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Das Berlin von Österreich // Prinz Pi live

Gozpel, den Voract des heutigen Tages, verpassen wir leider. Zu lange ist die Schlange vor der Arena an diesem Samstagabend, zu viele Leute versuchen, noch rechtzeitig zum Start von Prinz Pis heutiger Show zu kommen. Immerhin haben wir uns sagen lassen, Gozpel sei großartig gewesen. Seine Instagram-Story verrät uns, vor dem Gig habe man Backstage noch fleißig „Westberlin“ von Sido gepumpt, danach „Vienna“ von RAF Camora. Immerhin sind Gozpel, Prinz Pi und seine Crew heute zu Gast in Wien.

Fotos: Philipp Detter

Die Wien-Assoziationen ziehen immer. Nachdem Prinz Pi mit „Fähnchen im Wind“ in den Abend reinstartet, erzählt er direkt, seine Uroma sei aus Wien gewesen, genauso wie sein Kollege RAF Camora aus Fünfhaus. „Wien, die Haupstadt von Österreich, also quasi das Berlin von Österreich“, meint Prinz Pi. Das Publikum applaudiert, für viele stellt das Konzert seit Jahren einen Pflichttermin dar. Dies lässt sich ebenso an der Songauswahl erkennen – ein Best-of der Prinz-Pi-Songs, wie dieser selbst sagt. Als Bühnenbild dient ein überdimensional großer Hund, in Erinnerung an seinen alten Hund Penny Lane, sagt Pi. Auch wenn er nun einen neuen Hund habe, vermisse er dennoch seinen alten Weggefährten.

Von Prinz Pi kann man halten, was man will. Viele haben ihm damals zu Zeiten von „Kompass ohne Norden“ vorgeworfen, sich an den Mainstream verkauft zu haben, kalkulierte Musik für die Teens zu machen. Mittlerweile hat Prinz Pi über all die Jahre hinweg vierzehn Soloalben veröffentlicht, zuletzt „Nichts war umsonst“. Was man Pi jedoch in jeder Hinsicht lassen muss, sind seine jahrelangen Erfahrungen sowohl in der Musik, als auch in Sachen Live-Performances. Prinz Pi weiß, welche Komplimente ein Publikum zu hören bekommen mag, in welcher Reihenfolge sein Repertoire an Songs zu spielen ist, um emotional die Crowd abzuholen. So gestaltet sich der Abend wie schon angekündigt als ein Best-of, bei Klassikern wie „Du Bist“ oder „Kompass Ohne Norden“ sind die Fans eben immer noch am textsichersten, jeder hier schreit die mittlerweile auf zu vielen Inspiration-Bildern gesehenen Songzeilen wie „Und ich schrei, was hast du schon erreicht / Du bist nur der größte Hai in deinem kleinen Teich“ mit.

Dennoch scheint Prinz Pi die Menschen hier mit seiner Musik geprägt zu haben, „Kompass ohne Norden“ ist mittlerweile sechs Jahre alt, die Tumblr-Girls und -Boys sind mittlerweile auch älter geworden, das schlägt sich sichtbar im Publikum nieder. Dass Prinz Pis Musik die Jugend vieler hier geprägt hat und einige die Musik zu Recht als Soundtrack ihrer Jugend ansehen, spricht für Prinz Pis Talent, Emotionen in Worte zu packen, Situationen malerisch und dennoch präzise zu beschreiben.

„Ich hatte eine sehr schlechte Zeit, ich war so depressiv, wie noch nie in meinem Leben. Ich bin dann ganz weit in den Norden gefahren, an einen See. Dort habe ich diesen Song geschrieben“

„Das meiste Gepäck, was ich mithab‘, ist in meinem Kopf. Die ganzen Sachen auszupacken, hab‘ ich keinen Bock / Irgendwann fließt es doch alles raus und ordnet sich, im Spiegel steht mein altes Ich mit Messer und ermordet mich“, rappt Prinz Pi und wirkt trotz all der Vorwürfe seiner Person gegenüber ehrlich und authentisch. Bei „Laura“ wird es fast schon unangenehm still in der Arena. Zu viele hier haben die Situation scheinbar schon selbst durchgemacht, wenn eine geliebte Person beschließt zu gehen. Vereinzelt sieht man Tränen in den Augen der Menschen hier, die im Lichtermeer reflektieren. „Ich wollte dich halten, doch war zu jung, war zu dumm, war zu stolz / Auf ihre Art hatten wir beide unsere Nase voll“.

Dabei ist die heutige Show keineswegs eine Versammlung melancholischer Trauender, viel eher macht hier die Mischung die Musik. Zwischen „Elfenbeinturm“ und „Rebell ohne Grund“ lädt uns Prinz Pi hier auf eine gefühlsvolle Achterbahnfahrt ein, die Stimmung reicht von Party bis Betrübnis.

Fazit: Die großen Überraschungen bleiben am heutigen Abend aus, aber das scheint man sich hier auch nicht erwartet zu haben. Prinz Pi glänzt heute in Wien mit einem durchaus soliden Auftritt, wenig könnte man an seiner Performance bemängeln. Die Songauswahl harmoniert mit den Erwartungen des Publikums, die Stimmung durchlebt im Verlauf des Abends Höhen und Tiefen. Die Melodien der Songs klingen in den Ohren der Menschenmasse nach, die sich wohlgesinnt auf den Heimweg begibt, denn wie Prinz Pi selbst sagt: „Der schönste Weg von allen ist der Heimweg“.

 

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Best-of Generation Porno // Prinz Pi live

Alle Fotos: Mathias Trumminger

Als BRKN beginnt, ist das Gasometer gerade mal zu einem Drittel gefüllt. Was ihn aber nicht weiter zu stören scheint. Nach „Ein Zimmer“ stoppt er kurz und verharrt in Adonis- und Denkerpose, denn „jetzt sitzt das Outfit noch, das müssen die Kameras ausnutzen“. Neben ein paar eigenen Songs nutzt er die halbe Stunde Bühnenzeit perfekt aus, um das Publikum auf die nachfolgende Show vorzubereiten. Er springt auf der Bühne umher, wechselt immer wieder zwischen Klavier und Saxofon. Die Pausen zwischen Songs und Anekdoten füllt er mit kurzen Tanzeinlagen. Und natürlich darf etwas Werbung zu seiner nächsten Tour nicht fehlen, zumal das Konzert vergangenen Oktober abgesagt wurde. Als Support leistet er gute Arbeit, er wird später noch als „momentan interessantester und bester Künstler“ bezeichnet werden. Zu Recht.

Still und heimlich betritt Prinz Pi die Bühne. Der Vorhang ist noch zu, auf ihm ein Mond abgebildet. Begleitet von düsteren Bassklängen beginnt Pi die Show mit den ersten Lines von „Sandstrand“. Nach einem klassischen „HalloWien!“ fällt der Vorhang. Drei Stufen führen hinauf auf ein breites Podest, oben steht seine Band: ein Gitarrist, ein Keyboarder und ein Backgroundsänger. Als einziges Bühnenbild hängt die Münze vom aktuellen Albumcover im Hintergrund. Während der Show werden passend zu den Songs immer wieder Lichtbilder oder frühere Albencover hinaufprojiziert. Er habe einen ganz besonderen Bezug zu der Stadt, seine Urgroßmutter wäre auch Wienerin gewesen, er freut sich deshalb besonders, hier zu sein. Ohnehin habe er „nur die besten Erinnerungen an diese geile Stadt“.

Für „Kompass ohne Norden“ fordert er besondere Unterstützung vom Publikum ein. Kein Problem, denn „Wiener sind ja sehr hilfsbereit – wie Berliner auch, nur insgesamt netter“. Der durchschnittliche Wiener Grant wär hier jetzt zwar beleidigt, aber das Publikum zeigt sich mehr als solidarisch, singt nicht nur den kompletten Text mit, sondern versucht, Prinz Pi immer wieder zu übertönen.

Trotz aktuellen Albums und gleichnamiger Tour beschränkt sich Prinz Pi keineswegs nur auf „Nichts war umsonst“. Der Abend wird vielmehr ein Best-of seiner Songs. Die Zuschauer sind durchwegs textsicher, geschuldet dem Durchschnittsalter wird meist aber eher mitgekreischt als gesungen. Vereinzelt finden sich aber auch jene nostalgischen im Publikum, deren Weg schon Prinz Porno begleitete. „Der neue iGod“ sei „eine besondere Perle im Repertoire“, da er live so wunderbar funktioniert. Auch generell passt die Stimmung. Die Gefühle, die Prinz Pi in seine Performance steckt, übertragen sich problemlos auf die Menge. Von Tanzen, über Klatschen, Springen, Singen, bis hin zu Schreien und Weinen ist die komplette Gefühlspalette abgedeckt. Zwischen den Liedern erzählt er viel über sein Leben und seine Bezüge und Erfahrungen mit Wien, an dieser Stelle gehen besonders Props an Kamp und Raf Camora raus, die er beide sehr schätze.

Zahlen zählen nicht“ habe Pi für seine Kinder geschrieben. „Trotz all der Krisen auf der Welt oder den rechten Parteien sollen sie sich daran erinnern, wie wichtig es ist, positiv zu bleiben. Sie sollen das Gute sehen“. Als Antwort auf den nächsten Song folgt lautes Teenie-Kreischen. Während Pi bei seiner gesamten Performance quer über die Bühne rennt und springt, bleibt er bei „Laura“ komplett ruhig am Bühnenrand. Danach verlässt er mit einem schnellen „Danke“ die Bühne. Er steckt nochmal alle Power in die Zugabe. Für „Keine Liebe“ ist die Halle fast zur Gänze dunkel, nur einzelne Spots leuchten schwach auf die Bühne, am vorderen Rand schaltet Pi ein rotes Warnlicht ein.

Prinz Pi will nicht nur, dass die Show besser wird als am Vorabend in Dresden, er möchte, dass „Wien der beste Tour-Gig wird“. Deshalb greift er nochmal zurück auf „etwas Prinz-Porno-Shit“ und will für „Generation Porno“ die linke Faust sehen. BRKN bringt nochmal Abwechslung mit „Hellrot“. Als krönenden Abschluss entsteht bei „Gib dem Affen Zucker“ noch ein letzter Moshpit.

Fazit: Prinz Pi liefert mit der Show einen guten Best-of-Blick über seine bisherige Karriere. Das Publikum ist überraschend jung, was aber wohl auf die Coming-of-Age-Schiene der letzten Alben zurückzuführen ist. Er scheint etwas von seinem Aktivismus verloren zu haben, das Konzert ist weniger politisch als gedacht. Dennoch, seine Botschaften bringt er ans Publikum und schafft insgesamt eine durchwegs solide Performance, mit viel Abwechslung und Power. Lediglich der Bass rauscht vereinzelt unangenehm, woran aber weniger der Künstler als die generelle Akustik im Gasometer Schuld hat.

Ein Interview mit Prinz Pi findet ihr hier.

Weitere Fotos des Konzerts von Mattsort:

 

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The Message Mixtape #13 “New Nikes“ (Special Guest: doz9)

Wir beschäftigen uns ja doch recht viel mit Musik bei The Message. Deswegen haben wir uns überlegt, gelegentlich ein digitales Mixtape für euch zu erstellen. Einige Redaktionsmitglieder tragen mit zwei Songs dazu bei, dass das Tape ein ordentliches Brett mit ganz unterschiedlichen Perlen wird. Warum wir die Tracks so wavy finden, begründen wir mit ein, zwei Sätzen.

SPECIAL GUEST: doz9

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Der Magdeburger doz9 und ist ein viel beschäftigter Mann. Seit geraumer Zeit schon in diversen Crews und solo unterwegs, macht doz9 nur nach einem gewissen Grundsatz mit anderen Mucke: „Wenn man mit jemandem zusammen Musik macht, dann macht man zusammen ein Kind“, verrät er uns im The-Message-Interview zusammen mit Torky Tork, seinem T9-Bruder an den Beats. Und doch scheint er vielen zu Recht sein musikalisches Vertrauen zu schenken. So ist er ebenfalls Teil von Schaufel & Spaten und ergibt zusammen mit Pierre Sonality Die Kraszesten. Was aus seiner alten OFDM-Crew mit unter anderen Plusmacher und Sonne Ra geworden ist, wird vom letzten T9-Werk „R.I.F.F.A.“ verdrängt, auf welchem doz9 sein scharfes Mundwerk in gewohnter Finesse auf die Torky-Bretter bringt. Der schönste Mann im Raum diesmal mit einer kleinen Auswahl auf dem 13. Message-Mixtape.

