Nach Drake ist vor Shindy: „DODI“ // Video

Shindy mit weißer Weste?

Das Internet vergisst nie und zeigt sich bisweilen erbarmungslos. Momentan muss das Shindy erleben. Wer ein bisschen auf YouTube stöbert, findet ein 16bars-Interview von Shindy mit Visa Vie, das wenige Monate nach dem dramatischen Weggang von Kay One über die Bühne ging. Eine Plattform, die Shindy nutzte, um gegen seinen ehemaligen Freund auszuteilen. „Er hat dir natürlich in irgendner Form Glück gewünscht, auch wenn du das als ironisch auffasst“, sagt an der wohl wichtigsten Stelle des Interviews der Host Visa Vie, während sich Shindy, natürlich im Beisein von Bushido, die ineinander verschränkten Finger auf sein Knie legt und mit dem Selbstbewusstsein eines Schlagersängers aus Dinslaken konstatiert: „Soll sich verpissen mit seinem Glück, dieser Schwule“.

Heute lässt sich resümieren: Hätte er besser einmal auf Kay Ones Glück zurückgegriffen. Denn für Shindy laufen die Dinge gegenwärtig nicht so prächtig. Ironischerweise sind Shindys Problem diejenigen, von denen Kay One einst spektakulär davonlief und sich deswegen Schmähung nach Schmähung anhören lassen musste („Thainutte“ ist für die ach so „woke“ Community anscheinend keine Beleidigung).

Der Vertrag von Shindy mit seiner alten Umgebung ist nämlich alles andere als nichtig, diverse Streaming-Rechte liegen nicht in den Händen von Shindy, sondern in jenen von Arafat Abou-Chaker, wie kürzlich Raptastisch zeigten. Ob er darüber auch sein pausbäckiges Lachen auspacken kann, wie damals beim Interview mit Visa Vie, als es um die Frage ging, ob er in den Fängen einer Großfamilie sei? Fraglich.

In diesen harten Zeiten hilft aber die Flucht nach vorne, und Shindy probiert es wieder mit Musik. Keine schlechte Idee, hat er doch einiges gutzumachen: Vom letzten Album „Dreams“ blieb nur der Boxinhalt in Form eines labbrigen Rucksacks in Erinnerung. Der Zeitpunkt kommt zudem wenig überraschend, wenn man Richtung Staaten blickt. Dass sich bei Shindy etwas nach dem Release von Drakes „Scorpion“ tun wird, war fast zu erwarten.

Danach klingt die von Nico Chiara, OZ und Shindy produzierte Single „DODI“ aber gar nicht. Stattdessen dürfte vor der Kreation von „DODI“ „Huncho Jack, Jack Huncho“ von Quavo und Travis Scott einer ausgiebigen Analyse unterzogen worden sein. „DODI“ beginnt trotzdem recht vielversprechend mit einem DMX-Intro (aus „Prayer“), setzt dann aber schleunigst den Sinkflug an und bietet das gewohnt inhaltlose Blabla, das Shindy seit Jahren darbietet. Irgendwas mit Michael Phelps, irgendwas mit Pharrell, irgendwas mit Vintage-YSL, alles bekannt. Nur der kleine Seitenhieb an Bushido („Interessant, du hast Shindy gemacht?/Mashallah, mach nochmal, ah“) sorgt für ein bisschen Aufregung.

Aber nachdem, was Bushido in seinem Buch zum Album „Mythos“ vom Stapel gelassen hat, ist das nur ein schwacher Konter. In der Hook kommt dann noch ein bisschen Autotune zum Einsatz – und fertig ist der neue RIN-Song, der nicht von RIN stammt. Passend zum neuen Video, das beste Imitat eines Drake-Videos; alleine die Bewegungen lassen ein minutiöses Videostudium erkennen. Die Frage, was Shindy also in den vergangenen zwei Jahren getrieben hat, dürfte damit auch geklärt sein.

Der Titel „DODI“ spielt auf Dodi Fayed, ein ägyptischer Filmproduzent und Unternehmer, der unter anderem die Geschäftsleitung vom „Harrods“ inne hatte, an. Größte Bekanntheit erlangte er als Liebhaber von Lady Diana, 1997 verunglückte er mit der Prinzessin bei einem tragischen Autounfall in Paris. Der Song entstammt dem kommenden Album von Shindy, „Drama“. Dieses soll über sein eigenes Label „Friends With Money“ am 10. Mai erscheinen. Wie unabhängig dieses Label agieren kann, ist bisher nur spekulativ. Der Name „Friends With Money“ schließt seine alte Umgebung schließlich auch nicht aus.

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