„Fuck it, ich mach es alleine!“ // Melik Interview

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Melik – by Niko Havranek

Melik macht seit geraumer Zeit Musik – einen Namen hat er sich vor allem mit seinen versierten Fingern an der Produktion gemacht. In Wien kennt man ihn vor allem durch die Zusammenarbeiten mit Rapper und Freund Shawn The Savage Kid und sein umtriebiges Produzenten- und DJ-Kollektiv Dusty Crates – gegründet von simp und Melik, mit Mitgliedern wie Clefco und OlinclusiveJetzt hat sich der Wiener mit kroatischen Wurzeln dem Mic zugewandt und mit „Was los“ und „0815“ haben wir uns die erste musikalische Vorspeise à la Melik schmecken lassen – nun sind wir gespannt, was die Hauptspeise bringt.

The Message: Du warst ja doch überwiegen als Produzent tätig, wie kam es jetzt zum entscheidenden Griff ans Mic?
Melik: Seitdem ich Musik mache, rappe ich eigentlich. Ich bin für mich selbst auch immer noch mehr Produzent, weil vor den meisten Raps auch die Beats kommen. Selten versuch ich mal zu einer Hook einen Beat zu bauen, der dem Vibe entspricht, das ist aber viel anstrengender. Ein paar Leute haben mich dazu gebracht und gesagt, dass ich das mal gescheit machen soll, mal Videos raushauen soll oder ein Album – und die Sachen sind dann irgendwie so aufeinander gefallen. Nach dem Vertragsausstieg bei Showdown war ich ziemlich down – der Ausstieg war das Richtige, weil wir uns einfach mehr Support gewünscht hätten. Das war ein wesentlicher Faktor, dass ich mir dachte: Fuck it, ich mach es alleine! Scheiß auf Labels!

Das heißt, dass das Thema Label erstmal gegessen ist und du independent releasen willst  – oder wäre das unter anderen Umständen doch interessant?
(schmunzelt) Ich bin offen für alles. Ich höre mir jedes Angebot an – ich bin ein realistischer Mensch und würde nichts abschlagen, was gut für mich wäre. Aber grundsätzlich habe ich da keine Pläne.

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Um Dusty Crates ist es in letzter Zeit deutlich ruhiger geworden – ist der totale Fokus jetzt auf dein Solo-Projekt gerichtet?
Eigentlich existiert Dusty Crates seit ca. zwei Jahren nicht mehr wirklich. Es hat sich damit auseinandergelebt, dass wir alle nicht mehr wirklich Zeit hatten, miteinander Beats zu machen und auf Live-Shows vorzubereiten. Irgendwann tauchte der Name nur noch in Klammer auf irgendwelchen Online-Flyern auf. War ein geiles Projekt – auch in Anbetracht der Szene, die wir hier haben.

Wenn du von der Szene sprichst, siehst du dich als „Wiener Rapper“? Bzw. ordnest du dich der Wiener Szene zu?
Wien, Baby! Das ist meine Stadt, ich bin hier aufgewachsen und hab hier mein Leben. Grundsätzlich geht es mir aber primär nicht um die Stadt. Wir haben hier einen Charme, den ich auch zu verpacken versuche – trotzdem würde ich mich nicht als „Wien Rapper“ bezeichnen. Da habe ich eher Beats gemacht für ein paar Wiener.

Was sind für dich klassische Wiener Rapper?
Klassischer Wiener Rap wär für mich PerVers und all das. Extrem real – weil die Jungs noch alles selbst aufgezogen haben. Das war einfach ein Movement und dahinter war enorm viel Kultur verborgen. Die haben sich nicht einfach Abelton via Torrents gezogen, ein paar Sample-Packs geladen und das Ding dann online gestellt. Das war einfach fucking authentisch.

Hat dich das in der Jugend begleitet?
Nein, eigentlich nicht wirklich. Aber für mich ist zum Beispiel Kamp auch ein klassischer Wien MC. Das „Versager ohne Zukunft“-Zeug habe ich schon sehr gefeiert. Es war damals nice, das alles wachsen zu sehen in Wien – vor allem, dass da was kommt, wo auch die Deutschen aufmerksam werden. Er hat Wien schon sehr representet. Und das fehlt den Wienern, finde ich, dass sie sich darstellen, wie sie sind. Tausende Leute machen nur die Deutschen nach, ich spreche ja auch Hochdeutsch – aber prinzipiell war mir Wien immer ein bisschen zu schwach von der Attitüde her. Und nur weil Leute hier leben, würde ich das nicht als Wien-Rap bezeichnen, auch wenn ich vieles hier feiere.

