und Percussions ausgestaltet, sind die neun Tracks außerordentlich gut arrangiert. Das lange Tüfteln am Sound sorgte zwar für eine lange Wartezeit, macht sich bei den Studioaufnahmen aber definitiv bezahlt.

Während Spitting Ibex mit eingängigen, groovigen Nummern wie „Dingo Jackson“ altbewährte Stärken ausspielen, kommen inhaltlich auch einige gesellschaftspolitische Themen zur Geltung – sei es in Bezug auf die Spaltung der Gesellschaft im Zuge der Migrationsdebatte, globales Verantwortungsbewusstsein oder Gender Diversity. Weltschmerz offenbart neben „The Seeds Of Your Sorrow“ etwa auch „Illusions“, wo Jahson The Scientist auf dem schweren, Trip-Hop-artigen Instrumental mit einem Feature vertreten ist.

Kizmet – Asche EP

Bislang vor allem als Hälfte des Steyrer Duos Chaotix in Erscheinung getreten, orientiert sich Kizmet seit seinem Umzug nach Graz vor gut einem Jahr musikalisch neu. Wie MDK, der jüngst seine neue EP veröffentlichte, arbeitet der Mundart-Rapper derzeit viel mit der Fensterlos-Crew rund um die Produzenten Ital Visions, Karli Primus und Senbeiii zusammen. Für seine Solo-EP „Asche“ haben zudem Wolfi F. und Kardinal Kaos Beats beigesteuert. Auf rundem Boombap-Sound widmet sich Kizmet zunächst Battle-Lines, ehe er zunehmend sein Herz ausschüttet, über vergangene Episoden, Fehler und Ängste reflektiert – besonders emotional und mitreißend etwa am Titeltrack und der Videoauskopplung „Tabula Rasa“.

Am Wochenende stehen bei Kizmet gemeinsame Releaseshows mit MDK in Graz und Steyr an, auch eine EP mit dem Honigdachs-Rapper steht in der Pipeline und könnte noch heuer erscheinen. Weitere Chaotix-Tracks sind in nächster Zeit hingegen nicht zu erwarten, wie er uns kürzlich erzählte: „Rawo lebt noch in Steyr und ist Vater geworden. Es hat sich dadurch bisschen auseinanderentwickelt, wir finden einfach nicht mehr so viele gemeinsame Themen.“

Uncle Kareem – Your Favourite Uncle

Der Innsbrucker Rapper Uncle Kareem releaste mit „Your Favourite Uncle“ seine allererste EP. Der Intro-Track „Lnly“ kam bereits als Singleauskopplung vor zwei Wochen raus, die weiteren Tracks bieten eine Mischung aus eher düsteren, dramatischen Beats, melodischen Autotune-Hooks und herausfordernden, persönlichen Lines. Dabei treten zwei wiederkehrende Feature-Gäste in Erscheinung. Jamalito hat sich sowohl als Produzent, als auch als Rapper mit einem spanischen Feature-Part auf dem Song „Overnight“ verewigt. Darius Robinson, ein US-amerikanischer American-Football-Spieler, der für den österreichischen Meister Swarco Raiders Tirol spielt, versucht sich nun unter seinem Künstlernamen Drobceo auf der neuen EP erstmals als Rapper. Er erweist sich auf den drei Songs als würdiger Featurepartner.

Team128 – Infected

Das Wiener Soundcloud-Kollektiv Team128 wagt sich mit einer neuen EP wieder einmal auf Spotify. Diese heißt „Infected“, beinhaltet vier Tracks und eine beachtliche Vielzahl an Feature-Partnern. Internationale Namen, die sich sehen und hören lassen können – so finden sich bereits auf dem ersten Song namens „Fotos“ $oho Bani, Hugonameless und Ronnie Ro$e, neben den hauseigenen Musikern fface128, Moonman128 und symtex128 ein. Eddy Baker, Eric North und Rozz Dyliams sind die weiteren auf der EP vertretenen Gäste. Der Sound zeigt sich mal aggressiver, mal sanfter und sorgt so für kleine Abwechslungsmomente, ebenso wie die Mischung aus Rap auf Deutsch und Englisch.

Videos/Singles

Silk Mob – Heute ned

Aus der zunehmenden Masse an Rap-Boygroups sticht der Silk Mob, bestehend aus Donvtello, Opti Mane, Jamin, Fid Mella und Lex Lugner alleine schon durch die hochkarätige Besetzung heraus. Sind die deutschen Rapper Donvtello und Opti Mane bis dato oft mit starken Flows auf Memphis-Instrumentals in Erscheinug getreten, dominierte bei Jamin stets der butterweiche Sound. Wie der seidige Crewname andeutetet, dürfte es auf der gemeinsamen Platte, angekündigt für 27. März, auch ziemlich smooth und entschleunigt zugehen. Für einen ersten Vorgeschmack sorgt „Heute Ned“. Die drei Vokalisten widmen sich charmanten Wegen des Absagens und Versetzens, denn heute gibt’s maximal ein Date mit der Couch – oder eben der Booth.

Kreiml & Samurai – Würstlstand

Für ein audiovisuelles Highlight sorgten kürzlich Kreiml & Samurai. „Würstlstand“ erweist sich als smoothe, westcoastig vertonte Ode ans Versumpern beim Nachtgreißler des Vertrauens: „Wurscht welches Weda, ob bei Tog oder Nocht / Auf a Wurscht mit am Blech hob i’s oiwei no gschofft“. Diesmal machen die beiden Station beim seit einigen Monaten wieder florierenden Würstler in der Pfeilgasse – kein Wunder, wenn dort ein narrischer Brenk den Chef des Bratorts mimt und Kumpanen wie Voodoo Jürgens, Monobrother, perVers und „WienerAlois Frank als (Stamm-)Gäste vertreten sind. „Würstlstand“ ist der zweite Vorbote aufs neue Album „Auf olle 4re“, das am 21. Februar erscheint.

Edwin, Bibiza & HipHop Joshy – Swipe (Swipe Swipe)

Mit „Swipe“ bringen die Wiener Rapper Edwin, Bibiza und HipHop Joshy ihr erstes gemeinsames Feature raus, produziert von food for thought. BIBIZA und HipHop Joshy rappen arrogante Tinder-Lines auf heftigem 808-Sound, während Edwin mit seiner ergänzenden Hook für Abgehpotenzial sorgt: „Swipe links, Swipe rechts / Auf der Suche nach mir selbst“.

Slav – Lifestyle

Während der Beat von Slay Romeo schon eine kleine Vorfreude auf das Set bei der Afterhour auslöst, stellt Slav die Sinnhaftigkeit dieses vermeintlichen „Lifestyles“ in Frage. Ihm dämmert, „das wahre Leben“ wohl nicht mehr im trauten sechsstöckigen Wiener Altbau zu finden. Am Sofa inmitten des üblichen Partygesellschaft zeigt er sich müde vom dargebotenen Hedonismus und zweifelt fast schon überdrüssig an der etablieren Lusterfüllung.

Auch wenn ihm die kritische Schiene nicht schlecht steht, freuen wir uns, Slav mitsamt seiner Feierlaune am Line-up unserer 23-Jahres-Feier am 29. Mai im Fluc zu sehen!

Barcady52 – Honeypot

Mit seinem neuen Track stellt der Hanuschplatzflow-Neuling Barcady52 ein gutes Gegenstück zur klischeehaften Salzburger Schickimicki-Hochburg bereit. Während sich in der Mozartstadt laut HPF „ein Monopol an kulturbeschränkten Festspielgängern und Krone-lesenden Scheinakademikern bildet“, leben der Rapper und seine Crew lieber mit reichlich „Mozart-Haze“ und Bier in den Tag hinein. Der Track lebt zwar selbst von der massenhaften Aufzählung gängiger Klischees, liegt in seiner Selbstironie aber dennoch sehr nah am realen Salzburger Selbstbild. Beat, Text, Mix und Mastering kommt von Barcady52 selbst, nur die Videoproduktion wurde ausgelagert an die Panzerbande.

Law – O.M.D.

Der in der Donaustadt lebende Rapper Law brachte mit „O.M.D.“ seine vierte Solo-Single raus. Produziert wurde der Track von Jimmy Sue. Law ist Teil des Künstler-Kollektiv Akashic Rekordz, zu dem unter anderem die Rapper T-Ser und Sindney gehören. Im Gegensatz zu den beiden rappt er nicht auf Deutsch, sondern zieht englischsprachige Texte vor. Auf „O.M.D.“ verbindet Law angriffslustige Lines auf einem entspannten Beat.

Spilif & Rudi Montaire – Die Summe

Gleich für ein zweites Video in einer Woche verantwortlich ist die Panzerbande bei Spilif und Rudi Montaire besteht „Die Summe“ aus dem Zusammenspiel der alltäglichen Gegensätze, einfach versinnbildlicht durch Spilifs Rap auf dem jazzig angehauchten Beat von Rudi Montaire. Getragen wird das Ganze von der Soulstimme marry-m-highs im Refrain. Das dazugehörige Album der Innsbrucker Rapperin mit dem Münchner Produzenten nennt sich „Das Leben Tarnt Sich Nur Als Schnitzeljagd“ und erscheint am 21. Februar.

Fantast – Example

Eine neue Grenzaufteilung bestimmt das Weltbild, dick eingezeichnet mit Edding am Risiko-Spielbrett. Auf einem kampflustigen 64-Bit-Sound stellen Fantast klar: „We will never defend you / we are the walls“. Gemixt wurde, wie auch schon bei der erste Single „Fabrics„, in Zusammenarbeit mit Mirac. Am 14. Februar erscheint die neue EP, am 22. Februar gibt es das Crossover-Trio in der Linzer KAPU sowie am 27. März im Wiener Rhiz zu sehen.

ShemA – Hustle

Der Wiener Rapper ShemA lässt mit der Single nach längerer Zeit mal wieder etwas von sich hören. Auf „Hustle“ mischt er seine beiden Muttersprachen, indem er mitten in den Lines zwischen Deutsch und kroatisch switcht. Harte Punchlines wechseln sich mit Shindy-ähnlicher Attitude und einer melodischen Hook ab. Auf „Hustle“ stellt ShemA sein ganzes Repertoire vor, sowohl sprachlich als auch stimmlich: „Du hast recht, ich hab Autotune in meiner Stimme / Doch der Unterschied zwischen uns: ich kann auch singen“.

Text: Simon Nowak, Chiara Sergi, Francesca Herr & Mira Schneidereit

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9 österreichische Rapper und Produzenten über 2019 // Jahresrückblick

Immer wenn sich das Jahr zu Ende neigt, beginnt der große Rückblicke-Marathon: In Zeitungen, Magazinen, TV-Shows und natürlich auch auf vielen Online-Plattformen lassen Journalisten das Jahr Revue passieren, zeigen noch einmal auf, was vielleicht ob der vielen Ereignisse bereits vergessen wurde. Weil wir es aber eher langweilig finden, wenn beim Jahresrückblick immer nur aus Journalisten-Sicht berichtet wird, haben wir ein paar österreichische Rapperinnen und Produzenten gebeten, uns ihre musikalischen Highlights aus 2019 zu verraten.

Brenk Sinatra, Ebow, Digga Mindz, Kerosin95, SLAV, Testa, Huhnmensch, srsly und Arkan45 erzählen uns, wer sie heuer besonders beeindruckt hat, welche Songs auf Dauerschleife gehört wurden sowie auf welche Newcomer wir 2020 besonderes Augenmerk legen sollten. Zudem erfahrt ihr, was von den Künstlern und ihren Labels im kommenden Jahr zu erwarten ist. Und das hat nicht viel mit dem zu tun, was beispielsweise Spotify uns an Top-Künstlern 2019, etwa Capital Bra, Samra und Bonez MC, präsentiert.

