Saba

Gereifter Rapper, runde Show // Saba live

Saba
Fotos: Daniel Shaked

Vor knapp drei Jahren als Support für Jazz Cartier im Café Leopold im Einsatz, kehrt Saba nun unter anderen Vorzeichen nach Wien zurück. Damals erst wenigen Besuchern ein Begriff, gehört er mittlerweile – neben Acts wie Mick Jenkins, Chance The Rapper oder Noname – zu den Hauptprotagonisten einer aufstrebenden Chicagoer Rap-Generation. Wesentlich dazu beigetragen haben zwei seither erschienene Longplayer. Sein gelungenes Debütalbum „Bucket List Project“ konnte Saba mit dem Nachfolgewerk „Care For Me“ nochmal übertrumpfen, wie zahlreiche Erwähnungen in Alben-Bestenlisten für das Jahr 2018 unterstreichen. Völlig verdient kann er beim einzigen Österreich-Auftritt bei der „Care For Me“-Tour auf ein praktisch volles Flex Café zählen.

Bei seinem ersten Wien-Besuch heizte Saba dem Wiener Publikum noch als Energiebündel mit auffallend aggressivem Stimmeinsatz ein. Dass er sich nun auf der Bühne um einiges reifer und ausgewogener präsentiert, geht mit dem introspektiven Charakter seiner seither veröffentlichten Tracks einher. Besonders seine zweite LP gewährt einen tiefen Einblick in seine Lebenssituation. Der Mittzwanziger aus der chronisch vernachlässigten Westside Chicagos rappt ungefiltert über seine Ängste und Laster, lässt dabei viel Weltschmerz durchschimmern. Es fällt ihm merklich schwer, den Verlust seines Cousins und Pivot-Gang-Kollegen John Walt zu verarbeiten, der 2017 bei einem Raubüberfall – offenbar wegen eines Mantels – erstochen wurde.

Bei der Show lässt sich Saba nicht vom melancholischen Grundcharakter einiger Tracks vereinnahmen und zeigt sich in bester Laune. Nach einer kleinen Aufwärmrunde seines DJs legt er erwartungsgemäß mit „Busy“ und „Sirens“ los. Zu Beginn zeigt er sich zwischen den Tracks noch wortkarg, taut aber zunehmend auf. Regelmäßig sucht er die Interaktion mit den Besuchern, sorgt mit Anekdoten für Unterhaltung und macht dabei einen reflektierten Eindruck. Über weite Teile ist die Bühnenpräsenz hoch, besonders auffällig sind die permanent in Bewegung bleibenden Pupillen des Rappers.

Abseits der in der im Flex Café altbekannten Bass-Rumpelgeräusche kann der klare Sound überzeugen. Saba rappt seine Parts blitzsauber und mit dem richtigen Maß an Energie, seine Lyrics bleiben dabei für Live-Verhältnisse akustisch gut verständlich. Die Hooks klingen teilweise sogar stimmiger als auf den Studioaufnahmen. Nach etlichen „Care For Me“-Tracks sorgen in der zweiten Hälfte der Show etwa „Smokey“ und ein noch unveröffentlichter Track für Abwechslung. Als obligatorische Zugabe fungiert „Life“ und die Stimmung kommt ein letztes Mal zu einem Höhepunkt, ehe Saba das Publikum in die Samstagnacht entlässt.

Fazit: Ein runder Auftritt, der vielleicht um ein, zwei Nummern zu kurz ausgefallen ist. Aber das verzeiht man dem sympathischen Rapper, der exakt in der Mitte seiner Europa-Tour ist, gerne. Schließlich hat er raptechnisch überzeugt, sich auf der Bühne verausgabt und die Crowd obendrein unterhalten. Wenn der begnadete Live-MC weiterhin für hochwertige Releases sorgt, sollte ihm beim nächsten Wien-Auftritt eine weitaus größere Location sicher sein.

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