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„Ich war immer schon eine Rampensau“ // Soia Interview

Ein bisschen Soul, ein bisschen Jazz, ein bisschen HipHop genreteschnisch lässt sich die Wiener Sängerin Soia nicht so einfach in eine Schublade stecken. Und auch sonst wirkt Soia durch ihre bunte, weltoffene Art wie ein Mensch, der gar nicht in Schubladen gesteckt werden möchte. Nachdem sie vor einigen Jahren angefangen hatte, Musik zu machen, steht mit „Where Magnolia Grows“ nun schon das dritte Album an, welches am 29. März erscheint. So malerisch wie der Titel schon klingt, so abwechslungsreich und künstlerisch ist auch der Sound, die Thematik des Albums. Wir trafen uns mit Soia in ihrer farbenfrohen Wohnung, um mit ihr über die Herkunft des Titels, Aktionismus und die Aufforderung, die Pizza selbst zu bezahlen, zu sprechen.

Fotos: Paloma Despina

Du bist mit sechs Jahren von Taiwan nach Österreich gekommen. Deine Eltern haben davor in Afrika gelebt. Inwieweit hatte diese Multikulturalität einen Einfluss auf dich, auf deine Musik?
Soia:
Auf jeden Fall hat mich das beeinflusst. Ich habe viele Freunde aus verschiedenen Kulturen und ich finde all diese verschiedenen Einflüsse sehr bereichernd. Österreich ist extrem provinziell im Vergleich zu Paris oder London. Aber durch diese Verschiedenheit ist es dann in meiner kleinen Bubble, in der ich lebe, schön bunt.

Du bist viel unterwegs. Wo oder wann fühlst du dich zu Hause?
In der Natur, ich bin voll der Hippie. Leider komme ich viel zu selten raus, aber zum Beispiel heute war ich spazieren im Wald und es war wirklich schön, ich hab einen Feuersalamander gesehen. Die sind echt groß und mega hübsch!

„Wenn alles ein bisschen ruhiger ist, leicht melancholisch das passt gut zu mir“

Wie bist du überhaupt zur Musik gekommen? Wusstest du schon immer, dass Musikmachen das ist, was du machen magst?
Nein gar nicht, das ändert sich auch irgendwie ständig. Aber ich habe relativ spät angefangen, mit meinem Exfreund. Unser erstes Date hat im Studio geendet. Da war ich schon 18 Jahre alt, aber ich habe erst viel später angefangen, richtig Musik zu machen. Jetzt haben wir schon drei Alben rausgebracht, die sind in sechs, sieben Jahren entstanden. Irgendwie habe ich noch nicht früher gespürt, dass Musikmachen mein Ding ist, aber ich war immer schon eine Rampensau. Meine Mama hat mir erzählt, dass ich schon als kleines Kind auf irgendwelchen Bühnen war.

Wie stark hat man als Frau in der Musikbranche heutzutage noch mit Klischees, Vorurteilen, Benachteiligung zu kämpfen?
In der Musikbranche nicht mehr als in einer anderen Branche. Aber ich sehe eine Verbesserung!

Der Titel deines neuen Albums lautet „Where Magnolia Grows“. Was hat es damit auf sich?
Ich habe hier bei mir zu Hause das Originalbild hängen, das ist dann das Cover des Albums geworden. Das hat ein Freund von mir aus Litauen gemalt  Justas Pranevicius. Ursprünglich war das auch nur ein Songtitel, der Song hat es dann aber nicht auf das Album geschafft. „Where Magnolia Grows“ war ein Lied für meine Mama. So betrachtet eigentlich echt schade, dass der Song nicht am Album ist (lacht). Jedenfalls beschreibt der Titel einen unbestimmten Ort, an dem man in Sicherheit ist. Das wurde auch versucht, in der Ölmalerei darzustellen. Eingebettet in den Blüten zu sein, an einem fiktiven Ort zu sein, an dem es einem immer gutgeht. Das spiegelt das Thema des Albums auch wider: Selbstliebe, Selbstschutz. Deswegen habe ich den Titel für das Album genommen, weil es so malerisch klingt und den Spirit gut widerspiegelt. Es gibt am Weg nach Stellenbosch in Kapstadt ganz viele Straßen, deren Namen botanischer Herkunft sind. Da bin ich vorletztes Jahr durch die Magnolia Road gegangen und fand das Wort einfach so schön.

