Play That Shit – Suff Daddy Interview

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Sympathisch wie eh und je begrüßt uns Suff Daddy. Das Eis ist ziemlich schnell gebrochen und der Beat-Bastler erzählt uns gut gelaunt von seiner Zeit mit den Betty Ford Boys, was er sich alles noch an Equipment zulegen will und von seinem „Ausflug“ nach Australien. Seine leichte Verplantheit und – versteh uns nicht falsch, Suff – seine Normalität, machen ihn zu einem Künstler, den man nicht nur für die Musik sympathisch findet, sondern wegen des Gesamtpakets. Man merkt, sein Traum ist aufgegangen: Den ganzen Tag gute Musik machen.

Photos: Daniel Shaked
Interview: Michael Reinhard & edHardygirl14

The Message: Du erwähnst immer wieder, dass du von Super Marios „Yoshi’s Island“ musikalisch stark beeinflusst wurdest. Das musst du bitte näher erklären.
Suff Daddy:
Von allen Mario-Teilen! Der Typ ist so krass geil! Zu allererst von Super Mario Brothers, Land, World. Aber von Yoshi’s Island gab es eben auch einen Soundtrack zu kaufen. Von den anderen habe ich jedenfalls noch keinen gefunden. Es ist natürlich alles an dem Spiel gut – aber der Soundtrack motiviert einfach.

Gehst du noch diggen oder findest du deine Samples mittlerweile überwiegend über das Internet?
Im Moment digge ich wieder, aber ich kauf auch super viel im Internet. Ich sample gar nicht mehr. Platten kauf ich zurzeit eher zum Auflegen, oder zum Hören für daheim. Ich kann gerade einfach nicht samplen – finde gerade auch einfach keine, die ich verwerten will. Ich denk mir: „Na klar Alter, kann ich loopen“, aber für meine nächste Platte will ich  mehr Musik schaffen, als ich das sonst. Ein paar Drums runterloopen und ein paar Vocal-Scratches – voll geil, muss ich auch irgendwann wieder machen – aber da hab ich gerade keinen Bock drauf. Die meiste Musik kauf ich mir mittlerweile auf iTunes. Das kommt vom vielen Auflegen, was im Moment mein Hauptjob ist. Das mache ich mit Serato – bin auch nur mit meinem Laptop unterwegs. Und wenn ich mal wirklich was haben will, hole ich es mir auf Discogs. Aber das Rumhängen mit den Betty Ford Boys hat mich wieder zum Diggen gebracht. Weil Dexter ist komplett verrückt, der will nur diggen. Der kauft andauernd Platten.

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Suchst du am liebsten in einem bestimmten Genre oder in einer gewissen Zeitspanne?
Ich bin keiner, der sich irgendwas durchliest. Ich merke mir das Cover und den Lieblingstrack. Aber ich habe immer Bock auf Boogie und Disco-Sachen. Jetzt nicht so cheesy Disco, sondern Boogie Disco – ich weiß gar nicht genau, wie man das genau nennt. Das Ende der 70er ist eine ganz gute Zeit. Zum Beispiel Brenda Russel – das ist eine Mischung aus Soul und Boogie. Oder Alicia Myers. Roy Ayers hat auch ein paar geile Sachen gemacht. Und ey, ich habe ja meine eigene Veranstaltung in Berlin – Beat Geeks. Wir machen das an jedem ersten und dritten Dienstag im Monat im Monarch. Dadurch bin ich auch gezwungen, neue Musik zu suchen. Ich habe auch keinen Spaß daran, wenn ich mich wiederhole. Wir spielen mittlerweile nur noch Boogie, Reggae, Disco – und Rap zwischendrin. Aber es ist super divers geworden.

Mit welchem Equipment arbeitest du zurzeit?
Mein Equipment habe ich total zurückgefahren. Früher wollte ich immer viele Synthies haben. Aber im Prinzip mache ich die Musik mit einem kleinen Keyboard mit nur drei Oktaven, ein paar VST-Plugins von Arturia und meinem PC. Das Keyboard ist das billigste Ding überhaupt. Das habe ich mir für die Fischerhaushütte geholt, als wir Betty Ford Boys aufgenommen haben, weil ich als Einziger mit der Bahn gekommen bin und nicht so viel mitnehmen konnte. Dazu hab ich noch einen Micro Korg. Mit dem hab ich früher auf meinen ganzen alten Platten viel rumgedüdelt. Aber irgendwann ist es mir auf den Sack gegangen und der steht jetzt daheim als MIDI-Keybord. Und so einen riesigen Fernseher hab ich mir geholt. Ich habe aber auch Bock, mir einen Voyager oder einen Rhodes oder irgendwas Orgelmäßiges zu holen.

