„This is our story“ // Little Simz live

Fotos: Nicolas Jerry

Nach dem Release ihres zweiten Albums „Stillness in Wonderland“ und der gemeinsamen „Humanz Tour“ mit den Gorillaz legt Little Simz keine Verschnaufspause ein, sondern begibt sich gleich auf die nächste Konzertreise quer durch Europa. Diesen Mittwoch steht Wien auf dem Konzertplan ihrer „Poison Ivy Tour“. Der Abend im „Flex“ startet für viele mit einem kühlen Bier auf der Terrasse, bevor die Türen zur „Flex“-Halle mit leichter Verspätung geöffnet werden. Nach einigen Einstiegshymnen vom DJ bereiten VanJess, ein Geschwister-Duo aus den USA, das Publikum auf Little Simz vor. Soul/R’n’B-Gesang, gemischt mit elektronischen Vibes und viel guter Laune sind dabei ein musikalisches Spiegelbild der heutigen Atmosphäre am Donaukanal. War das „Flex“ zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht rappelvoll, lassen sich die Leute nicht zwei Mal bitten, wenn Little Simz‘ DJ, DJ OCT, es sich schon einmal auf der Bühne gemütlich macht. Mit ein paar Krachern, überwiegend made in UK, heizt er dem Publikum ein, bevor Little Simz uns mit „Come see young Simbi on Tour (Good For What)“ zu ihrer Show begrüßt.

Auch die Band stellt sich vor. Auf Missy-Elliott-Samples vom DJ folgt ein Schlagzeugsolo, der Keyboarder spielt Instrumentals zum Grooven, auch ein Bassist ist auf der Bühne vertreten und vervollständigt das Team von Little Simz.  Sofort merkt man Rapperin, Produzentin und Schauspielerin Simbi aus London an, dass sie gerne hier auf der Bühne steht. Und das nicht zum ersten Mal. So erzählt sie von ihrem Auftritt im „Flex Café“ vor 2 Jahren. „It was only like 100 people there. Now I come back to play on the bigger stage and Vienna, you always give it all! The next Song is for you guys.” Sie widmet Wien den Track „Wings“ und beweist ihr Feingefühl: „This is my story. Nah, this is our story.“

Nach jedem Song gibt es eine kleine Motivationsspritze von Simbi. Eine Erklärung zum Track „God Bless Mary“, den sie für ihre unwissenden Nachbarin geschrieben hat, die sich nie beschwerte, als Simz noch in ihrem Schlafzimmer bis in die Nacht Musik machte. Ein „Thank you for your eyes and ears tonight.” Es folgt die Ankündigung eines dritten Albums. Auch wenn die Stimmung im Raum an Love und Happiness kaum zu übertreffen ist, wird noch einer draufgesetzt. „It’s a simple two step, get involved sing along” lädt uns die Rapperin ein, ihr beim bisher unveröffentlichten Track „Selfish“ vom kommenden Album zu assistieren. Simbi, die früher Tänzerin werden wollte, ist von ihren anmutigen Bewegungen auf der Bühne und ihrer stimmlicher Hochleistung schon schweißgebadet. Die mittleren Reihen können aus Platzgründen nur ein bisschen die Arme heben, am Rande der Menge finden sich aber immer wieder Personen, die ganz für sich den Sound genießen und das Tanzbein schwingen – von jung bis alt! Ein Mann in goldener Kappe syncht sogar (fast) durchgängig die komplette Setlist mit.

Nach dem Banger „Backseat“ wird es kurz dunkel. Ein Bass fängt an zu spielen, die Lichter gehen an. Simbi beginnt zu singen. Mehr Lichter, sie spielt E-Gitarre. „Poison Ivy“ unterstreicht die musikalische Intuition und Ausstrahlung der Band. Zusammen mit den vielen, fast spontan wirkenden Instrumental-Parts fühlt sich der Abend an wie ein Besuch in Simbis „Wonderland“. Von dem sie sich mit einem ruhigen, nur mit Klavier unterlegten „No More Wonderland“ verabschieden will. Auch gesanglich probiert sich Little Simz aus. Ganz verzaubert, will sie jetzt keiner gehen lassen. Auch die Mädels von VanJess lassen sich lachend das deutsche Pendant zu „One More Song“ beibringen. Mit „Picture Perfect“ heißt Little Simz uns noch einmal herzlich willkommen in ihrer Welt. Mit einem ihrer ganz alten Banger „Bars Simzon“ zum Schluss schickt sie die Menge ausgepowert und happy nach Hause.

Fazit: Ein Abend der „Poison Ivy Tour“ fühlt sich an wie der Besuch im Wonderland von Little Simz. Die pulsierenden Vibes, musikalische Spontanität und Künstler, die sichtlich Spaß bei der Arbeit haben, verleihen ihrer Musik live neue Facetten. Weil Simbi diese besondere Magie spürt, spürt es die Menge auch. Und lange muss man nicht auf die nächste Gelegenheit warten, um Simbi live zu sehen – schließlich, wie gestern publik wurde, tritt die Britin am Beat the Fish x Frequency 2018 vom 16. – 19. August in St.Pölten auf. Ein kräftiges S/O an Beat the Fish!

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