MOTHERDRUM

Instrumentaler Idealismus aus Wien: MOTHERDRUM

 

MOTHERDRUM
Foto: Tim Dornaus

Ende 2016 wurde mit einem Auftritt im Ernst-Kirchweger-Haus in Wien-Favoriten die Gründung des Projekts MOTHERDRUM zelebriert. Seither wirkt unter diesem Namen eine Vielzahl an idealistisch gestimmten Musikern bei Sessions zusammen, Improvisation steht dabei stets im Vordergrund. Als Plattform für moderne Instrumentalisten möchte MOTHERDRUM mit der Verschmelzung von komplexen akustischen Klängen, Samples und elektronischen Sounds „Klangexplosionen freisetzen“. Das wollen die Beteiligten mit der Kombination von Live-Improvisation und experimenteller Clubmusik erreichen. Eine stilistische Einordnung der Klänge fällt schwer und wäre nicht im Sinne der Musizierenden, die sich als Freigeister sehen und Genregrenzen strikt ablehnen. Dem musikalischen Zeitgeist möchten sie umso mehr entsprechen.

Laufend kommt es zu Formationswechseln, denn statt einer fixen Besetzung gibt es einen Pool an beteiligten Instrumentalisten, der mittlerweile auf über 20 Personen angewachsen ist. MOTHERDRUM ist also eher ein Kollektiv als eine konventionelle Band. Gründer und Leiter des Projekts ist Schlagzeuger und Produzent Alexander Yannilos. Bei MOTHERDRUM kombiniert er mit seinem Hybrid-Drumset Akustisches und Elektronisches – er fungiert als einziger Fixpunkt, die Besetzungen bilden sich stets um ihn herum. So gab es etwa im vergangenen September an einem Wochenende drei Auftritte in der „Strengen Kammer“ im Porgy & Bess, jeweils mit anderen Mitwirkenden und Abwechslung bei den Instrumenten.

Generell stellen Auftritte neben klassischen Sessions das zweite Herzstück dar. So gab es vergangenes Jahr über 30 MOTHERDRUM-Konzerte in und rund um Österreich. Zwar gibt dabei keine fixen Repertoires, doch jeweils fungieren kompakte, im Studio entstandene Tracks als Basis. Auch hier entscheidet die Spontanität das Endprodukt – die Musizierenden ergänzen die Grundgerüste durch Live-Improvisation. Unvorhersehbarkeit, Jazz-Attitüde, jede Menge Breaks und ein hohes spielerisches Niveau der beteiligten Instrumentalisten sind Eckpfeiler der tanzbaren Shows. Dabei nehmen häufig Synths – die unter anderem schon der SK-Invitational-Keyboarder Philipp Nykrin beigetragen hat – sowie Blasinstrumente eine gewichtige Rolle ein.

Veröffentlichungen des Kollektivs, das Teil des progressiven Wiener Labels Freifeld Tontraeger ist, gibt es bis dato ausschließlich auf YouTube. Das Debütalbum ist jedoch in Planung und soll noch heuer erscheinen. Im Rahmen der Serie „UNPROVISATIONS“ werden Ergebnisse von Sessions vorgestellt, mittlerweile sind fünf Videos online. Ein Highlight ist etwa der groovige, mit fast hypnotischen Vocal-Samples ausgestattete Protest-Track „PGB“. Hingegen bietet das düstere, mit Trompete, Saxofon und tiefen Bässen und Bläsern garnierte „UNDANCE“ wuchtige Industrial-Ästhetik. Mit „sudo“ ist kürzlich der bislang jüngste Teil der Improvisations-Reihe erschienen, der dominante Synths aufweist und in eine ähnliche Richtung wie „UNDANCE“ geht.

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