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30.000 Menschen // Splash! 2019

Wie es schon in der Review zur vorigen Edition des „Splash!“-Festivals gesagt wurde: Festival ist nicht Festival. Obwohl jedes ein immenser organisatorischer Aufwand ist und die meisten Organisatoren am Ende Profit machen wollen, lässt sich die Festival-Erfahrung selbst nicht so einfach pauschalisieren. 

Seit 1998 ist das „Splash!“ ein Fixpunkt im Festivalkalender. Der Name nimmt Bezug auf die Lage direkt am Wasser. Zwar ist das Festival vor zehn Jahren umgezogen, doch die Namensgebung passt bis heute. Auf der Halbinsel Ferropolis befinden sich die Bühnen teils unmittelbar am Wasser, der Boden ist sandig und lädt zum Baden während der Konzerte ein. Büsche dienen als Raumteiler für kleinere DJ-Hütten und Bühnen am Ende des Geländes. Die Ferropolis ist ein ehemaliges Gebiet für Braunkohlebergbau, das Ambiente abseits des Strandes ist geprägt durch die Vergangenheit des Ortes. Neben den Bühnenkonstruktionen zieren riesige Maschinen und Container die “Stadt aus Eisen”.

Fotos von Ronja Neger

30.000 Menschen, 200 Acts

Auch dem Aufsehenerregen wird das “Splash!” gerecht. Rund 30.000 Besucher feierten zwischen 11. und 13. Juli täglich auf dem Gelände. Das Programm ist  gestopft voll mit über 200 bekannten Namen aus der deutschen und internationalen HipHop-Szene. Wer viele Favoriten hat, muss beim Bühnenwechsel schnell sein eine organisatorische und körperliche Herausforderung. Einmal um die Mainstage herum konnte einen schon mal zehn Minuten und einen blauen Fleck kosten. Obwohl der Presseverteiler stolz von den vielen Tausenden Besuchern berichtet: Mehr ist nicht immer besser. 

Das gilt auch beim Thema Moshpits. Ufo361 möchte bei jedem Song einen „noch größeren“ Moshpit und räumt damit kurzzeitig fast den gesamten Bereich vor der Mainstage leer. Auf der etwas kleineren Playground Stage macht Ahzumjot im Rahmen einer gut geplanten Bühnenshow zwar auch mal ein Moshpit auf, bei den ruhigeren Songs merkt er aber an: Ein Moshpit passt nicht immer. Trotzdem ist das ganze Festival hinweg immer wieder zu beobachten, wie sich ein Loch in der Menge auftut, sich dann aber nur allmählich und in peinlicher Berührung wieder schließt, weil der erwartete Drop ausbleibt. Bei BHZ aus Berlin ist das Programm ganz klar: „Ich will kein‘ Moshpit, ich will, dass ihr euch tötet.“ Bereit wäre das Publikum gewesen, doch der Andrang auf die Stage ist so hoch, dass sich schon am Rande des Publikums niemand mehr bewegen kann. Schon am Campingplatz zeugten die vielen BHZ-Shirts von einer beachtlichen Fanbase. Auch die 808-Factory, ein Rap-Kollektiv und Event-Veranstalter aus Wien sorgte im Baumhaus für so viel Party, dass die Location selbst nicht ganz glimpflich davon kam und kurzzeitig geschlossen wurde.

US-Rapper J.I.D überrollt das Publikum mit einer Welle an Flow und Reimen, er löst damit wildes Händefuchteln und Geschrei aus. Unversöhnlich gespittet wird auch beim Grime-Vertreter Skepta, der allerdings ohne Features keine ganz so spannende Palette anzubieten hat. Wer bei den Suicideboys am Strand keinen richtigen Platz mehr bekommt, muss sich zwar durch Sand und Headbanger wieder hinaus kämpfen, kann dann aber bei DUCKWRTH mit viel Platz im Grünen zu funky Vibes tanzen.

Mit OG Keemo, Trettmann, Luciano, LGoony, Haiyti und vielen mehr ist auch die Deutschrap-Szene in verschiedenen Stilen vertreten. Die Auswahl ist so groß, dass der geheime Act fast in Vergessenheit gerät. Am Freitag nach 1 Uhr sind schon alle ein wenig fertig und wollen die Stage verlassen, ein Moderator gibt wie beiläufig kund: „Bleibt noch hier, wir haben heute Abend noch eine Überraschung für euch!“ Wer genug Empfang hatte, um Updates zu empfangen oder dieser Ansage vertraute, durfte 20 Minuten später ein riesengroßes Hologramm von Shindy sehen. Damit kündigte er vor dem Auftritt sein neues Album „Drama“ an. Wir waren leider schon im Camp. Auch Trettmann kündigte ein neues Album für den 13. September an und machte mit der neuen Single „Du weißt“ neugierig.

Camping

Nun doch etwas zum Organisatorischen: Auf den Shuttle ist bei so einer Menschenmenge kein Verlass. Wer nichts verpassen möchte, sollte sich zeitig auf den Fußmarsch vom Campingplatz zum Festivalgelände begeben. Auf dem Weg warten Essensstände mit Käsespätzle, Burger oder Nudeln auf die hungrigen Mägen der verkaterten, Cloud-Brillen tragenden Meute. Dass hier früher oder später jeder vorbeikommt, hat auch eine Gruppe Männer in Jeans verstanden. Starke vier Tage hintereinander nutzen sie den örtlichen Vorteil, um ihre Rap-Künste darzubieten oder Passanten zum Limbo zu zwingen. Ihre Euphorie steht im Kontrast zu den drei Billie-Eilish-Lookalikes, die nur einen Meter weiter mit ihren Handys bei den Steckdosen festsitzen und ziemlich fertig dreinschauen. Gegenüber hängt an einem Pavillon ein Pappkarton mit der Aufschrift: “Zeig deine Titten für A$AP Rocky”. Dieser musste seinen Auftritt übrigens absagen, weil er seit einer Schlägerei in Stockholm am 3. Juli hinter schwedischen Gardinen sitzt.

Wer es lieber ruhiger mag, kann in der [Fair]opolis am Campingplatz bleiben. Hier gibt es eine kleine, mit Tuch überdachte Fairo Stage, auf der Podcasts aufgenommen und Rapbattles von DLTLLY ausgetragen werden. Organisationen wie Foodsharing oder Jugend gegen Aids helfen mit Essen oder Kondomen aus, ein Graffiti-Workshop lockt kreative Köpfe vor Leinwände und in der Green Berlin Lounge kann man einen Ofen mit Aktivkohlefilter sponsored by Marteria rauchen. Ein Highlight auf der Fairo Stage ist der Newcomer-Contest “Who got the Heat”. Heat hatte fast jedes der Stage-Talente und so überlegte Ahzumjot als Teil der Jury schon, ob Newcomer überhaupt das passende Wort ist. Einer der Gewinner des Wettbewerbs, WizTheMC, war ohnehin schon im Vorjahr dabei. Mit einer sympathischen Performance brachte er das überschaubare Publikum zum Moshen und überzeugte ganz nebenbei mit stimmlichen Talent. Zur Belohnung durfte er am Samstag den Jägermeister Platzhirsch bespielen – ein kleiner Balkon, der unweit der Mainstage als Pausenfüller dient. Apropos Jägermeister: Dem Anschein nach wurden pro Tag ebenso viele Jägermeister „Chains“ ausgegeben wie Gäste eintrafen.

Fazit: Von internationalen Größen bis hin zu Newcomern mit kleinerer Fanbase finden Acts hier ein motiviertes Publikum. Das Splash! ist geil für alle, die viele Acts in kurzer Zeit sehen wollen. Das Ambiente ist grob und erfordert viel Gelassenheit, hohen Alkoholkonsum und/oder gute Orientierung für die Suche von Chill-out-Areas. Dafür bietet die Fairopolis sowohl einen Ort der Ruhe auch kulturelleren Programms.

 

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Dankbarkeit ist wichtig // Message Jam Recap

Warum Dankbarkeit wichtig ist? Weil sie keine Selbstverständlichkeit darstellt.

Nach nun mehr als einem Monat wollen wir aus der The-Message-Redaktion uns mit einem kurzen Video und einer Foto-Galerie bei den Mitwirkenden des „The Message Jam“ bedanken. Bedanken dafür, dass sie auch dieses Jahr wieder auf einen großen Teil ihrer Gage verzichteten, um auf der 21-Jahr-Feier aufzutreten, aufzulegen oder schlichtweg dazu beizutragen, dass der Abend rund abläuft. Oder einfach präsent zu sein, denn der eigentliche Fokus der Veranstaltung liegt schließlich darauf, Leute zusammenzubringen. Das ist das Bestreben seit mehr als 20 Jahren und meiner Überzeugung nach der Garant für Verbesserung, Kreativität und Zusammenarbeit. Austausch zwischen Protagonisten, mit Fans und Musikinteressierten.

Nebenbei versuchen wir mit dieser Veranstaltung ein wenig Geld einzuspielen, um anfallende Kosten zu decken. Denn unabhängig vom Erscheinungsbild, der angestrebten Qualität und dem eigenen Anspruch ist The Message seit Anbeginn an nicht gewinnorientiert, geschweige denn irgendwo nahe an gewinnbringend. Das war auch nie die Ausrichtung!

Alles, was ihr hier seht und lest entsteht aus dem Bestreben heraus, eine Plattform zu bieten, um gute Musik zu verbreiten und interessante Punkte in Interviews mit außergewöhnlichen Künstlern zu besprechen, mit einem Fragenkatalog abseits der Featureliste des aktuellen Albums.  Wir wollen über den Tellerrand hinausschauen, Neues entdecken und weitergeben. Und ja, es scheint ziemlich absurd, dass in einer Zeit, in welcher neoliberale Regierungen uns unter dem Deckmantel der sozialen Erneuerung Gewinnmaximierungen auf Kosten anderer Mitmenschen verkaufen will, etwas ohne finanzielle Hintergedanken ausüben. Aber es gibt eben auch andere Antriebsfedern als Geld.