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Bei den Betty Ford Boys benutzt fast jeder eine unterschiedliche Software. Du arbeitest mit Sony Acid. Gab es da nicht manchmal Probleme beim Produzieren?
Dexter arbeitet mit Logic, Branko auch mit Sony Acid! Branko und ich können uns Sony Acid Sessions hin- und herschicken, wo dann wirklich jede Einstellung, die einzelnen Spuren, Samples und was weiß ich genau sitzen. Das ist mega geil! Flako hab ich in Berlin kennen gelernt, der hat auch auf Sony Acid produziert – und angeblich Danger Mouse. Aber im Prinzip ist alles das Gleiche. Die meiste Arbeit ist an den Synthesizern. Dexter hatte seinen fetten Voyager dabei. Jeder saß an seinem Computer und hat erst über Kopfhörer gearbeitet. Wir haben ein Netzwerk eingerichtet, wo wir alles draufziehen konnten. Sobald einer was Geiles hat, sagt er: „Jungs, hört euch das mal an“ und wir sagen dann, „Hey ist Kacke Alter, kannst direkt löschen“ oder „Geil Alter, ab in Folder“. Dann machen wir was daraus.

Seid ihr schon mit Material hingefahren?
Nein. Ich habe nur ein paar Drums vorher rausgesucht. Sonst haben wir gesagt, dass wir alles dort machen wollen. Normalerweise ist auf einer Platte ein Song von vor zwei Jahren und einer von letzter Woche – was so zusammenpasst. Dieses Mal war es nur diese eine Woche. Wir haben die Basics gemacht und jeder hat ungefähr sieben Stück mit nach Hause genommen und die Schirmherrschaft über verschiedene Beats bekommen.

Steht bald wieder eine Hüttenwoche mit den Betty Ford Boys an?
Wir machen erst mal alle Solo-Sachen. Ich für meinen Teil habe in den letzten zwei Jahren zwei Betty Ford Boys Alben, zwei Betty Ford Boys EPs und die Carpet Partol mit Torky Tork rausgebracht. Davor war das Ding mit Ta-ku. Ich hab gerade keinen Bock mehr auf Kollaborationen. Ich muss mal wieder ein Suff Daddy-Ding rausbringen. Zwei richtig geile Songs sind schon fertig, darum baue ich jetzt eine EP. Dann kommt sicher wieder ein Album. Aber ich will mir da kein Stress machen.

Wie kam es zur Kollabo mit Ta-Ku?
Wir hatten nie wirklich viel Kontakt. Ich meinte dann: „Hey, ich komm nach Australien“! Ich hab ihn nur einmal getroffen! Auf einer New Era Party in Melbourne, wo wir zusammen aufgelegt haben. Die ganze Platte ist  übers Internet entstanden. Er hat ja auch in Perth gewohnt – 4.000 bis 5.000 Kilometer von Sydney entfernt! Damals gab es auch seinen Barbershop noch nicht und er hat noch dieses Boom Bap Zeug gemacht. Aber der ist musikalisch auf einem ganz anderen Planeten. Auch Fame-technisch. Dabei ist der Typ der übelst nette, offene Dude – ultra höflich und zuvorkommend. Raucht nicht, trinkt nicht, gläubiger Christ – obendrein noch Workaholic! Ab und zu schreibt man sich mal eine Mail, aber ich bin echt schlecht im Kontakt halten. Ich habe meinen kleinen Haufen Leute, meine Freundin, meinen Hund und damit bin ich schon ausgelastet.

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Wie sehr hat dich Australien musikalisch geprägt?
Ja, auf jeden Fall. Aber erstmal hat mich Australien musikalisch zerstört. Ich hatte hier voll die geile Zeit und bin mit großen Plänen runtergegangen. Es hat alles ein wenig gedämpft begonnen und es lief irgendwie nicht gut für mich. Ich hatte nicht so viele coole Gigs. Da war ich ein wenig verwöhnt, weil ich hier einen Namen habe. Dort musste ich von Null anfangen. Ein paar Sachen sind da schon entstanden, aber es war sicher nicht meine beste Zeit musikalisch gesehen.

Du hattest quasi eine richtige Beat-Krise?
Ja, aber die habe ich alle zwei Jahre. Da denke ich, ich kann keinen Beat mehr machen. In den letzten Jahren habe ich gemerkt, dass die Pausen für mich genauso dazugehören wie das Musikmachen. Früher hatte ich nichts anderes zu tun. Ich bin nicht weggegangen, hatte keine Perle – hing nur zu Hause herum und habe Musik gemacht. Mittlerweile mache ich auch viele andere Sachen. Zum Beispiel habe ich mir einen Hund geholt, bin jetzt richtig viel draußen! Beweg mich viel und die frische Luft tut mir gut. Und auf einmal habe ich wieder so ein paar richtig geile Sachen gemacht. Ich hab den Ordner, in dem ich alle alten Beats gespeichert hatte, mal ad acta gelegt, weil ich auch gar keinen Bock mehr habe, das rauszubringen oder Leuten zu schicken, die darüber rappen.