Brenk Sinatra

Mit dem zweiten Teil seiner „Midnite Ride“ -Reihe veröffentlichte Brenk Sinatra im September eines der stimmigsten Instrumentalalben des ablaufenden Jahres. Daneben weitete er 2019 seine Kontakte nach Deutschland aus, produzierte etwa für Tightill, Donvtello sowie Kollegen von Said aus dem Kollektiv AOB. Auch fürs kommende Jahr nimmt sich Brenk einiges vor. Wie kürzlich bekannt wurde, ist der Kaisermühlner nach längerer Zeit wieder prominent auf einem österreichischen Rap-Album vertreten. So produzierte er sämtliche Beats des neuen Albums von Kreiml & Samurai. „Auf Olle 4re“ erscheint am 21. Februar. „Ich glaube, wir haben da unserer Liebe zu Wien ein kleines Denkmal gesetzt“, so Brenks vielversprechender Teaser. Daneben arbeitet er an einigen weiteren Projekten, die ebenfalls 2020 erscheinen könnten: „Ankündigen kann ich ein neues Instrumentalalbum und ein Album mit den Betty Ford Boys. Sonst wird es viel von mir produziertes Rapzeug und einige andere Überraschungen geben.“ Hier ein „Best-of Brenk“ mit 25 Tracks:

The GameCross On Jesus Back
Sehr starke Nummer. Extrem ruhig, super Text und der ganze Vibe ist megageil. The Game flowt für seine Verhältnisse sehr entspannt drüber. Einer meiner Favourites von seinem neuen Album.

Max BGoodbye (feat. Cam’ron & Dave East)
Das ist lustig, weil die halbe Welt immer „wavy“ sagt, ich aber wenige Leute sehe, die die EP von Max B supporten oder sharen. Als großer Max-B-Fan und Wavy-Verfächter muss ich da was reintun. Bei mir ist es „Goodbye“, eine der härteren Nummern der EP. Richtig geiles Feeling, nicht hängengeblieben und es klingt trotzdem nach New York. Die Nummer ist ein Vorbote aufs neue Album, wenn er nächstes Jahr angeblich endlich aus dem Häfn kommt.

Trippie ReddHate Me (feat. Youngboy Never Broke Again)
Mit Trippie Redd ist es bei mir bissl eine Hassliebe. Manche Songs mag ich überhaupt nicht, manche liebe ich. „Hate Me“ ist bei mir ein extremer Liebessong. Der Beat mit seinem Rückwärts-Sample und wie Youngboy da drübergeht, ist Wahnsinn. Der Vibe des Tracks ist unfassbar. Generell mag ich an Trippie Red seine depressive Goth-Ader mit den Gitarren und so, das hat teilweise fast diese Nirvana-Ästhetik.

Boogie – Freestyle on Sway In The Morning 
Ich schaue regelmäßig die Sendung „Sway In The Morning”, taugt mir. Boogie aus Compton, der bei Eminems Shady Records gesignt ist, hat da einen dermaßen unfassbaren Text gedroppt – es war ja kein richtiger Freestyle, wie es die Amis halt nennen –, der mich sehr berührt hat. Mir ist sehr unter die Haut gegangen, wie er die Wörter sagt. Das Instrumental kommt vom letzten Rick-Ross-Album, ein Feature mit Drake. Ganz großes Kino.

Westside GunnLucha Bros (feat. Curren$y & Benny the Butcher)
Klassischer Westside Gunn, wie man es aus dem Griselda-Camp kennt. Der Track berührt mich so, weil es ein unfassbar luftiger, waviger Loop ist. Alles kommt locker aus der Hüfte und ist nicht so schwer wie sonst – obwohl ich diese Sachen von ihnen auch mag. Der Track ist leicht und klingt trotzdem wie eine angefressene Cobra.  Das ist die geile Mischung, die sie immer wieder draufhaben.

03 Greedo & Kenny BeatsDisco Shit (feat. Freddie Gibbs)
Kenny Beats könnte man aus dem Format kennen, wo er sich Leute ins Studio holt, die innerhalb von zehn Minuten einen Track machen müssen – das würde ich auch gern mal machen, wenn ich mal ein größeres Studio habe. 03 Greedo ist bisschen ein komischer Character. Zuerst eher 2Pac-Disses und eher komische Sachen für einen Rapper aus LA. Aber er wird trotzdem sehr respektiert, weil er einfach seine Meinung hat und nicht davon abkommt. Das finde ich wieder cool. Musikalisch auch interessant, weil er eine ganz oage Story hat. Er war obdachlos und jetzt sitzt er für 20 Jahre im Bau, aber angeblich kommt er früher raus.

Lugatti & 9ineFrisches auf dem Herd
Eine meiner geilsten Entdeckungen aus Deutschland. Ich bin da ja immer am Puls der Zeit und versuche immer zu hören, was alle machen. Die beiden sind aus Köln, der Track ist unglaublich. Das Video ist von Timo Milbredt, der auch für uns als Betty Ford Boys schon was gemacht hat. Das Teil hat mich auf die beiden aufmerksam gemacht, wir sind seitdem in Kontakt und wer weiß, vielleicht passiert ja mal was.

Dave EastWanna be a G (feat. Max B)
Das ganze „Survival“-Album von Dave East ist richtig geil. Für mich nach langer Zeit ein New-York-Album, das das klassische New-York-Feeling hat, aber trotzdem up to date klingt. Es ist auch mega interessant, wie er seine ganzen Storys erzählt. Der Text geht sehr unter die Haut und mit Max B an der Hook kann man nicht viel falsch machen.

Yung HurnDoppel C (feat. Reezy)
Komm ma zu meinem Kollegen aus dem 22.! Der Track ist vom neuen Album, ein ziemlich waviges Hurn-Ding, mag ich sehr.

Rexx Life RajSomewhere in Paris (feat. Jay Prince) 
Rexx Life Raj habe ich entdeckt, weil er aus Oakland und der ganzen Bay-Area-Bubble kommt. Er singt halb und rappt halb, ist unfassbar talentiert, hat kreative Texte, geile Videos und mega Beats, die nicht schablonenhaft klingen. Es ist kein Trap, kein Boombap, sondern irgendwas dazwischen. Genau wie ich mich auch sehe. Vielleicht taugt er mir deswegen so.

Iceberg HubbardFat Pat (feat. Speil Vargo)
Iceberg Hubbard habe ich zufällig entdeckt. Er kommt aus Texas, wo Fat Pat ein riesiger Hero war. Er war ja einer der ersten Member der Screwed Up Click mit DJ Screw und ist irgendwann 1998 erschossen worden. Der Track ist eine Hommage an ihn und das damalige Movement – richtig klassischer Texas-Shit.

Slim ThugWater (feat. Killa Kyleon)
Slim Thug ist immer noch einer meiner Favourites aus Texas. Das Ding erinnert mich an seine ganzen Highlights mit Paul Wall und die ganze Phase in den frühen 2000er-Jahren. Killa Kyleon ist sowieso einer der härtesten Lyricists überhaupt. Der braucht sich vor niemandem verstecken, wenn es um Bars, Bars, Bars geht. Super Kombi die zwei.

Brenk SinatraFly Shit (Forever NIP) 
Ja, ein Track von mir. Ich weiß, es ist komisch bei so Listen, aber weil mir der Song immer noch sehr nahegeht und mir die Platte so ans Herz gewachsen ist, muss er dabei sein. Ich finde den Vibe immer noch sehr geil und bin schon stolz, wie ich es da zamgschustert hab.

Big Pat, Booz, Tommy Hengst, Rapkreation, & Kwam.ETopfit 
Ich bin mir nicht sicher, wessen Song das jetzt ist und wer aller gefeaturt wird. Ist auf jeden Fall großartig. Das Sample am Anfang, wie locker sie rappen, das hat schon was und ist richtig stark. Durch den Track habe ich Tommy Hengst auf den Schirm bekommen, mit dem ich jetzt in Kontakt bin. Pat und Kwam.E sind sowieso killer.

YvonMein künstliches Paradies
Yvon ist glaube ich eine Schauspielerin, aber ich kenne sie und ihre Filme nicht. Die Platte klingt wie diese ganzen Manfred-Mann-und Hildegard-Knef-Platten aus den 70ern. Aber halt mit analogem Equipment neu aufgenommen. Es klingt wie vor 40 Jahren und sie singt auch so cool. Ganz heiße Empfehlung, wenn man auf so Mucke steht.

NasWar Against Love
Der Track ist von den „Lost Tapes 2“. Ich war eigentlich gar nicht so neugierig, als das rausgekommen ist. Aber beim Anhören fand ich es richtig stark. Er rappt geilen Scheiß und der Beat ist sehr atmosphärisch.

GoldrogerPotion
Richtig starker Beat von den Homies Dienst&Schulter. Er sagt genau das Richtige drüber. Starkes Ding, hat auch wieder diese moodigen Gitarren, sehr Grunge-mäßig. Goldroger funktioniert ja auch live richtig gut, die Jungs können fast jedes Instrument spielen. Respekt!

Young Dolph & Key GlockWater on Water on Water
Vom Mixtape “Dum & Dummer” – bester Name. Den Song habe ich nur mitbekommen, weil ich mal ein Meme von einem Cartoon gepostet habe, wo ein Zuhälter aus seinem Auto steigt, der irgendwie immer zu spät kommt. Da war der Song drunter, ich habe ihn dann gesucht. Typischer Young Dolph , neuer Memphis-Shit und extrem ignorant, aber geil.

SweetboyblondeySo Egal
Ihn habe ich auch nicht so am Schirm gehabt, aber durch Babu von der 808factory mitbekommen. Ich feier die Melodie, der ärgste Ohrwurm. Es hat für mich, obwohl es natürlich nicht so klingt, bisschen was von einem 80er-Slowjam. Aber auf neu. Dieses Geflüsterte hat schon was. Er hat da voll seine Wave gefunden, keiner macht es so wie er.

Donvtello & TightillRatzen & Rennen
Sowieso zwei Leute aus Deutschland, die man unbedingt am Schirm haben sollte. Auch für nächstes Jahr, weil sie geilen Scheiß machen, ihr Ding durchziehen und auf alles scheißen, was die anderen machen. Beat ist zwar von mir, aber ich feier das Gesamtding. Eine meiner Lieblings-Rapnummern, die ich 2019 produziert habe. Es geht live richtig ab, die zwei sind die ärgsten Character und ergänzen sich raptechnisch geil. Der eine als Torpedo, der anderen mit seiner hohen Stimme, richtig stark.

Freddie Gibbs & MadlibFreestyle Shit
Auf das Album habe ich – wie gefühlt die halbe Rapwelt – gewartet. Ich muss sagen, dass ich „Pinata“ im Ganzen geiler gefunden habe. Vielleicht auch, weil ich den Sample-Beat-Film gerade nicht so fahre. Aber „Freestyle Shit“ ist unglaublich unterhaltsam. Wo auch immer er das Sample wieder ausgegraben hat. Ich habe erst letzte Woche die “Tiny Desk“-Ausgabe mit ihnen gesehen. Da haben sie den Song auch gespielt. Richtig geil.

RamirezThe Fo Five
Ein Latino aus San Francisco. Mir taugt, dass er ein Kind von Bone Thugs-N-Harmony und Three Six Mafia ist, was er melodisch in die Neuzeit bringt und geil abgeht. Ganz heißer Tipp. Ich liebe den Song und höre ihn täglich.

Denzel CurryZuu
Das „Zuu“-Album hat meiner Meinung nach heuer alles gefickt. Denzel Curry ist sowieso einer der Kreativsten, der Titelsong ein Wahnsinn. Auch der Rick-Ross-Song, da ist wirklich alles vorbei.

Pacman Da GunmanNever Gon Change (feat. O.T. Genasis)
Pacman war einer von Nipsey Hussles Day-One-Homies, mit denen er das ganze Rap-Ding begonnen hat. Das Video ist einen Tag, bevor Nipsey erschossen wurde, erschienen. Man sieht ihn noch auf seinem Bike herumfahren. Es war schon heavy, das zu schauen. Sein Tod hat mich ziemlich getroffen, weil ich großer Fan war. „Never Gon Change“ und die ganze Platte ist geil. Richtiger Westcoast-Shit für Leute, die das feiern, aber nicht immer nur die 90er-Sachen hören wollen.

J StoneReal Shit (feat. YFN Lucci, Mozzy)
Auch einer von Nipseys Homies, von All Money In. Mozzy ist sowieso unfassbar, Oakland-/North-Cali-Legende! Was J Stone sagt, ist teilweise sehr bewegend und geht unter die Haut. Starker Song einfach. Muss man sich reinziehen und vor allem auch bissl Zeit nehmen und auf den Text hören. Weil die wissen auf jeden Fall, wovon sie da reden.