Wir haben in Österreich in den letzten Jahren doch einige Hypes erlebt – nicht nur im HipHop mit Leuten wie Yung Hurn oder Crack Ignaz – vor allem in der Populärmusik mit Bilderbuch, Wanda und Voodoo Jürgens. Wie stehen die Chancen, dass sich dieses Gefühl im deutschsprachigen Raum hält, dass aus Österreich viel Wegweisendes kommt?
Bilderbuch ist fantastisch – wenn die so weitermachen, haben die noch einen guten Weg vor sich.

Wie siehst du das in Bezug auf den Österrap?
Ja, da bin ich mir sicher. Ich finde einiges von hier um Welten besser als das Zeug aus Deutschland. Deutschland ist halt riesig und mir kommt vor, dass sich gerade in Deutschland alle der Wiener Szene öffnen. Da hat sicher Yung Hurn einen großen Teil dazu beigetragen. Und dann haben wir noch RAF Camora – ich gönne ihm das abnormal, der hat so viel Zeug produziert und lange durchgehalten.
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In Deutschland ist natürlich auch die Medien-Präsenz im HipHop-Bereich viel besser ausgebaut.
Durch das große Interesse gibt es natürlich auch mehr Medien und mehr Möglichkeiten.

Wie empfindest du das in Österreich?
Grundlegend gäbe es wahrscheinlich eh genug Interesse – dadurch dass wir uns den deutschsprachigen Raum mit anderen Ländern teilen. Man könnte das viel mehr ausnutzen, man kann auch aus Wien, Linz oder Graz ein super nices Ding starten – egal, wo man sitzt. Schau dir Berlin an, zum Beispiel die Colors Show – ein einfacher, farbiger Raum, ein Artist mit kleinem Hype und der performt da. Eine simple Idee – aber so was kannst du überall machen. Da geht es echt nur noch um die mediale Präsenz im Internet.

Dann kommt man um gesponserte Posts nicht rum?
Das ist immer eine Frage der Finanzen. Lustig, dass du fragst – mein erster Post zum Beispiel hat mehr Likes als jeder Bezahlte bekommen. Die Leute kommen so oder so drauf. Wenn es gut ist, macht es die Runde. Sponsoring nimmt halt das organische Wachstum und des nimmt vielleicht auch die Zeit, die manche Leute brauchen, um sich ein Bild davon zu machen.

Gibt es denn einen Release-Plan – Album, Singles, Videos?
Es gibt auf jeden Fall einen Plan: Ich werde noch ein paar Videos releasen und dann mit einer der Singles ein Album ankündigen. Das alles bisher sind keine Album-Auskoppelungen. Und ich habe auch nicht vor, einen der kommenden Tracks aufs Album zu hauen – ich gehe auch Album-technisch in eine etwas andere Richtung. Die Herausforderung ist, dass die Leute die Tracks von Anfang bis Ende hören, ohne zu Skippen. Es gibt wenige Alben, die ich vom Intro bis zum letzten Song durchhöre.

20170602_Melik_©NikoHavranek-2Welche Alben laufen bei dir denn am Stück durch?
Auf jeden Fall das Ivan Ave „Helping Hands“-Album und das mit Fredfades „Fruitful“. Und natürlich Erykah Badu, Nas „Illmatic“ und A Tribe Called Quest.

Wie sieht es aus mit Konzerten?
Also ich hab wirklich Bock auf live, aber ich halte mich da ein bisschen zurück bis ich wenigstens fünf, sechs Songs releast hab – sonst macht das wenig Sinn. Und ich will natürlich diesen Herren hier mitziehen (Melik zeigt auf Shawn The Savage Kid), der auch endlich wieder mehr Zeug macht.

Nicht nur österreichische Musik ist vermehrt ein großes Thema, auch die Wahlen stehen bevor. Kurz, Strache oder Kern?
Es ist ein Circus – als würdest du für etwas Eintritt zahlen und dann richtig verascht werden: Es kommt jemand anderer, als versprochen, der ist dann auch noch extrem schlecht und am Ende wirst du noch mit Bier beschüttet. Ich pack die Politik in Österreich überhaupt nicht. Das ist eine reine Verarsche. Mich wundert es, dass die Leute noch wählen.

Wie kann man dem entgegenwirken?
So wie Peter Klien zum Beispiel. Das ist genial! Wenn du merkst, welche Fragen er stellt und wie die Leute vor ihm stehen, dann merkst du auch was für Idioten in der Politik sind. Weltweit, nicht nur in Österreich, sind wir an einem Punkt angekommen, wo sich grundlegend etwas ändern muss. Ich weiß, das ist ein bisschen oberflächlich. Paradoxe Kacke!

Zu Strache kann und will ich nichts sagen. Und das sollten alle so machen – vor allem Medien. Der sollte einfach verschwinden und niemand spricht mehr über ihn.

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