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"Polifame ist dann das Zentrum, wo alles zusammenkommt" – Interview + TM Exclusive

Polifame ist Musiker durch und durch. Der Oberösterreicher baut Beats, schreibt Texte und ist nebenbei auch noch instrumetal befähigt. Neben seinen Solo-Projekten spielt er zudem außerhalb des HipHop Genres noch in einigen Bands wie „Sense of Searching“ oder „Yikedy Yak„, mit welcher er am 8. März im Rahmen der Duzz Down San Triple Release Party das neue Album präsentieren wird. In dem ausführlichen Interview spricht der Musiker über seine kreative Entwicklungsgeschichte, die Nähe zum Duzz Down San-Label, seine schier unendlichen musikalischen Ideen und Einflüsse und über die  Stagnation im österreichischen HipHop.

Aktuell ist er mit seinem Video zu „Die Häutung“ aus dem Album „Tiefsee“ für einen Local Award beim Crossing Europe Filmfestival nominiert und bastelt weiter fleißig an der neuen Polirac-LP, ein Projekt, das wie es der Name schon sagt, zwischen Polifame und Mirac entstanden ist. Einen The Message-Exclusive Track mit einem Feature von P.Tah, welcher einen Vorgeschmack auf die kommende LP liefert, kann man sich im Zuge des Interviews auch noch aneignen und downloaden.

Polirac – Komm in Fahrt ft. P.Tah

TM: Du hast mit 16 Jahren begonnen erstmals über die FM4 Soundparkseite Musik upzuloaden. Wie war die erste Resonanz auf deine Tracks?
Polifame: Ich weiß zwar nicht, wie das jetzt im Soundpark ist, aber damals war’s eigentlich schon so, dass viele Leute Kommentare zu dem Ganzen geschrieben haben. Das war halt dadurch, dass das sehr in den Anfängen war. Irgendwelche Tipps, was man jetzt noch machen könnte und hin und her, aber es ist eigentlich ziemlich gut angekommen und es hat eigentlich gepasst im Großen und Ganzen. Mir hat das halt extrem getaugt, das war auch bevor ich mich auf Myspace angemeldet habe und das erste Mal, dass man die Musik einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen konnte, das war schon echt super. Ich hab vorher in Hardcorebands gespielt und das hat sich meistens irgendwann aufgelöst, weil’s an mehreren Leuten gehangen ist. Da war wieder einer, der gesagt hat ihn interessiert’s nimma und dann war wieder alles weg. Irgendwann hab ich von einem Freund das Acid Pro gekriegt und dann hab ich angefangen HipHop zu horchen, nebenbei und lustig. Und dann hab ich gemerkt, dass man, wenn man Beats macht und darauf einen Text aufnimmt, eigentlich eine ganze Nummer selbst fertig machen kann und das hat mir dann voll getaugt und durch das bin ich eigentlich zum HipHop gekommen. Und mit den Live-Instrumenten, mit der Gitarre, hat man auch gleich was aufnehmen können dazu und da ist dann alles zusammengeflossen in dem Moment.

War das damals dein Nachbar?
Ja genau, der MC Estragon.

Du hast irgendwo stehen, dass deine kreativen Vorzüge im Milieu zwischen christlich fanatischen Minestranten und hirnamputierten Gangsterrappern nicht zum alltäglichen Werkzeug gehören. Was willst du damit sagen?
Der Text ist nicht meiner Feder entsprungen, aber was derjenige damit gemeint hat, ist wahrscheinlich, dass ich nicht diesen klassischen Zugang zu HipHop habe, wie das ist, wenn man vom HipHop kommt und dann in das Ganze hineinwächst und zu schreiben anfängt. Bei mir war das eben nicht so, dass ich relativ viel Rap gehört habe und jetzt auch noch immer nicht viel amerikanischen Rap höre, das heißt diesen Zugang wie das Ganze entstanden ist, aus dem Ghetto usw. mit den ganzen Crackdealern, das hab ich nie in den Texten drinnen gehabt oder mir Gedanken darüber gemacht bzw. ist mir Battle-Rap auch nie so gelegen. Jetzt mach ich’s schon ab und zu gaudimäßig, aber ich hab schon immer geschaut, dass ein gewisses Thema dabei ist oder auch zum Beispiel Gitarrensolos. Was vielleicht damit gemeint ist, ist die Tatsache, dass das ein eigener Zugang zu dem Genre ist und nicht dieses 0815-Schema abgespielt wird.