Ebow

Foto: Magdalena Fischer

Die Münchnerin mit kurdischen Wurzeln lebt seit 2015 in Wien, wo sie Architektur studiert. Seit 2017 ist sie auch beim österreichischen Label Problembär Records unter Vertrag, wo sie diesen März ihr neues Album „K4L“ veröffentlicht hat. Darin fokussiert sie sich auf den Umgang mit der migrantischen Identität, wettert auf trappigem Sound und RnB-Vibes gegen jene Almans, die sich auf kultureller und sprachlicher Ebene notorisch bei Migranten bedienen. Es geht Ebow, die auch Teil des Future-RnB-Trios Gaddafi Gals ist, aber auch um Sexualität, Feminismus und Selbstbestimmung. Für Herbst 2020 hat die Musikerin ihr viertes Studioalbum angekündigt, davor wird es noch eine weitere „Summer“-EP geben. Was wir auch verraten dürfen: Ebow wird bei unserer Feier „23 Years The Message Magazine“ am 29. Mai 2020 im Fluc Wien mit Support von Bad & Boujee live performen.

OG KeemoGeist
Was ich sehr gut fand, war von OG Keemo am Ende des Jahres „Geist“, weil ich finde, dass es ein sehr wichtiges Album ist und sich vom Rest abhebt. Auch konzeptuell, von den Beats, vom Inhalt. Es tut einfach gut, Deutschrap zu hören, der funktioniert und auch Inhalt transportieren kann.

Rosalía El mal querer
Was ich sehr gut fand, war Rosalías Album, erstens durch den Flamenco-Einfluss, der hat sie auf ein neues Level gebracht. Es ist eine neue Musikrichtung bzw. ein ganz eigener Stil und das bewundere ich immer sehr – auch die Musikvideos und alles, was dazugehört, war sehr beeindruckend.

NuraHabibi
Auch sehr geil fand ich Nuras Album, weil es interessant war zu sehen, dass sie auch nach dem SXTN-Projekt ihren eigenen Style entwickelt hat. Wie schon bei den Alben davor finde ich das etwas sehr Erstrebenswertes als Musikerin oder Musiker.

SolangeWhen I Get Home
Das Album finde ich sehr gut. Es macht für mich absolut Sinn, dass sie nach „A Seat at the Table“ so ein Album rausbringt. Etwas, das so frei von allem ist, inhaltlich noch mal deeper geht, einfach so als Gesamtwerk sehr, sehr gut funktioniert. Ich finde, es ist ein großartiges Album geworden, das gar nicht auf Radiohits ausgelegt ist oder nach einem Hit nach dem anderen, der kommerziell tauglich ist. Sondern es geht nur darum, dass die Musik für sich selber spricht.

Digga Mindz

Katharsis
Digga Mindz (l.) & DRK (Katharsis). Foto: Niko Havranek

Als Produzent und Rapper fest in der hiesigen Rap-Landschaft verankert, steht Digga Mindz für hochwertige Boombap-Beats, die er gerne mit einer psychedelischen Note und gewitzten Battle-Lines auf Mundart versieht. Aktuell tritt der Wahlwiener vermehrt mit DRK im Duo Katharsis auf. Ihr im vergangenen Frühjahr erschienenes Album stand zwar ein wenig im Schatten des neuen Monobrother-Albums, darf aber ebenfalls in keiner ernstzunehmenden Österrap-Jahresbestenliste fehlen. Auch 2020 hat Digga Mindz einiges vor, wie er gegenüber The Message verrät: „Im Jänner kommt ein Beattape auf Tape That Records, alles SP303-Beats. Im Lauf des Jahres dann neuer Katharsis-Stuff und sonst so dies, das.“ Bei Honigdachs geht es am 16. Jänner mit der „Fensterlos“-EP von MDK weiter. Im Februar folgen ein neues Album von Kreiml & Samurai und der Start der dazugehörigen „Zruck in die Zua-Kunft“-Tour.

Monobrother Solodarität
Als Erstes fällt mir das Mono-Album ein und das sage ich nicht nur wegen der massiven Drohungen aus der Honigdachs-Chefetage (Kreiml, du hast dich verändert, Mann!), sondern weil es ein cleveres, vielseitiges, schönes Album ist. Überzeugt euch selbst und verbreitet die Kunde!

Gang Starr One Of The Best Yet
Auch das neue Gang-Starr-Album finde ich auf jeden Fall erwähnenswert und das sag ich nicht nur wegen der Drohungen von DJ Premier. Das Konzept, übriggebliebene Guru-Vocals quasi zu remixen ist sicher Geschmackssache. Ich persönlich würde das Album lieber machen als hören.

Westside Gunn, Conway & Benny the Butcher Headlines
Bester Premo-Beat seit Jahren (Premo, du hast dich nicht verändert, Mann).

Griselda WWCD
Ebenfalls sehr empfehlenswert.

Earl Sweatshirt Feet Of Clay
Auch.

OG Keemo 216
Mir fällt nichts mehr ein. Ah, doch: „216“, Tune!

Und ich habe irgendwo von einem Album mit Mac Miller & Madlib gelesen. WTF? Oder habe ich das nur geträumt, wie das Madvillain-Album damals? Who knows?

Kerosin95

Foto: Hanna Fasching

Als musikalisches Multitalent spielt Kathrin Kolleritsch zahlreiche Instrumente und singt obendrein. Früher Teil der Band Kaiko und nun bei My Ugly Clementine an den Drums aktiv, kam heuer erstmals eine weitere Facette zur Geltung. Der Rap-Alias Kerosin95 ist für Kolleritsch ein passendes Ventil, aufgestaute Ideen und Gefühle rauszulassen. Das unterstreichen Singles wie „Außen Hart Innen Flauschig“ , „Hass“ oder „Alle Up“. Oft in schrillen Outfits gekleidet, stehen Kampfansagen an Sexismus im Alltag, die Auseinandersetzung mit eigenen Privilegien sowie das Sichtbarmachen queerer Identitäten im Vordergrund. Selbst definiert sich Kerosin95 nicht als Frau, sondern am ehesten als genderqueer oder genderfluid. Für 2020 ist einiges geplant: Am 10. Jänner soll der Track „Status Quo“ erscheinen, in weiterer Folge ein Soloalbum mitsamt Tour und Abschlusskonzert in Wien. Beim Label Ink Music geht es im Jänner mit neuen Alben von Fox Shadows und Oehl los, ebenfalls noch im ersten Quartal sollen eine EP von Lou Asril sowie ein Album von My Ugly Clementine – bei dem Kathrin Kolleritsch wieder an den Drums zu hören sein wird – folgen.

Little Simz Grey Area
Diese Platte ist für mich ein zeitloses Meisterwerk. Sie sorgt immer wieder aufs Neue für Motivation, mich musikalisch und kompositorisch mehr zu trauen. Ein Must-Listen!

Ebow K4L
Ein so wichtiges Album für Rap im deutschsprachigen Raum. Feministisch, verdammt schlau, in die Fresse und starke Beats. Ich freue mich auf 2020.

Dives Teenage Years Are Over  
Die Dives empowern mich sehr. Beim Zuhören und Zuschauen fühle ich mich jedesmal, als wäre ich 14 und krassester Fanboi* meiner ersten Lieblingsband. Abgesehen davon ist es textlich und musikalisch großartig.

Lizzo Cuz I Luv You
Diese Person und diese Platte gehören auf jede Jahresliste jedes Jahrzehnts. Erklärt sich eigentlich von selbst.

Philiam Shakesbeat Auf der Suche nach Philanthrosophie
Ein reflektierendes, schönes, boombaplastiges Album. Viel Gesellschaftskritik, ganz nach meinem Geschmack.

Lucid Kid Back To 21
Pipifeiner HipHop im jazziger Manier. Schön produziert, extrem spannende Performance. Erinnert mich live an Anderson .Paak viel Feingefühl im Spiel und in der Soundauswahl. Als wäre der Gig eine aus dem Ärmel gschüttelte Jamsession.

SLAV

Foto: Masa Stanic

Es war sein Jahr der Live-Shows: Bevor SLAV im Mai sein Debütalbum „PLUSVIERACHT“ veröffentlicht hat, war er mit RIN auf Tour, danach auf etlichen Festivals unterwegs und hat auch YUGO (ehemals Jugo Ürdens) auf dessen Tour unterstützt. Auch für 2020 hat der 21-Jährige einiges vor: Eine Konzept-EP namens „CONS U ME“ am Anfang des Jahres. „Die EP ist in vier Tracks unterteilt, die jeweils einen Abschnitt eines Partyabends darstellen: vom verkaterten Aufwachen bis zu dem Absturz bei einer Afterhour“, sagt SLAV. Dementsprechend gehe der Sound, von Slay Romeo produziert, auch eher in Richtung House, Techno und UK Garage. „Das Ganze wird noch mal in 14 Ölgemälden von Silva Flandez bei einer Ausstellung dargestellt. Es ist eine Reflexion unserer Geschichten von Partys, verrückten Nächten und stellt gleichzeitig die Konsumgesellschaft dar“, ergänzt der Futuresfuture-Artist. Wie Ebow, wird auch SLAV bei der Message-Feier im Mai im Fluc auf der Bühne stehen und kann dann seine neue EP live präsentieren.

SkeptaIgnorance is bliss
Dieses Album habe ich das Jahr fast so oft gehört wie meine eigenen Songs und am liebsten im Flugzeug. Skepta hat sich mit diesem Album auch Sachen getraut, wie Grime und Autotune zu vermischen oder den UK-Vibe sogar etwas zu amerikanisieren.

DababyKirk
Unfassbare Flows, Beats, Texte und Dancemoves. Nicht umsonst mit allen Songs des Albums in den 100 Billboard Charts eingestiegen. Mit dem Musical-Video „Bop“ am Ende des Jahres noch mal für richtig Wirbel gesorgt.

StormzyHeavy is the Head
Sein zweites Album und man merkt: Stormzy hat verstanden, es geht mehr als nur um Rap. Er liebt es, Musik zu erschaffen und das merkt man. „When banksy put vest on me, it felt like god testing me.“

OG KeemoGeist
Muss man dazu noch was sagen? Ich glaube, alle wissen, welches Level Keemo und Funkvater Frank haben. Desto mehr bin ich stolz darauf, mit den Jungs auf der RIN -Tour gewesen zu sein und viel Zeit mit ihnen verbracht zu haben. Shout-out auch an die ZNK-Crew.

TrettmannTrettmann
45 und ich trende. Seit „DIY“ haben ihn alle am Schirm und das auch verdient. Ich glaube, kein Weg war länger als Trettis. Der Sound, die Ästhetik und die Wortwahl – alles ist stimmig. Ich hoffe, nächstes Jahr gibt es wieder eine kleine Dancehall-Session Backstage, wie beim Spektrum dieses Jahr. Ich glaube, in paar Jahren hören wir „Ja, ich trende auch in Rente“.

OctavianBet
That voice!!!! Egal, ob als Musiker, Model oder Artist: Octavian hat das Gesamtpaket. Nicht umsonst ist er der drittmeistgestreamte Artist auf meinem Spotify.

AJ TraceyLadbroke Grove
UK-Sound vom Feinsten. Bei dem Song krieg ich gleich gute Laune und daher musste er in diese Liste.

Travis Scott Highest in the room
The highest in the world. Cactus Jack macht Hit nach Hit. Der Typ ist schwer zu stoppen, egal in welcher Hinsicht. Living Legend.

Nate SmallzLike a film
Ein sehr underrateter Künstler, der auch auf „Greaze Mode“ von Skepta eine sehr krasse Hook abgeliefert hat. Like a film: Ohrwurm-Alarm 100%.

RAF CamoraSag Ihnen 2
Ich bin gegangen, ohne zu sagen bye oder die Wohnungstür zu schließen“. 10 Jahre sind vergangen, das hört man und spürt man. Wer den ersten Teil gepumpt hat, wird Gänsehaut bekommen.