THE MESSAGE MIXTAPE #13 – „New Nikes“

the message mixtape 13 doz9

Tracklist:

1. T9 – Junkz (prod. Torky Tork)
2. WestSide Gunn – Vivian at the Art Basel ft. Your Old Droog
3. Childish Gambino – Zombies
4. Wolfgang Ambros – I Bin nur a Pompfinewra
5. Cousin Stizz – Where I Came From (prod. Tedd Boyd)
6. Black Josh – Sleepless (prod. FloFilz)
7. 187 Strassenbande – Meine Sprache (feat. Raf Camora)
8. A$AP Rocky – Bachelor ft. Lil Yachty, MadeinTYO & Offset
9. Negroman – From Uwe with love
10. LGoony – Kanye West ft. Haiyti
11. Run The Jewels – Down ft. Joi
12. NIKO IS – Carmen ft. Talib Kweli (prod. Thanks Joey)
13. 6black – Loyal
14. Remoe – Likest aber schreibt nicht
15. Hare Squead – Herside Story
16. TRVE HILL – QUE SE SEPA RMX
17. Falco – Emotional
18. K.I.Z. – Neuruppin
19. Council – Banannas
20. Run The Jewels – Panther Like a Panther (Miracle Mix Edit) ft. Trina
21. Prinz Pi – Sneakerkings 3 RMX (ft. Kamp, eRRdeKa, Olson, Kobra)
22. Mac Miller – Nikes On My Feet

doz9

1. T9 – Junkz (prod. Torky Tork)
Ich tu mich persönlich immer schwer, eigene Songs zu bewerten. Aber wenn man von Lieblingssongs sprechen möchte, ist meiner definitiv „Junkz“. Auch live spiel ich den eigentlich immer als ersten Song da er ’ne schöne Intro-Stimmung hat. Das kommt sicherlich auch diesem Mixtape zugute.

2. WestSide Gunn – Vivian at the Art Basel ft. Your Old Droog
Als ich Anfang vergangenen Jahres Conway für mich entdeckt habe, stieß ich gezwungenermaßen auch auf seinen Homie WestSide. Zunächst fand ich die Stimme sehr gewöhnungsbedürftig, nachdem jedoch mein Bedarf der Gewöhnung gedeckt wurde, fing ich an, den Jungen hart zu feiern. Ich mag seine kräftige Aussprache und die Soundästhetik von Daringer. Vivian at the Art Basel ist mein persönliches Highlight vom FLYGOD-Album, allein schon wegen der Hook.

Daniel Shaked

3. Childish Gambino – Zombies
Selten waren Zombies für einen Anhänger lebender Geschöpfe für mich so leiwand wie seit der Rückkehr der reitenden Leichen. Childish Gambino erweckt ungekannte Tote durch den gekonnten Einsatz von Autotune zum Leben. Gerüchten nach erblasste D‘Angelo vor Neid und Anerkennung.

4. Wolfgang Ambros – I Bin nur a Pompfinewra
Stellvertretend für das erste Album der Nummer eins vom Wienerwald. Eine Ode an das Sterben und Vergängliche. Eine wunderbare Messe an die morbide Seele Wiens, Blues voller Seele und Tiefgang. Nirgendwo scheint das Sterben so schön zu sein, wie in Wien. „Und wer wird mir den Stein aufstellen?“, um es mit Voodoo Jürgens zu fragen.

Simon Nowak

5. Cousin Stizz – Where I Came From (prod. Tedd Boyd)
Erst kürzlich bin ich auf den Bostoner Cousin Stizz gestoßen, der auf gemächlichen, atmosphärischen Trap-Beats zerrreißt und sich zunehmend als einer der dopesten Rapper seiner Sparte herauskristallisiert.

6. Black Josh – Sleepless (prod. FloFilz)
Black Josh hat seine Vielseitigkeit nicht zuletzt auf seinem aktuellen „Ape Tape“ unterstrichen. Er kann sich merklich mit dem East-Coast-Sound der 90er-jahre identifizieren, kickt aber genauso gerne Bars auf Grime- und Trap-Instrumentals – klingt alles fett bei ihm. Auf Kopfnicker-Tracks wie „Sleepless“ überzeugt mich der junge MC aus Manchester aber am meisten.

Max Cornelius

7. 187 Strassenbande – Meine Sprache (feat. Raf Camora)
Nachdem kritische Stimmen aus der Fanbase nach den Charterfolgen von „Palmen aus Plastik“ laut wurden, versammelte sich die 187 Strassenbande zum Ende des Jahres 2016 erneut im Studio und veröffentlichte ein Sammelsurium aus Tracks aller aktiven Mitglieder mit dem kreativen Namen „187 Allstars EP“. Die EP enthält fünf Tracks mit Features von Kontra K und Raf Camora und orientiert sich nach den sommerlichen Popausflügen erneut deutlich mehr am eigentlichen Klangbild der Crew. Einer der stärksten Tracks ist wahrscheinlich „Meine Sprache“, nicht zuletzt auch wegen des starken Parts von GZUZ. Wem der Film taugt, sollte  definitiv auch noch in „Lebenslauf“ reinhören.

8. A$AP Rocky – Bachelor ft. Lil Yachty, MadeinTYO & Offset
Auf „Cozy Tapes: Vol. 1 Friends“ gibt es für jeden etwas, denn auf das musikalische A$AP-Gang-Treffen fanden auch Parts von Szenegrößen wie Juicy Jay, Skepta oder Tyler, The Creator ihren Weg auf den Sampler. Neben dem ultrastarken „Put That On My Set“ mit Grime-Größe Skepta oder dem für A$AP Yams gewidmeten Track „Yamborghini High“, ist „Bachelor“ ebenfalls eines der vielen Highlights des Tapes. Jeder einzelne Gastpart liefert ab und für die Fans gibt’s einen Rocky in Höchstform.

Simon Huber

9. Negroman – From Uwe with love (prod. Negroman)
Auch wenn die Grundatmosphäre im Wesentlichen gleich bleibt, ist eine stetige Weiterentwicklung bei den Jungs von Sichtexot erkennbar. Nach einigen Alben mit Knowsum erschien im Dezember endlich auch ein Soloalbum von Negroman (formerly known as Loki) and überzeugt auf ganzer Strecke. „From Uwe with love“ steht stellvertretend für das Album, von dem sich einige eine Scheibe abschneiden können.

10. LGoony – Kanye West ft. Haiyti (prod. Dj Heroin & hnrk)
Wie zu erwarten liefert LGoony auf seinem neuen Album „Intergalactica“ einen Hit nach dem anderen und sorgt für einen späten Höhepunkt des vergangenen Jahres. Nicht ganz einfach, da besondere Highights ausfindig zu machen, aber „Kanye West“ besticht durch das Haiyti-Feature und den übertriebenen Beat von Dj Heroin & hnrk. Was ihr sagt, ist egal, denn ich hab‘ recht, ok.

Wanja Bierbaum

11. Run The Jewels – Down ft. Joi
Ich habe mich über das überraschende Release-Geschenkt eigentlich eher geärgert, da ich im vorweihnachtlichen Marathon mit so einigen Releases schlichtweg mit dem Hören nicht hinterhergekommen bin (sorry Little Simz etc.). Aber wird ja nicht schlecht, also alles zu seiner Zeit. Umso mehr habe ich die ersten Hörproben von RTJ genossen. Ich kann es nur wiederholen: Bisher finde ich die ersten drei Alben am besten.

12. NIKO IS – Carmen ft. Talib Kweli (prod. Thanks Joey)
Als ich NIKO IS als Support von Talib Kweli vor ein paar Jahren gesehen habe, fand ich ihn irgendwie wirr und etwas hinter dem Beat her. Und eines Tages hat es mich voll erwischt und zwar mit diesem Song – seitdem gehören NIKO IS und witzigerweise fast all seine Releases fix auf mein Phone. Und mit Thanks Joey ist ein Gott an den Produktionen geboren.

Helen Aksakalli

13. 6lack – Loyal
Mit dem Song vermittelt 6lack den Zuhörern Gedanken und Emotionen aus einer Beziehung, mit einem unloyalen Partner. Loyalität ist alles, jedoch für manche auch ein Fremdwort.

14. Remoe – Likest aber schreibt nicht
Running Gag in meinem Freundschaftskreis ist zurzeit der Song „Likest, aber schreibst nicht“. Denn alle von uns kennen eine gewisse Person, die zwar unsere Posts auf allen sozialen Medien-Kanälen liket und verfolgt, jedoch sich nicht die Mühe gibt, zu antworten oder sich gar zu melden. #TheMessageizda #machtweiterso #ichbimskeinblender

Adriana Juric

15. Hare Squead – Herside Story
Um meiner alljährlichen depressiven Winterzauberstimmung entfliehen zu können, lasse ich in meinen Gemütszustand etwas Wärme und vor allem wavy Tunes hereinspazieren. Herside Story ist dabei in meiner Liste unabdingbar, da sie abgesehen vom sommerlichen Sound auch den passenden unbeschwerten Vibe mittransportieren. Das irische HipHop-Trio Hare Squead garantiert nicht nur gute Laune zu jeder Jahreszeit, sondern bietet nebenbei noch einen innovativ-souligen Future-Bounce -Sound, der sich in der kompakten „Supernormal EP“ durchzieht. Ein Riesen-Shoutout vom Herzen an meinen Master Chief Habib Vincent, der mir den Track noch gezeigt hat, bevor ich in meine Pre-Christmas-„Michael-Bublé-Phase“ herabrutschen konnte, beziehungsweise mich der „All by myself-Bridget Jones“-Karaoke-Session hingegeben hätte.

16. TRVE HILL – QUE SE SEPA RMX
Auch ein beatreiches Jahr ging zu Ende und wenn ich auf meine tägliche Soundcloud-Playlist herabblicke, greife ich sogar nach fast elf Monaten immer wieder auf den üblichen verdächtigen Track zurück. Der „QUE SE SEPA RMX“ ist kein gewöhnlicher HipHop-Beat – so lässt sich das gute Stück auch in keine bestimmte Beatkategorie einordnen. Neben der vielen BoomBap-90er-Produktionen, die dieses Jahr meine Playlist erweitert haben, hat mich der Stuttgarter Produzent TRVE HILL mit seiner neuartigen Beat-Ader vollends in seinen Bann gezogen. Mit seiner fast schon (im positiven Sinne) ignoranten Mischvariante, zeigt er seinen Hörern immer wieder aufs Neue, dass es insbesondere im HipHop keine musikalischen Grenzen geben sollte, damit man die HipHop-Kultur auch in nächste Sphären beamen kann. „Salsa meets Bass music meets 90s-Flair“ auf einem selbstbewussten, futuristischem und vor allem einzigartigen Soundbild. Da bleibt noch eine Frage offen: „Junge, fühlst du nicht den Vibe?“

Julia Gschmeidler

17. Falco – Emotional
Und das Herz geht so lange zum Messer, bis es sticht.“ Auf seinem vierten Studioalbum von 1986 hat Falco seine emotionale Seite präsentiert und war dabei – wie auch bei seinen vorigen Werken – wieder einmal seiner Zeit voraus. Unglaublich, was dieser Musiker an Vorabeit für deutschsprachige Musik und auch Rap geleistet hat. 2016 wäre der gebürtige Wiener übrigens 60 Jahre alt geworden, in einem kürzlich erneut thematisierten Interview mit FM4 Tribe Vibes spricht Falco 1996 über „The Message“ von Grandmaster Flash, telefoniert mit Skero, lädt diesen in die DomRep ein und prophezeit Texta eine große Zukunft. Lasset das Falco-Jahr beginnen.

18. K.I.Z. – Neuruppin
Auf einem Sample der britischen 60er-Jahre-Band The Animals rappen die drei Kannibalen über ein Horror-Haus in Neuruppin, einem Ort, aus dem der Serienmörder Carl Großmann stammt. Erst vor Kurzem wiederentdeckt und seitdem auf Dauerschleife – hier passen Lyrics, Video und Technik einfach famos zusammen. „Ist ‚Neuruppin‘ also nur eine Provokation, die man achselzuckend als PR-Gag hinzunehmen hat?„, schrieb Der Stern 2008. Nein, das ist nur K.I.Z.