Du meintest, dass du lieber Konzeptsongs machst. Wie oft hast du früher oder heute noch gefreestylt?
Mit dem hat das Ganze eigentlich angefangen, dass wir damals mit MC Estragon im Keller gesessen sind, beim Chillen und Musik gehört haben, Absolute Beginner, Samy Deluxe, Blumentopf usw. Und da haben wir gaudimäßig über die Raps drübergerappt und dann sind wir drauf gekommen, dass das cooler ist, wenn man das über Beats macht, auf denen keiner redet und so hat das Ganze angefangen. Dann haben wir gesagt wir schreiben Texte und irgendwann ist das Mic gekommen, man konnte aufnehmen und so hat sich das irgendwie entwickelt.

War das auch der Abend wo der Name Polifame erfunden wurde?
Ja, ich war eigentlich nur der dritte in der Runde, der auch Paul hieß, und dann war das so ein feuchtfröhlicher Abend, wo wir uns in der Zuaheit gegenseitig Namen gegeben haben. Der eine war dann der Polytechnische Lehrgang, einer Polyvinylchlorid und ich war Polifame. An dem Abend haben wir auch unseren ersten Text geschrieben, genau. Dann ist mir das geblieben, ich hab das irgendwie witzig gefunden, obwohl ich das –fame im Namen teilweise ein wenig negativ finde. Ich hab mir auch schon überlegt, ob ich’s in –flame umbenennen soll, aber das wär auch nicht gut und es is ja wurscht eigentlich, aber es hat jetzt auch keinen besonderen Hintergrund, das kommt einfach von Paul.

Zwischen „Frischluft“ und „Tiefsee“ sind stolze vier Jahre vergangen, hat der Schaffensprozess für das neue Album so lange gedauert oder was war der Grund dafür?
Es sind eigentlich sehr viele Tracks in der Zeit entstanden, viele Sachen, die ich nachher nicht mehr so leiwand gefunden hab, oder einfach nicht mehr auf Tiefsee drauf gepasst haben. Dann hab ich in der Zwischenzeit noch mit Mirac angefangen „Polirac“ zu machen, das ist dann wieder stagniert und wir fangen jetzt erst wieder an damit, das wird wahrscheinlich in einem halben Jahr fertig sein. Dann hab ich in der Zeit noch „Sense of Searching“ gemacht und ich hab noch eine Funkband mit dem Namen „Yikedi Yak“, da findet die Releaseparty am 8. März statt. Das war alles in der Zeit und ich habe schon viel gemacht..Tiefsee hätte eigentlich nur eine Fünf-, Sechs-Track EP werden sollen und das hat dann alles Ewigkeiten gedauert. Dann wollte ich wieder was anderes machen, ein Album das bunt durchgemischt ist, ohne Konzept. Dann sind aber komischerweise, weil die Zeit anscheinend grade sehr deep war, immer mehr Lieder in diese Richtung entstanden und dann hab ich schon acht, neun Nummern gehabt und mir gedacht ich mach noch ein paar in dem Style und gleich ein ganzes Album aus einem Guss, das konzeptionell zusammenpasst mit der gleichen Stimmung.

Warum rappst du dann manchmal auf Hochdeutsch und dann wieder auf Mundart und legst dich nicht auf eine Machart fest?
Ja ich find beides cool eigentlich, es taugt mir beides. Dadurch, dass ich lange Zeit Hochdeutsch zu Hause mit meinen Brüdern geredet hab, red ich auch heute noch Hochdeutsch komischerweise, das hat man irgendwie so drinnen, Mundart taugt mir aber auch sehr. Ich kann manche Sachen besser auf Hochdeutsch und manche besser auf Mundart ausdrücken. Ich hab mir mal überlegt, dass auf Hochdeutsch eher die tiefgründigeren Sachen sind und die Partysachen auf Mundart, aber das stimmt eigentlich nicht, es ist beides dabei. Mundart taugt mir in der letzten Zeit mehr, weil’s doch ein wenig echter und persönlicher ist, aber ich komm mit beidem ganz gut zurecht und es taugt mir beides. Wir hatten einen Auftritt in Luxemburg und da ist es schwierig, wenn man nur Mundart-Nummern hat. Es soll zwar nicht darauf ausgelegt sein, dass man es nur deswegen macht, aber es war schon wirklich gut, dass ein paar Songs auf Hochdeutsch waren, weil das doch ein breiteres Publikum hören kann und weiß, worum es geht und nicht nur blabla versteht.

