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Von Wien-Mitte in die Oberliga: „Eva & Adam“ von Svaba Ortak // Review

Epic d (Sony Music) // VÖ: 29. März 2019

Mittlerweile dürfte Svaba Ortak vielen ein Begriff sein. Der Wiener Rapper mit serbisch-montenegrinischen Wurzeln hat in den vergangenen Jahren schließlich eine interessante Reise gemacht. Schon in der Schulzeit schrieb er seine ersten Bars und veröffentlichte Tracks auf YouTube. Ein paar Mixtapes später galt Svaba als heißer Untergrundtipp mit großem Potenzial. Song für Song verbesserte er seine Skills, baute eine Fanbase auf und knüpfte Kontakte in der Szene. Nach dem Mixtape „Kaldrma“ zog er nach Frankfurt am Main, brachte die „Enter Tha Dragon“-EP raus und kollaborierte mit namenhaften Künstlern wie Olexesh, der 187 Strassenbande und vor allem Haze.

Nach turbulenten Zeiten in Frankfurt folgte die Rückkehr nach Wien, in sein geliebtes Viertel Landstraße. In Wien unterzeichnete Svaba Ortak auch einen Major-Vertrag, mit dem er das letzte Mosaik-Stückchen in seiner Karriere hinlegen will: Sein Debüt-Album, das trotz der langen Jahre im Geschäft noch ausstand. Dieses Werk taufte Svaba Ortak „Eva & Adam“. Mit dem Titel bezieht er sich auf die biblische Geschichte von Adam und Eva die Stammväter aller Menschen. Außerdem steht „Eva & Adam“ sinnbildlich für seine Eltern, denen er hiermit etwas zurückgeben will. Und damit stieg er diese Woche gleich auf Platz 4 der Ö3 Austria Top 40 ein.

Musikalisch steht Svaba Ortak für authentischen Straßenrap aus Wien. Auf insgesamt 17 Tracks beschreibt er das Leben als Sohn mit jugoslawischen Wurzeln, die damit verbundenen Konsequenzen und seinen Werdegang auf der Straße. Eine Beschreibung des Sentiments der Diaspora in den 90er-Jahren ist elementar in seinen Songs. Viele mussten sich in fremden Ländern ohne Sprachkenntnisse mühsam eine Existenz aufbauen. Svaba kommt das alles sehr bekannt vor. Man spürt es regelrecht. Immer wieder bearbeitet er dieses Thema. Auf „Südbahnhof“ gewährt er Einblicke in den Lebenslauf seiner Eltern, ihre Flucht und deren Überlebenskünsten nach ihrer Ankunft in Österreich.

„Südbahnhof Ankunft, Ausländer ohne Mutter / Balkans Schicksale, Baustelle oder Hungern“

Soundtechnisch begibt sich Svaba auf eine Reise. Zusammen mit Raf Camora lässt er auf „Bis Dato“ die 80er neu aufblühen und bringt mit „Alles Leiwand“ den 90er-Westcoast-Groove direkt nach Wien. Die Popularität von Afro-Trap der Marke PNL ist an ihm auch nicht vorbeigegangen. Das Eastblok-Family-Mitglied tobt sich auf tanzbaren Dancehall-Riddims mit Autotune aus. Etwas ungewöhnlich, aber keineswegs schlecht umgesetzt. Trotzdem kehrt Svaba Ortak seinem bisherigen Sound nicht den Rücken. Auf Songs wie „Qualität“, „Serben in Wien III“ oder „ Simba“ mit Amar marschiert Svaba in gewohnter Manier auf Ethno-BoomBap-Beats.

Gekonnt wechselt er zwischen Hochdeutsch und Wienerisch und füllt seine Lines mit serbischen Ausdrücken. Ein Highlight ist der Song „Machtwechsel“ mit Features von den Droogieboyz und dem Eastblok-Kollegen Esref. Die Tatsache, dass ein ethnischer Serbe mit zwei Wienern und einem Türken, der auf Mundart rappt so auf einem Track harmoniert, ist ein Spiegelbild für die Vielseitigkeit der Donaumetropole an sich. Ein weiteres Mal ganz persönlich wird Svaba auf „Ozean“ und seinem Outro „Atlas“. Einsamkeit, Vertrauen und die Loyalität zu seinen Freunden und der Familie spielen darauf ein große Rolle.

„Und durch Rap teil ich alle meine Tränen mit dir / denn für Rap, Bruderherz, bin ich prädestiniert“

Svaba Ortak lässt auf „Eva & Adam“ viel Revue passieren und vergisst nicht wo er herkommt. Trotzdem schaut er selbstbewusst in die Zukunft und weiß, was ihn erwartet, wenn er weiter am Ball bleibt. Er scheint angekommen zu sein. Sowohl musikalisch, als auch menschlich. Nach jahrelanger Arbeit und harten Etappen ist das Schlimmste überstanden. Es ist an der Zeit, ein paar Lorbeeren zu ernten. Satt klingt er jedoch nicht. Der nie zu stillende Hunger treibt ihn an. Die Zukunft wird zeigen, was dieser Hunger noch bewirken wird.

Fazit: Tiefer Inhalt und authentische Bilder. Straßengeschichten, persönliche Kämpfe und das Leben als Serbe in Wien. Ein gelungenes Album, wahrscheinlich sogar eines der besten deutschsprachigen Straßenrap-Alben der Gegenwart.

4 von 5 Ananas

 

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