Thomas Kiebl

19. Council – Banannas
1998 veröffentlichte das US-Rap-Trio Council, zusammengestellt von Jay Zs Lehrmeister Jaz-O (ein begnadeter Produzent, man höre etwa Jay Zs „Rap Game/Crack Game“ oder „Lifestyle of a Ghetto Child“ von M.O.P., aber nur durchschnittlicher Rapper und unterdurchschnittlicher Geschäftsmann), ihr erstes Album „Council Era“. Die Auflage war allerdings äußerst limitiert, was in erster Linie an Problemen mit der Freigabe von Samples lag (gerüchteweise sollen sich die Kosten auf die nette Summe von 250.000 US-Dollar belaufen haben) lag. Sehr schade, da „Council Eras“ ein fabelhaftes Album ist – und „Banannas“, produziert von Jaz-O aka Big Jaz, einer der Standout-Tracks. 2002 erschien mit „Kings Kounty“ noch ein weiteres Album mit Council-Beteiligung – wobei das Trio mittlerweile zu einer elfköpfigen Crew avancierte und fortan unter dem Namen Jaz-O & The Immobilaire firmierte. Nach „Kings County“ und Streitigkeiten mit  Jaz-O, der zeitgleich eine Fehde mit Jay Z führte, löste sich die Crew auf.

20. Run The Jewels – Panther Like a Panther (Miracle Mix Edit) ft. Trina
Einen Track aus dem famosen neuen Album von Run The Jewels auszuwählen, ist wirklich eine schwierige Aufgabe. Ich habe mich schließlich für „Panther Like a Panther“ (Mirakel-Mix-Edit) entschieden. Starke Parts, treibender Beat und zum Drüberstreuen etwas Trina in der Hook sind nämlich nicht die schlechtesten Zutaten für einen guten Song.

Valentin Gatol

21. Prinz Pi – Sneakerkings 3
Wenn man in Wien über Sneaker spricht, kommt man nicht an den selbst ernannten „Sneakerkings“ vorbei. Dreimal wurde das Thema schon in variierenden Formationen bearbeitet, der Remix des dritten Teils beinhaltet auch ein Feature vom Wiener Urgestein Kamp. Der rappende Sneakerverkäufer hat übrigens für 2017 sein Comeback-Album angekündigt.

22. Mac Miller – Nikes On My Feet
Geht es um Nikes, liefert Mac Miller viel Material. Ob man den Kerl nun mag oder nicht – er ist einer der aktuellen Rapper, der dieses Thema schon vor Jahren aufgegriffen hat.

Additional text by Wanja Bierbaum // Cover artwork by Marlene Rosenthal
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Interviews

„Wir sind nicht pro-deutsch“// Antilopen Gang Interview

Antilopen Gang by Daniel Shaked © 2016-4912
„Niemand redet mit Skinheads“, beschwert sich Danger Dan (li.) aufgrund seines T-Shirts

Als Einfluss geben Koljah, Danger Dan und Panik Panzer von der Antilopen Gang den Restaurantester Christian Rach an, und meinen, dass Geld ein wichtiges Interesse der Band sei. Auch ihre Songs strotzen vor Selbstironie, Sarkasmus und Doppeldeutigkeiten – sehr oft mit gesellschaftskritischen Seitenhieben versehen. Die drei Rapper, die auf dem Label der Toten Hosen gesignt sind, haben uns nach ihrem Auftritt beim diesjährigen HipHop Open Austria in Wiesen einiges erzählt. Über ihr Engagment in Die Partei, Georg Kreisler, die „Total-Katastrophe“ in der Türkei, kritische Auseinandersetzung mit dem Deutsch-Sein und antifaschistischen Selbstschutz. Und zum Abschluss dieser ernsthaften Diskussion streitet sich das Trio, wie man denn das Wort Bolognese richtig ausspricht. Typisch Antilopen Gang eben.

Interview: Julia Gschmeidler & Emil Delivuk
Fotos: Daniel Shaked

The Message: Pierre Sonality meinte uns gegenüber im Interview, dass Rap in erster Linie Flow haben muss. Die Welt zu retten überlasse er getrost der Antilopen Gang.
Koljah:
lacht. Das ist nett. Wir wollen die Welt retten und den Flow überlassen wir Pierre Sonality. Das trifft sich doch hervorragend.

Obwohl du auch mal genau dasselbe gesagt hast in einem Interview: Dass Rap in erster Linie tighte Flows brauche.
Koljah:
Musik, die Inhalte transportiert, wird für mich in dem Moment uninteressant, wo die Musik Scheiße ist. Als Musikhörer würde ich mir im Zweifel einen coolen Rapsong anhören, der keine krasse Message hat, bevor ich mir einen verkrampften Message-Song anhöre, wo der Rapper nicht rappen kann.

Danger Dan: Im schlimmsten Fall ist beides Scheiße. H.C. Strache hat’s ja gut vorgemacht.

Denyo meinte letztens zu uns, man sollte keinen politischen Rap machen, sondern politische Lines in Popsongs verpacken, wenn man Leute erreichen möchte.
Koljah:
Ich verstehe, worauf er hinaus ist. Gerade wenn man ein Mainstream-Publikum erreicht, kann man natürlich unterschwellig mit einer Zeile einen Inhalt transportieren, als wenn man drei Minuten auf einem Thema herumhackt. Retrogott oder Savas haben immer nur Battle-Rap mit einer Punchline gemacht, wo sie ihre Meinung sagen. „Biten ist wie wählen, man bildet sich ein, es hilft“ von Savas zum Beispiel. Das ist besser, als einen Fünf-Minuten-Themen-Song zu machen, in dem man den Parlamentarismus kritisiert und sich übers Wahlsystem ausführlich auslässt.

„Die Grünen sind als Regierungspartei unbrauchbar“

Parlamentarismus kritisieren wäre schwierig bei euch, ihr sagt ja, dass ihr nicht wählen geht. Wie viel Substanz steckt in dieser Aussage?
Danger Dan:
(überlegt) Wir wissen nicht, wen wir wählen sollen.

Aber stimmt es, dass zwei von euch Mitglieder von Die Partei sind? Wie lässt sich das vereinbaren, dass man selbst nicht wählen geht, aber einer Partei angehört?
Danger Dan:
Der eine war bekifft, als er unterschrieben hat, der andere war in einem merkwürdigen Zustand. Die-Partei-Leute kamen in den Backstage-Bereich und haben so viele Joints geraucht, dass alle, die drumherum saßen, stoned waren. In dem Zusammenhang konnte sich ein Teil der Gang nicht verkneifen zu unterschreiben. Ich hingegen bin vollkommen immun und würde niemals der Partei Die Partei beitreten. Es sei denn, ich bekomme einen sehr hohen Posten. (lacht)

Koljah: Als ich wahlberechtigt wurde, bin ich die ersten zwei Mal noch hin und habe einen Anarcho-Aufkleber auf die Wahlkarte geklebt. Das war mir dann irgendwann zu blöd und bin lieber zuhause geblieben und habe gekifft. Dann habe ich aber tatsächlich mal Die Partei gewählt. Ist aber auch kein richtiges Dogma, ich würde vielleicht auch mal realpolitisch wählen, wenn’s ganz dringend ist. In Österreich ist das vielleicht das Ding, wenn man einen Bundespräsidenten verhindern will.

Panik Panzer: Wenn’s in Deutschland so was wie eine Stichwahl gäbe, dann würde ich vielleicht auch wählen gehen. Ansonsten bin ich eher Verzweiflungs-Partei-Mitglied, weil ich vorher keine Alternative hatte. Dann bin ich einmal aus Versehen wählen gegangen und habe mich tierisch geärgert danach.

Danger Dan: Ich habe einmal gewählt, als ich gerade 18 wurde. Da habe ich die Grünen in die Regierung gewählt.

Koljah: Na toll, du warst das. (lacht)

Danger Dan: Das war total dumm. Es tut mir auch megaleid, danach gab’s den ersten Angriffskrieg von Deutschland. Alles ist vor die Hunde gegangen und ich bin schuld. Die Grünen sind als Regierungspartei unbrauchbar. In der Opposition hatten sie hie und da noch Substanz, aber als Regierung machen sie denselben Müll. Sie sind gezwungen, Realpolitik zu machen, aber haben mit ihren Ursprüngen als abgefahrener, pluralistischer Haufen nichts mehr zu tun. Stattdessen gibt es normale Sozialdemokratie.

Koljah: Obwohl schon der Ursprung das Problem war, weil die Gründung der grünen Partei bedeutet, dass wir den parlamentarischen Weg gehen und versuchen, von innen heraus das System zu ändern. Das war der Fehler. Wären die Grünen alle in die Rote-Armee-Fraktion eingetreten, dann hätte mir das besser gefallen.

„Martin Sonneborn ist der Einzige, der inhaltlich Wertvolles von sich gibt im Europaparlament“

Wie seht ihr die Funktion von Die Partei im Europaparlament?
Danger Dan:
Martin Sonneborn hält dort doch vortreffliche Reden. Das ist amüsant. Ab und zu guck ich mir Martin Schulz an, der ist teilweise auch swaggy und macht zwischendurch ganz gute Witze. Er hat auch einen ähnlichen Akzent wie ich, kommt aus dem Nachbardorf. Aber Martin Sonneborn ist der Einzige, der inhaltlich Wertvolles von sich gibt im ganzen Europaparlament.

Aber wie viel Ironie verträgt Realpolitik?
Koljah:
Sonneborn schafft das ganz gut, ein paar Themen auf den Tisch zu bringen und ein paar Leute zu irritieren. Das ist nicht nur Spaß-Partei, sondern im Endeffekt macht er Politik, wenn er Antisemiten und Rassisten bloßstellt. Das hat durchaus einen Effekt, wenn die Rede die Runde macht und er die richtigen Leute blamiert. Dann hat er wahrscheinlich mehr erreicht als andere Abgeordnete, die da so rumsitzen.

Zur Bundespräsidentenwahl in Österreich hast du, Danger Dan, am 22. Mai „Wien ohne Wiener“ von Georg Kreisler geopostet. Wieso gerade dieser Song?
Danger Dan:
Er erzählt, dass Wien eine sehr schöne Stadt ist, das Problem aber die Wiener sind und schlägt vor, dass man sie mit Messern umbringen könnte, dann wäre Wien noch besser. Ich muss aber auch dazusagen, dass ohne die Wiener diese Wahl anders ausgegangen wäre. Ich kenne mich tatsächlich mit Lokalpolitik in Wien ein bisschen aus, weil ich mal eine längere Affäre hier hatte. Ich fand das trotzdem eine ganz gute Idee,  so habe ich alle Leute noch einmal aufgerüttelt. Sie haben gedacht, sie werden abgestochen und haben dann richtig gewählt. So habe ich auch Österreich gerettet, das ist schon in Ordnung von mir.

Antilopen Gang by Daniel Shaked © 2016-4883

Woher kennst du Georg Kreisler?
Danger Dan:
Ich bin ein großer Freund von ihm. Als ich früher im Theater gearbeitet habe, habe ich mir von meinem Vater die Diskografie schenken lassen. Ich finde ihn einfach lustig, er gefällt mir.

Versteht man ihn auch, wenn man diesen Wiener Background nicht hat?
Danger Dan:
In erster Linie ist er Antifaschist und bezieht sich deswegen so oft auf Österreich und Wien,  weil er beides stark hasst. Mindestens die Hälfte aller Österreicher sieht das wahrscheinlich anders. Man kann schon was kapieren, die älteren Musicals wie „Heute Abend Lola Blau“, die sich in der Zeit abspielen, wo Österreich noch ein Nazi-Österreich war und zu Groß-Deutschland gehört hat. Er hat erst nach dem Krieg angefangen, Österreich zu Recht zu hassen.

Wie seht ihr generell die Entscheidung vom Verfassungsgerichtshof, dass die Stichwahl zur Gänze aufgehoben wurde? Das ist ja einzigartig in Westeuropa.
Danger Dan:
Ich widerspreche mir so stark, wenn ich sage, dass ich nicht wählen gehe und parlamentarische Demokratie nicht mein Mittel ist. Aber wenn man sich auf so was einlässt, ist es ganz geil, dass Wahlen so ablaufen, dass sie fair sind. Ohne eine gewisse Rechtsstaatlichkeit funktioniert das nicht, sonst funktionieren die Wahlen so ähnlich wie in der Türkei, wo es auf einmal Stromausfälle gibt, ganze Stadtteile systematisch von Wahlen abgeschnitten sind, Bomben am Wahltag in linken Parteibüros hochgehen. Da brauchst du auch gar nicht wählen. Entweder du machst es richtig, oder du lässt es sein.