Magnolien sind eine der ersten Blumen, die nach dem Winter zu blühen beginnen und somit den Frühling einläuten. Bist du ein Winter- oder ein Sommermensch?
Ich mag den Herbst am liebsten. Wenn alles ein bisschen ruhiger ist, leicht melancholisch das passt gut zu mir.

Soundtechnisch heben sich ja einige Songs von anderen ab. „Pay for Pizza“ beispielsweise ist sehr HipHop-lastig. War es dir wichtig, verschiedene Stile auf dem Album zu vereinen?
Der Produzent des Albums ist ja auch der Produzent meiner zwei letzten Alben gewesen Mez. Er hatte eine starke Vorstellung davon, dass wir den Sound viel poppiger machen sollen. Deswegen haben wir Neues ausprobiert und das bei ein paar Songs so gemacht. Trotzdem haben wir versucht, noch organischer als bei den letzten Alben zu arbeiten. Wir haben Instrumente einspielen lassen: Gitarre, Bass, wir haben sogar Bläser auf einem Track. Auf drei Songs sind die Vocals hochgepitcht, weil wir meine Stimme zum Teil etwas verfremden wollten. Allerdings war es uns wichtig, dass da nicht übertrieben wird. Ich wollte, dass mein neues Album etwas leichter zugänglich wird, deswegen sind die Texte auch direkter geworden.

Um bei „Pay for Pizza“ zu bleiben: Du forderst in dem Song jemanden dazu auf, seine Pizza gefälligst selbst zu zahlen. Was hat es mit der Story auf sich?
Lustig, weil meinem Produzenten gefällt das Lied überhaupt nicht. Ich habe ihm aber gesagt, dass der Song ein Mädels-Lied ist und voll die Eierstöcke hat (lacht). Ich habe einen Typen gedatet, der sehr nett ist, aber immer broke und für sein Alter ein bisschen unselbstständig. Ich möchte aber nicht schlecht über ihn reden, er ist ein guter Freund von mir. Mir ist aufgefallen, dass ich mich leider meistens in Musiker oder Künstler verliebe, da sind viele dabei, die broke sind oder nicht mit Geld umgehen können. Ich verdiene auch nicht viel Geld, aber ich kann meinen Shit handeln! Ich lasse mich auch nicht gern einladen außer von guten Freunden ansonsten ist mir das unangenehm. In meiner Erfahrung habe ich meistens Kontakt mit Typen, die sich dann aber einladen lassen wollen oder gerade zufällig keine Kohle dabei haben. „Pay for Pizza“ ist einfach ein super lustiges, ironisches Lied, das ich sehr gerne habe, weil es etwas anders ist als die anderen Songs.

Über „The New Austrian Sound Of Music“ tourst du aktuell mit einer vierköpfigen Band. Gibt es deiner Meinung nach in Österreich genügend Förderungen für österreichische Musiker und Musikerinnen?
Das ist ein Förderungsprogramm, bei welchem du bevorzugst Förderungen bekommst, wenn du Konzerte im Ausland organisierst.Voriges Jahr habe ich relativ viel organisiert, wir waren 2018 zum Beispiel in Südafrika. Das war einfach irrsinnig viel Arbeit, gleichzeitig habe ich mein Album aufgenommen und nebenbei habe ich auch noch einen Job, dem ich nachgehen muss. Deswegen muss ich das dieses Jahr etwas ruhiger angehen. Aber das ist echt ein super Förderprogramm, da bekommt man gute Unterstützung!

