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The Message Cypher Pt. 1 // Live-Session

Zusammen mit Feng Sushi, dem neuen Online-Musiksender von A1, holen wir die heimische Rapszene wieder zurück ins Musikfernsehen bzw. ins Streamingangebot. Im Sechs-Wochen-Takt treffen sich Rapper und Rapperinnen im Studio, um innerhalb von 16 Zeilen ihr Können in Rap-Cyphers unter Beweis zu stellen. Den Beginn machen JerMc aka Dyin Ernst, Heinrich Himalaya, Average und Hinterkopf mit eigens für die Cypher von Shawn The Savage Kid produziertem Beat.

Average greift zu Beginn tief in sein Repertoire und leitet die Cypher mit einer soliden 16 Bars langen Vorstellung des Formats ein. JerMc betont darauf hin, dass aber nach wie vor dezidiert Heiße Luft das Sagen habe und er sich deshalb auch von allen whacken MCs distanziert. Gut also, dass sich Heinrich Himalaya, trotz seiner Wurzeln im Salzkammergut, problemlos am Formatnamen orientieren kann. Gekonnt vermischt er so seinen oberösterreichischen Mundartrap mit Floskeln aus dem Japanischen – wobei der Wechsel zwischen den Sprachen nicht immer trennscharf bleibt. Hinterkopf grüßt vor dem Abschluss noch schnell Kollegin Hunney Pimp, für die er kurzfristig eingesprungen ist, und rechnet dann in wenigen Worten mit der kompletten Rapszene ab.

Die komplette Cypher findet ihr auch auf A1now.tv

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Shows & Concerts

Mehr als Heiße Luft // Heiße Nächte im B72

Gemeinsam von Nilo aus der Crew Kopf an Kopf ab und den Heiße-Luft-CEOs initiiert, finden nunmehr monatlich Veranstaltungen des Wiener Labels im B72 statt. Meist auf den vierten Freitag des Monats angesetzt, bietet die Reihe den idealen Rahmen für Releaseshows aus dem eigenen Umfeld. So auch beim Startschuss im September, als Huhnmensch & Alesh The 3st ihr „Promille Tape“ präsentierten und sich bei ihrer feuchtfröhlichen Show die Bühne mit zahlreichen (Tier-)Freunden und Labelkollegen geteilt haben. Für eine ähnlich gute Stimmung sorgten im November Gigolo D & JerMc, die ihr zweites Album „Eher tiaf, aber eh ganz deep“ erstmals live vorstellten und für die Aftershow in die Rolle ihrer Alter Egos Sunshine Daddy beziehungsweise Schlagobers Duck geschlüpft sind.

Doch Heiße Nächte soll nicht nur ein Sammelbecken für Livehows des Labels sein. „Die Basis sind DJ-Club-Nächte für das Heiße-Luft-Umfeld und Rap-Lieblinge. Zusätzlich gibt es Releaseshows, spontane Gigs sowie hier und da ein internationales Bookings, fasst Nilo das Konzept zusammen. Als Clubshow ist etwa die morgen, am 27. Dezember, stattfindende Weihnachtsausgabe „Stille Nacht X Heiße Nacht“ angekündigt. Bei der inoffiziellen Betriebsfeier von Heiße Luft werden somit DJ-Sets der Gang im Fokus stehen. Wie immer wird es dabei auch einen kleinen Platten- und Merchstand geben.

Als erstes internationales Booking ist am 21. Februar eine Liveshow des britischen Duos Verbz & Mr. Slipz eingeplant. Ende April sollen dann Zetta & Der Benman vom Saarbrücker 2 Zimmer Gefüge folgen. Rundherum dürfte es wieder einige Clubnächte und die ein oder andere Releaseshow geben.

Wie die bisherigen Ausgaben und die Zukunftspläne zeigen, sorgt das Format für eine feine Ergänzung im Wiener HipHop-Eventkalender. Heiße Nächte könnte sich damit zu einer der zentralen Anlaufstellen für Konzerte und DJ-Sets im kleinen Rahmen entwickeln.

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Interviews

Keine Macht der Whacksualität // Gigolo D & JerMc Interview

Am Freitag haben Gigolo D & JerMc ihr zweites Album „Eher tiaf, aber eh ganz deep“ veröffentlicht. Um über den Nachfolger des 2017 erschienenen Debüts „Eher schiach, aber eh ganz lieb“ zu sprechen, verabreden wir uns im Souterrain eines ehemaligen Schulgebäudes in Wien-Margareten. Dort werden gerade einige Räume zwischengenutzt, darunter mit „Die Schule“ das frisch eingerichtete Hauptquartier von Heiße Luft. Während die Labelkollegen HipHop Joshy und Jonas Herz-Kawall im kargen Nachbarkammerl an der Entstehung einer Booth werkeln, platzieren wir uns auf der Studiocouch.

Mit Gigolo D & JerMc unterhalten wir uns unter anderem über den Kampf gegen die Whacksualität, Kopfficks beim Schreiben, die DLTLLY-Laufbahn und die vielen künstlerischen Persönlichkeiten in JerMcs Schädel, bevor wir für die anschließende Fotosession das Gebäude abklappern.

JerMc
Zwei Musterschüler. Fotos: Niko Havranek

The Message: Vor einem Jahr war Joshys Einzimmerwohnung quasi das Hauptquartier von Heiße Luft. Wie seid ihr dann hier gelandet?
JerMc: Wir haben uns ein bisschen umgeschaut. Melonoid hat zufällig auch ein Studio gesucht. Ohne ihn hätten wir das nicht machen können. Für uns ist es eigentlich mehr ein Lager und zum Chillen – danach Aufnehmen natürlich auch. Es ist super, dass wir hier chillen, Sessions machen können und ein Büro haben.

Ändert sich durch den zentralen Ort etwas an deiner Herangehensweise? Also schreibst du zum Beispiel mehr direkt im Studio?
Nein, ich schreibe noch immer zu Hause. Aber hier kann man Tracks machen, die man sonst wahrscheinlich nicht machen würde.

Schreibst du ganz klassisch mit Stift und Papier?
Meistens am Lappy. Manchmal auch mit Stift, aber das geht meistens nicht gut. Da muss ich die ganze Zeit was durchstreichen und kann nicht umschichten, das will ich aber ständig. 

Was hat sich generell bei der Aufnahme vom zweiten Album verändert?
Eigentlich nichts. Außer dass ich jetzt woanders wohne, mir ein besseres Mic ausgeborgt habe und eine Booth aus einer Kühlschrank-Box gemacht habe. Davor waren es halt Vorhänge und ich habe mich vors Bücherregal gestellt.
Gigolo D: Es war derselbe Prozess. Ich habe aber mehr gediggt und mehr Drumbreaks gesammelt.

Wie hast du nach Drumbreaks gediggt?
Gigolo D:
Ich war viel mehr in Plattenläden unterwegs, meistens mit HipHopJoshy. Im Teuchtler, Record Shack oder Deep Soul zum Beispiel. Aber es ist immer schwierig, einen Drumbreak zu finden. Wenn du einen Track auf YouTube findest, kaufst du die Platte. Sie im Plattenladen zu finden, ist natürlich geiler, aber es dauert länger. Wir verbringen dort meistens drei, vier Stunden, flashen uns richtig rein und hauen uns dann gegenseitig, wenn wer einen richtig dopen Track findet (lacht).

Machst du vorher den Beat und er schreibt drauf, oder steht eher der Text zuerst?
JerMc:
Meistens habe ich schon was und es passt dann perfekt zum Beat, auf dem wir es wollen – und sonst passt es auf einen anderen Beat.
Gigolo D: Oder ich sage ihm, dass ich einen Beat gemacht habe, schicke ihn und irgendwann sagt er: ‚Hey ich hab einen Text geschrieben.‘ Und dann ist es eigentlich fertig, also echt basic (lacht).

Bist du lyrisch noch verkopfter rangegangen?
JerMc:
Es war fast einfacher. Ich habe viel mehr erlebt und dadurch auch mehr Material. Der Anspruch ist gestiegen, aber egal wie hoch der ist, es ist immer ein Kopffick. Jetzt sind weniger Random-Battle-Punchlines oben, alles hat mehr Hand und Fuß. 

Hast du drauf geachtet, introspektive Tracks und Battle-Tracks klarer voneinander zu trennen?
Ich habe es mehr nach Beats geordnet – also für Battle-Tracks, für introspektive Tracks und welche, die lustig sein sollen. Dann auch danach, wo man eine eingängige Hook machen sollte und wo man keine oder keine besonders anspruchsvolle braucht.

Wie würdest du generell den JerMc von heute mit dem von vor zwei Jahren vergleichen?
Weniger Selbsthass, dafür mehr Hass auf andere. Ich bin zufriedener mit mir, aber desto mehr man sich selbst okay findet, merkt man auch, dass die anderen die ärgsten Trotteln sind (lacht). Beim letzten Mal waren mehr cringy Sachen dabei. Ich weiß nicht, wie ich das beschreiben soll.

Meinst du einzelne Zeilen?
Ja, so bisschen mädchenhaft auf: ‚Ich bin so schiach. Sagt’s mir, dass ich schön bin!‘ Aber auch nicht so wirklich, weil es immer einen Twist gehabt hat. Es war an der Grenze zu too much information und dann wieder zurückrudern. Das war diesmal weniger. Ich bin besser geworden und es ist jetzt mehr Zufriedenheit da.

Inwieweit haben deine A-capella-Battles dazu beigetragen?
Die sind ein gutes Training fürs Durchziehen von Konzepten und „skeemige“ Tracks wie „Ess grad“, wo du aus einem Vokabularfeld so ziemlich alles einbaust. Auch um zu wissen, dass es irgendwo einen Reim gibt, der eine Line vollendet und du es nicht hingezweckt machen musst. Und natürlich allgemein für Punchlines.

Nach dem Battle gegen Robscure hast du im Interview gemeint, bisschen den Hunger verloren zu haben. Ist die Mucke der einzige Grund dafür?
Wenn ich jetzt ur scheiß Mucke machen würde und mir nicht denken würde, dass es noch besser wird, würde ich eh mehr battlen. Aber es gibt irgendwie nicht so viel zurück. Vor allem wenn du dich drei Monate vorbereitest und dann in zehn Minuten alles verkackst. Da mache ich lieber einen Track, bei dem ich alles genau so arrangieren kann, wie es am Ende klingen soll und bin zufriedener. Ich habe es damals gesagt: Wenn ich jetzt ein Battle machen würde, wäre das nur für Promo und Geld – und das sind die zwei Gründe, aus denen man es vielleicht gerade nicht machen sollte.

Aber du magst dir die Türe noch offen lassen?
Ja, schon. Also wenn DLTLLY so groß wird, dass sie auch Small-Room-Events machen, wo absichtlich wenig Leute sind, dann vielleicht mal wieder.

Weil dann der Druck geringer ist?
Auch. Dieses Riesending ist kurz gut gegangen, aber auch nicht wirklich, weil ich bis aufs erste Battle nie fehlerlos war. Es wird mehr auf die Lines geachtet, es ist nicht so schlimm, wenn du verkackst und es kommt auf Video besser rüber. Wenn es im Großraum gut läuft und die Leute jubeln, bin ich überwältigt und komme raus. Wenn sie nicht jubeln, bin ich unterwältigt und komme auch raus. Es gibt sicher Leute, die sich mit dem Adrenalin einen Drive daraus ziehen, aber ich habe das nie so geil gefunden. Ich habe auch nie Achterbahn fahren wollen. Es ist ein geiles Gefühl, aber ich habe es nie wirklich genossen. Und wenn ich gebattlet habe, habe ich mir gedacht: ‚Eigentlich ur behindert, dass du das machst! Du könntest jetzt auch chillen und zuschauen, das wäre viel geiler.‘ Es ist eh geil, dass alle es so ernst nehmen – mache ich als Fan auch. Aber wenn du drinnen bist, ist es zu serious und ich habe es dann so ernst genommen, dass es nicht mehr so viel Spaß mehr gemacht hat. Davor hat der Komplexler in mir noch eher gesagt: ‚Ich zeig denen, wie geil ich schreiben kann!‘ Jetzt kann ich das mit Mucke auch machen, also brauche ich es de facto nicht mehr so.

In A-capella-Battles hast du komplett auf einen Gegner hingeschrieben, jetzt quasi gegen imaginäre Gegner, auch wenn du dabei sicher an jemanden denkst. Ist das für dich ein großer Unterscheid?
In den Battles wollte ich oft auch so etwas machen, also großflächiger kritisieren. Aber das geht nicht wirklich. Dann stehst du drinnen und denkst dir vielleicht: ‚Boah, das ist ur geil!‘ Aber wenn du es dir anschaust, denkst du: ‚Was redest du da, red lieber über den da!‘ Am geilsten ist es eh, wenn du einen whacksuellen Gegner hast und das alles gegen ihn bringen kannst. Aber die meisten waren ganz nett und nicht so whacksuell. Es gab keinen, den ich richtig gehasst habe. Das wäre irgendwie geil, aber auch anstrengend und würde schnell verkrampft wirken.