„Erdogan versucht, sein Gottesstaat-Diktatur-Ding in einer rasenden Geschwindigkeit aufzuziehen“

Bezüglich der Türkei meintest du, Koljah – ohne Satire und ernst gemeint – dass Erdogan ein Arschloch sei.
Koljah:
Oh, jetzt bringst du mich in Schwierigkeiten. (lacht)

Wie schätzt ihr generell die Situation in der Türkei ein? „Molotowcocktails auf Bibliotheken“– dort wurde unter anerem eine  Bücherhandlung gestürmt und verwüstet.
Koljah:
Das ist furchtbar. Erdogan versucht, sein Gottesstaat-Diktatur-Ding in einer rasenden Geschwindigkeit aufzuziehen nach diesem Putsch. Es wäre zu wünschen, dass ihm das nicht gelingt. Gerade kommen nur finstere Nachrichten und Bilder aus der Türkei. Wie soll man das als halbwegs vernünftig denkender Mensch anders bewerten, als dass es eine Total-Katastrophe ist.

Zugezogen Maskulin hat den Track „Ratatat im Bataclan“ veröffentlicht und es geht darum, dass Opfer in Europa anders bewertet werden als in Kriegsgebieten im Nahen Osten.
Panik Panzer:
Ah, jetzt verstehe ich das Lied erst.

Von den Zahlen her ist es eindrücklich, dass in den vergangenen 13 Jahren im Irak 43.000 Menschen durch Terror gestorben sind und in Westeuropa 420. Inwiefern transportieren die Medien eine unterschiedliche Wertigkeit von Opfern?
Koljah:
Mir geht die Aufzählerei auf den Geist und dass du Leuten den Vorwurf machst, auch traurig sein zu müssen. Natürlich ist jedes Opfer zu beklagen, aber Brüssel ist näher an Düsseldorf und Köln als Bagdad. Es wäre zu wünschen, dass die Leute das global betrachten und in einen Zusammenhang stellen, weil natürlich alles miteinander zusammenhängt.

Danger Dan: Der Schock, den ich bei den Pariser Anschlägen hatte, war bei den Attentaten in Brüssel gar nicht mehr so groß. Auf einmal gibt es ein Auto, das in Nizza hunderte von Menschen überfährt – ein unglaublich schreckliches Ereignis – und ich merke, wie ich immer mehr abstumpfe. Die Terrormeldung aus Bayern, wo einer mit der Axt Leute umbringt, ist für mich schon fast eine Randnotiz und wurde total überschattet vom Putschversuch in der Türkei. Wer weiß, wie schnell das zur Normalität werden kann.

„Künstlersein befähigt nicht zwangsläufig dazu, treffende politische Analysen zu machen“

Um noch einmal auf die Wirkung der Medien einzugehen: Im Zuge der Anschläge hat man eine sehr starke Vereinfachung und ein über einen Kamm Scheren gesehen. Seht ihr euch als Künstler, die etwas zu einer Differenzierung beitragen können?
Danger Dan:
Ich glaube nicht, dass ein Künstlersein zwangsläufig dazu befähigt, treffende politische Analysen zu machen. Gerade aus dem Rapbereich. Da wünsche ich mir nicht, dass den Rappern die pädagogisch politischen Maßnahmen überlassen werden, da müssen ganz andere Institutionen sensibilisieren. Ich selber bin auch eher ratlos. Ich bin ein ganz normaler dummer Mann. Hätte ich die Möglichkeit, die Welt das denken zu lassen, was ich auch denke, bin ich mir nicht mal sicher, ob das richtig wäre.

Wäre es denn ein guter Schritt, Medienkunde oder Politik als Schulfach zu etablieren?
Danger Dan:
Wie gesagt, ich habe keine Lösung. Man sieht in Gebieten, wo es überhaupt keine Leute mit Migrationshintergrund gibt, einen unglaublich großen Anteil an Rassisten, die Kritik am Islam mit Rassismus verwechseln. In Berlin-Neukölln, wo ich länger gewohnt habe, ist mir das nicht so stark aufgefallen. Da gibt es schon auch AfD-Leute und Nazis, aber nicht in dem Ausmaß wie im Freital, wo kein prozentual messbarer Anteil an Muslimen wohnt.

Apropos AfD: Als Eko Fresh seinen gleichnamigen Track rausbrachte, meinte Danger Dan, er hätte sich mit dem Song selber für die Partei qualifiziert. Eko Fresh antwortete darauf, dass das immerhin noch Battlerap sei und man dürfe so Parteien wie die AfD nicht mit Samthandschuhen anfassen.
Danger Dan:
Es gibt Rapper, denen man viel dringender auf die Finger hauen müsste als Eko. Ich bin an dem Morgen aufgewacht, habe das gelesen und gedacht ‚Ach du Scheiße’. Ich halte das für politisch sehr fragwürdig und habe mich gefragt, ob das die richtige Strategie ist. Ich würde das einfach so belassen. Ich höre mir lieber Eko-Songs über Anschläge in der Kölner Kreuzstraße an, immerhin ist er einer der wenigen Rapper, der sich mit der NSU auseinandersetzt.

Koljah: Da war Eko neben uns einer der einzige Rapper, bei dem es um die NSU ging.

Danger Dan: Kutlu Mafia (Kutlu Yurtseven von Microphne Mafia, Anm.) und Refpolk. Interessant, dass sich kein Rapper dazu äußert und dass es so wenig Thema ist, obwohl es ein Riesenskandal ist.

„Antideutsch ist so ein komischer Kampfbegriff“

Nach eurem mit viel Aufmerksamkeit behafteten Auftritt in der Tagesschau gab es Kritik von Links und Rechts. Wie geht ihr mit Kritik an der immer wieder bemängelnden Anti-deutschen Haltung um?
Koljah:
Die Frage ist, was damit gemeint ist. Das Wort antideutsch kommt von Links und Rechts als Diffamierung. Man sollte eher über konkrete Inhalte reden. Ich finde es gut, sich kritisch mit dem Deutschsein auseinandersetzt. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass das mit antideutsch gemeint ist. Antideutsch ist so ein komischer Kampfbegriff, der über alle politischen Grenzen hinweg geäußert wird. Ich glaube, ich kann für uns alle sprechen. Wir sind nicht pro-deutsch.

Zu welcher Mannschaft habt ihr dann beispielsweise bei der Fußball-EM gehalten?
Koljah:
Ich hatte keinen klaren Favoriten, aber ich war auch nicht krampfhaft dafür, dass Deutschland rausfliegt. Ich habe mich für die EM als solches interessiert und fand es okay, dass Portugal das Ding gemacht hat. Ich hatte große Sympathien für Ronaldo. Mir hat das auch total gefallen, dass er rausgefallen ist, den Trainer imitiert und seine Show gemacht hat. Ich finde auch Ibrahimovic geil, superunterhaltsam. Ich kann mir die EM auch aus einem sportlichen Aspekt anschauen, ohne Deutschland-Flaggen zuhause zu haben.

Danger Dan: Ich hätte einen Vorschlag: Wenn man die Mannschaften anders zusammenstellt: eine Hasen-Mannschaft, Bären-Mannschaft, Baum-Mannschaft – ohne Nationalitäten. Dann geht’s am Ende um Fußball und du kannst dir die Mannschaft aussuchen, die du am sympathischsten findest. Die Fanatiker, die ihren Patriotismus in den Fußball reinlegen, wirst du ganz schnell los und dann geht’s wieder um Fußball. Ab dem Moment könnte ich mir eventuell vorstellen, mich dafür zu interessieren. Ich mag lieber so etwas wie Bowling oder Angeln. Es gibt auch Zusammenhänge zwischen nationalen Fußballspielen und neonazistischer Gewalt. Alleine das macht das ganze Event total unsympathisch.

Antilopen Gang by Daniel Shaked © 2016-4922Im Rahmen eures Auftritts beim FM4-Geburtstagsfest im Jänner meinte Danger Dan, dass man den Rechtspopulisten auf die Fresse hauen solle.
Danger Dan:
Wenn die Rechtspopulisten das umsetzen, was sie subtil androhen, wenn sie anfangen, Feuer zu legen oder sich mit Gewehren an die Grenze zu stellen, dann haben sie ein paar auf die Fresse verdient. Man sieht auch in Deutschland, dass die Polizei das selten macht. Dass es im Freital nicht geknallt hat, liegt daran, dass sich engagierte Antifaschisten vor die Tür gestellt haben. Dazu habe ich aufgerufen.

Panik Panzer: Abgesehen davon steckt in Danger Dan ein kleiner Braveheart und er kommt bei politischen Reden gerne aus sich raus und schießt manchmal ein bisschen übers Ziel hinaus.

Koljah: Es ist kein Selbstzweck, irgendwelchen Nazis aufs Maul zu hauen. Das bringt politisch nicht so viel. Aber wenn du konkret Leute daran hinderst, anderen Leuten zu schaden, dann ist Gewalt manchmal auch notwendig. Wenn sich jemand das Ziel gesetzt hat, ein Asylbewerberheim anzuzünden, dann muss man ihn mit allen Mitteln daran hindern. Ich würde nicht jedem Nazi am Bahnhof aufs Maul hauen, aber auch keine Leute deswegen kritisieren. Ich weiß nicht, ob das die allerdurchdachteste, langfristig wirksamste politische Strategie ist.

Danger Dan: Es gab mal eine politisch Strategie von Antifaschisten namens ‚Die Strafmission’. Da ging’s darum, den Nazipogrom ökonomisch unwirksam zu machen, indem man da, wo so etwas stattfindet, das ganze Dorf kaputthaut. Tatsächlich funktioniert das. Diese Freaks argumentieren damit, dass sie Arbeitsplätze verlieren, verstecken ihren Rassismus hinter ökonomischen Aspekten. Von daher ist es gar nicht unwirksam, rassistische Gewalt teuer werden zu lassen. Wenn sich so ein Dorf nicht auf die Reihe kriegt und Lynch-Mobs durch die Gegend laufen, könnte man darüber nachdenken, ob das interessant sein könnte, in dem Dorf einfach alles kaputtzuhauen.

Bei einer linken Demonstration in der Rigaerstraße in Berlin-Friedrichshain wurden letztens über 100 Polizisten verletzt. Wie steht ihr dieser linken Gewalt gegenüber?
Danger Dan:
Die meisten haben sich wahrscheinlich selber verletzt vom Pfefferspray. Es gibt verschiedene Arten von Gewalt: gegen Menschen, systematischen Terror von Nazis, antifaschistischen Selbstschutz, der nicht besonders offensiv ist. Das sind vollkommen unterschiedliche Formen von Gewalt.

Koljah: Wenn man jemanden mit Gewalt daran hindert, jemand anderen Gewalt anzutun, kann man diese beiden Formen nicht auf eine Stufe stellen. Zu denken, dass niemals Gewalt notwendig ist, dass sich alle auf den Boden setzen und Tee trinken, das …

Danger Dan: Es gibt einen Passanten, der während des Anschlags in Nizza auf diesen Lkw aufgesprungen ist und versucht hat, den Typen zu stoppen. Der hatte nicht vor, mit dem zu reden. Und niemand würde ihm vorwerfen, dass er ein Gewalttäter ist, auch wenn er einer ist.

Apropos Terroranschläge: Wie spielt das dann zusammen, wenn eine Nation wie Deutschland aktiv in einen Krieg eingestiegen ist, der als Anti-Terror-Kampf verkauft wird?
Danger Dan:
Deutschland muss sich nicht groß als Weltretter aufspielen, da es den Ersten und Zweiten Weltkrieg angefangen hat. Militärische Interventionen müssen eher von der internationalen Gemeinschaft getragen werden. Deutschland kann man so schnell wie möglich entwaffnen. Und wenn man sagt, man ist antideutsch, dann geht es nicht um einen bestimmten Landstrich …

Koljah: … sondern um eine völkische Idee vom Deutschsein.

