Gold- statt Haifisch: Savas & Sido mit „Royal Bunker“ // Review

 
(Urban/Universal/VÖ: 29.09.2017)

Einen weißen Hai haben Sido und Savas für ihr gemeinsames Album also als Covermotiv ausgewählt. Ein Tier, das gemeinhin als „Ungeheuer des Meeres“ gilt und spätestens seit Steven Spielbergs „Jaws“ untrennbar mit ständiger Angriffslust und unbändigen Hunger assoziiert wird. Nicht schön, aber für ein Battlerap-Album durchaus brauchbare, wenn nicht sogar notwendige Charakteristika. Vor allem, wenn man sein Album „Royal Bunker“ nennt, nach jenem sagenumwobenen, rauen Rappertreff in Berlin, wo sich die Wege der beiden Protagonisten vor Jahrzehnten zum ersten Mal kreuzten. Der Titel ist daher auch als Rückgriff auf eine längst vergangene Zeit zu verstehen; eine Zeit, lange bevor Sido und Savas zu Stars der deutschen Musikindustrie avancierten und mit Andreas Bourani respektive Xavier Naidoo das Radio beherrschten. Eine Zeit, als die Musik noch mit einem Minidisc-Recorder gemastert wurde und gesungene Hooks als der Teufel galten. Der Titel sei zwar nicht musikalisch zu verstehen, erörterten Sido und Savas in ihren Interviews. Aber eine Prise mehr Angriffslust als mittlerweile üblich sollte auf „Royal Bunker“ doch enthalten sein. Sonst hätte gleich ein Goldfisch das Covermotiv mimen können.

Die angesprochene Angriffslust ist glücklicherweise vorhanden, Savas und Sido lassen ihre Pop-Neigungen diesmal zu großen Teilen außen vor. Nur einige Moe-Mitchell-Erinnerungshooks („Haie“) fallen diesbezüglich negativ auf, aber das ist alles noch im erträglichen Ausmaß. An aggressiver Attitüde mangelt es „Royal Bunker“ schließlich nicht, Sido und Savas schreiten mit großem Selbstbewusstsein, verursacht durch haufenweise Goldauszeichnungen in den vergangenen Jahren, ans Mic. Stellenweise mit durchaus annehmbaren musikalischen Produkten als Resultat, „Haste nicht gesehen“ und „Normale Leute“ mit ordentlichem Marteria-Part stechen diesbezüglich hervor. Die augenscheinlichsten Problemlagen lassen sich dennoch nicht überdecken. Obwohl Savas weiterhin wie ein Weltmeister flowt und damit beeindrucken kann, mangelt es leider erneut am Inhalt. Ist es einfach egal, was er zusammenreimt, da nichts, aber rein gar nichts, hängenbleibt (die massiven Fremdscham-Teenie-Lines über Penisse ausgenommen). Aber sogar das reicht, um dem Kollabopartner komplett die Show zu stehlen. Wie zuletzt bietet Sido im Flow kaum Abwechslung und versteift sich auf peinlich-primitive Reime und furchtbare Vergleiche. Der Ex-Maskenträger wirkt schlichtweg lustlos, als hätte er auf den ganzen Rap-Kram einfach keinen Bock mehr. Am besten skizziert Sido die Lage auf „Royal Bunker“ selbst mit der Line „Diese Rapper schreiben geistlose, peinliche Lines/So ’ne Scheiße, die man gleich wieder vergessen hat“, vorgetragen in „Haste nicht gesehen“. Respekt vor diesen ehrlichen Worten, wenngleich wohl andere damit gemeint sind.

Musikalisch entsprechen die Beats den inhaltlichen Schwachpunkten, so lustlos wie Sidos Vortrag scheppern die Instrumentals die meiste Zeit vor sich hin. Langweilige Standardkost, keine Spur von knackigem BoomBap. Die Beiträge der Featuregäste sorgen hingegen für eine Prise frischen Wind, aber gänzlich das Ruder können weder Marteria („Normale Leute“) noch Off-Beat-Kaiser Lakmann („Neue Welt“) rumreißen. „Royal Bunker“ will Deutschraps weißer Hai sein, wirkt aber in dieser Verfassung träge und bewegungsarm wie ein Blauwal. Trotz zweier großer Namen wenig Spektakel. Das erinnert an vielen Stellen an „23“, der Kollabo von Sido und Bushido, ebenfalls eine Manifestation von Belanglosigkeit.

Fazit: Auf „Royal Bunker“ haben zwei der prägendsten Gestalten des Deutschrap auf Albumlänge gemeinsame Sache gemacht. Herausgekommen ist jedoch ein Album fernab jeglicher inhaltlicher Prägnanz. Ein Werk, das mehr einem Savas-Album mit schwachen Sido-Parts gleicht als einer wirklichen Kollabo. Positive Punkte sind Savas‘ weiterhin makelloser Flow, der im Deutschrap immer noch das Endlevel darstellt und manche Tracks zu einem Highlight werden lässt. Aber das passiert äußerst selten. Savas wie gewohnt, Sido wie gewohnt, Beats öde. Die Verkaufszahlen stimmen aber. Vielleicht wäre der Goldfisch also doch das bessere Covermotiv gewesen.

2 von 5 Ananas

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