Wie entscheidest du das dann? Hörst du einen Beat und denkst dir: Da passt Dialekt drauf?
Ja schon. Aber eigentlich geht es immer um das Thema und dann entscheide ich, ob das jetzt Mundart oder Hochdeutsch wird. Das ist aber meistens aus dem Bauch raus, wir haben da nicht irgendein Schema, sondern das passiert einfach, wie’s gerade passt. Manchmal fangen wir auch einfach zum Schreiben an und denken: ja okay, es wird Mundart werden. Da schreiben wir einen ganzen Vers auf Mundart und beim Hook schreiben kommen wir drauf: aah, Mundart, scheiße, müssen wir jetzt nochmal schreiben.

Kommen wir noch einmal auf Sense of Searching zurück. Wie interessant ist dieser andere Zugang zu Musik für dich?
Sehr interessant. Ich mach auch jetzt noch viele Nummern, die nix mit HipHop zu tun haben, ob die dann rauskommen oder nicht, ist die Frage. Aber ich setz mich oft hin und mach einfach irgendwas, spiel mit der Gitarre, oder fang irgendeinen Beat an und komm dann drauf, dass man auf den vielleicht gut rappen kann und dann nehm ich das vielleicht für unsere TripHop-Band, die ich mit meinem Mitbewohner und noch ein paar Leuten hab. Da kann man dann eher so experimentelle Sachen nehmen. Sense of Searching war ja neben dem HipHop, weil ich ja doch aus einer anderen Schiene komme und auch viele härtere Sachen höre. Da wollte ich ausprobieren, wie das wirklich ist, wenn man für eine Band ganze Nummern schreibt und das hab ich irgendwie gebraucht als Ausgleich zu den ganzen HipHop Sachen. Das war eigentlich immer eine Flash-Sache. Sense of Searching-Lieder sind eigentlich immer sehr schnell entstanden, das ganze Grundgerüst war immer sehr schnell da und das wollt ich auch impulsiv lassen, nicht Strophe-Hook, sondern einfach schreiben, aufnehmen und einmal schauen, was da passiert mit dem Ganzen.

Wenn du sagst das ist ziemlich schnell entstanden. Du warst auch beim ersten Beats&Rhymes in Linz dabei. Wie war es für dich so schnell etwas unter Zeitdruck zu schreiben?
Ja das war echt lustig eigentlich, das war cool. Während der Präsentation war’s dann ein bisschen stressig, weil ich eine ziemlich schirche Schrift hab. Da so den Zettel im Stress halten…aber das hat eigentlich ziemlich gut funktioniert und war recht eine Gaude.

Was macht dir generell mehr Spaß: produzieren oder Texte schreiben und rappen?
Mir macht beides sehr viel Spaß, aber es ist einfach ganz was Anderes. Beim Produzieren ist alles auf eine gewisse Art und Weise offen und man weiß noch nicht genau, was jetzt passieren wird. Und das ist sehr interessant, wenn man von Null auf irgendwelche Klangwelten erschafft, wo man dann fünf Stunden dort sitzt und den Beat oder das Lied hört und dann in eine ganz eigene Stimmung kommt, von dem, was man gerade gemacht hat. Das finde ich sehr, sehr cool. Beim Texte schreiben ist meistens schon eine gewisse Grundstimmung da, auf die man sich dann einlassen muss oder soll, aber das find ich auch sehr interessant. Also es macht mir beides Spaß, ich kann jetzt nicht sagen, was mir besser gefällt. Was mir dann am meisten Spaß macht, ist die Raps aufzunehmen, das ist dann noch ein Level drüber, das ist wirklich geil. Wenn man dann in der Aufnahmezelle steht und das dann einrappt, hat man nachher schon einen gescheiten Push. Das ist das, wo man dann am meisten kriegt und spürt.