Danger Dan: Und eine komische identitäre Bewegung ist nicht zu unterscheiden von einem Neonazi-Haufen. Das ist auch absurd, ich habe von Freunden aus Österreich mitbekommen, dass die Österreicher bei der Geschichtsverarbeitung Verantwortung abschieben und meinen, die Deutschen waren es. Dabei gab es auch in Österreich Konzentrationslager.

Antilopen Gang by Daniel Shaked © 2016-4925Koljah, du hast auf einem Track gerappt: Ab jetzt gäbe es nur noch nihilistische Grütze, um dich ein bisschen von politischen Texten zu distanzieren. Und ihr habt euch als Prezident-Fans tituliert, der sich seinerseits in unserem Interview als nihilistisch beschrieben hat. Wie geht es euch damit, wenn Künstler-Kollegen das so klar ausdrücken?
Koljah:
Prezident ist ein sehr belesener, kluger Typ, der sich mit vielen Sachen auskennt. Wenn so jemand derartig an dem Normalzustand der Welt verzweifelt, weil alles aussichtlos ist, kann ich das ein Stück weit nachvollziehen. Ich bin auch kein politisch aktiver Mensch, auch wenn das immer alle denken. Ich schreibe Raptexte, die manchmal politisch sind, aber habe auch schon vor vielen Jahren mit dieser Idee abgeschlossen, mich in einer politischen Gruppierung zu engagieren und was zu reißen.

Deswegen hörst du auch lieber Bushido als die Orsons?
Koljah:
Das stimmt. Wobei ich sagen muss, dass ich manche Sachen von Maeckes oder Tua als Solokünstler lieber höre als Bushido. Der ist nicht der sympathischste Mensch, der so rumläuft im Rap-Game, aber ich finde manche Platten von ihm besser als die Orsons. Mit den Orsons würde ich allerdings jederzeit lieber ein Bier oder einen Tee trinken.

Panik Panzer: Hast du gemerkt, wie sie am Ende noch einmal versuchen, Beef zu schüren? 95 Prozent Politik, 5 Prozent Beef.

Koljah: Pierre Sonality, Prezident, Orsons …

„Da haben wir mit kleinen Ameisenfäustchen ganz feste gegen eine riesige Betonwand gehauen, uns die Finger gebrochen“

Einen haben wir noch: Würdet ihr wieder so einen Track machen wie gegen Prinz Pi damals?
Koljah:
Uns traut sich ja niemand mehr zu dissen, weil alle wissen, dass wir die Kingz sind und die Herrschaft im Game an uns gerissen haben.

Xavier Naidoo hat eigentlich auch nie reagiert auf euren kritischen Song?
Danger Dan:
Das war ihm auch egal. Strategisch ist das auch gut, auf Diss-Tracks gar nicht zu reagieren. So wie Prinz Pi das bei uns gemacht hat. Und da ist er als King rausgegangen. Da haben wir mit kleinen Ameisenfäustchen ganz feste gegen eine riesige Betonwand gehauen, uns die Finger gebrochen. Da gibt’s jetzt nicht viel Applaus dafür abzuholen, die Betonwand hat relaxt weitergechillt. Prinz Pi hat gewonnen.

Was müsste ein Fan nach dem Konzert zu euch sagen, dass ihr denkt, eure Aufgabe erfüllt zu haben?
Danger Dan:
(lacht) 1 T-Shirt bitte, dreimal „Aversion“ auf Vinyl.

Das ist aber ein sehr kapitalistischer Ansatz.
Koljah:
Ich finde die Leute am sympathischsten, mit denen man auch ein Gespräch über etwas führen kann. Die Leute, die ich nach Konzerten kennen gelernt habe und noch immer kenne, sind die, wo kein Hierarchie-Gefälle besteht. Das ist am Merch-Stand meistens ein bisschen anders, weil die Leute nur über das Konzert reden wollen. Ich unterhalte mich auch gerne über andere Rapper, hätten wir in diesem Interview noch gerne mehr machen können.

Danger Dan: Und über Kochrezepte.

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Interviews

Medienkritiker und Kinderbuchautor // Prinz Pi Interview

Prinz Pi by Daniel Shaked © 2016-5144
„Als total zufriedener und ausgeglichener Mensch kannst du selten ein wirklich spannender Künstler sein“

Aller guten Dinge sind drei. Oder sogar vier? Jedenfalls klappt es erst beim vierten Anlauf und nach einigen Wirren endlich mit einem Interview mit Prinz Pi. Der Berliner zeigt sich ruhig und entspannt, aber nichtsdestotrotz gesprächig, als wir ihn im Interviewcontainer am Gelände des HipHop Open Austria treffen. Dass sich Friedrich Kautz, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, in seiner jüngeren Musik vor allem mit Gesellschaft und ihren inhärenten Konflikten beschäftigt, nutzen wir für ein Gespräch über den Wandel der Medienlandschaft, die akute Terrorangst, seine Literaturprojekte sowie den Facettenreichtum der deutschsprachigen Rapszene.

Interview: Emil Delivuk & Julia Gschmeidler
Fotos: Daniel Shaked

The Message: Lass uns mit einer aktuellen Frage starten. Die gestrige Schießerei in einem Münchner Einkaufszentrum entpuppte sich als Amoklauf, nicht als islamistischer Anschlag. Wie beurteilst du das Medienecho, welches sofort von einem religiösen Hintergrund ausging?
Prinz Pi
: Es ist krass, wie aufgeschaukelt die Debatte in den Medien ist. Ich erinnere mich an einen Anschlag auf eine deutsche Reisegruppe, nahe der Hagia Sophia in Istanbul, Anfang 2016. Ohne sich auf Fakten zu berufen schrieb die FAZ, die ich eigentlich für DIE seriöse Tageszeitung Deutschlands halte, dass es ein Monat nach deutschen Militäreinsätze in Syrien kein Zufall gewesen sein kann. Das ist eine Hetzpresse und ein Journalismus, wie man den aus Internetforen für Verschwörungstheorien kennt. Solche Spekulationen kann man als Privatperson tätigen, aber nicht als seriöser Journalist und auch nicht als DIE seriöseste Tageszeitung Deutschlands. Das fand ich skandalös.

Die Grenze zwischen kritischen Medienbetrachtern wie du es bist und jenen, die „Lügenpresse“ schreien, ist fließend. Wie verhinderst du es, mit AfD und Co. in einen Topf geworfen zu werden?
Ich finde, man muss Medien total kritisch beurteilen, aber was die AfD macht ist das Schlimmste, das man sich vorstellen kann. Die verunglimpft jeden als Teil der Lügenpresse, der sie kritisiert. Es ist fürchterlich, dass so etwas wie die AfD in Deutschland Fuß fassen konnte. An der Spitze dieser Partei stehen Leute, die früher im besten Fall Stammtischredner gewesen wären. Vor zehn Jahren hättest du jemanden wie Frauke Petry verlacht, wenn der gesagt hätte, er geht in die Politik. Heutzutage ist das eine Partei, die Wähler findet. Das ist auch etwas, was ich auf meinem letzten Album („Im Westen nix Neues“, Anm.) anspreche, dass plötzlich Leute ihre Stimme erheben, die sehr lange geschwiegen haben.

„Die lautesten Rechten sind die größten Nutznießer des deutschen Sozialsystems“

Die eine Seite ist, dass rechtspopulistisches Angebot vorhanden ist, die andere, dass die Nachfrage danach ständig steigt. Woran liegt das deiner Meinung nach?
Dass rechte Parteien mitmischen können, gibt es in Österreich mit Haider und Strache ja schon wesentlich länger. In Deutschland ist das ein relativ neues Phänomen und das große Problem ist, dass diese Parteien ihren Anhängern relativ einfache Antworten auf ziemlich komplizierte Fragen geben. Die sind oft gar nicht wirklich rechts, die sehnen sich nach klaren Worten und einem Gegenpol zur gesichtslosen, langweiligen Politik der vergangenen Jahre. Sogar große Teile der Studentschaft, die in den 60er- und 70er-Jahre politisiert war, war in den vergangenen Jahren politikverdrossen und wollte sich nicht mit Politik auseinandersetzen. Und auf einmal hast du Rattenfänger, die die Leute anlocken das ist ganz schlimmm.

Haben hohe Arbeitslosigkeit und  die ökonomische Situation des „durchschnittlichen“ Bürgers einen wichtigen Einfluss auf das Erstarken dieser rechten Anti-System-Parteien?
Die Bedrohung, die ebendiese Parteien skizzieren, ist ja überhaupt nicht vorhanden. Die meisten Leute, die sagen, dass ihnen die Arbeitsplätze weggenommen werden, sind irgendwelche Alkoholiker, die selbst 20 Jahre arbeitslos sind und auf Staatskosten leben. Die lautesten Rechten sind die größten Nutznießer des deutschen Sozialsystems.

Prinz Pi by Daniel Shaked © 2016-5155

Wie sollte man der Angst vor den Flüchtlingen, der sich die Rechten ja bedienen, begegnen?
Ich wohne neben dem Flughafen Tempelhof, wo sich die größte Flüchtlingsunterkunft überhaupt befindet, wo mehrere Tausend syrische Flüchtlinge untergebracht sind. Man würde eigentlich meinen, dass die Straßen gesäumt sind, aber das fällt überhaupt nicht auf. Mir kann niemand erzählen, dass wenn in einem Dorf 20 Leute untergebracht sind, die Leute beunruhigt sein müssen. Ein Freund von mir wohnt in einem kleinen Dorf nahe Berlin, wo 50 Flüchtlinge in einem pleite gegangenen Hotel untergebracht werden sollten. Das wäre eine Win-win-Situation: Arbeitsplätze in einem leer stehenden Hotel und eine Unterkunft für Flüchtlinge. Erstmal haben die anderen Dorfbewohner eine Anti-Haltung aufgebaut, aber nachdem ein großes gemeinsames Essen organisiert worden war, waren praktisch alle Vorurteile abgebaut. Das ist ein kleines Beispiel, bei dem es funktioniert, aber solche Projekte braucht es. Der Fall zeigt auch, dass es idiotisch ist, Leuten Angst einzuimpfen. Der syrische Bürgerkrieg ist der wahrscheinlich fürchterlichste Krieg dieses Jahrhunderts. Wenn du drei Wochen in deinen Sandalen unterwegs bist und einfach mal in Deutschland verschnaufen möchtest, nachdem die Bomben um deinen Kopf geflogen sind und deine ganze Familie ausgelöscht wurde, und dann eine Partei wie die AfD kommt, die dich wieder nach Hause schicken will – das ist unglaublich.

Ist die Wahrung des sozialen Friedens in Zeiten vermehrten Zuzugs eine Verteilungsfrage, oder geht es eher um Aufklärung und interkulturelle Begegnung?
Aufklärung ist eine sehr wichtige Sache. Ich habe kürzlich mit einer türkischen Taxifahrerin geredet, die meinte, dass es unmöglich sei, dass jetzt die ganzen Ausländer kämen und Arbeitsplätze wegnehmen würden. Ich habe sie gefragt, ob sie denn denkt, dass es in Syrien so viele Taxifahrer gab, dass ihr Arbeitsplatz akut bedroht wäre. Da hat sie überlegt und die Sache danach anders gesehen. Es sind zum Beispiel viele Akademiker abgehauen und es ist schön, wenn die dann hier sind und was tun können. Man darf auch nicht vergessen, dass Deutschland immer ein Zuwandererland war und dass der Aufbau nach dem Zweiten Weltkrieg ohne Gastarbeiter unmöglich gewesen wäre. Die Rechten vergessen, dass das Wirtschaftswunder nur durch die Gastarbeitergeneration möglich war. Alle Länder, die wirtschaftlich richtig prosperieren, haben immer viele Menschen ins Land gelassen.