Du trittst weltweit auf, zuletzt warst du auf einer Minitour in Südafrika. Woher kam die Entscheidung, international zu spielen?
Einfach weil die Gelegenheiten da waren! Ich habe in Südafrika Freunde, dadurch hatte ich die Möglichkeit, das zu organisieren. Obwohl dann eh extrem viel schiefgegangen ist, weil wir Flugverspätungen hatten. Etwas international zu organisieren ist leider echt viel Arbeit und man kann nie alles planen oder vorhersehen. Irgendetwas passiert dann und plötzlich sind vier Leute 30 Stunden am Pariser Flughafen gestrandet. Mein persönlicher Tiefpunkt war, als ich am Flughafen nachdem wir schon Ewigkeiten auf unseren Flug gewartet haben in ein Zwölf-Euro-Sandwich gebissen habe und eine ganze Schnecke da drin war. Da dachte ich mir: „Jetzt reicht’s!“

„Immer nur irgendwelche Beauty-Shots von mir zu sehen war einfach langweilig“

Du wirkst wie ein sehr bunter, positiver Mensch. Was hilft dir an schlechten Tagen?
Aktuell mache ich jeden Tag Yoga und gehe viel spazieren. Ich habe meine Hippie-Steine, die mir helfen, und Lavendel-Öl. Außerdem versuche ich, ein bisschen weniger am Handy zu sein und nicht zu viel fernzusehen. Ich versuche, so gut es geht, gesund zu essen und nicht zu streng zu mir selbst zu sein.

Deine Musikvideos sind alle sehr ästhetisch und künstlerisch. Entwickelst du die Konzepte dafür oder wer bringt die Ideen ein?
Meistens ist das ein gemeinsames Ding, wobei ich schon versuche, viele von meinen Ideen einzubringen. Ich arbeite meistens mit einem Team, das ich sehr gut kenne, also mit meinen besten Freunden wie Anita Brunnauer, Simp, Ina Aydogan und Gersin Livia Paya. Für das Video „Run with Wolves“ habe ich mit einer Künstlerin kollaboriert, weil normalerweise immer nur ich in den Videos zu sehen bin, das ging mir auf die Nerven. Immer nur irgendwelche Beauty-Shots von mir zu sehen, war einfach langweilig, außerdem wollte ich nicht dass irgendjemand denkt, ich sei selbstverliebt. Deswegen habe ich mit einer aktionistischen Künstlerin zusammengearbeitet Mirabella Paidamwoyo Dziruni heißt sie. Die macht neuen Aktionismus und ist meistens nackt unterwegs, was wir aber im Video nicht gemacht haben wegen der YouTube-Richtlinien. Ich bin auch meistens relativ bedeckt angezogen, aber sie ist gerne nackt. Sie macht Antirassismus-Arbeit und ist queer as fuck! Das bringt sie alles nach außen und will Stereotypen hinterfragen. Bei vielen ihrer Projekte geht es darum, dass sie als schwarze, queere Person in der Öffentlichkeit Raum einnimmt und dann gewisse Fragen stellt. Mir hat ihre Arbeit immer schon gut gefallen, deswegen habe ich mit ihr gemeinsam das Video gemacht. In dem Song geht es ja auch um Selbstbestimmung, da passt das ganz gut.

Dein neues Album erscheint nun über Beat Art Department (einem Sublabel von Compost Records aus München), zuvor warst du bei einem Label aus Philadelphia. Wie kam es zu dem Label-Wechsel?
Dadurch, dass mein letztes Label so weit weg war, gestaltete sich die Kommunikation einfach schwierig. Ich mag das Label und den Boss immer noch, aber ich wollte mal etwas anderes in Europa probieren. Compost Records ist ja ein ziemlich eingesessenes Label, wodurch sie uns hoffentlich gute Kontakte herstellen können, die wir nutzen können. Und mit dem Boss vom Sublabel, Franjo Utsumi, hatte ich gleich einen guten Draht!

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