 

 

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Du hast ja das meiste selbst produziert, aber das Mastering und die Cuts stammen dann von Leuten wie Flip, Chrisfader, Testa, Hooray..Wie bist du zu den Leuten gekommen?
Der Hooray war eigentlich der erste DJ, den ich damals kennen gelernt hab in Linz und ich komm eigentlich ganz gut aus mit ihm persönlich. Da ich keinen DJ gehabt hab und dann die ersten Auftritte hatte, war’s natürlich schon cool, wenn da ein Typ hinten steht und die Beats auflegt, dass man nicht ganz alleine ist. Und damit das Ganze nicht so playbackmäßig wirkt, hab ich ihn dann gefragt, ob er das machen würde und er hat dann netterweise Ja gesagt. Dann hat er halt auch bei zwei Nummern für das Album die Cuts gemacht. Den Chrisfader hab ich gleichzeitig mit dem Mosch und den ganzen Tirolern kennen gelernt. Die haben mich damals über Myspace eingeladen, dass ich zu ihnen zu einer Produzier- und Aufnahmewoche nach Tirol fahre. Da haben’s so einen kleinen Raum, wo sie alles haben, was man dafür braucht. Ich hab mir gedacht ich kenn dort keinen, aber wurscht, passt. Und dann bin ich halt hingefahren und es war gleich cool, eine ziemliche Gaude, es ist auch viel weitergegangen in der Zeit. Dadurch hab ich die ganzen Leute auch kennen gelernt und wir haben am Schluss dieser Woche ein Abschlusskonzert gehabt in der pmk. Dem Chrisfader haben die Sachen auch immer gleich getaugt und der hat sich dann bereit erklärt, dass er mir den Live-DJ macht und in den Cutpausen, wo eigentlich andere Leute cutten bzw. auf dem Album gar nix is, hat er dann irgendwelche Sachen reingelassen, die er sich gerade überlegt hat und das war sehr freestylemäßig, das hat dann auch recht gut funktioniert. Von dem Zeitpunkt an hab ich ihn dann gefragt, ob er bei meinen Konzerten nicht der DJ sein will. Wir kommen so auch sehr gut miteinander aus. Ich hab ihm dann immer die Nummern, die ich gerade gemacht hab, gezeigt und ihn gefragt, ob er die Cuts machen will und meistens hat’s ihm dann getaugt.

Und Flip?
Den Flip kenn ich aus Linz über die Kapu, er hat das erste Album gemastert. Den hab ich nach einer Zeit einfach angeschrieben, ob ihn das freuen würde und er hat halt Ja gesagt, das war super, da hab ich mich recht gefreut damals.

Wenn du lieber zu zweit mit DJ auf der Bühne stehst, wie ist es dann mit einem zweiten Rapper wie bei Polirac? Was sind da die Unterschiede?
Ich bin ja eigentlich nie alleine auf der Bühne. Mirac und ich kennen uns seit unserem zweiten Auftritt. Dann haben wir miteinander Nummern gemacht und dem Mirac haben meine Sachen getaugt und mir seine Sachen, ich hab seine ganzen Texte gekonnt und er meine und da meinten wir: machen wir das doch zusammen. Dann haben wir viele Shows gehabt und gemeinsame Nummern gespielt und wir sind auch ziemlich gute Freunde. Und jetzt dann endlich auch das gemeinsame Album..

Wenn wir gleich bei den Auftritten bleiben. Ihr wart in der Kapu als auch Amewu, der ebenso wie du viel Wert auf Konzeption legt, aufgetreten ist. Hat sich dort die Möglichkeit ergeben, dass ihr musikalische Ideen austauscht?
Mit dem Amewu hab ich persönlich jetzt leider nicht zu viel zu tun gehabt. Er war an dem Abend relativ müde und hat Ohrenschmerzen gehabt. Aber der Chrisfader und der Testa sind da sehr verbandelt mit ihm, also die haben auf seinem neuen Album zwei Beats und Cuts gemacht. Aber ich jetzt in dem Sinn nicht.

Wie bist du mit Mirac dazu gekommen, auf dem e-lake Festival in Luxemburg aufzutreten?
Das war echt recht cool. Da hab ich einfach „De Läb“ angeschrieben, die beste/einzige HipHop Band in Luxemburg, weil ich mir gedacht hab vielleicht geht das, das ist auch ein halbdeutschsprachiges Land und hab sie angeschrieben, ob sie einmal nach Wien kommen wollen, oder ob wir einmal nach Luxemburg können. Dann hab ich ihnen die ganzen Links zu den Liedern geschickt und das hat ihnen recht getaugt. Irgendwann ist dann auf einmal die Mail gekommen, ob wir dort halt spielen wollen, echt super. Das sind recht nette Kerle und machen auch gerade ein neues Album, wo wir auch oben sein werden, das ist schon super. Das ist für Gigs im Ausland auch einfach das Beste, wenn man irgendwelche Bands einfach anschreibt und fragt, wie’s halt dort ausschaut, ob sie mal kommen und sich austauschen wollen. Das ist das Einzige, was da wirklich gut funktioniert, wenn man nicht schon einen riesengroßen Namen hat.

