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Shindy – „FVCKB!TCHE$ GETMONE¥“ // Review

Shindy
(Bushido (Sony Music)/VÖ: 10.10.2014)
Zunächst belächelt und als Kay-One-Protegé abgestempelt, nach dem Solodebüt „N.W.A.“ (inklusive Bushido-Skandal) plötzlich ernstgenommen und im Vorfeld zu „FVCKB!TCHE$GETMONE¥“ sogar als eine der zentralen Lichtgestalten, die das Game zur Zeit aufbieten kann, bezeichnet – die Karriere des Ersguterjunge-Signings Shindy kannte in den letzten Jahren nur eine Richtung. Genau, jene nach oben. Der Erfolg lässt sich dabei nicht nur anhand von Plattenverkäufen messen (Shindy ging erst kürzlich Gold), sondern auch durch die Unmenge an Jugendlichen, die den Halb-Griechen als stilistisches Vorbild betrachten: Mit „Mach irgendwas richtig und plötzlich trägt jeder die Haare, den Bart und die Sneaker wie du“, wie Shindy in „SAFE“ rappt, liegt er sicherlich nicht falsch.

Mit dem neuesten Album „FVCKB!TCHE$GETMONE¥“ liefert Shindy zwei Antworten auf die Frage, warum gerade seine Musik und sein Stil für so immense Nachfrage sorgt. Da wäre zunächst einfach die Tatsache, dass es sich bei Shindy um einen wirklich guten Rapper handelt. Ausgeklügelte Reime, Flowvariationen und einen wirklich außerordentlichen Spürsinn für gute Beats – all das kann Shindy vorweisen. Hinzukommt auch die Fähigkeit, lebhafte sprachliche Bilder zu malen, wie er auf „Venedig“ eindrucksvoll beweist:

„Ich kam einen weiten Weg hierher/Jede Nacht geschuftet, als ob ich ein scheiß Esel wär/Musste in der Kälte Kisten schleppen, Rückenschmerzen in der Regel/Hab‘ ich heut noch immer, doch die kommen von ihren Fingernägel/Meine Bitch trägt ein unsichtbares Diadem/Wenn wir shoppen gehen, sagen zehn Mille auf Wiedersehen/Mann, ich kletter diese Leiter rauf – Donkey Kong/Google mal nach Bonvivant, Bitch“

Andererseits passt kein Soundtrack zur Konsumgesellschaft von heute wie „FVCKB!TCHE$GETMONE¥“: Unzählige Markennamen, angefangen von Givenchy über Mercedes bis zu Hallhuber prasseln auf den Hörer nieder und fügen sich zu einer Werbebotschaft auf Albumlänge zusammen. Der Soundtrack für die Generation Hollister/Abercrombie & Fitch, wenn man so will. Geld, teure Klamotten und blondierte Modepüppchen – Shindys Gedankenwelt lässt sich mit diesen Begriffen treffend zusammenfassen. Natürlich muss eine solche Attitüde erst richtig verkörpert werden. Glücklicherweise reüssiert hier Shindy, man nimmt ihm seine hyperarrogante Rolle ab. Features hätte es dabei nicht notwendigerweise gebraucht, obwohl zumindest Kollegah einen durchaus hörbaren Part hinlegt. Bushido hingegen versucht wieder zu provozieren, allerdings auf eine äußerst plumpe Art. Kann er besser.

Dennoch: Shindy stellte sich auf „N.W.A.“ als Künstler mit eigenen Ideen und Vorstellungen vor. Auf „FVCKB!TCHE$GETMONE¥“ gibt es davon wenig, die US-Vorbilder prägen fast jede Sekunde der Platte: Drake, Migos, Rick Ross – der Einfluss ist unüberhörbar. Etwas mehr Eigenständigkeit hätte der Platte sicher gut getan. So bleibt von „FVCKB!TCHE$GETMONE¥“ ein gespaltener Eindruck über. Klar,  kein schlechtes Album, aber es fehlt an den oft zitierten Ecken und Kanten. Wirkt eben wie eine Hochglanz-H&M-Werbung: Perfekt inszeniert, technisch 1a – aber künstlerisch wertvoll? Nicht unbedingt.

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