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RAF Camora versöhnt sich mit Wien // live

Matthias Heschl/Red Bull Content Pool
RAF Camora hat bewiesen: Das Jahr 2017 gehört ihm. Und das nicht nur, wenn man sich seine Spotify- oder Verkaufszahlen ansieht. RAFs Sound hat für Deutschrap ein neues Kapitel geöffnet. Nun kann man viele Dinge dagegenhalten wie “‚Ohne mein Team‘ klingt nach MHDoder gar „Primo ist nice, aber alles klingt gleich, Bruder“. Doch nach über zehn Jahren harter und frustrierender Arbeit steht RAF Camora endlich da, wo er sich immer hingeträumt hat. Nicht, weil er den Afro-Trap-Hype früh erkannt hat, sondern diesen für sich selbst über die Jahre entwickelte. Seine tiefe Verbundenheit zum französischen Rap und seine Affinität zur Soundsystem-Ästhetik haben ihn dort hin gebracht, wo er jetzt ist – aber noch vielmehr hat er sich selbst dort hin gebracht. Die Geschichte muss nicht nochmal erzählt werden, aber doch sieht man an ihr, wie der Rohdiamant RAF über viele Jahre der Enttäuschungen und Erfolge geschliffen wurde. Bis zu dem Moment, wo seine Vision sich als Platin-Plakette an die Wand hängen lässt. Denn seit “Palmen aus Plastik” ist nichts mehr, wie es vorher war. Das gratis Wien-Konzert in der Marx- Halle schließt somit einen symbolischen Kreis – RAF bedankt sich bei Wien und vergibt der Stadt gleichzeitig.
Matthias Schuch
Ungefähr 6000 Menschen füllen heute die Marx Halle. Als Opener hat RAF seinen alten Homie Svaba Ortak auserkoren; nicht nur aus freundschaftlicher Sicht, sondern auch der lokalen Rap-Szene gegenüber ein sympathischer Move. Leider stehen wir zu diesem Zeitpunkt noch in der Schlange. Zu den Klängen von “So lala” vom 2016 erschienenen “Ghost” Album graben wir uns von hinten durch die Menge. Das Ausmaß des von Red Bull gesponsorten Free-Konzerts ist beeindruckend. Mit auf der Bühne das “Anthrazit”-Team bestehend aus den Twin Towers an Drums und Gitarre und DJ Nvie Motho an den Decks – übrigens die alte “Blausicht”-Besetzung von Rapper Gerard. Die Masse vor der Bühne ist gut drauf, jede Song wird mit tosendem Applaus und Kreischen begrüßt. Und so geht die Reise von “Teflon”, “Primo”, “Vienna” bis hin zum Gentleman-featured Track “Roots”, bei dem Camora den Reggae-Künstler traditionellerweise in seiner Insta-Story ein Shoutout gibt.
Matthias Schuch
Wer dem Social-Media-König Bonez MC online folgt, wusste bereits, dass dieser Moment kommt: Die ersten Töne von “Palmen aus Plastik” ertönen und zu 12.000 erhobenen Händen springt der Leader der 187 Strassenbande auf die Bühne. Von dort ab werden die Klassiker wie “Mörder” (leider ohne Gzuz), die Ohrwurm-Hymne “Augenblick” und natürlich “Ohne mein Team” rausgeballert – hierbei darf natürlich Maxwell nicht fehlen, der dann noch für “Kontrollieren” und seine eigene Hitsingle “Safari” bleiben darf. Überraschenderweise findet auch Trettmanns “GottSeiDank” einen Platz in der Setlist und die ganze Halle singt seine Hook. Mit abschließender, ausgedehnter Zugabe gibt es auch noch “Alles probiert”, “Gotham City” und passenderweise “Sag nix” zu hören und ein dankbarer RAF Camora verabschiedet sich von einem noch dankbareren Wien. Heute wurde hier österreichische HipHop-Geschichte geschrieben.
Matthias Heschl/Red Bull Content Pool
Fazit: Ob Fan oder nicht, die catchy Hooks und treibenden Beats lassen niemanden ruhig stehen. Und wem RAFs Lyrics zu pathetisch sind, der kommt bei Bonez auf seine Kosten. Wer gar nichts damit anfangen kann, der soll sich einfach von der Größe der Halle und von den tausenden, textsicheren Stimmen beeindrucken lassen. RAF Camora hat sein Versprechen gehalten und ein gratis Konzert für Wien gespielt – ein Konzert, das schwer zu übertreffen ist. Ja, sogar schwer in Worte zu fassen. Nicht umsonst prangt das Antra-Logo in Neonlicht riesig über der Bühne. RAF ist ein Mann der Symbolik. Und dieses Konzert war ein Symbol für seine Dankbarkeit an die Fans. Aber auch an sich selbst. Eine greifbare Bestätigung der harten Arbeit und des weiten Wegs.
Matthias Heschl/Red Bull Content Pool
Matthias Schuch
Matthias Schuch
Matthias Heschl/Red Bull Content Pool
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