Aus genau diesem Grund möchte ich mich nochmals ganz herzlichst und ausdrücklich bei allen Unterstützern von The Message bedanken. Auch wenn es am Ende des Tages nicht reichen sollte, anfallende Kosten mit einer Party abzudecken, so geht es wie bereits erwähnt um einen ganz anderen, fernab von mit Geld messbaren Wert – es geht um das Zusammenführen von Menschen durch und mit Musik. Und wenn wir mit The Message einen kleinen Beitrag dazu leisen können, Neues entstehen zu lassen, freut uns das überaus! Das ist der Motor hinter jedem Bericht zu heimischen Projekten; zu sehen, wie Dinge wachsen und sich entwickeln, sich mit anderen mitzufreuen, etwas gemeinsam aufzubauen.

Ein ganz besonderer Dank gilt daher der Redaktion, die sich in ihrer Freizeit hinsetzt und unbezahlter Weise Zeit, Energie und Wissen investiert, damit über Musikprojekte berichtet werden kann, für die sich sonst kaum jemand in Österreich interessiert. Dafür gilt es, den Hut zu ziehen! Ja, wir sind nicht perfekt, manchmal dauert es etwas länger oder wir übersehen im Trubel zwischen Arbeit, Familie, Studium und rar gesäter Freizeit das ein oder andere Release. Aber glaubt uns, niemanden ärgert das mehr als die Reaktion selbst.

Zudem möchte ich mich bei unserem Partner Beat The Fish bedanken, die gemeinsam mit uns zum zweiten Mal eine solche Jam organisiert haben und ohne die das nie möglich gewesen wäre! Danke Richi & Ines!

Hier also ein visuelles Danke and alle Beteiligten, ein Danke an Aussteller, Acts und Publikum.

Die Serien sind nicht komplett, der oder die eine oder andere fehlt im Recap leider, weigerten sich oder war einfach nicht aufzufinden – aber wir hoffen, ihr verzeiht uns. Euch schicken wir eine imaginäre Ananasscheibe!

 

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Reviews Shows & Concerts

21 Years The Message Magazine // Review

Schon wieder ein Geburtstagsfest von The Message! Nachdem unser 20-jähriges Jubiläum im vergangenen Juni erfreulich verlaufen ist, haben wir heuer erneut in Kooperation mit Beat The Fish ein abwechslungsreiches Line-up mit einem Haufen an Live-Shows und DJ-Sets zusammengestellt. Der Start des Ananas-Festtages erfolgt mit einem Dreistil-Freestyle-Battle in der Kitchen, dem kleineren der zwei Floors der Grellen Forelle. Da die Besucher trotz des mäßigen Wetters erst schleppend eintrudeln, bekommt das Turnier nicht die verdiente Aufmerksamkeit. Spaßig ist es trotzdem. Das Finalduell bilden wieder Fate One und Der Böse Wolf, der sich auch dank seiner emotionalen Punches in einer humoristischen The Message-Hate-Spezialrunde für die letztjährige Niederlage rächen kann. Der notorische Schuhhasser sieht sich folglich mit einem erbattlelten SneakerGallery-Gutschein konfrontiert.

Weiter geht’s am Mainfloor. Den Opener für die Live-Shows mimt Edwin, also ausnahmsweise Gentleman’s first. Er zieht die ersten Gäste im Inneren der Forelle ganz in seinen Bann und umhüllt mit viel Wiener Liebe. Er „Weiss“ eben. Neben einer guten Dosis „Kokosbusserl“ präsentiert er das ein oder andere Schmankerl seiner nächsten EP, die, wie er bestätigt, im August erscheinen soll. Die Tracks sind zum Teil zwar noch nicht veröffentlicht, das Publikum zeigt sich dank der repetitiven Refrains aber sehr schnell textsicher. Zurück von der Bar, vom Pizza essen oder einfach einer kleinen Rauch-/Verschnaufpause im Außenbereich, beginnt sich der Mainfloor allmählich zu füllen. Es folgt Hunney Pimp, die als Support Hinterkopf mitgenommen hat. Nach einigen Nummern aus „Schmetterlinge“ sowie ihrem ersten Debüt-Tape „Zum Mond“ zeigen sich die beiden derart vom Vibe des vorigen Battles angesteckt und wollen deshalb „amoi realen Rap liefern“. Das kann Hunney Pimp aufgrund ihrer Boombap-Vergangenheit unter dem Namen Maddah Rah sowieso, dennoch klingt die als „schnellstes Set meines Lebens“ angekündigte Performance überraschend fresh.

Auch Ali Capone, Moderator des Abends, ist sichtlich überwältigt von Hunney Pimps Leistung, also „so wirklich, oida!“ Aber von durchaus anderer Sozialisation geprägt, will er uns nicht vorenthalten, was in seiner Welt als Rap gilt. Hierzu holt er sich schnelle Unterstützung vom „Simmeringer Glotzntiak“ Esref. Im Gegensatz zur derzeitigen Cloudrap-Vormacht ein Mini-Flashback zur Rap-Dominanz härterer Spielarten. Nach dem unterhaltsamen Inzermezzo sorgt Jace von der Flavour Gang für einen Szenenwechsel. Seine Trapbeats bringen die Grelle Forelle regelrecht zum Beben. Der Hamburger ruft deshalb zum ersten Moshpit des Abends auf, der sich aber schnell wieder im reinen Springen auflöst.

Mit T9 betritt der nächste Act die Bühne. Wer die beiden kennt, weiß um die Einzigartigkeit, die der Musik innewohnt und live erst recht seine volle Wirkung entfaltet. „Assoziationsketten und Worthülsenfeuerwerke“, die sich durch die drei gemeinsamen Alben – aber auch Tracks wie „High Life“ mit Scarf Face – ziehen und die vergleichsweise textsichere Crowd sichtlich begeistert. Ein besonderes Highlight ist auf jeden Fall auch die Neuinterpretation von „Taschentuch“, dessen Beat auch von Torky Tork produziert wurde und in Kombination mit Doz9s Flows ungewohnt, aber dope klingt.

Jugo Ürdens und EINFACHSO sorgen nach den sperrig-fetten T9-Sounds für leichtere Kost. Mit Unterstützung von Frechdachs DJ Ryno an den Decks sorgen die beiden zur Abwechslung nicht oberkörperfrei auftretenden Lokalmatadoren für eingängige Sounds und weitgehend unbekümmerte Themen. Die FuturesFuture– und WG-Kollegen heizen in gewohnt energischer Manier ein und werden von einer mitspringenden, teils auch brav mitgrölenden Crowd unterstützt. Als Highlights ihrer Show kristallisieren sich neben altbewährten Tracks wie „Trainer“ oder „Diesdas“ vor allem das grim(m)ige „Hool“ sowie die Techno-Ausflüge der frisch geschlüpften „UDTZ UDTZ“-EP von EINFACHSO heraus.

Anschließend übernimmt Eunique. Die Hamburgerin veröffentlichte in diesem April ihr hochgelobtes Debütalbum „Gift“, aus dessen Werk sich ihre heutige Setlist zusammensetzt. Trotz des Daseins als Rookie agiert Eunique auf der Bühne, gekleidet im olivgrünen Militäranzug, souverän, Playback-Unterstützung beschränkt sich nur auf die Hooks. Bemerkenswert ist der Publikumssupport in den ersten Reihen, rappen die sich dort befindlichen Fans nicht nur Tracks wie „Genau so“, „040“ oder „Lila“ lautstark mit, sondern verbreiten mit Fahnen bewaffnet gar ein bisschen Ultra-Flair. So geht’s eben ab im „Kobra-Militär“. Neben ihrer überzeugenden Bühnenpräsenz gefällt Eunique auch durch ihre Interaktion mit dem Publikum. Beispielsweise lässt sie wissen, dass sie aufgrund einer Freundin schon einige Male in Wien war und auch Einblicke in das Clubleben bekam. Wirkt alles grundsympathisch und ist ein großes Versprechen für die Zukunft.

Bevor Lex Lugner, Visa Vie, Brenk, Clefco, Bad & Boujee und Co mit einer ausgedehnten Aftershowparty die Tanzbeine wirksam herausfordern, liefert Ahzumjot ein würdiges Rap-Finale. Der Hamburger, der bereits 2016 bei seiner Wien-Show mit Lance Butters sein hohes Live-Potenzial andeuten konnte, kann bei unserem Geburtstag nahtlos daran anknüpfen. Ausgestattet mit guter Laune und pointiertem Flow – das verdeutlicht sich trotz seiner mit Autotune aufgemotzten Stimme schnell – legt er den Fokus auf weitgehend introspektiv gehaltene, sphärische Trap-Banger aus seiner kürzlich erschienen Album-Playlist „RAUM“. Das kleine Manko der überschaubaren thematischen Bandbreite kann Ahzumjot mit einem charismatisch gehaltenen Auftritt und einer starken Bühnenpräsenz wettmachen. Er ist merklich der routinierteste Live-MC des Abends. Besonders gut bleiben die Tracks „IHEOA“, „Milch“ sowie das abschließende A cappella in Erinnerung. Die Stimmung in der mittlerweile bestens gefüllten Forelle erreicht ihren Höhepunkt – der Übergang zu den hochkarätigen DJ-Sets gelingt perfekt.

 

Abschließend möchten wir uns bei allen Künstlern und Künstlerinnen – aufgrund der hohen Anzahl an Acts finden hier nicht einmal alle namentlich Erwähnung – und den zahlreich erschienenen Besuchern bedanken, die den Ananas-Festtag zu einem besonderen Erlebnis gemacht haben. An dieser Stelle auch ein Big up an Beat The Fish, die unser Geburtstagsfest wieder einmal fein arrangiert haben.

Fotos von Matthias Schuch, Niko Havranek, Alexander Gotter & David Lindengrün.