Wie war der Auftritt selbst?
Super, war echt cool. Es war ein Wahnsinn, auf der größeren Bühne hat gerade Kool Savas gespielt gehabt, also wir haben quasi nach ihm gespielt auf der kleineren Bühne und die ist von der größeren nur durch einen Hügel abgetrennt, sodass alle Leute von ihm nachher zu uns gekommen sind. Es waren dann extrem viele Leute da und ich glaube, es hat ihnen auch ganz gut getaugt. Das Luxemburger Publikum ist ja manchmal nicht so leicht, wie man vielleicht weiß. Wir haben uns einmal Dorian Concept angeschaut dort und es waren ziemlich viele Leute, es war echt extrem cool und man hat gesehen, dass es ihnen taugt und plötzlich ist das Lied aus und alle stehen nur so da, keiner schreit oder macht irgendwas und wir dachten uns nur: oida, was is da los? Aber das ist einfach die Luxemburger Mentalität. Uns ist gesagt worden, wenn’s ihnen taugt, dann bleiben sie da, sonst gehen’s. So ist das, aber es war echt cool, die Leute sehr nett und die ganze Party ein Wahnsinn, kann ich nur weiterempfehlen.

Du meintest ja auch einmal, dass die nächsten Tracks von dir tanzbarer und positiver sein werden…
Ja, obwohl ich jetzt nicht find, dass das Tiefsee-Album negativ ist, aber es wird auf jeden Fall nicht mehr so mysteriös düster, sondern funkiger, wie vom Feeling her am ersten Album oder bei „1 ½ Stund“, so in diese Richtung. Aber ich hab auch noch ganz was Anderes vor, da wird sich noch zeigen, wann das wirklich kommt. Ich würd gern eine CD machen, bei der ich auf ¾ und 4/4 Takte verzichte und ein paar rhythmisch ausgefeiltere Sachen mach, was es manchmal bei den Amerikanern schon gibt, hab ich schon ein paar Mal gehört, aber es ist noch immer ziemlich selten. Zum Beispiel wenn man über einen 7/8 Takt oder 5/4 Takt rappt, find ich extrem cool, ist aber irrsinnig schwer darauf zu schreiben, weil man auf mehr Sachen richtig achten muss, damit es auch flowt. Aber das ist so das nächste Ziel, das ich mir setz.

Welche amerikanischen Musiker fallen dir ein, die das schon machen?
Das hat Tyler The Creator gemacht..und eine aus Chile, die Ana Tijoux, die auch so eine Nummer drauf hat, also einen Remix, wo sie ihren 4/4 Text geremixt haben. Aber das haben generell noch nicht viele gemacht, das gibt’s noch nicht so oft, das ist was Neues, was es im Rock schon lange gibt und dort zelebriert wird, aber im HipHop ist das noch nicht so angekommen. Es ist dann halt auch nicht der typische HipHop-Vibe, bei dem du voll mitgehen kannst und dann ist es immer ein wenig komisch und du musst wirklich reinkommen in das. Aber ich glaub schon, dass es da jetzt mehr geben wird davon.

In einem älteren Message-Interview meintest du, dass österreichischer HipHop nicht genug unterstützt wird. Hat sich deine Meinung diesbezüglich geändert?
Bei den Auftritten hab ich mittlerweile das Gefühl, dass es viele Leute interessiert und auch vom Publikum her ist eine große Unterstützung da. Es ist halt leider immer noch so, dass viele, die nicht aus dem HipHop Genre kommen, sich überhaupt nicht vorstellen können, dass ihnen das taugen könnte. HipHop ist in den Köpfen von Rockern, Indie-Rockern oder klassischen Musikhörern immer noch mit Gangster-Rap besetzt und jeder glaubt, dass das nur irgendwelche Poser sind. Die sind dann teilweise irrsinnig überrascht, wenn du ihnen Total Chaos zeigst oder einen Amewu, oder teilweise kennen die nicht mal Texta. Da ist noch ein großes Potential da, wenn sich HipHop einmal etabliert als eine Musikrichtung, die man durchaus ernst nehmen kann, wo es nicht nur um irgendeinen Blödsinn geht wie bei Moneyboy. Das ist das Nächste: die Leute kennen jetzt alle Moneyboy und glauben das ist österreichischer HipHop. Ich hab letztens mit einem deutschen Kellner geredet, der durch Zufall bei unserem Auftritt war und der war auch völlig überrascht, dass es sowas in Österreich gibt, weil er von hier nur Moneyboy und die Vamummtn kennt. Nix gegen die Vamummtn aber das ist eben auch wieder diese Schiene, die den Rockhörer nicht so anspricht, oder den Pop- oder Drum’n’Bass-Hörer, wo sie halt über Bitches und das Saufen reden. Das schreckt halt noch viele Leute ab, weil sie denken das ist irgendwie eine „dumme Musik“, in der es um nichts geht. Wenn sich diese Mentalität ändert, wird sich glaub ich noch viel tun. Von der Veranstalterseite ist es, finde ich, gleich geblieben. Es gibt Leute, die gern was machen, das funktioniert dann einmal besser und einmal schlechter. Man würd sich wünschen, dass es mehr ist, aber ich bin eigentlich zufrieden mit dem, wie es jetzt ausschaut. Dass es besser werden könnte ist klar, aber ich muss mich jetzt nicht aufregen darüber.

