Im Auftrag des Basses: P.TAH

 
Foto: Nikolaus Herzog von Hohenberg

Als Duzz-Down-San-Co-Betreiber P.TAH das erste Mal auf einer Veröffentlichung in Erscheinung trat (auf dem Mosh-Pit-Labelsampler), war gerade das Amtenthebungs-Verfahren gegen Bill Clinton in den USA im Gange, Österreich nahm an einer Fußball-Weltmeisterschaft teil und Rot-Grün bildete die Bundesregierung in Deutschland. Alleine an diesen Aspekten lässt sich erkennen, wie verdammt lange 1998 her ist. Die Bezeichnung „Veteran“ für den Wiener Rapper ist also durchaus gerechtfertigt, fast 20 Jahre Raperfahrung sprechen in dieser Hinsicht eine eindeutige Sprache.

Neben den gesellschaftskritischen, politischen Texten, die P.TAH solo oder im Verbund mit Rapperkollegen droppte (unter anderem als Teil der Hörspielcrew, kurz HSC), sorgte er in der Vergangenheit vor allem durch seine ungewöhnliche musikalische Orientierung gen Großbritannien für Aufmerksamkeit. Anders als heutzutage war der Sound von der Insel für Festlandeuropa um die Jahrtausendwende nämlich nahezu exotisch, Mike Skinner hin oder her. Der Fokus der österreichischen Rapszene lag bekannterweise auf Amerika und Deutschland, mit Grime und anderen Electro-Rap-Misch-Masch-Genres konnten die meisten hierzulande lange Zeit wenig anfangen. Aber genau diesem Sound mit viel, viel Bass blieb P.TAH, der nebenbei auch Routine im Veranstalten von Bass-Music/Grime-Parties aufweist (jetzt unter dem Namen „BLVZE“), über Jahre hinweg treu.

Wie das Schicksal so will, ist Grime in den vergangenen Jahren international gar zum „heißen Scheiß“ schlechthin avanciert. Der Hype ist real. Ein Hype, der auch in Österreich ankommt. Es tut sich etwas in der Szene, wie P.TAH im The-Message-Gespräch mit stolzem Unterton feststellt. Vor allem bei den Partys ist ein amtlicher Zuwachs des Publikums über die Jahre festzustellen. Kein Wunder, lässt sich der Körper zu dieser Musik nun einmal ganz vorzüglich bewegen. Die positive Entwicklung hat natürlich auch mit dem internationalen Run auf Skepta oder Stormzy zu tun, die den Weg vom Londoner Hinterhof nach oben in den Popmainstream meisterten. Die Aufmerksamkeit auf diese Künstler könnte schließlich dafür sorgen, dass auch arrivierte Vertreter des Genres, insbesondere Wiley, endlich jenen Respekt bekommen, der ihnen zusteht, so P.TAH.

Bei Wiley kommt P.TAH sowieso ins Schwärmen, war dessen „Eskibeat“ auch prägend für das Klangbild der neuen, montags erscheinenden EP „Leng“. Der Sound des „Eskibeat“ zeichnet sich dabei vor allem durch kurvige Synthie-Bässe aus, beispielhaft dafür der Wiley-Song „Wot Do U Call It?“, 2004 veröffentlicht auf dem Album „Treddin’ on Thin Ice“. Auf „Leng“ vertraute P.TAH in erster Linie seinem guten Freund Lost Tourist bei der Konstruktion der Beats, der Sound unterscheidet sich durch genannte Orientierung von den anderen Grime-, Dubstep-, oder Bass-Zugängen des Wieners in der Vergangenheit. Textlich erfolgte eine Anpassung an den „Wave-Sound“, diesmal gibt es weniger explizit politische Inhalte, mehr Battlelyrics. Pseudo-Deepness sucht man auch besser woanders: „Mich sprechen Tracks von Rappern im Battlemodus auf so einem Sound mehr an als beispielsweise pseudodeepe Lyrics von 20-Jährigen“ , lautet dabei seine Erklärung. Eine Ode an die Wiener Bass-Szene, wie auf dem Track „Einige Dubz“, durfte stattdessen nicht fehlen. Die Community muss schließlich repräsentiert werden. 

P.TAH, Lost Tourist, DMG. Foto: Nikolaus Herzog von Hohenburg

Gleichsam soll Politik bei P.TAHs Lyrics zukünftig nicht mehr ganz die vordergründige Rolle einnehmen. Eine Frage des Umgangs mit reaktionären Kräften, denen er keine Plattform mehr in seinen Songs geben will. Wobei der angekündigte Song mit Def Ill gewisse Erwartungen hinsichtlich eines markigen Statements gegen den Rechtsruck der Gesellschaft schürt. Und ob er bei der politischen Lage in Österreich, die mit Progressivität nicht wirklich im Einklang steht, lange schweigen kann, erscheint ebenfalls zweifelhaft. Mit Sicherheit wird P.TAH auf anderen Projekten wortlos verbleiben, denn die Beats sollen gerne auch einmal für sich selbst sprechen. Keine Neuheit, präsentierte er mit KLAIM bereits 2013 ein Instrumental-Projekt. In naher Zukunft wird dahingehend auch gemeinsame Sache mit Johnny C’manche gemacht. Der Jung-Vater hat sich also viel vorgenommen. Bevor am Montag „Leng“ erscheint, könnt ihr schon heute „Cut-Up & Collage“ downloaden. Zudem ruft P.TAH zum Remix-Contest aus, der beste Remix (Anfrage bitte an message [at] themessage.at, wir senden euch das A capella zu) landet auf der Remix-EP von „Leng“. 

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