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Gegen den Strom // Ahzumjot Porträt

Die Geschichte Ahzumjots ist ein Stück in drei Akten. Beinahe aus dem Nichts veröffentlichte er 2011, kommerziell gesehen die erste Hochphase des deutschen Rap in der Post-Aggro-Zeit, sein Debütalbum „Monty“ (übrigens benannt nach seinem Hund) und wurde schnell zusammen mit Namen wie Cro, Rockstah oder Olson (damals noch mit dem Suffix Rough) als Vertreter einer „neuen Reimgeneration“ gehandelt. Erst Mixtape der Ausgabe beim JUICE-Magazin, dann der erste Majorvertrag – viel Druck in kurzer Zeit für Alan Julian Asare-Tawiah, wie Ahzumjot bürgerlich heißt.

Nach dem schnellen Aufstieg kam jedoch ebenso schnell der Fall. Das Majoralbum „Nix mehr egal“ brachte nicht den erhofften Erfolg, den andere zu dieser Zeit einfahren konnten. Der Vertrag wurde aufgelöst, Ahzumjot produzierte wieder von zu Hause aus. Doch wo andere den Kopf einziehen würden, fängt Ahzumjot erst richtig an. In den vergangenen Jahren schaffte er frei von Labelstrukturen seinen eigenen Sound. In Do-It-Yourself-Manier erschienen seit 2015 fünf Releases, fast alle zum Free-Download. Nicht nur als Rapper, auch als Produzent experimentiert er in alle Richtungen, kollaboriert mit verschiedenen Künstlern von Casper bis Chima Ede, setzte zusammen mit Lance Butters und der EP „Die Welle“ ein Statement gegen alles, was im Rapkosmos falsch läuft und arbeitete damit auch seine eigene Vergangenheit im großen Zirkus der Musikindustrie auf.

Und was ist der Status quo? Seit geraumer Zeit „wächst“ das Projekt „Raum“ heran, mit dem er im Kanye-Style das Konzept eines Albums komplett neu aufzieht und alle Tracks einzeln von Zeit zu Zeit auf Spotify hochlädt. 19 Songs umfasst die Playlist bisher. Ein Prozess, der theoretisch ewig weiterlaufen kann, ohne je in einem fertigen Album zu resultieren. Ahzumjot ist vieles, aber vor allem bleibt er seiner Linie treu und ignoriert anscheinend gegebene Konventionen.

Am 29. Juni gibt es Ahzumjot live bei der „The Message“-Party in der „Grelle Forelle“ zu sehen.

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International News

Ahzumjot mit weißer Weste: „Milch“ // Video

Unschuldig: Ahzumjot

Eine durchaus bewegte Karriere kann der Hamburger Ahzumjot vorweisen, lief nicht immer alles wie gewünscht oder erwartet. Doch über den Major-Flop „Nix mehr egal“ kann er mittlerweile gut lachen, scheint er aus diesem Rückschlag die richtigen Schlüsse gezogen zu haben. Mit einer Reihe von Free-Releases machte Ahzumjot in den vergangenen Jahren von sich reden, mit „RAUM“ wagte er sich gar an das neuartige Konzept einer Album-Playlist heran. „RAUM“ ist nämlich kein stures Album, sondern ein Werk, dem die Zeit zum Reifen gegeben wird. Zwar ist er nicht der Erste mit dieser Idee. Aber er setzte jene als einer der wenigen konsequent in die Tat um. Mit Erfolg: „RAUM“ besticht durch einen elegant-stylischen Vibe, der eine gewisse Coolness transportiert und live bestimmt hervorragend funktioniert.

Ein Track aus „RAUM“, auf den diese Kriterien besonders zutreffen, ist „Milch“. Laktoseintolerante können beruhigt weiterlesen, meint Ahzumjot hiermit nur die Farbe seiner Weste, metaphorisch gesprochen. So hat er zwar keine Einträge im Sündenregister, aber zum Angriff ist er trotzdem bereit. Die Kampfansage findet auf einem gewohnt sphärischen Beat statt, den Ahzumjot selbst produzierte. Einen Beatswitch gibt es auch, fast so spektakulär wie bei A$AP Rockys jüngster Moby-Kollabo („A$AP Forever“). Dieser Switch findet auch im Video, das vor allem durch seine verwaschenen Shots gefällt, Eingang.

Heißer Tipp: Ahzumjot spielt am 29. Juni auf unserer Geburtstagsfeier in der „Grelle Forelle“.

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Wir feiern 21 Jahre The Message mit Ahzumjot, Eunique, T9 uvm.

Knapp ein Jahr ist es her, dass wir gemeinsam mit Beat the Fish unseren 20. Geburtstag mit Haiyti, Trettmann, Kreiml & Samurai und vielen weiteren deutschen und österreichischen Rappern und DJs in der Grellen Forelle gefeiert haben. (Review) Und weil es so schön war, unseren Jubiläumstag gemeinsam mit euch und einem feinen Line-up zu begehen, laden wir auch heuer wieder zu einer HipHop-Jam am Donaukanal. Passend zum Semesterende am 29. Juni kann es direkt nach der Uni am späten Nachmittag zur Forelle gehen, wo es zu kaltem Bier auch einen Plattenflohmarkt, Live-Paintings und ein Dreistil-Rapbattle geben wird.

Am Abend gibt es dann gleich ein paar Österreich-Premieren: Neben dem Headliner Ahzumjot kommt die Hamburger Königin Eunique das erste Mal nach Österreich. Ebenso wie Visa Vie, die auch ihren Premierengig in Wien bei unserer Feier spielen wird. Weitere Live-Gäste sind die Lokalmatadore Jugo Ürdens, Einfachso, Edwin, Hunney Pimp sowie die deutschen Bestsellenlistenanführer 2017, T9 aka Torky Tork und Doz9, und Jace. Moderieren wird Ali Capone, ehemaliges Bludzbrüder-Crew-Mitglied und Schauspieler in „Risse im Beton“ sowie „Die Migrantigen“.
Das Nachtprogramm übernehmen neben Visa Vie die Wiener Brenk Sinatra, Lex Lugner, Clefco, die Bad&Boujee-Crew, Dizzy & Hanna und viele mehr. Turn-up also garantiert.

Hier geht’s zur Facebook-Veranstaltung. Der Vorverkauf startet am 29. März um 10 Uhr, Tickets für die ganze Jam gibt’s um 24 Euro, die Aftershowparty kommt bei der Abendkassa auf 8 Euro.

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Rap Reviews

Irgendwie geht’s immer: „Lang lebe der Tod“ von Casper // Review

(Columbia/Sony Music/VÖ: 01.09.2017)

Wer sich in diesen Zeiten einmal aus dem bekömmlichen Safe-Space hinauswagt, wird schnell eine wenig positive Erkenntnis erlangen. Jene, dass diese Welt ein ziemlich beschissener Ort geworden ist. Generation Y trifft’s nämlich noch schlimmer als jene zuvor: Die einen vegetieren als akademisches Prekariat an den Universitäten hin, die anderen halten sich mit 1-Euro-Jobs mehr schlecht als recht über Wasser. Übertüncht wird das Ganze durch ein nicht enden wollendes Gefühl der Einsamkeit, ironischerweise durch die Kompromittierung der Welt zu einem verdammten Dorf noch verstärkt. On naît seul, on vit seul, on meurt seul.

In solchen Zeiten sehnt sich die Jugend nach einem Messias. Wer in den vergangenen Tagen einmal auf Twitter unterwegs war, wird unweigerlich feststellen, dass viele Casper die Erfüllung jener Rolle zutrauen. Nur ist das zweifelsfrei zu viel verlangt. Casper wird uns nicht aus der gesellschaftlichen Depression holen. Aber zumindest ein gewichtiges Statement hinsichtlich des Stimmungsbildes dieser Generation im Pop abgeben können. Ein lautes „Help!“, bevor’s zu spät ist. Dazu ist er durchaus fähig, wie er in der Vergangenheit doch schon bewiesen hat. Sei es auf „XOXO“, das auf intensivste Weise das Bild einer ohnmächtigen Jugend zeichnete. Oder auf „Hinterland“, dieser einzige musikalische „Into-the-Wild“-Gedanke. Den gewaltigen Erwartungsdruck auf das neue Album „Lang lebe der Tod“ hat er sich durch diese Großtaten selbst zuzuschreiben. Der wurde nicht geringer, nachdem die erste Single gar mit einem Feature von Einstürzende-Neubauten-Mastermind Blixa Bargeld um die Ecke kam und das versprochene düstere Statement auf die Lethargie westlicher Gesellschaften malte. Dennoch hielt Casper sein großes Werk zurück, der Releasedate wurde nach hinten verschoben. Weil er nicht mit dem Album zufrieden war, wie er im Interview mit Jan Wehn glaubhaft versicherte. Eigentlich halb so schlimm, passt ein Casper-Album, vor allem wenn es so düster ausfällt wie „Lang lebe der Tod“, sowieso am besten als Intro-Musik zu bald eintretenden herbstlichen Grautönen.