PashanimShababs botten
Newcomer des Jahres in meinen Augen. Berlin, Tns, Locken und Batzen. Mit einem simplen Beat und sehr eigenen Flows. Die Jungs wissen, was sie tun und man sollte sie 2020 auf dem Radar haben.

Testa

Foto: Thomas Unterberger

Seit Gründungszeiten beim Label Duzz Down San aktiv und fürs Kuratieren und Mastering der „DuzzUp“-Compilation-Reihe verantwortlich, hat sich Testa dieses Jahr mit einer Label-Kollegin zusammengetan, um ein neues Projekt ins Leben zu rufen. Unter dem Duo-Namen Nødstop hat Testa gemeinsam mit The Unused Word die EP „Ø“ veröffentlicht, die auf einen Kontrast zwischen den Beats und dem überwiegend tiefen Gesang von The Unused Word beruht. Im kommenden Jahr steht für den Produzenten einiges an: Eine Producer-EP mit Tiroler Feature-Gästen, die Beat-EP „Disconnected“ mit Spinelly, Pirmin & Mo Cess (alle aus dem 4.000-Einwohner-Ort Zams und in Wien wohnhaft) sowie weitere Alben von Restless Leg Syndrome und Von Seiten der Gemeinde. EPs, bei denen Testa mitwirken wird, kommen 2020 von Nødstop, Der Con und SanTras Debüt-EP. Viel tut sich im neuen Jahr auch bei seinen Labelkollegen: Neue EPs kommen von Faces x Mirac, alllone x Nichi Mlebom, P.tah & Kinetical und Polifame, Alben sind von Sonde.44 sowie Def Ill angekündigt.

SplurgeboysChill + Bill 2
Ich habe das Gebrüder-Duo Splurgeboys erst heuer für mich entdeckt und bin seitdem großer Fan. Ich feiere eigentlich alles, was die beiden machen und produzieren. Meine musikalische Entdeckung des Jahres.

Little SimzGrey Area
Großartiges Album und für mich wohl das rundeste Release des Jahres. Musikalische Abwechslung, gute Inhalte, super Produktion und für mich eine der besten Rapperinnen unserer Zeit. Ich glaube, das Album wird auf vielen Bestenlisten dieses Jahres landen.

LomepalJeannie
Ich habe dieses Jahr eine lange Zeit fast ausschließlich französischen Rap gehört, obwohl ich kein Französisch kann. Di-Meh, Alpha Wann, Caballero & JeanJass, etc. Stellvertretend nenne ich dieses Album und den Track “Trop beau” – für mich das beste Musikvideo des Jahres.

Die OrsonsOrsons Island
Die Orsons waren nie so wirklich auf meinem Schirm, obwohl ich speziell Tua und seine Produktionen sehr gerne mag. „Orsons Island“ ist für mich ein perfektes Rap- und Pop-Album, das extrem eigenständig und experimentierfreudig ist und trotzdem auf großen Bühnen funktioniert und einfach zugänglich ist.

MonobrotherSolodarität
Für mich das beste österreichische Rap-Release 2019. Kaum einer schafft es so pointiert und mit wenigen Worten alltägliche Zustände und Charaktere zu beschreiben, wie Monobrother. Ich bin produktionstechnisch bei zwei Tracks, bei einem gemeinsam mit Chrisfader, beteiligt.

BrockhamptonGinger
Dieses Album mag ich eigentlich aus den gleichen Gründen wie das Orsons-Album. Sehr eigenständig und Mut zu ungewöhnlichen Strukturen, Patterns und Arrangements.

Huhnmensch

Huhnmensch
Huhnmensch (l.) & Alesh The 3st. Foto: Moritz Nachtschatt

Drei Jahre nach der „Tiere sind Cool“-EP ist Huhnmensch im Herbst auf die Bildfläche zurückgekehrt. Das gemeinsam mit Alesh The 3st entstandene „Promille Tape“ bezeichnet der Wiener Rapper als vertontes Besäufnis. Angesprochen auf seine Pläne fürs kommende Jahr, meint der passionierte Versumperer: „Ich werde wohl eher nur chillen. Aber ja, man weiß es eh nie, wenn man ich ist.“ Während sich Huhnmenschs Output somit aufs Posten von Hühnerbildern an Wänden beschränken dürfte, stehen im Camp von Heiße Luft einige Releases an. Fix seien zum jetzigen Stand eine EP von JerMc & food for thought im Fühjahr, ein Album der neuen Formation Diskoromantik, bestehend aus HipHop Joshy, Jonas Herz-Kawall und Melonoid, sowie eine EP von Dyin Ernst im Herbst. Vermutlich gesellt sich noch das ein oder andere Release dazu. Außerdem wird die monatliche Event-Reihe Heiße Nächte 2020 um internationale Bookings erweitert.

MonobrotherSolodarität
Ein von A bis Z bis Bahnhofszoo dopes Teil. Texte, Beats, die ganze Gschicht ist einfach gut. Perfekt für den Weg in die Hackn, den Weg zurück von der Hackn, das Bier nach der Hackn und wenn man mal nicht hackeln muss, auch superfein live, wie letztens im Flex. Das Album war beim ersten Mal hören geil, ist es beim zehnten Mal genauso und ich werde wohl auch noch beim elften Mal etwas Neues darin finden, das ur leiwand ist. Ich höre es übrigens gerade, wie immer bissl zua, weil so geht’s bei uns dahin.

OG Keemo Geist
Ich habe selten ein Album gehört, das mich so positiv überrascht hat. Die Candy-Crush-Ikone hat mich sowas von erwischt. Ich wusste ja schon, dass der Dude wirklich was draufhat, aber er hat sich im Vergleich zu den vorigen Releases wirklich nochmal weiterentwickelt und spielt für mich jetzt ganz oben mit, was deutschen Rap angeht.

Für mich waren diese beiden Releases heuer so richtig outstanding, sonst fällt mir grad nichts mehr ein. Alles whack! Ich würde ja noch das „Promille Tape“ nennen, aber das geht auch nicht. Ich gehe jetzt lieber meinen Rausch ausschlafen.

srsly

Foto: Martin Hintermayer

Zu den aufstrebendsten österreichischen Produzenten zählt derzeit srsly. Als Electronic-Produzent veröffentlichte er 2016 die „Prelude“-EP, heuer war der Wiener mit brasilianischen Wurzeln vermehrt in HipHop-Gefilden unterwegs. Einerseits steuerte er einige Produktionen für KeKe bei, außerdem ist er unter dem Alias Hennezy als Produzent der Boyband pan kee bois aktiv. Heuer ist das Album „WW“ erschienen, für nächstes Jahr ist der Nachfolger „reset“ geplant. Auch sonst nimmt sich srsly für 2020 einiges vor. So möchte er die vielen Beats, die er mit Palazzo hat, raushauen und generell wieder mehr mit englischsprachigen Acts zusammenarbeiten. Auch ein Soloprojekt ist denkbar. „Da ich ursprünglich aus der elektronischen Richtung komme und srsly somit auch ein eigener Act ist, wäre eine eigene EP oder ein Album sehr interessant. Welche Richtung ich da genau einschlagen werde, ist aber noch nicht sicher. Ich bin überall daheim.“

Flume Hi This is Flume
Krankes Sounddesign. War davon zu Beginn ein wenig abgeschreckt, aber jetzt liebe ich den weirden elektronischen Trap- und Ambient-angehauchten Sound. Für jeden Producer ein Muss. Next Level. 

BHZ, Monk & Ion Miles Meine Augen Zu
Diesen Song habe ich im Sommer rauf- und runtergespielt. Wenn du mit der Sippe um drei Uhr morgens diesen Song grölst, dann ist alles gut.

Roddy Ricch Big Stepper
Ich hätte nie gedacht, dass Roddy Ricch so ein Album rausballert. Sollte man unbedingt reinhören. Meiner Meinung nach ist „Big Stepper“ der beste Song drauf.

Trettmann Intro
Was kann man dazu noch sagen? Die Vibes dieses Tracks sind auf einem anderen Level.

pan kee bois Auf die Sippe
Ballert einfach haha. pan kee bois 2020.

KeKe Alles Gut
Es hat viel spaß gemacht, den Track gemeinsam mit Shawn the Savage Kid zu produzieren. Normalerweise kann ich Tracks, die ich produziert habe beim Release schon gar nicht mehr hören, weil ich davon schon ’ne Überdosis hatte, aber das ist hier nicht der Fall. Noch dazu freut es mich, mit so einer talentierten Künstlerin zusammenzuarbeiten. KeKe 2020.

NAV I‘m Ready
Einfach nice und dieses Jahr echt oft bei mir gelaufen.

Yung Hurn Wohnung mit Lift
Das Album war zwar nicht so gut wie „1220“, aber schon beim Leak in seiner Instagram-Story ist dieser Song gleich im Kopf geblieben. Man muss halt den Yung Hörn mögen.

Gunna Baby Birkin | Yao Ming
Laidback Instrumental mit eintöniger Performance. Atemberaubend! Wenn wir schon dabei sind: „Yao Ming“ ist auch top.

Lil Yachty – Fallin‘ In Luv (feat. Gunna)
Ich feier die Vibes davon hart. Ich steh komplett auf diese simplen Sachen.

Arkan45

In Hohenems aufgewachsen, hat es den 23-jährigen Vorarlberger vor einigen Jahren der Musik wegen nach Berlin gezogen, wo er heute auch lebt. In seinen Texten behandelt er Straße und Dekadenz, Manie und Depression, verliert sich zwischen Frieden und Revolte und immer dort, wo die Freiheit zum Gefängnis wird, weil der Mensch nicht weiß, was er mit ihr anfangen soll – wie er selbst sagt. Auf Spotify hat er mit dieser Herangehensweise bereits 1,3 Millionen Streams und über 100.000 Klicks für das YouTube-Video zu seinem Track „Ethanol“. Auf seine Pläne fürs kommende Jahr angesprochen, meint Arkan45: „Mehr Musik machen, mehr Musik machen, mehr Musik machen. Neue Hörer erreichen, und mich weiterentwickeln. Die Maske ist weg, Arkan ist frei. 2020 wird mein Jahr der Veränderung.“

NegromanBauchredner
Der Vibe, der transportiert wird, gefällt mir sehr gut. Eine eigene Stilistik kombiniert mit inhaltsvoller Lyrik, die mich nach wie vor sehr begeistert.
Schöne visuelle Darbietung in Form des Videos. Mega gelungen. Live auch Wahnsinns Typ!

Max HerreAthen
Ich tauche ein in eine Reise bis nach Athen, zusammen mit Max Herre und seiner Liebe auf den vorderen Sitzen des Autos. Bildsprache könnte treffender nicht sein. Das Pink-Floyd-artige Solo lässt die Geschichte noch besser zum Ausdruck bringen und fesselt mich jedes Mal aufs Neue. Das gleichnamige Album ist für mich eines der besten Alben 2019. Ungezwungener Sound, aber doch so detailiert und musikalisch, als hätte er mehr Aufmerksamkeit verdient.

Arkan45Mon Ami
Erzählungen aus dem Leben, die treffender nicht sein können. Zwischen Trap, Gucci und Gangster finde ich meinen Mittelweg. Zwischen Minus im Dispo und Freiheitsgefühle durch Veränderung. Wahnsinnssong, der in vielen Playlisten der heutigen Jugendendlichen sein sollte. Hört mehr Arkan! Für die Musik, für die Kultur.

SlowthaiRainbow
Grime Rap aus Northampton! In dem Song vearbeitet Slowthai Rassismus und Diskriminierung aufgrund seiner Hautfarbe. Der Song ist auf seinem 2019 erschienen Album “Nothing great about Britain“ zu finden, das ebenfalls sehr hörenswert ist.

Tricky feat. Francesca BelmonteNew Stole
Draußen Schnee, Feuer im Kamin, Joint im Mund. Die Platte dreht sich auf dem Spieler und „New Stole“ von Tricky und Francesca Belmonte treffen den Vibe perfekt. Der Song könne auch viel älter sein, ist er aber nicht. Francescas Stimme fühlt sich an, wie ein vorgewärmtes Handtuch nach dem Duschen. Einfach geil!