An wen denkst du am meisten, wenn du über die Whacksualität rappst?
An allerlei Leute. Es ist einfach ein geiles Denken, in Whacksuelle und Nicht-Whacksuelle einzuordnen. Ein lustiges Konzept, eine Parallelwelt. Wenn du wen siehst, der auf einer Party viel Scheiße redet, dann ist er ein richtig whacksueller Adam Steinberg.

Es fällt auch auf, dass du das Französische diesmal komplett weggelassen hast. Hast du bewusst darauf geachtet?
Es versteht eh fast keiner. Ich mache lieber irgendwann mal eine französische EP unter einem anderen Namen. Ich habe vor, wenn ich auf Deutsch mein Opus Magnum gemacht habe, mal wieder auf Französisch zu rappen. Also dann wirklich, bis jetzt war es eigentlich nur Kinderscheiße.

Hörst du noch viel französischen Rap?
Eigentlich nicht mehr so viel.

Was sind deine jetzigen Hauptbezugspunkte?
Ich weiß gar nicht. Das Auflegen hat die Musik bisschen beeinflusst. Ich höre Alben jetzt fast nur noch so auf: ‚Kann man das auflegen?‘ Und wenn man es nicht so gut auflegen kann, vergesse ich es meistens – auch wenn es ur geil ist. Boombap fast gar nicht mehr. Also wenn ich einen geilen Boombap-Track höre, dann nur fürs Auflegen. Bei Trap auch eher einzelne Tracks.

Du hast einige Aliasse wie Dyin Ernst, Schlagobers Duck oder Tina Turnup. Was hat es mit ihnen auf sich?
JerMc
: Ich mag es einfach, so Namen zu finden.
Gigolo D: Es gibt auch einen ganz neuen: Ramsey.
JerMc: Aja! Die von Austrovinyl haben zuerst auf den Auftrag Gigolo G & Ramsey geschrieben, weil sie es am Telefon so verstanden haben. Jetzt steht es auf der Testpressung auch so. Die hatten einen Monat vorher das Cover mit den richtigen Namen und haben es trotzdem so gelassen. Der bleibt jetzt irgendwie. Es wäre gar nicht so abwegig, wenn ich mich fürs nächste Album wieder anders nenne. Das macht’s nochmal lustiger.

Von Tina Turnup und Runnin Swag gab es lange nichts mehr zu hören. Hast du die beiden schon eliminiert?
Runnin Swag war nur ganz kurz für ein Feature da, der ist tot. Tina Turnup eigentlich auch. Die hat gemerkt, dass das Wortspiel doch nicht so toll ist. Es gab eine Line von Crack Ignaz und einen Money-Boy-DJ, der Timmie Turnup heißt. Schlagobers Duck legt jetzt eh alles auf. Das ist das Geile an ihm. 

Weißt du immer sofort, ob du für JerMc oder Dyin Ernst schreibst?
Ja, schon. Es fühlt sich schon anders an, aber es hängt auch von den Beats ab. Vielleicht gibt es mal ein Joint-Album.

Wie unterscheidet sich JerMc von Dyin Ernst?
Eigentlich nicht so stark. JerMc ist mehr random auf Battle-Punchlines aus. Er kann sich mehr erlauben. Dyin Ernst hat bisschen weniger Freiraum, er darf keine Fehler machen. JerMc müsste ihn eigentlich whack finden, weil er ja mehr so der Realkeeper ist. Aber Friede im Kopf.

Als es vor paar Jahren diesen „Cloud-Rap“-Hype gab, bist du auch mal kurz ziemlich reingekippt und hast den Style bei einem kleinen Auftritt angenommen. Wie blickst du heute darauf zurück?
Ah voll, das war „Richy Lugner“. Ich war ja vorher genauso hängengeblieben wie der Gigo (lacht). Durch LGoony und Yung Hurn habe ich dann gemerkt, dass es ur geil ist. Jeder in meinem Freundeskreis hat mich verarscht, aber ich habe Yung Hurn geliebt. Er war Gott. Der Gedanke war, dass ich mit einer Band rumhänge, wir den ganzen Sommer an einem Album arbeiten, nicht ansatzweise fertig werden und uns über jeden Scheiß den Kopf zerbrechen. Er macht halt in fünf Minuten einen Track mit Mac-Mic und der ist geiler als alles, was ich je gemacht habe (lacht). Dann haben wir es ausprobiert. Aber es war nur eine Kopie nach Schablone. Jetzt machen wir was ganz anderes. Ich habe gecheckt, dass es das Einzige ist, was ich schreiben kann und es sich nichts bringt, wenn ich es auf extra dumm mache oder mir extra wenig Zeit nehme. Das ist schon geil, aber ich bin nicht der Typ dafür.

Du kennst Gigolo D aus der Schulzeit. Wann kam euch erstmals der Gedanke, gemeinsam an Tracks zu arbeiten?
Gigolo D: 2012 oder 2013. Da haben wir es das erste Mal angesprochen.

Hast du damals schon produziert oder erst den Plan gefasst?
Gigolo D:
Ich habe 2012 Kevmaster kennengelernt. Der hat mir das beigebracht. Ich habe ihm kurz darauf die ersten Beats geschickt und war super stolz. Sie waren aber super Scheiße (lacht)
JerMc: Aber ich fand die Drums geil. Die hat sonst niemand so geschafft, wie ich sie wollte. Dann hat er einen Beat geschickt und ich habe gedacht: ‚Das sind genau die Drums, die ich wollte.‘ Ich wusste damals nicht, dass er einfach die Drums gesamplet hat, während die anderen sie selber gemacht haben und sie deshalb nie hinbekommen haben (lacht).
Gigolo D: So nach einem Jahr habe ich mir das erste Mal gedacht, dass ich Beat zeigen oder weiterschicken kann.
JerMc: Wir haben dann immer wieder Sessions gemacht und so ist es passiert. Und wie das erste Album fertig war, haben wir gleich fürs zweite angefangen.

War von Anfang an klar, dass es in die jazzige Boombap-Richtung geht?
Gigolo D:
Ich habe damals sehr viele jazzige Beats und Samples gehört. Das hat mich geprägt und ich wollte auch solche Beats machen.

Wann hast du damit angefangen, als Sunshine Daddy housige Sachen zu produzieren?
JerMc:
Kurz vorm ersten Album, oder?
Gigolo D: Ja, kommt hin. Da habe ich angefangen, bisschen mehr House zu diggen. Irgendwann war ich dann am Flughafen, dort gibt es an der Juice Bar einen Saft namens Sunshine Daddy (lacht). Ich so: ‚I’m takin‘ it! Das ist jetzt mein Name.‘
JerMc: Auch gesamplet.

Wie unterscheidet sich die Produktionsweise?
Gigolo D:
Als Sunshine Daddy ist es ein viel längerer Prozess. Bei HipHop ist es raw – Sample, Drums drauf, Bassline, vielleicht noch Cuts und es ist quasi fertig. Bei House hast du nicht unbedingt viel mehr Spuren, aber du musst viel mehr Shit beachten. Das Mixen zieht sich viel mehr in die Länge – die Kicks, Swings setzen und überhaupt jede einzelne Hi-Hat gescheit positionieren, damit es sich fresh anhört.

Habt ihr schon Pläne für die Zukunft?
JerMc:
Es wird wahrscheinlich in diesem Rhythmus weitergehen. Wir machen weiter, wir haben eh keine Wahl. Du kriegst das Rappen nicht aus unseren Köpfen raus. Jetzt haben wir den besten Spot hier, das ist für drei bis fünf Jahre angedacht. Da werden wir in unserem eigenen Sud kochen und schauen. Ich kann nicht sagen, was genau kommen wird, aber über Heiße Luft kommt eh immer wieder geile Mucke. Die wird auch noch immer besser werden, die Videos und das Drumherum geiler. Und noch mehr auflegen. Im besten Fall können wir Rap nebenbei als Hobby machen und sind Star-DJs (lacht). Das wäre der Traum. Da hast du eigentlich am wenigsten Druck, niemand nervt dich und sagt: ‚Uff, letzte Woche hast du noch das gespielt, jetzt spielst du das. Du bist nicht real!‘

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Austria News

Austro Round-up (KW 44/19)

KeKe veröffentlichte Anfang November ihre EP „Donna“, B.Visible sein Debütalbum „Pleasant Clutter“. Ein Interview mit dem Wiener Produzenten erscheint demnächst auf The Message. Auch abseits davon hatte die vergangene Woche einiges zu bieten – wie gewohnt in unserem Round-up zusammengefasst.

Titelfoto: Pascal Kerouche

RAF Camora – Zenit

Bekanntlich soll man ja aufhören, wenn es am schönsten ist. Was vor über 20 Jahren hier in Wien begonnen hatte und in Berlin fortgesetzt wurde, findet nun wieder in Österreichs Hauptstadt sein Ende: RAF Camoras letztes Soloalbum „Zenit“. Auf 16 Songs erzählt RAF von seinen Anfängen, dem Hype, dem Erfolg. „Sie sagen ‚Du hast dich so verändert‘ / Ich hab‘ mich so verändert / Ja, man wird alt und mein Inneres kalt / Wie Asphalt im Dezember“, heißt es auf „Verändert“ gemeinsam mit Bonez MC. Auf der LP reflektiert RAF nachdenklich und ernst, mit „Adriana“ sei dem Album jedoch zumindest auch ein Partysong gesichert. Drei Fortführungen von Songs aus früheren Zeiten als „Resümees“ geben dem Album zusätzlich eine raue Note. RAF wirkt erwachsen, „am Zenit“, wie er selbst sagt. „Bin in der Zukunft endlich am Ziel“, heißt es im ersten Song. Mit Blick auf die Vergangenheit betrachtet RAF Camora auf „Zenit“ sein Lebenswerk und wagt dabei auch einen Blick in die Zukunft – denn „erst jetzt beginnt die Party“.

Stichwort Party: Sein letztes Release zelebrierte RAF gleich doppelt in pompöser Manier. Neben einer „Red Bull Listening Session“ im Privatjet gab es eine exklusive „Release Night“ im Sofitel Wien – inklusive Diamant-Verleihung für den Track „Nie ohne mein Team“.

Gigolo D & JerMc – Nichts zu erzählen

Den im Frühjahr erstmals aufgetauchten Dyin Ernst vorübergehend im Abstellkammerl geparkt, tritt nun wieder die Hauptfigur JerMC in den Vordergrund. Am 15. November erscheint sein zweites Album auf Beats von Gigolo D. War der Aufhänger 2017 noch „Eher schiach, aber eh ganz lieb“, lautet er nun „Eher tiaf, aber eh ganz deep“. Ein Indiz dafür, dass das „Zniachtl aus 1070“ auch diesmal viel Selbstironie und Wurschtigkeit einbaut, die Punchlinedichte aber gleichzeitig nach oben schraubt. Auch jazzige Beats dürften beim „verficketen zweiten Album“ wieder eine große Rolle spielen, wie „Nichts zu erzählen“ andeutet. Der erste Vorbote dient als kleiner Querschnitt der neuen Tracks. Vieles dürfte beim Alten bleiben, JerMc aber ein gesünderes Ego entwickelt haben: „Ja, wir sind dope und ja, du kommst spät drauf“, rappt er etwa, während im Hintergrund von ihm zusammengepanschte Videoschnipsel laufen.

Flip & Chill-Ill – Bad Breaks Vol. IV

Die von Flip initiierte Reihe „Bad Breaks“ geht in die vierte Runde. Diesmal dringt der Linzer gemeinsam mit dem als Gast vertretenen Chill-Ill – der erst kürzlich eine Solo-EP veröffentlichte – tief in jamaikanische Gefilde hinein. Ihre beiden Remixes sind eindeutig für den Dancefloor ausgelegt und werden vor allem DJs erfreuen. Während Flip dem bekannten Buju-Banton-Track „Champion“ mit ergänzenden Soul-Samples und Boombap-Drums neues Feuer einhauchte, fügte Chill-Ill „Listen!!!“ von Talib Kweli Reggae-Samples bei.

Klitclique – Auto

„Ich bin ein Mann / Ich kann mich nicht verfahren / Ich geb‘ die Richtung an / Seit 3000 Jahren“. Mit „Auto“ hinterfragt die Klitclique das Klischee des Autos als Symbol der Männlichkeit auf ironische Art und Weise, wobei die ironische Betrachtung keineswegs die Ernsthaftigkeit des Themas wegnimmt. „Ich bin in meinem Recht / Überhole von rechts / Bezahle für Sex / Bin das zahlende Geschlecht“, heißt es auf dem Track. Das Video zum Song entpuppt sich als kleiner Kunstfilm: Der Papst, Maurice von Bilderbuch, David Hasselhoff – sie alle fahren Auto. Der Zusammenschnitt aus Videoschnipseln, Google Street View und Szenen aus Videospielen sorgt zusätzlich für gute Unterhaltung.

