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Mero

Ein Handymeer und Kreischchöre für den Shootingstar // Mero live

Fotos: Daniel Shaked

Im Rahmen seiner ersten Live-Tour beehrt Mero erstmals Wien. Ursprünglich in der Simm City geplant, wurde der Austritt in den nahen Gasometer hochverlegt. Beim Einlass reicht die Warteschlange beim Einlass bis zum Eingang der gleichnamigen U-Bahn-Station zurück. Die Show ist gut besucht, wenngleich nicht ganz ausverkauft.

Der Ansturm spiegelt den kometenhaften Aufstieg des Rüsselsheimer wider. Erste Bekanntheit erlangte er durch Instagram-Videos mit Freestyles, die ihm einen Vertrag beim Xatar-Label Groove Attack TraX eingebracht haben. Im November 2018 folgte die Debütsingle „Baller los“, nur wenige Monate später chartete sein Debütalbum „Ya Hero Ya Mero“ in Deutschland, der Schweiz und Österreich auf Platz eins. Auch in der Türkei, wo seine Wurzeln liegen, baute Mero nicht zuletzt dank zweisprachiger Tracks eine beachtliche Reichweite auf. Mit „Unikat“ ist kürzlich ein weiteres Album erschienen, mittlerweile haben zwei seiner Videos auf YouTube über 100 Millionen Views erreicht. Debatten um die „wahren“ Dimensionen des Hypes und gekaufte Klicks hin oder her, Mero begeistert – und das definitiv auch in Wien.

Ein beträchtlicher Anteil des Publikums dürfte sich noch im schulpflichtigen Alter befinden. Diese Annahme unterstreichen die ohrenbetäubenden Kreischchöre, die ab Beginn der Show zum wiederkehrenden Element werden. Das Bühnenbild ist für die Generation Z zugeschnitten: Über dem Rapper sorgen mehrere Bildschirme im Look überdimensionierter Smartphones für visuelle Begleitung, während die regulären Seitenmonitore dunkel bleiben. Generell spielen Handys an diesem Abend eine bedeutende Rolle. Dass zeitweise etwa so viele Besucher wie mitfilmende Geräte zu sehen sind, sorgt für einen befremdlichen Anblick. Mero fällt es schwer, diesem Bild entgegenzusteuern. So zeigt seine zwischenzeitliche Aufforderung an die herumstehende Mehrheit im Gasometer – „Jetzt gehen wir mal richtig ab und springen so hoch wie möglich!“ – trotz euphorisch klingender Reaktionen beim anschließenden Track kaum Wirkung. Ob das ein Ausblick auf den Konzertbesuch der Zukunft ist?

Mero

Insgesamt hinterlässt Mero bei seinem Auftritt einen abgebrühten Eindruck. Mit Unterstützung des Back-ups Brado – sowie einer auch bei türkischen Parts textsicheren Crowd – rappt er seine Tracks makellos ein. Das Erfolgsrezept geht nicht nur in Schulhöfen und Parks, sondern auch bei der Show auf: Technisch ansprechend gerappte Sequenzen treffen auf orientalisch beeinflussten Singsang und einprägsame Texte, was für viel Ohrwurmcharakter sorgt. Dieser kommt live noch stärker zur Geltung, zumal meist bereits nach einer Strophe und der „Lalala“-Hook Schluss ist. Gleichzeitig verdeutlichen die raschen Wechsel, wie monoton der Sound abgesehen von wenigen Ausreißern wie dem zweisprachigen „Olabilir“ ist.

Zwischen den Tracks geht es Mero oft minimalistisch an. Teils müht er sich zu passenden Überleitungen, die sich oft auf Stehsätze wie „Wer will mit mir auf die Malediven?“ beschränken. Die vielen jungen Kehlen kreischen ohnehin bei jedem Schlagwort auf. Anders geht es der Rapper vor „Olé Olé“ an. So bittet er zwei Burschen auf die Bühne und misst sich mit ihnen beim Gaberln. Selbst vor Beginn seiner Rap-Karriere als Nachwuchskicker beim SV Darmstadt 98 aktiv, inszeniert sich Mero heute gekonnt als Vorbild und großer Bruder für jüngere Fußballer. Das wirkt dank der eigenen Vorgeschichte durchaus authentisch.

Mero

Als Special Guest betritt in weiterer Folge mit Loredana eine derzeit ähnlich erfolgreiche Rapperin die Bühne, ihre bloße Präsenz löst viel Begeisterung in der Halle aus. Neben dem gemeinsamen Track „Kein Plan“ spielt sie Solonummern wie den brachialen Herzschmerz-Song „Genick“, im Gegensatz zu Mero allerdings Playback. Anschließend übernimmt der Hauptact noch einmal kurz alleine das Zepter und sorgt mit „Wolke 10“ für ein stimmungsvolles Ende seines Auftritts.

Fazit: Für jemanden, der sich seit Jahren mit der Rap-Sparte auseinandersetzt, mögen die Tracks von Mero trivial erscheinen, die Show und das Publikum für belustigte Mienen sorgen. Doch es macht wenig Sinn, sein Konzert aus dieser Position heraus zu beurteilen. Bei seiner Wien-Premiere zeigte sich Mero raptechnisch auf einem guten Level, er spulte sein Programm gekonnt ab und wusste seine Fans zu begeistern. Dass Mero weitgehend auf Kraftausdrücke verzichtet und das Verherrlichen von Drogen bei ihm kein Thema ist, machte sein Konzert zudem auch für begleitende Eltern verträglich. Für die jüngsten Fans, die teils noch im Volksschulalter, teils im frühen Teenie-Alter sind, bietet er bestimmt nicht den schlechtesten Einstieg in den Rap-Kosmos.

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