Wien kriegt ein Blackout // RIN Live

Auf dem Weg in den Gasometer wird schnell klar, wer heute zum Publikum des Rin-Konzerts zählen wird. Die eisigen Temperaturen hindern nur wenige daran, ihre Mode-Highlights aus dem Kleiderschrank auszupacken: Sneakers, Bauchtaschen und auffällige Jacken sind der Dresscode in der U-Bahn. Die Vorfreude der Gäste ist spürbar aber nicht nur auf Rin, sondern ebenso auf die vielversprechenden Supportacts OG Keemo und Jugo Ürdens. Nachdem OG Keemo im November vergangenen Jahres mit „Skalp“ und Jugo Ürdens mit seinem Debütalbum „Yugo“ Talent beweisen konnten, gelten die beiden als bedeutsame Newcomer in der Rapszene. In Anbetracht des Kultstatus, der Rin mittlerweile fast schon zuteilwird, sind die Erwartungen an die Supportacts  hoch.

Fotos: Matthias Schuch

OG Keemo darf den heutigen Abend einleiten und beginnt seine Show in einer relativ leeren Halle, Rin wird eben erst eine Stunde später die Bühne betreten. Während viele noch bei der Garderobe anstehen, haben sich dennoch genügend Leute in der Halle angesammelt, um OG Keemo einen gebührenden Applaus bieten zu können.

Nach einem schnellen Wechsel betritt auch schon der „schönste Mann aus Wien“ aka Jugo Ürdens gemeinsam mit seinem Homie Slav alias Einfachso die Bühne. „Wir waren jetzt in 1.000 Städten, aber es gibt nix besseres als Wien“, lobt er gleich mal seine Heimatstadt. Langsam füllt sich der Gasometer, langsam gehen mehr Hände hoch, langsam wird immer mehr mitgesungen und mitgerappt.

Obwohl vermehrt aktuelle Fashion-Trends im Publikum vertreten sind, ist dieses angenehm durchmischt. Auffällig ist eine Gruppe von Jungs, die so jung aussehen, dass sie den Altersdurchschnitt des Publikums gefühlt um viele Jahre heruntersetzen. Als sich Rins Fotograf Brownshootta seinen Weg durch die Crowd bahnt, wird er von einigen Fans erkannt und freudig begrüßt. Denn genau darum geht es nicht nur hier, sondern auch in Rins Texten um Fashion und um die Bros. Der gleichnamige Song „Bros“ sorgt natürlich für eines der Highlights des Abends. Es wird gekreischt, gesprungen, getanzt. „Habt ihr es überlebt, Wien?“, fragt Rin nach Ende des Songs.

Leider ist die Akustik im Gasometer eher schlecht, wodurch viele der Songs anfangs nur schwer zu identifizieren sind. Zwar ist der Beat laut genug, wenn sich jedoch Rin zwischen den Songs zu Wort meldet, versteht man das nicht immer. Da die Crowd jedoch ausgesprochen textsicher ist und mit ihrer Lautstärke alles übertönt, tut die schlechte Aksutik sowieso weniger zur Sache. Die Stimmung ist ausgelassen und Rin schafft es tatsächlich, viele Fans zu überraschen: Mit Mikrofonständer steht er auf der Bühne, er performt und rappt  live. Natürlich gibt es hin und wieder Playback-Einschübe und Autotune-Soundeffekte, jedoch viel weniger als man es von einem berüchtigten Playback-Rapper wie ihm erwarten würde.

Fazit: Eine Rin-Show ist eine Hommage an Fashion, Freunde und die Musik. Vermutlich würde er sich nicht den Titel als technisch versierter Live-MC verdienen, jedoch scheint das auch weder in seinem Fokus zu stehen, noch in dem der Fans. Rin ist viel mehr eine Fashion-Ikone, er verkörpert diesen Lifestyle, den einige aus dem heutigen Publikum gerne leben würden. Und irgendwie wirkt alles, was Rin macht, sympathisch und ehrlich. Wie er dort auf der Bühne steht und seine Tracks feiert, genauso wie er das Publikum feiert, vermittelt er ein positives Lebensgefühl, eine Partystimmung. Genau diese Stimmung wird vom Publikum aufgenommen und weitergelebt  bei einer unfassbaren Textsicherheit tanzen alle mit und feiern eine kleine Party an diesem Mittwochabend in Wien. Dieser rothaarige Junge aus Bietigheim-Bissingen hat’s drauf.

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