Denn viele musikalische Sonnenstrahlen finden sich auf „Lang lebe der Tod“ nicht. Der Industrial-getragene Titeltrack wirft einer roboterähnlichen Jugend, die alles unhinterfragt hinnimmt, ungemütliche Fragen vor dem Latz. „Seid ihr vergnügt?“ heißt es da. Vergnügt in einer Welt, in der das Mittelmeer zum Massengrab fungiert, die Aufregung darüber sich aber in Grenzen hält. Hauptsache das WLAN im Starbucks funktioniert, damit die Bestellung der neuen Yeezy-Sneaker klappt. Ein Sujet, das Casper auch in „Alles ist erleuchtet“ aufgreift. „Alles ist erleuchtet“ enthält nicht nur eine lakonische Anspielung auf Trump, sondern enthält ebenso Spitzen gegen DagiBee und Wap-Bap-Bibi („Check den Instagram-Stream, fett mit Klicks was verdien’n/Bibi mit Dagi Bee – live im Kriegsgebiet mit Tipps für Teens/Jedes Outfit per Mausklick, kauf auf dem Link das Parfüm“). Klingt anständig, aber richtig riskant und wagemutig sind solche Äußerungen nicht. Bei der textlichen Zahnlosigkeit rettet auch ein von Lil B gesprochenes Outro wenig. „Keine Angst“ bietet anschließend zwar eine interessante Hook, dargeboten von Drangsal, klingt jedoch zu sehr nach „XOXO“-Leftover. „Sirenen“ fällt durch Kanye-Sound auf, will aber auch nicht wirklich zünden.  Etwaige Zweifel an „Lang lebe der Tod“ werden durch die folgende, fabelhafte Kollabo mit Ahzumjot, „Lass sie gehen“ (basierend auf einem Sample des Portugal. The Man-Tracks „Number One“), zur Seite geräumt: Wild wummernde Synthies, dramatische Chöre, eine arrogant geschmetterte Hook von Ahzumjot – das Ganze noch kombiniert mit einem Casper, der sich gegen die homophobe Rapszene beziehungsweise die deutsche Popszene generell, die kein Problem hat, rechtsoffene Künstler bei Galaveranstaltungen einzuladen, positioniert („Bin eingeladen aber geh, zu der Preisgala da nicht hin/Will die scheiß Nazis gar nicht sehen, dann ohne mich“). Ein bisschen Drake’scher „Mir geht es so schlecht weil ich so bekannt bin“-Vibe darf da auch nicht fehlen. Aber der ist sowieso auf „Lang lebe der Tod“ vielerorts enthalten und kommt am stärksten in „Meine Kündigung“ und der Generation-Y-Abrechnung „Wo die Maden graben“ zum Ausdruck. Gelungene Stellungnahmen zu den Schattenseiten des Messias-Daseins. Als textlich besonders hochwertig entpuppen sich das zwischen Post-Punk und Industrial pendelnde „Morgellon“, ein Track über Verschwörungstheorien, und „Deborah“. Dabei handelt es nicht um eine Frau, sondern um eine psychische Krankheit, der Casper den Namen „Deborah“ verliehen hat. Wirkt ehrlich und authentisch. Wie gewohnt wird das Album aber noch mit einem regelrechten Knaller beendet – „Flackern, flimmern“ mit wunderbar lauten Gitarren in der Hook (und einem fantastischen Black-Metal-Part ab Minute 4, Deafheaven-Fans werden sich freuen) bringt Stadionband-Atmosphäre. Da läuft es einem eiskalt den Rücken runter; vor allem in der Kombination mit Zeilen, die haargenau jene Stimmungslage widerspiegeln, die hier einleitend dargestellt wurde. Nur Hoffnung, die schafft es Casper zu kreieren. Irgendwie geht’s nämlich immer.

Fazit: „Lang lebe der Tod“ ist ein überwiegend tiefschwarzes Album geworden, womit Casper die Erwartungshaltung erfüllen konnte. Musikalisch absolut on point, nur wenige Ausreißer nach unten, dafür einiges an absolut meisterlich wirkenden Material. Textlich ein Album mit der Fähigkeit, als Mikrokosmos der Gefühlslage einer leidenden Generation zu gelten. Das ist schon sehr stark. Chapeau, Mr. Griffey!

4 von 5 Ananas

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Shows & Concerts

Der HPF nimmt die Arena ein // Crack Ignaz & Freunde Live

Crack Iganz Freunde by Daniel Shaked © 2016-9821
Crack Ignaz by Daniel Shaked

Für eine immerhin geringe Frauenquote auf der Bühne sorgt die Mix-Königin Tereza – umso größer fällt dafür die Hit-Dichte aus. Mit einer angenehmen Mischung aus Mainstream, Grime und szeneinternen Klassikern („Der Scheiß ist weiß“) werden die Ohren schon mal passend vormassiert. Nachdem es sich DJ Minhtendo ebenfalls auf der Bühne gemütlich macht, weiß man, dass es sich nur noch um Minuten bis zum Mainact handeln wird. Die Arena ist schon knackig voll, als der Marmeladen-Chefkoch Crack Ignaz verlauten lässt: „I wü ned ogeben, aber i glaub i sterb in Wien …„. Der wunderbare Lazy-Remix von „James Dean“ passt heute besonders gut als Opener für ein langes und vielschichtiges Set. Neben Back-up Karäil werden nach und nach Freunde, Mentoren und Wegbegleiter des Salzburger Süßboys auf die Bühne gebeten. Zuerst Däk Intellekt und Krank Spenca, der mit seiner Energie ordentliche Crowdrocker-Qualitäten aufblitzen lässt und es sich auch nicht nehmen lässt, den Schwung für einen Sprung in die Menge zu nutzen. Anschließend übernimmt Drexor, der mit „Tschick“ dem Arena-Rauchverbot in den Rücken fällt und besonders mit „Zaht mi ned“ (Hit, oida!) sicher einige Fans dazugewonnen hat.

Die jüngsten HPF-Mitglieder Aloof: Slangin und Meilner lassen mit einem Ausflug aufs „Salamanderschnops„-Tape den leider abwesenden Young Krillin hochleben. Bei „Christus & Blitz“ fehlt es der Crowd nicht an Textsicherheit – doch hat neben Aloofs „Pferde“ ein Meilner-Solotrack à la „Manderinenbaum“ gefehlt. Zwischendurch kommt Crack Ignaz immer wieder mit ein paar alten und neuen Nummern dazwischen – da dürfen „Prada“ oder „#DWIBSY“ natürlich nicht fehlen. Der nächste auf der Liste ist Ahzumjot. Dieser hat mit seinem Mixtape „16QT02: Tag Drei“ ein ziemlich gutes Jahr gehabt und übernimmt die Bühne für ein paar Tracks. Neben den meisten HPF-Mitgliedern wirkt Ahzumjot auf einer derartigen Bühne routinierter und seine vom Autotune-getränkte Stimme rundet dieses Bild ab. Der Track „Atmen“ gehört merklich zu einem der Highlights des Abends.

Crack Iganz Freunde by Daniel Shaked © 2016-9972

Einer fehlt noch: Und bis er nicht gekommen ist, kann der Abend nicht zu Ende sein. Das Warten auf LGoony lohnt sich wie immer schon nach einigen Sekunden. „Oida Wow“, jetzt geht’s ab! Die zwei haben ein Luxusproblem – sowohl solo als auch im Coop-Modus gibt es einfach zu viele Hits. So muss dann doch eine Auswahl getroffen werden, viel können sie aber nicht falsch machen. Gott sei Dank hat auch der neue LGoony-Track „Heilig“ Platz in der Swag-List und besteht den Live-Test (inklusive Circle-Pit) souverän. So geht’s dahin mit dem Hit-Feuerwerk – von „Tokyo Boys“ und „Wasser“ bis „NASA“ ist „Alles“ dabei! Abgeschlossen wird aus Stressgründen mit „K1 Zeit“.

Fazit: Schön zu sehen, dass Ignaz nicht ohne sein Team feiert. Vor allem an der Mundart-Front haben einige seiner HPF-Homies viel dazu beigetragen, dass österreichischer Rap am Leben bleibt und so aufblühen kann, wie heute. Jeder bekommt ein bisschen Zeit, die fantastische Bühne und das begeisterte Publikum zu genießen – so war es ein facettenreiches Swah-Feuerwerk in unsere G’sichter. Gut, dass Crack Ignaz so talentierte Freunde hat. Österrap lebt, 2017 wird org!

Weitere Fotos vom Abend:

Crack Iganz Freunde by Daniel Shaked © 2016-0031 Crack Iganz Freunde by Daniel Shaked © 2016-0077 Crack Iganz Freunde by Daniel Shaked © 2016-0038 Crack Iganz Freunde by Daniel Shaked © 2016-9740 Crack Iganz Freunde by Daniel Shaked © 2016-9755 Crack Iganz Freunde by Daniel Shaked © 2016-9985 Crack Iganz Freunde by Daniel Shaked © 2016-9988 Crack Iganz Freunde by Daniel Shaked © 2016-9845 Crack Iganz Freunde by Daniel Shaked © 2016-9815 Crack Iganz Freunde by Daniel Shaked © 2016-9767 Crack Iganz Freunde by Daniel Shaked © 2016-0098 Crack Iganz Freunde by Daniel Shaked © 2016-0110 Crack Iganz Freunde by Daniel Shaked © 2016-9676 Crack Iganz Freunde by Daniel Shaked © 2016-9690 Crack Iganz Freunde by Daniel Shaked © 2016-0032 Crack Iganz Freunde by Daniel Shaked © 2016-9694

Fotos: Daniel Shaked
Text: Jérémy Machto, edHardygirl14

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Die Welle flutet die Grelle Forelle // Ahzumjot und Lance Butters Live

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Ahzumjot (links) und Lance Butters im Nebeldickicht. Fotos: Moritz Nachtschatt

Nachdem Lance Butters und Ahzumjot Anfang Oktober ihre gemeinsame EP namens „Die Welle“ veröffentlicht haben, ist das ungleiche Duo nun auch auf Tour. Nach ein paar Auftritten innerhalb Deutschlands führt ihr Weg über die Schweiz nun auch nach Österreich, unter anderem nach Wien in die Grelle Forelle. Ein weiter Weg mit einer schwierigen Aufgabe, denn zwei Fanbases warten auf ihre musikalische Befriedigung während einer einzigen Show.

Die Forelle ist am Sonntagabend nicht ausverkauft. Kein Wunder, denn die Wiener Jugend hat ein durchfeiertes Wochenende hinter sich und steht vor dem Start in eine neue Woche. Zur Primetime geht es dann ohne Aufwärmen durch einen Support-Act direkt los. Ausgangspunkt hierfür ist der Introtrack „Many Men von 50“ aus der bereits erwähnten EP. Sichtlich begeistert von der Präsenz der beiden Künstler, steigt das Publikum auf Anhieb ein partizipiert fleißig. Weiter geht’s mit ein bisschen Szenekritik in Form von „Respekt“, sowie „Raw“ und „Deal With It“ aus dem letzten Lance-Release „Blaow“. „Wir haben aber auch Evergreens und Klassiker für euch„, kündigt Ahzumjot den weiteren Verlauf des Abends an.