IloveakimFenster stehen
Synthiebeat trifft auf Jungen, der am Fenster seiner Liebe steht und vergebens wartet. Geht gut ins Ohr, mein Bein bewegt sich zum Takt. Der Wiener Dialekt verleiht dem Ganzen einen unverkennbaren Vibe. Und doch fühlt sich dieser Song so an, als hätte ich ihn irgendwo anders schon mal gehört. Wunderbarer Song.

Konzept & Text: Julia Gschmeidler & Simon Nowak
Collage:
Niko Havranek

(Fotocredits Collage: Daniel Shaked, Alex Gotter, Moritz Nachtschatt, Niko Havranek, Marko Mestrovic, Masa Stanic, Maria Otter, Martin Hintermayer)

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Interviews

„Ich hab‘ Shotgun auf Techno-Rap!“ // SLAV Interview

SLAV ist „der Pole aus Wien“, Mitglied bei Gerards musikalischem Kollektiv und Label Futuresfuture und Homie von Rap-Kollege YUGO (aka Jugo Ürdens). Diesen lernte SLAV bei einem Freestyle-Battle kennen, wodurch bislang nicht nur eine musikalische Zusammenarbeit in Form von YUGOs Beats und einigen Features entstand, sondern auch eine Freundschaft. Darauf folgten in den vergangenen Jahren einige Single-Releases, eine Techno-Rap-EP und Gigs gemeinsam mit YUGO im Rahmen der RIN-Tour. Mit seinen Texten über Adidas, Citybike und Tennissocken schafft es SLAV, dem Low-Life unserer Studenten-Generation Glanz zu verleihen. Wir trafen SLAV nach dem Videodreh zu seinem neuen Song, um mit ihm über sein erstes Album, Social Media und Credibility zu sprechen.

Foto: Marko Mestrović

The Message: Du wurdest in Polen geboren und bist im Alter von drei Jahren nach Wien gekommen. Wie sehr hat die Multikulturalität eine Rolle in deinem Leben gespielt?
SLAV:
Es hat eine Rolle gespielt, da ich immer mit Leuten aus allen Ecken der Welt befreundet war. Dadurch, dass ich blond bin und blaue Augen habe, war es bei mir aber eher so, dass mich die Jungs im Park nie Fußballspielen lassen wollten. Ich musste mich also eher durchsetzen und beweisen. Ich habe mich aber nie komplett ausgestoßen gefühlt. Trotzdem bin ich der Pole aus Wien, ich habe das polnische Temperament und das Blut (lacht). Anfangs habe ich noch gebrochen Deutsch gesprochen und zuhause immer Polnisch. Auf meinen jetzigen Songs kling ich auf jeden Fall integrierter.

„Plusvieracht“ ist sozusagen dein Debütalbum. Stimmt das?
Ich weiß nicht, ob ich es als Album oder Mixtape betiteln soll. Wenn ich es wirklich „Album“ nenne, habe ich ein bisschen Angst davor, dass ich mich irgendwann dafür schämen könnte, dass dieses Album mein Debütalbum war. Mit 20 Jahren ein Album rauszubringen ist auch mega früh, aber so funktioniert die Welt heutzutage nun mal. Ich gebe auf dem Album schon Einblicke von mir preis, aber alles habe ich damit längst noch nicht erzählt. Es gibt noch so viel mehr und noch ein paar Jährchen, da wird noch einiges kommen. Was man mir nicht nehmen kann, ist meine Stimme, mein Aussehen und mein Geschmack. Darauf muss ich vertrauen.

Du scheinst dir sehr viele Gedanken über deinen Output zu machen und immer gerne lange daran zu feilen. Bist du ein Perfektionist?
Ja, ich habe das auch ein bisschen von meinen Eltern. Sie kamen nach Wien und mussten alles sehr korrekt machen, weil sonst hätte es zehn andere Menschen gegeben, die das besser gemacht hätten. Das haben sie mir in der Erziehung auch mitgegeben und ich habe dieses Verhalten adaptiert. Ich bin ein Ästhetik-Monk! Bei mir muss alles bis ins Detail passen. Ich hoffe, dass das auch bemerkbar ist. YUGO und ich schauen bei allen Outputs von uns drüber und achten wirklich extrem darauf, dass das aus unseren Köpfen kommt. Selbst wenn wir andere Leute haben, die uns beispielsweise bei Videodrehs helfen, haben wir die Ideen. Somit sind wir die Künstler mit dem Sound, mit dem Style.

Du machst gerade ein auffälliges Insta-Gewinnspiel zu deinem neuen Album. Wie kam es dazu?
Ich hasse es, wenn Leute ihr Instagram-Profil krass pushen wollen, das ist einfach whack. Ich habe es trotzdem gemacht, auf meine eigene Weise und passend. Ich kenne da einen Typen namens Pi und dadurch hatte ich die Möglichkeit, Grillz zu verlosen. In Berlin kostet so etwas mittlerweile extrem viel, in Wien hat das noch keiner gemacht. Bis 20. Mai geht auch noch das Gewinnspiel.

In deinem Track „Connections“ erzählst du davon, dass alles, was man braucht, Connections sind. Worauf beziehst du das?
Der Song ist gar nicht auf mich bezogen, deswegen sage ich auch kein einziges Mal „ich“ in diesem Lied. Ich muss dir aber das Konzept hinter diesem Video erzählen, weil ich wollte schon einen Dropbox-Link machen, wo ich das Konzept erklären kann. Niemand hat es bislang verstanden, leider. Dieser Song ist mein Allrounder, der ist komplett künstlerisch. Ich kann die Parts übereinander rappen und sie sind genau gleich. Das musste ich üben. Das sind vierzeilige Nomen-Reime, also reimtechnisch kann mir niemand was sagen. Der Song hat mein Leben gefickt, ich habe zwei Monate daran geschrieben. Das Video, das ich mit den Jungs von Picture on the Fridge zusammen gemacht habe, stellt Connects da, die im Song vorkommen. Weil jeder Mensch Connections braucht. Im Video sieht man nur klassizistische Bilder, die wir identisch nachgestellt haben. Im Klassizismus war es so, dass nie Komparsen in einem Bild zu sehen waren, jeder, der auf dem Bild war, hatte eine eigene Aufgabe. So gesehen ist jeder auf dem Hauptbild ein Connect und hat seine Aufgabe. Diese Connects haben wir dann in Porträts aus dem Klassizismus nachgestellt. Ich hätte so gerne die gemalten Bilder irgendwie im Video eingeblendet, damit man sieht, wie krass wir das nachgestellt haben, aber das ging dann nicht.

Du hast mir gerade die Originalbilder gezeigt, verglichen mit euren nachgestellten Szenen. Das ist große Kunst. Wie traurig macht es dich, dass niemand das Konzept versteht oder erkennt?
Traurig nicht, es war mir irgendwie bewusst. Aber ich mache jetzt einfach ein, zwei eher zeitgemäße Sachen und wer mir dann absprechen will, dass ich nichts kann, der soll sich das Video anschauen. Da kann mir echt niemand was sagen.

„Qualität kommt teilweise mit Kredibilität“

Fühlt man sich als Musiker unter Druck gesetzt, dem aktuellen Trend zu entsprechen?
Autotune und Trap sind ja gerade sehr im Trend. Das hat mich genervt, weil ich mein Album schon so lange fertig habe, dass damals noch Dancehall das große Ding war. Jetzt haben aber alle diesen Sound. So gesehen kommt das Album leider zu spät. Man muss aber als Musiker auf keinen Fall auf den Zug mit aufspringen und bei jedem Trend mitmachen. Wenn man ein Charakter ist und sein eigenes Ding durchzieht, plus jemand vermarktet das gut und das Ganze hat Qualität, dann sollte das schon klappen. Sei einfach unique genug! Deswegen habe ich mir jetzt auch Techno-Rap geshotgunt! Das ist mein Sound, das ist mein kreativer und neuer Schritt in die Musik-Welt.

Ist dein neues Album auch schon Techno-Rap?
Nein, das habe ich schon vor fast zwei Jahren recordet, das Album ist langsam fast schon überreif. Aber nach dem Album möchte ich in die Techno-Rap-Richtung gehen. Mit „Ich nehm’s dir“ hatte ich schon den ersten Aufschwung.

Es gibt doch die Diskussion, dass eigentlich jeder, der einen gewissen Sound oder Trend übernimmt, Geld in einen Fond einzahlen sollte, weil der Begründer dieses Sounds nie so viel daran verdienen wird, wie seine Nachfolger, die den Sound massentauglich machen.
Genau! Wir haben uns das schon ausgerechnet: Der Erste erfindet ihn, der Zweite bekommt Erfolg dafür, der Dritte macht Geld damit. Deswegen habe ich nur Shotgun gemacht, dann machen das zwei noch vor mir und dann komme ich (lacht).

Worin siehst du den nächsten Trend?
Was ich grad gut finde, ist die Mischung aus Straße und Kunst. Bei „Praise The Lord“ wird Straße in Kunst verpackt. Das ist kein normales Straßenvideo, auch wenn es etwas billig produziert aussieht, da steckt so viel Geld dahinter. Wir wollen auch im nächsten Video einen Tesla zerfließen lassen, also in der Postproduction. Postproduction ist ein großes Ding, daran erkennt man, wer Geld hat. After-Effects und Animationen sind so krass teuer, weil da mehrere Leute so viele Stunden dran sitzen. Damit kann man flexen!

Spielt für dich Authentizität allgemein eine Rolle?
Natürlich funktioniert auch oberflächliche Musik, aber diese Rapper haben bald nichts mehr zu erzählen, wenn es nicht real ist. Worüber soll ich rappen, wenn nicht über das, was ich erlebe?  Man kann zwar schnell mal über alles rappen, aber eine gute und eigene Entwicklung braucht Zeit. Ein Studium braucht auch acht Jahre! Ufo361 hat vor ein paar Jahren hier im B72 gespielt, jetzt hat er ein Migos-Feature. Er hat durchgehalten, er war immer authentisch, er hat sich nur weiterentwickelt. Irgendwann hat es dann geklappt. Weil man sich selbst treu bleiben muss und sein Ding durchziehen muss. Qualität kommt teilweise mit Kredibilität. Wenn man aus tiefster Überzeugung etwas zu sagen hat, dann spüren das die Fans auch. Wer da ganz oben ist, der soll auch zu dem stehen, was er sagt. Bonez und RAF haben früher davon gerappt, dass sie es nach oben schaffen wollen und damit Kohle machen wollen. Wenn das bedeutet, dass sie dafür ihren Sound verändern mussten, dann okay. Im Endeffekt sind sie trotzdem real und kredibil geblieben, weil genau das ihre Vision war. Auch Sido hat schon ganz früh gesagt, dass er da raus möchte und Geld verdienen möchte. Und genau das hat er im Endeffekt gemacht. Er stand zu seinem Wort.

Foto: Maša Stanić

„Es nervt mich, dass man mit seinem Handy alles verewigen muss“

Achtest du drauf, dass du dir selbst auch treu bleibst?
Ja klar. Natürlich verändert man sich über die Jahre hinweg und das auch in seinem Sound, aber wenn man ein starker Charakter ist, dann bleibt man seiner Linie trotzdem treu, dann entwickelt man sich nur weiter. Das bezieht sich auf die Videos, auf den Sound, auf alles. Es muss dich aber widerspiegeln. Ich setze darauf, dass ich gut genug und zeitgemäß sein kann, damit es funktioniert, so wie ich bin. Ich bin noch so jung, ich habe aber in den vergangenen Jahren so viel erlebt, da weiß ich gar nicht, ob ich das alles schon verarbeitet habe. Aber ich fühle mich gerade sehr gut! In dieser Szene muss man sich an irgendetwas halten und was bleibt mir sonst noch, wenn ich mich nicht an meinen eigenen Geschmack und an meinen Stil halte. Und auch wenn der rote Faden, den ich verfolge, manchmal etwas gebogen ist, im Endeffekt ist er trotzdem da.

