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Die Venus aus der Muschel // Spitting Ibex Interview

„Mit „Seeds of Your Sorrow“ zeigen sich Spitting Ibex von ihrer bis dato schwermütigsten Seite.“ So schrieben wir im Austro-Round-up über die aktuelle Single der Funk-Rock-Liveband aus Wien. Spitting Ibex, das sind Tanja, Florian K., Florian J., Valentin und Alexander. In dieser Kombi gibt es sie seit zwei Jahren, gegründet wurde die Band aber schon 2011. Mit Sängerin Tanja und Gitarristen und Produzenten Florian trafen wir uns in ihrem Selfmade-Studio, wo auch Keyboarder Valentin zufällig aufzufinden war.

The Message: Wie hat das mit der Musik bei euch begonnen?
Tanja: Meine Eltern waren nie so musikalisch, aber ich habe Sachen gehört und gesehen, die mich inspiriert haben. Peter und der Wolf habe ich als Kind immer gehört und so gut gefunden. Da ist eine Oboe und eine Klarinette dabei, da habe ich dann auch angefangen, Klarinette zu spielen. Das war so: “Oida, wie geil ist das.” Ich durfte wenig fernsehen außer den Disney-Filmen. Das ist geile Musik. Mit 6 bin ich meiner Mama so lange auf die Nerven gegangen, bis ich Klavier lernen durfte. Zum Singen habe ich mit 12 angefangen, weil ich im Stiegenhaus immer die Disney-Songs zum Besten gegeben hab. Kann ich immer noch auswendig.
Flo: Durch meine Familie bin ich mit Funk und Jazz in Berührung gekommen. Instrumente spielen habe ich dann mit 13 begonnen, zu den CDs meiner Vorbilder wie Jimmi Hendrix oder so. Ich wollte natürlich klingen wie er.

Als Band wollt ihr euch nicht so sehr auf ein Genre festlegen. Was sind eure persönlichen Musikgeschmäcker?
Flo: Wir wollen Band-Sound mit modernen Einflüssen. Für mich persönlich als Produzent ist das vor allem Bass, Trap, sowas. Bei „Seeds of Sorrow“ kommt ein Synthesizer zum Einsatz statt dem normalen Bass. Die Verbindung zu schaffen mit elektronischen Elementen, Bass, das bedeutet für mich, nicht so eine 0815-Funk/Rock-Band zu sein.
Tanja: Als Band sind wir ja ein Kollektiv. Der Flo schreibt die Musik, aber durch das gemeinsame Spielen entwickelt sich ein individueller Sound und Charakter. Auch seit ich dabei bin, hat sich das geändert. Das Genre festzulegen ist auch immer mit einer Erwartungshaltung verbunden. Wir machen einfach das, was uns in dem Moment ausmacht. Das finde ich viel authentischer.

Du bist auch Rap-affin, Tanja?
Tanja: Ich schnupper da gerade rein. Ich hab das nie gelernt oder praktiziert, außer vielleicht in meiner Sido- oder Eminem-Phase mit 13. Ich möchte es auf jeden Fall ausprobieren und hoffe, ich bekomme da auch die Chance.
Flo: Ja, man hört es ja bei der neuen Single schon. Ich denke auch, das könnte interessant werden in die Richtung Erykah Badu, Akua Naru. Schon Rap, aber nicht so typische 16er-Strophen, sondern eine feine Mischung mit Gesang.

Wen spricht eure neue Single “Seeds of Your Sorrow” an?
Flo: Die aktuelle Stimmung, die in unserer Gesellschaft vorherrscht.
Tanja: Wir haben das zusammen geschrieben. “All the people are blinded by their anxieties.” Angst verändert die Sicht auf Dinge. Das kann ich auf mich persönlich beziehen und im gleichen Moment ist damit auch ein allgemeinerer Weltschmerz gemeint. Damals war auch das Flüchtlingsthema sehr im Zentrum.
Flo: Die Spaltung der Gesellschaft und das Gegeneinandersein, konkret im Bezug auf die Flüchtlingsdebatte. Die Medien missbrauchen das Thema auch teilweise, um Schlagzeilen zu generieren.

