Um die Ecke gedacht // T9 Porträt

In der Welt des HipHop gibt es einige geniale Geister, die neue Genres und Stile begründen. Ihnen folgen unzählige Nachahmer, die teils klug adaptieren, teils dreist kopieren. So wälzt sich die Rapmaschine durch die Jahrzehnte. Old, new, true, mal wieder etwas Retro, hier und da etwas Neues. Das Rapper-Produzenten-Duo T9 ist kein Nachläufer. Das Rad erfinden die beiden auch nicht neu, es läuft nur wesentlich schneller. Torky Tork und Doz9 haben es zu ihrer Nische gemacht, Rap auf die Spitze zu treiben. Und deswegen freuen wir uns besonders, dass sie bei unserer 21-Jahr-Feier am 29. Juni in der Grellen Forelle zu Gast sind.

Der T9-Sound ist kein „Easy Listening“: Die rumpeligen Beats von Torky Tork schaffen eine düstere Atmosphäre. Wenn die Kick den Raum von unten durchbricht, dann mit Wumms. Seine Samples diggt der Berliner Produzent aus den hinterletzten Winkeln der bekannten Welt. So kann man auch kein einheitliches Genre für die drei T9-Alben festlegen. Die Konstante kommt mit Doz9 und seinen einzigartig verschrobenen Flows. Sperrige Reimketten bauen sich im Laufe unendlicher Halbsatzketten auf, werden manchmal nie gelöst. Statt linearem Storytelling erwarten einen Assoziationsketten und Worthülsenfeuerwerke, die den Sonnenbankflavour zum Fließtext degradieren. Worum es in den Lines genau geht, kann man durch intensives Studium auf Genius herausfinden. Man kann aber auch einfach zuhören und Überforderung und Informationsüberschuss als Teil des Konzepts sehen. Grund zum Wiederhören besteht allemal.

T9 veröffentlichten mit „T9“, „R.I.F.F.A.“ und „Plastik aus Gold“ bisher drei Alben. Den Entstehungsprozess kann man auf den Platten schnell raushören: Torky und Doz verstecken sich jeweils für eine kurze Zeit in einer Waldhütte in Brandenburg, einem Haus auf Teneriffa oder einem Berliner Studio. Hoch konzentrierte Arbeit; alles, was aufs Album kommt, entsteht aus dem Nichts innerhalb einer manischen Woche. Beide Hälften des Duos bringen einiges an Erfahrung mit: Torky Torks Beats fanden den Weg auf einige äußerst exquisite Deutschrapplatten. Er war dabei, als Audio88 sich auf  „Normaler Samt“ entschied, seine Texte in Reimform zu veröffentlichen und steuerte zwei Tracks zum besten Haftbefehl-Album der 90er, „The Notorious H.A.F.T.“, bei. Auch Doz9 ist kein unbeschriebenes Blatt. Musikalischen Affären führt der schönste Mann im Raum unter anderen mit Jay Spaten als Schaufel und Spaten, mit Pierre Sonality als Die Kraszesten und immer wieder mit Scarf Face.

T9 ist HipHop auf Steroiden, nichts für Anfänger. Komplexe Musik aus dem Untergrund, mit dem großen Vorteil, niemandem Gefallen zu wollen. In einem Interview sagt Doz9: „Es ist wichtig, dass es die Leute gibt, wie wir, die den Scheiß der Musik wegen machen und das auf ein nächstes Level bringen wollen.“ ­– Doz sei Dank! Wer gerne um die Ecke denkt und aktiv zuhören kann, wird von T9 mit goldenen Vibes überhäuft.

Am 29. Juni gibt’s das Duo live bei der „The Message“-Party in der „Grelle Forelle“ zu sehen.

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