In Australien hatte ich das Gefühl, dass ich nicht weiterkomme. Aber ich will das mein ganzes Leben lang machen und da ist es okay, wenn ich mal ein Jahr lang scheiß Musik mache. Ein kleines Down war vielleicht ganz gut. So als Rehabilitierung. Ich hab mich superkrass von meiner eigenen Musik gelangweilt gefühlt. Natürlich mache ich jetzt keinen Trap, aber ich will einfach nicht auf der Stelle stehenbleiben.

Warum bist du dann letztendlich zurück nach Berlin?
Urlaub in Australien ist richtig schön. Dort zu wohnen ist schon nicht mehr so geil. Mit meinem Lotterlebensstil kommst du dort nicht durch. Was ich in Berlin kann – auch wenn es dort auch immer teurer wird. Aber Sydney ist gefühlt wie New York mal Tokyo. Zuerst habe ich gedacht, ich brauche gar keine Stadt zum Musik machen – nur der Vibe muss stimmen. Und dann hab ich gemerkt, dass ich meine Leute und das Umfeld vermisse.

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Melting Pot Music war immer die treibende Kraft in der deutschen Beat-Szene. Wie würdest du Olski beschreiben? Ist er so ein bisschen der Peanut Butter Wolf Deutschlands?
Peanut Butter Wolf ist ein bisschen verschlossener – der ist sehr introvertiert. Olski ist nicht absolut extrovertiert. Er hat einfach eine Vision von dem Label und hat da super Arbeit geleistet. Damals hat er mit Lefties Soul Connection angefangen. Da war das noch eher ein Soul- und Funk-Label. Das mit dem HipHop kam später. Für mich war das supergeil, weil MPM und ich sind so miteinander gewachsen – alle meine relevanten Platten sind dort erschienen. Hi-Hat Club hat diesen nerdigen HipHop-Beat vorangetrieben. Was mir mittlerweile schon wieder ein bisschen auf den Keks geht. Ich bin jetzt Mitte 30 und hab das schon so lange gemacht. Es kann schon Boom Bap sein, aber irgendetwas Freshes muss noch dabei sein! Auf wen ich gerade voll abfahre, ist FredFades oder Ivan Ave. Der hat mit MNDSG eine Platte auf Jakarta Records rausgebracht. Oder Tunji Ige, Day2Day. Bis dieser fucking Techno-Teil anfängt – da bin ich raus!

Du bist auf MPM gesignt, hast aber auch schon über Jakarta Records veröffentlicht. Werden die Labels langsam zu Gegenspielern?
Ne, die sind auf jeden Fall Freunde. Es gibt viele Projekte, die weitergereicht werden. Jakarta finde ich aber experimenteller, die haben sich extrem gemausert. Vor zwei Jahren fand ich die cool, jetzt finde ich die megageil! Die haben Leute, die so kurz vor „about-to-blow-up“ sind. Und die Sachen, die sie selbst einfach feiern. Dann bringen sie irgendwelche arabischen Sachen raus, wo du dir denkst – Hä?

Wie würdest du deine persönliche musikalische Entwicklung beschreiben?
Das nächste Album wird auf jeden Fall anders. Es wird immer noch Suff Daddy sein. Es wird harmonisch und schön sein, aber allein, dass ich dieses Mal vorhabe, keine Samples zu verwenden, ändert vieles. Es war eine stetige Entwicklung seit ich auf Kill Bill angefangen habe, Sachen selbst einzuspielen. Das ist wohl die signifikanteste Veränderung, weil meine Markenzeichen davor Loops, fette Drums und Vocal-Scratches waren.

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Hast du dir das Klavierspielen im Laufe der Zeit selbst beigebracht?
Ich kann es immer noch nicht. (lacht) Man kann das schnell raushören. Aber ich drücke da meistens einfach rum, bis ich etwas habe!

Mal an Klavierstunden gedacht?
Meine Freundin hat mir zum letzten Geburtstag Klavierstunden geschenkt! Aber ich denk mir dann immer – es passt heute nicht. Und am liebsten bin ich doch zu Hause und mache Musik, oder gehe mit dem Hund raus. Ich bin schon als Kind sehr ungern zum Töpferkurs gegangen. Egal, was es war – Karate, Töpferkurs, was weiß ich – nach der ersten Stunde habe ich immer aufgehört. Aber ich weiß noch, was wir da getöpfert haben – das war nämlich ein Aschenbecher. Alter wir waren damals fünf Jahre alt oder so!

Was hältst du davon, dass beim Dschungelcamp die Betty Ford Boys gespielt wurden?
Voll geil! Hat sich herausgestellt, dass es da so einen Musikredakteur gibt, der anscheinen andauernd geile Musik reinmacht. Ich bin sehr gespannt, was da auf meinem Konto erscheint. Das sollen die ruhig alle machen! Auch RTL 2 ,Tele 5 – PLAY THAT SHIT!

 

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