Moses Sumney und der schmelzende Soldat: „Rank & File“ // Video

Singer-Songwriter Moses Sumney aus Los Angeles ist mittlerweile mehr als nur ein Geheimtipp. Mit seinem superben Debütalbum „Aromanticism“, ein mitreißendes Loblied an die Einsamkeit, setzte der Endzwanziger 2017 ein musikalisches Ausrufezeichen, das auch im medialen Mainstream äußerst wohlwollend rezipiert wurde. Eine Entwicklung, die nicht überrascht, zeigte Sumney, der in den USA und Ghana aufwuchs und als akademischen Titel einen Bachelor in Kreativem Schreiben auf der Visitenkarten stehen hat, bereits auf seinen ersten Lo-Fi-EPs Kostproben seines riesigen Potentials. Dieses galt es im weiteren Verlauf seiner Karriere nur auszuschöpfen.

Das gelang auf „Aromanticism“ – und die Chancen stehen gut, dass Sumney auf seiner neuen EP „Black in Deep Red“, die am Freitag erscheint, dieses Niveau halten kann. Inspiriert wurden die Lyrics der EP von einer Demonstration, der Sumney 2014 beiwohnte, nach Eigenaussage zum ersten und letzten Mal. Ausgangspunkt für die damalige Versammlung war die Entscheidung einer Grand Jury, den Polizisten Darren Wilson, der den afroamerikanischen Schüler Michael Brown erschossen hatte, nicht anzuklagen. Landesweite Proteste waren die Folge, in Ferguson, wo sich die Tat ereignete, kam es zu Unruhen. Diese Erfahrungen verarbeitete Sumney in der textlichen Gestaltung der drei Tracks auf „Black in Deep Red“ (der Titel ist einem Mark-Rothko-Bild entlehnt).

Dass es sich dabei wenig überraschend um schmerzhafte Erfahrungen handelt, verdeutlicht der audiovisuelle Vorbote „Rank & File“, auf dem Sumney voller Pein resümiert: „Now I don’t care what I’ve been told/This police state is much too cold“. Sein charakteristisches Falsett kommt dabei natürlich auch zum Einsatz, aber dieses nimmt nicht die tragende Rolle im Song ein: „Rank & File“ lebt von einer militärischen Soundästhetik (mit Fingersnaps als Percussion), den Vocal-Samples (wie „They in soldier mode, they in toy soldier mode right now“ zu Beginn des Tracks) und nicht zuletzt vom lyrischen Gehalt. Minimalistisch fällt das Video aus, besteht dieses einzig aus der Aufnahme einer dahinschmelzenden Soldatenfigur.

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