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Gangsta-Rap und Feminismus im Puff // Rap-Battle im Maxim

Wer am 30. August spätabends die Stiegen des Sexclub Maxim hinuntergeht, landet in einem wilden Mix an Milieus. Neben einem Rap-Battle findet im Hauptraum der Wiener Rotlicht-Institution eine Stripshow mit Wahl zur „heißesten Stripperin des Planeten“ aka „Miss Maxim“ statt. Veranstalter des Rap-Teils ist Kid Pex, der nach dem Debüt im Jahr 2017 zum dritten „Jahreschamp“-Battle lädt. Dazwischen fanden zwei „Schlacht der Geschlechter“-Battles statt, bei denen jeweils das Frauenteam die Nase vorn hatte. Die Idee zu den Co-Events stammt von Roman, dem Sohn des Betreibers Pepi Stern, wie der Rapper ausführt: „Sein Vater war am Anfang nicht begeistert. Mittlerweile taugt das Battle aber beiden, auch wenn sie keine Rap-Fans sind“.

Eine Symbiose aus Rap und Rotlicht ist international keine Seltenheit. In Atlanta ist mit der Magic City sogar ein Etablissement ein wichtiger Baustein einer florierenden Rap-Szene. Dort waren in den 90er-Jahren bereits Notorious B.I.G. und 2Pac zu Gast. Bis heute spielt der Stripclub eine große Rolle bei der Entstehung und dem Verlauf von Karrieren berühmter Rapper wie Future, Young Thug oder den Migos. Während in der Magic City teils Leute aus dieser Kragenweite Live-Shows spielen und neue Tracks testen, ist die Ausgangslage in Wien natürlich eine andere. Mit dem Rotlicht und Battle-Rap treffen im Maxim zwei Welten aufeinander, die zwar beide im Untergrund stattfinden, hierzulande jedoch mehr parallel als miteinander. Das Setting in der solide gefüllten Location mag an klischeehafte Rapvideos kurz nach der Jahrtausendwende erinnern.

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Fotos: Christopher Glanzl

Dass beiden Sparten ein oft problematisches Verhältnis zu feministischen Werten gemeinsam ist, ist schwer wegzuleugnen. Hier kommt das Line-up des „Jahreschamp“-Battles ins Spiel, das im Vergleich zu vielen anderen Battleformaten vielfältig erscheint. Der Grund dafür ist beim Veranstalter Kid Pex zu suchen. Denn die Diversität ist ihm gerade bei diesem Format ein großes Anliegen: „Ich hole gerne Gangsta, Feministinnen und LGBTQ-Leute her und mixe das zusammen„. Die „Street-Fraktion“ ist heuer mit dem „Maxim-Rap-Champ-2017“ LXO, Chronik Sinnombre und SamyTheKing vertreten, daneben auch Vorjahreszweite Soulcat E-Phife, MC $chwanger von der KLITCLIQUE, The fuckking Dutchman, Nema aus Italien und K_Neon aus Linz. Als Moderatorin fungiert Lusy Skaya. DJ JoeJoe von FM4 sorgt für Unterhaltung als Host, während DJ Funky P die Beats einspielt.

Gegen 23 Uhr beginnen die acht Rapper*innen, sich direkt neben der Stripperstange zu battlen. Der generelle Frauenanteil ist abseits der Prostituierten überschaubar. Verstärkt wird er noch durch die Jurorin Habibi Blocksberg. Diese ist durch (HipHop-)Sendungen bei Radio FRO bekannt und leitet bei der LGBTQI-Initiative HOSI Linz eine Jugendgruppe. Den Reiz des Events sieht sie vor allem in der Begegnung von HipHop- und Bordellkundschaft, klassischem Gangsta-Rap und feministischen Leitgedanken. Ein Spannungsfeld, das sich am ganzen Abend durch die Battles, das Publikum und die Jury-Entscheidungen zieht. Schließlich sind einige knifflige Entscheidungen zu treffen. Weniger aufgrund einer hohen Dichte an originellen Punchlines unter der Gürtellinie, sondern auf Basis einer Bewertung im Einklang mit eigenen Wertvorstellungen: „Im HipHop ist es immer ein Battle, wie weit man etwas durchgehen lassen will. Was sind deine eigenen Grenzen, was ist witzig und was nicht? Ich habe es heute oft sehr witzig gefunden. Paar schwulenfeindliche Sachen waren dabei, die mich jetzt nicht triggern, aber es ist halt lame, immer nur das Einfachste zu nehmen“, führt sie aus.

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Oft kam es zu widersprüchlichen Ergebnissen des stärker gewichteten Publikumsvotings und innerhalb der Jury – der auch der unser kurzfristig eingesprungener Redakteur Simon Nowak angehört –, mit mehreren Wiederholungsrunden zur Folge. Letztlich landen Chronik Sinnombre und MC $chwanger im Finale – also wieder einmal ein Clash-of-Styles. Der KLITCLIQUE-Rapperin gelingt es allerdings nicht, an einige witzige Punchlines aus den Vorrunden anzuknüpfen. So reicht es für Chronik Sinnombre, der im Gegensatz zu ihr durchwegs souverän durchrappt, nach drei Entscheidungsrunden und vielen durchwachsenen Lines zum Sieg.

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Nach den Battles bleibt bei vielen Protagonisten der Eindruck eines skurillen Events, das gemischte Gefühle hinterlässt. DJ JoeJoe findet den Schauplatz und den „cross-cultural“-Aspekt großartig, wünscht sich fürs nächste Mal aber längere Rundenzeiten: „Four bars each are not enough to get your punchlines across. You need at least eight bars to build into something and give it. It takes away from what they really can do“. Zumal das Publikumsvoting das größte Gewicht hat, kann auch der größere Freundeskreis die Entscheidung bringen – der erfahrende Battlehost bezieht sich etwa auf eine durchwegs lautstarke Gruppe neben der Bühne, die ihre mitbattlenden Homies laufend pushen wollte.

Auch wenn MC $chwanger Chronik Sinnombre letztlich als verdienten Sieger anerkennt, betont sie das starke Gefälle im Publikum: „Es waren vielleicht vier Feministinnen und paar neue Fans, die mich lustig fanden“. Für Kid Pex ist jedenfalls klar: „Mc $chwanger ist zu Recht ins Finale gekommen – und das im Puff als Feministin, die zu den Lieblingsrapperinnen von Stefanie Sargnagel gehört“. Der Verlauf unterstreicht für ihn, dass es jedes Mal ein Abenteuer und eine Überraschung sei, wenn beim Event die verschiedenen Milieus aufeinandertreffen und alle eine Plattform bekommen. Zudem ist dem Battle-Veranstalter klar: „Das Battle ist das Highlight dieses Events, mehr sogar als das Strippen. Das gilt vielleicht auch, weil der für Baumeister Richard Lugner reservierte Juroren-Platz bei der Wahl zur „heißesten Stripperin des Planeten“ diesmal unbesetzt geblieben ist.

Text: Francesca Herr & Simon Nowak

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