Money Boy – Es wird alles gut

Die kalte Jahreszeit macht sich nicht nur allmählich (also schlagartig) in Wien breit, auch bei Money Boy scheinen sie und die damit verbundene Melancholie Einzug zu finden. „Es wird alles gut“ aus dem Album „Geld Motivierte Muzik“ ist ein Bruch in seinem bisherigen Image, es geht nicht um Drugs und B*tches tatsächlich kommen diese Begriffe kein einziges Mal vor. Es geht um den dankbaren Rückblick aufs Leben, auf Erfolg, es geht um Verzweiflung und die Besinnung aufs Wesentliche. Und um den Glauben an sich selbst: „Wenn man denkt es geht nicht mehr / kommt von irgendwo ein Lichtlein her / Um dir zu zeigen, Mann, du solltest noch nicht aufgeben / Es wird alles gut / Irgendwo tief in dir drinnen steckt dein ganzer Mut“. Ruhig und besinnlich, im grauen Rollkragen vor Schönbrunn. Steht dir, Money Boy.

Liberty – Superficial

Ein sehr basslastiger Beat mit ruhigen Violinen untergemischt und ein konstanter Flow ohne große Ausbrüche. Damit rappt sich Liberty ihren Weg durchs nächtliche Berlin und präsentiert sich alles andere als oberflächlich: „Now all my buddies want the fame, superficial / i keep it real, they don’t understand, superficial“. Raptechnisch tritt die Niederösterreicherin dabei noch als Newcomerin auf. Zwar hat sie bereits auf einigen zuvor veröffentlichten Stücken gerappt, ihr Schwerpunkt liegt aber seit jeher bei der Beatproduktion. Liberty produziert bereits seit 2012. Begonnen mit D’n’B, widmet sie sich nun vermehrt HipHop-/Trap-, Reggaeton- und Dancehall-Klängen – als Konstante steht die 432-Hertz-Grundstimmung. Daneben übernimmt sie mit dem Label Libertyartmusic das Recording und Mixing für Kollegen.

Golden G – Am Not Afraid

Für die Veröffentlichung seines zweiten Tracks nach „Der Wein“ hat sich Golden G just Halloween ausgesucht. Passenderweise hat er im dazugehörigen Video auch kurz vor der Geisterbahn Station gemacht. Eigentlich geht es Golden G aber um etwas ganz anderes, während er den Wiener Prater abklappert und dabei erstmals auf Englisch singt: Den eigenen Ängsten stellen, sie überwinden und dadurch über sich hinauswachsen. „Trotz meines Rollstuhls genieße ich das Sein und Tun an jedem einzelnen Tag. Mit dem neuen Song möchte ich das thematisieren und auch andere Leute motivieren, eine Veränderung selbst in die Hand zu nehmen“, führt er dazu aus. Feine Sache!

Text: Simon Nowak, Chiara Sergi & Francesca Herr

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Austria News

Austro Round-up (KW 20/19)

Der 18. Mai dürfte als denkwürdiger Tag in die österreichische Geschichte eingehen. In erster Linie natürlich durch das Bekanntwerden der Ibiza-Affäre und dem damit eingeläuteten politischen Erdbeben, das die Entlassung aller FPÖ-Minister zur Folge hatte. Wir hatten an diesem Abend gleich doppelten Grund zu feiern, schließlich luden wir zu „22 Years The Message“ in die Fluc Wanne. Ein Recap der vielen Shows gibt es hier. Auch release- und videotechnisch verlief die vergangene Woche ereignisreich wir haben die wichtigsten Neuheiten abseits unserer Videopremiere zu „Oxygen“ von der HipHop-/Jazz-Formation Sketches On Duality wie gewohnt zusammengefasst.

Dyin Ernst – Paul Verlaine

„Mucke über allem“ ist das Credo vom Heiße-Luft-CEO JerMc und all seinen Brüdern im Kopfe. Das gilt auch für den kürzlich ins Leben gerufen Dyin Ernst, der am Freitag die mit vier Tracks bestückte EP „Paul Verlaine“ veröffentlichte – benannt nach einem französischen Dichter, der ähnliche Gedanken im Jahr 1882 im Gedicht „Art Poétique“ zusammenfasste. Während der Vorbote „Parmesan (G****)“ battlelastig ausfällt, verdeutlicht der frankophone Wiener vor allem im Titeltrack sowie auf „GTA“, dass das musikalische Schaffen eine außerordentlich große Rolle in seinem Leben einnimmt.

Am Samstag präsentiert Dyin Ernst die von Disko Jürgen (aka Stürmer 1), LegendJerry, food for thought und mm oo abwechslungsreich produzierte EP erstmals offiziell live im Grill X. Im Herbst dringt dann voraussichtlich wieder der altbekannte JerMc in den Vordergrund, denn mit „Eher tiaf, aber eh ganz deep“ steht das zweite gemeinsame Album mit Gigolo D an.

Def Ill & Marie – Ibizagate

„What happens in Ibiza stays in Ibiza“ – der Wunsch von HC Strache und Johann Gudenus erfüllte sich immerhin für knapp zwei Jahre. Tja, der „18.05. ist jetzt offizieller Staatsfeiertog“, wie Def Ill und Marie auf „Ibizagate“ folgerichtig festhalten. Was seitens der Koalition in den vergangenen eineinhalb Jahren sonst so verbrochen wurde, fassen die beiden auf knapp sechs Minuten zusammen. Dabei vergessen sie nicht darauf, auch Bundeskanzler Kurz den Rücktritt nahezulegen und zu Neuwahlen aufzurufen.

SzumK & Jokah – Besoffene Geschichte

Mit einem kurzen Track haben sich auch SzumK und Jokah zur Ibiza-Causa geäußert. Auf „Besoffene Geschichte“ beziehen sie sich im selben Wortlaut erfolgte Rechtfertigung des Ex-Vizekanzlers für seine Aussagen im entbehrlichen Ibiza-Video und alles, was sich damit sonst noch so rückwirkend erklären lassen könnte.

Emirez & Pireli – Paranoia

Neues aus Fünfhaus! Nachdem Emirez und Pireli zuletzt „Pijem“ veröffentlichten, geht ihre Zusammenarbeit in die nächste Runde. „Ich hab’s versucht, wollt‘ ehrlich sein, bis ich dann irgendwann müde war / Doch wozu der Fleiß und die Ehrlichkeit, wenn sie ja nicht einmal ein bisschen Würde haben“. Der Song setzt sich aus deutschen und bosnischen Textpassagen zusammen, soundtechnisch sind Emirez und Pireli mit dem von Beataura produzierten Beat am Puls der Zeit. Das Video zum Song erinnert etwas an jenes von „An ihnen vorbei“ von Bonez MC & RAF Camora. Von letzteren gab es auch für diesen neuen Track Support auf Social Media, ebenso wie RAFs Präsenz im Video. Fünfhaus hält eben zusammen.

Chakuza – Wilde Welt

Mit „Wilde Welt“ liefert Chakuza nach „Kristallklar“ den zweiten musikalischen Vorboten auf das Ende Mai angekündigte Album „Aurora“. „Es ist ‘ne wilde, wilde Welt, aber ich kenne das Spiel / Und bis zum Ende bekämpfe ich sie“. Darauf zeigt sich Chakuza überraschend ehrlich und direkt, ohne dabei wütend zu klingen. Soundtechnisch und inhaltlich erinnert dieser dabei etwas an die alten „Magnolia“-Zeiten, was durchaus positiv gemeint ist. Denn was Chakuza definitiv gut kann, ist intime Einblicke in seine Gedankenwelt zu gewähren und darüber zu reflektieren. Er weiß, in was für einer wilden Welt er lebt, aber aufzugeben kommt für ihn in Frage. „Was für Schampus? Wir sind Abschaum, die Karkassen dieses Teiches“ – der Song zeigt, dass Ehrlichkeit meist am längsten währt.

Ms Def – Alles

Knapp ein Jahr nach ihrer „Klartext“-EP meldete sich Ms Def zum „International Day of Light“ mit „Alles“ zurück. Den tiefgründigen, vom Polen Lazy Rida produzierten Track ist ihrer stark ausgeprägten Empfindsamkeit gewidmet, die sie begleitet von einigen Videoausschnitten aus ihrer Kindheit verarbeitet. Früher als unnötige Last betrachtet, konnte Ms Def ihr „Special Feature“ mittlerweile trotz so mancher Kehrseite als Gabe annehmen: „Als Kind machte es mich leider zu einem ziemlich einfachen Ziel für Mobbing und Ausgrenzung. Als Teenager ließ es mich nur noch feuriger und leidenschaftlicher gegen die Welt und ihre Normen und Gesetze rebellieren. Als Erwachsene betrachte ich die Hochsensibilität als einen prägenden und sehr bereichernden Teil meiner Persönlichkeit, den ich hier und heute mit euch teile.“

100 KG – Toys

Starke Übelkeit empfindet 100 KG, wenn er an einige seiner Rapper-Kollegen denkt. Bereits mit der im März erschienenen Single „Ich finde ich bin schön“ holte er zum Rundumschlag gegen eine seiner Meinung nach tote Wiener Rap-Szene aus, konkret mit Lines gegen Yugo und Slav. Auch auf „Toys“ präsentiert er sich in Battlelaune diesmal allerdings ohne Namen zu nennen. Beginnend mit der Kool-Savas-Hommage „Was geht mit euch, alle MCs sind Toys“ schießt er vor allem gegen Leute, die seit Jahren rappen, auf Skill- beziehungsweise Themenebene aber immer noch reichlich Aufholbedarf haben. Der von ihm produzierte Beat und das im Skatepark gedrehte Video unterstreichen den Retro-Flavour des Tracks.

Bibiza – Wasser

Nachdem Bibiza mit den Videos zu „Durch die Hood“ und „Naeher“ erst kürzlich visuelle Untermalungen zum Sound seines zuletzt erschienenen Albums „Copypaste“ lieferte, folgt mit „Wasser“ nun eine weitere Auskopplung aus dem Track-Repertoire. Während sich Bibiza im Video zwischen der nächtlichen Wiener Innenstadt und dem Mars bewegt, verlangt er nach dem Ursprung aller Leben: Wasser. „Nimm noch einen Letzten und plötzlich sink ich abgrundtief / Gib mir Energie / Bruder, gib mir bisschen Wasser“. Auch der Beat stammt, wie auch bei den restlichen Songs des Albums, von ihm selbst. Ein Review zu „Copypaste“ gibt es hier.

Der traurige Gärtner – Veselá Kráva

„Veselá Kráva ist die tschechische Kuh, die immer lacht, niemals macht sie Muh“ zumindest auf der Packung des gleichnamigen Eckerlkäses, nachdem Der traurige Gärtner seinen jüngsten Track benannt hat. Oder besser gesagt sein positiv verrückter tschechischer Opa Milos aka Pavel Kamil, mit dem er das technoide „Veselá Kráva“ im Wohnzimmer der Gärtner’schen Großeltern aufgenommen hat. Pavel Kamil hat dafür nämlich den gesamten Text beigesteuert, also auch den Rap-Part des Gärtners. Leiwander Opa, witziger Track und ein nettes Video, das die beiden beim Herumtollen im Wienerwald-Garten zeigt.

Juna Shawty – Trophäen für die Familie

Als Auskopplung seiner am 3. Mai erschienenen „Lost“-EP hat Juna Shawty von der Crew Gutaussehende Stoner kürzlich „Trophäen für die Familie“ visualisiert. Wie die anderen drei Tracks der EP wurde der Representer von den Polterguyz aka DJ Crum und Val Ebm produziert. Fürs Video haben sich der Wiener/St. Pöltner Rapper und seine Gang unter anderem zur transdanubischen Skyline begeben.

Text: Simon Nowak & Chiara Sergi

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Reviews Shows & Concerts

„Österreich ist frei“ // 22 Years The Message Magazine

Und jährlich grüßt die Ananas! Gemeinsam mit Beat The Fish haben wir auch heuer wieder unseren Geburtstag zelebriert: 22 Years The Message Magazine. Grund genug, um ein ausgiebiges und abwechslungsreiches Line-up aus Live-Shows und DJ-Sets auf die Beine zu stellen und gemeinsam den Geburtstag der Ananas zu feiern. Ein Freudentag, auch in politischer Hinsicht. Darum gibt es schon beim Einlass einen Shot  als Geschenk aus Ibiza.

Foto: Alex Gotter

Pünktlich zur Primetime startet Bibiza in das dicht gefüllte Programm des heutigen Abends. Leider lassen einige Besucher noch auf sich warten, sodass das Fluc anfangs nur mäßig gefüllt ist. Zum Glück lässt sich Bibiza davon aber nicht irritieren und performt solide vor der kleinen Crowd ältere Tracks, genauso wie neuere von seiner kürzlich erschienenen EP „Copypaste“. „Bruder, gib mir bisschen Wasser“, rappt Bibiza, während der ein oder andere Besucher langsam von draußen den Weg ins Innere des Flucs findet.