In deinem Song „Drei Kreuze für Deutschland“ thematisierst du posttraumatische Störungen von heimgekehrten Soldaten, die immer weiter zunehmen, obwohl die deutschen Auslandseinsätze abnehmen. Wie sollte der Staat diese Menschen unterstützen?
Ich habe das Lied 2010 gemacht, in einer Zeit, in der es noch gar Teil des allgemeinen Bewusstseins war, dass deutsche Soldaten aus meiner Generation an anderen Orten der Welt im Einsatz sind. Mir ging es zunächst mal darum, Aufmerksamkeit auf den Fakt zu lenken, dass wir ein durchaus aktives Militär haben. Viele Deutsche haben ja das Bild, dass wir da gar nicht dabei sind und die Amerikaner, maximal noch die Briten, in militärische Operationen involviert sind. Ich denke, dass es sehr schwierig ist, derart traumatisierte Menschen wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Dazu kommt, dass einige von denen auch zu einer echten Gefahr werden können. Früher hat man „Shell Shock“ dazu gesagt, heute „Posttraumatic Stress Disorder“. Der Attentäter, der die Polizisten in Dallas erschossen hat, war auch ein zurückgekehrter Veteran, der einen Hass gegen Weiße entwickelt hat. Der hat sein Leben in Gefahr gebracht für sein Land und dann kam er wahrscheinlich nach Hause und hat nur den Rassismus der weißen Polizisten gespürt. Wenn er vorher nicht dieses Kriegserlebnis gehabt hätte, wäre sein Hass vielleicht nicht so ausgeartet.

„Keiner der großen Musiker, Dichter und Maler galt als braver 0815-Bürger“

Du hast dich immer wieder mit dem Thema Depression – auch als Quelle der Inspiration – beschäftigt. Welche Rolle spielt das psychische Auf und Ab für dein Leben und deine Musik?
In meiner Familie ist es leider eine genetische Sache, dass viele depressiv sind. Einige haben sich leider auch umgebracht, um ihrer Depression zu entfliehen. Ich glaube, dass du als total zufriedener und ausgeglichener Mensch selten ein wirklich spannender Künstler bist, weil du nicht so viel zu erzählen hast. Wenn man Kunst schaffen will, die irgendetwas bewirkt, oder die aus einer gewissen Energie heraus entsteht, muss man meistens schon nach oben oder unten extrem sein. Oft holen sich Künstler auch über Drogen ihre enormen Höhenflüge, haben dann aber auch tiefe Phasen, in denen sie ihre Kunst schaffen. Keiner der großen Musiker, Dichter und Maler galt als braver 0815-Bürger, jedenfalls würde mir jetzt niemand einfallen.

Prinz Pi by Daniel Shaked © 2016-5148

Ist es also notwendig, aus der Norm auszuscheren, um „große Kunst“ zu schaffen?
Ja, voll. Bei mir geht es ja oft darum, dass ich über die Gesellschaft oder meine Generation schreibe. Da ist es ein bisschen so, wie wenn du ein Foto von einer Menge (zeigt auf das Foto von einem Konzert, Anm.) machen willst. Wenn du mittendrin stehst, kannst du kein Bild von außen machen. Du musst irgendwie zu einem totalen Außenseiter werden, oder zu jemandem, der sich distanziert, um einen klaren Blick zu bekommen.

Auf dem Song „Schornsteine“ betrachtest du von außen die deutsche Waffenindustrie und lässt verschiedene Charaktere sprechen, um ein vollständigeres Bild eines komplexen Themas zu zeichnen.
Genau, es geht um Menschen, die Teil dieses Systems sind. In der ersten Strophe geht es um einen Ingenieur einer Waffenfabrik, der ein reines Gewissen hat, weil der Betrieb CO2-neutral produziert, Arbeitsplätze geschaffen werden und die Qualität der Waffen hervorragend ist. In der zweiten Strophe spricht ein Kampfpilot, der sich selbst als Held und Profi-Soldat sieht und nach einer gelungenen Operation stolz ist, anstatt sich als Mörder zu verstehen. In der dritten Strophe wollte ich eigentlich einen kurdischen, mit deutschen Waffen ausgestatteten Peschmerga-Kämpfer sprechen lassen, um noch eine andere Perspektive auf deutsche Waffen zu eröffnen. Eigentlich sollte Kurdo (kurdischer Rapper aus Deutschland, Anm.) die Strophe machen. Da sollte die Frage aufgeworfen werden, wie wir zu Waffenexporten stehen, wenn sie an „die Guten“ geliefert werden, die gegen den IS kämpfen. Der Song sollte einfach stark zum Denken anregen.

Der Kurdo, von dem du sprichst, bezeichnete sich selbst in dem Song „Riberstyle“ als „Deutschraps Salafi“ …
Kurdo? Ich glaube du meinst jemand anderen, der hat so was noch nie gesagt, das kann ich mir auch gar nicht vorstellen. Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich definitiv nicht an einem gemeinsamen Track interessiert gewesen. Ich kenne ihn nur als kurdischen Musiker, der auch des Öfteren seine Herkunft thematisiert. Das was ich bisher von ihm kannte, fand ich supercool und es wäre interessant gewesen, wenn er noch einen anderen Standpunkt in den Song reingebracht hätte.

Zu etwas ganz anderem: Was machen eigentlich die Romane, die du schreibst?
Die sind eigentlich so gut wie fertig, aber ich traue mich irgendwie nicht die rauszubringen. Ich habe Scham davor und bin noch zu schüchtern. Aber es wird demnächst ein Kinderbuch mit dem Titel „Der Malfisch“ erscheinen.

Worum geht es in dem Buch?
Es geht um die Frage, warum das Meer blau ist und das Wasser im Fluss oder im Glas durchsichtig. Das Kind fragt das den Papa und der erzählt dann, dass es früher einen Fisch gab, der den ganzen Tag durchs Meer geschwommen ist und nicht wusste, wo er schon war, weil es ja durchsichtig war. Dann hat ihm sein Freund geraten, das Meer anzumalen, damit er weiß, wo er schon war. Mit seiner Lieblingsfarbe blau hat er angefangen, aber irgendwann geht ihm die Farbe aus und dann gibt es das rote und schwarze Meer, die gelbe See …

Früheren Statements zufolge geht es in deinem anderen Roman um ein Attentat auf den US-Präsidenten. Was kann man sich genauer dabei erwarten?
Es geht um einen Menschen, der stellvertretend für den Hedonismus der Ersten Welt steht. Jemand, der seine Erfüllung darin findet, dass er erfolgreich ist, gut verdient, Statussymbole leisten kann, seine Interessen auslebt und ungebunden und sexuell freizügig lebt. Irgendwann hat er ein einschneidendes Erlebnis, welches ihn von einem Extrem in das genaue Gegenextrem führt. Das ist dieser Roman.

Lass uns zum Abschluss noch ein wenig über die Deutschrapszene sprechen. Du lieferst als Rapper ja einen verhältnismäßig starken Output und hast dich mal mehr, mal weniger parallel zur Szene entwickelt. Wie siehst du den derzeitigen Status quo?
Ich finde die deutschsprachige Rapszene  inklusive Schweiz und Österreich  ist so facettenreich wie noch nie. Man kann diese einzelnen Sub-Genres überhaupt nicht in einen Topf werfen. Man hat zum Beispiel diese Cloud-Rapper, die sich selber und niemand anderen wirklich ernst nehmen. Dann gibt es Straßen- und Gangstarap, der sich selbst extrem ernst nimmt und einen gänzlich anderen Zugang wählt. Zusätzlich gibt es das, was Basti von Trailerpark „Clown-Rap“ nennt: K.I.Z., 257ers und Trailerpark. Da geht es um prolliges, humorvolles „auf die Kacke hauen“ und hat diesen Band- und Livecharakter. Natürlich dann noch die poppige Schiene, die zum Beispiel Casper, Marteria oder Sido die vergangenen Jahre gefahren sind, und dann noch ganz viele schwer kategorisierbare Randerscheinungen wie Käptn Peng.

Gibt es denn aktuellere Sachen aus dieser großen Auswahl, die dich persönlich wirklich überzeugt haben?
Auf jeden Fall! Also das neue Kamp-Album ist sehr gut geworden. Warum es  bei ihm so lange gedauert hat, erzähle ich euch, wenn das Mikrofon aus ist. Jedenfalls eine ziemlich krasse Story. Ich fand das neue Ding von Audio und Yassin sehr gut, wobei die auch ein sehr schönes Artwork hatten. Und das letzte Zuhältertape von Kollegah war ziemlich gut, aber auch die neuen Sachen von Sido, die ein bisschen die Rückkehr zu seinem alten Style ankündigen. Das wird auf jeden Fall ein schönes Album. Und ich finde tatsächlich, dass die neuen Fler-Sachen das Beste sind, was er jemals gemacht hat. Ich glaube und hoffe, dass das Album an dem er derzeit arbeitet („Vibe“, Anm.) sein bestes Album werden wird. In letzter Zeit fällt mir sonst nicht mehr so viel ein.

Der Manager betritt den Raum mit den Worten „Time is up!“. Während Prinz Pi fotografiert wird, hält er sein Wort und wir erfahren noch die Geschichte von Kamps verspätetem Album. Tatsächlich eine sehr verrückte.

prinzpi.biz

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„Ich bin inzwischen Kunstrap“ // RAF Camora Interview

Mit seinem soeben veröffentlichten Album „Ghøst“ versucht Raf, seine Alter Egos 3.0 und Camora zusammenzuführen, rappt auf Dancehall- und Trap-Beats. Es geht um Reue, Rückschläge und Stimmungsschwankungen. Im Interview sprechen wir aber vielmehr über die Ignoranz heimischer Medien, die angespannte Lage in Frankreich und die Bundespräsidentenwahl. Außerdem erzählt der Rapper und Produzent, warum er das Thema Integration hasst, der SPÖ am nähesten steht und Money Boy ein „Trottel“ ist.

The Message: Du hast Raf Camora einmal als authentischen Straßenrapper bezeichnet. Inwieweit würdest du das in Bezug auf dein neues Album bestätigen?
RAF Camora:
Puh. Der authentische Straßenrapper ist ein Teil von mir. Ich kann dazu ein sehr gutes Zitat sagen. Ich war mit Bonez in Jamaika. Da saßen wir mit so einem richtigen alten jamaikanischen Gunman im Auto und wir haben ihn gefragt, was mit Vybz Kartel los sei. Er meinte: ‚Ja, der ist im Knast.’ Wie kann das sein, dass er noch immer über Frauen und Party rappt, wenn er im Knast sitzt? Er sagt: ‚Nur weil jemand blind geworden ist, heißt das nicht, dass er nie gesehen hat.’ Genauso ist es bei mir. Nur weil ich jetzt in einer schönen Wohnung in Berlin wohne, heißt es nicht, dass ich das alles nicht gesehen habe. Authentisch bin ich bis zu den Knochen. Da kann man auch alle Leute fragen, die mich kennen.

Straßenrap findet man auf „Ghøst“ nämlich  nicht.
Was ist Straßenrap? Früher war das, was ich jetzt mache, ein bisschen Straßenrap. Heutzutage ist Straßenrap viel härter und man kann das nicht mehr vergleichen. Straßenrap ist für mich 187 Strassenbande, Celo & Abdi. Nicht mal Haftbefehl ist richtig Straßenrap. Ich bin inzwischen Kunstrap.

In einem vier Jahre alten Interview mit The Message meintest du, dass Österreich musikalisch gesehen immer zwei Jahre hinter Deutschland liegt. Siehst du das heute auch noch so, wenn du aktuell an Crack Ignaz oder Yung Hurn denkst?
Danke, dass du mich darauf ansprichst. Für mich war Money Boy damals der absolute Satan im HipHop, weil wir so lange geübt haben, bis wir ernst genommen wurden als Rapper. Dann kommt so ein Trottel und macht uns den ganzen Ruf kaputt. Damals dachte ich mir: ‚Scheiße, was macht der da, das ist doch Blödsinn!’ Dass er Trap-Beats benutzt war für mich nie das Problem, sondern dass er sich wie ein Trottel anstellt. Das ganze Umfeld von Crack Ignaz und Yung Hurn höre ich persönlich nicht. Ich höre die Originale dazu wie Yung Lean. Aber ich finde es geil, dass Österreich mit den Jungs mega am Zahn der Zeit ist. So krass, dass man jetzt schon sagen könnte, dass sie fast den Deutschen voraus sind. Ich bin superfroh darüber, dass die Jungs ihre Musik machen, meine ist sie natürlich nicht. Ich würde kein Feature mit Hustensaft Jüngling machen, weil es komplett was anderes ist. Aber ich bin froh, dass sie Rap begriffen haben.

Vor ein paar Tagen war wieder die Verleihung des Amadeus Awards. Vor zwei Jahren hast du einen Award in der Kategorie „HipHop / R’n’B“ gewonnen. Dieses Mal gab es Kritik, dass zu wenig Frauen nominiert wurden, aufgetreten sind, das Publikum heuchlerisch und die Veranstaltung wenig kontroversiell sei. Kannst du dieser Kritik etwas beipflichten?
Ich hab’s nicht mitbekommen, ich hab gar keine Ahnung vom Amadeus.

