Musik mit Sogwirkung: „Sink“ von Sudan Archives // Review

(Stones Throw/VÖ: 25.05.2018)

Möchte man die Künstlerbiografie von Brittney Parks aka Sudan Archives mit einem Wort beschreiben, „Selbstinitiative“ wäre bestimmt eine gute Wahl. Denn vieles, was heute ihre Musik ausmacht, beruht auf die Eigenschaft, Dinge einfach selbst in die Hand zu nehmen. Beispielsweise erlernte sich Parks das Produzieren von Beats in Eigenregie auf dem iPad, nachdem das lokale Electrokollektiv in Cincinnati mit ihren SP-12-Drum-Machines nachhaltigen Eindruck bei ihr hinterließ.

Oder, für ihre Kunst mindestens gleichsam bedeutend: Das Violinenspiel, welches sie sich ebenfalls autodidaktisch beibrachte. Vorbilder fand Brittney Parks, die seit ihrem 17. Lebensjahr von ihrer Mutter „Sudan“ genannt wird, bei Violinenspielern aus Nord- und Westafrika vor. Der sudanesische Multiinstrumentalist Asim Gorashi, bekannt für seine Mischung aus Folk- und Sufimelodien, der malische „Bluesman of Africa“ Ali Farka Touré und der meisterhafte gambische Griot und Fiddler Juldeh Camara avancierten so zu Inspirationsquellen, deren musikalische Zugänge Sudan Archives in ihre Musik inkorporiert und diese mit elektronischer Musik verbindet.

Das funktionierte bislang außerordentlich gut, wie die selbstbetitelte EP aus dem vergangenen Jahr zeigt, die die mittlerweile nach Los Angeles übersiedelte Parks via Stones Throw veröffentlichte (auch hier spielte Eigeninitiative eine gewisse Rolle). Mit „Sink“ stellt Sudan Archives nun einen Nachfolger vor, der nahtlos an den Vibe ihres Debüts anschließt.

Dabei beginnt die EP überraschend, verzichtet sie auf dem Opener „Sink“ auf ihre Violine. Stattdessen schwirren die Synthies wild umher, die auf eine akustische Kulisse aus Vogelgeräuschen treffen. Darüber lässt Sudan Archives ihre Stimme gleiten, so sanft, dass sie mit der instrumentellen Umgebung verschmilzt. Die Betitelung spiegelt die Klänge wider, in der Hook schmettert sie die Zeilen „Don’t let me down/Just let me drown“ mit einer faszinierenden Coolness. Den Einstieg in die EP meistert sie mit „Sink“ ausgesprochen gut.

Das Highlight der EP folgt sobald, „Nont for Sale“ beinhaltet ihr charakteristisches Pizzicato, gemischt mit typischen Ingredienzien eines Trap-Beats. So prasseln die Hi-Hats, wenn Sudan Archives in ihren Zeilen mit einer toxischen Beziehung abrechnet: „Don’t got time for snitches“, stellt sie im ersten Vers fest. Bei dem Nachdruck in ihrer Stimme durchaus glaubhaft.

Nach diesen ersten fabelhaften Tracks geht die Leistungskurve ein wenig nach unten. „Pay Attention“, „Mind Control“, „Beautiful Mistake“ und „Escape“ sind keineswegs schlechte Tracks, halten aber nicht ganz das Spannungsniveau der ersten beiden. In „Pay Attention“ kommt die Violine, diesmal gemischt mit Rasseln, ebenso zum Einsatz wie auf dem Abschlusstrack „Escape“, den sie unter gleichem Namen bereits vor zwei Jahren veröffentlichte, für diese EP aber in ein neues musikalisches Gewand taucht. „Mind Control“ und „Beautiful Mistake“ sind hingegen Tracks, auf denen sie ihre Stimme ins Zentrum des Geschehens rückt: Schlichtweg selbstbewusste R’n’B-Songs voller Wärme, die mit Sudan Archives spezifischem musikalischen Zugang ein Alleinstellungsmerkmal aufweisen.

Mit der Zeile „Tell me, tell me: Do you know, do you know that you’re beautiful?“ aus „Escape“ beendet Sudan Archives ihre zweite EP, erneut eine äußerst schmackhafte Kostprobe ihres großen Talents. Nun darf endlich ein Longplayer erscheinen. Aber da Selbstinitiative nun einmal eine ihrer Charaktereigenschaften ist, sollte man sich darüber keine Sorgen machen.

Fazit: Sudan Archives liefert mit ihrer zweiten EP erneut eine explosive Mischung unterschiedlicher Musikstile, bestehen aus nordafrikanischem Violinen-Folk, R’n’B und Electro, ab und pendelt lyrisch zwischen Eleganz und Angriffslust. In Summe also eine perfekte Einstimmung auf ein hoffentlich bald kommendes Album, das man mit Spannung erwarten darf.

3,5 von 5 Ananasse

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