Foto: Alex Gotter

Frisch aus dem Urlaub zurück führt uns Fellowsoph aka Fellow durch den heutigen Abend. Nach einer kleinen Pause geht es dann auch schon direkt mit Misses U weiter. „Focussed and ambitious“ beschrieb sich die Musikerin auf dem Cover ihres Albums „I Am Me“ selbst, diese positiven Attribute bekommt man auch heute im Fluc während ihrer Performance zu spüren. Nach einer kleinen Achterbahnfahrt an musikalischen Gefühlen und Experimentierfreudigkeit wird die Luft schon etwas schlechter, die Crowd größer, die Stimmung alkoholgeschwängert. Zeit für die Heiße-Luft-Crew. JerMc, der zuletzt unter seinem Alter Ego Dyin Ernst die „Paul Verlaine“-EP veröffentlicht hat, ist nun an der Reihe. Mit HipHop Joshy an den Decks bringen sie das durchaus textsichere Publikum zum Tanzen, wenngleich JerMc in „Parmesan (G****)“ dazu auffordert, „Gusch, oida“ zu sein.

Foto: Matthias Schuch

Als Monobrother schließlich die Bühne betritt, erreicht die Stimmung ihren ersten Höhepunkt des Abends. Der Stuwerboy schafft es, immer mehr Menschen vor der Bühne in seinen Bann zu ziehen. Nachdem auf Monos kürzlich erschienenes Album „Solodarität“ mehr als sechs Jahre gewartet worden musste, ist dementsprechend die Freude groß, die neue Musik nun auch noch live erleben zu können. Für die fast schon inoffizielle Hauptstadt- und Anti-Hymne „Wiener“ holt sich Monobrother schnell mal seine Honigdachs-Kollegen Kreiml & Samurai auf die Bühne, um jenen Songs gemeinsam zu performen. Natürlich äußert sich Mono auch bezüglich der Neuwahlen, die Bundeskanzler Sebastian Kurz nur ein paar Stunden vor seinem Auftritt ausgerufen hat. „Österreich ist frei! , verkündet Monobrother sichtlich erleichtert.

Foto: Matthias Schuch

Aber nicht nur heimische Acts beglücken das HipHop-affine Publikum des heutigen Abends, mit Antifuchs und Goldroger ist ebenso die deutsche Rapszene vertreten. Erstere diskutiert aufgrund ihrer Maske kurz vor dem Auftritt vor dem Club mit den Türstehern (s/o Vermummungsverbot), hüpft dann jedoch schnell auf die Bühne und liefert ab – „Willkommen im Fuxxbau“, Girlpower at its finest! „Das ist Frauenrap, der endlich nach Rap klingt“, rappt Antifuchs und bekommt Zuspruch der Crowd.

Foto: Niko Havranek

Für einen krönenden Abschluss der Live-Shows, bevor es mit den DJ-Sets weitergeht, ist Goldroger verantwortlich. Nachdem in letzter Zeit gemunkelt wurde, dass von ihm möglicherweise bald neues Material erscheinen wird, bestätigt er dies, indem er dem Publikum einen neuen Song präsentiert. „Ich lieg seit drei Tagen wach“, sagt er und irgendwie geht der Song trotz Partystimmung unter die Haut und sorgt für einen kleinen Gänsehautmoment.

Foto: Niko Havranek

Nach diesen abwechslungsreichen und vielfältigen Live-Shows heißt es nun Bühne frei für die hochkarätigen DJ-Sets. Dalia Ahmed und Trishes aus dem Hause FM4, Fid Mella und die 808factory sorgen dafür, dass die Nacht für die meisten der Gäste sehr lange sein wird. Ob Songs aus den Billboard Top 100, deutscher Trap oder neue Releases – hier kommt jeder Raphörer auf seine Kosten und bekommt die richtige Musik in die Gehörgänge. Es ist eine lange Nacht geworden. Auf 22 Jahre The Message und noch viele weitere Jahre!

Foto: Niko Havranek

Abschließend möchten wir uns bei allen Künstlerinnen und Künstlern bedanken, ebenso bei allen Gästen, die wir empfangen durften und die mit uns 22 Jahre The Message gefeiert haben. Ein dickes Shout-out und Danke geht dabei an Beat The Fish, ohne die diese Party gar nicht möglich gewesen wäre.

Fotos von Alexander Gotter, David Lindengrün, Matthias Schuch & Niko Havranek.

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Austria Events News

Wir feiern 22 Jahre The Message mit Monobrother, Antifuchs, Goldroger uvm.

The Message ist ein nicht auf Gewinn ausgelegtes Magazin für HipHop in Österreich. Das einzige. Niemand bekommt Geld, niemand macht Geld. Reiner Idealismus. Seit 22 Jahren. Damit das so bleibt, gibt es das jährliche The-Message-Benefiz.  In den vergangenen Jahren unter anderem mit internationalen Acts wie Trettmann, Haiyti, Ahzumjot, Eunique, Kreiml & Samurai, Jugo Ürdens und Hunney Pimp. Mit deinem Eintritt hilfst du mit, dass Österreichs einziges HipHop-Magazin weiter bestehen kann.

Seit mittlerweile 22 Jahren legt „The Message“ als einziges österreichisches Hip-Hop-Magazin sein Ohr an den Puls der heimischen Szene. Bis 2010 noch auf gedrucktem Papier, seitdem in den Unweiten des Internets beheimatet, berichtet das Magazin vor allem über österreichische Rapper, Produzenten und Künstler. Bereits um die 2000er-Wende förderten die heute legendären Message-Partys die Wiener Hip-Hop-Szene an der Basis – seit dem 20-jährigen Jubiläum 2017 feiert das Magazin in Kooperation mit Beat The Fish seinen jährlichen Geburtstag und weiteres Fortbestehen.

Heuer steigt die Sause zum ersten Mal in der Fluc Wanne und das ist nicht die einzige Premiere. Für ihre erste Headliner-Show kommt Antifuchs nach Wien, um ihr neues Album zu präsentieren. Und auch Goldroger, von dem auch bald neues Material erscheinen soll, reist extra aus Deutschland an. Aber auch der heimischen Szene soll – wie in alter The-Message-Tradition – eine Bühne geboten werden: Monobrother kehrt endlich wieder aus den Untiefen des Stuwerviertels zurück, um sein neues Album zu präsentieren, genauso wie die Heiße-Luft-Aushängeschilder Gigolo D und JerMc. Frischen Untergrund-Sound liefert Bibiza aus dem sechsten Bezirk, die notwendige experimentelle Note lässt die Oberösterreicherin Misses U anklingen. Durch den Abend führt Freestyle-Legende und Heiße-Luft-Mitglied Fellowsoph aka Fellow.

Und etwas bleibt doch gleich: Auch dieses Jahr gibt’s im Anschluss an die Live-Acts wieder eine Afterparty für die realen Heads und die nachtaktiven Eulen mit unter anderem Trishes, Fid Mella, Dalia Ahmed und der 808 Factory. Wir freuen uns auf euch!

Hier geht’s zur von uns kuratierten Spotify-Playlist zum Event.

Hier geht’s zur Facebook-Veranstaltung. Der Vorverkauf startet am 27. Februar um 11 Uhr, Tickets für die komplette Show gibt’s um 24,50 Euro, die Aftershowparty kommt bei der Abendkassa auf 8 Euro.

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Reviews Shows & Concerts

Langsam wird’s heiß im Keller // Kein Samstag ohne Rap

Um dem Namen der Veranstaltung auch gerecht zu werden, ging Kein Samstag ohne Rap am Samstag im Grillx in die nächste Runde. Und der Name ist Programm: Hier geht es um Rap, um nichts außer um Rap. An diesem Abend eröffnet Palavra die Show und startet damit äußerst solide in das vollgepackte Programm. Mit einem Mix aus deutschsprachigen und französischen Texten bringt Palavra etwas Multilingualität in die Wiener Rapszene. Die Location ist gut gefüllt, die Stimmung ist ausgelassen. Freunde und Kollegen der Acts sind ebenso heute da, um ein bisschen Support zu zeigen.

Fotos: balenciarad

Ebenso bringt JerMc, der als Nächster auf dem Programm steht, seine Heiße Luft Gang mit, von den Jungs gibt es musikalischen Support. Und weil man hierzulande manchmal das Gefühl verspürt, dass talentierte Acts keine oder zu wenig Aufmerksamkeit bekommen, ist es schön zu sehen, wie Kollegen, Freunde, Fans sich versammeln und unterstützen. JerMc spielt nur einen Track aus seinem Debütalbum „Eher schirch, aber eh ganz lieb“, er fokussiert sich lieber auf die beiden Werke, die heuer noch erscheinen sollen. Ein neues Album gemeinsam mit Gigolo D sowie eine EP unter seinem Alter Ego Dyin Ernst. Auch beim ersten Mal Hören gehen die Tracks gleich ins Ohr – jedenfalls zwei interessante Releases, die da dieses Jahr noch anstehen.

Bevor die Freestyle-Battles starten, feiert Bibiza mit seinem Auftritt den Release seines ersten Soloalbums „COPYPASTE“. Starker Flow, die Kellerkinder-Gang mit dabei – die Stimmung erlebt ihren Höhepunkt des heutigen Abends. Wall of Death inklusive. Die ausführliche Review zum Album gibt’s hier.

Fazit: Bei „Kein Samstag ohne Rap“ geht es um Rap. Während sich sonst in Wien oftmals die Fortgehmöglichkeiten für Rapfans leider eher beschränken, bietet die Veranstaltung eine schöne Alternative für eine HipHop-affine und partywütige Crowd.

Bibiza und JerMc spielen bei unserer „22 Years The Message“ Geburtstagsfeier am 18. Mai im Fluc. Tickets gibt’s hier.

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Der Ballon steigt // 1 Jahr Heiße Luft

Heiße Luft
Makz, Maggie, JerMc & Joshy (v.l.n.r.). Fotos: Niko Havranek

Ende 2017 von einem Haufen befreundeter Wiener Acts aus dem Boden gestampft, entwickelte sich Heiße Luft rasch zu einem der ertragreichsten österreichischen HipHop-Labels. Anlässlich des einjährigen Jubiläums werfen wir nun einen Blick hinter die Kulissen des Labels mit dem Heißluftballon-Logo. Dafür versammeln wir uns in der frisch eingeweihten Penzinger Ein-Zimmer-Wohnung von HipHop Joshy, die auch als Lager für Tonträger und Merch dient. Während der Gastgeber seinen Tisch auf die maximale Größe ausklappt und ein exquisites Himbeermohnrondo auftischt, trudeln langsam seine Kollegen JerMc, Makz Stanley sowie die für die visuelle Komponente zuständige Magdalena Prieler ein. Die lockere Atmosphäre spiegelt auch die unbekümmerte Herangehensweise der Truppe wider – ein gewisser Qualitätsanspruch ist da, man nimmt sich aber nicht zu ernst und kann über sich selbst lachen. Joshy freut sich etwa über eine „geile Ausrede, nur Teilzeit zu arbeiten.“

Balloon & the Gang

Die Labelgründung geht vor allem auf Joshys Plan zurück, eine gemeinsame musikalische Heimat für Huhnmensch und seine Crew Emzetka zu schaffen. Mit der Idee holte er rasch auch andere ins Boot – etwa JerMc, den er erst flüchtig kannte: „Ich habe ihm geschrieben, dass ich da einen geilen Labelnamen hätte.“ Viel Überzeugungsarbeit brauchte es laut JerMc nicht: „Wir hatten zwar keine Ahnung, wie der jeweilige andere ist, aber der Name hat mir gefallen und meine erste Reaktion auf den Vorschlag war: ‚Heiße Luft represent!'“ Heute bilden die Gründer gemeinsam mit Jonas Herz-Kawall und Makz Stanley den Vorstand des DIY-Labels. Während Jonas die Pressetexte schreibt und die Facebook-Seite bespielt, kümmert sich Makz vor allem ums Finanzielle. Am meisten Zeit investiert Joshy, der das Organisatorische übernimmt und „ur viel Werbung bei den Leuten“ macht. Als erfahrene Ratgeber unterstützen zudem Nilo von Kopf an Kopf ab und Stanley Stiffla hin und wieder die jungen Labelbosse.

