Ms Def

Kritisch auf Mundart: Ms Def spricht „Klartext“ // EP

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Seit über zehn Jahren Teil der ersten österreichischen „All Female“-Rapcrew MTS, hat sich MS Def – wie ihre Kolleginnen Nora Mazu und Mag-D – in den vergangenen Jahren verstärkt Solo-Projekten gewidmet. Während die 2016 erschienene EP „Lichtblicke“ ein deeper, teils mystisch angehauchter Ausflug auf Hochdeutsch war, kehrt die Wienerin mit Wurzeln im Innviertel nun in gewohnte Mundart-Sphären zurück.

Wie der Titel „Klartext“ andeutet, möchte Ms Def diesmal um einiges direkter vorgehen, eben nicht um den heißen Brei rappen. Einen Vorgeschmack dazu hat sie bereits Ende des vergangenen Jahres mit der Single „Rise Up“ geliefert. Auf der Nummer, die es bis ins Halbfinale des Protestsongcontests 2018 geschafft hat, rechnet sie mit der damals frisch koalierten Bundesregierung ab. Unter den vertrauten Kritikpunkten befinden sich das Schüren von Ängsten, das Spalten der Gesellschaft sowie irreführende Versprechungen gegenüber den eigenen Wählerschaften. Darüber hinaus hinterfragt sie den zunehmenden Stellenwert politischer Inszenierung im Kontrast zu den eigentlichen Programmen und Handlungen sowie deren konkreten Auswirkungen.

Als stimmige Fortsetzung kristallisiert sich der Track „Gemeinsam“ heraus, auf dem Ms Def eine Änderung des zivilgesellschaftlichen Aggregatzustands herbeisehnt. Sie fordert mehr aktives Eintreten statt ständigem Sudern und Schwarzmalen sowie die Ausformung und Verfolgung gemeinsamer Ziele. Ähnlich motivierend, allerdings auf persönlicher Ebene, fällt der Feel-Good-Track „In Sich(t)“ mit Featuregast Son Griot aus. Die restlichen drei Tracks widmen sich ausführlich dem hiesigen Musikgeschäft, mit speziellem Fokus auf den Rap-Bereich. In diesem Kontext karikiert Ms Def eine Szene voller Neid, Freunderlwirtschaft sowie der Überglorifizierung von Hypes und allzu hedonistischen Auswüchsen. Vorwürfe, die nicht von Ungefähr kommen und sich wohl genauso auf andere Länder und (Rap-)Szenen projizieren lassen.

Sämtliche Beats hat Lazy Rida aka LR aus Polen beigesteuert. Die druckvollen, schwer anmutenden Unterlagen bieten zwischen traditionell angehauchten, mit Cuts versehenen Klängen und Trap-Sounds einiges an Abwechslung und harmonieren gut mit den vergleichsweise besonnen eingerappten Parts. Zur Zusammenarbeit verrät Ms Def gegenüber The Message, dass sie seit jeher einen Hang zu polnischen Produzenten hat. „Dort gibt’s ein paar, die echt nahezu hundertprozentig meinen Geschmack treffen. Von LR hab ich vor Jahren online einen Beat gekauft. Nachdem er das Ergebnis ziemlich gefeiert hat, sind wir eigentlich laufend in Kontakt.“

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