In demselben Interview meintest du auch, dass du HipHop nicht sehr revolutionär findest. Hat sich generell etwas Neues aufgetan in Österreich?
Ich find es ist auf keinen Fall revolutionär, aber vom Flow und der Reimtechnik her merkt man schon eine ziemliche Evolution in den letzten Jahren und wie sich das geändert hat, also da tut sich auf jeden Fall einiges, da geht viel weiter. Bei den Beats..ja..es ist halt einfach HipHop und da ist es einfach so, dass das Beathandwerk meist relativ ähnlich ist. Die meisten HipHopper arbeiten mit denselben Tools und dadurch kommt auch was Ähnliches raus, was natürlich bei dem einen besser und bei dem anderen schlechter oder anders umgesetzt ist. Aber dass sich wirklich etwas Neues einbringt, dass wenn ich den Beat höre und denke: boah, das ist etwas komplett Neues und das ist der Stempel von dem und das erkenn ich unter 1000 Beats, sowas geht mir eigentlich ab, also da gibt’s immer noch wenige, wo ich das merk.

Kannst du dir dann den Ami-Hype um Produzenten wie Brenk irgendwie erklären?
Ich muss zugeben, ich hab es nicht so intensiv verfolgt, was Brenk macht. Ich find die Beats schon cool, auch vom Fid Mella. Bei Apollo Gold hab ich die Beats auch ziemlich interessant gefunden. Ich muss sagen, ich find es jetzt nicht sonderlich innovativ, ich find nicht, dass es was Neues ist. Aber es ist gut und hat einen angenehmen Vibe, aber ich denk mir jetzt nicht: boah, das ist die Revolution und ich muss das jetzt auch machen, das ist das Neue. Das nicht, aber ich hab es auch nicht so stark verfolgt.

Kann man mit der Sample-Kultur denn überhaupt so innovativ sein?
Eben, das ist es ja. Deswegen darf man auch gar nicht so böse sein, dass sich nicht so viel tut. Das ist halt dieses Handwerk, das meinte ich mit dem, dass alle dieselben Tools nehmen für das Ganze. Das ist wie wenn ich sag: ein Singer/Songwriter hat seine eigene Stimme und seine akustische Gitarre, da wird der Track von dem nicht vollkommen anders klingen, als der vom anderen. Das sind halt die gleichen Tools und da kann ich nur so Feinheiten raushören vom Arrangement her und wie er die Stimme einsetzt, aber es wird jetzt nie ein vollkommen neuer Sound sein, was ja auch nicht sein muss, wenn man das nicht will. Aber ich hab halt immer das Gefühl, dass ich immer was Neues ausprobieren muss. Das ist manchmal eh zu viel und zu anstrengend. Ich hör eine Band, die mir voll taugt und denk mir: boah, sowas will ich auch machen. Dann mach ich wieder zwei, drei Nummern in dem Style und dann fällt mir ein ich will jetzt ein ganzes Album so machen und lass alles andere schleifen. Und dann durch diese ganzen Ausflüchte auf die Seite komm ich dann irgendwie immer wieder zu HipHop zurück und hoff halt, dass ich mir am Weg auch was mitgenommen hab. Aber im Endeffekt kommt es immer wieder ins Zentrum zurück.