Aber welche Erfahrung hast du gemacht, als du dort warst?
Der Amadeus ist ein Voting-Award. Das heißt, es gibt keine Zahlen, an denen man festsetzen kann, wer den wirklich gewinnt. In Deutschland beim Echo geht das nach verkauften Platten – Helene Fischer hat 80 Millionen Platten verkauft, sie gewinnt einen Echo. In Österreich rufen sie zum Voten auf. Ich finde, das kann man für einen hiphop.de-Award machen, aber staatlich, da müsste es mehr nach Richtlinien gehen, damit sich Leute nicht abgefuckt fühlen.

In den vergangenen Jahren haben Künstler wie Monobrother ja aus verschiedenen Gründen ihre Nominierung zurückgelegt.
Habe ich auch schon gemacht. Auch wegen Chakuza, der hatte gar keinen Bock drauf und meinte, er macht da gar nicht mit. Das war unser gemeinsames Album nominiert und konnte nicht sagen, ich will.

Was war der Grund, dass er das von vornherein abgelehnt hat?
Chakuza hat gar keinen Bock mehr auf das Medien-Ding in Österreich. Da versteh ich ihn auch so krass. Er war weg, ist Top Ten gegangen in Deutschland, aber nicht mit 2000 CDs wie heute, sondern damals mit 60.000 verkauften Platten von „City Cobra“. MTV Award für Best European Newcomer Act – also die größte Nominierung, die man nur haben kann als Linzer, frisch nach Berlin gegangen. Da war er sogar noch in Linz gemeldet und hatte ein Kennzeichen von dort. In Linz wollten sie nicht einmal ein Interview mit ihm machen, sie haben sich null Prozent dafür interessiert. Das hat ihn so abgefuckt, weil er sich dachte: ‚Hey, ich geh schon aus meiner Stadt hinaus, lass alles zurück, meine Freunde, geh dahin, auch um Fahne zu zeigen’ – und da wollen die dann nicht. Das war der Punkt, wo Chakuza auch abgeschlossen hat mit Österreich. Wenn die mich als Deutschen zählen, zähle ich mich auch als Deutschen. Ich war immer der Wien-Fünfhaus-Patriot und dachte mir: ‚Was, wie kannst du das sagen?’ Aber mit der Zeit verstehe ich das auch. Wir waren danach mit Chakuza zusammen beim Echo National nominiert als Österreicher in Deutschland und da hat auch kein Schwanz darüber geschrieben. Das war für uns auch okay, was will man machen. Man ärgert sich gar nicht mehr darüber, es ist nur enttäuschend, wenn man nachhause kommt und der Vater fragt: ‚Was arbeitest du?’ – ‚Ich bin Rapper, erfolgreich.’ – ‚Ich krieg nix mit in Österreich. Wie kann das sein?’ – ‚Keine Ahnung, frag die Medien, ich verkauf genug und geh mit jedem Album Top 5 mindestens.’

Fühlst du dich von den österreichischen Medien noch immer so ignoriert?
Mal sehen, wie es jetzt beim Album wird, aber wie soll ich es nicht sein. Ich will nicht in die kleine-Lamm-Haltung gehen. In Österreich gibt es ein paar Punchlines, wenn du die bringst, kommst du in die Medien. Das haben die damals schon mit Family Bizz versucht  da waren ich, ein Schwarzer, ein Brauner, ein Chinese, ein Jugo, ein Türke … uns war das scheißegal, woher wir kommen, wir waren einfach Jungs. Und jede Frage, die man uns gestellt hat, war: ‚Wie war es für euch, euch zu integrieren?’ Wo rein sollen wir uns integrieren? Wir sind alle hier aufgewachsen. Das hat uns schon damals so abgefuckt, weil die Interviewer nur darüber reden wollten.

Du meintest vorher kurz, du hasst das Thema Integration. Ist diese Erfahrung ein Grund dafür?
Ja, es nervt mich. Integration hin oder her, seid einfach respektvoll zueinander. Versucht nicht, Leuten etwas aufzuzwingen und lasst die Leute so sein wie sie sind. Ob ich gerne rote oder schwarze Schuhe trage, ob ich Pop oder Techno höre – lasst die Leute doch machen. Sonst sind wir wie in Nordkorea, alle genau gleich. Die perfekte Integration ist Nordkorea. Das will doch kein Mensch. Das ist Integration nach dem, was einer will. Das ist Diktatur und keine Integration mehr.

Du warst auch ein Aushängeschild von „ORF Nicht wie wir“ – einer Initiative, die die Förderungsstreichung des österreichischen Musikfonds durch den ORF kritisiert …
Das habe ich nicht mal mitbekommen. Ich muss ehrlich sagen, ich habe ein sehr fähiges Management, die machen das Business. Wenn du sagen würdest, ich wäre Aushängeschild für die rechte Partei in Österreich, dann wüsste ich das. Aber bei solchen Sachen – ich erinnere mich nicht genau, was da war, ich hab einfach zu viel gemacht.

Du hast dich aber generell schon oft über die nicht vorhandene bzw. viel zu geringe Radioquote beschwert. Seit 1. Juli 2015 gibt es eine freiwillige Selbstverpflichtung von Ö3, 15 Prozent österreichische Musik zu spielen.
Super, ich wette ich zähle zu Deutschland. (lacht).

In der zweiten Jahreshälfte 2015 hat Ö3 deutlich an Marktanteil verloren, der Senderchef Georg Spatt gab der Austropop-Quote dafür die Schuld.
Leider Gottes hat er recht. Das ist kein österreichisches Problem, das ist in Deutschland genauso. Einziges Vorbild ist Frankreich mit 75 Prozent französischer Quote. Franzosen haben die Tradition, die hatten immer ihre eigene Musik, weil sie kein Englisch sprechen. In Deutschland können die Leute das, genauso wie in Skandinavien. Die Leute, die in Deutschland ganz oben sitzen, die finden nicht, dass Crack Ignaz frischen Wind reinbringt. Die verstehen nicht, was das sein soll. Sachen, die für uns schon vollkommen kommerziell sind, das verstehen die auch nicht. Die verstehen einen Herbert Grönemeyer oder wenn Sido mit Andreas Bourani ein Lied macht, das „Astronaut“ heißt. Dann meinen die: ‚Das ist zwar harter HipHop, aber das spielen wir.’ Ansonsten läuft da auch nichts Krasses im Radio. In Österreich ist es wahrscheinlich noch schlimmer. Ich verstehe schon, dass der Programmchef da Angst kriegt um seinen Job. Er ist kein Revoluzzer. Wenn er einer wäre, würde er drauf scheißen und etwas tun dafür. Aber dadurch, dass er kein Musiker, sondern ein reiner Businessmann ist, versteh ich seinen Move.

Deine Musik ist auch stark von französischem HipHop beeinflusst. Wie stark interessierst du dich generell für Frankreich und die politische und gesellschaftliche Lage vor Ort?
Nicht genug. Ich bin ehrlich: überhaupt nicht. Ich habe ganze viele Freunde in der Banlieue und ich weiß, die Luft brennt dort. Es ist eine super angespannte Situation. Aber mehr weiß ich jetzt auch nicht. Ich würde da jetzt nur einen Scheiß daherreden, der vielleicht nicht stimmt.

Warum glaubst du, dass gerade Frankreich immer wieder Ziel von terroristischen Anschlägen wird?
Kann ich dir ganz genau sagen. Ähnlich wie in Wien – da ziehe ich mehr die Parallele zu Wien als zu Deutschland – gibt es in Frankreich die Parallelgesellschaft, die eigentlich was Gutes ist, aber immer als schlecht dargestellt wird. Es war eine Zeit lang auch friedlich. Aber du hast auch Leute, die wie Ratten in irgendwelchen Bauten leben, das ist ein richtiger Hitzekessel. Da hast du mehr Potential, als wenn sich alle irgendwo einig sind und mit gemeinsamer Kraft vorgehen, das ist ein bisschen jeder gegen jeden. Natürlich ist ein destabilisiertes Land immer ein einfacherer Angriffsort für einen Terroranschlag als ein Ort, wo alle miteinander down sind. Deswegen Frankreich und Brüssel, da gibt es auch krasse Bezirke.

Es gibt auch kein Land in Europa, aus dem mehr Menschen in den Dschihad ziehen, als Frankreich.
Krass. Es gibt auch kein Land in Europa, wo du so eine krasse Parallelgesellschaft hast. Die Algerier, die Glaubenskonflikt-Frage es ist ein sehr heikles Thema. Man muss einfach Respekt haben vor dem anderen. Ich geh‘ auch nicht in ein chinesisches Zentrum und sag: ‚Ihr glaubt alle voll an den Scheiß.’ Das macht man nicht, das ist eine Respektsache. Religion ist eine kulturelle Sache und das ist etwas, das man von klein auf von der Familie mitbekommt. Man soll Respekt vor dem Menschen haben  da gehört Familie, Glaube und die Art zu leben dazu. Die Franzosen respektieren das oft nicht, deswegen gibt es Krawalle, wenn sich beide nicht anerkannt fühlen.

Farido Davis
Farido Davis

Was in Deutschland gerade diskutiert wird ist Jan Böhermanns Schmähgedicht an den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Findest du das schon zu respektlos oder dürfen Satire und Kunst sich über Respekt erheben?
So weit, bis du niemanden in seiner Intimität beleidigst. Wenn ich ein krasser Golfer bin und beim Golfen gerne violette Hosen trage, darf man mich deswegen verarschen, weil ich das nach außen trage. Aber wenn es da um die Grundstruktur meiner Familie geht, dann beleidigt mich das. Es gibt einen ganz bekannten Spruch: Die Freiheit hört auf, wo sie die Freiheit des anderen anfängt zu stören. Und genau daran sollte man sich halten. Ich habe das von Jan Böhmermann alles nicht mitbekommen, weil ich bin Ghost, ich halt mich wirklich zurück. Ich hab kein privates Facebook, mir ist das alles scheißegal. Ich habe das nur mitbekommen, weil mich Pi (Prinz Pi, Anm.) gestern darauf angesprochen hat. Das ist nicht mein Humor.

Prinz Pi kritisiert auch gerne die Medien …
Jaja, Prinz Pi sagt so was gerne (lacht).

Das klingt eher nach „Lügenpresse“ und AfD-Werbeslogans …
Natürlich ist da hunderttausend Prozent Manipulation drinnen und jeder ist scharf auf eine Schlagzeile. Wenn jetzt gerade alle Leute drauf scharf sind, irgendwas mit Flüchtlingen zu finden, dann verwandelt sich „3 Typen hatten eine Schlägerei wegen Fußball“ ganz schnell in „3 Flüchtlinge haben einen Deutschen zusammengeschlagen“. Ich kenne auch Leute aus Köln, die sagen: ‚Ganz ehrlich, Bruder, wir sind jedes Jahr dort. Es war dieses Jahr angespannt, schönes Wetter, deswegen war auch viel los. Aber jedes Jahr war es scheiße dort. Immer gab es Stress.’ Aber dieses Jahr reden alle drüber. Der Grat zwischen Lügenpresse und die Schlagzeile geschickt aussuchen, um damit mehr Aufmerksamkeit zu generieren, ist ein ganz schmaler.

Andererseits gab es auch Kritik gegenüber den Medien, weil sie zunächst zurückhaltend über die Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln berichtet haben.
Es ist superschwierig. Ich kann nicht hundertprozentig frei rausreden kann, weil es einfach gerade eine sehr, sehr sensible Zeit ist. Genauso wenn du neben dir einen psychisch labilen Typen hast und du willst ihm gerade sagen, dass sein Anzug voll scheiße aussieht – ihm werde ich es anders erklären, wenn ich weiß, er ist superaggressiv und könnte mir direkt eine draufhauen, als wenn ich es meinem besten Freund sage, der voll gechillt und verkifft ist. So ist gerade die Situation, man muss alles mit Samthandschuhen anfassen.

Du hast eine Art Musikvideo mit Rooz von hiphop.de gedreht …
Das war ein Spaßvideo in Las Vegas, wo wir rappen, ist aber noch nicht rausgekommen.