Heiße Luft

Zwar verfügt die Gang, von der stets die Rede ist, über einen großen musikalischen Dunstkreis. Fixe Roster oder feste Deals sind bei Heiße Luft aber kein Thema. „Jeder kommt mit einem fertigen Ding und sagt, dass er es gepresst haben will. Beim Stamm wissen wir eh, dass die Sachen gut sind“, meint JerMc. Initiativ zeigt man sich besonders auf Beatebene – so schlug Joshy dem Salzburger Produzenten Anavondeondan vor, dessen Beattape „Cold Hands Warm Beats“ über Heiße Luft rauszubringen. Auch die im Sommer gestartete Beat-Compilation-Serie „Impetus“ wird von Joshy kuratiert: „Da suche ich viel auf SoundCloud herum, checke Sachen aus und hole mir von denen je einen Beat.“ Makz, als Produzent selbst unter dem Alias food for thought aktiv, räumt ein: „Es gibt halt keine 30 Produzenten beim Label.“

Nischenfindung

Auf die Frage, wo sich die Heiße-Luft-Spitter in Österreichs HipHop-Landschaft einordnen, antwortet Joshy grinsend: „Quantitativ und Qualitativ schon ganz weit vorne.“ Das musikalische Umfeld bringt jedenfalls einiges an Erfahrung ein, die einzelnen Acts konnten sich vor der Labelgründung einen Namen machen. Aus der älteren Generation Huhnmensch & der böse Wolf mit angenehm-staubigen Releases voller Antiheldentum und Tierreferenzen, 19hundertSchnee mit philosophisch angehauchten Alltagsgeschichten und Kopf an Kopf ab mit humoristischen Lines; bei den jüngeren vor allem JerMc mit „Eher schirch, aber eh ganz lieb“ und starken A-Capella-Battles auf DLTLLY, aber auch Emzetka und Fellowsoph lieferten vorab grundsolide Tracks. Nun dürften sich die Rapper und Produzenten gegenseitig motivieren, wie die hohe Releasedichte bei Heiße Luft zeigt – seit dem Debüt „Zwei99“ von 3€ im Jänner sind zehn Werke über das Label erschienen. Die Rapalben zumeist auf Vinyl, die Beatprojekte auf Kassette.

Stilistisch ist bisher ein starker Boombap-Schwerpunkt bemerkbar. Die Texte sind meist vergnüglicher und weniger bissig als bei den battlefreudigen Kollegen von Honigdachs, man scheint sich gut zu ergänzen. Trappige Ausreißer gibt es bislang nur auf „Impetus Vol. 2“, sie seien – wie andere zeitgenössische Einflüsse – auch in Zukunft alles andere als ausgeschlossen. In ein Subgenre-Eck wollen sich die Labelleiter ohnehin nicht drängen lassen: „Wir feiern alle auch diesen neuen Sound, solang’s geil gerappt ist. Ich hasse halt Standard-Trap-Flows“, erklärt Joshy. Makz pflichtet ihm bei: „Es geht immer um die Qualität und wenn der Beat richtig produziert ist – ballert!“

Was das Artwork betrifft, möchte man sich von der Masse abheben: „Ich find’s leiwand, dass wir nicht diese Standard-HipHop-Cover haben. Wenn du sie siehst, denkst du nicht gleich an hängengebliebenen HipHop aus Wien“, meint Joshy. Dafür ist größtenteils Magdalena Prieler zuständig. Die gelernte Grafikerin bekommt meist nur ungefähre Ideen und kann dadurch viel ausprobieren. Lange werkelte sie etwa an den mystischen Schwarz-Weiß-Covern der „Bizango“-Doppel-EP, am intensivsten seien aber die Arbeiten am gemalten Cover zum „Intro“ von Emzetka gewesen.

Heiße Luft

Blick in die Zukunft

Dass der Heißluftballon sein Pulver noch lange nicht verschossen hat, deutet JerMc angesprochen auf die Pläne für 2019 an: „Auch wenn jetzt gar nichts mehr passiert, haben wir das nächste Jahr schon ziemlich gut ausgefüllt mit möglicher Musik.“ Bei der heutigen Einjahresfeier feiert das Joshy-Mixtape „Wenn ich ein Auto wär, wär ich ein kaputtes Auto“ Premiere, auch JerMc plant demnächst zwei Releases. Außerdem ergeben sich laufend neue Konstellationen – und das „ganz organisch“, wie Makz betont. Etwa für ein „moderner klingendes“ Projekt von Joshy, Jonas und Melonoid, eine EP von Tudas und Devaloop oder eine Kollabo von Jonas und Nilo.

Was die Reichweite betrifft, hat Heiße Luft durchaus Steigerungspotenzial. Joshy zeigt sich zuversichtlich: „Es wird halt alles immer professioneller, das ist geil. Wir bekommen wahrscheinlich einen digitalen Vertrieb mit schönem Promoteam dahinter, wo wir uns um nichts kümmern müssen, halt ein bisschen Geld abgeben müssen. Und wenn wir nichts machen, machen wir immer noch nicht weniger als jetzt. Digital geht ohne fettem Promoteam halt nichts. Diese ganze Spotify-Politik – für die Listen musst du ja irgendwelche Leute kennen.“

Heiße Luft

Wie es in ein paar Jahren ums Label stehen wird, traut man sich noch nicht abzuschätzen: „Ich hoff‘ halt, dass wir in zwei, drei Jahren noch Bock haben“, so Joshy. Jedoch sind sich alle sicher, dass der Kern dann noch besteht. „Und wer weiß, vielleicht kommen in paar Jahren ja die ur oagen Newcomer, die dann auch bei uns releasen und genau ins Schema passen“, deutet Makz an, dass Heiße Luft wohl nicht zur geschlossenen Gesellschaft wird.

Davor gilt es das einjährige Jubiläum fachgerecht zu zelebrieren. Die dazugehörige Feier steigt heute Abend im Loft. Neben der Releaseshow von Joshy – inklusive der jüngst mit Video versehenen Single „Tatort Hietzing“ – werden auch die anderen Gangmember aka Heiße-Luft-Allstars auftreten und für ein ausgedehntes Programm sorgen. Das für den Beginn angekündigte Freestyle-Battle verspricht heitere Bars.

Heiße Luft

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Dankbarkeit ist wichtig // Message Jam Recap

Warum Dankbarkeit wichtig ist? Weil sie keine Selbstverständlichkeit darstellt.

Nach nun mehr als einem Monat wollen wir aus der The-Message-Redaktion uns mit einem kurzen Video und einer Foto-Galerie bei den Mitwirkenden des „The Message Jam“ bedanken. Bedanken dafür, dass sie auch dieses Jahr wieder auf einen großen Teil ihrer Gage verzichteten, um auf der 21-Jahr-Feier aufzutreten, aufzulegen oder schlichtweg dazu beizutragen, dass der Abend rund abläuft. Oder einfach präsent zu sein, denn der eigentliche Fokus der Veranstaltung liegt schließlich darauf, Leute zusammenzubringen. Das ist das Bestreben seit mehr als 20 Jahren und meiner Überzeugung nach der Garant für Verbesserung, Kreativität und Zusammenarbeit. Austausch zwischen Protagonisten, mit Fans und Musikinteressierten.

Nebenbei versuchen wir mit dieser Veranstaltung ein wenig Geld einzuspielen, um anfallende Kosten zu decken. Denn unabhängig vom Erscheinungsbild, der angestrebten Qualität und dem eigenen Anspruch ist The Message seit Anbeginn an nicht gewinnorientiert, geschweige denn irgendwo nahe an gewinnbringend. Das war auch nie die Ausrichtung!

Alles, was ihr hier seht und lest entsteht aus dem Bestreben heraus, eine Plattform zu bieten, um gute Musik zu verbreiten und interessante Punkte in Interviews mit außergewöhnlichen Künstlern zu besprechen, mit einem Fragenkatalog abseits der Featureliste des aktuellen Albums.  Wir wollen über den Tellerrand hinausschauen, Neues entdecken und weitergeben. Und ja, es scheint ziemlich absurd, dass in einer Zeit, in welcher neoliberale Regierungen uns unter dem Deckmantel der sozialen Erneuerung Gewinnmaximierungen auf Kosten anderer Mitmenschen verkaufen will, etwas ohne finanzielle Hintergedanken ausüben. Aber es gibt eben auch andere Antriebsfedern als Geld.

Aus genau diesem Grund möchte ich mich nochmals ganz herzlichst und ausdrücklich bei allen Unterstützern von The Message bedanken. Auch wenn es am Ende des Tages nicht reichen sollte, anfallende Kosten mit einer Party abzudecken, so geht es wie bereits erwähnt um einen ganz anderen, fernab von mit Geld messbaren Wert – es geht um das Zusammenführen von Menschen durch und mit Musik. Und wenn wir mit The Message einen kleinen Beitrag dazu leisen können, Neues entstehen zu lassen, freut uns das überaus! Das ist der Motor hinter jedem Bericht zu heimischen Projekten; zu sehen, wie Dinge wachsen und sich entwickeln, sich mit anderen mitzufreuen, etwas gemeinsam aufzubauen.

Ein ganz besonderer Dank gilt daher der Redaktion, die sich in ihrer Freizeit hinsetzt und unbezahlter Weise Zeit, Energie und Wissen investiert, damit über Musikprojekte berichtet werden kann, für die sich sonst kaum jemand in Österreich interessiert. Dafür gilt es, den Hut zu ziehen! Ja, wir sind nicht perfekt, manchmal dauert es etwas länger oder wir übersehen im Trubel zwischen Arbeit, Familie, Studium und rar gesäter Freizeit das ein oder andere Release. Aber glaubt uns, niemanden ärgert das mehr als die Reaktion selbst.

Zudem möchte ich mich bei unserem Partner Beat The Fish bedanken, die gemeinsam mit uns zum zweiten Mal eine solche Jam organisiert haben und ohne die das nie möglich gewesen wäre! Danke Richi & Ines!

Hier also ein visuelles Danke and alle Beteiligten, ein Danke an Aussteller, Acts und Publikum.

Die Serien sind nicht komplett, der oder die eine oder andere fehlt im Recap leider, weigerten sich oder war einfach nicht aufzufinden – aber wir hoffen, ihr verzeiht uns. Euch schicken wir eine imaginäre Ananasscheibe!

 

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Fellowsoph wagt einen „Ausblick“ // Download

Gut Ding will Weile haben. So geschah es, dass zwischen ersten vagen Ankündigungen und dem tatsächlichen Release von Fellowsophs erster EP über zwei Jahre vergingen – „wenn du das hörst, ist wohl ein Wunder geschehen“. Mit dem aufstrebenden Label Heiße Luft und damit einhergehender Professionalisierung war es vergangene Woche aber endlich soweit und „Ausblick“ steht auf den allbekannten Portalen zum Stream und Download bereit.

Die insgesamt neun Tracks wurden von Unvariable, Nelson Yang, SterilOne, Flowerst und mm oo produziert und von den Ex-Trivialz-KollegInnen Sophie und JerMc sowie SterilOne und dem bösen Wolf am Mic unterstützt. Wenngleich selbstreflexive und nachdenkliche Texte die Überhand haben, wird das Release mit Battletracks und Representern abgerundet und zeugen von der Vielseitigkeit des jungen Wieners. Zur Brudermordhymne „Kain und Abel“ erschien außerdem das erste Video zur EP.

Am 22. März erscheint die EP außerdem auf Vinyl, die Releaseparty findet am selben Tag im Dual statt.

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Österreichische Rapper & Produzenten über 2017 // Teil 1

Eine kleine Werkschau unserer Arbeit 2017

Wir haben genug von den Jahresrückblicken der Musikredakteure und lassen für euch die österreichischen Musiker selbst zu Wort kommen. Diese erzählen uns in zwei Teilen, wer sie heuer besonders beeindruckt und welches Video verzaubert hat sowie auf welche Newcomer wir 2018 besonderes Augenmerk legen sollten. Und das hat nicht zu viel mit dem zu tun, was beispielsweise Spotify uns an Top-Künstlern 2017, etwa Kollegah, Kontra K und Gzuz, präsentiert. Zudem erfahrt ihr, was von den Künstlern und ihren Labels im kommenden Jahr zu erwarten ist.

Fid Mella

Fid Mella (re.) und Jamin, Foto: Thomas Steineder

Ein vergleichsweise ruhiges Jahr hat Fid Mella hinter sich. „Civic„, das zweite gemeinsame Werk mit Jamin, hat der gebürtige Südtiroler komplett produziert. Abseits davon hat er eher punktuell Kollegen und Homies mit feinen Beats versorgt. Zu Weihnachten folgte mit „You Know its always Love“ die alljährliche Hector-Macello-Label-Compilation. Die Pläne von Fid Mella für 2018 klingen dafür vielversprechend: „Clefco und ich haben eine EP mit Young Krillin und Crack Ignaz gemacht, vielleicht kommt sogar das Kamp-Album“. Das langersehnte Comeback von Kamp mit Beats von Fid Mella wurde schließlich bereits vor einiger Zeit angekündigt. Außerdem ist bei Hector Macello ein weiteres Release von Anthony Mills & Clefco geplant.

Wandl – It’s All Good Tho Wandl ist genial. Das Album heuer war großartig, seine Liveshows auch, muss in jede Liste.

Bilderbuch – Magic Life Hat mich extrem begeistert. „Magic Life“ ist superfunky, unglaublich gut produziert und sehr geil gemischt, ein Meisterwerk.

T9 – Plastik aus Gold Ich bin ein großer Doz-9-Fan, ich liebe seinen unverkennbaren Style. Auch dieses mal Phänomenal produziert von Torky Tork. Eine Perle!

