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Mr. Käfer

Zwischen zwei Welten: Mr. Käfer mit „Orientation“ // EP & Interview

Mr. Käfer
Melting Pot Music | VÖ: 08.05.2020

Reisen in den Maghreb? Derzeit bestimmt ein schwieriges Unterfangen. Dafür schlägt Mr. Käfer die Brücke in Musikform. Der Salzburger Produzent besinnt sich mit „Orientation“ auf seine Wurzeln, die zum Teil in Algerien liegen. Die Instrumental-EP  ist soeben via Melting Pot Music erschienen – auf Vinyl als Doppelrelease mit dem ursprünglich 2019 erschienenen Vorgänger „Lost Reflections“.

Schon früh in der Kindheit kam Mr. Käfer mit einer Kassette von Cheb Khaled in Berührung. Der Sänger stammt wie der Vater des Produzenten aus der Küstenstadt Oran, in Europa ist er vor allem für den Hit „Aicha“ bekannt. Auf weitere Musiker aus der Region ist Mr. Käfer zwar erst später nebenbei gestoßen, die Affinität für die charakteristischen Klänge aber bis heute geblieben. „Mein Gedanke war, dass ich orientalische Sounds und Rhythmen in den Jazz einbaue, der sowieso immer einen großen Einfluss auf meine Beats hat“, sagt er im Telefongespräch mit The Message. Das Wortspiel im Titel erscheint aufgrund der persönlichen Geschichte und der Orientierung zwischen den beiden Kulturen aufgelegt.

Auch abseits des stilistischen Fokus zeigt „Orientation“ weitere neue Facetten von Mr. Käfer. So spielte er diesmal bewusst mit verschiedenen Tempi und setzte bei der Ausgestaltung auf die Unterstützung einiger Instrumentalisten. Während „Lost Reflections“ bereits in Kooperation mit dem US-Saxofonisten Gavin Lord entstanden ist, arbeitete Mr. Käfer diesmal das Arrangement gemeinsam mit Christian Höll aus – der Multiinstrumentalist widmet sich mit dem Projekt Vinsta sonst alpinen Metal-Klängen mit Salzburger Mundart-Vocals, hat darüber hinaus ebenfalls ein Faible für Klänge aus dem Orient. Letztlich spielte er Saxofon-Klänge ein, Makkako an der Gitarre und Ruff I. am Bass runden das Projekt ab. Auch dank der Live-Instrumente gelingt es bei den sechs Tracks spielerisch, entspannte Grooves  mit einem lebhaften Charakter zu versehen.

Im Anschluss ans kurze Gespräch zur EP haben wir die Gelegenheit genutzt und Mr. Käfer paar weitere Fragen zu seinem Schaffen gestellt.

The Message: Du hast vor einiger Zeit ein Praktikum bei Melting Pot Music gemacht. Wie bist du dort gelandet und wie hat das ausgesehen?
Mr. Käfer:
Ich habe in Salzburg Audiodesign studiert. Da hat man im vierten Semester ein Praktikums-Semester. Das habe ich ab September 2018 bei MPM in Köln gemacht, das hat sich super ergeben. Ich habe hauptsächlich den Online-Shop betreut, aber auch Social-Media-Kram, Promo und Kommunikation mit den Artists gemacht. In dieser Zeit habe ich auch „Lost Reflections“ fertiggemacht, das ist dann gleich übers Sublabel Ko-Op erschienen.

Hat es sich komisch angefühlt, gleichzeitig Artist und Praktikant zu sein?
Ich habe es soweit positiv erfahren, aber es war schon bisschen gewöhnungsbedürftig. Es gab nie wirklich Diskussionen darüber.

Du bist nach dem Semester dann gleich in Köln geblieben?
Ich bin jetzt wieder dort. Ich bin zuerst zurück nach Salzburg, habe mein Studium fertig gemacht und bin kurz darauf wieder nach Köln gezogen.

Was macht den Reiz von Köln aus?
Die Beatszene ist größer, es ist spannender. Salzburg ist echt schön, aber überschaubar. Es sind auch viele weggezogen, aber das war immer schon so.

War dir das Connecten innerhalb der Beatszene immer schon wichtig?
Ja, aber es hat sich immer natürlich ergeben. Ich habe ja so 2012 herum meine ersten Beats gemacht. Zunächst lief es vor allem über SoundCloud, da war es noch eine recht überschaubare Community und man hat sich schnell connected – sogar Devaloop habe ich über SoundCloud kennengelernt, obwohl wir aus derselben Stadt sind (lacht). Die Beatszene ist generell sehr offen und es ist nice, wenn man sich einfach treffen kann. Wenn man sich auf der persönlichen Ebene versteht, hat man eine gute Zeit, chillt und macht Musik.

Wie kann man sich den Ablauf beim gemeinsamen Produzieren vorstellen?
Ganz unterschiedlich. Es ist oft wie ein Rad. Einer fängt zum Beispiel an, Drums zu bauen, der andere sitzt an den Keys, dann tauscht man durch und so weiter. Am Ende setzt man sich meistens gemeinsam hin, arrangiert und stellt es fertig. Oder man schickt sich übers Netz die Sachen immer wieder durch, bis es fertig ist, das geht natürlich auch.

Du bist neben dem Rapper Dunkler Führer und Devaloop Teil der Crew Silentists. Dort trittst du unter dem Namen JamalJabiby als Rapper in Erscheinung. Hast du damit vorm Produzieren angefangen?
Ja genau, damit habe ich zuerst angefangen. Dann lief es eine Zeit lang parallel, es wurden aber mit der Zeit immer mehr Beats und weniger Rap.

Wie haben sich dein Equipment und die Herangehensweise an die Produktionen mit der Zeit entwickelt?
Ich bin nach wie vor relativ spartanisch unterwegs. Ich habe das Nötigste – ein Keyboard, eine MPD, paar Sampler und Turntables. Es ist schwer zu sagen, wie es sich verändert hat, weil man es selber nicht wirklich merkt. Man hat seine gewohnte Art, zu produzieren und wird schneller darin. Ich versuche auch immer wieder, Sachen so zu machen wie ich sie sonst nie mache, um auf neue Ideen zu kommen. Damit man nicht zu sehr in seinem Workflow gefangen ist.

Was hast du zuletzt bewusst verändert?
Gute Frage. Ich habe viel mehr Resampling gemacht, also eigene Samples eingespielt, nochmal aufgenommen und erneut gesamplet. Das ist jetzt natürlich nichts wirklich Neues, aber ich habe es zuletzt stärker eingebaut. Auch Features machen mir immer mehr Spaß, vor allem mit Instrumentalisten, weil jeder seinen eigenen Zugang hat. Als Beatmaker hörst du Sachen anders als jemand, der ein Instrument spielt. So ergeben sich immer coole Sachen.

Kannst du schon was zu deinen weiteren Plänen veraten?
Es kommt eine EP mit Flitz&Suppe, wir produzieren gerade viel gemeinsam. Außerdem will ich wieder was mit K. Sparks, einem Rapper aus New York, machen. Mit ihm habe ich schon im Jänner die EP „City Conversations“ veröffentlicht. Mit Malev Da Shinobi, ebenfalls ein US-Rapper, arbeite ich seit einer halben Ewigkeit an einem Album. Ich warte gerade auf die Recordings – mal schauen, wann das fertig wird.

Beitragsfoto: David Henselder

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