Fotos: Christian Messner

Was ist eure persönliche Antwort auf die Frage “How to live a life in unity”?
Tanja: Mehr miteinander statt gegeneinander.
Flo: Es würde vielen Leuten guttun, mal rauszugehen (Gelächter). An die frische Luft, statt vorm Computer zu hocken und ihrem Hass auf Facebook freien Lauf zu lassen. Dieser Hass, der sich bei so emotional aufgeladenen Themen wie Flüchtlinge entwickelt, ist seltsam. Die Leute verlieren jegliche Hemmungen im Internet und haten einfach drauf los. Es ist auch nicht ungefährlich, sich unreflektiert in seiner Blase zu bewegen und das alles zu glauben.
Tanja: Die Algorithmen funktionieren ja auch so. Dich das sehen zu lassen, was du sehen willst. Das verstärkt das auch noch. Was man auf jeden Fall ergänzen muss, im Falle Österreich oder auch USA: Die Regierung lebt eine gewisse Einstellung vor und verschiebt damit die Toleranzgrenzen. Unsere Generation ist eine der letzten, die noch von Zeitzeugen erzählt bekommt, wie schmerzvoll und schlimm die Zeit des Nationalsozialismus war.
Valentin: Wir hatten das Thema in der Schule massiv (zustimmendes Gemurmel). Bei meiner Generation hat das angefangen, die jetzt so auf die 40er zugehen. Vorher war totales Schweigen und ab 80ern/90ern wurde verstärkt aufgeklärt.
Tanja: Ja und die Zeitzeugen sterben weg, da sind keine Großeltern mehr die sagen: “Hey, pass mal auf!”
Flo: Für die “Unity” ist wichtig, dass man nicht alles glaubt und Sachen generell immer hinterfragt. Seine Meinung sollte man auch nicht über Facebook bilden, sondern schauen, dass man andere Quellen heranzieht.
Tanja: Wie Spitting Ibex zum Beispiel.

Im Video steigst du aus einer Venusmuschel, Tanja, was war die Idee dahinter?
Tanja: Ich habe von dem Motiv im Urlaub geträumt. Danach war ich auf der Ausstellung eines befreundeten Künstlers, dem Georgi, und erzählte vom Traum. Ich war ur hype und meinte, wir müssen unbedingt mal ein Video mit einer Muschel machen. Und dann erzählt er mir, dass ihm drei Tage vorher bei einem Sturm die Muschel von einer Shell-Tankstelle entgegengeweht ist. Und dann hat er uns diese Muscheln gemacht.  Für mich steht die Muschel für die Wiedergeburt, Weiblichkeit, Matriarchy, die Venus, die über Meer und über Land steht. In Kombination mit dem Alien ist es die Wiedergeburt des Androgynen und auch ein Symbol gegen die Gendernormen.

Ihr habt ein Album in Planung, was könnt ihr uns erzählen?
Flo: „Seeds of Your Sorrow“ war eh schon die dritte Single aus dem Album, neben „Mr. Operator“ und „Let It Go“. Im Herbst kommt noch eine Single mit Video und im Jänner 2020 dann voraussichtlich das Album. Wir sind in der Aufnahmephase.
Tanja: Und wir haben ein Überraschungs-Feature! Wir sagen aber noch nicht, wer das ist. Ein MC aus Wien.

Live Auftritte sind ein großes Standbein für euch?
Flo: Ja, ein großer Vorteil live ist es, eine Band zu haben. Das fahrt natürlich zehnmal mehr, als nur einen DJ zu haben, der den Beat im Hintergrund abspielt. Die Hauptband sind fünf Leute und je nach Location stocken wir die Besetzungen mit zusätzlichen Bläsern auf etc. Am 10. Mai spielen wir wieder live. Wo und was das ist, dürfen wir aber erst ein paar Tage vorher bekanntgeben. Am Donaukanaltreiben spielen wir auch, da wird sicher was los sein.

Spielt ihr nur eigene Songs?
Flo: Ja. Naja, ein Cover ist immer dabei. Prince, „Controversy.“
Tanja: Die Leute glauben schon, es ist unseres.

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