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Nichts ist unendlich: Edwin mit „6 Gänge Menü“ // Video

Nichts ist unendlich: Edwin mit „6 Gänge Menü“ // Video

In schicker Atmosphäre sitzt Edwin an der Tafel, lädt zum Sechs-Gänge-Menü. Rotwein in noblen Gläsern, doch die Blicke seiner selbst und die der Gesellschaft sind leer, starr. „Sechs Gänge Menü, und du als Dessert“. Ein mit Ehering geschmückter abgetrennter Finger wird auf dem Goldtablett serviert, die kalten Blicke verweilen.

„Alles vergänglich, früher noch wie unzertrennlich / Mach uns nichts vor, dachte ich kenn dich / Alles verständlich, irren ist menschlich / Unsere Story nicht unendlich“

Edwin wuchs im 21. Wiener Gemeindebezirk auf, veröffentlichte 2017 seine erste EP, im vergangenen Jahr folgte das „Bahoe Tape„. Zwischendrin einzelne Songs, Features und Live-Gigs. Darunter auch „In Dir“, eine wunderschön-ehrliche Hommage an seine Heimatstadt Wien, die selbst den grantigsten Wienern das Herz erwärmt und nicht zu vergessen den mit Jugo Ürdens gemeinsamen tanzbaren Hit „Allegro“. Edwins neue Single ist der Vorbote auf sein im Frühjahr 2020 erscheinendes Album „SLEBEN“ und wirkt direkt eine Spur ausgereifter, greifbarer.

 „6 Gänge Menü“ ist die ehrliche Antwort, die auch ein bisschen wehtut. „Wir beide gestrandet im Mondlicht, tragisches Ende wie Clyde und Bonnie“. Alles ist vergänglich, so auch die Liebe. Zu dieser Erkenntnis gelangt Edwin im Laufe des Songs. Scheint anfangs noch alles in Ordnung zu sein, verfliegen die Endorphine schnell. „Teilen einfach alles, schmelzen zusammen / Gemeinsam genommen, gemeinsam gekommen“, heißt es noch zu Beginn, dann aber der abrupte Umbruch: „Akku ist leer, können nicht mehr / Es bricht mir das Herz“.

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„Krallst dich fest, aber klammerst mich dann aus / Halt’s nicht mehr aus“.

Eine melancholische, angenehme Sounduntermalung von food for thought unterstreicht die Grundstimmung des Songs. Fast schon herzzerreißend klingt dieser, zugleich aber auch eingängig, trotzdem neuartig. Wie gewohnt verzichtet Edwin auf reinen Rap und lässt sich lieber musikalisch treiben – seine markante Stimme ebnet dafür den Grundstein. Der Wiener Akzent blitzt hin und wieder hevor, gehört dieser jedoch schon längst eher zu Edwins Markenzeichen, als störend zu wirken. Definitiv ist „6 Gänge Menü“ ein Herzschmerz-Song, Edwins in die Musik verwandelten Emotionen lassen ihn aber dennoch irgendwo hoffnungsvoll klingen. Vielleicht auch einfach, weil der Song so traurig-schön ist.

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