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Stets wechseln sich die beiden mit der Performance ihrer Tracks ab und schaffen es dadurch, das Publikum an der Stange zu halten. Ahzumjot mimt den guten, braven Rapper, Lance bezeichnet sich selbst als der „Böse“ und „Assige“. Bevor dieser also zum Zug kommt, überwiegt bei Ahzumjot die „melodiöseren Rhythmen“ wie bei „Atmen“, „Minus“ oder „Schwör’s mir“. Der Aufforderung aus dem Publikum, zu freestylen, kommt er allerdings nicht nach. „Ich bin der schlechteste Freestyler der Welt„, sagt er verschmitzt, um dann noch zu offenbaren, dass es so geil sei, mit Lance auf Tour zu sein – „beste Leben“!

Während hier und da Zigaretten und Joints auf Anraten der Künstler in der Crowd gezündet werden, haben die zwei ein sichtliches Problem mit einer anderen Art Rauch, da die zügellose Betätigung der Nebelmaschine ihre Sicht trübt. Sowohl Stimmung, als auch Temperatur im Publikum steigen stetig, während die Zahl der unbenutzten Handtücher für die Künstler gegen null sinkt. Pausenstop, Wasserverteilung. Sonst schwitze sich Lance „den Arsch ab“.

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Begleitet werden die starken Tracks von eher schwachen Ansagen, wie Lance eingesteht. „Ich bin nicht so gut im Ansagenmachen. Wann war ich letztes Jahr da? Ich bin ein bisschen verpeilt. Wir sind halt Kiffer“, bemerkt der Maskenmann trocken. Zudem erzählt er, dass Ahzumjot ihn als „grobmotorischen Ficker“ betitele und im Zuge dessen wird auch die Gangart durch einer Anreihung der besten Butters-Stücke konstant härter. Es werden ältere Songs gespielt, so auch „Futureshit“. Anstatt der klassischen vier Elemente gibt es die Neuinterpretation à la Butters mit „Geld, Drogen, Nutten und Sex“.

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Ein wenig Variation brachte der Kurzauftritt von Chris Miles, der den Rest der Show hinter dem Plattenspieler verbrachte. Es wird „Wie gewohnt“ und der Hamburger, der ebenfalls im VBT tätig war, liefert seinen Part vor den Turntables. Ein friedliches Konzert bis hierhin, in dem auch niemand gedisst wurde, resümiert Ahzumjot. „Fuck Danju ruft Miles daraufhin aus dem Off ein. Auf die Kifferhymnen („Dunkelrote Augen“ / „Weisser Rauch“) des Friedrichhafeners, gibt es auch noch was für die Gang von Ahzumjot in Form von „Mein Bruh“.

Auch um ein Einbinden des Publikums ist das Duo bemüht und so gibt es durchaus positive Resonanz auf die zusammenhangslose Frage, wer „das Interview von Raf Camora mit TV Strassensound gesehen“ hätte. Darauf folgt eine kurze Filmeinlage, als Ahzumjot mehrfach versucht, ein Snapchatvideo unter Regie von Lance von der begeisterten Crowd zu drehen. Das Ergebnis ist noch bis heute Abend um 22 Uhr in Ahzumjots Snapchat-Story (ahzumjxt) zu begutachten.

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Das Ende des Konzertes führt erneut zum Ausgangspunkt, nämlich zur gemeinsamen EP zurück. Vorletzter Song ist „Ok Krass Schade“, als Zugabe gibt es dann natürlich den Titelsong „Die Welle“, der mit einem Pogokreis vonseiten des Publikums geehrt wurde. Kurz nach 22 Uhr ist die Show beendet, Ahzumjot und Lance Butters bedanken sich nach einer energiegeladenen Show beim Publikum, das für Ahzumjot „die beste bisher“ gewesen sei.

Fazit: Knapp zwei Stunden feuerten Lance Butters und Ahzumjot jeden Banger raus, der in den engeren Kreis des gemeinsamen Klangbilds passte und schafften es somit, das Publikum zufrieden nach Hause zu schicken. „Wien, ihr seid unfassbar!„, ruft Ahzumjot sichtlich begeistert der Crowd entgegen.

Ein kleiner Blick in die Vergangenheit gefällig?

Wir trafen uns bereits vor drei Jahren zum Interview mit Lance, was ihr hier nachlesen könnt. Unser Interview von 2014 mit Ahzumjot findet ihr hier. Und die Review zur aktuellen gemeinsamen EP der beiden findet ihr übrigens hier.

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Mixes

The Message Mixtape #12 “La Bomba“ (Special Guest: Jugo Ürdens)

Wir beschäftigen uns ja doch recht viel mit Musik bei The Message. Deswegen haben wir uns überlegt, gelegentlich ein digitales Mixtape für euch zu erstellen. Einige Redaktionsmitglieder tragen mit zwei Songs dazu bei, dass das Tape ein ordentliches Brett mit ganz unterschiedlichen Perlen wird. Warum wir die Tracks so wavy finden, begründen wir mit ein, zwei Sätzen.

SPECIAL GUEST: Jugo Ürdens

jugo ürdens
(c) Echtfleisch

Der gebürtige Mazedonier Jugo Ürdens hat sich heuer mit der „Ajde„-EP zum ersten Mal solo auf der Bildfläche blicken lassen. Davor noch mit der Crew Sprachsex unterwegs, kann er nur nach einigen Monaten schon über 20.000 YouTube-Aufrufe verzeichnen, wurde von FM4 und der Heute interviewt und erfreut sich mehr Medien-Coverage als man den Likes seiner Facebook-Seite entnehmen kann. Seine „Diesdas“-EP ist schon in der Mache.

THE MESSAGE MIXTAPE #12 – „LA BOMBA“

mixtape la bomba jugo ürdens
Artwork by Marlene Rosenthal

Tracklist:

1. Jugo Ürdens – Lass dich fallen (prod. jue)
2. Princess Nokia – Tomboy
3. Ahzumjot & Lance Butters – Respekt (prod. Ahzumjot)
4. Young Krillin & Aloof: Slangin – Skwad ft. Pif Paf (prod. Wandl)
5. T9 – Tiff (prod. Torky Tork)
6. $uicideboy$ – My Flaws Burn Through My Skin Like Demonic Flames From Hell
7. Nirvana – Something In The Way
8. Danny Brown – Pneumonia (prod. Evian Christ)
9. Blue Sky Black Death – III
10. Bo$$ – Deeper
11. Gang Starr – Battle (prod. DJ Premier)
12. Army Of Pharaohs – Seven (Ill Bill & Sicknature)
13. Wolfgang Ambros – Du schwarzer Afghane
14. Harrison Brome – Fill Your Brains
15. Mista Meta – M.E.T.A.
16. Isaiah Rashad – 4r Da Squaw (prod. FrancisGotHeat)
17. Lady Wray  – Do It Again
18. Semi Hendrix – Breakfast at Banksy’s
19. Mac Miller – Planet God Damn ft. Njomza
20. Isaiah Rashad – Park (prod. Park Ave & D. Sanders)
21. Nimo – Bitter (prod. Jimmy Torrio)
22. Azet, Zuna & Nash – Kartell (prod. DJ A-BOOM)
23. Noname – Diddy Bop (ft. Raury & Cam O’bi)
24. Solange – Don’t Touch My Hair
25. $uicideboy$ – O PANA
26. Kamikazes – Grandhotel Abgrund

Jugo Ürdens

1. Jugo Ürdens – Lass dich fallen (pord. jue)
Entspringt einer wahren Geschichte. Es handelt von der Nacht, als ich meine damalige Freundin zum ersten Mal in den Arsch gef*ckt habe. Es war sehr schön und tatsächlich sehr romantisch.  Olivenöl

2. Princess Nokia – Tomboy
Ich höre diesen Song ununterbrochen! „my lil titties and my fat belly“ !!! Und diese Motorradsounds im Beat, Wahnsinn! Den Song hat mir ein sehr schriller Stylist gezeigt s/o an Fabian Leinweber.

Simon Huber

3. Ahzumjot & Lance Butters – Respekt (prod. Ahzumjot)
Bis dato hat mich das musikalische Schaffen beider Protagonisten vergleichsweise wenig interessiert, die EP habe ich mir aber mehr oder weniger zufällig für eine längere Zugfahrt runtergeladen. Dementsprechend ging ich mit keinen Erwartungen an das Projekt, wurde jedoch vollends überzeugt. Authentische Szene- und Medienkritik gepaart mit unglaublichen Rapskills, für mich eines der Releases des Jahres.

4. Young Krillin & Aloof: Slangin – Skwad ft. Pif Paf (prod. Wandl)
Salamanderschnops“ tritt in eine ähnliche Kerbe – anfänglich nur mäßig vorhandenes Interesse führte zu stundenlangem Hören zu jeder Tages- und Nachtzeit. Zu viele starke Tracks drauf, most underrated ist vermutlich „Skwad“ mit Pif Paf, der mich jedes Mal wieder abholt und drölfzig mal auf Repeat läuft, wenn man morgens zu unchristlichen Uhrzeiten irgendwelche unchristlichen Sachen zu erledigen hat.

Wanja Bierbaum

5. T9 – Tiff (prod. Torky Tork)
T9 haben viel zu lange an mir vorbei Musik gemacht, bzw. ich habe an ihnen vorbeigehört. Das hat jetzt ein Ende. Die Albencovers sind auch ganz groß!

6. $uicideboy$ – My Flaws Burn Through My Skin Like Demonic Flames From Hell
Ich bin in etwa 2014 auf die Boys aufmerksam geworden und schon damals haben die beiden ausnahmslos geilen Scheiß releast – und das laufend. Man sieht, dass sich ihre Mühen bezahlt machen, denn nach einer enormen Anzahl an EPs und Alben werden die $uicideboy$ endlich für ihren sicken Sound auf Händen getragen und haben sogar ihren Mentor Pouya an Bekanntheit überholt.
Thomas Kiebl

7. Nirvana – Something In The Way
„Smells Like Teen Spirit“ wurde vor wenigen Wochen 25 Jahre alt. „Hello, hello, hello, how low“ will man da nur sagen. Mein Lieblingstrack von Nirvana ist trotzdem „Something in the Way“, stimmungstechnisch sehr passend zur Jahreszeit. Und um den Bogen zur Gegenwart zu spannen: Die neuen Alben von Nicolas Jaar („Sirens“), Oathbreaker („Rheia“) und True Widow („Avvolgere“) sind äußerst empfehlenswerte Herbstalben. Aber muss jeder selber wissen.

