Party mit dem „Broke Boi“ // Playboi Carti live

Alle Fotos: Matthias Schuch

Dass Cloud Rap mittlerweile allgegenwärtig ist, ist keine neue Erkenntnis. Love it or hate it. Seit Jahren scheiden sich die Geister am Gehalt dieses Subgenres. Auf eines können sich die meisten aber dennoch einigen: Der verrauchte Südstaaten-Sound, den Playboi Carti jetzt seit mehreren Jahren über die Grenzen Atlantas hinaus exportiert, ist etwas ganz Besonderes. Spätestens seitdem er von A$AP Rocky auf dessen Label AWGE gesignt und von Jay Z als Inspiration für „4:44“ genannt wurde, ist Young Carti Rap-Fans weltweit ein Begriff. Kein Wunder also, dass das Flex an diesem Freitagabend restlos ausverkauft ist.

Angenehm überraschend ist jedoch, wie gut gefüllt die Halle schon ist, als Einfachso dem Publikum als lokaler Support einheizt. Einfach wird es ihm jedoch nicht gemacht: Der Bass wummert so laut durch die Weiten des Flex, dass Einfachso durchaus Probleme hat, dem stimmlich etwas entgegenzusetzen. Irgendwann fliegt unnötigerweise eine Wasserflasche auf den MC, der sich davon nicht beeindrucken lässt und spätestens ab seinem neuen Track „Hool“ doch noch einige Zuschauer von sich zu überzeugen weiß.

Playboi Carti lässt sich anschließend reichlich bitten, die Bühne zu betreten. Eine geschlagene Stunde liegt zwischen Einfachso und dem Haupt-Act. In der Zwischenzeit wird der ein oder andere vernebelte Konzertbesucher bereits hinausbegleitet. Als Carti und seine Entourage (inklusive zwei blutiger Schaufensterpuppen) endlich die Stage betreten, gibt es kein Halten mehr. Innerhalb von wenigen Sekunden verwandelt sich der Saal in eine riesige Party und von der Bühne bis zur Garderobe drehen die Leute durch. Dutzende Smartphones werden hochgehalten, um die Show einzufangen und über die einschlägigen Apps zu verbreiten. Der Geruch von Sportzigaretten verteilt sich wabernd im Raum.

Die Crowd gibt sich textsicher und rappt jede Line mit. Darüber dürfte sich Playboi Carti besonders freuen, denn diese Fähigkeit geht ihm an diesem Abend leider ab. Aus den Boxen dröhnt Halbplayback, das ihn eigentlich unterstützen soll, aber doch Fremdschäm-Momente heraufbeschwört, wenn Carti an den falschen Stellen ins Mikrofon rappt. Fraglich allerdings, wie viele das im Publikum überhaupt bemerken. Auch der DJ, der permanent „Yeah“ ins Mic schreit, hilft nicht wirklich. Der Stimmung tut das jedoch keinen Abbruch. Songs wie „Location“, „wokeuplikethis*“ und „New Choppa“ werden enthusiastisch gefeiert. Bei anderen Tracks wie „What!“ und „Fetti“ beschränkt sich Carti auf die Hook. Der Überhit „Magnolia“ muss hingegen gleich zweimal dran glauben. Etwas mehr als eine Stunde wird durchgepowert. Dann geht das Spektakel ohne Zugabe zu Ende. Immerhin noch besser als in Frankfurt ein paar Tage zuvor, wo Carti angeblich nach zwei Stunden Verspätung nach nur einem Song die Bühne wieder verlassen hat.

Fazit: So klingt die Moderne straight outta Georgia: eine Mischung aus Lo-Fi, Turn-up und einer guten Portion Gras. Qualitativ ist an diesem Abend bei Playboi Carti sicherlich noch Luft nach oben. Dennoch ist der Unterhaltungsfaktor hoch, denn das Publikum ist vom Anfang bis zum Ende voll dabei. Musikalisch gibt es heute keine Offenbarung. Eine gute Party ist es dennoch allemal.  

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