Playboi Cartis Drahtseilakt auf „Die Lit“ // Review

(AWGE/Interscope/ VÖ: 11.05.2018)

Für Überraschungen sorgte der aus Atlanta stammende Rapper Playboi Carti im Mai. Völlig unerwartet veröffentlichte er sein Debütalbum „Die Lit“. Carti als einer der Vorreiter des sogenannten „Mumble Rap“, war in den vergangenen zwei Jahren konstant Gesprächsthema und ist verantwortlich für sehr konträre Meinungen. Von den einen gefeiert für seine melodischen und prägnanten Verse, von den anderen immer wieder harsch wegen fehlender Rap-Technik kritisiert ist „Die Lit“ sicherlich ein Album, das beiden Seiten recht gibt, diese Meinungen aber auch wieder relativiert. Denn „Die Lit“ ist auf seine ganz eigene Art ein herausragendes Album.

Carti sah sich bei diesem Release mit einer der schwierigsten Aufgaben konfrontiert, die ein Rapper haben kann. Nämlich den Sprung zu schaffen, von einem Hype-Mixtape zu einem wirklich ernstzunehmenden Album. Aber Carti macht in diesem Release sehr schnell klar, dass es in erster Linie die Musik ist, die ihm zu seinem derzeitigen Status verholfen hat.

Eine der klügsten Entscheidungen auf „Die Lit“ war es, sich stilistisch nicht zu sehr vom vorhergegangen Album abzusetzen. Dieses Release klingt wie ein Feinschliff der angegangenen Richtung vom vorigen Jahr, das Album macht beim Hören einen vertrauten Eindruck. Das hat auch einen Grund, die Produktion des Albums war wieder fast ausschließlich in der Hand des New Yorker Produzenten Pi’erre Bourne, der auf jeden Fall mitverantwortlich für den großen Erfolg des Rappers ist. Der Song „Magnolia“ zum Beispiel wurde auch von ihm produziert und ist sicherlich einer der bekanntesten Tracks des Rappers.

Auch bei den Featuregästen sind bekannte Gesichter dabei, Lil Uzi Vert gibt im Song „Shoota“ einen Vers zum Besten, aber auch andere namhafte Größen wie Nicki Minaj („Poke it Out“) und Young Thug („Choppa Won’t Miss„) sind mit dabei. Herausragend ist das Lied „R.I.P.“, das zugleich das erste Video erhält und direkt an der Rockstar-Mentalität von Carti anknüpft.

Wie gesagt fällt es schwer, zwischen den Songs markante Unterschiede auszumachen. Was eigentlich einer der größten Kritikpunkte sein müsste, wandelt Carti aber zu einer der größten Stärken des Albums um. Es ist ein Drahtseilakt zwischen eingängigen Melodien und immer gleichen Flows. Vor allem geht es nicht um ausgefeilte Verses und Technik oder darum, möglichst viele unbenutzbare Waffen zu zeigen. Vielmehr will Carti mit seinen Liedern ein Gefühl und einen Lebensstil vermitteln, der für sehr viele erstrebenswert erscheint. Genau auf dieser Faszination der Hörer für Cartis Lebensphilosophie und -gestaltung baut auch sein Erfolg auf und das hat er auch genau durchschaut. Deshalb wäre es mehr als fraglich, dieses äußerst erfolgreiche Konzept schon nach dem zweiten Release zu kippen.

Spannend wird auf jeden Fall, was die Zukunft um den Rapper bringt, denn ewig wird sich dieser Stil im Genre auch nicht halten können. Wie Carti auf solche Entwicklungen antwortet und ob er sich sozusagen einer musikalischen Evolution unterzieht, werden zukünftige Releases zeigen, doch für dieses Album gilt einfach nur „Die Lit“!

Fazit: Für Fans bietet Playboi Carti auf dem Album genau das Richtige. Wer aber schon vorher nichts mit dem Rap von Carti anfangen konnte, wird auch von dieser Platte nicht bekehrt werden. Carti bewegt sich in einem höchst polarisierten Feld, man feiert entweder jeden Track oder kann mit keinem etwas anfangen. „Die Lit“ arbeitet mit seinem ganz eigenen wahnwitzigen Stil, es fühlt sich nichts geplant und alles wunderbar spontan an. Natürlich kann man kritisieren, dass das Album nur so gleich klingt, um Verkaufszahlen zu steigern, aber ich wünsche jedem viel Glück, der dieses Argument hervorbringt, während „R.I.P.“ läuft.

4 von 5 Ananas

 

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