8. Danny Brown – Pneumonia
Falls Schatzi Kendrick Lamar (Untitled Unmastered zählt nicht) dieses Jahr nichts mehr veröffentlicht, geht die Krone fürs Rapalbum des Jahres wohl nach Detroit (die Konkurrenz war dieses Jahr bislang auch sehr überschaubar). „Atrocity Exhibition“ mit Joy-Division-Referenz im Albumtitel ist schlichtweg eine Oase in einer Wüste aus Belanglosigkeiten. Wegen der formidablen Nine-Inch-Nails-Vibes wollte ich eigentlich den Opener „Downward Spiral“ auswählen, entschied mich dann aber doch für „Pneumonia“. Weil Evian Christ einfach einen verdammt guten Job macht. Und weil Danny Brown so schöne Sachen wie Balmain und Rick Owens erwähnt.

Simon Nowak

9. Blue Sky Black Death – III
Seit einigen Jahren überzeugen Young God und 88Ultra als Blue Sky Black Death mit atmosphärischen, ziemlich verträumten Instrumentals. Nach dem 2013 erschienenen Album „Glaciers“ wurde es allerdings ruhig um das Produzentenduo. Die beiden widmen sich derzeit besonders eigenen Projekten, auf die ich leider erst vor ein paar Tagen gestoßen bin. Zum Frustabbau höre ich jetzt noch einmal die älteren BSBD-Releases durch – aktuell die brilliante Nummer „III“ von „Glaciers“.

10. Bo$$ – Deeper
Vor Kurzem habe ich über eine Youtube-Playlist mit Bo$$ eine irrsinnig raue, grantige Rapperin entdeckt. Die Tracks ihres einzigen Albums „Born Gangstaz“, das 1993 erschienen ist, überzeugen mit extrem harten Bars. Auf „Deeper“ kotzt sich die Detroiterin über persönliche Probleme aus und offenbart für den Umgang damit eher suboptimale Strategien. Straight Fire!

Moritz Nachtschatt

11. Gang Starr – Battle
Samples sind meistens nicht sehr erfolgreich und meiner Meinung nach noch seltener besser als das Original, „Battle“ ist hier definitiv eine Ausnahme. Das Sample von Elmer Bernsteins „Riot at Tyburn“ wurde sofort zum Hit und ist es in meinen Augen bis heute. Da dürfen auch die Lyrics etwas arrogant sein.

12. Army Of Pharaohs – Seven
Der Track stammt nicht mehr von der Original-Besetzung, sondern von einer komplett neu besetzten Gruppe, die lediglich den Namen beibehalten hat. Die Crew besteht bis heute hauptsächlich aus verschiedenen Underground-Gruppen und konnte so zum Glück den Stil aus den Gründungstagen beibehalten.

Julia Gschmeidler

13. Wolfgang Ambros – Du schwarzer Afghane
Der politisch wahrscheinlich nicht ganz korrekte Begriff für vieler Menschen Lieblingskraut wird von einem jungen Ambros auf eine derart schräge und mit Wortwitz verpackte Art besungen, dass man direkt ins morbide und Heroin-geschwängerte Wien der 70er-Jahre zurückversetzt werden möchte. Kein Wunder, dass Michael Ostrowski für die Vollendung von Michael Glawoggers „Sex, Drugs & Rock’n’Roll“-Trilogie, „Hotel Rock’n’Roll“, diesen Klassiker auf den Soundtrack gepackt hat. Überhaupt ein starker Soundtrack, auf dem unter anderem der Wiener Avant-HiphHop-Electronic-Musiker Koenig mit mehreren Songs vertrten ist. Hörenswert!

14. Harrison Brome – Fill Your Brains
Das veröffentlichte Material des 20-jährigen Kanadiers kann man an zwei Händen abzählen. Umso erstaunlicher, dass jeder einzelne Track davon ein Hit ist. Mehr braucht man dazu auch gar nicht zu sagen, lieber die EP sprechen lassen.

Heinrich Matis

15. Mista Meta – M.E.T.A.
CHB  eine Squad zum Verlieben. Mista Meta aus Westberlin legt sich ins Zeug auf den Beat des Non Phixion Klassikers „Four W’s“, der bald auch schon 20 Jahre alt ist. Liebe deutsche Rapper, man kann sich dem jungen Herrn nur anschließen eure Mütter wären froh, würdet ihr endlich (so et-) was machen.

16. Isaiah Rashad – 4r Da Squaw (prod. FrancisGotHeat)
Isaiah Rashad zeigt, dass man als Rapper von der Westküste nicht dazu verpflichtet ist, mit dicken Klunkern und Luxuskarrossen aufzuwarten. Zaywop bleibt in der Realität, während er in Sandalen am Pier entlangschlendert you ain’t nothing but a baby, your fear is growing up.

Daniel Shaked

17. Lady Wray – Do It Again
Don’t call it a comeback oder so ähnlich könnte man ihre Karriere nennen. Die eine Stimme des Lady-Duos geht auf Big Crown Records nun Solo-Wege und das mit Bravour! Ein weiteres Release auf dem neuen New Yorker Label, hinter dem El Michels und Danny Akalepse stehen. Und diese stehen eben für reine Qualität und keinen Bullshit.

18. Semi Hendrix – Breakfast at Banksy’s 
Audrey Hepburns Moon River trifft auf auf Funk und Wortwitz. Alleine der Titel gehört prämiert. Diese Kollabo von Ras Kass mit dem Grammy-nomminierten Produzenten Jack Splash auf Mello Music besticht nicht nur durch funky Samples und die souligen Vocals von Spalsh, sondern smarten, sozialkritischen Raps des kalifornischen Rap-Urgesteins. Leider erhielt das Release viel zu wenig Aufmerksamkeit.

Jérémie Machto 

19. Mac Miller – Planet God Damn ft. Njomza
Kaum ein Album habe ich die vergangenen Wochen so viel gehört wie „The Divine Feminine“ von Mac Miller. Der wohl beste Track daraus ist „Planet God Gamn“: Die zweite Strophe ist die beste des Albums und Njomzas Stimme ist einfach nur atemberaubend!

20. Isaiah Rashad – Park (prod. Park Ave & D. Sanders)
Auch die neue Platte von Isaiah Rashad lief bei mir auf Dauerschleife. Bei den großteils nachdenklichen und ruhigen Tracks sorgt „Park“ für gelungene Abwechslung und dieser Beeeeaaat … vor allem der Drop bei 1:55 absoluter Turn-up!

Helen Aksakalli

21. Nimo – Bitter (prod. Jimmy Torrio)
„Deux deux neuf ma ville“ Dass Nimo einer meiner Favoriten ist, weiß mittlerweile die halbe Welt und am meisten leidet edhardygirl14 unter meinen Fangirl-Aktionen. Auch nach dem „Ja man habebeeee“-Tourdate für Wien wird das Mixtape noch einmal durchgepumpt.

22. Azet, Zuna & Nash – Kartell (prod. DJ A-BOOM)
„KMN ist die Gang, choya“ – Zuna, Nash und Azet konnten mich mit ihrer bisherigen Arbeit nur begeistern und mit dem Freetrack „Kartell“ schaffen sie es sogar, Fetty Wap am Morgen zu ersetzen – der beste Wecker-Sound aller Zeiten.

Marlene Rosenthal

23. Noname – Diddy Bop (ft. Raury & Cam O’bi)
Nonames erstes eigenes Mixtape „Telefone“ hat mir gänzlich den Spätsommer versüßt. Mysteriös blieb, wie man als Newcomerin aus dem Nichts so eine solide Scheibe raushauen kann  vor Kurzem habe ich dann aber endlich mal gegoogelt und herausgefunden, dass sich hinter Noname ehemals No Name Gypsy verbirgt, die schon von Mick Jenkins und Chance the Rapper gefeatured wurde. Auf Twitter hat sie ihre Namensüberholung erklärt: „When I first decided what my stage name would be I was unaware of how racially inappropriate and offensive it was to Romani people.“ Das nenne ich mal einen anständigen Neuanfang.

24. Solange – Don’t Touch My Hair
Mit ihrem Ohrwurm „Losing You“ und dem dazugehörigen Video hat mich Solange erstmals als ernstzunehmende Solokünsterlin überzeugt. Das war allerdings 2013. Jetzt hat sie endlich mit ihrem neuen Album „A Seat at the Table“ nachgelegt und wieder bewiesen, dass sie sich kein Stück hinter ihrer berühmten älteren Schwester verstecken muss. Bitte auch das Video zu „Cranes“ anschauen, sehr viel schöner kann ein Musikvideo kaum sein.

Max Cornelius

25. $uicideboy$ – O PANA
Die $uicideboy$ stehen für mehr als nur kranke Beats und ihren unverkennbar markanten Stimmeinsatz. Thematisch wagen sich $crim und Ruby in die dunkelsten Ecken der menschlichen Existenz vor, indem sie Mordfantasien, Suizid und Suchtprobleme als ihre Thematiken an die Oberfläche brachten und so eine sehr eingeschworene Hörerschaft um sich herum gruppierten. O Pana!

26. Kamikazes – Grandhotel Abgrund
„Versteh mich nicht falsch, aber versteh uns niemals richtig“. Die Kamikaze-Brüder versorgen den Zuhörer neben interpretationsoffenen Texten auch mit charakteristischen Instrumentals zu ihren Werken. Ihre musikalische Autonomie gleicht einem akustischen Gemälde, für den Zuhörer faszinierend und beängstigend echt zugleich.

