„Groß und mächtig wie der Everest-Berg“ // R.I.P. Huckey (1966–2018)

Huckey mit seinen Texta-Kollegen // Foto: Daniel Shaked

Die österreichische HipHop-Szene verliert einen wichtigen Mitstreiter: Der Linzer Rapper, Aktivist und glühende Fußballfan Harald „Huckey“ Renner verstarb am Dienstag im Alter von 51 Jahren, wie seine Band Texta via Facebook mitteile. „Seit einem Jahr hat er gegen eine Krebserkrankung angekämpft, die aber am Ende stärker war als er“, heißt es in besagtem Posting.

Zwischen Texta und dem Message bestehen seit den Anfangstagen des Magazins gute Kontakte, oft kreuzten sich die Wege unserer Redakteure mit denen von Huckey, der sich nach einem Vierteljahrhundert Texta längst einen Platz im Geschichtsbuch der österreichischen Musiklandschaft sicherte. Das letzte große Zusammentreffen fand 2014 statt, als wir gemeinsam mit den Kollegen vom Ballesterer am Themenschwerpunkt „HipHop und Fußball“ arbeiteten.

Huckey war dabei natürlich ein idealer Gesprächspartner, machte er um seine Passion für Blau-Weiß Linz (ehemals VÖEST Linz) nie ein Geheimnis; bei etlichen Auftritten präsentierte er sich stolz in einem nostalgischen blau-weißen Trikot mit „Keli“-Aufschrift. Auch musikalisch finden sich entsprechende Inhalte in seiner Diskografie, wie „Auswärtssieg“ mit SAM und DJ Dan oder „Vier“ und „Mein Baby Blauweiss Remix“ aus dem „15 Jahre BW Linz Sampler“. Der Stahlstadtklub zeigte sich tief bestürzt vom Ableben Huckeys und kündigte in einem Statement an, dem waschechten Blau-Weißen beim heutigen Derby gegen die SV Ried die letzte Ehre zu erweisen.

Musikalisch verfügte Huckey über einen breiten Horizont und war auch in Gefilden abseits des Rap unterwegs: In den 80er-Jahren spielte „der Neinsager aus Überzeugung“ Schlagzeug bei Hardcore-Punk-Bands wie Target Of Demand, Seven Sioux und Schwester. „Hardcore ist nicht die schlechteste Schule, in die man gehen kann“, sagte er in einem 2012er-Interview mit The Message. Später engagierte er sich in gleicher Funktion bei „3 Falkner+1Binder+1Huckey“, geleitet von Attwengers Hans-Peter Falkner, sowie bei Merker TV, dem Projekt der singenden Deep-House-DJs Durmek und Merker. Eng in Verbindung mit Huckey steht auch der Linzer Kulturverein KAPU, der bis zuletzt auf ihn als gestaltendes Mitglied zählen konnte.

Seine größten musikalischen Fußabdrücke hinterließ er jedoch als Rapper. Mit Texta, die er 1993 mitgründete, veröffentlichte er in 25 Jahren elf Alben. In seinen Strophen zeigte sich Huckey nicht nur sehr oft humoristisch und selbstironisch („Statur wie ein Zwerg, mit einer Durchsetzungskraft, groß und mächtig wie der Everest-Berg“ aus „Da wo ich herkomm“, 1995), sondern bisweilen auch sozial- und gesellschaftskritisch, beispielsweise in den Tracks „Globaler Respekt“ (1997), „Weltpolizist“ (2007), „Hunger“ (2013) oder auf einigen Parts des letzten Releases mit seiner Beteiligung, dem am 18. April erschienenen Longplayer „Chefpartie“ der TTR Allstars.

Beim letzten Wien-Gig der TTR Allstars Mitte April fehlte Huckey. Nun ist traurige Gewissheit, dass Huckey nicht mehr in das Kollektiv zurückkehren wird. Ohne Zweifel: Nicht nur der Musiker Harald Renner wird fehlen,  auch sein kritischer Geist. Und vor allem der Mensch Harald Renner, der für jeden Spaß zu haben war. Aber um eine Frage aus seinem Part zu „Fragestunde“ zu beantworten: Nein, wer gestorben ist, ist nicht für immer fort. Huckey wird weiterleben, das ist sicher.

Unser Anteilnahme gilt den Familienangehörigen, denen wir unser aufrichtiges Beileid aussprechen.

Stimmen auf Twitter:

https://twitter.com/BlauWeissLinz/status/991658173055553536

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