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Perfektionist in Tennissocken: SLAV mit „Plusvieracht“ // Review

(Futuresfuture/VÖ: 03.05.2019/Fotoquelle: Cover)

SLAV ist der Pole aus Wien, Homie von YUGO (aka Jugo Ürdens) und das Geburtstagskind des heutigen Abends. Aber SLAV feiert nicht nur seinen Geburtstag an diesem Abend im Fluc, sondern ebenso den Release seines Debütalbums „Plusvieracht“. Das Fluc ist voll, Freunde, Fans und Kollegen sind heute hier, um gemeinsam mit dem jungen Rapper zu zelebrieren. „Eine Mischung aus Straße und Unihörsaal“, steht in SLAVs Spotify-Beschreibung, was nicht nur den musikalischen Stil des Künstlers, sondern ebenso das Publikum des heutigen Abends widerspiegelt. Die Menge ist in Partylaune, die Texte der älteren Songs sind hier jedem vertraut .Aber SLAV präsentiert auch neue Songs aus seinem Album, mit dabei auf der Bühne als Support stets YUGO. Es wird Zeit, dieses Album etwas näher zu beleuchten.

Junge Musiker ständig auf ihr Alter zu reduzieren, erscheint oftmals falsch und überflüssig, da man so entweder Kreativität und Talent vom Alter abhängig macht oder Musikern aufgrund ihres jungen Alters schon im Vorhinein Qualität absprechen möchte. Nur zu gut, dass SLAV mit „98“ sein Alter zu Beginn des Albums direkt selbst thematisiert und somit keinen Platz für Diskussionen lässt. Ein absichtlich etwas übersteuerter Autotune und eine leicht kratzige Stimme im Refrain beweisen, dass er am Sound der Zeit ist, ohne dabei jene Stilelemente zu übertrieben zu verwenden. Natürlich findet die Verwendung von Autotune nicht nur auf dem genannten Track statt, sondern zieht sich fast über das gesamte Album, Autotune versteht sich hier aber viel mehr als ein unterstützendes Soundelement statt als Grundlage des Soundbildes.

„Mama fragt mich jedes Mal nach Arbeit oder Uni, doch ich zahle mit ‘nem Hunni / Spare keinen Fuffi, aber erkläre ihr, dafür bin ich glücklich“

Zwischen Straße und Unihörsaal also? Inhaltlich bewegt sich SLAV zwischen Tennissocken von Fila, Chayas, die seine Songs auf Dropbox hören und selbstgestochenen Tattoos. Er verbalisiert seinen gelebten Lifestyle, frei nach dem Motto: Was er nicht erlebt, darüber rappt er auch nicht. Dadurch möchten seine Texte zwischenzeitlich etwas flach wirken, allerdings kann so die Authentizität punkten. Es ist die neue Ära des Storytellings, bei SLAV wirkt nichts erzwungen oder erfunden, sondern schlichtweg so, als würde er erlebte Eindrücke in seiner Musik verarbeiten. Der kreierte Stil, der gelebte Lifestyle kann auf Metaebene betrachtet und in der WG-Küchen-Philosophie nach drei Flaschen Rotwein als Spiegel unserer Generation gesehen werden. Eine Mischung aus Straße und Unihörsaal eben. Niemand will sich so richtig festlegen, egal in welchem Lebensbereich. Es wird manchmal zu viel gekifft und Markendropping findet statt, um die eigene Coolness unter Beweis zu stellen. Und dennoch, oder vielleicht genau deswegen, weil es für diese Generation so typisch ist, gibt es Zweifel. Was ist, wenn das hier alles gar nicht klappt?

„Niemals Lügen oder Phrasen, grüße auf der Straße / Das ist echtes Selbstbewusstsein, nicht ‘ne zugekokste Nase“

Besagte Thematik spielt sich auf „Was wenn“ ab, wo man auch YUGO als einzigen Featuregast auf dem gesamten Album findet. Überraschend ehrlich und ängstlich zeigen sich die beiden auf dem Song, ohne dabei in die depressive Schiene zu geraten. „Das Ziel sind nicht die Top 10, sondern Sponsor bis auf die Socken“ – neue Maßstäbe werden gesetzt. Es gilt nicht mehr, eine hohe Chartplatzierung zu erreichen, denn was zählen noch Charts in der digitalen Streaming-Welt? Viel mehr soll der Lifestyle finanziert werden, SLAV will neue Klamotten gesponsert bekommen, keine Nachtschichten mehr machen müssen und freut sich darüber, den Urlaub für die Albumproduktion von Red Bull finanziert zu bekommen.

Mit „Conntections“ kritisiert SLAV die typisch österreichische Freunderlwirtschaft. Egal, ob für eine Altbauwohnung in Wien oder für den Anwalt, laut SLAV benötigt jeder von uns nicht nur im beruflichen Kontext sondern genauso im Alltagsleben Connections: „Alles, was du brauchst, ist nur jemand, der jemanden kennt„. Ein Szenario, das so einigen nur allzu bekannt vorkommen könnte. Hinter dem Video steckt übrigens ein ausgefeiltes Konzept, wie uns SLAV im Interview erzählte. Ebenso, dass er einen Drang zum Perfektionismus hat, weswegen er fast zwei Jahre an diesem Album saß. Dass SLAV viele Gedanken und Stunden in seine Musik investiert, resultiert wohl daraus und bekommt man als Hörer definitiv zu spüren.

Bei den im Video nachgestellten Bildern handelt es sich um Gemälde aus dem Klassizismus, wo es üblich war, dass keine Komparsen auf den Bildern abgebildet waren, sondern dass jede Person im Bild eine Aufgabe hatte. Dieser Grundsatz trifft ebenso auf „Plusvieracht“ zu: Alle elf Songs haben eine Berechtigung auf dem Album stattzufinden, alle elf Songs passen ins Bild.

Fazit: Soundtechnisch gibt es an dem Album wenig auszusetzen. SLAV weiß, wie man rappt und reimt, einige Lines sorgen beim Hören für ein Schmunzeln, weil sie so akkurat, vielleicht auch etwas banal, aber eindeutig lustig sind. SLAV ist ein Charakter, er ist der Pole aus Wien, der Rapper, der für frischen Wind in Wiens Rap Szene sorgt. Er ist musikalisch und stiltechnisch am Puls der Zeit, er kreiert mit seiner Musik und seinem Style einen Lifestyle, er spiegelt Momentaufnahmen wider. SLAV wirkt in seinem Tun selbstbewusst, gefestigt und modern, er schafft einen Wiedererkennungswert. Sowohl live als auch auf Albumlänge kann SLAV überzeugen. Er punktet mit Charakter, Talent und Charme. Happy Birthday „Plusvieracht“, Happy Birthday SLAV.

4 von 5 Ananas
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