Mit Duzz Down San hat sich ja in Österreich schon eine Bewegung herauskristallisiert. Wie wichtig ist das Label für dein kreatives Schaffen?
Das Label ist sehr wichtig, weil es einfach ein Pool an Leuten ist, die alle motiviert sind gemeinsam was zu machen und auf die Beine zu stellen, wo man sich kreativ austauschen kann. Die Leute sind auch alle sehr offen, was Beats, Arrangements und Sounds angeht, da würd sich nie wer aufregen, wenn man etwas macht, das nicht konventionell ist und etwas schräg klingt. Das find ich angenehm und wir kennen uns untereinander gut, pushen uns gegenseitig und von dem her ist das einfach eine gute Basis, auf die man aufbauen kann. Mir ist das Label sehr wichtig und ich bin extrem froh, dass wir das haben, find ich super. Und ja, es gibt halt im Label selbst auch ganz unterschiedliche Genres, also Untergenres, es ist ziemlich viel abgedeckt im HipHop.

Es gibt ja auch eine Doku darüber. Was kannst du Näheres dazu berichten?
Ich hab die Doku noch nicht gesehen, aber da wird man fast alle Videos sehen, die bis jetzt von den Artists vom Label herausgekommen sind. Nur so viel: jeder, der beim Label mitwirkt, wird über seine Gedanken zum Label interviewt und zu dem, wie er da reinpasst und reingekommen ist. Es werden auch Videos von Live-Gigs dabei sein, ich glaub, dass es einen guten Einblick gibt, wie das Label funktioniert, wie es live ausschaut, was sich die Leute dabei denken und wie das einfach klingt und sich anfühlt, ich glaub das wird gut.

Apropos Video: wird es noch eines zu Tiefsee geben?
Ja, wir machen noch ein Video zu „Illusion“ und wahrscheinlich zu „Chemikalien“, obwohl das noch nicht ganz fix ist, aber haben wir schon vor.

Die Features auf Tiefsee sind fast alle mit DDS-Kollegen. Mit wem würdest du sonst noch gerne tätig werden?
Naja, ich hab noch nie jemanden angeschrieben und gefragt, ob wir ein Feature machen, sondern es ist immer mit Freunden, die man sowieso immer sieht und die immer im Umfeld sind, mit denen hab ich mir halt Gedanken gemacht. Es gibt viele Rapper in Österreich, die ich ziemlich cool find. Mit Demolux hab ich zum Beispiel noch nie etwas gemacht, obwohl wir’s schon öfter gesagt haben. Dasselbe mit Average, obwohl wir’s uns schon ein paar Mal ausgemacht hätten. Manuva macht ja leider nichts mehr und sonst…also wenn sich was ergibt, bin ich eigentlich immer für Features offen. Das hab ich mir auch gedacht, dass ich das in nächster Zeit mehr forcieren will. Aber die neue Sache, die ich machen will, da ist noch nicht ganz sicher, wie das ausschauen wird, aber ich hab mir überlegt, dass man vielleicht auf jedem Track wen aus einem anderen Bundesland featuren könnte, das wäre ziemlich interessant. In Salzburg gäb es gerade genug Leute, in Linz sowieso, aus Tirol den Yo!Zepp und die Phonetics, da ist auf jeden Fall viel da, was mich zahen würde. Mal schauen was die Zukunft bringt und wie ich Zeit dafür finde, aber ich wär schon motiviert dafür.

Bei der Namensgebung von Tiefsee meintest du, dass es so gut zu der Atmosphäre gepasst hat. Hatte der Film „Tiefseetaucher“ auch Einfluss auf den Titel?
Nein, eigentlich nicht. Ich hab den Film schon gesehen, aber das hatte eigentlich keinen Einfluss. Ich hab damals ein Buch gelesen namens „Der Schwarm“ von Schätzing und da hat das irgendwie angefangen, dass ich mich heute für Meeresbiologie interessiere. Danach hab ich mir einen Haufen Dokus angeschaut und eine Vorlesung dazu gemacht und mich da ziemlich reingeflasht. Es ist halt wirklich interessant, weil die Tiefsee teilweise noch so unerforscht ist und so ein riesiges Gebiet auf der Erde ist, das man noch fast nicht kennt. Diese mysteriöse Stimmung, dieses ungewisse neue Blaue hat mich ziemlich interessiert. Das ist auch das Eintauchen in das Nichts, was man noch nicht kennt, wenn man einen neuen Beat anfängt und einen Text zu schreiben beginnt und man einmal schaut, was da dann rauskommt, passt für mich auch sehr gut in dieses Schema und in diese Atmosphäre rein, ich mag diese ganze Stimmung recht.