Brenk Sinatra & Morlock Dilemma – Hexenkessel Auch ein Highlight des Jahres. Morlockk und Brenk ergänzen sich perfekt und haben ein Album gemacht, das wie ein Film wirkt.

Kendrick Lamar – DAMN. Und Kendrick hat wieder mal ein fantastisches Album gemacht.

5 Medaillen für Wavyness 2017:
Harry Fraud für das Mixtape „The Coast“ und jede Menge wavy Beats dieses Jahr.
Dexter für „Haare nice, Socken fly“, weil Dexy ist wavy wie Max B.
G Perico – eine Entdeckung des Jahres, höre ich zur Zeit, ich mag vor allem die wavy Nummern wie „Everybody“ oder „Westside-Digital“.
Devin the Dude für „Acoustic Levitation“, ein sehr gutes Devin-Album mit einigen Hits.
Soft Hair – zwei Verrückte, die unglaublich geile Musik machen. Die Platte ist zwar vom vergangenen Jahr, habe ich aber heuer viel gehört.

Melik

Foto: Niko Havranek

Melik ist zurück am Mic“ haben wir im März getitelt, als der Wiener Produzent sich wieder dazu entschlossen hat, neben dem Produzieren auch wieder zu rappen. „Nach dem Vertragsausstieg bei Showdown war ich ziemlich down – der Ausstieg war das Richtige, weil wir uns einfach mehr Support gewünscht hätten. Das war ein wesentlicher Faktor, dass ich mir dachte: Fuck it, ich mach es alleine! Scheiß auf Labels!“, nennt er im Interview mit The Message die Gründe für die neue Selbstständigkeit. Fürs kommende Jahr plant der Wiener Musiker zwei EPs, wobei eine von Clefco produziert sein wird und die andere von ihm selbst. Und Ende Sommer soll dann auch noch ein Album kommen.

Childish Gambino Awaken my Love LP Ich weiß gar nicht, wo ich da anfangen soll. Ähh, Weltklasse, kam absolut unerwartet und ist für mich eine der wenigen Veröffentlichungen, die absolut zeitlos sind. Ich persönlich liebe Psychadelic-Rock und Jazz-Fusion und schwebe da mit Donald Glover auf einer ähnlichen Welle. I fuck with this shit, Babymakingmusic oida!

Wiki Pretty Bull Eigentlich gefallen mir seine anderen Songs nicht besonders gut, aber „Pretty Bull“ hat mich hart geflasht. Ich pump den Song noch Monate nach dem Release beinahe täglich. Die Kombination aus allem ist bei der Produktion einfach verdammt gut gelungen und irgendwo erinnert es mich an den Dusty-Crates-Sound, welchen wir über die Jahre hinweg hegten und pflegten. Dieser Song funktioniert für mich durch meine Headphones, aber ebenso auf einer Party zum Tanzen.

Spark Master Tape Feier einfach alles seit dem ersten Release ALLES! Viel Talent und Ästhetik sind in seinen Produktionen zu hören und zu sehen. Er ist ein Top-MC und die Beats sind Feuer. Ist auch eher selten, dass ich jeden Song pumpen kann. Er hat für den Winter 2017 jedenfalls seine bereits fünfte Ep angekündigt, auf welche ich mit großer Vorfreude warte. Übrigens ist „Spark Master Tape“ eine Stimme, die „Tupac“ auf seinem „R U Still down“-Album hatte.

PARTYNEXTDOOR – PND3 Er ist von einem anderen Planeten. So viel qualitativ guter Output ist selten und seine Songs gefallen mir sogar, wenn sie mir nicht gefallen. Auch wenn das paradox klingen mag, können mich bestimmt einige Leute verstehen, besonders Musiker. Seine Liebe zum Detail hat mich gefesselt und stark inspiriert. Er ist eigentlich der Grund, wieso ich mich auf Autotune-Stuff eingelassen habe. Besonders mit „Break from Toronto“ (was ich bis heute noch pumpe) hat er meine Einstellung zu vielen Dingen, was Produzieren betrifft, geändert. Bestimmt ein Rolemodel für mich, da er alles selbst produziert und schreibt und ich dadurch oft auf mich und meinen Sound reflektiere.

Ahzumjot Ich will mich hier auf keinen Song festlegen. Ich finde, sein Sound wirkt echt und seine Releases sind einfach stabil. Seine Art zu schreiben gefällt mir gut und dass auch er selbst das meiste produziert, bringt natürlich musikalisch einen großen Bonuspunkt mit sich. Für mich einer der wichtigsten deutschen Acts des vergangenen Jahres. Außerdem hat er Knowledge und ja, Knowledge hat Style.

5 Video-Highlights: Ivan Ave mit „Also“ ist chilled as fuck! Mehr will ich gar nicht dazu sagen. Bei „Chirpin“ von Pell sind die Farben top, die Ästhetik skuril, aber trotzdem positiv. Der Song ist auch nice! Ichon, so ein sympathischer Styler. „Le Code“ wirkt leicht wie ein schlechter 70ies-Porno. Love it. Ich liebe auch die Videos von Tyler, The Creator. Er ist irre und ich find’s unglaublich geil, dass ihm jemand so viel Geld gibt, seine Ideen visuell umzusetzen wie bei „Who Dat Boy“. „Humble“ von Kendrick Lamar sitzt so on point (ich feier den Beat eigentlich gar nicht wirklich), aber Shiiiiiiiiiiiaaaaattt („Bunk Moreland“-Voice) das Video …

PMC

Foto: Daniel Shaked

PMC war 2017 umtriebig wie eh und je. Er versorgt einen Haufen an Acts aus dem Eastblok-Dunstkreis regelmäßig mit Beats. Auf den Tapes von Esref („A Hackla | Du Wappla“) und Manijak („Aus Prinzip“) gehen fast sämtliche Produktionen auf seine Kappe. Darüber hinaus hat der Simmeringer mit rumänischen Wurzeln fleißig bei der im Herbst erschienenen Sheyla-J-Platte „Facetten“ mitgewerkelt. 2018 wird es jedenfalls drei Releases im Hause Eastblok geben, eines davon wird nicht deutschsprachig sein. Und die eine oder andere Überraschung wird man sich auch erwarten können, gibt sich PMC geheimnisvoll. Heuer sei ein sehr artbeitsintensives Jahr für ihn gewesen, „weshalb es mir leider passieren könnte, dass ich einige Releases verschlafen habe. Trotzdem möchte ich mir die Gelegenheit nicht nehmen lassen, einige Namen aufzuzählen, die mir definitiv zugesagt haben! In no particular order.

Raf Camora – Anthrazit Für mich als Soundfetischisten ist es absolut beachtlich, wie komplex und strukturiert seine Musik ist. Sein kommerzieller Erfolg war längst überfällig und er konnte hier auch beweisen, dass er auf Solo-Pfaden überzeugen kann.

Morlockk Dilemma & Brenk Sinatra – Hexenkessel Der für mich lyrisch unterhaltsamste MC im deutschsprachigen Raum und Wiener Legende Brenk Sinatra auf einem Release = grandios!

Summer Cem & KC Rebell – Maximum Von Anfang bis Ende eine sehr unterhaltsame und kurzweilige Sache. Top produziert und die beiden sind definitiv Meister ihres Handwerks.

Kroko Jack – Extra Ordinär Für mich war er immer schon einer der außergewöhnlichsten Interpreten des Landes und obwohl mir der Stil seiner Musik theoretisch nicht zusagt, war es für mich immer spannend und unterhaltsam, wenn seine unglaublich eigensinnigen Flows auf mich einprasselten.

Kianush – Instinkt Würde DMX nicht mehr leben, würde ich behaupten, dass Kianush die Reinkarnation auf dem Stand von 2017 ist. Da ich schon als Kind ein großer Fan von Dark Man X war, ist es nicht verwunderlich, dass mir die rasiermesserscharfen Flows und mit rauer Stimmfarbe gefallen werden. Musikalisch gehört „Life is Pain“ definitiv auch in die Oberliga.

5 Newcomer, auf die man ein Auge werfen sollte

  1. L.I.G (Leben im Griff): Die einzelnen MCs dieses Kollektivs kann man kaum als Newcomer bezeichnen, sind Spike, SK, Chronik, Nef-U & Hörm Wayne schon seit geraumer Zeit in Wien aktiv. Auch wenn ich dafür sicherlich einiges an Hate kassieren könnte, würde ich sie jedoch als ein passendes deutsches Pendant zu Slaughterhouse bezeichnen – mit etwas schrägerem Einschlag.
  2. Metyy (GSP): Der U20-Rapper produziert seine Songs fast ausschließlich selbst und hat schon seit einiger Zeit einen steten Output vorweisen können, welchen er mit „Kinder der Gosse“ eindrucksvoll bewies. Einer der größten Hoffnungsträger von Wien X!
  3. Saeed (Pasha Musik): Die Jungs von Pasha Musik sind allgemein stark am Kommen und fallen vor allem durch ihren aggressiven Stimmeinsatz auf, welche zumeist auf Saeeds selbst geschneiderten Beats zur Geltung kommen. Roh, authentisch & hungrig = gefällt mir!
  4. ShemA ist für mich eindeutig eine Entdeckung des Jahres, flowtechnisch unglaublich versiert und auch gesanglich nicht zu verachten. Mit etwas stärkerem Alleinstellungsmerkmal kann man ihn auf jeden Fall einiges zutrauen!
  5. Mit MCL findet sich auch ein Simmeringer auf dieser Liste. Sein konstanter Ouput und Hunger, gepaart mit einer starken Delivery und einwandfreier Technik ist beeindruckend.

Allgemein bin ich sehr gespannt darauf, was die Jungs vom Schöpfwerk liefern werden, auch ob der Hype um Raf Camora die Talente aus West-Wien beflügeln kann. Insgesamt hoffe ich jedoch, dass 2018 Rap aus Österreich noch erfolgreicher wird, egal welche Sparte und Nische das sein mag.

JerMc

JerMC bei der Heiße-Luft-Releaseparty // Foto: Niko Havranek

Kürzlich noch in einem fulminanten Main-Match beim DLTLLY-Heimspiel im Wiener Loft gegen Papi Schlauch angetreten, ist JerMc auch abseits des Battle-Rap-Geschehens umtriebig. Neben seinem Debütalbum „Eher schirch, aber eh ganz lieb“ hat er gemeinsam mit Joshi von Emzetka das Label Heiße Luft gegründet, auf dem im kommenden Jahr einiges passieren wird. Neben diversen Beatsamplern ein WSDG-Mixtape, eine 3-Platte, eine von 19hundertschnee gemeinsam mit Böser Wolf & Emil F., sowie jeweils eine EP von Fellowsoph und Emzetka-Mitglied Jonas Herz-Kawall. Dazu gesellt sich noch eine Instrumental-LP von food for thought und ein neues Album von Kopf an Kopf ab. Da steht uns einiges ins Haus!

Roméo Elvis Der Belgier Roméo Elvis hat mit seinem Beatproduzenten Le Motel und dem Sequel zu „Morale“ (ergo „Morale 2“) dieses Jahr mein persönliches Lieblingsalbum veröffentlicht. Von vorn bis hinten top produziert, wahnsinnig gut geschrieben sowie locker und abwechslungsreich geflowt. Kein einziger Track von den 13 ist skipbar. Außerdem hat Roméo Elvis (was übrigens auch sein bürgerlicher Name ist, oida) dieses Jahr auch noch etliche Gast-Parts abgeliefert, die dem „Gastgeber“ so gut wie immer die Show stehlen. Kann man sich auch geben, ohne französisch zu sprechen. Lieblingstracks: alle, immer tagesabhängig. „Nappeux“, „Diable“ und „Lenita“ gehen aber echt immer!

