Initiative O5: Aktiv gegen den Rechtsruck

O5

Um aktiv „Widerstand gegen Hass und Diskriminierung in der Politik zu leisten“ und gleichzeitig möglichst viele junge Menschen für die anstehende Nationalratswahl zu mobilisieren, schlägt die Initiative O5 derzeit hohe Wellen. Musikvideos, Flyer, Plakate und Graffitis sorgen für Aufmerksamkeit. Viele heimische Künstler sind daran beteiligt, wobei die HipHop-Community besonders stark vertreten ist. Stilistisch orientiert sich das Projekt an der Bewegung „Rize Up!„, die in ähnlicher Manier für die Britische Unterhauswahl im Juni mobilisiert hat. Der Fotograf Josh Cole hatte sie ins Leben gerufen. Er ist auch maßgeblich an der Umsetzung der österreichischen Version beteiligt, die er gemeinsam mit Michael Schwarz aka The Schwarzfahrer aufzieht. Zur hiesigen Kampagne ist es gekommen, weil Vertreter von Jugendorganisationen der SPÖ auf das Original aufmerksam geworden sind und beim Gründer nachgefragt haben, ob er in Österreich etwas ähnliches in Gang setzen möchte. Über einen gemeinsamen Freund in England ist Josh Cole auf Michael Schwarz gestoßen, der ihm sofort zugesagt hat. Es hat keine Motivation gebraucht. Ich hatte Zeit und Ressourcen, fand es zudem extrem wichtig und richtig, so etwas zu machen“, sagt Schwarz. Obwohl das Projekt finanziell auf Wahlkampfbudgets der Roten Jugend aufbaut, möchte man keinesfalls Parteiwerbung betreiben. Die Rolle der jungen SPÖ ist mit dem Budget abgedeckt, sie haben uns alles frei gestalten lassen. Wir können das Budget in unserem Sinne verwenden, ungebunden und individuell tätig sein. Josh und ich haben auf diesen Vertrag bestanden“, so der gelernte Grafiker. Weiters führt er aus: „Es gibt keine Maulkörbe, Briefings, Vorgaben oder Zensur. Es geht darum, bei jungen Leuten ein Bewusstsein zu schaffen.“ Schwarz hat dafür etwa die Namensgebung, sämtliche Artworks sowie große Teile der Organisation und Kommunikation mit den beteiligten Künstlern übernommen.

Der Name O5 ist angelehnt an eine gleichnamige Widerstandsgruppe im Zweiten Weltkrieg. Das Kürzel steht für „OE“ und stellt im übertragenen Sinn eine Abkürzung für Österreich dar. Die damalige Bewegung ist von bürgerlich-konservativen Kräften wie Fritz Molden ausgegangen, wobei mit der Zeit zunehmend Sozialdemokraten und Kommunisten mitgewirkt haben, um durch die Bündelung überparteilicher Kräfte zur Befreiung Österreichs beizutragen. „Die Beteiligten haben in den Gassen den Widerstand schriftlich an Wänden angebracht, also ein früher Graffiti-Move. Nur haben sie damit ihr Leben riskiert“, so Schwarz. Die Bewegung hat ihm bereits imponiert, als er erstmals im Geschichteunterricht davon erfahren hat. Er führt aus, dass es bereits im Jahr 2000 im Zuge von Donnerstagsdemos eine Renaissance des Kürzels gab, nachdem die Schwarz-Blaue Regierung angelobt wurde: „Einige Sprüher haben damals den Code aufgegriffen. Antifa- und EKH-Leute haben das in weiterer Folge ohne Absprache übernommen. Das fand ich ein schönes Zeichen.“ Auch jetzt gilt es, sich gemeinsam stark zu machen und zusammenzuhalten. Als Logo von O5 fungiert eine geballte, rote Faust, die stark an kommunistische Symbolik erinnert. „Die Faust ist ein Zeichen von Stärke und Kraft, das Look-and-feel ist absichtlich radikaler gestaltet“, meint Schwarz.

Der Mitinitiator hat den Kontakt zu den Vertretern der heimischen Rap-Szene hergestellt: „Ich habe viel koordiniert, geplant und überlegt, mit wem es passen würde, was vorstellbar ist“. Einige Artists waren zu Beginn skeptisch. Kreiml etwa, der festhält: „Man weiß ja aus Erfahrung, wie whack solche Kollabo-Tracks mit Wahlbezug werden können. Die Voraussetzungen waren für mich durch die beteiligten Rapper, den fetten Beat von Brenk und die Freiheit, sagen zu können was ich will, gegeben.“ Letztlich haben auch zahlreiche weitere MCs dem Projekt zugesagt. Einige davon äußern sich im Normalfall nicht in Bezug auf politische Themen. Der Kollabo-Track „Wer Schweigt stimmt zu“ mit Beteiligung von DemoLux, Ali Capone, Appletree, Syc Tyson, Svaba Ortak, Def Ill, Jamin und Meilner, der viel Energie in das Video gesteckt hat, ist innerhalb kürzester Zeit entstanden. Auch Abseits der Anfragen haben mehrere Künstler O5 Material zur Verfügung gestellt, das in eine ähnliche Kerbe schlägt. Ich finde es schön, dass ein Ruck durch die Szene geht, dass Ego-Geschichten beiseitegelassen werden“, zeigt sich Michael Schwarz glücklich. Mit „Right To Vote“ ist kürzlich ein weiterer Track im Namen der Plattform erschienen, der Parts von Skero, Kinetical, P.tah und Fozhowi enthält und ebenfalls nachdrücklich zum Wählengehen auffordert. Auch diesmal wirbt keiner der Beteiligten für eine bestimmte Partei. Erwartungsgemäß sind sich jedoch alle einig, wie wichtig es ist, offen gegen diverse Ausformungen von Hass und Diskriminierung aufzutreten und am Sonntag an der Nationalratswahl teilzunehmen so lästig der Wahlkampf auch war und so schwer es fallen mag, eine Partei rauszupicken, deren Wahl im geringsten Ausmaß Bauchweh verursacht.

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