In unserem Koch-Format „Ingredients“ meintest du, dass du nicht mehr bei Battles mitmachst, weil das zu viel Aufwand für zu wenig Aufmerksamkeit sei. Ich habe letztens mit Curly gesprochen, der meinte auch, dass Freestyle-Battles heutzutage nicht mehr funktionieren und er das schade findet, aber eine Erklärung dafür hat er nicht. Hast du eine?
Freestyle-Battles wurden vor allem wegen Rap am Mittwoch damals so gehypt. Wegen Karate Andi oder auch Capital Bra hatte das so eine große Relevanz. Irgendwie ist das aber langsam untergegangen. VBT hatte auch echt viele gute Rapper und war eine gute Plattform für Battlerap. Warum so etwas jetzt nicht mehr in der Art funktioniert, kann ich nicht direkt sagen, aber heutzutage findet sich jeder seine Plattform selbst. Deswegen sind Rapper nicht mehr darauf angewiesen, zu diesen Formaten zu gehen, die haben auf ihren eigenen YouTube-Kanälen eine Million Abonnenten. Wenn man battlet, baut man sich ein Repertoire aus guten Zeilen auf, die man verwenden kann. Mir ist aufgefallen, dass Leute wie Cro oder Karate Andi, die bei RBA, Rap am Mittwoch oder VBT waren, einige dieser Zeilen dann später in ihren Alben verwendet haben. Ich selbst verspüre aber einfach nicht mehr das Bedürfnis, alle zu dissen. Leider ist es auch zu viel Aufwand, weil man beim Battlerap einfach sehr kreativ sein und ein krasses Reimschema an den Tag legen muss. Drei Battlerap-Runden sind vom Aufwand her für mich circa so, wie ein Album zu schreiben.

Warum bist du kein großer Fan von Social Media?
Es nervt mich, dass man mit seinem Handy alles verewigen muss. Man muss andauernd Content liefern, weil sonst die Algorithmen gegen dich spielen. Aus diesem Blödsinn machen Facebook und Instagram eine Wissenschaft, das nervt. An sich würde es mich nicht stören, Content zu liefern, aber so wie es Instagram haben will, ist es einfach ekelhaft. Es ist aber auch ein bisschen wie deine Arbeit, weil man verkörpert einen gewissen Lifestyle auf Instagram. Und wenn du real bist, wenn du davon rappst wie du lebst, was du machst – warum dann nicht dein ganzes Leben verfilmen? Mein Video zu „Nie genug“ ist auch so, da wurde einfach mein Lifestyle verfilmt. So etwas bereitet mir auch Spaß und macht in meinen Augen auch Sinn. Was mich einfach nervt, ist der Zwang, 24/7 etwas zu posten. Man kann es sich fast nicht mehr leisten, keine Instagram-Story am Tag zu machen.

Du hast in einem Interview gemeint, dass Deutschrap heutzutage meistens nicht mehr HipHop ist und dass HipHop und Rap zwei verschiedene Welten sind. Warum?
Diese Kultur hat sich einfach gespalten. Rock wurde auch in viele Subgenres geteilt, genauso ist das beim Rap mittlerweile der Fall. Damals war alles HipHop, weil das alles Underground war. Diese eigene Rap-Welt ist inzwischen zu einem ganzen Universum geworden. Bei Afro-Trap kann man darauf rappen, aber man kann genauso gut mit Autotune drüber singen. Was ist es dann? HipHop sehe ich eher so als das Ursprungs-Ding an, der Sound heutzutage ist einfach nicht mehr reiner HipHop. Und auch wenn Post Malone eigentlich schon Pop ist, trotzdem kommt es ursprünglich aus dem Trap, also ist es schon noch Rap. Aber singt Post Malone oder rappt er?

Aber warum muss man heutzutage noch so strikt trennen?
Ich habe aus meiner Battle-Zeit noch diesen Drang in mir, das ein bisschen zu unterscheiden. Nicht jeder, der krasse Tracks macht, kann geil rappen. Und nicht jeder, der rappen kann, kann auch geile Tracks machen. Das merkt man live, das merkt man an der Attitude. Manche rappen zwar krass, aber ihnen fehlt es am Musikgefühl, deswegen ist es vielleicht ein guter Rap-Song, aber kein guter musikalischer Song.

Warum ist Rap der neue Pop? Vom Sound her oder aufgrund des Erfolges?
Beides. Songs von Travis Scott oder Post Malone sind zwar noch Rap aber eher poppig und auch so erfolgreich wie Pop-Songs. Sozusagen sind das alles Pop-Hits, die trotzdem irgendwie aus dem Rap kommen. Vom Sound her ist Rap auch massentauglicher geworden, obwohl es natürlich immer eine Gegenbewegung dazu gibt. Aber das, was so erfolgreich ist, ist schon poppiger geworden. Ich habe mir hin und wieder die Top 100 Billboard Charts angeschaut. Da sind in einer guten Woche zwei Drittel der 100 Songs Rap-Songs.

Siehst du diese Entwicklung als etwas Negatives an oder eher als Bereicherung für die gesamte Kultur?
Ich bin nicht so ein Rap-Nazi, der diese Entwicklung hasst und will, dass alles beim Alten bleibt. Ich unterscheide das einfach. Das sind einfach verschiedene Leute, die zu verschiedenen Veranstaltungen in verschiedene Clubs gehen. Du siehst Trap-Clubs, da würde ein HipHop-Head nie reingehen, aber genauso auch andersrum. Am liebsten hätte ich ein Gemisch. Einfach alles ein bisschen mischen und trotzdem nebeneinander existieren lassen. Ich selbst will für meinen Sound auch ein Mittelding finden. Einen glatt polierten Autotune finde ich nicht geil. Obwohl ich Autotune verwenden möchte, soll es ein bisschen herber klingen. Auf dem Album habe ich nur einen Song, wo die Parts wirklich komplett clean sind. Der Rest ist eine Mischung aus meiner eigenen Stimme und Autotune-Elementen, wobei ich Parts auch nur korrigieren lassen habe, ohne dabei Autotune zu verwenden.

Du warst ja selbst bei der Tour von RIN dabei. Ihm wurde früher oft vorgeworfen, zu viel Playback bei seinen Shows zu spielen. Wie siehst du das?
Klar ist es whack, wenn jemand live gar nichts kann. Aber bei RIN zum Beispiel ist Playback ein Showelement, er hat genauso Tracks live gespielt ohne viel Playback. Seine Show besteht aus mehr, als nur zu rappen. Und wenn er den Song im Playback drüberlaufen lässt, dann hat das auch den Grund, damit er drüberschreien kann und die Leute dazu animieren kann, mitzusingen oder abzugehen. Man muss den Fans live ein Erlebnis bieten, sie müssen mehr bekommen, als wenn sie nur den Song über ihre Kopfhörer hören. Es gibt immer noch Rapper, die auf der Bühne nur rappen, das schaue ich mir vielleicht auch gerne an, das ist dann einfach was anderes. Ich würde auch nicht haten und sagen, dass die schlecht sind, nur weil ich persönlich eine nice Show wichtiger finde.

Foto: Maša Stanić

„Diese eigene Rap-Welt ist inzwischen zu einem ganzen Universum geworden“

YUGO und du haben auch gemeint, dass Deutschland euer nächstes Ziel ist. Wollt ihr dorthin ziehen oder dort euren Bekanntheitsgrad erhöhen?
Wir sind Vienna City, man. Wien ist krass. Wir sind viel herumgekommen in letzter Zeit, aber es ist immer wieder schön, nach Wien zu kommen. Wien ist nicht umsonst die lebenswerteste Stadt der Welt! Und wenn meine Eltern mich schon nach Wien gebracht haben, dann will ich auch hier bleiben. Nach Deutschland zu ziehen wäre auch eine Option, vor allem in Berlin könnte viel gehen. Deutschland hat einen guten Style und einen guten Sound, darum beneiden die einige Amis auch. Mal sehen, was die Zukunft bringt.

Weil du ein Perfektionist bist: Was muss passieren, damit du nach dem Release deines Albums vollkommen zufrieden bist?
Natürlich würde es an mir nagen, wenn es niemanden interessieren würde, weil ich so detailverliebt gearbeitet habe. Dass Leute mir Anerkennung geben, würde ich mir schon wünschen. Ich will das Album endlich draußen haben und dieses Kapitel abschließen. Danach kann ich mich auf neue Dinge konzentrieren, ich habe noch viel vor und für dieses Jahr ist noch einiges geplant. Ich fühle mich wie bei „Herr der Ringe“. Der Ring sind meine Tracks.

Die Review zu SLAVs Debütalbum „Plusvieracht“ gibt’s hier. Live zu hören ist SLAV am 29. Mai im Rahmen von #speakout im Museumsquartier bei freiem Eintritt.

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Rap Reviews

Perfektionist in Tennissocken: SLAV mit „Plusvieracht“ // Review

(Futuresfuture/VÖ: 03.05.2019/Fotoquelle: Cover)

SLAV ist der Pole aus Wien, Homie von YUGO (aka Jugo Ürdens) und das Geburtstagskind des heutigen Abends. Aber SLAV feiert nicht nur seinen Geburtstag an diesem Abend im Fluc, sondern ebenso den Release seines Debütalbums „Plusvieracht“. Das Fluc ist voll, Freunde, Fans und Kollegen sind heute hier, um gemeinsam mit dem jungen Rapper zu zelebrieren. „Eine Mischung aus Straße und Unihörsaal“, steht in SLAVs Spotify-Beschreibung, was nicht nur den musikalischen Stil des Künstlers, sondern ebenso das Publikum des heutigen Abends widerspiegelt. Die Menge ist in Partylaune, die Texte der älteren Songs sind hier jedem vertraut .Aber SLAV präsentiert auch neue Songs aus seinem Album, mit dabei auf der Bühne als Support stets YUGO. Es wird Zeit, dieses Album etwas näher zu beleuchten.

Junge Musiker ständig auf ihr Alter zu reduzieren, erscheint oftmals falsch und überflüssig, da man so entweder Kreativität und Talent vom Alter abhängig macht oder Musikern aufgrund ihres jungen Alters schon im Vorhinein Qualität absprechen möchte. Nur zu gut, dass SLAV mit „98“ sein Alter zu Beginn des Albums direkt selbst thematisiert und somit keinen Platz für Diskussionen lässt. Ein absichtlich etwas übersteuerter Autotune und eine leicht kratzige Stimme im Refrain beweisen, dass er am Sound der Zeit ist, ohne dabei jene Stilelemente zu übertrieben zu verwenden. Natürlich findet die Verwendung von Autotune nicht nur auf dem genannten Track statt, sondern zieht sich fast über das gesamte Album, Autotune versteht sich hier aber viel mehr als ein unterstützendes Soundelement statt als Grundlage des Soundbildes.

„Mama fragt mich jedes Mal nach Arbeit oder Uni, doch ich zahle mit ‘nem Hunni / Spare keinen Fuffi, aber erkläre ihr, dafür bin ich glücklich“

Zwischen Straße und Unihörsaal also? Inhaltlich bewegt sich SLAV zwischen Tennissocken von Fila, Chayas, die seine Songs auf Dropbox hören und selbstgestochenen Tattoos. Er verbalisiert seinen gelebten Lifestyle, frei nach dem Motto: Was er nicht erlebt, darüber rappt er auch nicht. Dadurch möchten seine Texte zwischenzeitlich etwas flach wirken, allerdings kann so die Authentizität punkten. Es ist die neue Ära des Storytellings, bei SLAV wirkt nichts erzwungen oder erfunden, sondern schlichtweg so, als würde er erlebte Eindrücke in seiner Musik verarbeiten. Der kreierte Stil, der gelebte Lifestyle kann auf Metaebene betrachtet und in der WG-Küchen-Philosophie nach drei Flaschen Rotwein als Spiegel unserer Generation gesehen werden. Eine Mischung aus Straße und Unihörsaal eben. Niemand will sich so richtig festlegen, egal in welchem Lebensbereich. Es wird manchmal zu viel gekifft und Markendropping findet statt, um die eigene Coolness unter Beweis zu stellen. Und dennoch, oder vielleicht genau deswegen, weil es für diese Generation so typisch ist, gibt es Zweifel. Was ist, wenn das hier alles gar nicht klappt?