Am Tag des Releases hab ich erstmal alles stehen und liegen lassen und das Album dreimal rauf- und runtergehört. So hypt war ich. Die erste Single („Cola“) und alles, was Wandl bis dahin gemacht hat, hat mich in meiner Erwartungshaltung natürlich stark beeinflusst. Ich war also nicht gerade unbiast. Dass das Album mir derart gefällt, war deshalb für mich ein Indiz seiner Klasse, weil es mehr als das hielt, was ich mir davon versprochen hatte. Lieblingstracks: „Fever“, „Blowin Smoke“, „0800-333-Talk

Tyler the Creator – Scum Fuck Flower Boy Ich habe Tyler eigentlich immer ganz cool gefunden und auch ein paar Tracks von ihm gefeiert, hab mir aber immer irgendwie schwergetan, den richtigen Zugang zu seiner Mucke und Konzepten seiner Alben zu finden. Zumindest um es mir einfach so aus Spaß anzuhören. Das ist bei seinem neuen Album anders gewesen, wohl auch, weil es sein „most easy to listen“-Album ist. Für manche ist das vielleicht was Schlechtes. Mich hat’s gefreut. Lieblingstracks: „911“, „Boredom“, „Foreword“, „Where This Flower Blooms

Kendrick Lamar – DAMN Geheimtipp, oida! Aber na, was soll ich sagen, war halt fett. Ähnlich wie bei Tyler hab ich nie (bis auf paar Nummern) ganz meinen Zugang zu seinem Style gefunden. Das hat sich mit „DAMN“ geändert und ich hab’s rauf- und runtergehört. Lieblingstracks: „Fear“, „Element“, „Loyalty

Battle-Rap Orges Album! Na Spaß: Battle-Rap muss hier einfach erwähnt werden. Nicht nur, weil ich hier den Quoten-Battlerapper spiele, sondern weil sich in dem Bereich im deutschsprachigen Raum einfach wahnsinnig viel getan hat und tut. Dieses Jahr wurden die ersten Battle-Rap-Titel vergeben (ja, das erste DLTLLY-Match hat 2016 stattgefunden, auf Youtube kam’s aber erst 2017), es gab einen Haufen geiler Events, neue Ligen wurden gegründet und am Ende musste Rooz sogar zwischen den zwei Größten vermitteln. Also wenn das kein Deutschrap-Ritterschlag ist, dann weiß ich auch nicht … 2018 wird es höchstwahrscheinlich so weitergehen, inklusive steigender Lächerlichkeit, die offenbar unvermeidbar ist, wenn etwas an Popularität gewinnt.

Sonstige Highlights: Smino, Dexter, J.Cole, Jonwayne, J.I.D., Daniel Caesar, Rex Orange County, King Krule, Corbin, Trettmann, Brockhampton, Damso, Yung Hurn, Stormzy. Aja, und HEISSE LUFT OIIIIIIDA!!!!!!

Nasihat

Foto: MUCAN Films

Als Produzent ist Nasihat (fka Nasihat Kartal) seit etlichen Jahren in der Salzburger Szene verwurzelt, hat etwa mit DemoLux, T-Ser und Raptoar zusammengearbeitet. Dass der türkischstämmige Künstler auch rappt, fällt hierzulande häufig der Sprachbarriere zum Opfer, da er seine Texte überwiegend auf Türkisch schreibt. Das hat sich mit dem im vergangenen November erschienenen Projekt Aufstond geändert, auf dem er sich gemeinsam mit Son Griot im Salzburger Dialekt für Humanität und Widerstand beziehungsweise gegen Krieg und gesellschaftliche Verrohung starkmacht. Auch im Moment zeigt sich Nasihat fleißig – bis Februar verweilt er in der Türkei, um mit dem Rapper Misal an einem Album zu arbeiten, Musik für TV-Serien zu produzieren und im Rahmen der kürzlich von ihm gestarteten Beatnerd-Website beatabi.com einen Contest umzusetzen. Anschließend ist auch in Österreich einiges geplant: mehrere Aufstond-Gigs sowie die Fertigstellung von „Salzburger Rap II“. Das Posse-Projekt produziert Nasihat für zwölf MCs aus der Mozartstadt. Als erster Vorgeschmack soll demnächst ein Video folgen.

Snoop Dogg – Make America Crip Again Seit Trumps Präsidentschaft schießt Snoop immer wieder gegen dessen Politik und Handlungen, sei es mittels Instagram-Videos, Tweets oder eben musikalisch. Der Titel „Make America Crip Again“ – von seiner letzten EP – ist ein Widerspruch zu Trumps Wahlkampfslogan „Make America Great Again“ und zeigt wieder Snoops Haltung zu Trump. „The president says he wants to Make America Great Again; Fuck that shit, we gon‘ Make America Crip Again“ ist doch ein guter Einstieg für den Titeltrack oder? Finde das Album jetzt musikalisch nicht so stark wie sein Album davor, aber die Tatsache, dass Snoop ein politisches Album releast, finde ich dope! Der Track „Good Foot“ klingt wie ein Track aus Snoops „Tha Last Meal“-Album mit typischen Westcoast Vibes – FETT.

Joey Bada$$ – All Amerikkkan Badass Von all den neueren Rappern ist Joey Bada$$ mein Lieblings-MC. Finde ihn lyrisch sehr stark und inhaltlich ebenfalls. Auf seinem zweiten Album sind poppige Beats, Trap-Beats aber auch BoomBap-Banger. Dazu politische und sozialkritische Lyrics, die man heutzutage nicht von vielen 22-jährigen Rappern zu hören bekommt. „Rockabye Baby“ ist ist ein richtiger Ohrwurm; als ich den Track zum ersten Mal gehört habe, war ich so begeistert, dass ich den Track im Auto auf Repeat geschalten habe.

Brother Ali – All The Beauty In This Whole Life Geniale Stimme und genialer Flow und inhaltlich sehr stark und inspirierend. Brother Ali ist ein extrem guter MC und meiner Meinung nach sehr underrated. Das Konzept von seinem Album ist musikalisch und vom Artwork sehr fein. Für mich ein echtes Meisterwerk, worin sehr viel Kopfarbeit und Liebe steckt, zumindest ist dies mein Gefühl, wenn ich das Album höre.

Raekwon – The Wild No Bullshit-Lyrics. Fette Beats mit feinen Samples und teilweise mit klassischen Drumbreaks – die man eigentlich zu Tode gehört hat – hat mich aber auf diesem Album nicht gestört. Bei zwei Tracks wurde sogar der gleiche Drumbreak-Klassiker schlechthin verwendet. Typische WU-Skits zwischendurch, die nicht fehlen dürfen. Sehr gutes Raekwon-Album zum Durchlaufenlassen ohne zu skippen.

Wu Tang Clan – The Saga Continues Habe lange auf dieses Album gewartet und hatte die Befürchtung, dass ich als alter WU-Fan wie damals bei „8 Diagrams“ enttäuscht werde, aber dem ist nicht so. „A Better Tomorrow“ danach war ganz okay, aber lief nicht lange in meinem Player. Aber „The Saga Continues“ wird dem Titel treu. Ein richtiger Wu-Tang-Klassiker auf den die echten WU-Fans gewartet haben. Mein absolutes Lieblingsalbum 2017. Mein Lieblingstrack 2017 „People Say“ ist ebenfalls auf diesem Album und mein Lieblingsvers 2017 ist auf diesem Track: „Online gangstas, I’m giving them screenshots“ – Inspectah Deck

Top-5-Produzenten international und national
Ohne auf die Details einzugehen, möchte ich meine Top-Producer 2017 auflisten, die – sei es durch Mitwirken auf Alben oder mit Singles, die sie produziert haben – großartige Arbeit geleistet haben: 9th Wonder, Brenk Sinatra, Flip (Texta), DJ Mathematics, DJ Premier

Edwin

Foto: Lukas E. Novak

Mit seiner Debüt-EP „Du weißt as eh“ hat der Rapper aus Floridsdorf heuer die heimische HipHop-Szene ein wenig durcheinandergebracht. Sein Spiel aus Wiener Dialekt, Hochdeutsch und Anglizismen schmiegen sich in das teils autotuneverstärkte Klanggewand. In seinem letzten Video zu „In dir“ hat EDWIN eine bildstarke Hommage an seine Heimatstadt gezeigt, im kommenden Frühjahr soll eine „bissl härtere“ EP kommen, im Frühjahr 2019 dann schließlich das Debütalbum. Von seinen Futuresfuture-Labelkollegen Jugo Ürdens wird es auch im Frühling eine EP geben und im Herbst ein Album, Kollege Einfachso plant sein Album im Frühsommer.

Österreich und Deutschland:

Trettmann Grauer Beton Trettmann sollte dieses Jahr bei jedem musikalischen Rückblick auf dem Zettel stehen, das ganze Album #DIY ist richtig fresh. Die Kombination aus seinem Dancehall-Gesang, gepaart mit den Rythmen von Kitschkrieg, ist einfach nur ein musikalischer Traum. Eine Hymne an vergangene Tage, von der man sich gern in ihre Zeit zurückziehen lässt. Da Trettmann ja schon ein alter Hase im Geschäft ist, gönn ich ihm den Erfolg umso mehr.

Yung HurnOk cool Da hat da Hurn mim Stickle wieder ein richtig feines Brett gezaubert, allen voran natürlich der flüssige und durchdringende Beat. „Alle deine Freunde hassen alle meine Freunde, aber alle meine Freunde kennen deine Freunde nicht.“ Damit hat Yung Hurn wieder seine Genialität in der Simpelheit unter Beweis gestellt.

Money Boy – Monte Carlo Der gute alte Sebastian Meisinger. Ich bin froh, dass der Boy wieder back ist, aber dass er mit so einem Hit zurückkommt, hätten wohl die wenigsten gedacht. Er spaltet ja schon die Geister, seit es ihn gibt, aber mit „Monte Carlo“ hat er definitiv unter Beweis gestellt, dass er nicht nur Humor, sondern auch eben echte Skillz hat. Oft vergisst man, was für eine Vorreiterrolle Money Boy innehat. Man kann sagen, was man will, aber der Wiener kann weitaus mehr, als man ihm vermutlich zutraut.

Einfachso – Ich nehms dir Eine richtige Clubnummer, für mich so, als würde „Nein Mann“ von Laserkraft 3D gemeinsam mit einer fetten Portion Pierogi in die Waschmaschine hauen und zappzarapp, schon hat man einen Underground-Hit.

International

Yung Lean – Red Bottom Sky Sheeeeesh! Die Ballade des Jahres.

Kelvyn Colt – Moon Ein Newcomer, den man auch unbedingt am Schirm haben sollte. Ich habe ihn am diesjährigen Splash kennengelernt. „Moon“ auf jeden Fall sehr atmosphärisch, oarge Stimme, nur zum Weiterempfehlen.

Ghostface Killers ft. Travis Scott – 21 Savage, Offset & Metro Boomin Ohrwurm hoch zehn! Metroboomin der Producer des Jahres mit Mask Off (Future), Bounce Back (Big Sean), Bad & Boujee (Migos) und eben Ghostfacekiller (21 Savage & Offset) Aber die Nummer is einfach echt stark!

Am 29. Dezember erscheint der zweite Teil des besonderen Jahresrückblicks mit Def Ill, Schönheitsfehler, Cid Rim, Samurai und Mirac!

Konzept & Text: Julia Gschmeidler
Collage: Niko Havranek
Mitarbeit: Simon Nowak

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Eine heiße Liebe // Heiße Luft Labelnight

Es ist einiges los im Wiener respektive Grazer Untergrund, die Ankündigung der Labelgründung von Heiße Luft kam dennoch ziemlich überraschend. In Zukunft vereinen sich unter diesem Namen nämlich gut eine Handvoll Crews und Rapper aus Wien und Graz, die man in der Konstellation bisher selten gesehen hat, aber deren Zusammenarbeit letztendlich logisch erscheint. Fellowsoph und JerMc haben bereits zu Trivialz-Zeiten zusammen gerappt, Emzetka könnten mit ihren verschiedenen Unter-Projekten wahrscheinlich auch alleine schon ein Label stemmen und Huhnmensch und der böse Wolf sowie Al Pone & Spello sind mittlerweile auch lange genug dabei, um etwas mehr Struktur in die Sache zu bringen. Anlässlich der Labelgründung gab es am gestrigen Donnerstag eine Labelnight im REPLUGGED, bei der man einen ersten Eindruck gewinnen konnte, was in Zukunft auf uns zukommt.

Nach anfänglicher Auflegerei von Makz Stanley ist Fellowsoph der erste Rapper des Abends. Zusammen mit seinem Produzent Unvariable stellt er einige Tracks seiner kommenden EP „Ausblick“ vor, die im Februar erscheinen soll (diesmal wirklich!). Er wirkt sehr routiniert und schafft es, das Publikum gut einzustimmen. Einige Tracks wie „Kain und Abel“ stellen die raptechnischen Qualitäten und den Hunger des jungen Rappers unter Beweis, die er scheinbar in seinem Auslandsjahr in Belgien nicht verlernt hat.

Anschließend betreten mit Al Pone & Spello die einzigen Nicht-Wiener die Bühne. Trotz einer anfangs soliden Show springt der Funke nicht so sehr über wie bei den restlichen Acts, was nicht zuletzt an der pessimistischen Einstellung ihrerseits liegt. Der verhaltene Applaus ist eher eine selbsterfüllende Prophezeiung, an mangelnden Skills hat es offensichtlich nicht gelegen.

Nachdem die Crowd mittlerweile einigermaßen aufgewärmt ist, ist es Zeit für den „selbsternannten Labelboss“ JerMC, der zusammen mit seinem DJ und Produzenten Gigolo D erst kürzlich das Album „Eher schirch, aber eh ganz lieb“ veröffentlicht hat. Überregional ist er vor allem für seine Auftritte bei Plattformen wie DLTLLY bekannt, aber auch abseits von A-capella-Battlerap weiß er die Menge mit seinem deutsch-französischem Wortwitz zu unterhalten. Die Beats von Gigolo D erledigen den Rest und „Heiße Luft, oida“ wird zum Slogan des Abends.