Additional text by Wanja Bierbaum // Cover artwork by Marlene Rosenthal
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Reviews

Lance Butters & Ahzumjot schieben Welle // Review

Ahzumjot Lance Butters
VÖ: 4. Oktober 2016 // Four Music

Die Wege von Lance Butters und Ahzumjot kreuzen sich auf der „Die Welle“-EP nicht zum ersten Mal. Bereits 2012 half Lance seinem Kollegen als Support auf der „Keine Sorge Mama“-Tour, für die auch ein gemeinsamer Tourtrack aufgenommen wurde. Auch ohne Featurepart feilte Ahzumjot bei der Entstehung von Lance Butters Debütalbum „Blaow“ gehörig mit, nun tritt er neben Lance wieder selbst ans Mikro und liefert die anderen 50 Prozent Text der EP.

In dieser Kombination treffen sich auf der EP zwei Musiker, die in ihrem künstlerischen Schaffen definitiv als Gegenpole gesehen werden können. Auf der einen Seite steht der maskierte Lance Butters, aufgestiegen durch das VBT und bekannt für eine unverwechselbare Ansicht auf das Leben, welche über mehrere Releases hinweg mit Flow und Klangbild verschmolzen ist. Auch wenn sich dieser öffentlich nur maskiert zeigt, hat seine Musik ein unverwechselbares Gesicht. Den künstlerischen Gegenpart stellt Ahzumjot dar, der in seiner bisherigen Karriere vor allem von seiner Vielfältigkeit als Künstler gezehrt und diese ausgelebt hat.

„Die Welle“ gibt es kostenlos zum Download und enthält insgesamt sechs Songs, allesamt von Ahzumjot produziert, gemixt und gemastert und liefert einen guten Vorgeschmack auf die gemeinsame Tour Ende November. Die EP startet sehr stark mit „Many Men von 50“, welches die thematische Richtung schon andeutet: Battlerapeinflüsse auf einem zeitgemäßen Klangteppich, gewürzt mit mehreren Prisen Antipathie gegenüber Deutschrap in der heutigen Form. So entwickelt sich das Kollaboprojekt thematisch zu einer Abrechnung mit der ganzen Szene, in konzentrierter Form am stärksten auf dem Lied „Respekt“ hörbar.

„Nur weil ich wegen euch rap, akzeptier‘ ich noch lang‘ nicht eure Comebacks
Schmeiß‘ all die alten Platten von euch weg,
Ich hatte mal Respekt, ab und an seh‘ ich euch im Backstage
Seid froh, dass euch da nicht die Fans sehen,
Denn die haben noch Respekt
Wäre schön, wenn ich den noch vor euch hätt‘
Wäre schön, wenn ich den noch vor euch hätt’“
– Lance Butters auf „Respekt“

Über „Killes“, „Ok Krass Schade“ und „Open Mic“ hinweg zeichnen Ahzumjot und Lance Butters akribisch an ihrem hörbaren Mittelfinger, der an alles gerichtet ist, was für sie subjektiv gesehen falsch in der Deutschrapszene und deren Medienlandschaft läuft.

„Sehe wie sich Rapper bewegen in ihren Videoclips
Gnade mit dem Typen, der im Schnitt vor euren Videos sitzt, ah
Und du machst Selfies in der eigenen lachhaften Modelinie, wenn du grad beim Fitness bist
Kennst du diesen Hans Entertainment Moment, wenn du merkst das ganz Deutschrap so beschissen ist“
– Ahzumjot auf „Ok Krass Schade“

Der letzte Song und zugleich Titeltrack namens „Die Welle“ beendet das gefühlt zu kurze Werk und hinterlässt den Zuhörer mit einem Gefühl des ungestillten Hungers. Neben der offensichtlichen Funktion als Tour-Appetizer fungiert die EP gleichzeitig als Statement und setzt ein Ausrufezeichen, welches beim Zuhören gefühlt zum richtigen Zeitpunkt kommt. Eine Empfehlung daher an alle, die ein wenig Bock auf experimentellen Sound mit Battlerapambitionen und Realtalk haben.

4 von 5 Ananas
4 von 5 Ananas

Am 27. November kann man die beiden live in der Grellen Forelle in Wien sehen.

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International News

Ahzumjot lässt die Familie hochleben // Video

AHZUMJOT
Ahzumjot chillt mit der Squad

Ahzumjot meldet sich mit „Mein Bruh“ zurück: Die Videoauskoppelung ist Teil des Projekts „16QT02: TAG DREI“, welches 14 Nummern umfasst und mit Features von Mädness und Dissythekid aufwartet. Thematisch bewegt sich „Mein Bruh“ zwischen nostalgischem Rückblick, Representer und Liebeserklärung für das engere Umfeld. Ahzumjot beweist, dass er den Flavour modernen HipHops aus den Staaten mühelos in den deutschsprachigen Raum übersetzen kann, ohne dabei klischeehaft zu kopieren. Der Track wirkt rund, aber für die Verhältnisse des Hamburgers etwas roh, was je nach Geschmack auch positiv auffallen kann. Dass der gebürtige Hamburger gerne experimentiert, zeigt sich unter anderem auch im Beatwechsel während des Tracks. Ahzumjot, der die ganze Platte selbst produziert hat, ist noch lange nicht angekommen und verzichtet gerne auf Regeln.

„Skippe die Regeln wie Skits, ich dachte dafür sind die da,
das irgendjemand diese bricht, ich skippe sie gerne für dich“

Einige der neuen Tracks werden wohl auf der bald startenden „Lassensedis“-Tour, gemeinsam mit Lance Butters zu hören sein. Den Link zum Download von „16QT02: TAG DREI“ gibt es hier.

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International News

Ahzumjot, abseits des Mics // Download

ahzumjot_remix_ep

Als Ahzumjot vergangenes Jahr in Zusammenarbeit mit Produzenten Levon Supreme die „Minus“-EP veröffentlicht hatte, ist diese von den deutschsprachigen HipHop-Medien ziemlich unerwähnt geblieben. Dabei befinden sich darauf durchwegs starke Beats, die Texte kreisen dabei um Ahzumjots Gedanken und sein Leben. Dass er noch nicht der nächste Star ist – wie es ihm viele HipHop-Journalisten nach seinem Debütalbum „Monty“ vorausgesagt haben – hat dem Hamburger Rapper nicht davon abgehalten, weiter an seiner Karriere zu arbeiten. Ich finde es ganz gut bei mir, dass es diese Höhen und Tiefen gibt. Dass es eine Zeit gab, wo es hieß ‚Der Typ wird der nächste Star‘ – und mit dem neuen Album bin ich noch nicht der nächste Star geworden. Das kann aber immer noch kommen, weiß man ja nicht. Kann aber auch scheitern. Dann fällt man auf die Fresse und muss wieder aufstehen„, sagte Ahzumjot vor 2014 in einem Interview mit The Message.

Das erneute Aufstehen, das versucht Ahzumjot jetzt als Produzent. Mit der Remix-EP „16QT01“ beweist der 26-Jährige, dass er selbst mit einem Großmeister wie James Blake mitzuhalten vermag, die Remix-Version von dessen „I never learnt to share“ kann es auf jeden Fall mit dem Original aufnehmen. Weitere Künstler, die Ahzumjot neu interpretiert hat, sind Drake, The XX, The Weeknd oder Justin Bieber.

Die komplette sieben Track starke EP gibt es auf Ahzumjots Homepage als kostenlosen Download.




 

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Interviews

„Ich bin noch nicht der nächste Star“ // Ahzumjot Interview

Alexander Gotter - Ahzumjot - The Message _DSC5630

Ahzumjot sitzt mit uns an der Bar im B72, es dauert nicht mehr lange, bis zu seinem ersten Solo-Konzert in Wien. Höflich fragt er uns, ob es uns stören würde, wenn er während des Interviews eine Zigarette raucht. Er schneidet noch eine Ingwerknolle für seinen Tee, am Tresen liegt der zuvor benutzte Afrokamm. Entspannt erzählt der Hamburger über die Schwierigkeit, Erwartungen nicht zu erfüllen, erklärt Oberflächlichkeit zu einem Resultat des Konsums und verurteilt die seiner Meinung nach Promo-Aktionen mancher US-Rapper in Ferguson. Beim anschließenden Konzert werden nur wenige Fans erscheinen. Und doch erfreut sich ein strahlender Ahzumjot äußerst glaubwürdig über die auswendig gelernten Texte und die Zuhörer, die nur seinetwegen gekommen sind. Genau diese Stärken sind es, die einen Star ausmachen.

Interview: Julia Gschmeidler
Fotos: Alexander Gotter

TM: Du hast gerade davon erzählt, dass dich Leute immer mit anderen dunkelhäutigen Promis verwechseln. Stimmt es, dass du selbst mal Schauspieler werden wolltest?
Ahzumjot: Ja, ich wollte als kleiner Junge unbedingt Schauspieler werden, als ich großer Fan von „Prince of Bel-Air“ war. Ich wollte schon immer etwas Künstlerisches machen.  Irgendwann kam dann noch Journalismus dazu. Ich hab schon immer das Schreiben geliebt, so bin ich dann auch zum Rappen gekommen. Irgendwann hat man sich ein billiges Headset gekauft und angefangen, aufzunehmen.

Du warst letztens bei „Inas Nacht“ auf ARD, wo auch Tobias Moretti zu Gast war. Hattest du die Gelegenheit, dich mit ihm auszutauschen?
Ganz kurz, wir haben uns beim Soundcheck begrüßt. Da hat Ina Müller uns vorgestellt und sie meinte, ob ich ihn überhaupt noch kennen würde und das noch meine Generation sei. Ich so: „Ja klar, als kleiner Junge war ich totaler Fan von ‚Kommissar Rex‘.“ Das fand er gar nicht geil, dass ich das gesagt habe. Irgendwie hab ich das Gefühl, dass er gar nicht mehr so viel damit zu tun haben will, weil er darauf reduziert wird. Das ist wie ein Musiker, der so einen Riesenhit hatte und darauf reduziert wird. Bei Kate Perry wird das immer „I kissed a Girl“ sein.