Du erwähnst immer, dass du nicht nur von HipHop inspiriert wirst und dich da eigentlich gar nicht so gut auskennst. Welche Musikrichtungen inspirieren dich dann am meisten? Das Shirt, das du gerade trägst, sieht auch nicht sehr HipHop mäßig aus..
Meshuggah ist das, Psychadelic-Hardcore, das ist eine ziemlich interessante Band und rhythmisch extremst inspirierend. Die gibt es eh schon lang und ist auch eine Band, die mich wirklich stark inspiriert hat, weil’s eben so Rhythmen haben, wo man sich zuerst gar nicht auskennt, was überhaupt los ist. Wenn man’s ein paar mal hört und analysiert, merkt man, dass da irrsinnig viel Plan hinter dem Ganzen ist und es horcht sich auch extrem gut an, wenn sich gewisse Takte so weiterschieben. Bei der Band ist es so, dass die Snare schon immer gleich geht, die Melodie ist auch gleich, aber in einem anderen Takt, und so schachtelt sich der eine Takt über den anderen drüber, sowas find ich extrem interessant. Das macht zum Beispiel auch Tool oder The Mars Volta. Mir taugen aber auch sehr solche Beatsachen wie von Eskmo, Amon Tobin hab ich extrem viel gehört, ist auch einer von den größten Inspirationen eigentlich. Und dann im Rockbereich über Queens of the Stone Age bis zu so vielen, ich hör eigentlich aus jedem Genre was, also ich horch auch gern einmal einen Pop, einen orgen Metal oder einen Minimal, wenn das cool ist, und ich horch gern einen Funk und Soul, ich hör gern Rap, das ist irgendwie alles so dabei. Aber im Rap kann ich halt alles am besten zusammenfügen und das auch wirklich selbst fertigmachen. Jetzt mit den anderen Bands bin ich auch anderswertig relativ ausgelastet, sag ich mal. Gerade kann ich mich in allen Genres gut ausleben und das will ich eigentlich auch so weiterführen. Polifame ist dann das Zentrum, wo alles was auf dem Weg passiert ist, zusammenkommt.

Es gibt ja noch die Funkband, in der du spielst. Wie wichtig ist für dich noch das Musizieren mit Instrumenten?
Es ist einfach ganz was Anderes, wenn man mit Leuten zusammenspielt, es ist laut und im Proberaum…von dem kommt ja Musik ursprünglich, dass sich Leute zusammengesetzt haben und auf irgendwelche Trommeln gehaut haben und dann gemeinsam auf eine gewisse Welle kommen, das ist schon sehr cool. Wenn’s dann beim Jammen auf einmal rennt und jeder weiß, dass jetzt der neue Part kommt und dann steigen alle gleichzeitig um, obwohl du’s dir gar nicht ausgemacht hast, das ist schon ein relativ gutes Gefühl, wenn das so läuft und jeder in der gleichen Stimmung drinnen ist und jeder das Gleiche spürt, das ist schon was sehr Schönes, was ich eigentlich immer schon machen wollte, das ist mir auf jeden Fall schon sehr wichtig.

Wieso heißt das Album von Yikedy Yak gerade „Besser als a Sta am Schädl“?
Ja das ist die Yikedy Yak-Mentalität. Das ist das absolute Gegenteil zu Tiefsee kann man sagen. Tiefsee ist teilweise schon sehr, sehr ernsthaft und Yikedy Yak ist halt Party und Gaude und einfach lustig. Es ist auch so, dass bei Tiefsee die Sachen sehr lange gebraucht haben, bis sie entstanden sind und alles sehr ausgetüffelt ist usw. Bei Yikedy Yak ist das alles sehr schnell, da stehen wir im Proberaum, jammen was und auf einmal ist schon das Lied fertig irgendwie und dann schreiben wir noch einen Text zu dem Ganzen, dann war’s das schon. Es wird recht lustig, bei einem Track geht’s darum, dass die Band einfach so leiwand is, das ist das eine Thema, in einem anderen Thema geht’s um den Kater, den man hat am Tag nach dem Saufen, auf einem Track geht’s um Mankos, die Leute haben, dann geht’s einmal um so Popsternchen, mit denen wir nicht zusammenkommen, „Do kumm ma ned zom“ heißt die Nummer. Das ist einfach leicht zugängliche Partymusik.

Interview: Julia Gschmeidler


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