Als Überleitung zu Emzetka performt JerMC noch einen Track mit HipHop Joshy, der laut eigener Aussage erst am vorherigen Abend entstanden ist, ehe die Bühne immer voller wird und Emzetka in ihren verschiedensten Konstellationen Tracks performen. Neben Fast-schon-Klassikern wie „71er Endstation“ wissen auch die neueren Tracks wie „13Lazer“ oder „Eiswürfel“ zu überzeugen.

Den krönenden Abschluss aber liefern Huhnmensch und der böse Wolf, die sicherheitshalber auch noch Teile der Kopf-An-Kopf-Ab-Posse und 19hundertschnee im Schlepptau haben. Ein Potpourri aus älteren wie neueren Tracks mit zahlreichen Features bilden einen würdigen Abschluss des Abends, bevor Stanley Stiffla ab Mitternacht die Turntables alleine übernimmt.

Fazit: Heiße Luft, oida! Die Selbstbeschreibung „ein Haufen oager Leute, die oag rappen, oag produzieren und oag auflegen“ fasst es eigentlich ganz gut zusammen. Wenn jetzt der Punkt „Immer wieder gibts oage Releases“ auch noch umgesetzt wird, steht dem Label nichts mehr im Weg, sich in der lokalen Szene zu etablieren, auch wenn es die einzelnen Protagonisten selbstredend bereits sind. Man darf gespannt sein, was auf uns zukommt.

Weitere Fotos des Abends von Niko Havranek:

 

             

 

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„Einmal richtig dolle eskalieren“ // DLTLLY in Wien

Weit geschnittener grauer Anzug, weiße Sneaker, eine mit einem Bügel auskommende Retro-Brille und eine rauchige Stimme, die einer Naturgewalt gleicht – Big Chief ist eine Figur, die sich schnell einprägt. Als Host blüht er auf, wie seine durch den Club schallenden, meist mit einem „Ey yo, Wien!“ startenden Anmoderationen unterstreichen. Gemeinsam mit seinen Compadres Jamie (aka JollyJay) und Hanno ist er ins Loft gekommen, um die 2013 in Berlin gegründete, doch längst nomadisch durch deutsche Städte ziehende Battle-Reihe DLTLLY zum zweiten Mal im Ausland auszutragen, nachdem man Wien bereits im vergangenen Jahr beehrt hat.

Aufgrund eines „fiesen Staus in Tschechien“, wie Big Chief der Crowd noch in gedrosselter Lautstärke sagt, sind die drei Organisatoren verspätet angekommen. Das erste Battle zwischen dem Augsburger Akanoo und dem Online-Battle-erfahrenen Lokalmatador Spike, für den die a-capella-Disziplin jedoch Neuland ist, findet mit einer halben Stunde Verspätung statt. Das ist auch dem Umstand geschuldet, dass das Neonlicht im Loft die mitfilmenden Jamie und Hanno vor besondere Herausforderungen stellt und die Einstellung der Kameras viel Zeit benötigt. Schließlich sollen die fünf stattfindenden Battles in Bälde auf YouTube hochgeladen werden und auch dort ein gutes Bild abgeben. Big Chief hat hingegen „den Zettel mit den Judges verbummelt“, bei der Auswahl der jeweils fünf Judges ist somit Improvisation gefordert. Bevor die Kameras laufen, klärt der Host das Publikum über den längst zur Routinie gewordenen Ablauf in feinstem Berlinerisch auf: „Wir filmen den ganzen Keks und ich brülle herum. Bitte nicht minutenlang klatschen, lieber mal richtig dolle eskalieren, wenn es angebracht ist!“ Eine wichtige Ansage, schließlich verzichtet man bewusst auf Mikrofone, da „es von der gleichen Augenhöhe aller Beteiligten lebt“. Aufmerksamkeit, Ruhe und Disziplin seitens der Crowd sind daher besonders wichtig. Als die Kamera erstmals läuft, beweist Chief der rund um die beiden auftretenden MCs positionierten Meute erstmals sein volles Stimmvolumen – also in Bezug auf die Dezibel.

Auch auf Rap-Ebene startet der Abend mit Akanoo und Spike holprig – beide wirken etwas verunsichert, ihre Bars sind zeitweise schwer zu verstehen, besonders in den hinteren Reihen. Obwohl die Location stetig voller wird, können die nachfolgenden MCs besser mit der Situation umgehen und ihre je drei vorbereiteten Parts souveräner und verständlicher vortragen. DemoLux und der Leipziger Krom liefern sich ein packendes Duell, nach der Pause geht es weiter mit dem Graz-Wien-Battle Fate One versus Sirius Crack sowie dem amüsanten „2 on 2“, bei dem das „Team Meme“ (Doktor Dave & Dirtysanchez) gegen das „Team Graz“ (Spello & Al Pone) antritt. Allesamt sehens- und hörenswerte Battles, doch als erwartetes Highlight fungiert das Mainmatch zwischen „local Representer, der in Berlin schon abgerissen hat“ JerMc und dem „absoluten Freestylegenie“ Papi Schlauch in einer mittlerweile brechend vollen Hütte. „Das wird ein Kracher-Match, wer reinlabert ist ein Wappler, wie ihr in Wien sagt“, kündigt Chief das Battle an. Mit einer hohen Dichte an intelligenten Punchlines und Wortwitz beweisen sie in einem fulminanten Schlagabtausch, dass sie im deutschsprachigen Raum zur absoluten Battle-Elite gehören. Die Meute johlt zu Recht. Das sehen auch die euphorisierten Judges so, die das Battle gar als eines der besten in der DLTLLY-Geschichte werten.

Unter dem Publikum sind auch lokale Rapper wie Kreiml anwesend, der das Main-Match als „Abriss“ bezeichnet und sich generell begeistert zeigt. Mitmachen möchte er aktuell aber nicht: „Mir taugt es, das zu beobachten. Es ist wohl nicht die Disziplin, in der ich gut bin. Ich mach‘ lieber Mucke. Vielleicht irgendwann einmal.“ Ähnlich lässt Zane von siebzig prozent den Abend Revue passieren: „Raptechnisch waren alle fünf Battles auf einer hohen Stufe, mit viel Entertainment. Es ist cool, dass das in Wien passieren kann, die Leute zu den Punches cool abgehen und nicht übertrieben zu einer schlechten. Das dritte Battle mit Fate war für mich die Überraschung des Abends, obwohl er mei Hawi ist. Weil er so drübergefahren ist. DemoLux war auch supergeil.“ Auch bei ihm sind die Ambitionen, selbst zu batteln, überschaubar: „Wir haben es seit sechs Jahren nicht einmal geschafft, unser Album rauszubringen. Wenn wir ein Battle schreiben, wird’s schwer für uns. Es würde mich aber reizen, gegen irgendeinen Deutschen zu battlen.“ Lukas, ein Besucher, der eigentlich hauptsächlich Rockmusik hört und selten auf Rapkonzerte geht, hat seine ganz eigene Herangehensweise an Battlerap. Auf die Frage, was ihm am besten bei diesem Format gefällt, meint er: „Ich finde die Spasten- und Hurensohnjokes am lustigsten, weil es auf einem hohen Niveau sehr tief ist. Ich feiere es voll, wenn sich zwei Erwachsene beschimpfen und dissen, es ist ultralustig.“ Live bei einem Battle ist er das erste Mal, weil er sich auf die Videos von JerMc so „reingeflasht“ habe. Ebenso Battle-Neuling ist Besucherin Alexandra, die den Wiener DLTLLY-Termin generell ganz gut fand, aber manchmal Probleme hatte, alles zu verstehen, wenn man sich mit der Szene nicht so gut auskennt. „Fate One hat mir am besten gefallen, weil er gute Texte hatte und es auch über Politik ging. Fand ich besser, als wenn sie sich nur beleidigt haben“, meint sie.

Auch die Veranstalter zeigen sich zufrieden. Hanno meint etwa: „Das Licht war gegen uns, das hat beim letzten Mal besser geklappt. Sonst war es vom Publikum und den MCs her richtig geil. Wir haben schöne, coole neue Leute getroffen.“ Die Atmosphäre sei immer gleich bei DLTLLY-Events, Wien jedoch ein vergleichsweise kleines Event. Das könnte sich aber beim nächsten Besuch ändern: „Wir wollen nächstes Jahr wieder nach Wien, aber wir sollten in eine andere Location gehen, die ein bisschen gerechter fürs Publikum ist. Etwas Quadratisches, wo jeder gleich gut sehen kann.“ Generell zeigen sich die beiden aber bei den lokalen Dreistil-Veranstaltern dankbar, weil sie die Infrastruktur für ein Event in Wien gestellt haben. Genau das fehle ihnen noch in der Schweiz, wo sie auch gerne veranstalten würden. Und Innsbruck sei noch ganz hoch oben auf der Wunschliste, weil sich ein paar Leute von dort gemeldet haben. „Wir wollen auf jeden Fall mehr außerhalb von Deutschland machen. Ist ja schön, dass es noch ein paar deutschsprachige Länder gibt, das muss man ausnützen“, meint Jamie.

Jamie (li.) und Hanno

Und wie sind sie eigentlich auf die teilnehmenden Rapper aufmerksam geworden? „Ein bisschen über Dreistil, wir sind mit Malik viel in Kontakt. JerMc war einer der Besten in Wien, das war schon vor seinem ersten Match bei uns klar. DemoLux hatte sein erstes Battle in München, ist auch bekannt in der Freestyle-Szene. Die Battle-Szene an sich ist ziemlich klein. Viele Fans kennen sich, aber vor allem die MCs. Es ist eine Leidenschaft, die verfolgt man auch und dann ist man auf den gleichen Online-Plattformen und Events. Jeder kennt sich, es spricht sich rum, wenn einer gut ist.“ Trotzdem meint Jamie auch, dass in Deutschland die Written Battles ein bisschen weiterentwickelter sind als in Österreich. „Es gab einfach schon mehr. JerMc ist einer meiner absoluten Lieblings-Battlerapper, weltweit sogar. Ich schaue ganz viel englische Battles und er ist einer der wenigen, bei denen ich weiß, dass er das auch alles schaut. Weil er auf dem gleichen Level ist. Er ist einer, der auf YouTube noch besser ankommt als live, der könnte ganz locker Titelkandidat sein, aber er will halt nicht. Er sagt, wenn er den Titel gewinnt, kann er sich nicht mehr seine Gegner aussuchen und ist gezwungen, irgendwann zu battlen. Er sagt lieber, er battelt wenn er will. Das verstehe ich“, erzählt Jamie weiter. Die beiden hören auch noch gerne andere österreichische Rapper wie Manuva, T-Ser und DemoLux. Aber generell seien sie bei Deutschrap ziemlich hinterher, Jamie komme aus der UK-Szene und ist selbst da nicht mehr am aktuellen Stand. Auch DLTLLY sei an internationalen Battles orientiert, allen voran Don’t Flop, weil Jamie an die zehn Battles dort gemacht habe. „Wir wollen nichts 1:1 kopieren, aber es macht Sinn, dass man schaut, was gut gelaufen ist und was nicht und aus den Fehlern lernt. Wir haben sogar einiges besser gemacht als King Of The Dot und Don’t Flop, aber wir haben das Rad nicht neu erfunden. Das Konzept gesehen, miterlebt, gefeiert und gesehen, dass in Berlin etwas in der Art fehlt„, erläutert Jamie die Entstehungsgeschichte von DLTLLY, während er ganz wienerisch in seine Käsekrainer beißt.

Die Wiener Matches sind vorab kostenpflichtig als PPV auf Vimeo zu sehen. Mehr Fotos vom Abend von David Lindengrün:

 

Text: Simon Nowak & Julia Gschmeidler
Fotos: David Lindengrün

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Austria News

JerMc & Gigolo D: Zua wie schlechte Muscheln // Video

JerMc
Fühlt sich in aquatischen Gefilden wohl: JerMc

Kürzlich noch in einem fulminanten Main-Match beim DLTLLY-Heimspiel im Wiener Loft gegen Papi Schlauch angetreten, ist JerMc auch abseits des Battle-Rap-Geschehens umtriebig. Nun ist mit „Schlechte Muscheln“ endlich das erste Video zu seinem seit vergangenen Sommer erhältlichen Debütalbum „Eher schirch, aber eh ganz lieb“ erschienen. Während JerMc gewohnt leichtfüßig über den smoothen Beat von Gigolo D marschiert, kommt die Muschel-Metapher im von Bratañero Productions gestalteten Video besonders gut zur Geltung. An zahlreichen, vor allem in wassernahen Szenerien gedrehten Orten, tritt der Protagonist vermehrt im Muschelgewand in Erscheinung – natürlich als freshe Version, die sich von den whacken Artgenossen abhebt. „Schlechte Muscheln müssen nicht unbedingt verfaulte Muscheln sein, es sind auch bösartige Muscheln gemeint“, gibt der Rapper zu verstehen, um die Metaebene weiter zu vertiefen.