„Niemals Lügen oder Phrasen, grüße auf der Straße / Das ist echtes Selbstbewusstsein, nicht ‘ne zugekokste Nase“

Besagte Thematik spielt sich auf „Was wenn“ ab, wo man auch YUGO als einzigen Featuregast auf dem gesamten Album findet. Überraschend ehrlich und ängstlich zeigen sich die beiden auf dem Song, ohne dabei in die depressive Schiene zu geraten. „Das Ziel sind nicht die Top 10, sondern Sponsor bis auf die Socken“ – neue Maßstäbe werden gesetzt. Es gilt nicht mehr, eine hohe Chartplatzierung zu erreichen, denn was zählen noch Charts in der digitalen Streaming-Welt? Viel mehr soll der Lifestyle finanziert werden, SLAV will neue Klamotten gesponsert bekommen, keine Nachtschichten mehr machen müssen und freut sich darüber, den Urlaub für die Albumproduktion von Red Bull finanziert zu bekommen.

Mit „Conntections“ kritisiert SLAV die typisch österreichische Freunderlwirtschaft. Egal, ob für eine Altbauwohnung in Wien oder für den Anwalt, laut SLAV benötigt jeder von uns nicht nur im beruflichen Kontext sondern genauso im Alltagsleben Connections: „Alles, was du brauchst, ist nur jemand, der jemanden kennt„. Ein Szenario, das so einigen nur allzu bekannt vorkommen könnte. Hinter dem Video steckt übrigens ein ausgefeiltes Konzept, wie uns SLAV im Interview erzählte. Ebenso, dass er einen Drang zum Perfektionismus hat, weswegen er fast zwei Jahre an diesem Album saß. Dass SLAV viele Gedanken und Stunden in seine Musik investiert, resultiert wohl daraus und bekommt man als Hörer definitiv zu spüren.

Bei den im Video nachgestellten Bildern handelt es sich um Gemälde aus dem Klassizismus, wo es üblich war, dass keine Komparsen auf den Bildern abgebildet waren, sondern dass jede Person im Bild eine Aufgabe hatte. Dieser Grundsatz trifft ebenso auf „Plusvieracht“ zu: Alle elf Songs haben eine Berechtigung auf dem Album stattzufinden, alle elf Songs passen ins Bild.

Fazit: Soundtechnisch gibt es an dem Album wenig auszusetzen. SLAV weiß, wie man rappt und reimt, einige Lines sorgen beim Hören für ein Schmunzeln, weil sie so akkurat, vielleicht auch etwas banal, aber eindeutig lustig sind. SLAV ist ein Charakter, er ist der Pole aus Wien, der Rapper, der für frischen Wind in Wiens Rap Szene sorgt. Er ist musikalisch und stiltechnisch am Puls der Zeit, er kreiert mit seiner Musik und seinem Style einen Lifestyle, er spiegelt Momentaufnahmen wider. SLAV wirkt in seinem Tun selbstbewusst, gefestigt und modern, er schafft einen Wiedererkennungswert. Sowohl live als auch auf Albumlänge kann SLAV überzeugen. Er punktet mit Charakter, Talent und Charme. Happy Birthday „Plusvieracht“, Happy Birthday SLAV.

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Austria News

Austro Round-up (KW 14/19)

Die erste Aprilwoche brachte wie gewohnt einige Releases und Videos. In eigener Sache möchten wir festhalten, dass wir trotz umfangreicher Berichterstattung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, das wäre aufgrund der hohen Zahl an Neuerscheinungen aus diversen Ecken ohnehin kaum möglich. Ergänzend verweisen wir auf den Evergreen „FM4 Tribe Vibes“ sowie das monatliche Format „Wenn nicht mit Rap, dann mit nem Podcast“ von Splank White und Sunny. In der jüngsten Ausgabe war Brenk zu Gast, der in einem launigen Gespräch interessante Einblicke in seinen Produzentenalltag gewährt. Darüber hinaus deckt die Plattform Musiccinema einige österreichische Acts ab, die bei uns kaum Erwähnung finden.

Soulcat E-Phife – Prepare For Warfare EP

Da die Fertigstellung ihres geplanten Studioalbums noch ein Weilchen dauern dürfte, möchte Soulcat E-Phife die Wartezeit mit einer EP verkürzen. Auf „Prepare For Warfare“ vereint die Wienerin sechs Tracks, allesamt produziert von Mono:Massive. Dementsprechend dominieren auch abseits der Single „Flaunt it“ feine Boombap-Kopfnicker mit reichlich 90er-Ästhetik, ergänzt durch entschlossene Raps in klassischer Soulcat-Manier. Auf zwei Tracks erhält sie Unterstützung von ihrem „Lyrical Twin“ Boogie Bang aus Cincinatti, der vor ein paar Jahren schon auf dem Album „Aus Aundara Aunsicht“ von CHiLL-iLL vertreten war.

Marie – I Rise EP

Erst kürzlich mit Soulcat E-Phife zusammengearbeitet hat Marie. Die beiden haben zwei gemeinsame Singles in der Pipeline, die weder auf der „Prepare For Warfare“-EP noch auf der fast gleichzeitig erschienenen EP von Marie gelandet sind. „I Rise“ ist das Solodebüt für die in Linz ansässige Sängerin, die an der Anton-Bruckner-Privatuniversität Jazz und Improvisierte Musik studiert und sich im Vorjahr dazu entschieden hat, ein eigenes Musikprojekt zu starten. Nun ließ sie auf den im November erschienenen Vorboten „20 Missed Calls“ fünf weitere Tracks folgen. Auf schweren, elektronisch angehauchten Beats sorgt sie mit markanter Stimme für ein inhaltliches Potpourri, widmet sich neben feministischen Themen etwa dem gegenwärtigen „Social Coma“. Sämtliche Beats stammen von Def Ill, der als Ruffian Rugged auch mit einem Part vertreten ist. Die Releaseshow folgt am 19. April im Wiener Kramladen.

SemKoo – Jaka Majka

Mit „Jaka Majka“ liefert SemKoo einen Song mit sehr persönlichem Inhalt übersetzt bedeutet der Titel „starke Mutter“. Mehrmals betont der Wiener Rapper darauf die Tränen, die seine Mutter vergießen musste und die schweren Tage, die hinter den beiden liegen. Ein Track, der unter die Haut geht. Produziert haben Stanic, BK und Doni Balkan, das Video stammt von Crown Capture. – Sven Horvatić

Slav – Fila

2018 präsentierte sich Slav noch in dreistreifiger Montur und zelebrierte mit „Tristrip“ seine Vorliebe für Adidas-Artikel. Knapp ein Jahr später widmet er sich mit „Fila“ der Konkurrenz. Neben Unternehmen wie Champion oder Diadora war der im Piemont gegründete, mittlerweile in Südkorea stationierte Sportartikelhersteller für einige Jahre fast komplett von der Bildfläche verschwunden, in der jüngeren Vergangenheit aber als Marke mit gewissem Kultfaktor wiederauferstanden. Slav haben es besonders die weißen Tennisscken angetan, wie er in seinem neuen Track klarstellt. Im Video stechen unter anderem witzige Eindrücke aus einem Waschsalon hervor. „Fila“ wurde von Kane produziert und dient als Vorbote auf das Album „Plusvieracht“, das am 03. Mai erscheint.

Ael Deen – No Plan

Stark am Zeitgeist orientiert sich auch Ael Deen vom jungen Wiener Label Faceoff Music. Vor wenigen Wochen noch zusammen mit seinem Kollegen Tizudemjay auf „Swayze“ in Erscheinung getreten, ließ er kürzlich mit „No Plan“ der ersten Vorboten zu seiner Solo-EP „11:12“ folgen. Der Track bietet reichlich RnB-Vibes, mit denen der Döblinger Ballast abwirft. Das düster gehaltene Video stammt von Sebastian Somloi.

Salepphone & Symtex128 – Niemals

Ihren Film unbeirrt fahren wollen Salepphone & Symtex128, wie sie mit ihrem neuen Track „Niemals“ klarmachen. Egal was kommt, wie rücksichtslos sie sich verhalten und wie sehr sie sich von Regeln und Vorschriften entledigen, mit der Polizei wird aus Prinzip nicht gesprochen und im Häfn wird man schon nicht landen. Mal schauen, was die Zukunft bringt.

Team128 – Geeked up

Mit fface128, LazySwan & MoonMan128 präsentieren sich einige Team128-Kollegen von Symtex „Geeked Up“. Die Crew-Hymne bietet reichlich Südstaaten-Flavour, dem Titel entsprechend lässt das Trio aus dem Dunstkreis der 808factory Vorlieben bezüglich multipler Berauschung durchschimmern. Der Track dient als Einstimmung auf die gleichnamige EP, die am 14. April erscheint.

Schore Springbeats

Nachdem Schore Musik bereits den Dezember zum „Beatcember“ machte und täglich ein frischer Beat oder Remix über den von Säbjul betriebenen YouTube-Kanal erschienen ist, kommt es im April unter dem der Jahreszeit angepassten Titel „Springbeats“ zur Fortsetzung. Den Beginn machte ein Remix von DrumkidT als Hommage an den kürzlich ermordeten Westcoast-Rapper Nipsey Hussle, weiters haben sich unter anderem DJ Joe Joe, Smonstah oder AspekktOne beteiligt. Einsendungen an [email protected] werden weiterhin gerne entgegengenommen.


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Austria News

Austro Round-up (KW 05-06/19)

Auch abseits unserer Videopremiere zum „Popsong“ von Yasmo und dem Signing von Yugo (fka Jugo Ürdens) beim deutschen Label Division brachten die beiden abgelaufenen Kalenderwochen jede Menge Neuigkeiten. Das bis dato wohl am stärksten besetzte Austro Round-up.

Katharsis (DRK & Digga Mindz) – Kulturgeschehen

Um die Wartezeit auf das für 29. März angekündigte Katharsis-Album zu verkürzen, schärfen DRK & Digga Mindz auf einem Digga-Brett ihre lyrischen Klingen. Wenig überraschend schießen „die grimmigen Stüfibuam“ bereits auf dem ersten Teaser per Rundumschlag gegen als whack enttarnte Vertreter des kontemporären Rap- beziehungsweise Kulturgeschehens. Da ihre Wut hier noch eher an der Oberfläche brodelt, dürfte das volle Ausmaß des therapeutischen Donnerwetters erst in den kommenden Wochen bekannt werden. Ergänzt wurde der Track durch ein launiges Video von Heinrich Himalaya, das den Großteil der Honigdachs-Gang vereint und als Hommage an Sean Price stark am Video von „Boom Bye Yeah“ orientiert ist.

Afu-Ra & Def Ill – Circus Tickets

Unter dem Motto „#bringboombapback“ bündeln Def Ill und Afu-Ra ihre Kräfte. Der aus dem Umfeld von Jeru The Damaja entspringende, vor allem durch sein 2000 erschienenes Solodebüt „Body of The Life Force“ bekannte New Yorker Rap-Veteran bietet sich gut für dieses Vorhaben an. Einerseits aufgrund ähnlicher HipHop-Ideale, andererseits weil er – dank seiner tschechischen Ehefrau – seit geraumer Zeit in Europa stationiert ist. Jedenfalls sind die beiden Rapper fest von der Hilfsbedürftigkeit der (globalen) HipHop-Szene überzeugt. So sehr, dass „Circus Tickets“ der Vorbote eines gemeinsamen Projekts ist, mit dem sie die „Hip Hop Nation“ mit Soulfood versorgen möchten.

SLAV – Connections

Eine Altbauwohnung im klassizistischen Stil zu erschwinglichen Konditionen gefällig? Geht in Wien eigentlich nur über jemanden, der jemanden kennt, wie SLAV korrekt festhält. Um die großspurigen Worte in angemessener Weise zu visualisieren, widmet sich der Rapper der Epoche des Klassizismus rund um 1800. Weil Zweckbauten wie die Pfarrkirche Atzgersdorf oder das Theresianum letztlich doch wenig hermachen, hat SLAV seine Connections spielen lassen und sich inklusive seiner Angewandten-Gang in den prunkvollen Räumen der Albertina, dem Palais Schönburg und dem Pötzleinsdorfer Schlosspark eingenistet. Zwischen den Szenen kommen epochengetreue Kunstwerke à la „Apotheosis of Homer“ zur Geltung. Kann man mal machen.