Findest du nicht, dass zwischen Journalisten und Musikern eine gewisse Distanz gewahrt werden sollte?
Wer Rooz als Journalisten darstellt, weiß ich auch nicht. (lacht) Rooz ist der unseriöseste Journalist dieser Erde, Rooz ist Rooz. (lacht)

Aber er bezeichnet sich selbst schon als einer.
Natürlich, er ist irgendwo Journalist. Aber ganz ehrlich. Irgendwo stand ein richtiger schöner Kommentar. Da ging’s um einen neuen Dancehall-Track, weil viele Leute meinen, nur Schwarze dürfen Dancehall machen. „Wenn Raf Camora schwarz ist, dann ist Rooz ein seriöser Journalist“. (lacht) So ist das. Rooz bringt das ganze Ding auf ein neues Level, weil er Freestyle-Entertainer ist und das in Interviews verpackt. Er ist so was wie Stefan Raab damals. Aber den seh’ ich auch nicht als seriösen Journalisten. Der hat auch immer so Klamauk-Lieder mit irgendwelchen Künstlern gemacht. Rooz ist ungefähr das Gleiche unserer Zeit für HipHop. Hey, wenn du den kennen lernst, du lachst dich kaputt. Der würde hier sitzen und statt mir dieses Interview führen.

Weil du vorher noch Brüssel angesprochen hast: Vor Kurzem hat ORF eine Thema-Folge ausgestrahlt, in der Molenbeek mit Ottakring verglichen wird.
Ganz ehrlich, gib mir eine gute Kamera, ein Team und einen Bezirk, in dem auch Ausländer wohnen, und ich zeig dir, dass es richtig krasse Parallelen zwischen Tschechien und Brüssel gibt. Ich zeig dir sogar in meinem Wohnzimmer Parallelen zu Brüssel. Natürlich, viele Ausländer wohnen in Ottakring, aber das ist diese Angstmacherei. Wozu machen die das? Wozu? Die Leute sollen sich mal beruhigen und nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen. Statt das noch mehr zu verteufeln, sollten sie reingehen und sagen: ‚Guckt mal, das ist unser Molenbeek, aber es gibt auch normale Leute.’ Plötzlich ist Sympathie da, der Österreicher denkt sich: ‚Boah, der ist leiwand der Tschusch.’ Dann plötzlich freundet man sich an. Aber was erwarten sie sich von dieser Aktion? Wollen sie, dass Rechtsradikale von den Senfbauten (Karl-Wrba-Hof im 10. Bezirk, Anm.) oder vom Schöpfwerk hingehen und die kaputtschlagen? Das bringt ja nichts. Wenn sie sehen, dass es so ist, dann sollen sie sich darum kümmern und der staatlichen Sicherheit sagen, gucken, was da wirklich los ist.

Bei der letzten EU-Wahl 2014 haben die Grünen in Rudolfsheim-Fünfhaus geführt. Joshi Mizu argumentierte im Interview mit The Message damit, dass der 15. Bezirk immer mehr ein Studentenbezirk werde. Siehst du das ähnlich?
Ich habe keine Ahnung. Joshi hat bis vor Kurzem noch dort gewohnt, wahrscheinlich ja. Ist so wie in Kreuzberg, billige Mieten, super für die deutschen Studenten. Ich hab keine Ahnung, ich würde da einen Quatsch sagen. Ich bin nicht so der krass Politische …

Bist du generell sozialistisch verortet? Weil du damals mit Nazar, Chakuza und Kamp einen Track für die Wiener SPÖ gemacht hast?
Ich bin eigentlich ein Polit-Banause. Ich weiß, wo ich stehe, aber ich weiß nicht genau, welche Partei welche Gesetzesentwürfe durchbringen will. Ein Schuster sollte jetzt nicht anfangen, über Billard zu sprechen. Ich bin Musiker, kein Politiker. Die SPÖ war immer eine Partei, die Jugendliche unterstützt hat, seit ich klein war. Im 15. Bezirk hat die SPÖ für uns coole Sachen gemacht, uns Zuckerl gegeben. Wenn es Unterstützung gab, kam die von der SPÖ. Natürlich ist man der SPÖ dann näher als allem anderen.

Würdest du wieder ein Video oder einen Song machen, der von einer Partei finanziert wird?
Das weiß ich nicht. Damals war die FPÖ noch nicht so stark wie jetzt und es ging darum, die FPÖ nicht so stark werden lassen. Deswegen war das eine gute Sache. Heutzutage kenne ich mich zu wenig aus, um so etwas zu machen. Vielleicht schon, ich müsste mich nur lange in das Thema wieder einarbeiten.

Wirst du von Berlin aus deine Stimme am 24. April bei der Bundespräsidentenwahl abgeben?
Ich glaube, das wäre unverantwortlich. Ich bin in Deutschland und krieg das in Österreich nicht wirklich mit. Ich wähle ja auch für Italien und damals gab es diese große Wahl Prodi gegen Berlusconi. Da war es natürlich so, dass wir im Ausland lebenden Italiener alle Prodi wählen mussten, damit Berlusconi endlich wegkommt. Wenn es jetzt wieder zu so einer Situation kommt, wenn Strache droht Bundespräsident zu werden, natürlich wähle ich dann dagegen. Wenn ich notwendig bin, dann mach ich es. Reden wir jetzt nicht mehr über Rap?

Die Zeit ist leider fast um. Joshi Mizu hat damals angekündigt, dass du neue Acts auf deinem Label aufnehmen wirst, aber er wollte nicht sagen wen. Ist da noch was geplant?
Es ist was in Planung, ich habe auch Acts im Auge, ich stecke als Executive wie ein Ghost hinter manchen Sachen, wo man es gar nicht weiß. Aber es ist noch zu früh, um darüber zu sprechen, leider.

Hast du die österreichische Szene auch im Blick?
Meine Freunde schicken mir immer wieder Sachen rüber, aber ich habe noch nichts gesehen, was mich flasht. Ich finde Svaba Ortak ganz cool, das ist aber nichts, womit sich meine Fans identifizieren würden. Schöne Grüße an den Brate!

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Just For The Record

Just For The Record #37: Max Mostley

max mostley

Schon früh hat der gebürtige Düsseldorfer in unterschiedlichen Bands gespielt und selbst Musik produziert. Der Durchbruch als Produzent kam mit seinem Mentor D-Bo und dem Wolfpack-Signing(Zu D-Bo findet ihr hier ein spannendes Interview). Mittlerweile ist er aus der deutschen Produzenten-Szene nicht mehr wegzudenken, denn er hat nicht nur für das pp=mc2 Album von Keine Liebe Rapper Prinz Porno produziert, sondern hat auch das komplette Paradies Album des Prinz Pi-Protegés eRRdeKa mit Beats versorgt. Auch beim am 28.8. erscheinenden Album Rapunderdog des jungen Augsburgers steuert Mostley alle Instrumentale bei. Das neue Video zu „Unter Deck“ könnt ihr euch hier anschauen!
Just For The Record mit Max Mostley:

Top 5 Albums/Songs:
Ich höre erstaunlicherweise echt wenig Musik und hänge dem Zeitgeschehen meist ein paar Jahre hinterher. Und wenn ich Musik höre, dann meist ältere also entschuldigt wenn meine Top 5 nicht allzu „now“ ist!

Favorite producers:
Quincy Jones
DJ Premier
Flying Lotus
Dilla
Rick Rubin

Favorite DJ’s:
Boah kein Plan. Die ganze DJ-Kultur hat sich ja komplett verändert und mittlerweile ist jeder Depp DJ oder Produzent. Ich habe allerdings auch in den 90ern nie das Djing für mich entdeckt und konnte dem ganzen Beat gejuggle und rumgescratche auch nie viel abgewinnen. Die geilsten Scratches kamen aber definitiv von DJ Premier!

Favorite musicians:
Michael Jackson
Mos Def
The Prodigy
Hans Zimmer
Queen
Jethro Tull
Eddie Vedder (Pearl Jam)
Outkast

und hunderte mehr!

Favorite vers in a song:
„(…)Speaking through the voices of the spirits speaking to me I think back in the day, I absorbed everything like a sponge, took a plunge into my past to share with my son“

Ich muss prinzipiell jedes mal schlucken, wenn ich diesen Vers höre.

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First bought CD:
Busta Rhymes feat ODB – Woo-Hah!

Favorite vinyl cover:

My first sample:
Puh. An mein allererstes Sample kann ich mich nicht mehr erinnern. Wahrscheinlich irgendein Klassisches Stück von einer CD meiner Mum, allerdings kann ich mich noch an den ersten Beat erinnern, bei dem ich kein Sample benutzt habe! Das muss irgendwann Anfang der 2000er Jahre gewesen sein. Ich lag im Bett und war in der „Twilight Zone“, also nicht wach, aber auch noch nicht eingeschlafen. Und auf einmal hatte ich diesen komplett fertigen Beat im Kopf. Irgendwie habe ich es dann geschafft aufzuwachen und stürmte zum Rechner um das, was noch vom Traum übrig war, umzusetzen. Der Beat, der dadurch entstand, wurde später von „Freestyle of The Arsonist“ gepickt und wurde zu meinem ersten Release mit einem amerikanischen Rapper!

Favorite vinyl store:
Zählt iTunes?!? Hahahaha! Ich hab nie wirklich Platten gekauft. Ich bin in der Zeit der Kassetten und CD’s groß geworden und als ich angefangen habe zu produzieren, wurde gerade die MP3 groß. Also habe ich das meiste bei Napster geladen oder die CD gekauft. Den geilen Sound einer Vinylplatte habe ich erst in den letzten Jahren schätzen gelernt.

Favorite beat:
Puh. Mega schwer zu sagen, aber wenn ich meinen Alltime Favourite Beat nennen müsste, ist es wahrscheinlich einer von der Champion Sound Platte von Jaylib oder „The Squeeze“ von DJ Premier.

Most hated Scratch:
Es gibt wenige Scratches die ich wirklich mag aber ich glaube der nervigste ist dieser „Fressshhhh“ der auf jeder verdammten Scratch Platte drauf ist … Hahaha!

I produce with:
verschiedene DAWs !
Magic-Mouse
Ohren
Herz!

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Max Mostley auf FacebookSoundcloudTwitter

(by edHardygirl14)

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International News

Cro, Afrob, Sido, Celo & Abdi u.a. – „Riskier alles“ // Video

Riskier alles

Das runde Leder elektrisiert die Massen. Doch welche Künstler braucht es, um König Fußball eine würdige Hymne zu zaubern? Mit Cro, Afrob, Teesy, Megaloh, MoTrip, Celo & Abdi, Olli Banjo, Bartek, Prinz Pi, Sido wurde zweifelsfrei die richtige Elf für „Riskier alles“ gefunden. Beat kommt von Ghanaian Stallion, für die Musik im Abspann zeichnet sich Pasiko.Dino verantwortlich. Nice!

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Reviews

Grim 104

(Buback Tonträger / VÖ: 15.11.2013)
(Buback Tonträger / VÖ: 15.11.2013)
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International News

Prinz Pi – Fähnchen im Wind [Video]

Prinz Pi mit einer weiteren Videoauskoppelung aus dem Erfolgsalbum „Kompass ohne Norden“.

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(thomki)

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Austria News

Raf 3.0 feat. Prinz Pi & Vega – Schwarze Sonne [Video]

Raf 3.0 brachte am Freitag sein neuestes, durchaus gelungenes Album „Hoch2“ auf dem Markt – doch dem nicht genug, gibt’s auch ein neues Video zu bestaunen, und zwar zu „Schwarze Sonne“, bei welchem Track auch Prinz Pi und Vega gefeaturet wurden.

Übrigens: die ersten Trends lassen einen hohen Charteinsteig von „Hoch2“ erahnen. Gratulation!

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(thomki)

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Content Events News

Am Strom – Tag 2, Tag der Sintflut


Nachdem sich die letzten Regentropfen den Weg zum Boden gebahnt hatten, war es wieder Zeit für einen neuen Tag Am Strom in Greifenstein. Auch wenn durch den steigenden Donaupegel die Camper ihre Zelte am Ufer des Flusses abbrechen und mit dem Parkplatz vorliebnehmen mussten, hat dies der Stimmung keinen Abbruch getan. Durch die schnellen Aufräumarbeiten am Gelände des Strombauamtes war es möglich, am zweiten Tag der Veranstaltung die Konzerte wieder auf der Hauptbühne stattfinden zu lassen.