Ein anderer Österreicher, über den du schon öfters erzählt hast, ist Gerard. Wie hast du ihn kennen gelernt?
Oh, das war 2011. Da war ich bei „Beatfight“ in Köln, das ist ein HipHop-Produzenten Battle. Da war Gerard im Publikum. Wir haben danach was gesoffen, der trinkt ganz gerne mal und dann auch ganz gut. Dann hingen wir den ganzen Abend zusammen herum, er hat die Beats auch ganz geil gefunden, die wir gemacht haben. Da ist dann gleich eine Connection gewesen.

Kommt da auch noch was Gemeinsames?
Ich hätte wahnsinnig Bock drauf und könnte es mir auch tatsächlich vorstellen – in gar nicht allzu weit entfernter Zukunft zusammen was zu machen. Ob ich jetzt einen Song für ihn produziere, oder er mal einen Song mit mir als Feature macht. Wir haben schon mal einen mit Olson gemacht, der ist aber etwas älter und war ein Side-Project. Aber jetzt einen richtigen Song mit Gerald, hätte ich mal richtig Bock drauf.

2011 wurdet ihr beide zur „Neuen Reimgeneration“ gezählt. Wer gehört deiner Meinung nach 2014 dazu?
Es gibt wahnsinnig viel, das neu ist und interessant. Allein schon Sierra Kidd oder Nanoo. Der ist noch nicht wirklich bekannt, aus Aschaffenburg und hat mit Rockstah  ein paar Songs gemacht. Der hat neulich eine EP rausgebracht, die ist ziemlich geil geworden. Sonst gibt es fast schon zu viele.

In einem Interview sagtest du, dass wenn die Leute die Musik verstehen würden, Tua einer der größten Künstler in Deutschland wäre …
Das kann ich heute noch so unterschreiben.

Du meintest auch, dass dein Album „Nix mehr egal“ die Rollenverteilung ändern würde und nicht nur Cro im Radio gespielt werden würde.
Damit meinte ich, dass meine Musik zugänglicher ist als die von Tua, aber trotzdem nicht so „easy“ wie die Themen von Cro. Meine Themen sind trotzdem bestimmt und ich spreche ernsthafte Dinge an und mache nicht wie Cro Musik zur Berieselung, das ist ja pures Entertainment. Dennoch ist es nicht ganz so düster und ganz so in die Magengrube wie bei Tua. Ich bin halt ein riesengroßer Tua-Fan und ich würd’s ihm gönnen, dass ihn ein breiteres Publikum wahrnehmen würde. Auch wenn er bekannter ist als ich selber.

Auch Gerard gehört dazu. Das sind alles Künstler, die ernsthafte Themen haben und deswegen von einer breiten Masse noch nicht ganz angenommen werden können, weil der Sound noch zu speziell ist. Vielleicht ist das mal anders, wenn die Leute mehr auf den Inhalt achten und nicht darauf, ob das einen Ohrwurmcharakter hat.Alexander Gotter - Ahzumjot - The Message _DSC5673-Bearbeitet

Nikolai Potthoff, einer der zwei Produzenten deines Albums, meinte, dass er davor keine Ahnung von HipHop hatte. Wie hat sich das auf das Endprodukt ausgewirkt?
Das war ganz lustig. Beim ersten Treffen wollten wir uns Musik zeigen, die wir gut finden. Ich dachte, ich muss ihm HipHop richtig beibringen und hab ihm Kanye West und Jay-Z gezeigt – und er kannte alles. Dann hat er mir Theophilus London gezeigt, den man nicht kennt, wenn man gar nichts mit HipHop zu tun hat. Dann hat er mir Zebra Katz gezeigt, das ich selbst nicht kannte. Da meinte ich: „Hey, du hast aber ganz schön tiefgestapelt, als du meintest, du hast keine Ahnung von HipHop.“ Dabei meinte er, dass er ihn nur noch nicht produziert hat. Bei ihm zu Hause waren so viele Klassiker-Platten, LL Cool J, die alten Badboy Records Platten, Mase … Natürlich war’s ein wichtiger Einfluss fürs Album, dass es nicht ein straighter HipHop-Produzent war.

Bei „Nix mehr egal“ geht es viel darum, dass die „Oberflächlichkeit ein scheiß Ding“ sei. Glaubst du, dass diese in Zukunft eher zu- oder abnehmen wird?
Ich glaube, sie nimmt gerade stetig zu. Wir leben in einer Konsumgesellschaft, wie wir sie noch nie hatten, alleine durch das Internet. Wir werden mit Werbung zugeknallt bis zum Gehtnichtmehr. Auch ich bin ein Kind der Konsumgeneration, ich selber steh auf gute Klamotten und gehe gerne gut essen, gucke gerne gute Filme. Du kannst dich dem schon gar nicht mehr entziehen, vor allem wenn du in einer Großstadt wie Berlin oder Wien wohnst. Oberflächlichkeit ist ein Resultat aus Konsum, deswegen wird es durch das steigende Angebot immer mehr zunehmen. Wenn wir sehen, wo sich die Technik gerade hinbewegt, mit der ganzen Google-Geschichte, die da gerade passiert, mit Google-Glasses, das wird immer schlimmer. Mittlerweile gibt’s eine App für jeden Scheiß.

Du meintest auch einmal, dass du deinen Kindern einmal nicht nur erzählen willst, wie du feiern warst, sondern auch tiefergreifende Erlebnisse. Was zählst du zu diesen?
Wow, schwierig zu sagen. Das, was ich mit meiner Musik mache – zu versuchen, seinen Traum zu leben – das hat alles seine Höhen und Tiefen. Das werde und würde ich meinen Kindern definitiv gerne mitgeben. Cro hat zum Beispiel ein Video gemacht und war ein Star. Ich finde es ganz gut bei mir, dass es diese Höhen und Tiefen gibt. Dass es eine Zeit gab, wo es hieß „Der Typ wird der nächste Star“ – und mit dem neuen Album bin ich noch nicht der nächste Star geworden. Das kann aber immer noch kommen, weiß man ja nicht. Kann aber auch scheitern. Dann fällt man auf die Fresse und muss wieder aufstehen. Ich würde ihnen mitgeben, an etwas festzuhalten und immer an etwas zu glauben, sich definitiv nichts ausreden zu lassen. Lieber die eigenen Erfahrungen machen, als groß etwas weiterzugeben, davon handelt auch das Album sehr viel.

Alexander Gotter - Ahzumjot - The Message _DSC5608

Du prangerst an, dass sich die Leute über Politik beschweren, ohne sich mit ihr auseinanderzusetzen oder auf Demos zu gehen, ohne hinter deren Forderung zu stehen. Aber warum machen sie es dann? Ist es in Mode?
Anti-Sein ist immer in Mode. Es ist immer cooler, gegen etwas zu sein, als für etwas. Wenn du mitreden willst, musst du auch gegen bestimmte Themen sein. Die ganze Geschichte mit Ferguson, wo Mike Brown von einem Polizisten erschossen wurde … Wenn man einmal guckt, was medial in Amerika passiert und wie viele Rapper sich dafür interessieren, plötzlich auf die Straße gehen und sich „zufällig“ dabei fotografieren lassen. Das mag ich nicht so gerne, sich für Themen zu interessieren, nur weil das die breite Masse tut. Entweder dich interessiert es wirklich, dann ist es auch schön und gut. Aber man sollte das nicht an die große Glocke hängen. Sobald du spendest, ist bei einem Star die Frage, ob man das für sich behalten soll, damit’s nicht wie ein Promo-Gag rüberkommt, oder es an die große Glocke zu hängen. Wie viele setzen sich auf Demos wirklich mit dem Thema auseinander, wegen dem sie auf der Demo sind? Vielleicht 20 Prozent, wenn nicht noch weniger. Das ist eine schwierige Sache, dieses gefährliche Halbwissen.

Alexander Gotter - Ahzumjot - The Message _DSC5674-BearbeitetWürde das dann nicht bedeuten, dass man nur protestieren darf, wenn man eine Alternative hat oder sich auskennt?
Das nicht, es darf ja jeder machen was er will. Aber ich finde es für mich selbst wichtig.  Ich fände es heuchlerisch, wenn ich mich mit dem Thema überhaupt nicht auseinandersetze, aber dafür jetzt kämpfe.

In dem Track „Zu Gast“ sagst du, dass ‚Willkommen‘ auf unserer Fußmatte steht, aber dass es auch noch das Kleingedruckte gibt. Was ist das?
Das sind die Bedingungen, die dem Willkommen hinterhergestellt werden. Nach dem Motto „Willkommen, du darfst dich auf dieser Welt frei entfalten“. Ich als Künstler weiß aber, dass da immer irgendwo ein Haken dabei ist. Dass du dich zwar frei entfalten darfst, aber allein das Geldverdienen ist nicht einfach.

Ich habe beim Hören eher die deutsche Einwanderungspolitik damit in Verbindung gebracht.
Damit hat es nichts zu tun, aber ich find’s gut, wenn Leute auch mal was anderes hineininterpretieren. Ich glaube, da liefert meine Musik oft einen doppelten Boden, was sie dadurch wieder weniger zugänglich und radiotauglich macht.

Aber welche Kunst bringt schon nur eine Meinung hervor?
Hör dir das Radio an! Wo ist der doppelte Boden, wenn Enrique Iglesias singt „I wanna fuck with you tonight“? Ist relativ deutlich, was der Mann will. Eine Message und das war’s. Auch in den Charts. Bei Helene Fischer, erfolgreichste deutsche Künstlerin, finde ich die Texte auch ziemlich eindeutig …

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Lance Butters Chris Miles

Was Lance Butters über Chris Miles denkt, kann man im The Message-Interview lesen. Nun gibt es auch neuen musikalischen Output von den beiden. Der Beat zu „Wie gewohnt“ stammt übrigens vom Hamburger Ahzumjot.

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(thomki)