Gerard – Nie Mehr Zurück

Wer mit der Musik schon mal ein bisschen Geld gemacht hat und dieses nicht sofort wieder verpulvert hat, kann wie Gerard nach einem beschissenen Jahr einfach mal für ein paar Monate nach LA abhauen, dort beim Joggen am Strand über das eigene Leben philosophieren und sich selbst therapieren. Jedenfalls scheint er an der Westcoast genug Kraft getankt und Inspiration für neue Projekte geholt zu haben. Als erster Appetizer dient die vom Love-Hotel-Band-Member RIP Swirl produzierte Single „Nie mehr Zurück“, auf der Gerard mit stark bearbeiter Stimme in seine Gedankenwelt blicken lässt.

P.tah – Wo ich bleib

Für P.tah wäre ein Wegzug aus Wien undenkbar, wie er auf „Wo ich bleib“ klarmacht. Dass Schwarz-Blau ein immer verzerrteres, angsterregenderes Bild der Bundeshauptstadt propagiert, steigert seine Motivation für derartige Tracks nur weiter, wie er kürzlich im Interview erläuterte. Im Video zum „Ghost“-Track sorgt er daher für einen Perspektivenwechsel in der Hauptrolle steht ein Schwarzer Wiener, dem das raue Klima sowie blanker Rassismus merklich zu schaffen macht. Die einzelnen Szenen wurden unter der Produktionsleitung von Camillo Rakos, auch bekannt als Meilner, authentisch und packend dargestellt.

Erwin & Edwin x Alix – Power

In den vergangenen Monaten bereits mit Singles wie „Tag Ein, Tag Aus“ und „Hoch“ angekündigt, haben Erwin & Edwin Anfang Februar mit „Power“ ihr zweites Album veröffentlicht. Rapper Alix zählt mittlerweile zur Stammformation des Electro-Brass-Quintetts, auch abseits davon gab es seit der 2016 veröffentlichten „Messing“-LP den ein oder anderen Besetzungswechsel. Für die zehn neuen Tracks hat die Formation ordentlich an der Power-Dosis geschraubt. Auf eingängigen Klängen präsentiert sich Alix teils selbstreflexiv und motivationsfördernd, daneben schimmert Kritik am extensiven Umgang mit Sozialen Medien sowie an Egomanie und Narzissmus durch. Da die neuen Tracks vor allem live gut funktionieren dürften, überrascht die ausgedehnte „Power“-Tour durch Österreich und Süddeutschland wenig sie startet am 21. Februar im Linzer Posthof und endet 02. April im WUK.

RAN DMC – Tape gegen Rechts

Mit den fünf Tracks des „Tape gegen Rechts“ lässt Ran DMC ungeschönt seinen Frust über gegenwärtige politische Verhältnisse raus. Auf souligen Boombap-Beats unter anderem von Ill Eagle thematisiert er etwa braunen Schmutz im Parlament, die fehlende gesellschaftliche Akzeptanz für Fremdes oder konkrete Auswirkungen des Sozialabbaus. Schweigendes Zusehen und sich mit der Situation abfinden hält Ran DMC jedenfalls für die falsche Reaktion, wenn es um die Reise zurück in die „40er“, weiterhin stetig im Mittelmeer ertrinkende Menschen oder schlichtweg um „Realtalk“ geht. Der Floridsdorfer rappt sich merklich die Seele aus dem Leib. Erdiger politischer Rap, der einem durchaus nahegehen kann. Bisher sein stimmigstes Release.

Adem Delon – I wor do

Vor gut einem Jahr sorgte Adem Delon mit der catchigen Single „Könige“ für ein überraschendes Comeback. Seither arbeitet der früher bei der RooftopClique aktive Sänger und Rapper an einem Soloalbum. Mittlerweile ist klar, dass dieses „Für mi“ heißen wird und ein Release für 2019 eingeplant ist. Auf „Könige“ und den zweiten Vorboten „I renn“ folgte kürzlich mit „I wor do“ ein weiterer Track mit starkem Ohrwurmcharakter. Im gewohnt breiten Dialekt nutzt der Wiener das entspannte Instrumental zum Reflektieren.

Palavra – Déterminé (feat. Tahiti Bob & Co Lee)

Fortgeschrittene Französischkenntnisse sind von Vorteil, möchte man die neue Single von Palavra verstehen. Schließlich demonstriert der Lycée-Absolvent im Kontrast zur Ende 2018 veröffentlichten Single „Ich Seh die Welt“ diesmal seine Multilingualität. Internationale Featuregäste sind mit dem Pariser Tahiti Bob sowie dem auf Englisch rappenden Ungarn Co Lee vertreten, flowtechnisch überzeugen auf dem von Monlito produzierten Banger alle drei.

Mire Pasha – International

Als junger Wiener MC auf einem reichweitenstarken Label/YouTube-Kanal wie 385idéal zu landen, ist schon eine große Sache. Zwar ist Mire Pasha schon seit ein paar Jahren aktiv, außerhalb von hiesigen Streetrap-Kreisen dürfte er bis dato aber noch nicht allzu viele Leute erreicht haben. Daran möchte der Rapper schleunigst etwas ändern, wie die Single „International“ impliziert. Der Track ist im Rahmen der von 385idéal-Nachwuchsförderungs-Serie „Von der Strasse in die Charts“ erschienen. Mire Pasha präsentiert sich darauf technisch ansprechend, inhaltlich kommen dabei freilich die immer gleichen Themen zur Geltung. Auch das kostspielige, in Frankfurt aufgenommene Video erweist sich als milieu- und subgenregetreu.

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Austro Round-up // KW 50

Österreichischer Rap und verwandte Disziplinen liefern derzeit reichlich Stoff, die Dichte an Neuerscheinungen ist hoch. Dieses Round-up verfolgt das Ziel, möglichst vielen erwähnenswerten Österrap-Releases und Videoauskoppelungen der vergangenen Woche eine Plattform zu bieten. Trotz großer Sorgfalt erheben wir hierbei keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn auch wir können nicht immer jedes Juwel mitbekommen.

Kalenderwoche 50 erwies sich als hochkarätig besetzt. Während Der-Con zum Tag der Menschenrechte mit dem Track „Magna Carta“ AktivistInnen aus aller Welt ehrte und der Kärntner Tonträger-Fan Truemental seit einigen Tagen sein Debütalbum „Ungekocht“ ausschließlich per CD vertreibt, sind auch einige Videos sowie eine neue EP zu verbuchen.

Slav Nie genug

Einfach so einen neuen Namen zugelegt hat sich Einfachso, nennt er sich doch fortan Slav. Kurz nach seinem gemeinsamen Live-Turn-up mit seinem Homeboy Jugo Ürdens sorgt der polnischstämmige Wiener mit „Nie genug“ für frischen Solo-Output. Auf einem entspannt vibenden Beat von ViciousCreep unterstreicht er die Vorzüge seines Ansatzes, mit Leichtigkeit durchs Leben zu gehen, regelmäßig aufzunehmen und einfach zu genießen. Nur verständlich, dass er davon nicht so schnell genug bekommt. Dass er derzeit zusammen mit Jugo Ürdens Support bei der soeben gestarteten Rin-Tour ist, die am 09. Jänner im Wiener Gasometer haltmacht, ist da nur eine weitere Episode.

siebzig prozent – Tu es Day

Ebenfalls nie genug kriegen siebzig prozent. Für die „Brettljausn“-Auskopplung „Tu es Day“ verfilmen die Grazer einen „ganz normalen“ Tag. Dabei untermauern sie gekonnt ihren Status als notorische Zuaschädeln, pendeln zwischen Couch, Booth, Corner und Lokalen bei ihnen ist eben alles in Butter, solange sie im Öl sind und andere berauschende Stoffe mengengerecht in die Körper gelangen. Im dazugehörigen Video persifliert Kreiml den paniertesten Protagonisten, der offenbar doch nur fast Schlaflos in Graz“ war.

Rapterror feat. Ali Capone Normal

Neues aus dem Hause Stonepark: Nach längerer Abstinenz melden sich die Wiener Streetrap-Veteranen Rapterror und Ali Capone mit ihrem gemeinsamen Track „Normal“ zurück. Zwar ohne Video, dafür mit dopem Sound sinnieren sie über das Block-Leben und stellen klar, dass Abheben eh nie eine Option sein kann. Den catchigen Beat hat der zuletzt verstärkt als Schauspieler in Erscheinung getretene Ali Capone gemeinsam mit Hinterkopf gebastelt.

Amun Mcee – Raumtourist

Nachdem kürzlich die Single „Karussell“ erschienen ist, sorgt Amun Mcee nun mit „Raumtourist“ für eine weitere Auskopplung seiner am 21. Dezember erscheinenden EP „Signal“. Der Track ist mit viel Herzblut geschrieben der Salzburger Rapper bezieht sich auf den Kampf gegen Raum und Zeit in Bezug auf seine Seelenverwandte, die leider in weite Ferne gerückt ist. Also rein in die Pharaonauten-Montur und ab auf die Suche zwischen Wien-Neubau und galaktischen Sphären, wie das aufwendig umgesetzte Video zeigt. Abschließend  komplettieren mit dem Hidden-Track „Der Funk“ heitere Vibes.

EsRAP – Kabadayi

Ihre Stimmen gegen die rechtspopulistische Regierung erheben EsRAP auf „Kabadayi“, wobei sich Esra als Ottakringer Kabadayi inszeniert und damit in die Rolle des türkischen Patriarchen schlüpft, der in der Nachbarschaft das Sagen hat. Ihr Einsatz richtet sich strikt gegen Rassismus und Diskriminierung, eben für ein besseres Leben in Wien. Enes übernimmt wie gehabt die Gesangsparts, die Sprache switch laufend zwischen Deutsch und Türkisch. Die seit acht Jahren gemeinsam musizierenden Geschwister werkeln übrigens gerade an ihrem Debütalbum.

Familienbande – Am Boden

Dem Album „Du siehst Fabelhaft aus“ entspringt das neue Video der Familienbande: Die technisch unterschiedlich versierten Rapper Tobah, Hefal, MS MC, Sliver widmen den Track ganz ihren alltäglichen Hürden und den Wegen, sich wieder aufzurichten. Die feine Hook kommt von dem in North Carolina beheimateten Sänger Jay Attys.

Ernst – Fundament EP

Früher unter den Namen Shaolinx und Überblick aktiv, nun unter seinem bürgerlichen Vornamen: Ernst liefert mit „Fundament“ seine erste professionell umgesetzte EP, erschienen via Dopearts. Die sechs Tracks haben einen teils poppigen Charakter, Ernst präsentiert sich darauf weitgehend introspektiv und grüblerisch, bezieht sich etwa auf seinen Werdegang und die Suche nach Glück. Mit „High“ hat er kürzlich einen der stärkeren Tracks der EP visualisiert.

Kravali SocialNazi

Popsch raus, Duckface in die Kamera und alles wird gut die 3.000 Facebook-Freunde werden schon genug Likes da lassen. Da die Außenwelt sowieso grausam ist, kann man als „Barbiepuppenzombie“ schon mal viel Wert auf Social-Media-Selbstinszenierung legen. Auf „SocialNazi“ aus dem Album „Die dunkle Seite des Mundes“ belächelt Kravali diesen übertriebenen Geltungsdrang und bemängelt die Whackness vieler im Cyberspace.

Der traurige Gärtner – Glei Dumper

Na, liebe Kinder, schon in Weihnachtsstimmung? Falls nicht, könnte der vierte Teil der „Skalt“-Saga Abhilfe leisten! Der traurige Gärtner liefert darauf eine besinnliche Reinterpretation des angestaubten Weihnachtslieds „Es wird scho glei dumpa, garniert mit durch den Raum hängenden Lichterketten im Video na gut, ganz dezent eingesetzte SM-Elemente sind halt auch dabei. Dann steht’s halt in den Sternen, ob des liabe Kind nach dem Ansehen des Videos eher süß schlafen oder schweißgebadet aufwacht. Hei, Hei!

Schore Beatcember

Bei den täglich releasten Tracks im Rahmen des Schore Beatcembers ging es vergangene Woche munter weiter. Beats beigesteurt haben diesmal unter anderem DrumkidT, Digga Mindz und Pekave.